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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW
45. BAND JULI 1908 HEFT 7
HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN
Bekanntmachung.
In den Deutschen Buchgewerbeverein wurden im Monat Juli 1908 als Mitglieder aufgenommen:
a) als Einzelmitglieder:
1. Georg Bernhard i.Fa. Plutus Verlag Georg Bern¬
hard, Charlottenburg.
2. Wilhelm von Bätner i. Fa. „Viestnik Znania“,
St. Petersburg.
3. Justus Cederquist i.Fa.Cederquists Kemigrafiska
Anstalt, Stockholm.
4. Hermann Dathe i.Fa. Kunst- und Verlagsanstalt
Schaar & Dathe, Kommd.-Ges., Trier.
5. Emil Doctor , Prokurist der Firma Neuer Frank¬
furter Verlag G.m.b.H., Frankfurt a.M.
6. Fredrik E.Ekman, Stockholm.
7. Elias Fahlcrantz , Direktor der Aktiebolaget Fahl¬
crantz’ Boktryckeri, Stockholm.
8. Alexander Ganz i. Fa. M.Lengfeldsche Buch- und
Kunsthandlung, Köln a. Rh.
9. Erich Gußmann i. Fa. Carl Krabbe Verlag, Stutt¬
gart.
10. G.C.Gustafson i.Fa. Gustafson & Pahlson, Bok¬
tryckeri, Stockholm.
11. Otto von Halem, Generaldirektor der Deutschen
Verlags-Anstalt, Stuttgart.
12. Otto Heidmüller i. Fa. Hinstorffsche Verlagsbuch¬
handlung, Wismar.
13. Daniel A. Kajon i. Fa. Dan. A. Kajon, Buchhand¬
lung und Buchdruckerei, Sarajevo.
14. Karl Kleinau i.Fa. G. Heuer & Kirmse, Graphi¬
sche Kunst- und Verlagsanstalt, Berlin.
15. John Linder i.Fa. Oskarshamns Tryckeri Aktie¬
bolaget, Oskarshamns.
16. Ernst Maaß i. Fa. Leopold Voß, Verlagsbuch¬
handlung, Hamburg. .
17. Kgl. Kommerzienrat Julius Neumann i. Fa. J.Neu¬
mann, Buchhandlung, Neudamm.
18. Shintaso Ohashi i.Fa. Stakubunkan, Tokio.
19. Kaiserlicher Rat Johann Otto, Handelskammerrat,
i.Fa. J. Otto, Buchhandlung, Prag.
20. Per Palmquist i. Fa. P. Palmquists Aktiebolaget,
Stockholm.
21. E.Paul Pfefferkorn i. Fa. Busse & Pfefferkorn,
Kunstanstalt, Leipzig.
22. Emil Pinkau i. Fa. Emil Pinkau & Co., Aktien¬
gesellschaft, Leipzig.
23. Curt Richter, Leipzig-Eutritzsch.
24. Martin Weigel i. Fa. Expedition von Hendschels
Telegraph M. Hendschel, Frankfurt a.M.
25. Bolesdarv Wierzbicki i. Fa. B. Wierzbicki & Co.,
Warschau.
b) als korporatives Mitglied:
Typographische Vereinigung Karlsruhe, Karls¬
ruhe i. B.
Leipzig, im Juli 1908
Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins
Arthur Woernlein, Verwaltungsdirektor
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PRINCETON UNIVERSITY
-: ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE :
Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie
für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig.
III. Die Lithographie. Von Professor ARTHUR SCHELTER, Leipzig.
MSXjl IE Steinzeichenkunst oder, wie sie in der
ßlwl ganzen Welt bezeichnet wird: Lithographie
* st e * ne vervielfältigende Kunst, die ihrem
Wesen nach aus zwei besonderen Teilen besteht.
Der eine Teil umfaßt die Ausführung der Zeichnung
auf der Steinplatte, also die eigentliche Lithographie,
der andre Teil umfaßt die Vervielfältigung dieser
Zeichnung mit Hilfe der Steindruckpresse, den Stein¬
druck. Beide Teile sind voneinander untrennbar,
gleichviel, ob sie in der Hand des selbstschaffenden
Künstlers zu persönlichen Kunstschöpfungen in der
Form von Originallithographien oder Künstlerstein¬
zeichnungen dienen, oder ob sie in der Fabrik unter
Anwendung weitgehender Arbeitsteilung zu unper¬
sönlichen Kopien und Massendruckwerken in der
Form von Chromolithographien benutzt werden. Ihr
Reichtum an künstlerischen Ausdruckmitteln, in
erster Linie die Eigentümlichkeit aller lithographi¬
scher Techniken, daß sie trotz ihrer untereinander
bestehenden großen Verschiedenheit sämtlich für
Massendruckwerke brauchbar sind, haben die Litho¬
graphie in weit höherem Maße als alle andern
graphischen Künste geeignet erscheinen lassen, in
fabrikmäßig organisierten Betrieben ausgebeutet zu
werden. Die Entstehung der lithographischen Fabri¬
ken beginnt mit den siebziger Jahren des vorigen
Jahrhunderts. Während bis dahin die Steindruck¬
handpresse in jeder lithographischen Werkstatt den
Druck lieferte, beginnt mit der Fabrik die Herrschaft
der Steindruckschnellpresse und mit ihr der folgen¬
schwerste Umschwung im Gebiete der Kunst Sene-
felders. Die lithographische Einzelwerkstatt ver¬
schwindet zu Gunsten der Fabrik. Gleichzeitig
entwickeln sich in den ausgedehnten Fabrikwerk¬
stätten durch fortschreitende Arbeitsteilung neue
Arbeitsmethoden, die ihren verderblichen Einfluß
besonders in der Bevorzugung der am wenigsten
künstlerischen Techniken fühlbar werden ließen. So
entstanden die Chromopunktiertechnik und das
lithographische Öldruckbild. Jahrzehntelang haben
beide den Geschmack beherrscht und die gesamte
Lithographie so mächtig beeinflußt, daß in weiten
Interessenten- und Fachkreisen die Kenntnis der
edleren Kunsttechniken so gut wie verloren ging und
das Verständnis für die rein künstlerischen Eigen¬
schaften der Lithographie in einem solchen Maße
verschwand, daß sie im allgemeinen überhaupt nur
als eine reproduzierende Kunst gekannt und ge¬
schätzt wurde. Erst als die ungeahnten Fortschritte
der modernen Reproduktionstechnik mit Hilfe des
photographischen Apparates die Unzulänglichkeit
aller lithographischen Reproduktionsverfahren, so¬
weit sie nur auf der menschlichen Handfertigkeit
beruhen, überzeugend darlegten, beginnt der Um¬
schwung sich zu vollziehen, der die Lithographie
wieder als eine originale graphische Kunst zur An¬
erkennung bringt.
Die künstlerischen Eigenschaften der Lithographie
zu pflegen und ihnen gleichzeitig den Weg zu bahnen
hat sich die Königliche Akademie für graphische
Künste und Buchgewerbe in Leipzig zur Aufgabe
gestellt. In der Vorschule dieser Anstalt besteht ein
technischer Kursus für Lithographie als Ergänzungs¬
unterricht für Schüler und Schülerinnen bei halb¬
jähriger Dauer und wöchentlich acht Unterrichts¬
stunden. Er bezweckt nicht die technische Ausbil¬
dung von Lithographen wie sie in der Fabrik mit
mehrjähriger Lehrzeit erreicht werden kann, sondern
er will über die von der Akademie der Pflege wert
erachteten Ausdrucksweisen der Lithographie und
des Steindruckes aufklärend wirken. Der Schüler
soll an einer Reihe Einzelübungen Gelegenheit
finden, die eigentümlichen Schönheiten der ver¬
schiedenen lithographischen Techniken, sowie ihre
charakteristischen Unterscheidungsmerkmale kennen
zu lernen, um sodann in einer Schlußübung bei
freigestellter Auswahl unter den erlernten Tech¬
niken an einer drei- bis vierfarbigen Studie nach
der Natur in das Wesen des Farbendruckes einge¬
führt zu werden. Alle Übungen sind in jedem Falle
nach Naturmodellen unmittelbar auf der Steinplatte
auszuführen. Technische Hilfsmittel z. B. Pausen
dürfen dann angewendet werden, wenn die Eigen¬
tümlichkeiten der umgekehrten Bilderscheinung auf
dem Abdruck vom Schüler erfaßt worden sind. Die
Ausführung der Übungen geschieht nach dem Grund¬
sätze, daß das fertige, gedruckte Bild durch alle Ent¬
wicklungsstufen das eigenhändige Erzeugnis des
Schülers sein soll. Alle hierbei notwendigen tech¬
nischen Vorgänge von der Vorbereitung der Stein¬
platte bis zum fertigen Abdruck sind Unterrichts¬
gegenstände desKursus, die jederTeilnehmer kennen
und ausüben lernen muß. Das Schleifen und Körnen
der Steinplatten, das Ätzen der Steinzeichnungen
gehören ebensowohl dazu, wie das Drucken an der
Steindruckhandpresse. Der Unterricht im Drucken
an der Presse umfaßt die künstlerisch wichtigen Ver¬
fahren: das Umdrucken eigener Handzeichnungen
und den Andruck in Schwarz- und in Farbendruck.
Ausgeschlossen sind alle Druckvorgänge, die zur
Vervielfältigung des Andruckes durch Schnellpressen
dienen (Auflagedruck). Für das Drucken an der
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE =
Presse kann in Fällen mangelnder Körperkraft z. B.
bei Schülerinnen oder gebrechlichen Schülern per¬
sönliche Dispensation erfolgen. Dem Beginn des
eigentlichen Unterrichts geht ein Vortrag voraus, der
in großen Zügen die geschichtliche Entwicklung der
Paul Hartmann. Sommer 1907 (Tuschzeichnung)
Paul Klessig. Winter 1904/05 (Umdruck von Ingrcs-Papier-Zeichnung)
Lithographie behandelt und unter Vorführung sowie
Besprechung der Pressen, des Steines und seiner
Ersatzmittel, der übrigen Werkzeuge, der Tusche
und Kreide und ihrer Bereitung, der Steindruck¬
farben und Druckpapiere das notwendig Wissens¬
werte als Grundlage für die folgenden praktischen
Übungen vermitteln soll. Die Summe von Kennt-
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nissen und fachtechnischem Können, die der Kursus
vermitteln will, gilt an der Schule als Norm für die
Aufnahmefähigkeit in die Fachschule. Zum Eintritt
in die Fachschule ist in jedem Falle nachzuweisen
entweder der erfolgreiche Besuch des technischen
Käthe Röhler. Winter 1906/07 (Asphaltgrund-Schabzcichnung)
Otto Melzer. Winter 1905/06 (Umdruckzeichnung mit Asphaltton);
Vorschulkursus oder, für solche Schüler, die von
auswärts kommen, ein gleiches Maß von Fähigkeiten,
das in der Praxis durch eine Lehrzeit oder auch
durch Selbststudium erworben sein kann. In der
Fachschule sind solche Schüler aus der Praxis be¬
sonders willkommen, da sie ihrem in der Lehre oder
sonstwie erworbenem Können noch die allgemeine
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
künstlerische Bildung hinzufügen und dabei per¬
sönlichen Richtungen und Neigungen nachgehen
können. 1 2 3
ln der Regel ist die Reihenfolge der Übungen des
technischen Kursus folgende:
Philipp Klien. Winter 1906/07 (Kreidezeichnung)
Carl Streller. Winter 1906/07 (Kreidezeichnung)
1. Die Zeichnung auf glattgeschliffener Steinplatte
mit Pinsel, Feder oder Spritzsieb.
2. Die Kreidezeichnung auf gekörnter Steinplatte.
3. Die Asphaltgrund-Schabzeichnung auf Stein.
1 Über die andern Fachschuleinrichtungen zur Pflege der
Lithographie und zur Fortbildung der in ihrem Gebiete
Tätigen gibt ein Aufsatz von M. Seliger: Einige Worte über
Einrichtungen zur Förderung der Lithographie an der
Kgl. Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in
4. Die Umdruckzeichnung.
5. Das Aluminium- und Zinkdruckverfahren.
6. Der lithographische Buntdruck.
Die Beilage in diesem Hefte ist die letzte Arbeit
eines Schülers des Winterhalbjahr-Kursus 1906/07.
Felix Paul. Winter 1906/07 (Kreidezeichnung)
Die Hauptplatte ist eine auf Patentkornpapier aus¬
geführte, auf Stein umgedruckte Naturstudie, zu
der drei Farbenplatten in Kreidetechnik gemacht
worden sind.
Leipzig, im Feuilleton der Fachzeitschrift: Der Lithograph
Nr. 9 (l.und 15. Mai 1907) und ein älterer von demselben
Verfasser: Zurkünstlerischen Ausbildung desLithographen
in dem Jahrbuch für das lithographische Gewerbe 1906,
Herausgeber Karl Kluth, Karlsruhe, genauere Auskunft.
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Hans von Volkmann
Von G. WUSTMANN, Leipzig.
Sr^TjNSER Gefühl für landschaftliche Schönheit
hat sich äußerst verfeinert.
den freundlichen Dörfern, sonnigen Wiesen und kühlen
Wäldern der sächsischen Heimat fand, das ist uns jetzt
wieder etwas völlig Selbstverständliches geworden.
Für das Staffeleibild freilich mußten uns erst die
Einsiedler von Barbizon und Frangois Millet den Weg
zeigen. Besonders dieser war es, der in seiner plötz¬
lich erwachten Liebe zur Scholle seiner Heimat dem
Schönfärbertum, das ihn vorher in materieller Be¬
ziehung so grausam betrogen hatte, den Laufpaß gab,
und aus der oft mehr als simpeln Landschaft der
Wir trachten
Tj ^gjfcy if nicht mehr nach den sogenannten male¬
rischen Blicken, die sich aus scharfen Gegensätzen
von Gebirge und Flachland, Fels und Wasser, wildem
Baumwuchs und glatten Wiesenflächen aufbauen.
An Stelle des imposanten Vorwurfs ist die Stimmung
getreten, eine Unterstufe des malerischen, deren
Wesen in dem Zusammengehen größerer einheit¬
licher Teile zu einem ruhigen Ganzen liegt. Mit dem
Betonen der Stirn-
mung in der Land- r ^
es keiner großen Rei-
sen bedarf, die man
nicht in mühevollen K
Klettertouren auf j
selbstgesuchten Pfa- £j ^ I® 1
den erringt, die nicht
als etwas Fremdes
und deshalb beson- 4k8ll fcfcSS y--
ders Überraschendes
in unser Leben tritt. ^
durch den Zauber ein-
heitlicher Stimmung ^ "' ■ * MI CS—i
Spricht Und in unsrer Hans von Volkmann, Ansichts-Postkarte. Kolorierte Federzeichnung
Seele verwandte Klänge lebendig werden läßt, sie nächsten Umgebung seines Geburtsortes die er-
begegnet uns in der Heimat auf Schritt und Tritt, habenen Naturschilderungen schöpfte, die mit den
und es ist nicht am wenigsten die Liebe zur Heimat, rührenden Gestalten des Landvolkes in seiner ewig
die unsre Augen wieder geöffnet und uns gelehrt gleichenTätigkeit zu unvergleichlichen Lobpreisungen
hat, daß nicht die blendende Schönheit des Südens auf Gottes Schöpfergüte emporwuchsen. Je weniger
und die glühenden Effekte des Ostens vonnöten die Landschaft selbst dem Auge an festen und man-
sind, um landschaftliche Schönheit für die Kunst nigfaltigen Formen darbietet, um so mehr vertieft sich
zu gewinnen. Was Dürer mit der ganzen Kraft ja der Blick in die unendlichen Fernen des Himmels
seines fühlenden Herzens erlebte, der bei all seiner und findet in seinen unausgesetzt wechselnden Ge-
Sehnsucht, von den welschen Künstlern geheime stalten des Wolkenreichs Nahrung für die durstige
Wissenschaft und schöne Form zu lernen, doch in Phantasie. Da verfeinert sich das Auge in kaum ge-
der Natur seines Landes schließlich die brauch- ahnter Weise für die leisesten Bewegungen des Bo¬
barsten Vorbilder für seine Schöpfungen fand, was dens, für die zartesten Unterschiede des Lufttons,
sich an Ludwig Richter wie ein Wunder vollzog, und das weiche Grau eines bedeckten Frühlings-
der in Italien große Landschaftsblicke mit unheim- himmels kann dem, der darin zu lesen versteht,
lichem Fleiß in feiner, scharfer Bleistiftlinie dem schließlich ebensolche Reichtümer offenbaren, wie
Papier anvertraute in der Erwartung, zu Haus dann die gewaltig sich auftürmenden Gewittermassen in
Bild auf Bild danach in peinlich sauberer Ölfarbtech- den Felsentälern des Hochgebirges,
nik auszuführen, und schließlich doch den unergründ- Auch in Deutschland mußte schließlich einmal das
liehen Schatz für das Schaffen seines spätem Lebens in Posieren mit gesuchten ausländischen Landschafts-
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Vorbildern und mit
besonders akzen¬
tuierten Theater¬
beleuchtungen zu
einerÜbersättigung
des Auges führen,
die natürlich von
den Künstlern am
allerersten emp¬
funden wurde. So
kamen auch wir end¬
lich dazu, wieder
im eigenen Lande
Einkehr zu halten
und seine milden,
aber innigen Reize
für die Kunst zu
entdecken. Er¬
scheinungen, wie
die Flucht einzel¬
ner Maler aus dem
Großstadtgetriebe und ihre dauernde Ansiedlung im
Freien, die zu Kolonien wie die in Worpswede führ¬
ten, sagen genug, wie ernst es den Künstlern damit
war, wieder in eine innige und dauernde Verbindung
mit der Natur zu
treten. Nicht nur
den schönsten Teil
des Jahres wollten
sie im Freien zu¬
bringen wie der
sommerfrischelnde
Großstädter.
Das hätte zu einer
höchst einseitigen
und mangelhaften
Kenntnis der hei¬
matlichen Natur ge¬
führt. Erst wenn sie
gute und schlechte
Zeiten, Herbst¬
stürme und Winter¬
kälte, Taunässe
und Aprilschauer
ebenso genossen,
wie die Schönheit
des Lenzes und den
Segen von Sommer
und Herbst, konn¬
ten sie sich so eins
fühlen lernen mit
der Natur der Hei¬
mat, daß ihre Werke
nicht nur als die
Folgen einer flüch¬
tigen äußerlichen
Bekanntschaft er¬
schienen, sondern
als die beredten
Zeugen einer
nahen seelischen
Verwandtschaft.
Dieses innige Ver¬
hältnis zur Natur
der Heimat tritt in
jüngster Zeit be¬
sonders in der süd¬
deutschen Kunst
zutage, vor allem
hat der Karlsruher
Künstlerbund ihm
einen Teil seiner
Bedeutung zu ver¬
danken. Durch seine
Bemühungen um
die Veredelung des
Steindrucks zu Bild¬
drucken, die zur Gründung einer eigenen Kunst¬
druckerei führten, ist er ja weithin bekannt geworden,
und dieser wohlverdiente Ruf ist um so gerechtfertig¬
ter, als diese Publikationen sowie der bedeutende
Einfluß, den sie auf
Kenntnis und Be¬
wertung künstleri¬
scher Steindrucke
ausgeübt haben, zu
den wenigen Er¬
rungenschaften von
wirklich praktischer
Bedeutung zählen,
die aus deutschen
Künstlervereini¬
gungen in neuerer
Zeit hervorgegan¬
gen sind. Künstler
wie Hans von Volk¬
mann, Franz Hein,
Franz Hoch, Albert
Haueisen, Gustav
Kampmann haben
ihre Arbeit in den
Dienst dieses zur
Hebung des Volks¬
geschmacks und
der Kunstfreudig¬
keit des Volkes so
bedeutungsvollen
Unternehmens ge¬
stellt, das wohl
schwerlich so glän¬
zende Erfolge würde
aufzuweisen haben,
Hans von Volkmann, Kleine Landschaft mit Schafherde. Originalradierung
Hans von Volkmann, Altes Bergnest. Originalzcichnung zu dem Zyklus Eifelbilder
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wenn alle diese
Künstler die Sache
nicht mit dem heili¬
gen Ernst und dem
brennenden Eifer
unterstützt hätten,
die notwendig
waren, um zu einem
wahrhaft volkstüm¬
lichen künstleri¬
schen Stil zu kom¬
men, zu einem Stil,
dessen Wesen sich
in der Verbindung
von schlichtester
technischer Form
mit allgemein ver¬
ständlichen und
zum Gemüt des
Volkes sprechenden
Darstellungen er¬
schöpft. Die einfache farbige Zeichnung, die ent¬
weder durch kräftige schwarze Feder- oder Pinsel-
Hans von Volkmann, Wolken überm Berg. Originallithographie
durch den Steindruck
tung der einzige und
striche, zwischen
die die Farben in
großen Flächen aus¬
füllend hinzutreten,
oder durch weiche,
inmildenGegensät-
zen sich verbin¬
dende Farbenmas¬
sen der körnigen
Kreidebehandlung
wirkt, ist ja so ver¬
ständlich, ja selbst¬
verständlich, daß
sie auch dem naive-
sten Beschauer
nicht hinderlich
sein kann, sofort
zum künstlerischen
Inhalt des Bildes
durchzudringen. So
ist sie infolge ihrer
ermöglichten weiten Verbrei-
auch der beste Ersatz für das
Hans von Volkmann, Ansichts-Postkarte. Kolorierte Federzeichnung
Hansfvon Volkmann, Nußbäume im Frühling. Originalradierung
Aaj..
Hans von Volkmann, Mühle von Gres bei Gerolstein. Bleistiftzeichnung
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DlG OrtGt SCH WCSTGRN niTDGN
CP CP CP GLACSGRNCN H G R Z G N • CP CP CP
//ans von Volkmann , Buchschmuck aus: Leander,Träumereien
an französischen Kaminen. Verlag von Breitkopf & Härtel, Leipzig
Hans von Volkmann, Buchschmuck aus: Eigenbrodt, Aus der
schönen weiten Welt. Verlag von R Voigtländers Verlag , Leipzig
Hans von Volkmann, Buchschmuck aus: Eigenbrodt, Aus der
schönen weiten Welt. Verlag von R. Voigtländers Verlag, Leipzig
Hans von Volkmann, Buchschmuck aus: Leander, Träumereien
an französischen Kaminen. Verlag von Breitkopf & Härtel, Leipzig
Hans von Volkmann , Bucheinbanddecke zu: von Volkmann, Strabantzerchen
Verlag von Hermann & Friedrich Schaffstein, Köln a. Rh.
Hans von Votkmann, Buchschmuck aus: Leander, Träumereien
an französischen Kaminen. Verlag von Breitkopf & Härtel, Leipzig
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Originalgemälde, ja sie ist eigentlich viel mehr als ein
Ersatz, da sie vor ihm eben die unbegrenzte Verbrei¬
tung voraus hat, die hier nicht auf photographischem
Wege geschieht, überhauptnicht
auf dem Wege der Reproduk¬
tion, sondern tatsächlich als ein
in unbegrenzter Auflage zu
verbreitendes farbiges Original¬
bild anzusehen ist.
Unter der oben genannten
Künstlergruppe steht der aus
Halle gebürtige Professor Hans
von Volkmann schon lange mit
in der ersten Reihe, und er ver¬
dient deshalb ganz besondere
Würdigung, weil er nicht wie
andre im Steindruck völlig auf¬
gegangen ist, sondern nach wie
vor als Maler von Staffeleibil¬
dern seine künstlerische Kraft
auf gleicher Höhe bewährt, ohne
doch auf graphischem Gebiet hinter andern zurück¬
zubleiben, die längst die Palette an den Nagel ge¬
hängt zu haben scheinen
und die Leinwand mit
dem Lithographenstein ver¬
tauscht haben. Die umfas¬
sende Sonderausstellung
von graphischen Original¬
arbeiten Volkmanns, die im
Monat Juni dieses Jahres
im Leipziger Buchgewerbe¬
museum zu sehen war, gab
Gelegenheit zu einem tie¬
feren Einblick in seine
künstlerische Tätigkeit auf
dem graphischen Gebiete,
der uns deshalb besonders
willkommen war, weil eine
große Kollektivausstellung
seiner Gemälde erst vor
Jahresfrist im Kunstverein
in Leipzig stand, und sich
aus diesen beiden Ver¬
anstaltungen nun ein Ge¬
samtbild seines künstleri¬
schen Schaffens ergibt, wie
wir es in gleicher Über¬
sichtlichkeit für andre nam¬
hafte deutsche Künstler
recht bald für Leipzig wün¬
schen möchten. Daß Hans
von Volkmann in erster Linie Maler ist, und daß die
Farbe einen beinahe nicht zu entbehrenden Anteil
seiner Kunst darstellt, ist nicht zu leugnen. Zugleich
aber ist er auch als Maler so bekannt und seine
Kunst nach dieser Seite hin schon andernorts so ein¬
gehend gewürdigt worden, daß wir davon hier ab-
sehen können. Zudem enthielt ja auch seine gra¬
phische Ausstellung, mit der
wir es hier ausschließlich zu
tun haben, eine Anzahl sehr
schöner Blätter von großen far¬
bigen Steinzeichnungen, in
denen sich die malerische Be¬
deutung von Volkmanns Kunst
ebenso stark ausspricht, wie in
seinen Ölgemälden. Diese Blät¬
ter, die für die großen Ver¬
lagsunternehmen der künstle¬
rischen Schulwandbilder von
B. G.Teubner und von Robert
Voigtländer in Leipzig gearbei¬
tet wurden, bilden gewisser¬
maßen eine Brücke von dem
Gemälde zur buchgewerblichen
Graphik und sollen uns deshalb
zuerst beschäftigen. — Das Kornfeld in seiner nim¬
mer ruhigen, für den leisesten Luftzug empfänglichen,
bewegt welligen Ober¬
fläche bietet, dem Meere
ähnlich, dem Maler eine
Fülle künstlerischer An¬
regungen, die gerade bei
Volkmann ein lebhaftes
Reagieren von Herz und
Auge erzeugen. Auch ist
dieses Thema in seiner
geistigen Bedeutung von
mühevoller Arbeit und gol¬
denem Lohn, ein rechtes
Thema für Volkskunst und
für Heimatkunst. Freilich
muß es seinem maleri¬
schen und seinem geistigen
Gehalt nach auch in voller
Breite geschildert werden,
nicht nur als wohlschmek-
kende Zugabe zu einem
großen romantisch aufge¬
bauten Landschaftsbild,
sondern als selbständiger
Vorwurf, der am besten
von allen kleineren stören¬
den Zutaten freigehalten
wird. Deshalb wirkt auch
das Bild des reifen Korn¬
felds am mächtigsten, wenn
es unmittelbar mit der luftigen Wölbung des Himmels
in Berührung tritt ohne trennende Zwischenformen
von Wald oder Hügel oder Hochgebirge. Volkmann
gibt uns einmal das reife, vom Winde bewegte
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CHARLY MELMS
Hans von Volkmann, Exlibris
Hans von Volkmann, Exlibris
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Kornfeld, das nur etwas von dem bunten Unkraut¬
schatz verrät, den es liebevoll an seiner Raingrenze
duldet, das andre Mal das gelbe Stoppelfeld mit dem
reichen Erntesegen, der in langen Reihen aufgestell¬
ten Puppen. Diesem Thema werden wir auch in
den rein buchgewerblichen Arbeiten noch einmal
begegnen. In seiner ganzen Größe, das landschaft¬
lich-typische bestimmter Gegenden zu geben, zeigt
sich Volkmann dann in den beiden großen Blättern
des Hohenzollernbergs,
der sich in seinem schon
herbstlich gefärbten Wald¬
kleid in die klare Sonnen¬
luft hinter einem Ge¬
witterregen erhebt, und
die Rheinufer bei Bingen,
über die sich das warme
Graugelb eines Spät¬
nachmittags im zeitigen
Frühling breitet. An den
poetisch-allegorischen
Darstellungen: Die Sonn
erwacht und Der Lenz hat
das lustige, heitere Trei¬
ben der unbefangenen
Märchenkinderwelt Volk¬
manns seinen wesentlichen
Anteil, das ein besonde¬
res Kapitel in des Künst¬
lers Lebenswerk darstellt.
Von den vielen klei¬
neren Steinzeichnungen,
die unsrer Ausstellung
beigegeben waren, brin¬
gen wir unsern Lesern
als Probe die außeror¬
dentlich frei und groß be¬
handelte Studie aus der
Eifel, weil sie in ihrer
schlichten Farbenhaltung
(außer der Zeichnungs¬
platte nur ein kräftiges
violettes Grau und ein ganz blasses, warmes Gelb)
in der Schwarzweiß-Reproduktion verhältnismäßig
wenig Einbuße erleidet. Die wirkliche Graphik ist
ja überhaupt von der Farbe unabhängig und sollte
sie nur als dekoratives Element verwerten, nicht als
unentbehrliches Ausdrucksmittel für die korrekte
Naturschilderung. Deshalb haben wir hier auch auf
weitere Proben von kleineren Volkmannschen Stein¬
zeichnungen verzichtet und bringen nur noch zwei
reizende Entwürfe für Postkarten, bei denen die Wir¬
kung schon in der kräftigen Federzeichnung eigent¬
lich fertig da ist, und die zwei Farben, ein Schiefer¬
grau und ein blasses Gelb, nur zu einer kräftigeren
Gliederung der Bilder dienen: ein Blick aus Dreis
mit sonniger Dorfstraße in Querformat und das etwas
weniger kontrastvoll gehaltene Hochformat aus Dock¬
weiler. Im technischen sehr verwandt ist diesen bei¬
den Karten das große Blatt Altes Bergnest, das einem
größeren Zyklus entnommen ist, der nicht als Litho¬
graphie, sondern als Federzeichnung für Strichätzung
geschaffen wurde und nachträglich einige Belebung
durch Aquarellfarbe erhielt, die jedoch hier auch für
den künstlerischen Eindruck entbehrlich ist. Unser
Beispiel zumal ist in der
scharfen Mittagssonne,
die über der ganzen
Gegend brütet, auf den
Schieferdächern lebhaften
Glanz erzeugt und sich
steil von oben in die
engsten Höfe einen Weg
sucht, auch ohne Farbe
reichlich farbig und male¬
risch genug.
Von reiner Original¬
graphik enthielt unsre
Ausstellung auch eine be¬
trächtliche Zahl von Ra¬
dierungen. Wir zeigen
unsern Lesern zwei da¬
von und denken, daß
diese Abbildungen den
Charakter Volkmannscher
Radierungsweise recht
deutlich erkennen lassen.
Volkmann knüpft in die¬
ser Technik an den locke¬
ren, leicht gleitenden Na¬
delstich Rembrandts an
und sucht vor allem Ter¬
rain zu geben, indem er
mit wenigen, die Bild-
breite fast füllenden wag¬
rechten Höhenlinien das
Auge in die Ferne führt.
Die dazwischen gescho¬
bene Baumgruppe kennzeichnet in ihrer kräftigen
Färbung und mit ihren tiefen Schatten die helle,
sonnige Stimmung, und der kleine Zug des Schäfers
mit Hund und Herde macht uns die Weite dieser
leicht gewellten Ebene recht fühlbar. Das andre
Blatt: Nußbäume im Frühling enthält noch weniger
von malerischen Mitteln, nur der schräge Wiesen¬
damm hat in einer Behandlung von dichtgereihten
kurzen Nadelstrichen die Erinnerung an das kräf¬
tige Grün des Grases erhalten, alles andre ist nur
auf den Reiz der Linienbewegungen hell in die son¬
nige Frühlingsluft hineingestellt.
Die rein buchgewerbliche Seite von Volkmanns
graphischer Kunst tritt in dieser Ausstellung etwas
Hans von Volkmann, Vorsatzpapier Tür die Firma Breitkopf & Härtel, Leipzig
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zurück, ohne indessen damit in ein unrichtiges Ver¬
hältnis zu ihrer Bedeutung gebracht zu werden.
Außer zahlreichen Postkarten, Fest- und Menukarten
und andern Einzelblättern in Flach- und Hochdruck
sahen wir viele Märchenillustrationen und Kinder¬
bilder, auch Titelbilder, meist in flotter Federumri߬
zeichnung entworfen, einzelne mit Wasserfarben
etwas aufgemuntert. Die Figur hat bei Volkmann
nicht den leichten Fluß wie landschaftliche Formen,
besonders seinen Kindergestalten haftet oft etwas
von gesuchter Drolligkeit an, die mit der Natürlich¬
keit des Landschaftsbildes nicht ganz Zusammen¬
gehen will. Doch tritt diese Erscheinung
zurück, sobald der Vorwurf mehr dekora¬
tiven Charakter annimmt, wie das bunte
Titelbild zum Strabantzerchen, der zwi¬
schen zwei großen Blumenkübeln steht
und die Nase zu den Singvögeln empor¬
hebt, oder aber im Rahmen einer ganz
schlichten Umrißzeichnung gehalten bleibt,
wie der Fries mit der Prinzessin und dem
Pagen in der Bogenarchitektur oder der
Bauernjunge, der auf der Wiese sitzt und von den
Gänsen angeschnattert wird. Das reizende Blatt:
Täubchen, ebenfalls für Strichätzung gezeichnet, ist
eine Variante der schönen farbigen Steinzeichnung
aus dem Voigtländerschen Verlag und ist besonders
lehrreich in der Art, wie das Flimmern des lustigen
Schwarms von weißem, buntem und dunkeim Ge¬
fieder auch in der farblosen Darstellung wieder¬
gegeben worden ist.
Schließlich wollen wir auch noch einiger Exlibris
gedenken, die ja immer eine gute Probe darauf sind,
inwieweit ein Künstler fähig ist, einen bestimmten
Gedanken in die einfachste und wirkungs¬
vollste zeichnerische Form zu kleiden. Das
Exlibris Charly Melms ist mir in diesem
Sinne noch wertvoller mit seinen drei Ge¬
treidepuppen auf dem flachen Stoppelfeld
als die Vignette des Stephanien-Sanatori-
ums. Noch charaktervoller und sprechen¬
der ist aber eine kleine Marke mit dem
wilden Mann, die der Künstler für seine
eigenen Briefumschläge gezeichnet hat.
Hans von Volkmann
BriefverschluQmarke
Die Arbeitsweise und der Energieverbrauch
von Tiegeldruck- und Zylinder-Flachformschnellpressen.
Von Dr. PAUL RITTER VON SCHROTT, Wien.
JW^^ER große Fortschritt der Elektrotechnik in
31 (SSu den letzten Jahren, insbesondere die Vervoll-
kommnung der Kraftübertragung und des
Motorenbaues hat sich, wie so manche andre Gebiete,
auch das des Buchdruckereibetriebes in weitem Maße
zu erobern gewußt.
In der Tat, wenn wir die drei Formen moderner
Schnellpressen 1 , die Tiegeldruck-, Zylinder-Flach-
form- und Rotationsschnellpressen mit ihren oft sehr
komplizierten Nebenapparaten und deren Funktionen
betrachten, so können die Vorteile des elektrischen
Einzelantriebes, als welche hauptsächlich der kom-
pendiöse,wenigRaumbeanspruchendeAntriebsmotor,
die bequeme Inbetriebsetzung und der Wegfall jeder
die Sicherheit des Bedienungspersonals gefährdenden
Transmission anzuführen sind, nicht hoch genug ein¬
geschätzt werden. Der elektrische Einzelantrieb der
Pressen—ohne elektrische Kraftübertragung wäre ein
Einzelantrieb wohl überhaupt kaum durchzuführen —
ermöglicht es auch, einerseits der für den Drucker so
wichtigen Anforderung der Änderung der Arbeits¬
geschwindigkeit der Presse innerhalb weiter Grenzen
in ökonomischer Weise gerecht zu werden, anderseits
sind wir in der Lage, zu jeder Presse einen Antriebs-
1 Siehe A.W.Unger. Die Herstellung von Büchern usw.
Halle a.S. 1906. Verlag von W.Knapp.
motor von solchen Eigenschaften zu stellen, daß Kraft¬
verbrauch und Energiequelle in Einklang stehen.
Letzterer Umstand ist von großer Wichtigkeit, denn
die Wahl des richtigen Motors für jede Presse wird
nicht nur auf die Lebensdauer von Maschine und
Motor von großem Einflüsse sein, sondern auch
im Stromverbrauche, das heißt im Kostenpunkte
sich fühlbar machen. Ist einerseits der Motor zu
schwach dimensioniert, so wird er bei ständiger Über¬
beanspruchung bald zugrunde gehen, andrerseits wird
ein zu starker Motor für seinen eigenen Leerlauf
einen derartigen Kraftverbrauch zeigen, daß sich
im Hinblick auf die für den Betrieb der Presse
erforderliche Energie ein arges Mißverhältnis heraus¬
steilen wird.
Da mir Gelegenheit geboten wurde, auf Einladung
der Direktion der k. k. graphischen Lehr- und Ver¬
suchsanstalt in Wien einige Schnellpressen verschie¬
dener Bauart genau zu untersuchen, so will ich in
folgendem die gefundenen Ergebnisse, soweit diese
für die Allgemeinheit von Interesse scheinen, mit-
teilen und versuchen, daraus entsprechende Nutz¬
anwendungen zu ziehen.
Die Untersuchungen erstreckten sich auf vier
Schnellpressen: zwei davon waren Tiegeldruck¬
schnellpressen für sehr hohen Druck, die andern
Zylinder-Flachformschnellpressen, und zwar eine
39*
279
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Steindruckschnellpresse (Stoppzylindermaschine mit
Eisenbahnbewegung) und eine Lichtdruckmaschine
mit Mangelradbewegung.
Untersuchungen an Tiegeldruckschnellpressen .
Das Prinzip der Tiegeldruckpressen besteht be¬
kanntlich darin, daß der Abdruck der Form durch
das Aneinanderpressen zweier ebenen Platten in
einem Zeitmomente erfolgt. (Zum Unterschiede von
den Zylinder-Flachformmaschinen, wo der Druck
durch das Abwälzen eines Zylinders über der flachen
Form in einer bestimmbaren Zeit stattfindet, und den
Rotationsmaschinen, bei denen ein Druck- und ein
Formenzylinder — beide kontinuierlich bewegt —
in Tätigkeit sind.) Jener Teil, der das Papier auf¬
nimmt, wird der Tiegel, derjenige, welcher die Form
hält, das Fundament genannt. Bei den von mir unter¬
suchten großem Pressen des Gally-Typus stand das
vertikale Fundament still, der Tiegel wurde durch
eine Kurbelschleife zum Andruck gebracht. Das Farb¬
werk ist bei der Gally-Type ein Zylinderfarbwerk.
| Fiq 1.
I
Abbildung! frg 2.
Um sich über den theoretischen Kraftbedarf einer
derartigen Presse ins Klare zu kommen, ist es not¬
wendig, deren verschiedene Arbeitsphasen zu be¬
trachten.
Abgesehen vom Antriebe des Farbwerkes muß
die Presse, um der Aufgabe des Abdruckes der Form
gerecht zu werden, den Tiegel in ganz bestimmter
Weise bewegen. Diese Tiegelbewegung zerfällt in
fünf Abschnitte:
1. Ruhezeit, zum Einlegen und Passen des Bogens
(Tiegel nahezu horizontal) (Abbildung 1, Figur l). 1
1 Diese „Tiegelruhe“ entfällt allerdings bei einem Teile
der neuzeitlichen Pressen, weil sich herausgestellt hat, daß
die zur Hervorbringung dieser Ruhepause in der Tiegel¬
bewegung dienende Vorrichtung großer Abnutzung unter¬
liegt.
2. Vorwärts rollende Tiegelbewegung: der Tiegel
wird durch Rollen um einen kreisbogenförmigen
Untersatz, die Tiegelkufe (Abbildung 1 k), aus der
Ruhelage in die vertikale Lage parallel zur Form
gebracht.
3. Vorwärts schiebende Tiegelbewegung: der Tiegel
wird gleitend parallel zu sich selbst verschoben
und an die Form angepreßt (Abbildung 1, Figur 2).
4. Rückwärts schiebendeTiegelbewegung: der Tiegel
wird gleitend parallel zu sich selbst von der Form
entfernt.
5. Rückwärts rollende Tiegelbewegung: der Tiegel
wird durch Rollen aus der vertikalen in die hori¬
zontale Ruhelage gebracht.
Die der Presse zugeführte Arbeit wird demnach
verwendet teils zur Überwindung der Reibung der
verschiedenen drehenden und gleitenden Teile,
teils zur Beschleunigung der in hin und her gehen¬
der Bewegung befindlichen Massen des schwingenden
Tiegels. Während die Reibungsarbeit eine während
des Druckvorganges gleichmäßige Beanspruchung
des Antriebsmotors darstellt, ist die zur Beschleu¬
nigung der Massen verwendete Arbeit während des
Vorganges von sehr verschiedener Größe. Aus seiner
Ruhelage wird zunächst der Tiegel durch Aufrollen
um die kreisbogenförmige Tiegelkufe in die Verti¬
kale gebracht (Abbildung 1, Figur 1, Kurbelweg vom
C bis A). Diese Bewegung kann man sich ver¬
einigt denken aus einer drehenden Bewegung um den
Mittelpunkt des durch die Kufe bestimmten Kreises
mit dem Durchmesser D um den Drehwinkel cp und
aus einer geradlinig fortschreitenden Bewegung der
in diesem Mittelpunkt vereinigt gedachten Masse.
Dieser Weg ist mit L gegeben. Sodann haben wir
eine kurze geradlinige Bewegung des Tiegels und
zwar von der Länge l und Ausübung des Druckes,
der sich in einer Vergrößerung der Reibungsarbeit
in den hierbei in Betracht kommenden Kurbel¬
lagern äußern wird. Nachdem die Masse des Tiegels
auf diese Weise zur Ruhe gekommen ist, muß eine
Bewegung desselben in entgegengesetzter Richtung
und Reihenfolge eingeleitet werden, und zwar zu¬
nächst eine geradlinige Zurückbewegung wieder um
l 9 dann Zurückrollen in die Ruhelage, Kurbelweg
von A bis £, Drehwinkel cp und Horizontalschub L.
In ihr kommt die Masse zur Ruhe, und verbleibt
kurze Zeit in derselben, Kurbelweg von B bis C.
Wir haben demnach die gesamte Tiegelbewegung
zerlegt in eine kreisförmig drehende und in eine
geradlinige. Diese vereinigte Bewegung kann nicht
durch die Antriebskurbel und Zugstange allein be¬
wirkt werden, sondern es ist eine zwangläufige
Tiegelführung nötig. Diese ist sehr kräftig auszu¬
führen, da unter Umständen große kinetische Ener¬
giemengen durch sie vernichtet werden müssen. Da
dieser Vorgang nur durch eine Umsetzung kinetischer
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Original fram
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Energie in Reibungsarbeit erfolgen kann, so wird die
Tiegelführung beständig eine gewisse Arbeit ver¬
brauchen. Der Fall der Massenwirkung bei der Tie¬
geldruckpresse ist demnach grundsätzlich ähnlich
demjenigen der Zylinder-Flachformmaschine. Die hin
und her gehenden Massen des Karrens sind hier durch
die hin und her gehende Bewegung des Tiegels ver¬
treten, die rotierende Bewegung des Zylinders wird
durch die Drehbewegung des Tiegels ersetzt. Der
Unterschied besteht in der bei der Tiegeldruckpresse
viel kleineren Geschwindigkeit der hin und her gehen¬
den Massen und deren geringer absoluter Größe.
Jede Maschine mit hin und her gehenden Massen ver¬
langt, um Ökonomisch arbeiten zu können, eine Aus¬
gleichung der Massenwirkung durch ein Schwung¬
rad. Dessen Wirkung besteht in einer Akkumulie¬
rung von überschüssigem Arbeitsvermögen in
Augenblicken geringeren Kraftbedarfs der Maschine,
wodurch in Zeiten höherer Beanspruchung ein
Kraftreservoir vorhanden ist, das zur Bewältigung
dieser höheren Arbeit herangezogen werden kann.
Bei der Tiegeldruckpresse beispielsweise wird sich
die Wirkung des Schwungrades in folgender Weise
abspielen. Wenn der Tiegel aus seiner Ruhelage auf¬
gerollt wird, ist zu dessen Beschleunigung eine nicht
unbeträchtliche Kraft nötig. Ist m die Masse des Tie¬
gels, v dessen Endgeschwindigkeit, so ist das erwor¬
bene Arbeitsvermögen des Tiegels —Biese
Arbeit müßte voll von dem Antriebsmotor geleistet
werden, wenn das Schwungrad nicht wäre. Dieses
stellt uns aber ebenfalls, da es eine in Bewegung be¬
findliche Masse ist, ein Arbeitsvermögen dar, welches
MV 2
etwa durch den Ausdruck —— gegeben ist. Die
zur Beschleunigung des Tiegels nötige Energie wird
demnach vom Schwungrade derart geleistet werden,
daß seine Geschwindigkeit herabgemindert wird
von V auf V lf dann ist die abgegebene Energie
E ; ^(V2-V, 5 )
m v 2
2 *
Dabei wird sich die Ge¬
schwindigkeit der Maschine von V auf V 1 erniedrigt
haben. Die bewegten Massen des Tiegels werden
nun im Momente des Druckes zur Ruhe kommen,
dabei wird das Arbeitsvermögen
m v^
wieder frei.
Ein Teil dieser Energie wird durch die Form auf¬
genommen werden, also in Druckkraft umgesetzt.
Da dies auf sehr kurzem Wege erfolgt, so kann man
annehmen, daß der durch Stoß hervorgebrachte
Druck einen beträchtlichen Teil des Gesamtdruckes
ausmacht. Ein Teil der Energie wird aber auf die
Antriebskurbel zur Wirkung kommen und die Ener¬
gie an das Schwungrad abgeben, das dadurch seine
Geschwindigkeit vergrößert. Wäre die der Presse
zugeführte Arbeit gleichmäßig, so würde der Mehr-
und Minderverbrauch durch das Schwungrad allein
auszugleichen sein, das dementsprechend dimen¬
sioniert sein müßte. Da aber die elektrische Kraft¬
übertragung eine ungemein elastische Transmission
vorstellt, und der Nebenschlußmotor, der zum An¬
triebe von Schnellpressen gewöhnlich verwendet
wird, bestrebt ist, seine Tourenzahl gleichbleibend
zu halten, so wird ein Teil der augenblicklichen Mehr¬
arbeit vom Antriebsmotor durch größere Stromauf¬
nahme geleistet werden. Um ein Maß für Verände¬
rungen der Umlaufsgeschwindigkeiten zu haben,
bedient man sich der Angabe des Ausgleichförmig-
. . _ Vmax — Vmin
keitsgrades b —--, wobei V die mittlere
_ , . „ Vmax-f-Vmin ,
Geschwindigkeit, V ist.
Wie groß der zulässige Ungleichförmigkeitsgrad
zu nehmen ist, dürfte schwer zu entscheiden sein.
Da bei der Tiegeldruckpresse der Druck in einem
einzigen Augenblick erfolgt, so kann die Ungleich¬
förmigkeit auf die Güte des Druckes nicht von Ein¬
fluß sein, wohl aber würden zu große Ungleichmäßig¬
keiten Erschütterungen in die Maschine bringen,
welche deren Lebensdauer gefährden könnten.
Es ist daher bei der Tiegeldruckpresse das Schwung¬
rad nur so schwer zu wählen, als es mit Rücksicht
auf stoßfreien Gang der Presse nötig erscheint. Es
wird nach den angestellten Betrachtungen der Strom¬
verbrauch der Tiegeldruckpresse ein Diagramm zeigen
müssen, das nicht einen gleichmäßigen, sondern in
den verschiedenen Phasen verschiedenen Verlauf
nehmen wird, der sich bei jedem neuen Druckvorgang
periodisch wiederholen wird.
Während bei jedem andern Transmissionsantrieb
die Verfolgung der erwähnten Verhältnisse als un¬
möglich erscheinen müßte, ist dies beim elek¬
trischen Einzelantriebe sehr einfach durchzuführen.
Ein in den Stromkreis des Motors eingeschaltetes
Amperemeter wird jede Änderung in dem Kraftver¬
brauch der Presse genau anzeigen. Ist das Me߬
gerät ein registrierendes, so kann man den ganzen
Verlauf der Arbeitsweise der Presse deutlich ver¬
folgen.
Da die effektive Leistung des Motors sich aus
Produkt von Strom und Spannung ergibt, so ist
die Stromstärke nur dann als Maß für die ver¬
brauchte Energie anzusehen, wenn die Spannung
konstant ist.
Da ich bei den in Betracht kommenden Maschinen
festgestellt hatte, daß selbst bei den größten in Be¬
tracht kommenden Stromstärken ein meßbarer Span¬
nungsabfall nicht eintrat, so genügte ein registrie¬
rendes Amperemeter allein. Da eine sehr rasche
Aufeinanderfolge von Stromimpulsen zu erwarten
war, wurde ein Instrument mit Funkenregistrierung
von Siemens & Halske (Abbildung 2) verwendet. Die
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Original frorn
PRINCETON UNIVERS1TY
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Registrierung erfolgt in der Weise, daß der Papier¬
streifen zwischen dem Zeiger des Instrumentes und
einer Metallplatte, welche Teile die beiden Pole einer
kleinen Funkenstrecke bilden, durchgezogen wird,
wobei jeder Funken ein kleines Loch in das Papier
schlägt. Da der Zeiger sich hierbei frei bewegen kann
ohne am Papier zu streifen, ist eine sehr rasche Re¬
gistrierungmöglich. Der durch ein Uhrwerk bewirkte
Vorschub des Papierstreifens betrug zwei mm in der
Sekunde. Da das zur Verfügung stehende Instrument
Abbildung 2
als Milli-Volt- und Amperemeter ausgebildet war,
konnte durch Anbringung entsprechender Neben¬
schlüsse jede beliebige Empfindlichkeit erzielt werden.
Um die den variablen Stromstärken entsprechenden
Mittelwerte zu erhalten, welche mit der Spannung
multipliziert den mittleren Energieverbrauch der
Presse ergeben, wurden die Stromkurven plani-
metriert und daraus der mittlere Stromverbrauch be¬
rechnet.
Die erste zur Untersuchung gelangende Tiegel¬
druckpresse war vom Gally-Typus und hatte jeder-
seits ein mit Riemen angetriebenes Schwungrad. Als
Antriebsmotor diente ein 2 P. S.-Nebenschlußmotor
der Grissonwerke für 110 Volt. Die gemessene Netz¬
spannung betrug 112 Volt. Es wurden zunächst die
Riemen abgeworfen und der Motor leer laufen
gelassen, der hierbei 5,5 Ampere aufnahm, was einer
Leerlaufsarbeit von 618 Watt entspricht. Nach Auf¬
legen der Riemen betrug der Verbrauch 850 Watt.
Die Differenz von 232 Watt ist zur Überwindung des
Luftwiderstandes des Schwungrades, der Riemen¬
verluste und der Lagerreibung verwendet. Nun wurde
die Reibungskuppelung eingerückt bei ausgeschalte¬
tem Farbwerk und Druck. Der Tiegel machte dem¬
nach seine volle Bewegung durch, ohne jedoch zum
Andruck zu kommen. Aus der Kurve (siehe Abbil¬
dung 4) erkennt man deutlich den Einfluß der be¬
wegten Massen des Tiegels im Anwachsen und Ab¬
fallen der erforderlichen Stromstärke. Der höchste
Stromverbrauch tritt im Augenblick des Vorwärts¬
schubs des Tiegels ein. Die Stromstärke schwankt
bei einem Mittelwerte von 10,7 Ampere zwischen
10 und 11,4 Ampere. Wenn die Schwankung auch mit
den feinen Meßapparaten leicht nachweisbar ist, so
muß diese doch als vollkommen ungefährlich für die
Maschine bezeichnet werden. Der mittlere Verbrauch
betrug hier 1200 Watt, das heißt ein Mehrverbrauch
von 350 Watt, der auf Zahnreibung, Reibung des Tie¬
gels und der Tiegelführung beim Schwingen, und
Reibung des Kurbelzapfen und verschiedenes andre
zu setzen ist.
Es wurde nun das Farbwerk, das vollkommen von
anhaftender Farbe gereinigt war, zugeschaltet (Ab¬
bildung 5). Man sieht hier naturgemäß dieselben
Schwankungen wie vorher, nur ist die Kurve ver¬
schoben, indem der mittlere Stromverbrauch jetzt
1245 Watt beträgt, also nur um 45 Watt mehr.
Um nun den Einfluß verschiedener Farben zu
untersuchen, wurden drei Farben verschiedener
Zähigkeit zum Einfärben verwendet:
1. sehr zähe weiße Farbe aus Bleiweiß hergestellt
(Kremserweiß)
2. zähe schwarze Farbe (Deckschwarz)
3. dünne schwarze Farbe (Illustrationsfarbe).
Der Unterschied, den die verschiedenen Farben
für den Kraftverbrauch der Maschine ausmachen, war
leicht nachzuweisen.
Beim Kremserweiß zeigte sich ein mittlerer Strom¬
verbrauch von 13 Ampere, das ist ein Mehrverbrauch
von213 Watt(Abbildung6), bei Deckschwarz 11,9 Am¬
pere, Mehrverbrauch 90 Watt (Abbildung 7), bei der
Illustrationsfarbe 4,5 Ampere, Mehrverbrauch45 Watt
(AbbildungS). 1 Es wurde hierauf das Farbwerk wieder
1 Bei einzelnen Pressen des Gally-Typus lassen sich
die Verreiberwalzen durch Stellschrauben gegeneinander
pressen, weshalb bei unsachgemäßer Handhabung durch
zu starkes Anziehen derselben die Reibung der Walzen
sehr gesteigert wird, was einen hohen Kraftverbrauch ohne
Nutzen bedingt. Es wurde bei den vorliegenden Versuchen
der Druck derart eingestellt, daß gerade ein Hüpfen der
Walzen vermieden wurde. Bei neueren Pressenkonstruk¬
tionen wird ein zu hoher Andruck durch federnde Zwischen¬
stücke vermieden.
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PRINCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Abbildung 15
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vvvvvvv
Abbildung 20
vollkommen ausgeschaltet und der
Tiegel zum Andruck gebracht, um
den Kraftverbrauch des Druckes
allein festzustellen. Als Form
diente eine massive Platte, bei
der die Gefahr des Zerdrückt¬
werdens ausgeschlossen war. Der
Druck wurde bis auf die Grenze
der Leistungsfähigkeit der Maschine
erhöht. Es war hierbei schon der
plötzliche Abfall der
Tourenzahl des Motors
im Momente des Druk-
kes deutlich zu hören,
was auf große Belastung
schließen ließ. Es ergaben sich tatsächlich große
Stromstöße (Abbildung 9), die höchste Stromstärke
betrug 27,4 Ampere, also 10 Ampere über die normale
Vollast des Motors, die minimale 13,2 Ampere, die
mittlere Stromstärke 16,2 Ampere, das ist ein Mehr¬
verbrauch für den Druck allein von 5,5 Ampere oder
619 Watt. Allerdings ist zu bemerken, daß dieser Fall
hohen Druckes als abnormer bezeichnet werden muß
und im praktischen Betriebe selten zur Anwendung
gebracht werden dürfte. Bei diesem Versuche wurde
festgestellt, daß die Reibungskuppelung auch bei den
höchsten Beanspruchungen der Presse unverrückbar
festhielt, daß aber wohl die Riemen zum Gleiten
kamen. Bei entsprechender Dimensionierung der
Kuppelung könnte diese als Sicherheitsventil gegen
zu hohe Druckbeanspruchung des Tiegels ausgebildet
werden. Es wurden nun Formen abgestufter Größe
verwendet, und der Druck so ein¬
gestellt, daß bei jeder Form der
erzielte Druckeffekt derselbe war.
Es verschwand hierbei sehr rasch
die Spitzenbildung in der Kurve.
Bei der kleinsten Form (Visit-
kartengröße) betrug der Mehrver¬
brauch nur mehr 56 Watt, wobei
bereits die Stromkurve dieselbe
Form zeigte wie ohne Druck (Ab¬
bildung 10).
Um nun zu bestim¬
men, ob der Gesamt¬
verbrauch der Presse
mit der Summe der ein¬
zeln gefundenen Verbrauchsgrößen übereinstimme,
wurde die Maschine bei vollem Druckprozesse laufen
gelassen, und zwar mit dem höchsten Druck und Ein¬
färbung mit dem zähen Kremserweiß. Es stellte sich
auch genau die Summe aus dem Einzelkraftverbrauch
für Farbwerk und Druck ein. Die Schwankungen be¬
trugen 14 bis 25 Ampere. Mittelwert 18,6 Ampere (Ab¬
bildung 11). Mehrverbrauch 885 Watt, wovon 619 Watt
auf den Druckprozeß, 258Watt au f den Farbwerkantrieb
entfallen. 8 Watt Differenz sind Versuchsfehlern zu¬
zuschreiben. Von Interesse schien es, auch den
wirklichen Ungleichförmigkeitsgrad der Maschine zu
bestimmen. Es wurde daher von der Transmissions¬
scheibe des Motors aus ein registrierendes Differential-
Tachometer von Horn (Abbildung 3) angetrieben.
Dieses ist ein Zentrifugal-Tachometer, dessen Prinzip
darin besteht, daß zwei Schwungmassen, die durch
20 *.0 60 80 100 »L 150
>0 120 100 80 60 40
284
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PRINCETON UNIVERSITY
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Federn in ihrer Lage gehalten werden, um eine Achse
rotieren, welche von der Welle, deren Tourenzahl zu
messen ist, angetrieben wird. Erlangen die Schwung¬
massen eine derartige Zentrifugalkraft, daß die Feder¬
spannung überwunden wird, so entfernen sich die¬
selben von der Achse und betätigen mittels eines
Hebelwerkes eine Schreibevorrichtung, die auf einem
bewegten Papierstreifen die Schwankungen der Tou¬
renzahl aufzeichnet. Es ergab sich nun beim Druck¬
versuche mit stärkstem Druck eine Tourenzahlschwan¬
kung von 13,6%, was einem Ungleichförmigkeitsgrade
von j ^ am Maschinenschwungrad entspricht (Ab¬
bildung 12). Es wurden nun an der ebenfalls nach
dem Gally-Typus gebauten Tiegeldruckpresse einer
andern Firma gleiche Versuche angestellt, um An¬
haltspunkte zu erhalten, ob die gefundenen Werte als
ziemlich allgemeingültige oder als einer bestimmten
Maschinentype eigentümliche hingestellt werden mü߬
ten. Die Presse wurde getrieben von einem Motor
von Kremenetzky & Mayer für 220 Volt 2 P. S. Die
gleichmäßige Spannung während des Versuches be¬
trug 226 Volt. Für Leerlauf des Motors waren erfor¬
derlich 452 Watt. Bei Auflage des Riemens, da hier
nur ein Schwungrad vorhanden war, und ausgekup¬
pelter Presse um 113 Watt mehr. Bei Einrückung
des Tiegels und ausgeschaltetem Farbwerk (Abbil¬
dung 13) betrug die Stromstärkeschwankung 3,1 bis
3,9 Ampere bei einem Mittelwert von 3,5 Ampere,
Mehrverbrauch 226 Watt für Tiegelmitnahme. Es
wurde nun das leere Farbwerk zugeschaltet (Abbil¬
dung 14). Die Schwankungen waren dieselben ge¬
blieben, doch der Strom auf 3,8 Ampere gestiegen,
was einem Mehrverbrauch von 68 Watt entspricht.
Um nun die Wirkung der Farbe deutlich vor Augen
zu führen, wurde dasselbe Bleiweiß (Kremserweiß),
welches bei der ersten Presse schon verwendet worden
war, auf die Farbwalze aufgestrichen (Abbildung 15).
Während im ersten Augenblick der Einfärbung der
Energieverbrauch nur wenig größer war, stieg er mit
zunehmender Verteilung der Farben auf alle Walzen
bis zu einem Grenzwert an, wo er konstant blieb.
Der Mehrverbrauch betrug für die Farbe 230 Watt.
Das Aufschütten eines Verdünnungsmittels (Petrol¬
äther) machte sich sofort bemerkbar. Der Mehrver¬
brauch sank hierdurch rasch auf 94 Watt. Beim
strengflüssigen Schwarz, wie es auch bei der zuerst
untersuchten Presse verwendet worden war, zeigte
sich ein Mehrverbrauch von 113 Watt (Abbildung 16).
Nachdem so der Einfluß des Farbwerkes festgestellt
war, wurde dieses ausgeschaltet und dafür der Druck
angestellt. Der Druck wurde so reguliert, daß er
dem höchsten an der ersten Presse angewendeten
gleich war (Abbildung 17). Die Schwankung war hier
zwischen 3,3 und 5,9 Ampere, Mehrverbrauch 4,6
Ampere, das ist ein Mehrverbrauch von 248 Watt.
Bei vollem Druck, das Farbwerk war mit der erwähn¬
ten Farbe (Deckschwarz) eingefärbt, ergab sich ein
Gesamtverbrauch von 5,5 Ampere, das ist 1245 Watt
(Abbildung 18). Es wurde noch mit einer kleinen Form
gedruckt, wobei sich ein Mehrverbrauch über Leer¬
lauf der Maschine nicht messen ließ (Abbildung 19).
Auch hier wurde der Ungleichförmigkeitsgrad
mit Hilfe des Hornschen Tachometers ermittelt.
Es ergaben sich 5,5% Tourenunterschied, das heißt
ein Ungleichförmigkeitsgrad 1 (Abbildung 20). Es
zeigt sich demnach diese Presse besser ausbalanziert
als die erstuntersuchte (b - ——). Trotz dieses Unter-
7' j
schiedes ist man nicht in der Lage, die Presse mit
Abbildung 3
dem gleichmäßigeren Gange als günstiger zu be¬
zeichnen,da beide Pressen einen vollkommen ruhigen,
erschütterungsfreien Gang zeigen, was, wie schon
früher erwähnt wurde, allein von Bedeutung ist. Es
sind nun in umstehender Tabelle die Ergebnisse in
der Weise zusammengestellt, daß einmal für stärkste
Beanspruchung und dann für sehr kleine Bean¬
spruchung die für den Antrieb der einzelnen Teile
der Presse nötige Energie in Prozenten der Vollast
ausgedrückt erscheinen.
Es ist daraus folgendes zu ersehen. Der Leerlauf
des Motors nimmt bei kleinen Pressen einen beträcht¬
lichen Teil der zugeführten Energie für sich in
Anspruch, etwa Vs» der Riemen und Getriebeverlust
betragen etwa 1 / i0 . Das Farbwerk nimmt je nach
Zähigkeit der Farbe zwischen 4% und 18% der
Gesamtenergie auf. Beträchtlich ist die für die
Tiegelmitnahme erforderliche Arbeit, etwa 17%. Bei
40
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Original fro-m
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kleinen Formen ist diese Arbeit auch für die Aus¬
übung des Druckes genügend, nur bei abnorm hohem
Drucke steigt die für den Druckerforderliche Arbeit
auf 30% an. Diese für hohen Druck und sehr zähe
Farben berechneten Werte ändern sich natürlich
beträchtlich bei Anwendung kleiner Formen, welche
weniger Druck beanspruchen. Der Gesamtverbrauch
wird kleiner, aber die motorische Ausnutzung der
Maschine ungünstiger.
sehen Apparat gemessen (Abbildung 24). Die Diffe¬
renz betrug 8%, demnach der Ungleichförmigkeits-
grad Aus den Schwankungen der Tourenzahl
kann man genau den Einfluß der jeweiligen Phasen
des Druckprozesses bestimmen. Abbildung 25 be¬
zeichnet den der Tourenzahlschwankung entspre¬
chenden Verlauf der Stromstärke. Periode £ bis A
bezeichnet den Stillstand des Zylinders und Karren-
1
Presse
Spannung
Gesamt
Arbeit
Motor-
Leerlauf
Schwung¬
rad-
Leerlauf
Tiegel-
Mitnahme
Farbwerk
ohne
Farbe
Farbwerk
mit Krcm-
sc rweiü
Farbwerk
mit Deck-
schwarz
Farbwerk
mit Illu¬
strations¬
farbe
Arbeit
für Druck
Tlegcldruck-
112 Volt
Watt
2090
618
232
350
45
213
90
45
619
• o
E =
ofl
^ u
presse I
% der
Vollarbeit
100%
29,5o/o
16)8%
2,150/o
10,20/o
4,30/o
2,150/o
29,50/o
2 e
es p
u o
Tiegeldruck¬
226 Volt
Watt
1245
452
113
226
68
230
113
248
presse II
# /o der
Vollarbclt
100%
9,1 o/o
18,2%
8
18,50/ 0
9,O50/o
20o/o
E (
O
U.
v .
Tiegeldruck¬
112 Volt
Watt
1200
618
232
350
D
BSfi
—
45
—
« I
* \
presse I
% der
Vollarbeit
100%
48%
18o/o
27%
3,5o/o
—
—
3,50/o
—
Es erschien mir von Interesse dieselben
Verhältnisse bei den Zylinder-Flachformmaschinen
zahlenmäßig festzulegen. Es wurde eine Steindruck¬
presse mit Eisenbahnbewegung und Stoppzylinder
untersucht. Sie hatte als Antriebsmotor einen 2 P.S.
Gleichstromnebenschlußmotor 220 Volt von Kreme-
netzky & Mayer. Der Leerlauf betrug 230Watt. Beim
Leerlauf der Maschine, wobei kein Stein eingelegt
war, daher der Zylinder ohne Druck mitging und
auch das Farbwerk ausgeschaltet war (Abbildung 21),
betrug der Mehrverbrauch 52 Watt. Der Mehrver¬
brauch für das Farbwerk ist 80 Watt (Abbildung 22),
der Verbrauch für Druck 78 Watt (Abbildung 23).
Allerdings schwanken die Stromstärken, wie aus den
Kurven ersichtlich, innerhalb weiter Grenzen, im
letzten Falle zwischen 3,45 und 0,6 Ampere. Der
Einfluß der Größe des Steines erwies sich als so ge¬
ring, daß derselbe vernachlässigt werden kann. Es
ergibt sich bei dieser Presse ein Eigenverbrauch der
Presse von 210 Watt, dem eine Leerlaufarbeit des
Motors von 230 Watt gegenüber steht. 1
Um die Güte des Massenausgleiches zu bestimmen,
wurden auch dieTourenzahldifferenzen mit dem Horn-
1 Wie man sieht, differiert die Leerlaufsarbeit zweier
vollkommen gleichgebauter Motoren (Tiegeldruck II und
Zylinder-Flachformmaschine) zwischen 230 und 452 Watt.
Auf die näheren Ursachen dieser Erscheinung einzugehen
überschreitet den Rahmen dieses Artikels;dies möge daher
einem späteren Aufsatze Vorbehalten bleiben.
totlage nach erfolgtem Drucke. Der Zylinder gibt
die ganze ihm innewohnende kinetische Energie an
das Schwungrad ab, das sich beschleunigen muß.
Der korrespondierende Teil der Stromkurve bezeich¬
net den kleinsten Stromverbrauch, da ein Teil der
zum Antrieb des Motors nötigen Kraft durch die
Presse hergegeben wird, und dadurch das Netz
entlastet erscheint. Der Karren muß nun von der
Totlage nach entgegengesetzter Richtung beschleunigt
werden. Die erforderliche Kraft zeigt sich im Sinken
der Tourenzahl zwischen A und B und entsprechen¬
dem Ansteigen der Stromstärke. Von B bis C nimmt
die Karrenbeschleunigung ab, weshalb der Karren
imstande ist, Arbeit zu leisten. Er gibt seine über¬
schüssige Energie an das Schwungrad ab, dadurch
Steigerung der Tourenzahl, Sinken der Stromstärke
bis Punkt C. Bei C ist Karrentotlage. Es muß
wieder der Karren in entgegengesetzter Richtung
beschleunigt werden, und gleichzeitig findet Mitnahme
des Zylinders statt. Daher Sinken der Tourenzahl
C bis £. D bezeichnet die eigentliche Druckperiode.
Bei £ Zylinderstillstand und Karrentotlage, worauf
derselbe Vorgang von neuem beginnt.
Wenn auch hier die relativen Stromstärkeschwan¬
kungen beträchtlich sind, so sind doch deren absolute
Werte als gering zu bezeichnen. Die Ausgleichung der
bewegten Massen muß entsprechend genannt werden.
In ähnlicher Weise wurde eine Lichtdruckmaschine
mit Mangelradantrieb untersucht, welche ein ganz
ähnlichesErgebniszeigte. AufGrund der vorliegenden
286
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Versuchsergebnisse konnten folgende Schlußfolge¬
rungengezogenwerden. Während bei Zylinder-Flach-
formpressen mit Stoppzylinder der Ausgleich der be¬
wegten Massen, in Anbetracht deren relativer Größe
und Geschwindigkeit, durch schwere, sehr rasch lau¬
fende Schwungräder durchgeführt werden muß, um
einen einwandsfreien Gang zu erzielen (s. Dr. Königs
Aufsätze in Dinglers Polytechnischem Journal 1906,
Seite 497 ff., Archiv für Buchgewerbe 1907, Seite
309 ff., Deutscher Buch- und Steindrucker 1907,
Seite 545 ff., 1013 ff.), ist dieser Ausgleich bei der
Tiegeldruckschnellpresse wegen der geringen Masse
und Geschwindigkeit des Tiegels leichter durchzu¬
führen und zeigt sich auch dieser Forderung bei den
untersuchten Pressen vollkommen entsprochen.
Der eigentliche Druckprozeß beansprucht bei nor¬
malen Druckformen (ebenso wie bei den Zylinder-Flach¬
formmaschinen, siehe auch König 1. c.) sehr wenig
Energie, erst bei abnormen hohem Druck zeigt sich
eine merkbare Mehrbelastung der Maschine. Der Ein¬
fluß der Zähigkeit der Farbe ist ein beträchtlicher, und
kann zähe Farbe unter Umständen eine beträchtliche
Vergrößerung des Arbeitsverbrauchs bedingen.
Im ganzen zeigt, Fälle extremen Druckes ausge¬
nommen, die Tiegeldruckschnellpresse einen gleich¬
mäßigeren Stromverbrauch als die Flachform¬
maschine. Bei kleineren Pressen zeigt die für den
Leerlaufbetrieb des Motors nötige Arbeit eine im
Verhältnis zur Gesamtarbeit beträchtliche Größe.
Bei größeren Pressen mit starkem Antriebsmotor
wird das Verhältnis besser. Diese ungünstige Öko¬
nomie zeigt sich besonders deutlich bei der unter¬
suchten Zylinder-Flachformmaschine, deren Motor
unbedingt zu stark gewählt ist. Es erscheint demnach
empfehlenswert,zur Bestimmung des Kraftverbrauchs
von Buchdruckpressen diese mittels Elektromotor
anzutreiben und die Stromkurven aufzunehmen. Es
wird dann ohne Schwierigkeit möglich sein, mit Rück¬
sicht auf den Charakter der Kurve einen entsprechend
dimensionierten Antriebsmotor zu wählen, so daß
dieser einesteils durch die zeitweisen Stromstöße
nicht überlastet erscheint, anderseits auch kein mit
Rücksicht auf die mittlere Stromstärke zu hoher
Stromverbrauch sich zeigt.
Zum Schlüsse bleibt mir noch die angenehme
Pflicht, Herrn Oberbaurat Professor Carl Hohenegg,
Vorstand des elektrotechnischen Instituts der k. k.
technischen Hochschule in Wien, für die freundliche
Überlassung der nötigen Meßgeräte meinen verbind¬
lichsten Dank auszusprechen.
Der Satz chemischer Formeln.
Von WILHELM HELLWIG, Leipzig.
Magi IE chemischen Formeln sind, mit den mathe-
ßlwl matlschen verglichen, nicht nur in ihrem
Aufbau wesentlich einfacher als diese, son¬
dern auch in bezug auf die sie zusammensetzenden
Einzelglieder. Beim mathematischen Satz gibt es, je
nach dem behandelten Stoff, eine sehr wechselnde,
ja fast unbegrenzte Möglichkeit im Vorkommen ver¬
schiedener Formelbestandteile (algebraischer Buch¬
staben usw.), so daß schon hierdurch das Lesen des
Manuskripts wesentlich erschwert wird, während in
den chemischen Formeln immer nur eine beschränkte
Anzahl von Formelbuchstaben wiederkehrt, von
welchen noch obendrein die große Hälfte nur selten
gebraucht wird. Das Ausschließen bietet weniger
Schwierigkeit, weil Zeichen andern Kegels, Brüche
oder komplizierte Indices und Exponenten in chemi¬
schen Formeln gewöhnlich nicht Vorkommen, und
selbst bei den sich mitunter hoch auftürmenden
Strukturformeln ist bei systematischem Material die
Anordnung verhältnismäßig einfach und die Berech¬
nung nicht gar schwer.
Die heutige Formelsprache der Chemie, die für
den Fachmann ein so bequemes internationalesVer-
ständigungsmittel ist, daß es ihm ermöglicht, mit
wenigen Buchstaben und Zahlen eine Menge von
Tatsachen in kürzester Form genau auszudrücken,
die mit den Schriftmitteln der alten, an unpassen¬
den Sinnbildern 1 hängenden Ausdrucksweise nicht
denkbar gewesen wäre. Sie konnte erst entstehen
auf der Grundlage einer sachgemäßen verkürzten
Schreibung der Elemente, wie sie Berzelius in seinen
chemischen Symbolen einführte.
Diese chemischen Symbole nun, die nebst den
damit verbundenen, das Verhältnis der Zusammen¬
setzung angebenden Atomzahlen die Hauptbestand¬
teile der chemischen Formel sind, sind die Abkür¬
zungen der lateinischen Benennungen der Grundstoffe.
50 bedeutet Ag Silber, weil es vom lateinischen
Argentum hergeleitet ist, Au Gold (vom lateinischen
Aurum) usf.: Bi Wismut (Bismutum), C Kohlenstoff
(Carbonium), Co Kobalt (Cobaltum), Cu Kupfer
(Cuprum), Fe Eisen (Ferrum), H Wasserstoff (Hydro-
genium), Hg Quecksilber (Hydrargyrum), N Stickstoff
(Nitrogenium), O Sauerstoff (Oxygenium), Pb Blei
(Plumbum), S Schwefel (Sulfur), Sb Antimon (Stibium),
51 Kiesel (Silicium), Sn Zinn (Stannum). Da nun die
meisten chemischen Elemente nur einen lateinischen
bzw. lateinisch-griechischen Namen haben, so sind
diese Kürzungen insofern nicht schwer zu merken,
als sie zumeist an den Namen des betreffenden
Elements erinnern, wie aus der folgenden Aufzählung
1 Hiernach bedeutete z.B. © Gold, 3 Eisen, Blei usw.
40 *
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zu ersehen ist, welche die gegenwärtig in Betracht
kommenden Symbole umfaßt:
A Argon
He Helium
Rb Rubidium
Ag Silber
Hg Quecksilber
Rh Rhodium
Al Aluminium
In Indium
Ru Ruthenium
As Arsen
Ir Iridium
S Schwefel
Au Gold
J Jod
Sa Samarium
B Bor
K Kalium
Sb Antimon
Ba Barium
Kr Krypton
Sc Scandium
Be Beryllium
La Lanthan
Se Selen
Bi Wismut
Li Lithium
Si Kiesel
Br Brom
Mg Magnesium
Sn Zinn
C Kohlenstoff
Mn Mangan
Sr Strontium
Ca Calcium
Mo Molybdän
Ta Tantal
Cd Cadmium
N Stickstoff
Tb Terbium
Ce Cerium
Na Natrium
Te Tellur
CI Chlor
Nb Niobium
Th Thorium
Co Kobalt
Nd Neodym
Ti Titan
Cr Chrom
Ne Neon
TI Thallium
Cs Cäsium
Ni Nickel
Tu Thulium
Cu Kupfer
No Norium
U Uran
Di Didym
O Sauerstoff
V Vanadium
Er Erbium
Os Osmium
W Wolfram
Fe Eisen
P Phosphor
X Xenon
Fl (oder F) Fluor
Pb Blei
Y Yttrium
Ga Gallium
Pd Palladium
Yb Ytterbium
Ge Germanium
Pr Praseodym
Zn Zink
Gd Gadolinium
Pt Platin
Zr Zirkon
H Wasserstoff
Ra Radium
Diese Symbole bekommen keinen Schlußpunkt.
Man sieht, die meisten bestehen nur aus einem Buch¬
staben, keines aus mehr als zweien, und dennoch
unterscheiden sie sich so gut, daß Verlesungen
innerhalb der Symbolenreihe selten Vorkommen
werden. Wenn etwas verlesen wird, so geschieht
dies gewöhnlich in der Richtung, daß der Setzer im
Manuskript Symbole zu sehen glaubt, die es über¬
haupt nicht gibt, und er wäre meistens auf das Rich¬
tige gekommen, wenn ihm diese achtzig Kürzungen
geläufig gewesen wären. Oft wird auch der Text für
die richtige Entzifferung einen gewissen Anhalt bieten,
so werden z. B., wenn von Kobalt, Kobaltoxyd usw.
die Rede ist, schlecht leserliche Formeln allerWahr-
scheinlichkeit nach etwa Co 2 0 3 , CoCl, CoS usw.
heißen sollen, nicht aber Cs 2 0 3 oder Ca 2 0 3 usw.,
denn von Cäsium (Cs) und Calcium (Ca) wird ja eben
nicht gesprochen, sondern von Kobalt (Co). Vor der
Verwechslung von H und X, die bei manchen Hand¬
schriften leicht möglich ist, kann man sich in gleicher
Weise schützen, besonders wenn man bedenkt, daß
X(Xenon)äußerst selten, H (Wasserstoff) aber allent¬
halben in chemischen Formeln anzutreflfen ist, so daß
man wohl immer auf HCl, HC, HO usw., nicht aber
auf XC1, XC, XO schließen kann. Auch die mi߬
verständliche Verwendung der Null (0) statt des O
(= Sauerstoff) beruht auf Unaufmerksamkeit, da doch
ein Symbol Null oder gar 0 4 ,0 6 usw. an und für sich
eine Unmöglichkeit ist.
Chemische Symbole müssen im Fraktursatz aus
Antiqua gesetzt werden. Hingegen ist es nicht üblich,
sie im Antiquasatz aus Kursiv zu setzen; sind sie
jedoch, wie dies zuweilen aus Unkenntnis oder
Bequemlichkeit (bei Zeilenguß-Maschinensatz) ge¬
schieht, aus Fraktur gesetzt, so werden sie vom Leser
nur schwer in ihrer Bedeutung erkannt oder sind
ganz unverständlich, z. B. „bie 9to(f)teile ber gg=$Befjanb=
lung“, „infolge oon (£0=(£nttoidlung oder gar das,, 5lubab“,
wie in einer Zeitungsbriefkastennotiz stand (sollte
heißen „Au-53öb“, das Goldbad in der Photographie).
Die Atomzahl ist in Deutschland eine f/e/stehende
Bruchziflfer, in manchen Teilen des Auslandes zieht
man wohl die hochstehende Atomzahl vor — an der
Bedeutung ändert dies nichts, es bedeutet also eben¬
sowohl Hg 2 Cl als Hg 2 Cl soviel wie Quecksilber-
chlorür oderKalomel. Die Atomzahl steht stets hinter
dem Symbol, zu welchem sie gehört, was zu beachten
ist, wenn die einzelnen Symbole durch Spatien ge¬
trennt werden.
Die einfachste Art der chemischen Formeln sind
die empirischen Formeln, welche bloß die Zusammen¬
setzung eines Stoffes angeben. Sie bestehen nur aus
Symbolen und Atomzahlen. Etwas komplizierter, aber
gleichfalls ohne besondere satztechnische Schwierig¬
keiten zu bieten, sind die rationellen oder Kon¬
stitutionsformeln, die die molekulare Gruppierung
bei denjenigen Körpern zur Anschauung bringen,
die bei gleicher Zusammensetzung doch chemisch
verschiedene Stoffe sind. So haben z. B. die Essig¬
säure und der Ameisensäure-Methyläther die gleiche
empirische Formel, nämlich C 2 H 4 0 2 , aber ganz
verschiedene rationelle Formeln, und zwar erstere
CH 3 COOH, letzterer HCO(OCH 3 ). Für Kaliumsulfat
würde die empirische Formel sein: K 2 S0 4 , die ratio¬
nelle aber S0 2 (OK) 2 oder S0 2 j^, für Essigäther sind
diese Formeln C 4 H 8 0 2 (empirisch)und C 2 H 3 0 2 . C 2 H 5
(rationell) usw.
Es werden also hier durch Zuhilfenahme einiger
Zeichen die mannigfaltigsten Verhältnisse ausgedrückt
und können auf dieseWeise ganze chemischeProzesse
graphisch dargestellt werden, welch letzteres in Form
einer Gleichung geschieht, indem man die Molekular¬
formeln der einwirkenden Körper einerseits und die
der gebildeten Produkte anderseits angibt, z. B.
H 2 S0 4 + Fe - FeS0 4 + 2H.
Man sieht hier neben der Verwendung des Gleich¬
heitszeichens auch die des Multiplikationspunktes
und Pluszeichens, sowie der Vollziffer. Letztere be¬
zieht sich auf alle folgenden Symbole des Formel¬
gliedes, während die Atomzahl nur zu dem vorauf¬
gehenden Symbol gehört, z. B. Fe0S0 3 + 7HO.
Wie in den mathematischen Formeln können
auch in chemischen Formeln einzelne Glieder
in Parenthesen eingeschlossen sein: (NH 4 ) 2 0S0 3 .
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Eine Trennung solcher längeren Glieder von einer
Zeile zur andern darf nicht stattfinden; es empfiehlt
sich, im Notfälle die Formel als Zeile für sich aus¬
zuschließen, wenn die Abteilung nicht bei einem
trennenden Zeichen wie . + oder = vorgenommen
werden kann.
In Berichten über analytische Untersuchungen usw.
kommen bisweilen Formeln vor, die hypothetische
Glieder enthalten, sei es, daß ein Grundstoff selbst
noch fraglich ist, oder auch, daß das Mischungsver¬
hältnis eines Elements noch nicht hat festgestellt
werden können. In ersterem Falle bedient man sich
des x, in letzterem des als Index behandelten, also
tiefstehenden n , z. B. bedeutet xCl ein Chlorid, von
dem der Metallbestandteil noch nicht bekannt ist,
Cl n H n eine Chlorwasserstoffverbindung von noch un¬
bekannter molekularer Zusammensetzung, Cl n H n —4
eine Chlorwasserstoffverbindung mit noch vier
Molekülen weniger Wasserstoff als eine bestimmte
andre usf.
Das Ausschließen chemischer Formeln braucht
dem Setzer nicht viel Kopfzerbrechen zu bereiten.
Am besten ist es, man bringt Zwischenräume über¬
haupt nur bei den trennenden Zeichen an, wie bei
+ . = (ein starkes bis 2-Punkt-Spatium):
(d. i. Triphenylmethan), während man im übrigen
alle Symbole ohne weiteres aneinanderreiht, z. B.:
C 2 H 4 (OH)COOH, d. i. Oxypropionsäure, oder:
C 5 H 10 (NH 2 )COOH, d. i. Leucin, usw. Manche Fach¬
männer befürworten dieTrennung der einzelnen Sym¬
bole durch feines Spatium, also: C 2 H 4 (OH)COOH,
es ist auch dagegen nichts einzuwenden, wenn es
gleichmäßig durchgeführt wird. Eine Gliederung dem
Sinne nach vorzunehmen, wird aber dem Setzer nie
möglich sein, weil er den Inhalt und Zusammenhang
der Formel nicht verstehen kann und im geschriebenen
Manuskript etwa angebrachte größere oder geringere
Zwischenräume doch meist etwas ganzZufälliges sind.
Die satztechnisch schwierigste ist die Struktur¬
formel ,, Sie gibt ein Bild von der vermutlichen An¬
ordnung der Atome im Molekül; für Trimethylen ist
/ CH 2
sie beispielsweise H 2 C X | , was in der empirischen
n CH 2
Formel einfach durch C 3 H 6 ausgedrückt wird. Jedem
Setzer chemischer Werke sind ja wohl in dieser Be¬
ziehung die sechseckigen Formeln des sogenannten
‘Benzolringes’ bekannt, des hypothetischen Bildes
der ringförmigen Verkettung von sechs Kohlen¬
wasserstoffatomen (CH), Formeln, die hier in zwei
Ausführungen gezeigt werden mögen. Es bestehen
nämlich zwei Gepflogenheiten nebeneinander, indem
von den einen die Formelbuchstaben an die Ecken
eines festgeschlossenen Sechsecks angebaut werden,
während andre den Hauptbuchstaben (in vorliegen¬
dem Falle das C) in die Ecken stellen und diese
sechs C dann in entsprechender Weise verbinden:
CH
Hc/]CH
HC^/CH
CH
CH
✓ \
HC CH
I II
HC CH
^Cii
Wenn auch das Manuskript hierbei ausschlaggebend
sein muß, mag doch darauf hingewiesen sein, daß
die letztere Ausführung im allgemeinen besser mit
der Anordnung andrer Strukturformeln zusammen¬
stimmt, denen keine so regelmäßige Gestalt zugrunde
liegt wie hier der Formel für den Benzolkern. Wie
man aus vorstehendem Beispiele ersieht, ist die Ver¬
bindung der sechs C als Grundlage für den Aufbau
der Formel angenommen, so daß sich das CH links¬
seitig sogar in HC verkehrt hat. Hieran wird auch
festgehalten, wenn die einzelnen Formelglieder nicht
so einfach sind, wie in vorstehendem Beispiel, ver¬
gleiche:
C-CH 3
y \
HC CH
I II
h 3 c-c c-ch 3
oder
C-CH 3
y\
HC CH
I II
h 3 c-c c-ch 3
N/
CH
Bei geschlossener Figur wird man alle sechs Seiten
gleichlang machen, während bei unterbrochener
Linienführung ein besseres Gesamtbild entsteht,
wenn die Vertikallinien kürzer sind als die Diagonal¬
linien. Der Setzer wird überhaupt sein Augenmerk
auf die Gesamtwirkung zu richten haben und für ein
gefälliges Bild sorgen; so im folgenden beispielsweise
mindestens die ausstrahlenden Diagonallinien von
derselben Länge wählen wie die Seiten des Sechs¬
ecks, usf.
/CH 3
/<
H-C CH
II I
H-C C.OH
I
c 3 h 7
Der Satz läßt sich am bequemsten ausführen, wenn
man auf Geviert gegossene Diagonalstriche (am
besten einfache und doppelte) bei der Hand hat:
\/\ ö*;, die sich ja nach beiden Richtungen (/und\)
verwenden lassen. Die Verwendung diagonal aus¬
geschlossener gewöhnlicher Messinglinien bietet,
selbst wenn der nötige Diagonalausschluß vorhanden
ist, doch nicht die gleiche Sicherheit für den ge¬
hörigen Halt.
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Zu beachten ist auch, daß die Doppellinien nicht
verschiedene Spur zeigen, wie dies der Fall ist, wenn
ohne Wahl doppelfeine, zwei nebeneinander ver¬
laufende feine Linien und Gleichheitsstriche verwen¬
det werden, wie sie gerade dem Setzer zur Hand sind;
hierunter leidet das gute Aussehen des Formelbildes,
man vergleiche:
H C = 0 H H C O H
II nicht aber
O O
Dasselbe natürlich bei der dreifachen Linie:
H—C^N nicht aber H—C N
Dem Formelsetzer wird es im übrigen nicht schwer
sein, die Wege zu finden, um auch mehrfach zu¬
sammengesetzte Formeln sachgemäß zu behandeln,
wenn er bedenkt, daß die Verbindungslinien vor
allem auf die Symbole zeigen müssen, und nicht da¬
neben hinaus; er wird darum die Länge dieser Linien
immer der Figur anpassen müssen und nicht etwa
an einer bestimmten Länge (Cicero, Petit usw.) fest-
halten dürfen. Man vergleiche folgende Beispiele, in
aufsteigender Schwierigkeit nach satztechnischen
Gesichtspunkten angeordnet:
H H
pj q q/ oder je nach dem Material q
ebensorichtig: H
er
o
r°\
O MnOK
c/
H
I
H-C-H
I
H-C-H
I
OH
H \ ,
h c-c:
H 7
/H
/h
H
H
H
H
H
yO
Fe(
! O
Fe 7
O
H
I
CH 3 —C = 0-f-2H CH 3
OoK
OoK
Fe
Fe
/CI
-CI
CI
CI
-ci
CI
H
I
C-O-H
I
H
In Arbeiten über Elektrolyse zeigen die chemischen
Formeln zuweilen eine Eigenheit, die darin besteht,
daß dem Symbol Punkte oder Striche beigefügt sind:
Fe**, Ag*, Cu", Fe'", [Ni(NH 3 ) 4 ]*’ usw. Man wird frei¬
lich oft (in Ermangelung andrer) signaturverkehrt
stehende Punkte verwenden (H*, Fe*’), obwohl dies
ein unschönes Satzbild gibt; besser eignen sich wirk¬
liche hochstehende Punkte, die mit dem Kopf des
Buchstaben ordentlich zusammenstimmen und zu den
Strichen (besser Minutenstriche als signaturverkehrt
stehende Frakturkommata) auch besser passen. Kleine
Pfeile geben die Richtung der sogenannten Wanderung
der Ionen an, vergleiche:
HC 2 H 3 0o^±H*+ c 2 h 3 o 2 '.
Man merke, daß das Wort „Ion“ mit I (nicht mit J)
zu schreiben ist, ebenso Anion, Kation, Cf-ionen,
Fe'"-ionen usw.; natürlicherweise ist dann auch
Kat-ion zu trennen.
Im weiteren ist in Abhandlungen über Spektral¬
analyse große Aufmerksamkeit nötig, um die chemi¬
schen Symbole und die Benennungen für die mit
großen Buchstaben bezeichneten Linien auseinander
zu halten, denn einzelne Versalien wie A, B, C, H
usw. können ebensowohl Spektrallinien als chemi¬
sche Elemente bedeuten. Wird darum die Auszeich¬
nung der Linienbuchstaben in Kursiv nicht besonders
verlangt, so ist dies nur ein Vorteil für die Druckerei,
es sei denn, daß der Verfasser die Schrift durch
Unterstreichung genau angegeben hätte. Andernfalls
wird es dem Setzer nicht leicht sein, in den Sinn
seines Manuskriptes einzudringen. Hierzu ein paar
Beispiele: „die blaue H-Linie bei G“; „die rote Linie
a bei A gehört dem K an“. Im ersten Satze ist es
besonders verführerisch, den Buchstaben H für eine
Linienbezeichnung zu halten (ihn also gegebenenfalls
Kursiv zu setzen), und doch ist gerade H das chemi¬
sche Symbol und G die Linie, denn der Satz besagt:
die für das Wasserstoffspektrum charakteristische
blaue Linie an der Stelle G der Spektrumseinteilung,
also eine G-Linie von H (=Wasserstoff). Ebenso ist
im zweiten Beispiel von einer roten Linie an der
Stelle A die Rede, die für das K (= Kalium) charak¬
teristisch ist. Die Schwierigkeit wird noch dadurch
erhöht, daß sogar Linienbuchstaben mit Zahlenindex
Vorkommen können, wie D 1? E 2 usw., die den chemi¬
schen Formelbuchstaben aufs Haar ähnlich sind. Der
beste Ausweg für die Druckerei ist also hierbei noch¬
mals: nichts Kursiv setzen, wenn es nicht besonders
verlangt wird oder der Verfasser im Manuskript nicht
seinen Willen deutlich zum Ausdruck gebracht hat.
Noch seien auch einige Eigentümlichkeiten einer
früheren Formelschreibweise erwähnt, deren Kennt¬
nis man bei geschichtlichen Abhandlungen oder bei
gelegentlichen Zitaten aus älteren Werken bedarf, es
sind dies erstensdiequerdurchstrichenen Symbole wie
0, G, Fe usw. Ihrer bediente man sich in der Über¬
gangszeit, als man von der alten Formelschreibung
zur neuen überging, um Mißverständnisse zu ver¬
meiden, da die alten Formeln auf die Äquivalente,
die neuen auf die Atome Bezug nehmen. So schrieb
man beispielsweise damals die Formeln
für Wasser alt: HO, neu: H 2 0
für Kupferchlorid alt: CuCl, neu: GuCI 2 usw.
Da inzwischen die neue Schreibung durchgedrungen
ist, ist das Durchstreichen der zweiwertigen Sym¬
bole überflüssig geworden.
Anderseits wurde die Ersetzbarkeit des Wasser¬
stoffatoms durch Atome andrer Elemente in kleinen
römischen Zahlen über oder bei den Symbolen aus-
III IV v II
gedrückt, z.B. Bi 111 ,C 1V ,P V ,Cu 11 oder Bi,C,P,Cu usw.
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Diese Angabe kommt auch heute noch in Lehr¬
büchern gelegentlich vor. Die römischen Zahlen
müssen also wesentlich kleiner sein als die Symbole.
Eine andre früher geübte Schreibweise betraf die
Sauerstoff- und Schwefelverbindungen; es wurde in
diesen Formeln nämlich jedes Mischungsgewicht
Sauerstoff durch einen Punkt über dem Symbol des
oxydierten Elements bezeichnet, jedes Mischungs¬
gewicht Schwefel aber durch einen Strich, so daß
beispielsweise bedeutete:
Gewichts- Gewichts¬
teile teile
Fe (Eisenoxydul) 1 Fe und 1 O, jetzt: FeO
C (Kohlensäure) IC und 2 O, jetzt: C0 2
Mo (Molybdänsäure) 1 Mo und 3 O, jetzt: Mo0 3
N (Salpetersäure- 2 N und 5 O, jetzt: N 2 0 5
anhydrid)
In gleicher Weise schrieb man die Formeln von
Schwefelverbindungen Pb, As usw. Werden diese *
und ' nur ausnahmsweise gebraucht, so wird sich ja
der Setzer zu helfen wissen, kommen sie aber in
einem mineralogischen, chemiegeschichtlichen usw.
Werke häufig vor, so wird man heute wohl am be¬
quemsten auf Halbpetit-Halbgeviert gegossene ein¬
zelne Punkte und Striche verwenden, die gegebenen¬
falls auch als Akzente bei Transkriptionssatz noch
anderweit gebraucht werden können.
Zum Schlüsse mögen noch einige allgemeine Be¬
merkungen erlaubt sein.
Auch die Fachsprache des Chemikers geht viel¬
fach auf griechische und lateinische Wortstämme zu¬
rück; zuweilen finden sich sogar beide für ein und
dieselbe Stoff bezeichnung, so für Schwefel sowohl das
griechische GeTov (in Trithionsäure, Tetrathionsäure
usw.), wie das lateinische sulfur (in Sulfat, Sulfür,
Sulfosäure usw.). Da jedoch viele dieser Wort¬
bestandteile immer wiederkehren, wenn auch in
andern Zusammensetzungen, so ist mit einem ge¬
wissen kleinen Vorrat davon schon recht gut beim
Manuskriptlesen zurechtzukommen. Es sei hier nur
an einige der häufigsten erinnert: Acet, Amid, Amin,
Alkyl, Allyl, Amyl, Äthyl, Methyl, Aldehyd, Anhy¬
drid, -azo-, Form-, Glyko-, Halo-, Hydro-, Hyper¬
oder Hypo-, Oxy-, Phen-, Phthal-, Pyro- usw. Ferner
an Vorsilben wie: Iso-, Per-, Sesqui-, Sub-; sodann
Ortho-, Meta-, Para- (auch o-, m-, p- gekürzt), sowie
an die Bezeichnungen des multiplen Proportionsver¬
hältnisses : mono-, di-, tri-, tetra-, penta-, hexa-,hepta-
(d. i. einfach, doppelt, drei-, vier-, fünf-, sechs-,
siebenfach) usw. Ähnlich lautende Ausdrücke, wie sie
für gewisse Metallverbindungen üblich sind, halte
man wohl auseinander, so Cuprichlorid und Cupro-
chlorid, Fernoxyd und Ferrooxyd usw. Daß endlich
die Chlor-, Schwefel-, Phosphor-, Cyan- und andre
Verbindungen Bezeichnungen mit verschiedener En¬
dung haben: Chloraf, Chlorid (neben Hypochlorit),
Chlorür, Sulfat, Sulfid (neben Hyposulfit), Sulfür,
Phosphat, Molybdat usw., ist ja ziemlich bekannt.
Kommen einzelne Buchstaben vor, so sind diese am
besten durch Divis mit dem übrigen Wort zu ver¬
binden: a-Monosulfosäure, ß-Naphthol, iy-Strophan-
tin, desgleichen 1- und d-Capronsäure usw.
Häufig werden vom Setzer derartige chemische
Fachausdrücke nach Gutdünken abgeteilt und da¬
durch mitunter recht verwerfliche Trennungen ge¬
schaffen. Es ist aber nicht nur sachgemäß, sondern
auch allgemein üblich, nur nach der Zusammensetzung
der Worte (nicht nach Sprechsilben) zu trennen,
zum Beispiel:
Acet-par-amido-phenol-salicyl-säure-ester, Di-
methyl-amido-azo-benzol,Imido-tetra-methyl-di-
amido-di-phenyl-methan, Iso-butyl-ortho-kresol-
jodid, Ortho- äth-oxy- ana-mono-benzoyl- amido-
chinolin, Para-meth-oxy-benzoe-säure, Phenyl-
di-methyl-pyr-azolon, Hexa-methyl-para-ros-
anilin - violett, Ortho - sulf- amin - benzoe - säure-
anhydrid, Tri-brom-aldehyd-hydrat usw.
Innerhalb der einzelnen Bestandteile zu teilen ist
bei längeren Zusammensetzungen zu vermeiden; be¬
sonders hüte man sich aber vor falschenZerreißungen
wie Benza-nilin (statt richtig Benz-anilin), Cupria-
cetat (statt Cupri-acetat), Paral-dehyd (statt Par-
aldehyd), Chinaal-kaloide(China-alkaloide), Lymphal-
bumin (Lymph-albumin),Amylal-kohol (Amyl-alkohol),
Phena-cetin (statt Phen-acetin), Forma-mid (statt
Form-amid); Dio-xyd, Subo-xyd, Metaar-senit (statt
Di-oxyd, Sub-oxyd, Meta-arsenit) sind weitere üble
Beispiele; ebenso leicht unterläuft das Bleich-romat
(statt Blei-chromat), Mercurich-lorid (statt Mercuri-
chlorid) u.v.a.
Manche Chemiker haben die Gepflogenheit, sehr
lange Bezeichnungen überhaupt in passender Zer¬
gliederung zu schreiben und die einzelnen Teile mit
Divis zu verbinden, ohne deshalb immer wieder große
Anfangsbuchstaben anzuwenden, zum Beispiel Allyl-
oxymethylen-oxymethyl-benzol usw., woran natür¬
licherweise vom Buchdrucker nichts zu ändern ist.
Was die Rechtschreibung betrifft, so bringt auch
bei chemischen Werken die übertriebene Verwen¬
dung von K und Z bei ganz unbekannten Wörtern
eine heillose Verwirrung, aus der sich oft Setzer und
Korrektor gar nicht mehr herausfinden. Zudem ist
eine solche vermeintliche Popularisierung, die oft
weder vom Verfasser noch vom Verleger verlangt
wird, ganz überflüssig, denn der Nichtgelehrte kann
sich bei den mit K und Z geschriebenen Wörtern
ebensowenig etwas vorstellen, als bei den mit C ge¬
schriebenen, und dem Gelehrten ist die C-Schrei-
bung mindestens geläufiger und bequemer. Man ver¬
gleiche Zikutin und Cicutin, Zimizin- und Cimicin-
säure, Karvakrol und Carvacrol usw.
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Die Jansensche Rechtschreibung hat, was die Che¬
mie betrifft, diesen Mißstand etwas gemildert, indem
sie für viele Wörter einen sicheren Anhalt gibt, vor¬
ausgesetzt, daß die wissenschaftliche Schreibung nach
Jansen befolgt wird. Es ist hierbei noch zu erwähnen,
daß mit dem Buchdrucker-Duden allein die Jansen-
sche Schreibung nicht ohne weiteres durchgeführt
werden kann, da manche Verweise fehlen. Kann doch
auch vom Duden gar nicht verlangt werden, daß er
das ganze Gebiet der wissenschaftlichen Fachaus¬
drücke erschöpfend behandelt. Soll nach Jansen
(wissenschaftliche Schreibung) gesetzt werden, und
der Setzer richtet sich nach dem Buchdrucker-Duden,
so wird er z. B. die Jansensche Vorschrift Capron,
Caprol, Capryl, Mercaptan, Mercaptid, Mercapto... und
viele andre gar nicht beachten können, weil im Duden
nur die K-Schreibungen Kapronsäure, Kaprylsäure,
Mer/captan aufgeführt sind; auf die richtigen Jansen-
schen Schreibungen Fructose, Silicid, Silicol kann er
nur auf Umwegen kommen durch Rückschluß von
den Hinweisen ° Fructification, ° Silicat, ° Silicium
usw. Es ist also für diese Fälle immerhin ein Ori¬
ginal-Jansen notwendig. Jedenfalls ist für Chemie
die wissenschaftliche Schreibung (mit C) noch zweck¬
mäßiger und wird weniger in Verlegenheit führen als
die sogenannte volkstümliche Schreibung, die ja doch
bei jedem der zahlreichen unbekannten Fachaus¬
drücke verläßt, und in die hinein dann die in solchem
Falle wohl oder übel anzuwendende C-Schreibung
der unbekannten Worte erst recht nicht paßt. Eine
ausführliche Behandlung dieses Gegenstandes muß
hier aus Raumrücksichten unterbleiben.
Aus dem Deutschen Buchgewerbeverein.
AS Deutsche Buchgewerbemuseum im zweiten
IrlßfvB Viertel des Jahres 1908. Die bereits im vori-
gen Berichte besprochene große Frühjahrs-
Ausstellung Das neue deutsche Buch reichte noch in
das zweite Vierteljahr hinein. Sie wurde erst am
3. Mai geschlossen. Wie ihre Vorgängerinnen, so fand
auch diese Ausstellung nicht nur in Leipzig selber,
sondern auch außerhalb erfreuliche Beachtung. Von
auswärtigen Besuchern seien genannt: die Lehrer
der Königlichen Kunstgewerbeschule in Dresden
Professor Naumann, Professor Müller und Erich
Kleinhempel mit Schülern, der Direktor der Gro߬
herzoglichen Kunstgewerbeschule in Weimar Pro¬
fessor van de Velde mit Schülern und Schülerinnen,
die Lehrer der I. Städtischen Handwerkerschule in
Berlin Geisler und Sütterlin, der Direktor der Staat¬
lichen Kunstgewerbeschule in Hamburg Professor
Meyer und der Direktor der Fachschule in Solingen
Dr. Lüer. Auf Grund der Ausstellung Das neue
deutsche Buch wurde die kleinere ständige moderne
Abteilung des Museums weiter ausgebaut, zu wel¬
chem Zwecke uns einige Verlagsanstalten die er¬
forderlichen Werke in freundlicher Weise zur Ver¬
fügung stellten.
Außer dieser größeren Ausstellung, die in den
beiden Erdgeschoßsälen des Deutschen Buchgewerbe¬
hauses Platz gefunden hatte, veranstaltete das Museum
noch mehrere kleinere. Dank der Freundlichkeit des
Herrn Alfred Walter von Heymel in Bremen waren
wir im April in der glücklichen Lage, seine kostbare
Sammlung japanischer Farbholzschnitte vorzuführen.
Die Ausstellung, der derhübsche Eckraum des zweiten
Erdgeschoßsaales als Rahmen diente, gab einen vor¬
züglichen Überblick über die Geschichte dieses so
anregenden Kunstgebietes. Zu Anfang sah man einige
Schwarzdrucke primitiver Meister vom Beginn des
18. Jahrhunderts, der Moronobu, Masanobu und
Sukenobu, bei denen der Reiz ganz und gar im
flüssigen Umriß liegt. Dann Blätter der Übergangs¬
meister, bei denen die Umrisse von der Hand mit
Farben ausgefüllt sind. Schließlich Drucke in zwei,
drei und mehr Farben. In den Blättern Harunobus,
der besonders glänzend vertreten war, macht die
schönfarbige Fläche dem Umriß den Rang streitig.
In allen diesen Werken ist der Träger der Kunst die
menschliche, weibliche Gestalt, bis sie sich in den
Arbeiten der Höhenmeister vom Ende des 18. Jahr¬
hunderts, der Koriusai, Kijonaga, Tojokuni und vor
allem Utamaros zum linearen und farbigen Ornament
verflüchtigt. Diese so ganz und gar entnaturalisierte
Kunst mußte neu in die Erde gesenkt werden. Ein
neues Naturelement zieht ein zu künstlerischer Ver¬
arbeitung, die Landschaft und der Mensch als Masse:
Hokusai und Hiroshige, mit denen man an die
Schwelle unsrer Tage gelangt. Im Ausstellungs¬
räume war ein Lesekabinett eingerichtet, in dem die
Hauptliteratur zu bequemer Einsicht auslag.
Im Saale der alten Drucke waren von Anfang April
bis Mitte Mai graphische und buchgewerbliche Arbeiten
von Georg Tappert in Worpswede und Karl Weide¬
meyer in Bremen ausgestellt. Beide Künstler, die
bereits auf der I. Graphischen Ausstellung des Deut¬
schen Künstlerbundes bei uns vor die Öffentlichkeit
getreten sind, verstanden es, den guten Eindruck,
den man damals von ihnen erhielt, durch diese um¬
fassende Ausstellung zu befestigen und zu mehren.
Von Mitte Mai bis Ende Juni fand eine Ausstellung
graphischer und buchgewerblicher Arbeiten von
Professor Hans von Volkmann in Karlsruhe statt.
Das vorliegende Heft bringt einen ausführlichen
Bericht darüber. Auch diesen kleineren wie auch
den ständigen Ausstellungen und sonstigen Samm-
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PRtNCETON UNIVERSUM
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
lungen des Museums ward lebhafte Beachtung zuteil.
Von auswärtigen Besuchern seien an dieser Stelle
genannt: der Direktor der Bibliothek des Preußischen
Abgeordnetenhauses in Berlin Professor Wolfstieg
mit seiner Bibliothekarinnenschule, ferner, vom
Schlüsse des vorigen Vierteljahres nachzutragen,
Lehrer, Schüler und Schülerinnen der Königlichen
Kunstgewerbeschule in Kasseh Als Stipendiatin der
Schwedischen Regierung arbeitete Fräulein Lydia
Skottsberg aus Stockholm längere Zeit in unsern
Sammlungen.
Im Aufträge des Deutschen Buchgewerbevereins
hielt der Direktor des Museums im Laufe des Mai
Lichtbildervorträge in den typographischen Vereini¬
gungen in Augsburg, Nürnberg und Berlin. Alle Vor¬
träge waren gut besucht, besonders gut der in Nürn¬
berg, wo dank der vortrefflichen Wirksamkeit der
dortigen Typographischen Gesellschaft der große,
400 Personen fassende Saal des Bayerischen Ge¬
werbemuseums bis auf den letzten Platz gefüllt war.
Die Regsamkeit unsrer Nürnberger Freunde verdient
es als Muster hingestellt zu werden.
Eine schöne Freude ward dem Museum dadurch
zuteil, daß ihm das Königliche Ministerium des
Innern für die rege Ausstellungstätigkeit seine be¬
sondere Anerkennung aussprach.
Der Deutsche Buchgewerbeverein in dem zweiten
Vierteljahr 1908 . Am 17. Mai 1908 wurde die Oster¬
meß- und Jahresausstellung eröffnet, die infolge der
regen Beteiligung der Verleger eine sehr umfang¬
reiche ist, daher ein sehr übersichtliches Bild über
die im letzten Buchhändlerjahr (Kantate 1907 bis
Kantate 1908) herausgegebenen hervorragenderen
Neuerscheinungen bietet. Erfreulich ist der von Jahr
zu Jahr steigende Besuch gerade dieser Ausstellung
von hiesigen und auswärtigen Fachleuten, Bücher¬
freunden usw., wozu wohl der Umstand viel bei¬
tragen mag, daß alle Bücher offen zur Ansicht aus¬
liegen, wodurch für jedermann Gelegenheit geboten
ist, sich über die Weiterentwicklung in der künstle¬
risch-technischen Buchausstattung unterrichten zu
können.
Das in Gemeinschaft mit der Königlichen Akademie
für graphische Künste und Buchgewerbe veranstaltete
Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen zu
künstlerisch geschmückten Besuchskarten hatte, wie
schon der in Heft 6 des Archiv für Buchgewerbe er¬
schienene Aufsatz des Herrn Dr. Willrich mitteilte,
im großen ganzen ein sehr gutes Ergebnis zu ver¬
zeichnen. Aus den eingegangenen 2043 Entwürfen
wurden einschließlich der preisgekrönten und be¬
lobten insgesamt 464 Arbeiten ausgewählt, die nun
als Wanderausstellung des Deutschen Buchgewerbe¬
vereins in verschiedenen deutschen Städten zur
Schau kommen werden, und zwar erstmalig im
Deutschen Buchgewerbemuseum zu Leipzig während
des Monats September 1908. Dann wird die Aus¬
stellung im Oktober in der Kgl. Kunstgewerbeschule
zu Dresden und im November 1908 in dem Kunst¬
salon von Amsler & Ruthard, Berlin gezeigt werden.
Die Vorarbeiten für die vom Deutschen Buch¬
gewerbeverein auf der Internationalen Photographi¬
schen Ausstellung zu Dresden 1909 durchzuführende
Gruppe II b Reproduktionstechnik nebst dazu gehö¬
render Industrie nahmen erhebliche Zeit in Anspruch.
Die Bestimmungen und Anmeldungen für die ge¬
nannte Gruppe gelangten an alle in Betracht kommen¬
den Firmen zum Versand, von denen zum Teil schon
erhebliche Anmeldungen vorliegen. Weiter wurden
mit auswärtigen Herren wegen der Übernahme des
Ehrenamtes als Arbeitskommissare eingehende Ver¬
handlungen gepflogen, die schon jetzt von einigen
sehr erfreulichen Erfolgen begleitet waren. Für Öster¬
reich hat der frühere Vizedirektor der k. k. Hof-
und Staatsdruckerei, Herr Regierungsrat Georg Fritz
in Wien, für England der in Fachkreisen sehr be¬
kannte Herr E.O.HoppS in London, für das König¬
reich der Niederlande Herr W. H. Idzerda in Haag
seine Mitarbeit zugesagt. Für die andern außer¬
deutschen Länder wird in nächster Zeit die Auf¬
stellung von Arbeitskommissaren erfolgen, die dann
mit dazu beitragen werden, daß die von ihnen ver¬
tretenen Länder innerhalb der Gruppe Reproduktions¬
technik auf der Internationalen Photographischen
Ausstellung Dresden 1909 sich würdig zeigen werden.
Für Österreich sind für die Erzeugnisse der photo¬
mechanischen Anstalten drei große Zimmer vor¬
gemerkt. Es ist zu hoffen, daß auch die deutsche
Reproduktionstechnik, sowie die für sie arbeitende
Industrie die Bedeutung der Ausstellung durch recht
umfangreiche Beteiligung anerkennen wird.
Der Besuch des Deutschen Buchgewerbehauses
war im letzten Vierteljahr ein ungemein starker.
Außer den bei dem Bericht über das Buchgewerbe¬
museum genannten Personen besuchten verhältnis¬
mäßig viele auswärtige Buchdruckereibesitzer das
Deutsche Buchgewerbehaus, um sich auf Grund
der ausgestellten Maschinen über Neuerwerbungen
schlüssig zu werden. Mancher dieser Besucher klagte
darüber, daß er diese oder jene Maschine nicht im
Deutschen Buchgewerbehaus finden könne. Möge
diese Tatsache mit dazu beitragen, daß die deutschen
buchgewerblichen Maschinenfabriken allmählich doch
den Wert einer ständigen buchgewerblichen Maschi¬
nenausstellung höher einschätzen lernen als dies
bisher der Fall war.
Von den Besuchen, die dem Deutschen Buch¬
gewerbehause durch Vereine usw. abgestattet wurden,
ist insbesondere derjenige der Angehörigen des fran¬
zösischen Buchgewerbes hervorzuheben, die unter
Führung des Herrn Arthur Müller in Paris eine mehr¬
tägige Studienreise in Deutschland machten und dabei
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
auch am 17. Juni 1908 das Deutsche Buchgewerbe¬
haus besichtigten. In der Gutenberghalle wurde
die Gesellschaft zunächst von dem Vorsitzenden
des Vereins Leipziger Buchdruckereibesitzer, Herrn
E. Haberland, in französischer Sprache begrüßt. Der
I. Vorsteher des Deutschen Buchgewerbevereins,
Herr Dr. L. Volkmann, bewillkommnete dann in
deutscher Sprache die Gesellschaft und erläuterte
in knappen Worten die Zwecke und Ziele des Deut¬
schen Buchgewerbevereins, sowie die Einrichtung
des Deutschen Buchgewerbehauses. Nachdem Herr
Bär, II. Vorsitzender des Deutschen Buchdruckerver¬
eins, die Erschienenen noch im Namen des genannten
Vereins begrüßt hatte, wurden die französischen
Herren unter fachkundiger Führung durch die Räume
des Deutschen Buchgewerbehauses geleitet. Hierbei
fehlte es nicht an anerkennenden und bewundernden
Worten über das Gesehene. Am besten dürften die
Eindrücke, die die französischen Berufsangehörigen
in der Heimstätte des Deutschen Buchgewerbes ge¬
wonnen haben, aus den von einigen Herren in das
Goldene Buch eingeschriebenen Worten hervorgehen:
„Die Vertreter derjenigen Buchdrucker und andrer
Angehörigen des französischen Buchgewerbes, die
in einer Anzahl von 100 Personen unter Führung
des Herrn Müller eine Studienreise in Deutschland
machen, haben beim Besuch des Deutschen Buch¬
gewerbehauses die großartige und einzig dastehende
Einrichtung des Deutschen Buchgewerbevereins
kennen gelernt und bewundert.“
Buchgewerbliche Rundschau.
Buch- und Schriftwesen.
Schutz unsern Geistesdenkmälern. Schlimme Er¬
fahrungen mangelhafter Dauerhaftigkeit von Bibliotheks¬
büchern hatten die Kgl. Universitätsbibliothek in Berlin
im Verein mit dem Kgl. Materialprüfungs-Amt in Gro߬
lichterfelde zu Untersuchungen einer größeren Anzahl
von Druckpapieren von Werken und Zeitschriften, die in
der Kgl. Universitätsbibliothek aufbewahrt werden, ver¬
anlaßt. Professor Herzberg , Vorsteher der Abteilung für
papier- und textiltechnische Prüfungen im Kgl. Material¬
prüfungs-Amt hatte bereits vor einem Jahre in einem Auf¬
sätze „Die Zukunft unsrer Druckpapiere“ darauf hinge¬
wiesen, daß es sich bei der Frage der Ausdauerfähigkeit
unsrer Druckpapiere um eine Kulturfrage von großer
Bedeutung handle und einige besonders lehrreiche Prü¬
fungsergebnisse mitgeteilt.
Die Ergebnisse der inzwischen abgeschlossenen Prü¬
fungen von 435 Papieren werden von Professor Herzberg
in dem jetzt veröffentlichten Aufsatz „Schutz unsern
Geistesdenkmälern“ in Heft 3, Jahrgang 1908 der Mit¬
teilungen aus dem Kgl. Materialprüfungs-Amt, Großlichter-
felde-West, Verlag von Julius Springer, Berlin, woselbst
auch Sonderabdrucke des Aufsatzes zu dem Preise von
M 1.— zu haben sind, mitgeteilt und besprochen.
Die Prüfungen erstreckten sich bei allen Papieren auf
Art und Menge der Faserstoffe, sowie auf den Aschen¬
gehalt. Die Prüfung auf Widerstand gegen Falzen erlaubte
das verfügbare Material bei 336, auf Festigkeit und Deh¬
nung nur bei 246 Papieren.
In einer Tabelle sind die Versuchsergebnisse übersicht¬
lich zusammengestellt unter Angabe der Titel der Druck¬
werke, des Verlegers und des Jahres des Erscheinens. Es
befinden sich darunter Druckwerke von 1489 bis herab zu
solchen aus jüngster Zeit. Für die Deutung der Versuche
war es nötig, sich auf einen kritischen Maßstab für die An¬
forderungen an Druckpapiere verschiedener Art zu stützen.
Dementsprechend sind die in den Bestimmungen über
das von den Staatsbehörden zu verwendende Papier vom
28.Januar 1904 für die Eigenschaften von Druckpapieren,
die bei den Reichsbehörden verwendet werden, geforderten
Eigenschaften zur Grundlage der Vergleiche genommen.
Danach wird für wichtige Drucksachen, die für dauernde
Aufbewahrung bestimmt sind, Papier der Stoffklasse I,
d. h. nur aus Lumpenfasern, gefordert, für weniger wichtige
Drucksachen Papier der Stoffklasse III, d. h. von beliebiger
Stoffzusammensetzung, jedoch unter Ausschluß von ver¬
holzten Fasern. Für beide wird die Festigkeitsklasse IV
verlangt mit 3000 m Reißlänge, 2,5% Dehnung und einem
Falzwiderstand, der mindestens 40 Doppelfalzungen bis
zum Durchreißen erlaubt. Nur für Drucksachen, die zu
untergeordneten Zwecken im täglichen Verkehr verwendet
werden, wird Papier von beliebiger Stoffzusammensetzung
(Stoffklasse IV), also auch aus verholzten Fasern, und be¬
liebiger Festigkeit zugelassen.
Von den untersuchten Papieren waren nur 12 vom Hun¬
dert surrogatfrei (Stoffklasse I), 68 vom Hundert holzfrei
(Stoffklasse III) und 20 vom Hundert holzhaltig (Stoff¬
klasse IV), d. h. nur 12 vom Hundert erfüllten die hin¬
sichtlich der Stoffzusammensetzung für die von den Be¬
hörden zu wichtigen Drucksachen verwendeten Papiere
geforderten Bedingungen und gar nur 9 vom Hundert,
wenn man die Papiere ausschaltet, die aus der Zeit
stammen, wo man andre als reine Lumpenpapiere noch
nicht kannte. Von den 68 vom Hundert ausmachenden
Papieren der Stoffklasse III enthalten 49 vom Hundert mehr
oder weniger Lumpen, 19 vom Hundert bestehen nur aus
Zellstoffen. Bei den 20 vom Hundert ausmachenden
Papieren der Stoffklasse IV schwankt der Holzschliffgehalt
zwischen 5 und 8O°/ 0 und geht bei 7 vom Hundert der
Papiere über die Hälfte der Fasermasse hinaus.
Mineralische Füllstoffe, auf deren Vorhandensein man
im allgemeinen bei einem Aschengehalt von mehr als 3%
schließen darf, enthalten 93 vom Hundert der Papiere. Die
füllstofffreien Papiere stammen meist aus der Zeit vor
derVerwendungvon mineralischen Zusätzen. Die meisten,
nämlich 57,7 vom Hundert der Papiere besitzen zwischen
11 und 20% Füllstoffe, an zweiter Stelle kommen mit 24,1
vom Hundert die zwischen 20 und 30% Aschengehalt ent¬
haltenden Papiere, 10,8 vom Hundert der Papiere besaßen
Aschenrückstände zwischen 4 und 10%.
Was die Festigkeitseigenschaften anlangt, so ist die Rei߬
länge von 3000 m erreicht bei 32,9 vom Hundert der Papiere,
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die Dehnung von 2,5% bei 35,8 vom Hundert derselben,
beide Werte gleichzeitig erreicht sind nur bei 17,9, die Falz¬
zahl 40 ist erreicht bei 1,8 vom Hundert. Gleichzeitig er¬
reicht sind die Werte der Festigkeitsklasse IV für Rei߬
länge, Dehnung und Falzzahl nur bei 1,6 vom Hundert der
Papiere.
Dieses Ergebnis eröffnet uns, so schließt der Verfasser,
„einen sehr betrübenden Ausblick auf die Haltbarkeit der
untersuchten Druckwerke, denn auf die mangelhafte Festig¬
keit sind die schlechten Erfahrungen, die man bisher ge¬
macht hat, in erster Linie zurückzuführen, weit mehr als
auf die Stoffzusammensetzung. Die durch diese Prüfung
aufgedeckten Zustände sind derart besorgniserregend, daß
alle beteiligten Kreise mit größtem Ernst an ihrer Beseiti¬
gung arbeiten sollten“.
Hat seit 1887, dem Jahre, in dem A. Martens in dem
Aufsatze „Druckpapiere der Gegenwart“ Prüfungen von
Druckpapieren veröffentlichte, offenbar eine Besserung
hinsichtlich der Stoffzusammensetzung stattgefunden—von
den damals untersuchten Papieren waren 65 vom Hundert
holzhaltig — so ist offenbar das rechte Verständnis für den
Wert der nötigen Festigkeiteigenschaften in den Kreisen,
die über die Wahl der Papiere zu entscheiden haben, noch
nicht vorhanden.
Professor Herzberg wirft auch die für Buchgewerbekreise
praktisch wichtige Frage auf: „Welche Anforderungen soll
man an die Papiere derjenigen Druckwerke stellen, die
dauernden Wert haben und die man in Bibliotheken und an
andern Stellen so lange als möglich in brauchbarem Zu¬
stande erhalten möchte?“ Er beantwortet sie für die wich¬
tigsten Gruppen von Druckwerken folgendermaßen.
Selbständige Werke. Wichtige Bücher von dauerndem
Werte sollen ausnahmslos auf Lumpenpapier mindestens
von der Festigkeit der Klasse IV gedruckt werden. Ver¬
fasserweist daraufhin, daß der Käufer gern geringe Mehr¬
kosten tragen wird, wenn er dafür die Gewißheit der
Dauerhaftigkeit hat.
Für weniger wichtige und durch rasch aufeinander¬
folgende Neuauflagen bald veraltende Bücher, z. B. Schul¬
bücher, hält Verfasser teils holzfreies, teils holzhaltiges
Papier der Festigkeitsklasse IV für am Platze. Für wohl¬
feile Klassikerausgaben und andre Bücher, die für Massen¬
verteilung bestimmt sind, dürfe man holzschliffhaltige
Papiere dulden. Doch sollten Pflichtexemplare, die von
Verlegern an Bibliotheken überwiesen werden und auch
die von Bibliotheken angekauften Bücher aller Art auf
holzfreies Papier der Festigkeitsklasse IV gedruckt werden.
Für Zeitschriften and Fachschriften mit wissenschaft¬
lichem, künstlerischem und technischem Inhalte von
dauerndem Werte sollte man in Zukunft nur holzfreies
Material verwenden, nicht, wie dies bisher noch geschieht,
holzhaltiges.
Für Unterhaltungsschriften, die für die Leser meist nur
vorübergehenden Wert besitzen, brauche man keine be¬
stimmten Forderungen für die Stoffzusammensetzung und
die Festigkeit aufzustellen, auch nicht für die Tageszei¬
tungen. Doch solle man die in die Bibliotheken wandern¬
den Exemplare nicht nur von Unterhaltungsschriften, son¬
dern auch von Tageszeitungen auf holzfreies Papier der
Festigkeitsklasse IV drucken, da voraussichtlich die in
Bibliotheken aufbewahrten Exemplare einmal wichtige
Quellen für die Kulturgeschichte bilden werden.
Zum Schlüsse tritt Professor Herzberg mit einem Ge¬
danken hervor, dessen Verwirklichung eine Organisation
der Kräfte bedeuten würde, die dafür einzutreten gewillt
sind, daß unsern Geistesdenkmälern der dringend not¬
wendige Schutz zuteil werde: eine Vereinigung zum Schutz
unsrer Geistesdenkmäler zu schaffen.
Im Anschlüsse an die Herzbergsche Arbeit hat Dr. Jo¬
hannes Franke , Direktor der Königlichen Universitäts¬
bibliothek zu Berlin, unter dem Titel „ Eine ernste Gefahr
für unsre Bibliotheken“ sich zu der gleichen Angelegenheit
geäußert.
Aus dieser Besprechung erfährt man den Hergang der
Bewegung, die durch das Zusammenarbeiten der Biblio¬
theksleitung mit dem Kgl. Materialprüfungs-Amt eingeleitet
worden ist.
Ferner tritt der Verfasser tatkräftig für die von Professor
Herzberg vorgeschlagenen Anforderungen ein. Nament¬
lich auch hinsichtlich der für Bibliotheken bestimmten
Exemplare der Tagespresse unter Berufung auf die Äuße¬
rung namhafter Autoritäten.
Der Verfasser bespricht noch besonders die Literatur
der auf holzhaltigem Papiergedruckten Veröffentlichungen,
unter der sich inhaltlich hochwertvolle wissenschaftliche
Zeitschriften befinden.
Mit der Besprechung der Maßregeln, die zur Abwehr
der vorhandenen Gefahr zu ergreifen sind, schließt Herr
Dr. Franke seine Ausführungen. Sie gipfeln darin, daß
jede nacheinander an der Herstellung eines Buches be¬
teiligte Stelle von der vorhergehenden die nötige Bürg¬
schaft verlangen müßte, daß das Papier den gerechter¬
maßen gestellten Bedingungen entspricht. Als Erkennungs¬
mittel empfiehlt er die Benutzung von Wasserzeichen.
Auch Herr Dr. Franke tritt für die Schaffung einer
Organisation von Vertretern aller beteiligten Kreise ein,
die dauernd die Angelegenheit überwacht, und zählt be¬
reits die der Organisation zufallenden sehr wichtigen Auf¬
gaben auf. Kl.
Schriftgießerei.
Schriftprobenschau. Unter dem Titel Mainzer Serie
hat die Firma H. Berthold A.-G. in Berlin und Bauer & Co.
in Stuttgart ein Heft herausgegeben, das die zahlreichen
Grade der schönen Mainzer Fraktur in magerem und halb¬
fettem Schnitt vorführt. In den verschiedensten Anwen¬
dungen, die das Heft enthält, wird wiederholt die vielseitige
Verwendbarkeit der Mainzer Fraktur gezeigt und zwar in
Verbindung mit Initialen und Ornamenten. Von einer aus¬
führlichen Besprechung des Heftes muß ich absehen, da
die Schönheit und der Wert der vorgeführten Erzeugnisse
von mir an dieser Stelle schon eingehend gewürdigt worden
ist. Das Heft enthält auch eine Mainzer Gotisch, die als
etwas durchaus Neues nicht bezeichnet werden kann, da
schon einige Vorläufer vorhanden sind. Die Schrift ist
aber dekorativ von sehr klarem Schnitt, so daß auch die
kleinen Grade noch gut lesbar sind.
Die Firma Gebr. Klingspor in Offenbach a.M. hat einen
ganz vorzüglich ausgestatteten Quer-Quartband mit zahl¬
reichen Bildern vom Rhein und der Mosel herausgegeben,
die in einem rahmenförmigen Schmuck untergebracht sind.
Die von J.V.Cissarz gezeichneten Bildergeben die Haupt¬
punkte des Rheins und der Mosel ungemein stimmungsvoll
wieder. Der ganze Reiz der Städte, Burgen und Land¬
schaften wird in einfacher Stricbmanier so fein, so zart
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
wiedergegeben, daß die Bilder die ganze Schönheit einer
Radierung besitzen. Gleich vortrefflich sind auch die un-
gemein wirkungsvollen Rahmenornamente) die sich aus¬
gezeichnet den Bildern anpassen) die als Vorbilder für
Buchschmuck dienen können. Ich zweifle nicht, daß die
neuesten Schöpfungen des Buchkünstlers J. V. Cissarz
und der verdienstvollen Firma Gebr. Klingspor die wohl¬
verdiente Anerkennung finden und dem Bücherfreund
auch recht häufig auf geeigneten Drucksachen begegnen
werden.
Die Lettergierij Amsterdam voorheen N. Tetterode in
Amsterdam hat ein Heft übermittelt, in dem eine Serie
Holländischer Ornamente, entworfen von S. H. de Roos,
gezeigt wird. Es ist erfreulich, daß die Firma auch Künstler
zur Mitarbeit heranzieht, aber trotzdem können die Orna¬
mente meinen vollen Beifall nicht finden. Sie bieten durch¬
aus nichts Neues, Selbständiges, ja einzelne Figuren sind
für Reihungen viel zu schwer und kräftig. Auf alle Fälle
aber beweist mir die Probe, daß die deutschen Schrift¬
gießereien schon seit langer Zeit viel schönere und
bessere Ornamentserien geschaffen und in den Handel
gebracht haben.
Die Schriftgießerei und Messinglinienfabrik A. Numrich
& Co. in Leipzig zeigt auf mehreren Quartblättern ein neues
Erzeugnis, eine Universal-Steinschrift, dem eine gewisse
Eigenart ohne weiteres zuerkannt werden muß, obgleich
die gut lesbare und wirksame Schrift nicht gerade etwas
hervorragend Neues ist. Sie wird aber zu Sätzen jeder
Art passende Verwendung finden. Die zur Universal-Stein¬
schrift geschaffenen Initialen müssen leider als wenig
gelungen bezeichnet werden, denn den darin vorkommen¬
den Kartuschen mangelt die Einheitlichkeit, wodurch die
ganze Serie unwillkürlich eine unruhige, unkünstlerische
Wirkung ausüben muß.
Von der Firma Wilhelm Wocllmers Schriftgießerei in
Berlin liegen eine ganze Reihe von Proben vor, unter
denen diejenige mit Anwendungsbeispielen der Marquis-
Einfassung die Hauptneuheit bildet. Die zur Bildung von
Leisten, Umrahmungen, Schildern usw. bestimmten Stücke
werden in der täglichen Arbeit sich ob ihrer guten und
leichten Verwendbarkeit bald einer großen Beliebtheit
erfreuen. Ob dies aber für die künstlerisch-technische
Druckausstattung von besonderem Vorteile sein wird,
möchte ich bezweifeln. Weiteres Ziermaterial sind die in
dem Hefte Dekor bemusterten Ornamente, unter denen
sich auch die auf besonderem Blatte gezeigten Modernen
Punktmotive befinden. DieeinzelnenStückedesSchmuckes
Dekor erscheinen in ihren Formen etwas sehr gesucht,
welcher Eindruck aber auch vielleicht durch die etwas zu
starke Verkleinerung hervorgerufen werden kann. Das
Material erscheint recht verwendbar. Sehr gut und brauch¬
bar sind die modernen Geviertstücke und die modernen
Geviertlinien in Messing, ein ganz einfacher Schmuck, der
bei geschickter und sparsamer Anwendung seine Wirkung
nicht verfehlen wird. Die in einem Sonderheft gezeigte
Lessing-Antiqua habe ich bereits früher besprochen, so
daß ich heute nur die gute Ausstattung des Heftes hervor¬
zuheben habe. Ein näheres Eingehen auf die halbfette
Woellmer-Antiqua muß ich unterlassen, da ich auch dieses
Erzeugnis der Firma Woellmers Schriftgießerei bereits
entsprechend gewürdigt habe. Die auf einigen Blättern
bemusterten Deutschen Reichsadler, Graphischer Adler
und Graphische Vignetten sind brauchbare Gegenstände
für die tägliche Arbeit. Chronos.
Aus den graphischen Vereinigungen.
Altenburg. Die Mitglieder der Graphischen Vereinigung
hatten am 11. Juli 1908 Gelegenheit, eine Rundsendung,
enthaltend 18 Diplomentwürfe der Berliner Typographi¬
schen Gesellschaft, in Augenschein zu nehmen. Die Auf¬
gabe, einen brauchbaren, den modernen Grundsätzen
entsprechenden Entwurf für ein Ehrendiplom mit umfang¬
reichem Text anzufertigen, dürfte wohl von jedem Fach¬
mann als eine nicht leichte bezeichnetwerden. Um so mehr
verdient hervorgehoben zu werden, daß fast sämtliche
eingelieferten Arbeiten als vorzügliche Lösungen angesehen
werden müssen. Der beigegebene Bericht der Preisrichter
(Münchener Typographische Gesellschaft) trägt infolge
seiner vortrefflichen Durcharbeitung und seiner eine tüch¬
tige Fachkenntnis bekundenden Abfassung mit dazu bei»
daß diese Rundsendung nicht nur besehen wird, sondern
aus ihr von dem aufmerksamen Fachgenossen auch für
die Praxis gelernt werden kann. Die Versammlung be¬
schloß, sich dieses Jahr wieder am Küttnerschen Johannis-
festdrucksachen-Austausch zu beteiligen. Die von der Leip¬
ziger Typographischen Vereinigung zugesagte Postkarten¬
ausstellung soll gelegentlich der 25jährigen Jubelfeier des
Altenburger Ortsvereins im Verband der Deutschen Buch¬
drucker zur Schau kommen. — Auf das Preisausschreiben
zur Erlangung von Skizzen für ein Programm, sowie für
den Umschlag zur Gedenkschrift anläßlich des 25jährigen
Bestehens des Ortsvereins Altenburg im Verband der
Deutschen Buchdrucker sind insgesamt 46 Arbeiten ein¬
geliefert worden. -o-.
Berlin. In der Typographischen Gesellschaft spraeh ein
als Autorität bekannter Berliner Gelehrter über mathe¬
matischen Satz. An zahlreichen Beispielen zeigte er, mit
wie wenig Verständnis bei diesen Arbeiten oft verfahren und
wie wenig Gewicht darauf gelegt werde, daß die mathe¬
matischen Formeln sachgemäß gesetzt sind und den
Ansprüchen genügen, die in bezug auf Übersichtlichkeit
und bequeme Lesbarkeit gestellt werden müssen. Beson¬
ders bedauerlich sei es, wenn ein mathematisches Werk,
wie dies bei der weit verbreiteten Sohnckeschen Samm¬
lung von Aufgaben in der Differentialrechnung geschehen
sei, in der ersten Auflage mit Sorgfalt, Sachverständnis und
geeignetem Material hergestellt worden sei, während eine
20 Jahre später erschienene folgende Ausgabe das Gegen¬
teil davon zeige. Das schöne Aussehen des mathematischen
Satzes sei keineswegs eine Luxussache, es erleichtere das
Lesen, während unzweckmäßige Anordnung leicht zu Feh¬
lern führe. Durch Zeichnungen an der Tafel veranschau¬
lichte der Vortragende die richtige Darstellung gebräuch¬
licher Formeln und ging mit großer Bereitwilligkeit darauf
ein, Fragen aus der Praxis zu beantworten. Im Anschluß
an den sehr lehrreichen Vortrag beschloß die Gesellschaft,
ihre technische Kommission möge sich, unter Verstär¬
kung durch sachkundige Setzer, die Ausarbeitung einer
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modernen Anforderungen entsprechenden Anleitung zum
mathematischen Satz zur Aufgabe machen und ihr Manu¬
skript vor dem Druck einem Fachgelehrten zur Durchsicht
vorlegen. — In der zweiten Sitzung des Monats Juni gab
Herr Georg Wagner einen Bericht über die aus Anlaß des
Besuches der französischen Buchdruckereibesitzer und
Papierindustriellen veranstaltete Ausstellung von Berliner
Drucksachen und mit Genehmigung der Schulleitung zur
Schau gestellten Arbeiten von Schülern der Fachklasse
für Typographen an der I. Berliner Handwerkerschule. In
bezug auf die Drucksachen konnte er nur bedauern, daß
die Bemühungen zur Erlangung solcher Arbeiten so wenig
Erfolg gehabt hatten, so daß nur eine geringe Anzahl aus
der großen Menge von Firmen, welche Gutes leisten, bei
der Ausstellung zur Geltung kam. Eine besondere Ber¬
liner Spezialität, die illustrierten Kataloge, war nur durch
wenige Exemplare vertreten und auch diese waren nicht
alle von Druckereien, sondern infolge besondern Ersuchens
von den Auftraggebern eingesandt worden. Selbst die
großen Berliner Tageszeitungen hatten die für die Aus¬
stellung erbetenen Exemplare nicht alle eingeschickt, so
daß sie der Vollständigkeit wegen in letzter Stunde gekauft
werden mußten. Der Ausstellung der Schülerarbeiten,
aus den Fachklassen der I. Handwerkerschule, unter denen
sich eine große Zahl tüchtiger Leistungen befand, widmete
der Berichterstatter eine eingehende Behandlung und hob
die Verdienste der Lehrer, die zum Teil Mitglieder der
Typographischen Gesellschaft sind, gebührend hervor. In
dem anschließenden Meinungsaustausch wurde bedauert,
daß die einflußreichen Stellungen in den Druckereien noch
so oft von Nichtfachleuten eingenommen werden, während
es doch im Interesse des Gewerbes liege, daß der Fach¬
mann den maßgebenden Einfluß ausübe. Es wurde darauf
hingewiesen, daß die Fachklassen auch Gelegenheit bieten,
sich in der Kalkulation auszubilden sowie sonstige kauf¬
männische Kenntnisse anzueignen. B.
Breslau. In der Typographischen Gesellschaft berichtete
am 3. Juni 1908 Herr Schuttes über den letzten Wettbewerb
des Arbeitsplanes, der ein Oktavzirkular betraf. Er tadelte
hierbei die schwache Beteiligung der außerhalb der Fach¬
klasse stehenden Berufsangehörigen. Auf eine Anfrage
hin wird beschlossen, die Bewertung der eingegangenen
Arbeiten durch eine Kommission erfolgen zu lassen.
Ferner wurden die Bedingungen zur Erlangung von Ent¬
würfen zu einerjohannisfestkarte bekannt gegeben, deren
Bewertung ebenfalls durch eine Kommission erfolgen soll,
in die sieben Herren gewählt wurden. — Am 17.Juni 1908
berichtete zunächst Herr Alfred Richter über eine Rund¬
sendung des Graphischen Klubs in Stuttgart, die Stutt¬
garter Illustrationsdrucke enthielt. Der Berichterstatter
zollte den Arbeiten unumwundene Anerkennung. Hierauf
erstattete Herr Schmidt im Namen der Kommission Be¬
richt über den Wettbewerb betreffend Oktavzirkular. Die
Aufgabe sei ziemlich gut gelöst worden, nur der Text sei
oft sehr willkürlich abgefaßt, auch passe die oft angewandte
Spitzengruppierung nicht für ein Zirkular. G-e.
Chemnitz. In dem Typographischen Klub fanden in den
letzten Monaten mehrere Vorträge statt. Es sprachen: am
28. April 1908 Herr Faktor Reimer über: Übereinstimmung
von Linie und Form, am 10. Mai Herr Oberlithograph Geil
über: Wie beurteilt man den künstlerischen Wert der
Schriften und am 23. Juni Herr Faktor Reimer über: Die
Sprache der Linie. — Am 26. Mai wurde eine Rundsendung
des Verbandes der Deutschen Typographischen Gesell¬
schaften, enthaltend Diplomentwürfe der Berliner Typo¬
graphischen Gesellschaft, ausgestellt und besprochen.
Belobt wurde die enorme Arbeitsleistung der Teilnehmer,
ferner das von der Münchener Typographischen Gesell¬
schaft gefällte Bewertungsurteil als richtig anerkannt.
Als Sommeraufgabe wurde die Anfertigung eines Entwurfs
zu einem Briefkopf für den Gauvorstand bestimmt, gr.
Halle a.S. In der Hauptversammlung der Graphischen
Vereinigung wurden von verschiedenen Mitgliedern Wün¬
sche und Hoffnungen geäußert, die darauf abzielten, die
ziemlich brach liegende Tätigkeit in ein andres Fahrwasser
zu bringen, die Leitung etwas reger zu gestalten und
die Interessen zur Weiterbildung der Mitglieder zu
heben. Als Vorstandsmitglieder wurden sodann gewählt:
F. H. Müller, Vorsitzender; Paul Herbst, Schriftführer;
E. Sorgatz, Kassierer; O. Kunter und E. Knoop, Beisitzer.
— In der Sitzung, die am 26. Mai 1908 stattfand, gelangte
eine Neuerung zur Durchführung, indem eine Druck-
sachen-Prüfungskommission gebildet wurde, die lokale
graphische Erzeugnisse auf ihren technischen und künst¬
lerischen Wert prüfen und beurteilen, sowie Wettbewerbe
und Preisausschreiben bewerten soll. Ihre erste Tätigkeit
war die Bewertung der eingegangenen Entwürfe zu einer
Karte, sowie zu einem Zeitungskopf für das Johannisfest
des Ortsvereins des Verbandes der Deutschen Buch¬
drucker. Es erhielten: a) für die Karte: Otto Ackermann,
I.Preis, O. Ziegler, II. Preis; b) für den Zeitungskopf: Otto
Ackermann, I.Preis, O. Kunter, II. Preis. Die eingegangenen
Entwürfe zeigten für die Bildung von Flächen großes Ver¬
ständnis, das aber noch weiter ausgebaut werden muß. —
Am lO.Juli fand die erste Ausstellung statt, in der die Rund¬
sendung der Buchdruckerwoche, enthaltend Anzeigenent¬
würfe, ferner Schriftgießereineuheiten und Entwürfe des
Johannisfest-Wettbewerbes zur Schau gestelltwaren. Vidi.
Hamburg. Der erste Vereinsabend, den die Typogra¬
phische Gesellschaft im Juni abhielt, brachte einen sehr
lehrreichen Vortrag des Herrn Professor Richard Meyer ,
Direktor der Staatlichen Kunstgewerbeschule, über: Die
Buntpapiere und ihre Herstellung, der durch eine Aus¬
stellung von Vorsatzpapieren aus alter und neuer Zeit er¬
läutert wurde. Die aus dem 17. und 18.Jahrhundert stam¬
menden handgefertigten Vorsatzpapiere bewiesen durch
ihre schönen Muster und vornehme Farbengebung, daß
unsre alten Papiermacher ihre Kunst verstanden haben
und Wert auf ein hübsches Vorsatzpapier legten. Die
maschinell hergestellten Vorsatzpapiere wirken durch die
stete Wiederholung der Motive meist langweilig und reiz¬
los. Der Vortragende erläuterte in klaren Ausführungen
die Herstellung der verschiedenen Buntpapiere, auch
zeigte er zum Schluß praktisch die Erzeugung der Vorsatz-
Kleisterpapiere. — Am 24.Juni fand eine Ausstellung und
Besprechung der aus einem Preisausschreiben hervor¬
gegangenen Entwürfe zur diesjährigen Johannisfestkarte
statt. Die Bewertung der eingegangenen 146 Entwürfe hatte
der Graphische Klub in Stuttgart übernommen. Die vier
Preise erhielten: Herr Paul Kempin, I. Preis; Herr Franz
Riedel, Il.Preis; Herr Emil Reher, III.Preis und Herr Georg
Horstmann, IV. Preis. Außerdem wurden noch einige
ehrende Anerkennungen und lobende Erwähnungen erteilt
Am 28.Juni waren die Arbeiten öffentlich im Vereinslokal
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
ausgestellt. — Als Aufgabe für die Ferien ist ein Preisaus¬
schreiben für ein Exlibris erlassen worden, dessen Ergebnis
durch die Mitglieder der Typographischen Gesellschaft
Mönchen bewertet werden soll. Fp.
Leipzig. Die diesjährige Frühjahrsmesse hatte Herrn
Wetzig veranlaßt, eine große Zahl Empfehlungs- und Ge¬
schäftskarten auswärtiger Aussteller im Städtischen Kauf¬
haus zu sammeln, die er in der am 3. Juni 1908 stattge¬
fundenen Sitzung der Typographischen Gesellschaft einer
beurteilenden Besprechung unterzog. Aus den Karten war
vornehmlich derGeschäftssinn des Kaufmanns und weniger
die Absicht zu ersehen, auch eine geschmackvolle Druck¬
sache zu bieten. Die Formate schwankten zwischen Visit
bis zu Kleinoktav. Weißer Karton war bevorzugt, der Druck
fast durchgehends schwarz, nur selten mehrfarbig. In der
Satztechnik war zumeist der Dreizeilenfall angewandt, ganz
vereinzelt die Block- oder Trichterform. Neben den Me߬
karten waren auch ältere und gute moderneGeschäftskarten
ausgestellt. An der Hand dieser ging der Berichterstatter
auf die Entwicklung und den Zweck der Geschäftskarte ein.
Bewährte moderne Karten zeigten kräftige, schöne Schriften
in einfacher, geschlossener Zeilengruppierung, die Me߬
karten hingegen vorherrschend dünne Schriften sezessio-
nistischen Charakters in freier, unschöner Textanordnung.
Auf Grund der großen Zahl gesammelter Karten aus vielen
Orten Deutschlands und des dabei erzielten ungünstigen
typographischen Ergebnisses, kann vielleicht von einem
Abwärtsgehen in der Ausstattung der Geschäftkarte ge¬
sprochen werden. Hierauf gab Herr Schwarz noch eine
technische Erklärung über das Wort Kegel, wie es der
Buchdrucker und Schriftgießer anwendet, sowie über die
Unterschiede in den verschiedenen Ländern. — In der
Sitzung vom 17.Juni sprach Herr Kuttner über: Der deut¬
sche Buchdruckertarif und die technische Entwicklung des
Buchdruckgewerbes. Die wesentlichen technischen Ver¬
änderungen, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte im
Buchgewerbe Eingang verschaflFt hatten, bedingten eine
Berücksichtigung im Tarif, um für die einzelnen Arbeiten
einen Anhalt zur Bewertung zu haben. Auch die Einzel¬
branchen, die Sparten, spiegeln ihre beruflichen Sonder¬
interessen — je nach Verhältnis — im Tarif wieder. B-r.
Leipzig. In der Juni-Sitzung der Typographischen Ver¬
einigung teilte der Vorsitzende mit, daß zu dem Preisaus¬
schreiben zur Erlangung von Vereinsdrucksachen (Brief¬
bogen, Briefumschlag und Postkarte) 44 Entwürfe ein¬
gegangen sind, die dem Graphischen Klub in Stuttgart zur
Bewertung übersandt wurden. Herr Schuster berichtete
sodann über die von ihm und Herrn Dreßler geleiteten
Skizzierkurse, in denen, trotz der Lauheit vieler Teil¬
nehmer, vorzügliche Arbeiten geliefert worden seien. An
diesen Bericht knüpfte sich eine lebhafte Aussprache.
Am 28. Juni besichtigte eine größere Anzahl Mitglieder
das Fernsprechamt. G-h.
München. Die ordentliche Generalversammlung der
Typographischen Gesellschaft, die am 17Juni 1908 abgeh alten
wurde, wies einen sehr guten Besuch auf. Herr Friedrich
Sommer berichtete über den Verlauf und die Ergebnisse
des von ihm im abgelaufenen Halbjahre geleiteten Skizzier-,
Zeichen- und Kolorierkursus, der in einem Lehrsaale des
Rosentalschulhauses an wöchentlich zwei Stunden abge¬
halten wurde und mit Übungen im Schriftschreiben mit
Quellstift und Rundschriftfeder begann. Geübt wurde
eine einfache deutsche (eigentlich mehr Bastard-) Schrift
und eine Lapidartype, beide in enger, normalbreiter und
breiter Zeichnung. Daran schloß sich die Anfertigung
einfacher Titel- und Akzidenzentwürfe, welchen reicher
ausgestattete farbige Entwürfe folgten. Die Aufgaben
waren stets gemeinsame und so angelegt, daß sie mitein¬
ander ein Heft mit selbstentworfenem Umschlag, Titel,
Übungsblättern usw. füllen. Im Kolorierunterricht wurden
Tafeln mit den Erst-, Zweit- und Drittfarben in größeren
Flächen und ein vielteiliger Farbenkreis hergestellt. Die
ausgestellten Unterrichtsergebnisse sind sehr erfreuliche
und zeugen von dem Können des Lehrers, wie von dem
großen Fleiße derjenigen 12 Schüler, die von 46 Teil¬
nehmern bis zum Schlüsse ausgehalten haben. Hierauf
erstattete der erste Vorsitzende den Jahresbericht, der ein
erschöpfendes Bild reger Tätigkeit bot; der gedruckt vor¬
liegende Kassenbericht wies ein Bankguthaben von 700 M
und einen Barbestand von 233.29 M aus. Bei der Vorstands¬
wahl zeigte sich erfreulicherweise keine große Amtsmüdig¬
keit, so daß die führenden Personen in ihren Ämtern
verbleiben. Einige von Vorstandsseite beantragte Satzungs¬
änderungen und der Antrag eines Mitgliedes, dem Gesamt-
vorstande für seine Mühewaltung von nun an eine jährliche
Remuneration zu bewilligen, lösten eine rege Aussprache
aus, die schließlich zur Annahme sämtlicher Anträge
führte. Den Preisträgern des Diplomwettbewerbes der
Gesellschaft wurde das preisgekrönte und nunmehr in der
Hausdruckerei der Schriftgießerei E. J. Genzsch herge¬
stellte Diplom überreicht. — Der Johannistag, ein Mün¬
chener Buchdruckerfeiertag, führte etwa 60 Mitglieder
nach Augsburg zum Besuche der dortigen Maschinenfabrik.
Die Besichtigung der in vollem Betriebe befindlichen
Fabrik unter Führung mehrerer Beamten und das darauf¬
folgende von der Fabrik dargebotene Frühstück füllten den
Vormittag aus. Nach dem gemeinschaftlichen Mittagessen
fand ein Ausflug nach Siebentisch statt. Der Abend ver¬
einigte die Münchener mit der Augsburger Schwester¬
gesellschaft und dem größten Teile der Augsburger
Kollegenschaft zu einem fröhlichen Beisammensein, wobei
der Augsburger GesangvereinTypographia und dessen Ver¬
einsorchester ihr Bestes zur Unterhaltung gaben, -m-.
Offenbach a. M. Die Graphische Vereinigung hat, seit¬
dem von ihr an dieser Stelle zum letzten Male berichtet
wurde, eine rege Arbeit erledigt. Die Generalversammlung
am 13. September 1907 wählte den seitherigen Vorstand
wieder und konnte von dem Kassierer hören, daß die Kasse
einen Bestand von etwa M 200.— aufwies. Von den Ver¬
anstaltungen ist der Vortrag des Herrn Julius Wernicke
über: Das Ornamentieren von Buchdruckarbeiten beson¬
ders zu erwähnen. Am 1. März 1908 wurde die Lehr- und
Versuchsanstalt Klimsch & Co. in Frankfurt a. M., am
22.März das Frankfurter Kunstgewerbemuseum besucht, in
dem Entwürfe aus verschiedenen Preisausschreiben der
Monatshefte für graphisches Kunstgewerbe ausgestellt
waren. Die größte Veranstaltung der Graphischen Ver¬
einigung war die Abhaltung eines von Herrn Gustav Rath
geleiteten Farbenmischkurses. Für dieTypographische Ver¬
einigung Mainz wurde eine Sammlung von Entwürfen zu
Neujahrskarten bewertet. An Ausstellungen fanden statt:
Arbeiten aus der Praxis, gefertigt von Fr. Fischer; Natur¬
studien des Herrn Bildhauer Wilhelm Kurz; Dreifarben¬
drucke von Dr. E. Albert & Co., München; Reedereidruck-
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Sachen; Entwürfe der typographischen Vereinigungen in
Breslau, Mainz und Mannheim-Ludwigshafen. Ein von
der Graphischen Vereinigung veranstaltetes Preisaus¬
schreiben zur Erlangung einer Mitgliedskarte brachte
26 Entwürfe, die von der Typographischen Vereinigung
Leipzig bewertet wurden und dem Verband der Deutschen
Typographischen Gesellschaften zu einer Rundsendung
überlassen werden. -sch-.
Posen. In der Sitzung, die der Buchdrucker-Fachverein
am 11. Juli 1908 abhielt, wurden zunächst verschiedene
Neueingänge, sodann eine Rundsendung des Verbandes
der Deutschen Typographischen Gesellschaften, enthaltend
Neujahrskarten 1908, besichtigt und besprochen. Bei der
notwendig gewordenen Vorstandsersatzwahl wurde Herr
Hiob als II. Sachverwalter, Herr Radke als Mitglied der tech¬
nischen Kommission gewählt. Bei den technischen Erläu¬
terungen wurde geltend gemacht, daß beim Umbrechen
von Werken bei Kolumnenanfängen möglichst die Eingänge,
beim Schluß der Kolumnen aber die Ausgänge vermieden
werden sollen. Beim Satz von Programmen sollen die
Namen der Vortragenden nicht wie üblich in die Mitte ge¬
schlossen, sondern vorn gleichmäßig eingezogen werden.
Zittau. Die Graphische Vereinigung veranstaltete am
20. Juni 1908 eine Klingspor-Ausstellung. Von den vor¬
geführten prächtigen Drucken erweckten ganz besonderes
Interesse die aus Hupps Liturgisch gesetzten Adressen
und Wandsprüche. — In der Sitzung am gleichen Tage
wurde das Ergebnis eines Wettbewerbs für den Titel eines
Johannisfest-Tafelliedes bekannt gegeben. Den I. und
III. Preis erhielt Herr Hille, den II. Here Spindler, lobende
Erwähnungen die Arbeiten der Herren Junker, Meichsner
und Spindler. Die Wertung der 26 eingegangenen Arbeiten
hatte die Typographische Gesellschaft in Nürnberg vor¬
genommen, die in dem beigegebenen Berichte das von
großem Fleiße und technischem Können der Mitglieder
zeugende Gesamtergebnis besonders hervorhob. Ferner
lag eine Rundsendung des Verbandes der Deutschen
Typographischen Gesellschaften (Hamburger Skizzen)
aus, bei der von einem vorbildlichen Werte nicht mehr
die Rede sein konnte und die daher besser aus dem Ver¬
kehr gezogen würde. -dl-.
Zürich. Die am 11. Juli 1908 stattgehabte Monatsver¬
sammlung des Typographischen Klubs beschloß auch für
dieses Jahr die Herausgabe einer Neujahrskarte. Zur Er¬
langung von Entwürfen wird unter den Mitgliedern ein
Preisausschreiben veranstaltet. An Preisen sind 50 Fr. aus¬
gesetzt. Gleichzeitig wird ein Wettbewerb zur Erlangung
von Entwürfen für einen Briefkopf und ein Kouvert zum
Bedarf des Klubs erlassen. Hierfür gelangen an Preisen
30 Fr. zur Verteilung. M.
Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge.
V Der Bucheinband in alter und neuer Zeit von Jean
Loubier. Mit 197 Abbildungen; zweites Tausend (Band X
der Monographien des Kunstgewerbes, herausgegeben von
Jean Louis Sponsel). Leipzig. Verlag von Klinkhardt & Bier¬
mann. Preis gebunden M 5.—. Professor Dr. Loubier, der
als Freund und gelehrter Kenner der Buchkunst bei Lieb¬
habern und Fachleuten eines wohl erworbenen Ansehens
sich erfreut, war wie wenig andre berufen, diese von ihm in
Einzelaufsätzen und Vorträgen so oft behandelte Materie zur
knappgefaßten, gemeinverständlichen Monographie zu ge¬
stalten. Ich kann als buchgewerblicher Praktiker es nicht
als meine Aufgabe ansehen, den wissenschaftlichen Inhalt
des Werkes einer kritischen Betrachtung zu unterziehen.
Ich bin an die Lektüre herangetreten als einer der daraus
lernen wollte, und weil ich die Mühe des Studiums reich
belohnt fand, möchte ich auch bei andern, besonders bei
der jungen Generation des Buchgewerbes, zu der ich als
Lehrer in einem engern Verhältnis stehe, den Wunsch
nach dem Besitz dieses vortrefflichen Buches erwecken.
Im ersten Kapitel zeigt der Verfasser sich als gründlicher
Kenner der Technik. Beim Handbetrieb ist diese ja heute
noch im wesentlichen dieselbe wie im Mittelalter. Wo
aber Neuerungen eingetreten sind, wird das alte und das
neue Verfahren mit Unterstreichung der abweichenden
Punkte nebeneinander gestellt und dem Leser selbst die
Entscheidung der Frage überlassen, ob die Neuerung zu¬
gleich ein Fortschritt ist. Es gehört überhaupt zu den
sympathischen Seiten des Buches, daß der Verfasser in
technischen Fragen, besonders in strittigen technischen
Fragen, sich eines präzeptorisch ausgesprochenen Urteils
enthält. Mit der schlichten, klaren Wissenschaftlichkeit,
die sich stets von selbst anwendet, weiß er aber die ver¬
schiedenen Verfahren in ihrem Werte für die Haltbarkeit
und Gebrauchsfähigkeit des Buches zu schildern, so daß
der Leser sich öfter vor unausgesprochene Fragen gestellt
sieht, deren eigne Beantwortung ihm die Lektüre höchst
anziehend gestaltet. So bietet dieser rein technische Teil
selbst dem Fachmann noch manches Interessante. Beson¬
ders aber möge der bücherliebende Laie, der technische
Qualitäten unterscheiden lernen will, sich in dies Kapitel
vertiefen. Auch dem fürs Buchgewerbe tätigen Künstler
sei das Studium empfohlen. Kann es ihm auch nicht das
notwendige Maß technischer Kenntnis vermitteln, so wird
es ihn doch von der Notwendigkeit überzeugen, sich in
der Werkstatt selbst weiter Rats zu holen.
Das zweite Kapitel bringt eine Schilderung des Schrift¬
wesens im Altertum. Durch Abbildungen nach antiken
Plastiken und Gemälden wird der Leser mit der Papyrus¬
rolle und den mit Elfenbeinreliefs geschmückten Schreib¬
täfelchen, den„Diptychen“ bekannt gemacht,welch letztere
ihrer Form nach als die eigentlichen Vorläufer des heutigen
Buches zu betrachten sind.
Und nun geleitetuns der Autor als kundiger Führer durch
ein Jahrtausend buchgewerblicherEntwicklung. Wir lernen
den von spätklassischem Geist erfüllten, feierlich schönen
kirchlichen Prachtband des frühen Mittelalters kennen.
Er war vom Goldschmied und Elfenbeinschnitzer gefertigt.
Dann wird uns gezeigt, wie infolge Sinkens des ideellen und
materiellen Wertes der Bücher in der gotischen Zeit der
Goldschmied dem Buchbinder im heutigen Sinne weichen
muß. Wir werden bekannt gemacht mit dem orientalischen
Einbande in seiner staunenerregenden technischen Voll¬
endung, der dem Italien der Renaissance fruchtbare
Anregungen gegeben hat. Dann zeigt der Verfasser uns
die Anfänge und führt uns auf die Höhe der italienischen
Einbandkunst des 16. Jahrhunderts. Er machtuns eingehend
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
bekannt mit den großen Liebhabern und Förderern der
Kunst, besonders mit dem in Italien lebenden Franzosen
Grolier, der nach seiner Rückkehr in die Heimat die italie>
nische Einbandkunst nach Frankreich verpflanzte. Reiches
Roll- und Bandwerk, mit Lackfarben ausgemalt, bildet den
Schmuck seiner Einbände, die heute der Stolz der Samm¬
lungen sind. Wir sehen, wie Groliers Vorgehen in Frank¬
reich Nachahmung findet, wie der Einbandkunst dort
zahlreiche fürstliche Mäzene erstehen. Es sind glänzende
Kulturbilder, in denen uns die höchste Blüte der Einband¬
kunst unter dem Schutze Heinrichs IV., seiner Gemahlin
und seiner Geliebten vor Augen geführt wird. In Deutsch¬
land waren damals große Bibliophilen und fürstliche
Mäzene selten. Daß der Verfasser trotzdem auch aus
unserm Lande eine Reihe höchst achtbarer und zum Teil
künstlerisch wertvoller Arbeiten vorführen kann, stellt der
Tüchtigkeit unsrer Vorfahren ein rühmliches Zeugnis aus.
Als Mitte des 16. Jahrhunderts italienisch-französische
Einflüsse sich in Deutschland geltend machen, greift Kur¬
fürst August von Sachsen die neuen Anregungen auf und
führt mit seinem berühmten Hofbuchbinder Jakob Krause
den deutschen Renaissanceband auf den Gipfel seiner
Entwicklung. Recht amüsant lesen sich die Mitteilungen
über Krauses Anstellungsverhältnisse und Preistarife
sowie über seine Mißhelligkeiten mit der brotneidischen
Dresdener Buchbinderinnung, die dem zugewanderten
Meister das Leben recht sauer gemacht hat. Im 17. und
18. Jahrhundert sind die französischen Buchbinder tonan¬
gebend. Ein Streben nach Verfeinerung der Ornamente
tritt besonders in einer Auflösung der Linien in feine Gold¬
punkte in die Erscheinung. Durch die damalige Kleider¬
mode veranlaßt, werden Spitzenmuster und auch das
Fächermotiv für die Dekoration des Bucheinbandes heran¬
gezogen. Wir erfahren, daß man in dieser Zeit höchsten
Prunkes sich auch vielfach mit sehr einfachem Dekor
begnügte und den Hauptwert auf höchste Vollendung der
technischen Arbeit legte. Wir lernen dann noch die
kümmerlichen antikisierenden Leistungen aus dem Anfang
des 19. Jahrhunderts kennen, und die völlige künstlerische
Unselbständigkeit der Folgezeit, die ausschließlich an den
Formen vergangner Zeiten zehrte, bis durch William Morris
angeregt, gegen das Ende des Jahrhunderts ein von
modernem Geist getragener neuer Aufschwung einsetzt.
Was England, Deutschland und andre Länder in unsrer
Zeit an Liebhaber- und Verlegerbänden hervorgebracht
haben, davon handeln ausführlich die letzten Blätter des
Buches. In Wort und Bild führt so der Verfasser aus der
langen Entwicklungsreihe die bedeutendsten Denkmale
der Einbandkunst vor. Immer mit ihrem kulturhistorischen
Hintergründe. So vereinigen sich die Einzelbilder gleich¬
sam zu einem Wandelgemälde, das mit stets wechselnden
Stimmungen am Auge des Lesers vorüberziebt.
Loubiers Werk ist, wie man sieht, ein vorwiegend histo¬
risches. Die notwendige Reaktion der modernen Bewegung
gegen den Eklektizismus der letzten Jahrzehnte hat leider
vielfach, besonders bei der kunstgewerblichen Jugend, zu
einer gewissen Pietätlosigkeit gegenüber den künstle¬
rischen Leistungen der Vergangenheit geführt. Wir müssen
deshalb solche Bücher begrüßen, die geeignet sind, den
historischen Sinn der jungen Generation zu stärken. Aller¬
dings wollen wir nichts gemein haben mit denen, die in
einem kunsthistorischen Werke lediglich einen Formen¬
kanon sehen, dessen Autorität sie gegen jede selbständige
Regung einer neuen Zeit ins Feld führen möchten. Auch
nichts mit den künstlerisch Impotenten, denen die Kunst¬
werke der Vergangenheit nur eine zum bequemen Kopieren
bestimmte Vorbildersammlung darstellen. Aber wir sehen
in der geschichtlichen Betrachtung für den Praktiker einen
Weg, aus den Wirrnissen der Gegenwart zu Selbständigkeit
und eigener künstlerischer Überzeugung zu gelangen.
Eine der bedenklichsten Nebenerscheinungen des kunst¬
gewerblichen Aufschwungs ist der moderne Nachahmer,
der nichts weiß und nichts kann, aber das Lästermaul
gegen alles, was aus historischem Boden erwuchs, am
weitesten aufreißt. Ihm wäre besonders zu empfehlen,
ein geschlossenes historisches Werk, wie das vorliegende,
von Anfang bis zu Ende aufmerksam zu lesen und gründ¬
lich zu verarbeiten. Eine vertiefte und vielseitige Fach¬
bildung an Stelle der banausisch erworbenen Routine das
ist’s, was vielen Entwerfenden und Ausführenden not¬
tut. Und die kann bei ernstem Wollen sich jeder Intelli¬
gente erwerben, auch ohne Gymnasial- und Universitäts¬
bildung. Aber nur mit scheuer Ehrfurcht trete er an die
Kunst der Vergangenheit heran, betrachte sie als einen
uns vererbten Schatz, an dem Raubbau zu treiben wir nicht
das Recht haben, sondern den wir in ehrlicher Arbeit
erwerben müssen, um ihn zu besitzen. Wer mit solcher
Gesinnung sich in die Geschichte des Kunstgewerbes
vertieft, dem wird ihr Dunkel sich hellen. Er wird erkennen,
daß jedes Volk und jede Zeit ihre besondere Kunst hatten.
Es wird ihn reizen, den verborgenen Beziehungen nachzu¬
spüren, die zwischen dem Kunstwerke und dem Kultur¬
stande des Volkes und der Zeit, die es hervorbrachten,
ihrem technischen Können, ihren Bedürfnissen, ihrer
Denk- und Empfindungsweise bestehen. Er wird zu dem
Schluß kommen, daß unsre Zeit mit ihren neuen techni¬
schen Mitteln und Materialien, ihrer neuen Lebensweise
und Denkart, in der auch neue soziale Schichten als Kon¬
sumenten aufgetreten sind, an das Kunstgewerbe mit Not¬
wendigkeit neue Forderungen stellen muß: ihm wird sich
das Verständnis erschließen für die komplizierten Kunst¬
fragen der Gegenwart. Ja, wer den Sinn historischer Kunst
ganz begriffen, der hat sich ein Recht erworben, das keinem
andern zusteht, das Eigentumsrecht auch an den histori¬
schen Formen. Die dahin streben, denen wird dies Buch
ein guter Führer sein. Ludwig Sütterlin.
Inhaltsverzeichnis.
Bekanntmachung. S.269. — Die Technischen Kurse in
der Königlichen Akademie für graphische Künste und
Buchgewerbe in Leipzig. III. S.270.— Hans von Volkmann.
S.273. — Die Arbeitsweise und der Energieverbrauch von
Tiegeldruck-und Zylinder-Flachformschnellpressen. S.279.
— Der Satz chemischer Formeln. S. 287. — Aus dem Deut¬
schen Buchgewerbeverein. S. 292. — Buchgewerbliche
Rundschau. S. 294. — Aus den graphischen Vereinigungen.
S. 296. — Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene
Eingänge. S.299. — 8 Beilagen.
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PRINCETON UNIVERSITY
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Als einzige Spezialisten öes Kontinents auf
öem Gebiete öes Falzmaschinenbaues
richten wir seit Jahren unser Bestreben öarauf, in öiesen Maschinen öer verehrlichen
Kunöschaft stets öas Geöiegenste unö Vorteilhafteste, öas Vollkommenste zu bieten,
was öarin erzeugt wirb. — Es freut uns öaher, öaß wir heute wieöer in öer Lage
sinö, eine ganz vorzügliche unö noch öazu von vielen Fachleuten schon lange ersehnte
Maschine auf öen Markt bringen zu können, unsere
ganzautomatisdie Falzmaschine
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Auto-Triumph
U
welche per Stunde 2—3000 Bogen falzt
ohne besondere Bedienung und Aufsicht!
Diese Maschine ist mit öem als absolut zuverlässig arbeitenö jeöem Fach¬
mann bekannten Bogen-Anlegeapparat „Universal“ ausgerüstet, kann für ein, zwei,
örei, vier unö mehr Brüche eingerichtet unö mit einfachem sowie auf jeöen Millimeter
Entfernung verstellbaren Doppelstich-Heftapparat, Schneiöe- unö Perforier-Vor¬
richtung usw. versehen werben.
Infolge ihrer vorzüglichen Konstruktion unö präzisen Ausführung eignet sich
unsere „Auto-Triumph“
nicht nur für Massenauflagen
sondern zum Falzen feiner Werke, Kataloge unö Kunstdrucke.
Die Auto-Triumph
ist nach jeöer Richtung hin mit
allen möglichen Arbeiten ganz grünö-
lich ausprobiert unö leisten wir für ihre absolut zuver-
lässige Funktion sowie sauberes unö genaues Arbeiten t -
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A. GUTBERLET& CO., FALZMASCHINEN-FABRIK, LEIPZIG
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PRINCETON UNIVERSITY
A. GUTBERLET& CO., FALZMASCHINEN-FABRIK, LEIPZIG
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Besonöere Vorzüge unserer Auto-Triumph:
Einfache unö übersichtliche Konstruktion, öaher leichte Verstänölichkeit unö
Instanöhaltung öer Mechanismen.
Stabile Bauart, solibeste unb sauberste Ausführung, baher längste Lebens¬
bauer unb Wegfall aller Störungen unb Reparaturen.
Schnelles unb leichtes Umstellen bei Formatwechsel, baher auch bei kleinsten
Auflagen vorteilhaft verwenbbar.
Pneumatisches Abheben ber Bogen; am besten bewährtes System, kein
Bestreichen ber Bogen mit Gummirab ober bgl., baher ohne Ver¬
stellung gleich gute Funktion bei rauhen wie satinierten, gekreibeten
ober gummierten Papieren sowie
Kein Verschmieren bes Druckes, so baß sich unsere „Auto-Triumph“ auch
zum Falzen von Kunst- unb Illustrationsbruck eignet.
Genaue Registerfalzung bei feinsten Werken unb besseren Falzarbeiten
mit guter Anlage.
Schnelle Einrichtung zu Anlage von Hanb.
Vielseitigste Verwenbbarkeit, ba bie Maschine alle Papiere vom bünnen Pro-
spektpapierbis zur beträchtlichsten Stärke ohne Verstellung verarbeitet.
Absolut zuverlässige Funktion, selbsttätige Ausrückung, weshalb bie Maschine
ohne besonbere Bebienung unb Aufsicht arbeiten kann.
Hoher Bogenstapel (6—8000 Bogen) mit selbsttätigem Transport.
Grösste Leistungsfähigkeit. — Höchste Rentabilität.
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Wir sind auch bei unserer vorstehend gekennzeichneten
„Auto-Triumph“
unserm seitherigen Prinzip treu geblieben, nämlich nur eine durchaus perfekte,
also in jeder Beziehung „fertige“ Maschine auf den Markt zu bringen, und
daher überzeugt, daß sich dieselbe ebenso schnell wie unsere vorher der Kundschaft
übergebene, halbautomatische Triumph beliebt machen und in noch größerem Maße
die Anerkennung aller Fachleute finden wird, zumal durch Wegfall der Anlegerin
eine noch größere Unabhängigkeit vom Falzerpersonal eintritt unö die Auto-Triumph
dadurch auch keine Beschränkung öer Arbeitszeit kennt.
Jedem rechnenden Buchöruckerei- unö Buchbinöereibesitzer, dem an Erhöhung
öer Leistungsfähigkeit seines Betriebs gelegen ist, können wir die Anschaffung der
Auto-Triumph dringend empfehlen unö bitten Spezialofferte zu verlangen.
Leipzig, im März 1908. A. Gutberiet & Co.
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E. W.
Ziermaterial und Schrift aus der Schriftgießerei J.G. Scheiter & Giesecke in Leipzig
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Beilage z,ym Archiv für Buchgewerbe
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PRINCETON UNtVERSITY
GEORG MERSEBURGER
REDAKTION UND VERLAG DES LEIPZIGER KALENDERS
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Den verehrlichen Inserenten des
Leipziger Kalenders
kann ich die erfreuliche Mitteilung machen, daß
in diesem Jahre die Auflage infolge stetig wach¬
sender Nachfrage um mindestens 2000 Exem¬
plare erhöht werden muß, Ihre Anzeige erhalten
Sie aber zum alten Preise. Der neue Jahrgang
wird diesmal besondere Beachtung finden, weil
er einen großen Teil seines Inhaltes dem fünf¬
hundertjährigen Universitäts-Jubiläum widmet.
ot Ich bitte um freundliche Erneuerung Ihrer
Anzeige auf anliegender Karte. j***j*j*'***j*
In größter Hochachtung
Georg Merseburger
Leipzig, im Mai 1908 • Querstr. 27
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Arbeit aus der Praxis
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
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VEREINIGTE KUNSTANSTALTEN A.-G. KAUFBEUREN-MÜNCHEN.
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Bautzen Leipzig
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Gebrüder Brehmer, Leipzig j A.-G., vormals Schmiers,
Dresdener Schnellpressenfabrik Werner & Stein, Leipzig
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Monotype, Buchstaben-Gieß- u. j Maschinenfabrik, Leipzig
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fabrik, Leipzig-Leutzsch j Loms Zeibig Nachf, Leipzig-
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der fortschreitenden Entwickelung des Annoncenwesens auf der ganzen Erde auf dem Laufenden zu erhalten. Der
Inhalt besteht vorzugsweise aus Beiträgen über Theorie und Praxis des Inseriercns, die von berufenen Fachmännern
verfasst und gewöhnlich durch Beispiele erläutert sind; ferner aus Berichten über das von leitenden Geschäftshäusern,
Genossenschaften und Clubs in Bezug auf Veröffentlichungen befolgte Verfahren; er gibt ferner ein Überblick über den
Stand des Annoncenwesens in einzelnen Teilen der Vereinigten Staaten oder anderer Länder, und bringt Reproduktionen der
besten und neuesten Musterzeichnungen für Cataloge, Pamphlete und alle Arten gewerblicher und kaufmännischer Druckar¬
beiten. Kunst, Wissenschaft, Politik, Geschichte und Literatur — insoweit sie in Beziehung zum Geschäftsleben stehen —
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Der Praktische Geschajlsanzeiger erscheint monatlich; er ist aufs Eleganteste ausgestattet; auf tadellosen, typogra¬
phisch stilvollen Druck wird grösste Sorgfalt gelegt und nur die beste Sorte Papier kommt zur Verwendung. Für jede Num¬
mer wird eigens ein gezeichneter oder gemalter farbiger Umschlag hergestellt; die der Fachschrift beigegebenen Lichtdrucke
werden von den erfahrensten Künstlern gestochen und zeichnen sich durch Schönheit und Klarheit des Drucks aus.
Der Praktische Geschqflsanzeiger ist in jeder Beziehung unabhängig; die alleinige Eigentümerin, Fräulein Kate E.
Griswold hat es verstanden, aus einem bedeutungs- und zwecklosen Pamphlet ein Organ zu schaffen, das den gediegensten
Fachblättern der Welt ebenbürtig an die Seite zu setzen ist. Der Redaktor, George Frencli, hat einen internationalen Ruf als
Schriftsteller und Kritiker auf Gebieten des Annoncierungswesens und der graphischen Künste; er ist der amerikanische Ver¬
treter des „Deutscher Buchgew r erbeverein.“
Der Praktische Gcschqfisanzeiger ist ein unentbehrlicher Wegweiser für alle, die inserieren und sich mit Veröffentli¬
chungen aller Art zu befassen haben, für das Druckereigewerbe und alle damit verwandten Künste und Industrien.
Das Abonnement für Deutschland beträgt Mk. 12 (.$3.00). Probenummern auf Verlangen.
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Paris 1867 — Wien 1873
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werpen 1885 — Mitglied
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Paris 1889 — Brüssel 1897
Paris 1900
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- ■ ■ — ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE - =
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I ..--Ij }l(";<} v Nachlegen der verbrauchten Bogen, ohne dass eine Unter-
II Jj? _ W"/^ V //' brechung im Gange der Maschine eintritt, ein Hauptvorteil
|J G * /_ V" ! ^ des Apparates, da dadurch eine erheblich grössere Stunden-
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„iseiurm rvdbbeue neuer H aite-Vor-
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Graphische Kunstart
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Wese Stopierdruekfarbe verdruckt si
bekannten ^Mängel des 2\opierdruckes
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'ein d~introcknen auf den Malzen während des 2ruc\es!
'ein Züsch m ieren , der 2)ruck form /
Fabrlkaufn^hmen. / fw\ s * rit ' ^ u i v
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,, _ (Gesetzlich geschützt!)
fall. Dieselbe ist durchgängig neu kon¬
struiert und allen andern Systemen gegen-
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PRINCETON UNiVERStTY
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_ = ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE =
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Fabrikation
Spezialität:
Apparate
für Autotypie
Dreifarbendruck
Lichtdruck
Bogenlampen
für Reproduktion
und Kopie
Maschinen
für Klischee¬
bearbeitung
Objektive
Raster
Gesamtbedarf
für die
Reproduktions-
Technik
Gegründet 1890
Export
3000 Umdrehungen
muß eine durch 2 PS getriebene Kreissäge mindestens machen,
um mit nerventötendem Geräusch eine 50 cm breite Zinkplatte
zu durchschneiden. Die Kanten sind rauh und müssen befeilt
werden.
In 1 Sekunde
schneidet man ohne Kraftbetrieb, lediglich durch einen Fußtritt,
die Platte geräuschlos und absolut gratfrei mit unserer
Platlenschneide-MascliineJitz“
die Sie sofort bestellen sollten.
Qoldene Medaillen
Leipzig 1807
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Falzmaschinen ™ r , 9an*automatischen
Einleger (15 Stück verkauft)
Falzmaschinen ™\ halbautomatischem
- Einleger (150 Stück verkauft)
Falzmaschinen
mit Lichtpunktur
für einfache und Doppel -Formate
bauen wir seit mehreren Jahren.
Diese Probleme sind schon längst von uns gelöst worden.
Gebrüder Brehmer
Maschinen-
:: Fabrik ::
Leipzig-Plagwitz
FILIALEN: London E.C., 12 City Road. Paris, 60 Quai Jemmapes. Wien V, Wiedner Hauptstraße 84,
Nordische Antiqua
Eine neue moderne, auf klassischen Vorbildern beruhende
Antiqua^Schrift, welche in Werken und Zeitschriften ebenso
vornehm wirkt, wie auf Akzidenzarbeiten jeglicher Art. Die
Nordische Antiqua ist in den Graden von 6* bis 72*Punkt auf
Deutsche Normallinie
gegossen und erfüllt so neben ihren künstlerischen Vorzügen
auch alle technischen Ansprüche. Die sich der Antiqua an*
schliessende Nordische Cursiv ist nicht nur eine vorzügliche
Ergänzungsschrift, sondern auch selbständig vielseitig zu ver*
wenden. Halbfette Nordische Antiqua und Cursiv ergänzen
die normalen Garnituren. Proben stehen gern zu Diensten.
Genzsch &. Heyse in Hamburg
Herausgeber: Deutscher Buchgewerbeverein — Verantwortlicher Schriftleiter: Arthur Woernlein
~ — • ~ Druck: Breitkopf & Härtel — Sämtlich in Leipzig
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PRINCETON UNiVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW
45. BAND AUGUST 1908 HEFT 8
HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN
Über die Eignung der verschiedenen Typen von Buchdruckpressen.
Von Professor Artur W. UNGER, Wien.
8 E* IE Erzeugung von Druckmaschinen aller Art verhindern gar oft die Bildung eines sachlichen
)1 hat außerordentliche Fortschritte gemacht Urteils und schaden damit dem Durchbruche selbst
^ und die Graphiker aller Zweige erfreuen sich guter Neuerungen. Der Konservativismus einzelner,
heute bereits einer Unzahl von Pressentypen. Ganz bis zu einem gewissen Grade sehr begreiflich und
besonders ist dies beim Buchdruck der Fall. Es ist lobenswert, geht dabei so weit, daß auch Pressen-
nicht nur für jeden seiner Produktionsfächer reich- konstruktionen noch immer benützt werden, die in
lieh vorgesorgt, sondern auch die ein und dem- vorgeschrittenen Ländern mit Recht längst zu dem
selben Zwecke dienenden Pressen weisen eine völlig Abgetanen gehören.
Menge Spielarten auf. Diese Tatsache könnte eine Es mag nun im folgenden auch an dieser Stelle (ver-
sehr erfreuliche genannt werden, wenn immer und gleiche des Verfassers Abhandlungen, den gleichen
überall die richtige unter den vielen Maschinen in Gegenstand erörternd, im Jahrbuch des Reichsverban-
Verwendung stünde; ja sie wäre es selbst dann des österreichischer Buchdruckereibesitzer für 1907
schon, wenn festgestellt werden könnte, daß wenig- und Zeitschrift für Reproduktionstechnik 1907) der
stens der größere Teil der interessierten Kreise sich Versuch gemacht werden, eine knappe Übersicht über
den üppigen Zustand voll zunutze mache. Das ist die wichtigeren Typen der jetzt im Gebrauche stehen-
aber leider nicht der Fall. Häufig vorkommende den Buchdruckpressen zu geben und deren besondere
Umstände rein örtlicher und zeitlicher Natur be- Eignung anzudeuten. Aus naheliegenden Gründen
reichern die ohnedies erkleckliche Fülle der vor- muß in dieser Abhandlung, die nur allgemein orien-
handenen Pressen um immer neue Abarten, welche, tieren soll, die Nennung bestimmter Fabrikate selbst-
das eine Mal vielleicht sehr richtig und nutzbrin- verständlich unterbleiben»
gend angewendet, später und anderswo gar keine Wir unterscheiden bekanntlich je nach der Gestalt
Daseinsberechtigung besitzen. Eine Einrichtung, der wichtigsten, nämlich der den Druck ausübenden
mit andern bei einer Maschine vereinigt, mag aus- Maschinenbestandteile drei große Gruppen von Buch¬
gezeichnet sein; aus diesem ursächlichen Zusammen- druckpressen, und zwar:
hang herausgerissen und an einer andern Presse an- I. Tiegeldruckpressen. Hier wird der Druck von
gebracht, verringert vielleicht diese Einrichtung zwei flachen Platten, Tiegel und Fundament, aus-
die Zweckmäßigkeit und die Leistungsfähigkeit der geübt. In diese Kategorie gehören die Hand -
Maschine. Beobachtungen dieser Art können vor- presse und die Tiegeldruckschnellpressen. Der ver¬
nehmlich jetzt, da von der langgewohnten Art der hältnismäßig ungeheuere Kraftaufwand, der da¬
wichtigsten Pressengattung ganz abweichende Kon- durch bedingt wird, daß der Abdruck der ganzen
struktionen auf dem Markte erschienen, in fast er- Form in einem einzigen Zeitpunkte (welcher Vor¬
schreckendem Maße gemacht werden. Man bemerkt gang an und für sich in mancher Hinsicht für den
leider allzuhäufig ein völliges Verkennen der leiten- Druck günstig ist) erfolgen muß, verbietet es zu-
den Grundsätze und das Wesentliche wird über nächst, daß derartige Pressen über ein bestimmtes
Nebensächlichem vergessen oder überhaupt gar nicht Format hinaus gebaut werden. Zur Unrentabilität
erkannt. Infolgedessen ist es nicht verwunderlich, übermäßig großer Tiegeldruckpressen trügen über-
wenn den begeisterten Lobrednern neuerer Pressen- dies die schwierige Manipulation und die Notwendig¬
typen fast immer ebenso ungestüme Tadler gegen- keit der Bedienung durch mehrere Personen bei.
überstehen. Diese verschiedenen, manchmal gerade- II. Zylinderflachformmaschinen. Diese Gruppe um-
zu entgegengesetzten persönlichen Anschauungen faßt alle Pressen, bei welchen die Form von einer
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flachen Platte, dem Fundamente, aufgenommen wird,
während der Papierbogen behufs Empfangens des
Abdruckes von einem abrollenden Zylinder gegen
die Form gepreßt wird. Die Zylinderflachform¬
maschinen scheiden sich in einfache Schnellpressen
(sie ergeben durch eine Tour einen einseitig, ein¬
farbig bedruckten Bogen), Doppelschnellpressen (eine
Tour liefert zwei einseitig einfarbig bedruckte Bogen),
Komplettmaschinen oder Schön - und Widerdruck -
maschinen (durch eine Tour erhält man einen zwei¬
seitig, einfarbig bedruckten Bogen), Zweifarben¬
maschinen (in einer Tour wird ein einseitig zwei¬
farbig bedruckter Bogen hergestellt), Dreifarben -,
Vierfarbenmaschinen usw. Bei allen diesen Pressen
besteht gegenüber denen der ersten Gruppe der un¬
geheure Vorzug, daß der Abdruck der Form nicht in
einem einzigen Zeitpunkte, sondern — wenn auch
in einer sehr kurzen Zeitspanne— allmählich, näm¬
lich streifenweise hintereinander sich abwickelt.
Dieser Umstand gestattet es, daß Zylinderflachform¬
maschinen selbst für sehr große Bogenformate ge¬
baut werden können. Die endliche Grenze wird
hierbei nur durch die Unmöglichkeit des Operierens
mit einzelnen flachen Bogen, sei es beim Einlegen
mittels Hand oder mittels automatischer Bogen-
anlegeapparate, ferner dadurch gezogen, daß beim
Überschreiten eines gewissen Maßes die Vorteile
der größeren Leistung durch die sich einstellenden
mannigfachen Schwierigkeiten mehr als wettge¬
macht werden. Engere Grenzen sind dagegen auch
den Zylinderflachformmaschinen in bezug auf die
Schnelligkeit gesteckt. Das mehr oder weniger ge¬
wichtige, noch von der Form beschwerte Fundament
muß in kurzen Intervallen und plötzlich, inmitten
seiner Bewegung, diese ändern. Ein solcher radi¬
kaler Hubwechsel bedeutet eine um so größere Be¬
anspruchung der Maschine, je öfter er sich in einem
gewissen Zeiträume vollziehen muß. Aus diesem
Grunde dürfen Zylinderflachformmaschinen über ein
bestimmtes Maß hinaus keine Erhöhung der Touren¬
zahl erfahren, sollen sie nicht andernfalls binnen
kürzester Zeit zugrunde gehen.
III. Rotationsmaschinen. So nennt man die Schnell¬
pressen, bei welchen dem Druckzylinder auch ein
Formenzylinder gegenübersteht. Die Anordnung
zweier Zylinder läßt den Bewegungswechsel irgend¬
eines bedeutenden Maschinenteils vermeiden. Die
massigsten Körper der Presse, zuvörderst die beiden
Träger von Form — die naturgemäß eine runde, dem
Zylinder sich anschmiegende Platte sein und hierzu
in den meisten Fällen erst von der eigentlichen
Originalform durch Stereotypie oder galvanoplasti¬
sche Abformung gewonnen werden muß (Ätzungen
werden wohl durch Biegen in die richtige Gestalt
gebracht und auf die am betreffenden Orte ent¬
sprechend abgedrehte Rundplatte gelötet) — und
Papier, können vielmehr stets in derselben Richtung
und ununterbrochen bewegt werden. Die Schnellig¬
keit des Laufes derartiger Maschinen (die natürlich
je nach dem Erzeugnis, das mit der Presse gewonnen
werden soll — z. B. eine gewöhnliche Tageszeitung
oder ein Mehrfarbendruck — bei den verschiedenen
Rotationsmaschinen eine verschiedene ist) findet erst
die Grenze, wenn die Zugfestigkeit des Papiers so¬
wie der Druckprozeß an und für sich eine weitere
Beschleunigung des Maschinenganges nicht mehr
zulassen. Deshalb kann in der Regel, wenn es gilt,
sehr große Auflagen in sehr kurzer Zeit herstellen
zu müssen, nur eine Presse dieser Type in Betracht
kommen. Die Mehrzahl der im Gebrauche stehen¬
den Rotationsmaschinen sind für ein gleichmäßiges
Papierformat (rücksichtlich der Schnittlänge) gebaut.
Vom Papierstrange wird jedesmal erst nach erfolgtem
Abdrucke das erforderliche Stück (und zwar im Aus¬
maße des Zylinderumfanges) durch die Perforier-
und Reiß walzen abgetrennt, was eine wesentliche
Vereinfachung der Presse gegenüber den für ver¬
änderliches Format konstruierten Rotationsmaschinen
(Variable) zuläßt. Bei diesen muß das vor dem Ab¬
drucke vom endlosen Papierbande abgeschnittene
Stück, als ein einzelner Bogen, durch besondere
Einrichtungen komplizierterer Beschaffenheit den
Druckzylindern zugeführt und abgenommen werden.
Zumeist dient hierzu eine aus einer Luftpumpe, einer
Rohrleitung, Ventilen und Saugkanälen bestehende
pneumatische Einrichtung, die durch Erzeugung
eines Vakuums im gegebenen Momente das An¬
saugen des Bogens vom Zylinder bewirkt; das Ein¬
treten von Luft in den Kanal des einen, dieErzeugung
eines Vakuums im Saugkanal des zweiten Zylinders
verursacht dann den Übergang des Bogens auf den
nächsten Zylinder usw.
Je nach der Zweckbestimmung und der dement¬
entsprechend sehr verschiedenen Ausstattung mit
Dampffeuchtern, Schneid-, Kleb-, Falz-, Sammel-,
Ausführapparaten usw. gibt es für Zeitungs-, Werk-
und sogar für Illustrationsdruck Rotationsmaschinen.
Sie können für Ein- und Mehrfarbendruck bestimmt
sein. Zwei zu einem einheitlichen Ganzen vereinigte
Rotationspressen, deren eine eventuell ausschaltbar
ist oder z. B. mit halber Geschwindigkeit laufen ge¬
lassen werden kann, nennt man Zwillingsmaschinen.
Diese, desgleichen die von noch mehr Rollen drucken¬
den Vierroller , dann die Mehrdecker usw. bieten die
Vorteile der Raumersparung und einer namhaften Ver¬
ringerung der aufzuwendendenHand- und Maschinen¬
arbeit. So z. B. kann eine Falzvorrichtung die durch
geeignete Vorrichtungen zusammengeführten Stränge
verarbeiten; statt mit mehreren Bogen hat man es
schließlich nur mit einem fertigen Exemplare zu tun.
Es klingt vielleicht eigentümlich, wenn nun gleich
gesagt werden kann, daß gerade dann die Wahl einer
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geeigneten Pressentype am wenigsten schwer fällt,
wenn es sich darum handelt, eines der größten Un¬
getüme unter den Buchdruckpressen, nämlich eine
Rotationsmaschine anzuschaffen. Und doch ist dies
nichts weniger als merkwürdig. Denn die in Be¬
tracht kommenden zahlreichen Umstände liegen
naturgemäß am klarsten zutage, wenn die Not¬
wendigkeit der Aufstellung einer Rotationsmaschine
eintritt. Zumeist gilt es nur, ein einziges Produkt
zu erzeugen oder doch, auch in den kompliziertesten
Fällen, nur mehrere Produkte einer einzigen Art.
Hier können aber die zu beachtenden Punkte (Quali¬
tät des Druckes, des Auflagenpapiers, Beschaffen¬
heit der Form, Minimum der stündlichen Leistung,
Anzahl der Farben usw.) rasch ermittelt und aufs
genaueste festgelegt werden. Den Ingenieuren der
Maschinenfabriken obliegt dann nur die Aufgabe,
eine den klipp und klar gestellten Anforderungen
entsprechende Maschine zu konstruieren. Und haben
diese Ingenieure, die eine wertvolle, schwierige und
dabei meist unterschätzte Arbeit leisten, es nur mit
präzisen Angaben zu tun, so lösen sie fast immer
das Problem in ausgezeichneter Weise. Dafür haben
wir der Beispiele eine schwere Menge. Für jeden
Spezialfall und beinahe in jeden Raum hinein bauen
sie einen geeigneten Druckapparat.
Ganz anders, nämlich viel verwickelter sind die
Verhältnisse bei denTiegeldruckpressen und nament¬
lich bei den Zylinderflachformmaschinen gestaltet.
Auf den Pressen dieser beiden Kategorien werden
vor allem die tausenderlei Drucksorten verschieden¬
ster Art hergestellt, und zwar soll oft ein und dieselbe
Maschine zur Anfertigung der mannigfaltigsten Ar¬
beiten dienen. Selbstverständlich hat das im Ge¬
folge, daß das eine Mal diese, das andere Mal jene
Anforderungen gestellt werden, welchen allen gleich¬
mäßig gut zu entsprechen nur selten der Pressen¬
konstrukteur in der Lage ist.
Dazu kommt noch, daß da nicht allzuselten die
Angaben des Bestellers höchst unklare und wider¬
sprechende sind, da in den zunächst beteiligten
Fachkreisen, nämlich bei den Buchdruckern selbst,
hier und da irrtümliche Anschauungen herrschen,
was später an einigen Beispielen gezeigt werden
soll. Vielleicht ist der Verfasser imstande, hierdurch
einiges zur Klärung beizutragen.
Die altehrwürdige Handpresse stellt heute in den
Offizinen wohl nur mehr ein Requisit dar, dessen
Wert mit der allerdings vorzüglichen Eignung zur
Herstellung von Korrekturabzügen und andern Probe¬
drucken erschöpft ist. Die Möglichkeit, nur ausge¬
bundene Kolumnen, in Bogen ausgeschossen, ohne
Gefahr eines Verquetschtwerdens oder Legens des
Satzes bequem und rasch abziehen zu können, macht
die Handpresse für diesen Zweck noch immer un¬
entbehrlich. Die geringen Anschaffungskosten und
das immerhin respektable Format mögen sie auch
dem Besitzer einer kleinen Buchdruckerei zur Her¬
stellung kleinerer Auflagen, ferner manchen, so be¬
sonders den chemigraphischen Anstalten, zur Ver¬
fertigung von Klischeeabdrücken schätzbar machen.
Der letzteren Bestimmung sind hauptsächlich die
neueren Mammut-Handpressen zugedacht, die einen
außerordentlich massiven, durch viele Rippen ver¬
steiften Tiegel besitzen, der durch einen einfachen,
aber sehr kräftigen Winkelhebel herabgepreßt wird.
Für die kontinuierliche Ausnützung zu großen Auf¬
lagen in bedeutenderen Offizinbetrieben ist die Hand¬
presse heute völlig ungeeignet. Die vielen, bei
jedem Exemplare der Auflage vom Drucker zu wieder¬
holenden Verrichtungen machen einfach einen Wett¬
bewerb mit andern Pressen unmöglich; so sollte man
meinen. Tatsächlich werden aber in einzelnen, selbst
in großen Offizinen noch mehrere Handpressen re¬
gulär zur Herstellung größerer Auflagen verwendet.
Die Tiegeldruckschnellpressen, bei welchen sich
die Tätigkeit der sie bedienenden Personen auf
das Einlegen und Herausnehmen der Papierblätter
beschränkt, besitzen schon eine ungleich höhere
Leistungsfähigkeit. Wir unterscheiden da zwei
Haupttypen: Pressen mit schwingendem Drucktiegel
und schwingendem Fundamente und Pressen mit
stehendem Fundamente, bei welchen also nur der
Tiegel schwingt. Die am häufigsten benützten Ma¬
schinen der ersten sind die sogenannten Liberty¬
pressen, von den Pressen der zweiten Art sollen
hier nur die modernen, schlechtweg als Gallypressen
bezeichneten Beachtung finden. Immerhin möge
hier bemerkt werden, daß heute schon eine große
Menge von Tiegeldruckschnellpressen besteht, deren
Konstruktionen solche sind, daß sie strenge weder
dem einen System noch dem andern zugezählt wer¬
den dürfen. Es befinden sich darunter recht gute
Maschinen. Aber das Problem, dessen Lösung er¬
klecklich viele Buchdrucker vom Pressenbauer mit
der Forderung nach einer Maschine, die womöglich
mehr leiste als eine des besten Gallytyps und wo¬
möglich weniger koste als die einfachste Ameri¬
kaner, heischen, ist ein allzu schwieriges. Bei
dieser Gelegenheit soll nachdrücklichst betont wer¬
den, daß überhaupt mit der Forderung nach einer
Universalmaschine, die alles könne, in allen Fällen
die ökonomischste sei, gerade in Buchdruckerkreisen
bedenklicher Unfug getrieben wird. Die Forderung
ist entschuldbar und verständlich, wenn sie von
einem Unternehmer erhoben wird, der, seiner ge¬
ringen Mittel und des dadurch naturgemäß bedingten
kleinen Umfanges seines Betriebes wegen, mit einer
oder ein paar Pressen nur das Auslangen finden
soll. Aber in größeren Betrieben sollen den verschie¬
denen Zwecken besonders angepaßte Maschinen
benutzt werden. Z. B. kann eine für schweren
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Klischeedruck, heikelste Farbenverreibung gebaute,
mit allen möglichen Vorrichtungen versehene Presse
nicht rentabel sein, wenn sie auch für den gering
entlohnten Druck von Hüllpapieren benutzt wird.
Dies ist so selbstverständlich, daß man es nicht
erst durch Heranziehung von Vergleichen in andern
Betriebsformen sinnfällig zu machen braucht.
Die Libertypressen mit ihrer leichten Bauart und
dem primitiven Farbwerke sollen nur zur Herstel¬
lung von Drucksachen verwendet werden, bei wel¬
chen rücksichtlich Druckspannung und Farben¬
verreibung keine großen Ansprüche erhoben werden
müssen. Für solche Arbeiten, z.B. merkantile Druck¬
sorten, wie Briefpapier, Mitteilungen,Briefumschläge
usw., sind aber die Pressen ausgezeichnet geeignet.
Die leichte Zugänglichkeit des bei offener Maschine
fast flach liegenden Fundaments (was das Schließen
des Satzes und die Vornahme von kleinen Korrek¬
turen in der Presse gestattet) und aller Bestandteile,
die geringeren Anschaffungskosten sind nicht zu
unterschätzende Vorzüge. Es wäre unökonomisch,
wollte man zu den gewöhnlichen Akzidenzarbeiten
durchaus andre Tiegeldruckschnellpressen heran¬
ziehen.
Natürlich kämen hierbei in erster Linie die soge¬
nannten Gallypressen in Betracht, welche bei uns zu
Lande noch immer nicht gebührend gewürdigt oder
zu mindest oft nicht in der richtigen Weise behandelt
und ausgenützt werden. Hiervon war übrigens an
dieser Stelle (vgl. Archiv für Buchgewerbe 1904,S. 100
Unger, Die Tiegeldruckschnellpressen) schon die
Rede. In vielen hervorragenden Anstalten wird z.B.
auch der kleinste Dreifarbendruck auf einer Zylinder¬
flachformmaschine hergestellt. Das ist unrationell
und auch gar nicht notwendig. Die modernenTiegel-
druckschnellpressen mit feststehendem Fundamente
sind nämlich vollkommen geeignet zur Durchführung
auch des feinsten Kunstdruckes. Der äußerst kom-
pendiöse, massive Bau, sowie der Umstand, daß nur
der Tiegel schwingend bewegt wird, während bei
den Libertypressen eine Menge weitausladender
Teile, die am Drucke mitbetätigt sind, sich in Be¬
wegung befinden, läßt die Ausübung einer sehr be¬
deutenden Druckspannung zu. Das umfangreiche
Zylinderfarbwerk, dessen Hauptzylinder und Wechsel¬
reiber eine beträchtliche, zum Teil regulierbare
axiale Verschiebung erleiden, gestattet die Ver¬
reibung auch sehr strenger Farbe; Spezialreiber für
Zweifarben- und für Irisdruck, die Abstellbarkeit des
Walzenwagens, die automatische Ausklinkung der
Walzen, welche die Druckfarbe bereits an die Form
abgegeben haben, das Freistellen der Walzen durch
einen oder zwei Hebeldrucke und andre noch weiter¬
gehende Einrichtungen lassen kaum mehr einen
Wunsch in betreff des Farbwerkes erübrigen. Die
Anlegevorrichtungen, bestehend aus dem die unteren
Marken tragenden, durch zwei Schraubenspindeln
(links und rechts) rasch einstellbaren Stahlbande und
der automatisch schiebenden Seitenmarke, ermög¬
lichen nicht nur eine rasche Arbeit bei Stellen der
Anlage, sondern gewährleisten auch einen tadellosen
Passer, soweit dieser von ihnen abhängig ist. Der
erwähnte Umstand, daß von den den Druck ausüben¬
den Körpern nur der Tiegel, und zwar zwangsweise,
also gegen Verschiebungen und Verstauchen ge¬
sichert, bewegt wird, bietet weitgehenden Schutz
gegen das Auftreten von Schmitz, welcher durch
die Vibration einzelner Maschinenteile sonst so
häufig hervorgerufen wird.
Die Vorteile, welche die Verwendung von modernen
Tiegeldruckschnellpressen, die das Arbeitsfeld des
Buchdruckers noch dadurch erweiterten, daß man mit
ihrer Hilfe Prägungen (die für Prägungen bestimmten
Pressen werden auch mit Heizvorrichtungen ausge¬
stattet), Stanzungen und Stauchungen vornehmen
kann, bietet, sind folgende: Raumersparnis, weil der¬
artige Maschinen nur ungefähr die Hälfte des Platzes
beanspruchen, den eine für das gleiche Format in
Betracht kommende Zylinderflachformmaschine ein¬
nimmt. Eventuell geringere Anschaffungskosten,
kleinere Betriebskosten, da zur Bedienung nur eine
Person notwendig ist, wobei natürlich von den für
das Einschießen von Makulatur, Herausnehmen großer
Bogen usw. hie und da notwendigen Hilfskräften ab¬
gesehen ist. Daß nur eine Person die ganze Arbeit zu
vollführen imstande ist, also sie allein auch die Ver¬
antwortung zu tragen hat, ist schon mit Rücksicht
auf die dadurch bedingte Zuverlässigkeit höchlich
willkommen.
Die Ursache davon, daß die in Rede stehendenPres-
sen noch nicht jenen allgemeinen Eingang gefunden
haben, den man eigentlich vermuten sollte, sowie die
Erscheinung, daß selbst Firmen, die derartige Maschi¬
nen seit längerer Zeit besitzen, sie nicht in angemes¬
sener Weise ausnützen, dürfte in dem Umstand zu
suchen sein, daß häufig nicht die richtigen Arbeits¬
kräfte zur Bedienung der Gallypressen verwendet
werden. Sie sind nämlich oft einem seiner Aufgabe
nicht ganz gewachsenen Drucker anvertraut. Wir
haben es da mit einer sehr merkwürdigen Eigentüm¬
lichkeit zu tun. Die Bezeichnung Drucker hat sich
von längst entschwundenen Zeiten bis heute zunächst
als Bezeichnung der eine Handpresse bedienenden
Person erhalten. Als die Schnellpresse ihren Ein¬
zug in den typographischen Arbeitsstätten gehalten
hatte, gewöhnte man sich, sie im Gegensatz zur
Presse (für Handpresse schlechtweg) respektvoll als
Maschine zu titulieren, und dementsprechend bürgerte
sich für den bei ihr beschäftigten Gehilfen allmählich
der Name Maschinenmeister ein. Es wäre nun an
und für sich nichts dagegen einzuwenden, daß durch
verschiedeneTitulaturen der besondere Arbeitszweig
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
jedes einzelnen gekennzeichnet wird, aber ganz un¬
gerechtfertigterweise haben sich viele Buchdrucker,
ja selbst den Gehilfenkreisen angehörende, daran
gewöhnt, in den Bezeichnungen Drucker und Maschi¬
nenmeister eine unmittelbare Qualitätsdifferenzierung
zu suchen. Und das sehr mit Unrecht. Sicher ist es
nicht anzuzweifeln, daß man weniger befähigten
Leuten — solche gibt es ja überall — einfache Ar¬
beiten und möglichst auch einfache Maschinen zu¬
weist: in unserm Falle also etwa die Herstellung
von Korrekturabzügen und gewöhnlichen Drucksorten
auf Handpressen und dem Amerikaner. Aber zur Ver¬
fertigung all der schönen Druckarbeiten, die selbst
auf den einfachsten dieser Buchdruckpressen gemacht
werden können, braucht es ganz genau so eines
tüchtigen Menschen, wie ihn die Zylinderflachform¬
maschine in solchem Falle erfordert. Vor allem ist
dies bei den modernen Gallypressen notwendig,
deren Mechanismus unzweifelhaft nicht weniger kom¬
pliziert ist als der einer Schnellpresse. Oder glaubt
jemand ernstlich, daß der Druck von Werksatz auf
einer Zylinderflachformmaschine höhere Anforde¬
rungen an den Mann stelle als ein mittels der Tiegel¬
druckschnellpresse auszuführender Dreifarbendruck
oder der Druck einer feinen Akzidenz? So aber
wollen sich, und zwar öfter als man glaubt, Gehilfen,
die tüchtige Kräfte sind, nicht zur Arbeit an derGally-
presse hergeben, um das heute höchst unzeitgemäße,
ja lächerliche Odium des Druckers nicht auf sich zu
laden. Einem befähigten Drucker jedoch ist es mög¬
lich, ganz unglaublich viel Gutes aus einer modernen
Tiegeldruckschnellpresse herauszuholen und sich,
selbst wenn er sehr gut entlohnt wird, bezahlt zu
machen. Bei ihm werden die Brüche an den Maschi¬
nen dieser Art, über die jetzt von manchen Betrieben
geklagt wird, nie oder doch nur äußerst selten Vor¬
kommen.
Wir gelangen nun zu den Zylinderflachform¬
maschinen. Ihre Reihe eröffnet naturgemäß die ein¬
fache Schnellpresse, welcher ja die größte Bedeutung
zukommt. Sie ist es, mit deren Hilfe die meisten Er¬
zeugnisse des Buchdruckers vom einfachsten Prospekt
bis zum illustrierten Prachtwerke und den feinen
Farbendrucken hergestellt werden. Demgemäß ist
es auch begreiflich, daß der Vervollkommnung der
genialen Erfindung Koenigs die größte Aufmerk¬
samkeit zugewendet wird und daß es heute so viele
Spielarten dieser Presse gibt. In der Hauptsache
unterscheidet man dreierlei Typen: einfache Schnell¬
pressen mit Stopzylinder , solche mit kontinuierlich
bewegtem Eintourenzylinder (. Eintourenmaschinen)
und endlich sogenannte Zweitourenmaschinen mit
gleichfalls ununterbrochen sich drehendem Druck¬
zylinder, der aber während einer Pressentour zwei
Umdrehungen vollführt. Über den Wert der beiden
letzten Arten herrscht noch vielfach Unklarheit.
Die Schnellpressen mit Stopzylinder, der also
während der Rückfahrt des Fundamentes stille steht,
sind die bei uns noch immer in erdrückender Mehr¬
heit sich vorfindenden, und wohl die meisten Buch¬
druckereibesitzer ziehen eine andre Type gar nicht
in Frage. Vielleicht mit Unrecht. Gewiß stellt die
Stopzylinderschnellpresse in sehr vielen Fällen eine
vollkommen ausreichende Maschine dar, die ja auf
eine hohe Stufe gebracht wurde. Durch die Aus¬
stattung mit doppeltem Zylinderfarbwerke, durch
massiven Bau, durch die Führung des gegen seitliche
Verrückung durch besondere Vorrichtungen ge¬
schützten Fundamentes auf zahlreichen, in vier Bahnen
zwangsläufig bewegten Rollen, durch Anordnung
entsprechend vieler Exzenter auf einer Längswelle, die
die subtile Funktion der verschiedenen Apparate
(Bogenschieber, Punktur, Ausleger usw.) auslösen,
ist tatsächlich die einfache Schnellpresse der gewöhn¬
lichen Form ganz gewaltig verbessert worden. Weitere
hie und da benutzte Vervollkommnungen repräsen¬
tieren das verstellbare Fundament bei fix gelagertem
Druckzylinder, Greifer, die einzeln, nämlich unab¬
hängig von den übrigen, pressen, ein Verschmieren
der Druckstellen verhindernder Luftausleger usw.
Von der Frontbogenausführung und dem kombinierten
Tisch- und Zylinderfarbwerk, welche beiden auf die
Stopzylinder-Schnellpressen von andern Pressen¬
arten verpflanzt wurden, wird weiter unten gesprochen.
Jedenfalls steht fest, daß sich die Maschinen mit Stop¬
zylinder immer noch der größten Sympathien erfreuen.
Aber es muß zu denken geben, daß in dem prak¬
tischen Amerika, dem wir unleugbar außerordentlich
wichtige Anregungen gerade auf graphischem Gebiete
(das naturgemäß jenseits des Ozeans schon von wegen
des am höchsten ausgebildeten Reklamewesens größte
Pflege erfährt, die sich nach jeder Richtung im wei¬
testem Ausmaße erstreckt, so daß die oft gehörte
Behauptung, daß künstlerische Bestrebungen dort¬
selbstweniger vorherrschen, eine ganz und gar falsche
ist), verdanken, die Stopzylinderpressen geradezu im
Verschwinden begriffen sind. Nun, es läßt sich nicht
an unsre kontinentalen, noch weniger an unsre hei¬
mischen Verhältnisse der gleiche Maßstab anlegen
wie an amerikanische. Aber hier wie dort drängt die
Zeit auf Vervollkommnung der erforderlichen Hilfs¬
mittel in allen Schaffenszweigen, weil nur dadurch
die steigenden Erzeugungskosten ausgeglichen werden
können. Also ergiebigere und—wenn irgend möglich
— qualitativ bessere Leistung! Dieser Forderung
entsprechen nun die Zweitouren- und Eintouren¬
maschinen, wenn das ihnen zugrunde liegende Prin¬
zip objektiv mit jenem der Stopzylinderpressen ver-
: glichen wird.
Das wichtigste Merkmal der Zweitouren- und der
\ Eintourenmaschinen ist der ununterbrochen rollende
Druckzylinder. Der Stopzylinder, während der Einfahrt
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Original frorn
PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
des Fundamentes rasch bewegt, muß im Augenblick
des Hubwechsels plötzlich zum Stillstände gebracht,
dann aber ebenso plötzlich wieder in Rotation ver¬
setzt werden. Diese Arretierung bedeutet unter allen
Umständen eine Beanspruchung nicht nur des unmittel¬
bar beteiligten Mechanismus, sondern der ganzen
Maschine, und zwar in um so stärkerem Grade, je
kürzer die Druckperioden bemessen sind. Deshalb
kann aus diesem Grunde keine Stopzylinderpresse
schneller laufen gelassen werden als mit 1400
Touren in der Stunde: eine Schnelligkeit, die auch
wohl nur in den seltensten Fällen und nur beim
Obwalten ungewöhnlich günstiger Umstände erreich¬
bar ist. Als normale Schnelligkeitsgrenze dürften
wohl 1200 Touren anzusehen sein. Der kontinuier¬
lich sich drehende Zylinder gestattet jedoch eine er¬
hebliche Erweiterung der Schnelligkeitsgrenzen, weil
eben bei Anwendung eines solchen kein periodischer
Stillstand verknüpft mit plötzlichem, nur gewaltsam
herbeizuführenden Arretieren und ebenso gewaltsam
eingeleitetem Inbewegungsetzen eintritt. Dies ist das
wichtigste Merkmal bei Maschinen mit kontinuierlich
bewegtem Zylinder. Die dadurch bedingten Vorteile
haften ganz gleicherweise den Eintouren- wie den
Zweitourenmaschinen an.
DieEintourenmaschinenbesitzen einen sehr großen
Druckzylinder, der während der Einfahrt des Funda¬
mentes nur eine halbe Umdrehung erleidet (und da¬
bei druckt) und die zweite Hälfte der Umdrehung
während der Rückfahrt des Fundaments vollführt.
Damit der doch stets in derselben Richtung rotierende
Zylinder bei der Rückfahrt des Fundamentes nicht
mit der Form kollidiere, besitzt das Oberflächenseg¬
ment des Druckzylinders, das erst über der zurück¬
kehrenden Form abrollt, einen kleineren Radius als
jenes, das den Abdruck zu bewirken hat. Die Ein¬
tourenmaschinen können nur mit der Bogenausfüh¬
rung nach rückwärts versehen werden, ferner ist bei
ihnen ein Zylinderfarbwerk mit zwei, höchstens drei
Auftragwalzen das zweckentsprechendste. Die Pres¬
sen dieser Art stellen also einen billigen neuen Typus
dar, der eine höhere Leistung zuläßt als die einfache
Stopzylinderschnellpresse und diese bei der An¬
fertigung aller derjenigen Drucksorten zu ersetzen
vermag, bei denen besondere Anforderungen rück-
sichtlich der Behandlung der frischen Abdrücke bei
der Ausführung nicht gestellt zu werden brauchen.
Dagegen muß man zurZweitourenmaschinegreifen,
wenn es sich darum handelt, Bilderdrucke herzustellen,
die trotz rascher Erzeugung sicher vor dem Verschmie¬
ren bewahrt bleiben sollen. Hierfür ist die Zweitouren¬
maschine eine geradezu vollkommene Maschine zu
nennen. Bekanntlich ist die Funktion eines ununter¬
brochen in derselben Richtung rotierenden Zweilauf¬
zylinders so beschaffen, daß er während der Einfahrt
des Fundamentes seine erste Umdrehung vollzieht
und den Druck ausübt, dagegen während der Rück¬
fahrt des Fundamentes, die zweite Umwälzung er¬
leidend, von der Form abgehoben wird. Diese zweite
Rotation des Druckzylinders erweist sich nun von
größtem Vorteile für die bei Pressen dieser Art aus¬
nahmslos anzubringende Frontbogenausführung, die
ein Verschmieren des frischen Druckes durchaus
verhindert, weil der Bogen mit der bedruckten Seite
weder mit Bändern, noch mit Stäben in Berührung
kommt. Der stets rotierende Zylinder treibt nämlich
geradezu den Bogen nach außen. Trotzdem ist der
einlegenden Person oder dem Bogenanlageapparate
verhältnismäßig mehr Zeit für die Zuführung der
Bogen gegeben als bei Stopzylindermaschinen.
Überdies werden an derartigen Pressen häufig beide
Arten von Bogenausführapparaten angebracht; man
benutzt dann die gewöhnliche Bogenausführung nach
hinten, wenn bei raschestem Maschinenlaufe ein¬
fache Druckarbeiten verfertigt werden, was Verfasser
für überflüssig hält, da aus den früher angegebenen
Gründen eben die Benutzung einer sehr teueren, nur
für den Druck gut bezahlter Arbeiten gedachten
Presse zu gewöhnlicher Massenfabrikation als ein
fachmännisch und kaufmännisch nicht zu rechtfer¬
tigender Unfug betrachtet werden muß. Der schnelle
Gang der Zweitourenmaschine erfordert natürlich,
namentlich für den Druck von Illustrationen, ein be¬
sonderes Farbenwerk, das feinste Verreibung auch
strenger Druckfarben und genügende Sättigung der
Form trotz der geringen, hierfür bemessenen Zeit¬
spanne zuläßt. Anderseits verhindert der Mechanis¬
mus des Frontbogenausführapparates die Anbringung
eines den hohen Anforderungen entsprechen können¬
den Zylinderfarbwerkes, nämlich eines solchen, dessen
Walzen genügend großen Umfang besitzen. Deshalb
erschien bei Zweitourenmaschinen die Anbringung
des kombinierten Tisch- und Zylinderfarbwerkes ge¬
boten. Zweilaufzylinder, Frontbogenausführung und
kombiniertes Tisch- und Zylinderfarbwerk stehen
also in einem ursächlichen Zusammenhänge. Eins
erheischt das andre, zusammen ergeben sie, sich
gegenseitig ergänzend, ein treffliches Ganze.
Aber man trifft da auf merkwürdige Dinge. Die
Zweitourenmaschine stößt namentlich in ihrer rich¬
tigen, einheitlichen Form vielenorts auf Mißtrauen.
Zunächst wird bezweifelt, daß auf ihr ein tadelloses
Register erhältlich sein soll. Es ist also aus diesem
Grunde wohl noch begreiflich, daß der eine und
der andre eine Stopzylinderpresse wählt, sie aber
mit Frontbogenausführung und kombiniertem Tisch-
und Zylinderfarbwerk ausstattet. Freilich kann eine
solche Presse nur langsamer als eine gewöhnliche
Schnellpresse mit Haltzylinder laufen, weil einerseits
beim Herausziehen des bedruckten Bogens durch
den Ausführungsapparat die bedeutende Friktion
zwischen Bogen und Aufzug zu überwinden ist und
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anderseits erst nach vollendeter Entfernung des
Blattes ein neues den Anlegemarken zugeführt wer¬
den kann. Aber fast komisch muß es anmuten, wenn
weder Zweilaufzylinder noch Frontbogenausführung
Beachtung finden, dagegen das kombinierte Tisch-
und Zylinderfarbwerk an einer gewöhnlichen Stop-
zylinderpresse anzubringen beordert wird. Bei der
Zweitourenmaschine kann man, sie betreffend, aus
der Not eine Tugend machen, hier aber bedeutet sie
in ökonomischer Hinsicht fast einen Nachteil, jeden¬
falls aber etwas Überflüssiges und unmittelbar Stö¬
rendes. Daß, wie schon oben erwähnt wurde, auch
den Eintourenmaschinen die mit der Benutzung eines
kontinuierlich bewegten Zylinders verknüpften Vor¬
züge eigentümlich sind, daß also gar kein Grund vor¬
handen ist, eine um vieles teuerere Maschine mit Zwei¬
laufzylinder aufzustellen, wenn auf die Frontbogen¬
ausführung verzichtet werden kann (in diesem Falle
entfällt die Notwendigkeit der zweiten Umdrehung
des Zylinders und damit die immerhin kostspielige
und den Maschinenmechanismus komplizierende Ein¬
richtung zum Heben des Druckzylinders während
der Rückfahrt des Fundamentes), das ist vielen, sehr
vielen unbekannt. Noch ärger oder vielmehr ärger¬
licher ist es, was mitunter von anscheinend berufener
Seite in den Empfehlungen der Maschinen mit kon¬
tinuierlich bewegtem Zylinder gesagt oder geschrie¬
ben wird. Gott schütze mich vor meinen Freunden!
Da wird z. B. behauptet, daß der wichtigste Vorzug
derZweitourenmaschine darin gelegen sei, daß nur bei
ihnen die Geschwindigkeit der Form und Druckfläche
die gleiche bleibt, während die geringere Leistungs¬
fähigkeit der Stopzylindermaschinen darauf zurück¬
zuführen sei, daß bei ihnen die Karrenbewegung und
die des vom Karren mitgenommenen Druckzylinders
infolge des Antriebes »durch eine mehr oder weniger
modifizierte Kurbelbewegung“ (?) mit abwechselnd
zu- und abnehmender Geschwindigkeit erfolge. Das
ist natürlich unsinnig. Der wichtigste Vorzug der
Zweitourenmaschinen, ebenso auch der Eintouren¬
maschinen ist — es sei hier wiederholt—der Umstand,
daß der rasch laufende Zylinder in seiner Bewegung
nie gehemmt wird. Und die geringere Leistungs¬
fähigkeit der Stopzylindermaschinen ist sinngemäß
nur darauf zurückzuführen, daß eben das Stopen
und das Wiederinbewegungsetzen des Druckzylinders
einen langsameren Gang der Maschine erfordert.
Im Gegenteile! Die zu- und abnehmende Ge¬
schwindigkeit der Karrenbewegung, z. B. bei Maschi¬
nen mit Eisenbahnbewegung (die Verhältnisse bei
Maschinen mit Kreisbewegung sind nicht identische)
wird von vielen tüchtigen Maschinenkonstrukteuren
als praktisch bedeutungslos für die Druckqualität so¬
wohl wie für die Leistungsfähigkeit und die Dauer¬
haftigkeit von Druckpressen angesehen. Und die¬
selben Techniker anerkennen wohl, daß bei Maschinen
mit kontinuierlich bewegtem Druckzylinder notge¬
drungenermaßen der Antrieb des Fundamentes mit¬
tels Doppelrechen- oder Mangelradbewegung in den
verschiedenen Abarten durchgeführt werden müsse;
sie betrachten aber gerade den außerordentlich steilen
Verlauf des Hubwechsels nicht als einen Umstand,
der unbedingt zu einem besondern Vorzug gestem¬
pelt werden müsse. Daß beim Antriebe des Funda¬
mentes z. B. mittels Eisenbahnbewegung der Druck¬
zylinder vom Karren aus angetrieben werden muß,
dagegen ein Eintouren- und Zweitourenzylinder nicht
vom Karren getrieben werden kann, das ist doch
allzu selbstverständlich; weniger ist dies die Behaup¬
tung, daß im letzteren Falle die Übereinstimmung in
den Bewegungsgeschwindigkeiten von Form und
Druckzylinder sicherer gewährleistet sei. Bauen doch
einzelne Fabriken Zweitourenmaschinen derart, daß
periodisch Druckzylinder und Fundament sogar unter
Zahneingriff laufen. Höchst merkwürdig muß es aber
anmuten, wenn man liest, daß die grundsätzlichen
Unterschiede der Bewegungs- und Geschwindigkeits¬
verhältnisse (zwischen Stopzylindermaschinen und
Zweitourenmaschinen) den Ausgangspunkt zur Kon¬
struktion der Frontbogenausführung, des niederen
Farbwerkes usw. bildeten.
Unter solchen Umständen ist es schließlich nicht
verwunderlich, wenn die merkwürdigsten Maschinen¬
typen verlangt werden. Die gewiß von den besten
Intentionen erfüllten Maschinenfabriken müssen
durch solche seitens der Konsumenten erfolgenden
Aufträge irregeleitet werden. Ein weiteres inter¬
essantes Illustrationsfaktum: eine der hervorragend¬
sten Maschinenfabriken brachte an ihren besten
Illustrationsmaschinen eine unstreitig vorzügliche
Einrichtung an, indem sie den Druckzylinderlagern
je ein Keilpaar unterlegte, welche zwei Paare durch
einen gemeinsamen Antrieb zum gleichmäßigen Heben
und Senken (also der einzig richtige Vorgang beim
Verstellen) des Druckzylinders dienten. Die Fabrik
mußte später von dieser Einrichtung absehen; man
will den Zylinder einseitig verstellen können!
Von geringerem Interesse für die Allgemeinheit
sind die Doppelschnellpressen, Zweifarbenmaschinen,
Komplettmaschinen usw. Aber auch hier lassen sich
Beispiele dafür anführen, daß mitunter fälschliche
Anschauungen über die Zweckmäßigkeit dieser oder
jener Type vorherrschen, desgleichen läßt sich der
Nachweis führen, daß auch hier die Gesichtspunkte,
die in früherer Zeit maßgebend waren, heute eine
gewaltige Verschiebung erfahren haben. Die Um¬
stände, die beispielsweise einstmals die Aufstellung
einer Zweifarbenmaschine gebieterisch erforderten,
haben eine wesentliche Reduktion erlitten, und nur
in einigen wenigen Sonderfällen ist noch die An¬
schaffung einer Zweifarbenmaschine an Stelle zweier
oder, besser gesagt, einer einfachen Schnellpresse
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empfehlenswerter. Denn die Zeit, da noch — für jede
Auflage fast — das Papier gefeuchtet wurde und bei
einem nicht in einem Arbeitsgange durchgeführten
Zweifarbendrucke (z. B. Kalendern, Gebetbüchern
usw.) die Passerschwierigkeit schon durch die infolge
des Feuchtens kaum zu hindernden Dimensionsver¬
änderungen des Druckpapieres sich aufs lästigste
häuften, ist vorüber. Die Fälle also, in welchen der
einzige Vorzug der Zweifarbenmaschine, daß der
Bogen nur einmal eingelegt zu werden braucht und
unabhängig von der Genauigkeit der Anlage passen
muß, für die Anschaffung einer derartigen Presse
ausschlaggebend ist, dürften nur höchst selten ge¬
geben sein. Dieser Vorzug kann heute, da man die
heikelsten Dreifarbendrucke auf der einfachen Schnell¬
presse in drei völlig voneinander getrennten Arbeits¬
vorgängen aufs genaueste herzustellen vermag, wohl
nicht als so bedeutend gewertet werden, daß er die
vielen Nachteile ökonomischer Natur, die bei den
Zweifarbenmaschinen gegenüber der einfachen
Schnellpresse obwalten, aufzuwiegen vermöchte. Ja
selbst einige Wertpapierdruckereien, die Zweifarben¬
maschinen benutzten, weil dadurch wenigstens ein
Kontrollvorgang unter den vielen bei der Banknoten¬
erzeugung nötigen erspart wird, setzten sie außer
Betrieb. Nichtsdestoweniger bestellen so und soviele
Unternehmer noch immer neuerlich Zweifarben¬
maschinen, weil sie der Ansicht sind, daßdieLeistung
solcher genau die doppelte der einer einfachen
Schnellpresse sei. Sie ist mitunter nicht einmal so
groß wie diese und die Rentabilität derartiger Ma¬
schinen ist zumeist eine sehr zweifelhafte.
Eine tatsächlich doppelte Leistungsfähigkeit gegen¬
über den einfachen Stoppzylinder-Schnellpressen
weisen die Doppelschnellpressen auf. Denn bei
gleichem oder doch nur wenig längerem Karrenwege
und bei gleicher Schnelligkeit des Maschinenlaufes
werden in der gleichen Zeit zwei Bogen gedruckt,
während der die einfache Schnellpresse nur einen
liefert; denn hier wird nur während der Einfahrt der
Form gedruckt, dort auch während der Rückfahrt des
Fundaments. DieDoppelschnellpressemitzweiStopp-
zylindern (während der Einfahrt des Fundamentes
rollt der eine ab und druckt, der andre steht still;
während der Rückfahrt der Form ist es umgekehrt)
und einem zwischen diesen gelagerten einfachen
Zylinderfarbwerke mit zwei Auftragwalzen (die An¬
ordnung eines z. B. mit vier Auftragwalzen ver¬
sehenen Doppelfarbwerkes würde zunächst denNach-
teil eines viel längeren Karrenwegs mit sich bringen)
genügt wohl nur zur Anfertigung einfachster Druck¬
arbeiten. Ihr größter Mangel ist, daß die Form vor
jedem Abdrucke nur einmal eingefärbt wird. Lästig
ist ferner, daß die Manipulation des Druckstellens,
Aufzugmachens, Zurichtens usw. doppelt, nämlich
an zwei Zylindern vorzunehmen sind. Deshalb stellt
die Doppelschnellpresse mit einem schwingenden
Zylinder, auch Reaktionspresse oder Schwingerpresse
genannt, einen weit besseren und leistungsfähigeren
Maschinentypus dar. Der Zylinder, unablässig mit
seinen Zahnkränzen in die Fundamentzahnstangen
eingreifend, rollt bei der Einfahrt der Form einmal
ganz ab, um sodann, wenn die Form zurückkehrt,
eine zweite komplette Umdrehung nach der entgegen¬
gesetzten Richtung zu vollführen. Vor und hinter dem
Druckzylinder befindet sich je ein Doppelfarbwerk
mit vier Auftragwalzen und die Form wird natürlich
vor jedem Abdrucke zweimal eingefärbt. Daß nur ein
Druckzylinder vorhanden ist, erspart nicht nur Arbeit,
weil die vorgenannten Verrichtungen eben nur ein¬
mal gemacht werden müssen, sondern dieser Um¬
stand läßt einen viel rascheren Maschinenlauf zu.
Denn die Anwendung eines schwingenden Druck¬
zylinders ist immerhin mit weniger Belästigungen
verknüpft als die eines Stoppzylinders oder gar als
die zweier Stoppzylinder, wie es bei der vorgenannten
Art von Doppelschnellpressen der Fall ist. Es ist je¬
doch eine lächerliche Übertreibung, wenn hie und
da behauptet wird, daß die Verhältnisse, wie sie der
schwingende Zylinder schaffte, gleich günstige seien,
wie die bei den kontinuierlich in ein und derselben
Richtung bewegten Eintouren- und Zweitourenzylin¬
dern. Trotzdem die Doppelschnellpresse mit schwin¬
gendem Zylinder der mit zwei Stoppzylindern nach
jeder Richtung hin weit überlegen ist, begegnet sie
häufig ganz merkwürdigen, nämlich völlig ungerecht¬
fertigten Einwänden. Einer, der eine Zeitlang stich¬
haltig war, ist es seit Jahren auch nicht mehr. Und
zwar konnte, wenn die Doppelschnellpresse nur als
einfache benutzt werden mußte (beim Druck wesent¬
lich kleineren Formats), der eineZylinder der Doppel¬
schnellpresse mit zweiStoppzylindern abgestellt oder
auchleerlaufengelassen werden. Bei einer Schwinger¬
presse frühererErzeugung war jedoch die Ausnutzung
nur eines Formengangs unmöglich, weil beim zweiten
der Abdruck auf dem Zylinderaufzuge selbst nicht
verhindert werden konnte. Seit Jahren wird jedoch
eine Vorrichtung an Reaktionspressen angebracht,
die, in solchen Fällen in Tätigkeit gesetzt, den Zy¬
linder beim beabsichtigten Lehrgänge hebt. Daß die
Form in einer Doppelschnellpresse in die Mitte ge¬
schlossen werden muß, das, so sollte man meinen,
ist jedem Buchdrucker selbstverständlich. Ebenso,
daß infolgedessen das Format nur innerhalb der
Grenzen verändert werden kann, die die mögliche
Verstellung von Marken und Greifern zuläßt. Aber
das meint man eben nur. Es gab doch Leute, die er¬
klärten, sie würden sehr gerne Doppelschnellpressen
kaufen, aber diese müßten jedes beliebige Format zu
drucken gestatten. Und so wurden Maschinen ge¬
baut, die Doppelschnellpressen genannt werden, ob¬
wohl bei ihnen das wichtigste Merkmal derartiger
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Druckapparate, nämlich die Ausnützung sowohl der
Einfahrt wie der Rückfahrt des Fundamentes zur Ab¬
wickelung je eines Druckes gar nicht vorhanden ist
und die ganze Konstruktion eine praktisch völlig ver¬
fehlte ist. Man stelle eben nur Doppelschnellpressen
auf, wenn unausgesetzt Drucksorten ein und der¬
selben Größe mit ihr herzustellen sind.
Verwunderlich ist vielen, daß einige sehr bekannte,
umfangreiche periodisch erscheinende Publikationen
z. B. auf mehreren Schwingerpressen gedruckt wer¬
den und nicht, wie es die Höhe der Auflage und die
Häufigkeit des Erscheinens vermuten lassen sollte,
auf einer Rotationsmaschine. Dafür ist hauptsächlich
maßgebend, daß in diesen Fällen z. B. wegen der
Beschaffenheit der Illustrationsklischees das Inter¬
esse obwaltet, von der flachen Form zu drucken, sei
es deshalb, weil die Herstellung geeigneter Rund¬
formen in diesen Sonderfällen zu kostspielig ist, oder
sei es darum, weil gegen den Rotationsdruck das viel¬
leicht unbegründete Mißtrauen gehegt wird, es sei
mittels solchen die gewünschte Güte des Produktes
nicht zu erreichen.
Die Komplettmaschinen kommen wohl nur dann
in Betracht, wenn eine Druckarbeit in kurzer Zeit
völlig fertiggestellt werden muß. Also hauptsächlich
bei Tagesblättern in Auflagen, welche nicht unbedingt
einer Rotationspresse zur Erzeugung bedürfen. Hier
dürfte weniger die Frage am wichtigsten sein, ob auf
dieser oder jener Presse schöner gedruckt werden
könne. Vielmehr wird die Frage von Bedeutung sein,
ob mittels der oder der andern Presse mehr^ zu
leisten sei. Nichtsdestoweniger bemühten sich viele
unsrer Maschinenfabriken, ihre Schön- und Wider¬
druckmaschinen derart, z. B. mit besonderen Ab¬
schmutzvorrichtungen, reichen Farbwerken usw. aus¬
zustatten, daß auch größeren Anforderungen an das
Druckergebnis entsprochen werden kann. Desgleichen
kann auf den meisten auch von der endlosen Rolle
gedruckt werden, oder sie sind sogar nur für die Ver¬
wendung von Rollenpapier gedacht. Wir haben heute
auch schon eine recht stattliche Reihe von Komplett¬
maschinen verschiedner Art. Solche in der Form
einer kombinierten Zweitourenmaschine (der Bogen
läuft, indem er einen co-förmigen Weg beschreibt,
von einem Zylinder auf den andern), andre mit einem
Schwinger (der Bogen wird hierbei, und zwar vor
dem Übergange auf die zweite Druckfläche, von einer
Wendetrommel umstülpt), endlich mehrere Formen,
bei denen die Fundamente mit den Sätzen feststehen
und die Druckzylinder in einer Ebene darüber ab-
rollen. In neuerer Zeit wird diese Art von Pressen
vielfach gelobt. Eine ganz neue Komplettmaschine
zeigt das bisher hauptsächlich beim lithographischen
Bedrucken starrer Tafeln benutzte Prinzip ange¬
wendet. Hier wird nämlich ein Abdruck der Form
auf einem mit Gummi überzogenen Zylinder gemacht,
worauf eine zweite Übertragung auf einen zweiten
ebensolchen Zylinder und erst von diesem der Ab¬
druck auf das Papier erfolgt. Der praktische Wert
dieser Presse wird sich erst zu erweisen haben.
Schließlich noch einige Worte über die übrigens
vorläufig nur ganz vereinzelt anzutreffenden neuen
Drei- und Vierfarbendruckmaschinen. Sie besitzen
drei beziehungsweise vier komplette, je aus Funda¬
ment, Farbwerk und Druckzylinder bestehende Druck¬
werke. In einem Arbeitsgange werden die Bogen, von
einem Druckzylinder auf den andern wandernd, also
unmittelbar hintereinander mit den drei und vier
Formen bedruckt. Allen Anforderungen entsprechende
fette Druckfarben, die anstandslos auf Pressen ver¬
arbeitet werden können und die zugleich sofort, nach¬
dem sie aufs Papier gelangten, trocknen, gibt es be¬
dauerlicherweise noch nicht. Daher kann bei diesen
Mehrfarbendruckmaschinen nur ein Naß- auf Na߬
druck stattfinden, und der nur, wenn Druckfarben von
verschiedener, genau abgestimmter Klebrigkeit und
Konsistenz verwendet werden. Kunstblätter wird man
also keineswegs auf solche Art verfertigen können.
Dagegen eignen sich die besprochnen Pressen für
die Massenfabrikation z. B. von Reklamebildchen und
dergleichen, weil vor allem ein sehr genaues Passen
gesichert ist, denn die Bogen werden in ihrer Lage
dadurch sicher belassen, daß sie keine noch so kurz
andauernde Zeit frei sind, sondern erst von dem
einen Druckwerk freigegeben werden, wenn sie vom
nächsten bereits sicher gehalten werden. Zu gleichem
Zwecke werden übrigens jetzt auch mehrere Zwei¬
tourenmaschinen kombiniert.
In der vorstehenden Abhandlung wollte Verfasser
nur allgemeiner gültige Gesichtspunkte berühren.
Auf wichtige Einzelheiten gedenkt er in einigen spä¬
teren Artikeln zurückzukommen.
Eine Studienreise in Nordamerika.
Von G. NICOLAUS, Kaiserlicher Bauinspektor, Reichsdruckerei, Berlin.
[ IE Vorbedingungen für eine Reise nach Nord¬
amerika lagen am Anfänge dieses Jahres be-
sonders günstig. Zwar sind in jedem Winter
die Preise für die Überfahrt niedriger als im Sommer,
diesmal aber waren sie wegen der schlechten wirt¬
schaftlichen Konjunktur in Amerika bedeutend herab¬
gesetzt worden und schließlich hatte der zwischen
den deutschen und englischen Dampfergesellschaften
ausgebrochene Tarifkrieg in diesem Jahre die Über¬
setzungspreise ganz besonders herabgedrückt. So
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war es nicht zu verwundern, daß ich mich auf die
Aufforderung eines alten Freundes, der mich vor
seiner, durch die günstigen Überfahrtspreise veran-
laßten Abreise nach Amerika besuchte, um sich bei
mir über die dortigen Verhältnisse Rat zu holen, auf
seinen Vorschlag, ihn auf der Reise zu begleiten,
kurzer Hand entschloß, mit ihm die Ausreise nach
Hamburg anzutreten. Nun mußte die Abreise zwar
schon am nächsten Tage angetreten werden, so daß
die Zeit für die Reisevorbereitungen sehr kurz war,
jedoch machte dies in diesem Falle wenig aus, da
mir von meinen früheren Reisen in Nordamerika die
dortigen Verhältnisse und Reiseansprüche bekannt
waren. Der nötige Urlaub wurde gern erteilt, denn
man kennt ja in Deutschland allerseits den Nutzen
eines Aufenthaltes in Nordamerika. So wurde denn
am Nachmittage die Ausreise von Berlin und am
andern Morgen die Seereise von Cuxhaven aus an¬
getreten. Eine Ozeanfahrt war es aber, die ich nicht
bald vergessen werde. Zwar ist die „Amerika“, die
mich diesmal nach der neuen Welt bringen sollte,
eines der größten und schönsten Schilfe der Hamburg-
Amerika-Linie, aber ich hatte trotzdem hinreichend
Gelegenheit, die Bedeutung der schönen Meisenbach-
schen Gravüre „Windstärke 10—11“ mehr, als mir
lieb war, am eigenen Leibe zu erkennen. Vor der
eigentlichen Seekrankheit blieb ich zwar verschont,
aber der eisige Sturm sowie das Schwanken und
Rollen des Schiffes riefen doch Stimmungen hervor,
die nicht immer die angenehmsten waren. Die Muße
der Seereise wollte ich besonders zu Studien der
Fachausdrücke der englischen Sprache verwenden,
denn wenn mir auch die allgemeinen Ausdruckswei¬
sen geläufig waren, so fehlte doch eine umfassende
Kenntnis der großen Zahl technischer Ausdrücke.
Das Glück war mir dabei besonders günstig; mein
Tischnachbar, der amerikanische Seepostbeamte, war
drüben lange Zeit Holzschneider gewesen. Wie bei
uns die Autotypie dem Holzschnitt stark zugesetzt hat,
so hat sich auch, noch um vieles gründlicher, drüben
derselbe Vorgang vollzogen und dem Holzschnitt fast
den Garaus gemacht. Manchen Abend saßen wir zu¬
sammen und die Folge war eine ziemlich eingehende
Kenntnis der amerikanischen Druckindustrie sowie
der Fachausdrücke, ohne die eine erfolgreiche Durch¬
führung der Reise nicht denkbar ist. So war also auch
der letzte Nachteil der schnellen Abreise ausgeglichen.
Kurz vor der Ankunft in Amerika brachte uns ein
Schneesturm (Blizzard) noch eine unliebsame Über¬
raschung insofern, als das Schiff wegen mangelnder
Aussicht zu langsamer Fahrt genötigt wurde. Trotz¬
dem kam uns glücklich an einem hellen, sonnigen
Morgen die ganz in Schnee gehüllte Küste in Sicht.
Einfahrt und Landung vollzogen sich glatt,die Schnee¬
massen auf den Straßen in Neuyork erinnerten aber
nochmals an den überstandenen Sturm.
Abbildung 1. Fabrikanlage von Hoe & Co. ln Neuyork
In Neuyork wurde zunächst die Redaktion der
Neuyorker Staatszeitung aufgesucht, um einige Emp¬
fehlungen für die zu besichtigenden Anlagen zu er¬
halten. Ohne solche ist eine Besichtigung industriel¬
ler Anlagen nicht möglich. Die wirksamsten Ein¬
führungen sindaberstets die von Zeitungsredaktionen,
wenn persönliche Bekanntschaften nicht vorliegen.
Der nächste Besuch galt dann der Maschinenfabrik
von R.Hoe &Co. (Abbildung 1). Sie befindet sich auf
dem alten Grundstück der Firma in Neuyork, wo an
Stelle der früheren älteren Gebäude eine siebenstök-
kige neue Anlage gebaut wurde. Da der Grund und
Abbildung 2. Haupteingang der Firma Hoe & Co.
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Boden auf der schmalen und durch ihre Gestalt als
Hafenlage von der Natur so sehr begünstigten Man¬
hattan-Halbinsel sehr teuer ist, baut man in die
Höhe. Freilich zum Teil ohne jede Rücksicht auf
Schönheit und Feuersicherheit, daher die vielen
schweren Brände in Amerika. Nebenbei bemerkt,
findet der Hochbau, der in Neuyork massenweise und
bis zu 43 Stockwerken auftritt, nur bei Fabrik- und
Geschäftshäusern statt, die Wohnhäuser sind meist
Ein- und Zweifamilienhäuser, denn der Amerikaner
läßt sich nicht wie der Deutsche in Mietskasernen
zusammenpferchen, ja selbst viele Arbeiter haben ihr
eigenes Heim. Die dadurch entstehende räumliche
Ausdehnung der Städte und die großen Entfernungen
werden durch großartige Verkehrsmittel wettgemacht.
Das neue Fabrikgebäude von R. Hoe & Co. ist auch
äußerlich sehr ansprechend und mit Freude erblickte
ich als Deutscher das schöne Gutenbergstandbild
über dem großen Hauptportal der Fabrik (Abbil¬
dung 2). Im Gegensatz zu andern amerikanischen
Fabriken, die stets nur einige wenige Spezialitäten
hersteilen, sind die Fabrikationszweige der Firma
Hoe sehr vielseitig. Als Haupterzeugnis werden
Rotationsmaschinen gebaut, von denen die neueste
Leistung eine Vierfarbenmaschine war, die in der
Stunde 96000 Stück zwölfseitige Zeitungen liefert.
Umschlag und Mittelblatt sind in vier Farben ge¬
druckt, alles wird von der Maschine geschnitten,
fertig ineinandergefaltet und geleimt. Der Druck kann
von Stereotypplatten oder Galvanos geschehen. Im
letzten Falle erhalten die Zylinder Mäntel. An einer
andern Rotationsmaschine, die besonders für die Her¬
stellung einer bunten illustrierten Monatsschrift kon¬
struiert worden ist, war die Einrichtung vorhanden,
daß ein starkes Umschlagsblatt, das vorher auf der
Flachdruckmaschine hergestellt war, durch einen
automatischen Cross-Anlegeapparat eingeführt und
über die fertigen, auf einer Sammeltrommel zu¬
sammengebrachten Lagen geleimt wurde, so daß die
Maschine in der Stunde 4000 fertige Hefte abliefern
konnte. Im Bau war ferner: eine Kupferdruck-
Vierplattenschnellpresse für Briefmarkendruck mit
automatischer Wischung. Die Maschine hat ein recht¬
eckiges Untergestell, auf dem durch Vermittlung einer
Kette die Kupferdruckplatte im Viereck herumgeführt
wird. Letztere passiert zunächst das Farbwerk, dar¬
auf den automatischen Wischer, wird mit Papier
beschickt und gelangt schließlich unter das Druck¬
werk. Der automatische Wischer besteht aus einem
Rahmen, über den ein allmählich fortschreitendes
Wischtuch gespannt ist und der in kreisende Be¬
wegung versetzt wird, wodurch sowohl das Einreiben
der Platte mit Farbe als auch das Wegnehmen der
überflüssigen Farbe von der Kupferdruckplatte erfolgt,
ohne daß jedoch die eingeriebene Farbe aus den Ver¬
tiefungen herausgerissen wird.
Eine größere Zahl von Zweitourenmaschinen war
in Arbeit. Diese Maschinenart erfreut sich in Amerika
einer weit größeren Verbreitung als zurzeit in Europa.
Sie ist aber keine speziell amerikanische Erfindung,
da ja bekanntlich eine der ersten im Jahre 1817 von
Koenig, dem Erfinder der Schnellpresse, gebaute
Maschine die Merkmale der heutigen Zweitouren¬
maschine zeigt, nämlich den ständig umlaufenden
Druckzylinder, den Doppelrechenantrieb mit gleich¬
förmiger Geschwindigkeit für das Druckfundament
und die Puffer an beiden Hubenden. Es ist aber auch
hier wie in manchen andern Fällen gegangen und
bleibt ein Verdienst des praktischen Sinnes der Ame¬
rikaner, daß sie die vorhandene Idee nach großen Ge¬
sichtspunkten aufgegriffen, mit aller Konsequenz den
entgegenstehenden Hindernissen zum Trotz durch¬
geführt und ihr zum Siege über das allgemein Land¬
läufige, von jedem als selbstverständlich Hingenom¬
mene verholfen haben.
Die Zweifarbenmaschinen nach dem Zweitouren¬
system waren in Amerika fast ausnahmslos mit zwei
Zylindern gebaut. Auf diesen muß zwar der Bogen
von einem Druckzylinder auf den andern überführt
werden, dafür ermöglichen sie aber, daß jede Farbe
einzeln auf einem Zylinder zugerichtet werden kann,
demnach die Zurichtung hinter der Form nicht nötig
wird. Ob sie ebensogut Register halten wie die Stop-
zylinderpressen, muß die Praxis lehren. Großes
Interesse erweckten ferner die Rotationsmaschinen
für ein- und zweifarbigen Aluminiumdruck. Solche
Maschinen drucken von Zink und Aluminiumplatten
unter Zuhilfenahme eines Gummizylinders und lie¬
fern 3000 bis 5000 Abdrücke stündlich. So her¬
gestellter Druck wird sogar für Wertpapiere ver¬
wendet. Einige mir vorgelegte Druckproben solcher
Papiere zeigten auch ganz sorgfältige Ausführung,
ihre Linien können aber naturgemäß nicht die
Schärfe erreichen, die von den in Deutschland in
Kupfer- oder Buchdruck hergestellten Ausführungen
verlangt wird. Die Firma Hoe baut ferner alle für
die Stereotypie gebrauchten Apparate. Die Gießappa¬
rate sind meist so eingerichtet, daß sie nach Einlegen
der Matritzen aufgerichtet werden können, so daß
stehend gegossen wird. Dabei wird, um dichten Guß
zu erzielen, ein großer, verlorner Kopf mit angegos¬
sen, der nachher weggeschnitten wird. Die Schmelz¬
kessel sind zum Teil mit Pumpenversehen, mit denen
das Metall direkt aus dem Kessel in die Form hin¬
übergedrückt werden kann. Die Hobelmaschinen für
die Rückenseiten der Platten haben vielfach rotie¬
rende Fräser, durch die ein Durchdrücken der Platten
weniger leicht verursacht werden soll, als durch
einen nur an einer Stelle angreifenden Hebelstahl.
Die Pressen zur Herstellung von Wachsabdrücken
sind mit Preßwasser, zum Teil aber auch mit Knie¬
hebelantrieb versehen, welch letzterer ein schnelleres
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Arbeiten, auf das in Amerika vor allem Wert gelegt
wird, gestattet.
Alle Arbeit in der Fabrik ist Massenarbeit, es wird
nach Zeichnungen bzw. Leeren nicht für eine be¬
stimmte Maschine, sondern für das Lager gear¬
beitet. Die Bearbeitung der Druckzylinder ge¬
schieht zunächst durch Abdrehen, dann aber noch
durch Schmirgelschleifsteine. Als Grund wurde
angegeben, daß so jede Abweichung von der zylin¬
drischen Form durch den Druck des Hobelstahls in¬
folge Ausbiegens oder Auslaufens der Körnerspitzen
vermieden wird. Die große Ausdehnung der Fabrik
verhindert es leider, durch einmaligen Besuch einen
vollständigen Überblick zu gewinnen, indes war es
durch die freundliche Führung möglich, auch schon
bei dem einmaligen Besuch viel Interessantes zu
sehen.
Als zweite Maschinenfabrik wurde die Miehle Prin-
ting Press Company in Chicago besichtigt. Sie be¬
fand sich früher in dem Geschäftsteile der Stadt,
hat aber jetzt in der kurzen Zeit von einem halben
Jahre eine neue Anlage in der äußeren Stadt ge¬
schaffen. Die Verlegung des Fabrikbetriebs war nicht
nur völlig kostenlos, sondern sogar mit einem pe¬
kuniären Vorteil für die Gesellschaft verbunden,
da das Gebäude im Innern der Stadt von einer Eisen¬
bahngesellschaft gebraucht und für einen hohen Preis
erworben werden mußte, während die Bauplätze
im Äußern der Stadt naturgemäß billiger sind.
Die Fabrik arbeitet noch mehr nach den beson-
dern amerikanischen Grundsätzen der Beschrän¬
kung auf ein Gebiet als Hoe. Sie baut nur eine Ma¬
schinenart, für die sie das möglichst rationellste
Arbeitsverfahren und die größte Vollkommenheit
zu erreichen sucht.
Obgleich die deutschen Maschinen in der Kon¬
struktion den amerikanischen vollständig gleich¬
wertig, in der Sorgfalt der Ausführung ihnen meist
überlegen sind, sehen wir in neuerer Zeit, daß
nicht nur in Druckmaschinen, sondern auch auf
fast allen Gebieten des Maschinenbaues die Ameri¬
kaner als Wettbewerber der deutschen Industrie
auftreten, obgleich sie höhere Löhne zahlen müssen
und nicht über so gut geschulte Arbeiter verfügen.
Die Gründe hierfür liegen einerseits in der Arbeits¬
weise, anderseits in den Zolltarifverhältnissen. Der
amerikanische Fabrikbetrieb charakterisiert sich
durch folgende drei Punkte: 1. Größtmögliche Ar¬
beitsteilung für Maschinen und Menschen, wo sich
letztere nicht unbedingt ausschalten lassen, das heißt,
es wird für jeden Arbeitsgang eine besondre, mög¬
lichst automatisch arbeitende Maschine geschaffen,
die nur einzig und allein die betreffende Arbeit be¬
sorgt. 2. Genaueste Schablonenarbeit, unter Ver¬
wendung von Grenzleeren, wo nur immer angängig.
Dazu werden für alle in der Fabrik vorkommenden
Maße Leeren verwendet. Die fertigen Gegenstände
müssen genau in die Normalleere passen, dürfen
aber nicht in die Grenzleere hineingehen, so daß Me߬
fehler, wie sie bei Taster und Maßstab Vorkommen,
vermieden werden. 3. Für jeden Betrieb besteht ein
besonderes durchgebildetes System des Transports
der Werkstücke und gute Transportmittel, wodurch
erreicht wird, daß die Werkstücke keine unnützen
Wege zu machen brauchen, so daß Zeit und Arbeit
gespart wird.
Durch dieses System ist es möglich, die einzel¬
nen Stücke schnell und massenhaft herzustellen, die
fertigen ohne Nacharbeit zusammenzubauen, jedes
Stück, was bei Ersatzstücken besonders wichtig ist,
an Stelle eines andern zu verwenden und schließlich,
alles ohne Zeitverlust an den Gebrauchsort zu schaf¬
fen. Allein durch das hier gekennzeichnete System
ist es zu erklären, daß z.B. die Fabrik der Miehle Cy.
bei voller Besetzung alle drei Stunden, d. h. am Tage
drei Maschinen fertigstellen kann. Wie weit die Spe¬
zialisierung geht, zeigt die Tatsache, daß die Seiten¬
gestelle für die Schnellpressen auf einer Arbeits¬
maschine völlig fertiggestellt werden. Zuerst werden
alle Paßflächen in gewöhnlicher Art gehobelt, dann
wird ein Fräser eingeschaltet, der bei stillstehendem
Bett der Hobelmaschine an deren Querhaupt senk¬
recht zur Arbeitsrichtung des Bettes entlang läuft und
die Lagerstelle für die Zylinderlager genau senkrecht
zur Mittelebene ausfräst. Auf diese Weise wird die
überaus wichtige Forderung der senkrechten Achsen¬
stellung ohne jede Messung erreicht. Die Rollen für
die Bahnen der Maschinen werden zunächst abgedreht,
dann gehärtet, nach der Härtung geschliffen und zwar
ebenfalls nach Grenzleeren. Die Rolle muß in die
größere Öffnung der Leere hineingehen, darf aber in
die um den Toleranzbetrag, genannt wurde mir
1/1000 Zoll, kleinere nicht hinein passen. Während
des Schleifens wird der Schleifstaub durch Luft ab¬
gesaugt, wodurch einerseits die Anforderungen der
Hygiene erfüllt werden, anderseits aber eine wirk¬
same Kühlung der Arbeitsfläche eintritt, so daß eine
Formveränderung infolge Erwärmung nicht eintreten
kann. Bemerkenswert ist auch die Herstellung der
gehärteten Gleitstücke. Um auch das geringste Ver¬
ziehen beim Aufspannen zum letzten Schliff zu ver¬
meiden, werden diese Stücke magnetisch auf ihrer
Unterlage festgehalten. Die Druckzylinder erscheinen
ungewöhnlich schwer, was nur dadurch erklärlich
ist, daß sie in Zweitourenmaschinen verwendet wer¬
den, wo sie ständig umlaufen. Die Zapfen sind mit
dem Druckzylinder aus einem Stück gegossen, wo¬
für ein vorzügliches Gußeisen sowie tadelloser Guß
Voraussetzung ist. Ganz besonders interessant ist
die Herstellung der genauen Seitenführung für das
Fundament in den Bahnen. Um sicher zu sein, daß
durch die beim Zusammenbau derMaschine notwendig
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auftretenden Spannungen keine Abweichung in der für
das Registerhalten und für ruhigen Druck so wichtigen
Seitenführung veranlaßt wird, wird die letzte Bear¬
beitung der Bahnen erst nach dem Zusammenbau des
ganzen Gestells vorgenommen und zwar wieder der¬
artig, daß die Bearbeitung von selbst die richtige
Führung ergibt. Dazu wird in die Maschine ein Fräse¬
apparat hineingesetzt, der durch einen in die Zylinder¬
lager drehbar eingesetzten Arm genau ausgerichtet
wird und dann die Führung fertig fräst. Die Zahn¬
räder werden meist aus dem vollen Material auf auto¬
matischen Räderschneidemaschinen angefertigt. Sie
werden aber, damit die Maschine nicht auf einmal zu
viel Material wegnehmen muß und infolgedessen un¬
ruhig arbeitet, zunächst vorgeschnitten und dann
fertig gemacht, wobei der Fräser zur Erreichung einer
genauen Teilung immer zwei Zahnflanken zugleich
bearbeitet. Die sehr interessante Fabrikanlage macht
auch durch ihre Sauberkeit, die man in ameri¬
kanischen Fabriken nicht immer findet, einen guten
Eindruok.
Zwei Papierfabriken wurden besucht. Zuerst
die der National Paper Co. an den NiagaraFällen,
dann die von Jessup & Moore in Willmington bei
Philadelphia. Erstere, die hauptsächlich für die
Massenfabrikation gewöhnlicher Papiere eingerichtet
ist, liegt unmittelbar oberhalb der Fälle, an denStrom-
schnellen des Niagaraflusses. Natürlich wurden bei
dieser Gelegenheit auch die Fälle besucht, die ich
bisher im Winter noch nicht gesehen hatte. Bieten
sie schon im Sommer ein unvergeßliches Bild, so ist
ihr Eindruck im Winter, den ich bisher nur von
Abbildungen kannte, geradezu überwältigend. Alle
Vegetation in der Umgegend ist mit einer Eiskruste
überzogen, in dem tiefen Schlunde, in den das Wasser
hinabstürzt, türmen sich mächtige Eismassen auf.
Der Donner der hinabstürzenden Fluten wird noch
verstärkt durch das Krachen der Eismassen. Der
Eindruck, den man auf einem Gange unter die Fälle
gewinnt, ist noch gewaltiger als im Sommer. Auch
die Stromschnellen unterhalb der Fälle, wo die von
den Fällen kommenden Wassermassen auf ein Drittel
der früheren Breite durch Felswände zusammen¬
gedrängt werden, geben ein Bild ungebändigter Natur¬
kraft von unbeschreiblicher Wildheit.
Die National Paper Co.-Fabrik bezieht ihre Kraft
aus einer Turbinenanlage, die mit Wasser von den
Stromschnellen oberhalb der Niagarafälle versorgt
wird. Zur Reserve, sowie zur Erzeugung von Heiz¬
dampf besitzt sie auch noch eineKesselanlage, die mit
den abfallenden Holzspänen geheizt wird. Die Späne
werden durch eine automatische Transportanlage von
den Arbeitsmaschinen entfernt und ins Kesselhaus
gefördert.
Durch einen Kanal, der mit Einläufen und Eis¬
schützen versehen ist, wird das Wasser dem Niagara¬
flusse entnommen und den etwa 50 m tiefstehen¬
den Turbinen zugeführt; das ablaufende Wasser
gelangt durch einen in den Felsen gesprengten Kanal,
der unter der Stadt Niagara Falls hindurchgeht, hinter
den Fällen wieder in den Strom. Es ist ein für unsre
Verhältnisse ungewohnter Anblick, in dieser bedeu¬
tenden Tiefe die Arbeiter auf einer an einem ein¬
fachen Tragseile ohne jede Führung eingehängten
Förderschale Reparaturen an denTurbinen vornehmen
zu sehen, besonders, wenn die auf einem kleinen
Schmiedefeuer warmgemachten Nieten den Arbeitern,
wie es drüben allgemein üblich ist, einfach durch die
Luft zugeworfen werden.
Die Kraftanlage der Fabrik umfaßt sechs Turbinen
zu je 1500 P. S. Zwei doppelte Schleifapparate für
Holz mit hydraulischer Anpressung, sechs Kocher,
acht Holländer und sechs Papiermaschinen sind Tag
und Nacht ununterbrochen in Tätigkeit. 1600 Arbeiter
sind beschäftigt, die täglich 150 Tonnen Papier von
10 bis 60 Prozent Zellulosegehalt hersteilen. Da die
Holzzufuhr im Winter, teils wegen des Stillstehens
der Schiffahrt, teils wegen der erschwerten Abfuhr
der Hölzer, gesperrt ist, so sind ausgedehnte Vorrats¬
plätze zum Stapeln des Holzes vorhanden. Ebenso
wie das Holz aus den Fahrzeugen durch große Kran¬
gerüste mit Selbstgreifern und fahrbaren Laufkatzen
automatisch entladen und über den Platz verteilt wird,
so wird es auch bei dem Verbrauch der Fabrik auto¬
matisch zugeführt. Ein Arbeiter öffnet nur die Klappen
der Förderrinnen, die Hölzer fallen hinein und werden
durch Transportbänder nach den Maschinen gebracht.
Dort gelangen sie entweder zu den Schleifmaschinen,
um zu Holzschliff verarbeitet zu werden, oder zu den
Schälapparaten, die sie für die Zerkleinerungsmaschi¬
nen vorbereiten. Nachdem das Holz zerkleinert ist,
geht es durch eine große Sortiertrommel, die die
großen Stücke zurückhält und den Staub durchfallen
läßt, so daß nur die brauchbaren, mittlern Stücke
zum Kocher gelangen. Der Kochprozeß unterscheidet
sich in nichts von dem deutschen. Bemerkenswert
ist nur, daß die Fabrik die schwefeligen Säuren durch
Verbrennung von Schwefel selbst erzeugt und den
Schwefel, um mit seinem Transport keine Arbeit zu
haben, den Verbrennungsapparaten geschmolzen zu¬
führt. Verarbeitet wird nur amerikanischer Schwefel,
der europäische Wettbewerb ist durch ein Abkommen
mit den sizilianischen Schwefelwerken ausgeschaltet.
Fast aller amerikanischer Schwefel wird in Loui¬
siana gewonnen, wo sich reiche Schwefellager be¬
finden. Das Gewinnungsverfahren ist sehr interessant
und wurde mir wie folgt geschildert. Da der Boden
dort zumeist aus Sand besteht, würde der Tagebau
viel Zimmerung erfordern und sehr teuer sein. Man
teuft deshalb bis in die schwefelhaltigen Schichten
Rohrbrunnen ab, durch die überhitzter Dampf ein¬
geleitet wird, der den Schwefel schmilzt. In den
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flüssigen Schwefel wird dann heiße Luft eingeblasen,
die sich ähnlich der Wirkungsweise der Mammut¬
pumpen mit dem Schwefel vermischt und ihn durch
ein Einsatzrohr zum Aufsteigen bringt. Der auf diese
Weise gewonnene Schwefel ist sehr rein.
Der gekochte und aufgelöste Zellulosestoff wird
ausgewaschen, passiert dann mehrere Siebe, in denen
grobe Stücke oder nicht völlig verkochte Bestandteile
zurückgehalten werden, und wird auf der Maschine
zu dickem Rohpapier verarbeitet. Dieses Rohpapier
wird dann mit dem Holzschliff zusammen in die Hol¬
länder eingesetzt, aus denen die Masse u. a. nach
Zusatz von Farbe in konische Stoffmühlen gelangt,
von denen er durch Pumpen zu den Papiermaschinen
geschafft und dort verarbeitet wird. Auffällig ist die
Fertigkeit, mit der die Leute das ständig laufende
Papier, wenn es die Papiermaschine verläßt, auf die
neue Aufwickelrolle bringen, wenn eine gefüllt ist.
Die Rollen werden sofort kalandriert, geschnitten und
verpackt, worauf sie dann auf schiefen Ebenen zu
den Eisenbahnwagen gelangen.
Beim Austritt aus der Fabrik erlebte ich eine hä߬
liche Szene, die ich hier erwähne, weil sie charakte¬
ristisch für die Rücksichtslosigkeit ist, mit der in
Amerika gegen die wirtschaftlich Schwachen vorge¬
gangen wird. Zwei junge Leute warfen einen, der
Kleidung nach dem Arbeiterstande angehörigenMann
über die Treppe hinunter in den Schnee. Auf mein
Befragen nach dem Grunde dieser Behandlung wurde
mir lachend mitgeteilt, daß der Mann „gestört“ habe.
Da mir und meinem Begleiter der arme Teufel leid
tat, sprachen wir ihn an und merkten bald, daß er der
englischen Sprache nur sehr wenig mächtig war, da¬
für aber polnisch sprach. Er erzählte uns, daß er
arbeitslos sei, und zeigte uns die Auskunft eines
Agenten, daß er in der Papierfabrik Arbeit finden
würde. Für diese Auskunft hatte er 5 Dollars bezahlt.
Sie wurde ihm bei der Meldung in der Fabrik in
der oben geschilderten Weise quittiert. Durch diese
Rücksichtslosigkeit auf der einen Seite wird natürlich
ein äußerst fester Zusammenschluß auf der andern
veranlaßt. Die Macht der Arbeiter-Vereinigungen
(Labor union) ist sehr groß und wird aufs höchste
ausgenutzt. Hierfür einige Beispiele: In einer Stadt
war eine Musikhalle erbaut worden, die von nicht
gelernten Arbeitern beendet werden mußte, da die
organisierten kurz vor Fertigstellung die Arbeit unter
unerfüllbaren Bedingungen niederlegten. Als das
Gebäude eingeweiht werden sollte, war es nicht mög¬
lich, eine Musikkapelle für die Konzerte und Kellner
für die Bedienung zu erhalten.
Ein Fabrikbesitzer erhielt einen Waggon Eisen¬
konstruktionen für seinen Neubau. Die Konstruk¬
tionsteile trugen zwar den Unionsstempel, aber der
Wagen war von nichtorganisierten Arbeitern ver¬
laden worden. Deshalb weigerten sich seine Leute,
den Wagen zu entladen und er mußte ihn zurück-
schicken.
Bei jedem Einkauf sieht der organisierte Arbeiter
nach, ob die Ware den Unionsstempel trägt und das
hat dazu geführt, daß selbst Packpapier mit dem
Aufdruck der Warenbezeichnung, das ich zufällig er¬
hielt, mit dem Unionsstempel der Schriftsetzer ver¬
sehen war.
Die Fabrik von Jessup & Moore in Willmington
bei Philadelphia liegt ziemlich weit ab von dem Bahn¬
hofe; eine Wagen fahrt bei hellem Sonnenschein durch
das winterlich schöne Waldtal des Brandywinebaches
brachte mich dahin.
Auf eine Empfehlung des Direktors der Staats¬
druckerei in Washington wurde mir alles bereitwilligst
gezeigt, auch die Einrichtungen zur Anfertigung des
Kupferdruckpapieres für die Briefmarken der Ver¬
einigten Staaten. Zum Betriebe steht Wasser- und
Dampfkraft zur Verfügung. Die Tageserzeugung be¬
trägt 30000 kg, zwölf Holländer mit den zugehörigen
Stoffmühlen und drei Papiermaschinen sind in Tätig¬
keit. Es werden hier nur bessere Papiere hergestellt
und zwar aus Lumpen und Sodastoffen. Die Natron-
Zellulose wird in einer eigenen Fabrik hergestellt,
die blauen, baumwollenen Lumpen werden aus
Deutschland bezogen. Sie müssen gereinigt und des¬
infiziert geliefert werden, weil die Einfuhr ungerei¬
nigter Lumpen verboten ist. Meist sind es Abfälle
von Röcken und Schürzen. Ich dachte unwillkürlich
an eine alte deutsche Gewohnheit, als mir erzählt
wurde, daß man öfter Nickel, Silber, ja sogar Gold¬
münzen darin eingenäht fände. Die Lumpen werden
sortiert, geschnitten und mit achtzehnprozentiger
Chlorkalklösung gekocht, um dann im Holländer ver¬
arbeitet zu werden. Hier wird auch die Zellulose zu¬
gesetzt. Die Papiermaschinen unterscheiden sich von
denen der National Paper Co. nur durch die Heizung,
da sie wegen der feinen Papiere nicht so stark er¬
wärmt werden dürfen, und durch die Wasserzeichen¬
walzen. Diese sind leicht aber doch stabil gebaut, ihr
Gerippe besteht aus zwei sich kreuzenden Draht-
spiralen und einer Lage von Längsdrähten, auf denen
das Drahtsieb mit den Buchstaben usw. befestigt ist.
Die für die Anfertigung der Staatspapiere bestimmten
Wasserzeichenwalzen werden unter einem Verschluß
gehalten, der nur gemeinsam von Beamten der Firma
und des Staates geöffnet werden kann. Das Papier
wird nach der Fertigstellung gleichfalls kalandriert
und in Bogen geschnitten. Die Schneidemaschinen
arbeiten rotierend, aber trotzdem sehr ruhig. Der
erzielte Schnitt ist tadellos, durchaus gerade und
senkrecht zur Laufrichtung, wie durch Zusammen¬
legen eines beliebig entnommenen Bogens festge¬
stellt wurde. Aus dieser Fabrik beziehen die Ver¬
einigten Staaten sämtliches Kupferdruckpapier mit
dem Wasserzeichen USPS für Briefmarkendruck.
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PR1NCETON UNIVERS1TY
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Besonders bemerkenswert war die Sparsamkeit, mit
der in dieser Fabrik gearbeitet wurde und die in
Amerika, wo es ja meist auf Leistung ankommt, nicht
immer so weitgehend gefunden wird. So wird z. B.
der Staub aus dem Lumpenschneider in eine Staub¬
kammer geführt und die hier niedergeschlagenen
Fasern für die Fabrikation nutzbar gemacht. Ferner
wird das Abwasser der Papiermaschine von mitge¬
führten Fasern befreit, worauf sowohl die Fasern als
auch das Wasser wieder dem Betriebe zugeführt
werden.
In Chicago wurde eine große Buchdruckerei be¬
sucht. Obwohl ihre maschinellen Einrichtungen sehr
interessant und lehrreich waren, kann ich mir hier
einen Bericht sparen, da die Ausrüstung der Staats¬
druckerei in Washington sie in jeder Weise übertraf.
In drucktechnischer Beziehung können wir von den
Amerikanern nicht viel lernen. Die zahlreichen illu¬
strierten Magazine (Monatsschriften) zeigen im Durch¬
schnitt eine Ausführung, mit denen wir nicht zufrie¬
den sein würden. Meistens enthalten sie schlechte
Autotypien und mangelhafte Dreifarbendrucke, deren
breite Regenbogenränder das schlechte Register der
einzelnen Farbenplatten erkennen lassen. Aber das
amerikanische Durchschnittspublikum verlangt der¬
artige Magazins nicht besser und ist damit zufrieden,
warum soll es also besser gemacht werden. Massen¬
leistung ist die Hauptsache. Um so angenehmer fielen
hier einige Farbendrucke auf, die in Buchdruck auf
einem glatten Papier, das nachträglich durch Kalan¬
drierung eine Körnung erhalten hatte, hergestellt
worden waren. Auch eine englische Ausgabe von
Storms Immensee war in Druck, Illustration und Ein¬
band sehr schön ausgeführt.
Das amerikanische Zeitungswesen steht inhaltlich
auf dem Standpunkte der gröbsten Sensation. Wenige
Zeitungen haben Leitartikel oder wissenschaftliche
und unterhaltende Teile in dem Umfange wie in
Deutschland. In der Druckausführung wird durch die
Größe und Fassung der Überschriften das mehr oder
minder Aufsehen erregende der Meldung zur Dar¬
stellung gebracht. Mit vier riesengroßen B und den
Worten: „Bebel brüllt, Bülow bebt“ überschrieb
eine deutsche Zeitung eine Reichstagsrede Bebels;
„Kaiserliche Hoheiten hoch“ stellte eine englische
an den Kopf ihres Blattes und brachte zu einer ent¬
sprechenden schlecht ausgeführten Autotypie einen
Aufsatz über den Aufenthalt des Kronprinzenpaares
in St. Moritz. Kind verbrannt, Ausreißerin heiratet
nach Europa, Brand, Hauseinsturz: so geht es mun¬
ter weiter. An Schnelligkeit der Berichterstattung
suchen sich die Zeitungen zu überbieten. Damals
spielte gerade der berühmte Thaw Prozeß, in dem
die Blätter die eine recht fragliche Rolle spielenden
Hauptpersonen förmlich zu Helden und Heldinnen
gestempelt hatten. Und als eine Heldentat galt
es auch, als bereits eine halbe Stunde nach Beendi¬
gung des Prozesses, der das ganze Land in Spannung
hielt, eine Zeitung ihre Ausgabe schon mit dem
Urteil und dem Bilde des Herrn Mörders und seiner
unschuldvollen Gattin in dem Augenblick, wo sie
das Urteil empfingen, bringen konnte. Am Sonntag,
den 2. Februar brachte die Chicagoer Morgen¬
zeitung die genauen Nachrichten über die am Tage
vorher erfolgte Ermordung der Königsfamilie von
Portugal nebst Abbildung aller Beteiligten; ja sogar
den Staatswagen, in dem der Mord geschah, konnte
man abgebildet sehen. Daß alle diese Umstände
eine schlechte Ausführung, die großen Buchstaben
und die minderwertigen Erzeugnisse einer über¬
triebenen Illustrationswut aber ein völlig zerrissenes
Satzbild verursachen, das bedarf wohl keiner Erwäh¬
nung. Möge unsre deutsche Zeitungswelt von der¬
artigen Erzeugnissen der Buchdruckerkunst noch
recht lange verschont bleiben!
Über einige andre industriellen Anlagen Chicagos
wird an andrer Stelle berichtet werden. Über seine
weltberühmten Schlachthäuser, die jeder besucht, ist
anderweitig schon genug geschrieben. Seine be¬
wundernswerten Hochbahn-Anlagen, die neuen, aus¬
gedehnten Fracht- und Telephontunnel, sein son¬
stiger Verkehr zu Wasser und zu Lande, auf und unter
der Erde, machen die Stadt für mich zu der interes¬
santesten von ganz Amerika, nirgends kann man das
speziell Amerikanische so ursprünglich finden, wie
hier — freilich Gemütlichkeit und Schönheitssinn
muß man zu Hause lassen.
Von Chicago ging die Fahrt nach Pittsburg, der
Eisenstadt Amerikas. Da die Reise durch eine ziem¬
lich reizlose Gegend führt, wurde der Nachtzug be¬
nutzt. Diese Züge bestehen meist aus Pullmann-
Wagen, die auch in fast allen wichtigeren Tageszügen
laufen. Zwar erhöht sich durch deren Benutzung die
Eisenbahnfahrt, die in Amerika für die einzige vor¬
handene Klasse etwa acht Pfennige pro Kilometer
kostet, noch um etwa zwei Dollars pro Nacht, aber es
wird Zeit gewonnen. Außerdem ist die Fahrt in
diesen Wagen recht angenehm und an den Betrieb
im Schlafwagen gewöhnt man sich bald. Wie alle
Eisenbahnwagen bestehen sie aus einem einzigen,
großen Raume, mit kurzen Sitzen zu beiden Seiten
eines Mittelganges. Zur Zeit des Schlafengehens
werden durch Aneinanderschieben zweier Sitze und
Herablassen einer Klappe von der Wagendecke zwei
Betten übereinander in der Längsrichtung des Wagens
hergestellt, und nachdem sich im Mittelgang Männ¬
lein und Weiblein, soweit es jedes für schicklich hält,
seiner Kleidung entledigt hat, verschwindet man
hinter dem Vorhang im Bett.
Die Ankunft in Pittsburg erfolgte an einem hellen
Wintertage mit Sonnenaufgang. Als ich bei meiner
letzten Anwesenheit von den Höhen des Mount
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PRINCETON UNIVERS1TY
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Washington auf die Stadt hinunterschaute, lagerte über
ihr eine undurchdringliche Rauchwolke, die ein Zeug¬
nis von der Mächtigkeit ihrer Eisenindustrie ablegte
und jetzt— klar und hell stand die Sonne über der in
ein weißes Schneekleid eingehüllten Landschaft. Nur
wenige Schlote rauchten. Ein treffenderer Gegensatz
der damaligen Hochkonjunktur und der jetzigen
schlechten Geschäftsverhältnisse kann wohl nicht
gedacht werden. Nach dem Besuche einiger Eisen¬
werke wurde die Fahrt nach Washington angetreten.
Die Strecke ist landschaftlich sehr schön, was ich aller¬
dings besser auf meiner vorigen Reise sehen konnte,
wo ich sie auf der Lokomotive zurücklegte. Es war
die beste Gelegenheit, die schöne Gebirgslandschaft,
die sich mit unserm thüringischen und schlesischen
Mittelgebirge vergleichen läßt, kennen zu lernen.
* OHL selten weist ein Zweig im Maschinen¬
wesen eine derartig kraftvolle Entwicklung
und Gestaltung auf, wie der Rotations¬
schnellpressenbau im allgemeinen. Seit den schüch¬
ternen Versuchen im Anschluß an die Wiener Welt¬
ausstellung vom Jahre 1873 sind die Bauarten der
„Endlosen“ ins Hundertfache gewachsen. Eine be¬
kannte deutsche Schnellpressenfabrik führt allein 50
verschiedene Rotationsmaschinen in ihrem neuesten
Kataloge vor, ein schlagender Beweis dafür, wie viel¬
seitig der Bedarf für schnelle Drucksachenherstellung
in die Erscheinung getreten ist.
In den letzten vier Jahrzehnten hat sich ein unge¬
ahnter Umschwung in der Zeitungsherstellung voll¬
zogen, der uns die Produktionsmittel unsrer Vor¬
fahren als recht kleinlich erscheinen läßt. Noch zu
Beginn des vorigen Jahrhunderts behalfen sich Guten¬
bergs Jünger mit gar kümmerlichen Werkzeugen.
Obwohl schon dreieinhalbes Jahrhundert seit der Er¬
findung der Buchdruckerkunst ins Land gezogen
waren, so wurde meistens noch dieselbe einfache
hölzerne Presse benutzt, die schon dem Altmeister
zu seinen Versuchen diente. Die einzige Vervoll¬
kommnung, zu der man sich in der zweiten Hälfte
des achtzehnten Jahrhunderts verstiegen hatte, war
die Verwendung von Eisen statt Holz zum Bau sol¬
cher Pressen. Dadurch war zwar die Erzielung eines
schärferen Druckes möglich geworden, aber die quan¬
titative Leistungsfähigkeit hatte sich nicht vergrößert.
Was die ersten Jahrhunderte nach Gutenberg an der
Druckpresse gesündigt hatten, das sollte aber das
neunzehnte gutmachen. Eine völlige Umgestaltung
brachte schon dessen zweites Jahrzehnt. Friedrich
Koenig baute die Zylinder-Schnellpresse, bei der
statt des seitherigen Tiegeldruckes zuerst das Prin¬
zip des rollenden oder Zylinder-Druckes in Anwen¬
dung kam, und bei der größtenteils von Mechanismen
bewirkt wurde, was bisher der Hände Arbeit gewesen
war.
Mit Koenigs Erfindung war viel erreicht. Jetzt
konnten in der Stunde 1000 bis 1500 Abdrücke her-
gestellt werden und mit den Kombinationen mehrerer
einfacher Maschinen, die bald in Erscheinung trat,
wohl auch das Doppelte, Vier- und Sechsfache, denn
bereits im Jahre 1847 baute Marinoni in Paris eine
sechsfache Zeitungsmaschine, welche später auch
in Deutschland Eingang fand. Als dann aber die
Technik auf andern Gebieten die Siebenmeilenstiefel
anzog, als die Postkutsche von der Eisenbahn ab¬
gelöst wurde, der Telegraphendraht die Nachrichten¬
vermittlung übernahm, da wurde allmählich auch
nach schnelleren Druckmaschinen gefragt.
Hier ist einzuschalten, daß die Anforderungen, wel¬
che in England und Amerika an die Schnelligkeit des
Druckes gestellt wurden, den bescheidenen deutschen
Begriffen schon damals weit vorausgeeilt waren, wie
sich das ganz naturgemäß aus der Entwicklung der
dortigen Tagespresse ergeben mußte. So wurde
bereits im Jahre 1851 in der Druckerei der Newyork-
Sun eine Mammut-Schnellpresse in Gang gesetzt,
die schon wegen ihres großen Umfanges das Staunen
der Fachwelt erregen mußte. Sie hatte eine Länge
von 13 und eine Höhe von 7 m, welch letztere in
zwei Etagen geteilt war. Das Prinzip, nach dem der
Druck vor sich ging, war das zylindrische, die Typen
wurden keilförmig in den Umfang einer großen Trom¬
mel eingesetzt. Näheres über diese Presse siehe
weiter unten.
Schon im Jahre 1790 ließ sich Nicholson in Eng¬
land eine Anordnung der Typen auf eine zylindrische
Oberfläche patentieren, wodurch eine ununterbrochen
fortwirkende Walzendruckpresse entstand. Doch kam
diese Idee in der Hand des Erfinders nie zu einer
praktischen Durchführung. Auch Koenig, der Erfinder
der Schnellpresse, verfiel zuerst — 1804 — auf den
Gedanken, eine Typentrommel anzuwenden, den er
aber bald wieder aufgab. Erst im Jahre 1818 wurde
in der Offizin der Times in London eine Applegath-
sche Schnellpresse aufgestellt, in der die Typen¬
trommel eine stehende war, d. h. sie drehte sich
um eine vertikale Achse. Mehrere triftige Gründe
führten zur Annahme dieser Konstruktion anstatt der
liegenden Trommel. Ein Grund war der, daß es sehr
schwierig erschien, die unzähligen losen Typen so
fest in die Trommel einzusetzen, daß sie nicht durch
die Schwungkraft der Trommel in Vereinigung mit
Zur Entwicklung der Rotationsmaschinen
Von EDUARD KÜHNAST, Magdeburg.
I.
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PRINCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Arbeiter. Diese Schnell¬
presse kostete 20000
Dollars, für damalige Zei¬
ten jedenfalls eine Riesen¬
summe.
Die Ursachen, die zur
Anschaffung dieser ge¬
waltigen Maschinegeführt
hatten, sind nicht ohne
kulturgeschichtliches In¬
teresse, weshalb einige
Angaben darüber folgen
mögen. Beim ersten Erscheinen der New York Sun
im Jahre 1833 war die Zeitung nicht größer als ein
Quartblatt, die ganze Auflage wurde auf einer alten
Handpresse von einem einzigen Drucker herge¬
stellt. Bald jedoch sahen sich die Herausgeber ge¬
nötigt, eine gewöhnliche Schnellpresse für 2000
Dollars anzuschaffen. Das war ein wunderbares
Ereignis und jedermann glaubte nun, daß mit Hilfe
des stämmigen Irländers, der die Presse drehte,
allen ferneren Bedürfnissen, wenigstens für die
nächsten 20 Jahre, vollkommen Genüge geschehen
sei. Aber das kleine Blatt stieg immer mehr in der
Gunst des Publikums, so daß der Entschluß gefaßt
werden mußte, eine Doppelschnellpresse anzuschaf¬
fen, an der vier Dreher angestellt wurden. Auch
diese Menschenkraft reichte endlich nicht mehr aus,
weshalb sie durch eine kleine Dampfmaschine mit
schwingendem Zylinder ersetzt wurde. Nun zeigte
sich wieder, daß die Druckvorrichtungen nicht zu¬
langten. Der Maschi-
\ nenbauerRichard Hoe
* / \ wurde zu Rate ge-
. ~ zogen und ihm gelang
es, zwei Pressen auf-
auf denen
i die damalige Auflage
® von 15000 in einer
P " V" • Nacht hergestellt
werden konnte. Nach
dem sich die Auflage
vergrößerte, wurden
V bis fünf solcher Pres¬
sen angeschafft, die
zum Druck von auf einen Zylinder aber SO Stark ange-
& Co. in A>» 7 orfc(Mammuth-Prcsse) strengt werden mu߬
ten, daß oftmals drei in einer einzigen Nacht „so
zusammengearbeitet wurden“, daß sie nicht weiter
konnten. Im Jahre 1847 wurden diese kurz zuvor
steigern. Über das Ge¬
lingen dieses Problems
liegen zwar keine Angaben
vor, doch muß diese ge¬
waltige Leistungsfähigkeit
heute nach etwa 90 Jahren ein wenig stutzig machen.
Sehr viel später, im Jahre 1849, erbaute Dryden
für die Zeitung Weekly Dispatch in London zwei
große Schnellpressen nach dem liegenden Zylinder¬
system, die aber nur 6000 Abdrücke in der Stunde
lieferten, später jedoch noch verbessert worden
sind. In der bereits erwähnten amerikanischen
Mammut-Presse, erfunden und gebaut von der heute
noch bestehenden Firma Hoe &Co. in Newyork,wurde
letzteres System in bezug auf die Menge der Ab¬
drücke auf das höchste ausgebeutet, indem acht
Bogen zu gleicher Zeit unter die Trommel geführt
wurden, so daß bei einem Umgänge derselben auch
acht Abdrücke fertiggestellt wurden. Durch acht
Führungen wurden die Bogen, nachdem sie die
Presse verlassen hatten, auf Haufen gelegt, natür¬
lich ungefalzt, denn Falzvorrichtungen entstanden
sehr viel später; in Deutschland erst im Jahre 1874.
Welchen Umfang die Mammut-Presse sonst noch
besessen hat, möge
aus folgender Dar¬
stellung hervorgehen: -
sie hatte 1200 Räder,
400 Scheiben, 202
hölzerne Rollen oder
Walzen, 400 Führ-
bänder, 6000 Schrau- mttm ■■ Ifc
benbolzen, ungerech- rn**
net die andern
Sämtliche zu bewe¬
gende Teile wurden
durch 500 Yard Rie-
men und Schnuren :
in Umtrieb gesetzt. Schnellpresse mit 10 Druckzyllnder
Eine Zählvorrichtung geschlossenen Schriftformen. Von R. /
für die bewirkten Abdrücke war vorn an der Maschine
angebracht, sie machte deren 50000 bis 60000 in
den drei Stunden von 9 bis 12 Uhr täglich, im
Zeltungsschnellprcsse für den Druck von zylindrischen Platten
Von H. Marinoni in Paris
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noch so geschätzten Pressen beseitigt und an ihren
Stellen zwei Maschinen mit liegender Typentrommel
und je vier Druckzylindern aufgestellt. Es waren
dies sogenannte Blitzpressen, von denen jede 5000
Bogen in der Stunde lieferte.
Mit zwei solcher Pressen
konnte die damalige Auflage
der New York Sun in der Höhe
Schnellpresse mit Auers Einlege- und Schneideapparat zum Druck von
Schriftsatz und endlosem Papier (Auerpresse). Erbaut im Jahre 1859
von 35000 Abzügen bewältigt werden. Aber bald stieg
die Auflage auf 50000 Abzüge, zu deren Lieferung
die im vorstehenden skizzierte Mammut-Presse ge¬
baut und aufgestellt wurde. Diese Art von Maschinen,
so sehr solche auch an die Grenze der Vollkommen¬
heit heranreichen mochten — wenigstens nach da¬
maligen Begriffen —, zeigten jedoch auch mancherlei
Mängel in bezug auf eine sehr verwickelte Anord¬
nung von Führungsbändern, die bei der bekannten
Eile des Zeitungsdruckes oft schwer empfunden wur¬
den. Außerdem erforderten diese Maschinen ein be¬
deutendes Bedienungspersonal,wiez.B. inderTimes-
Druckerei in London seinerzeit für jede Zeitungs¬
maschine außer der sonstigen Abwartung allein acht
Bullocks Schnellpresse für Druck von zylindrischen Platten
und endlosem Papier (Bullockpresse)
Mann zum Einlegen der Bogen und acht Mann zum
Abnehmen der Drucke erforderlich waren.
So war das Augenmerk der Maschinenbauer darauf
gerichtet, diese umständlichen Manipulationen durch
einfachere Mittel zu ersetzen, und diese fand man in
der Anwendung des endlosen Papiers beim Druck
auf hierfür geeigneten Rotationsdruck-Maschinen,
letztere so genannt, weil die Druck- und Platten¬
zylinder sich stets in einer Richtung kontinuierlich
drehen, das Papier aber von einer sich abwickelnden
Rolle entnommen wird. An Stelle der mehrfach er¬
wähnten Typentrommel traten nun rotierende, mit
Stereotypplatten gepanzerte Zylinder.
Der Druck mit endlosem Papier ist zwar in Ame¬
rika schon in den vierziger Jahren des letzten Jahr¬
hunderts versucht worden, wo man die Buchdruck¬
maschine in direkte Verbindung mit der Papierma¬
schine brachte. Auch der Versuche des Hofrats Auer
in Wien, Direktors der dortigen Hof- und Staats¬
druckerei, Rollenpapier auf einfachen Schnellpressen
zu bedrucken, ist zu gedenken. In beiden Fällen wur¬
den jedoch weder dauernde noch günstige Erfolge er¬
zielt. Dies gelang erst dem Amerikaner William Bul-
lock mit seiner Bullock-Press, bei der sich das Papier
von der oberhalb der Zylinder befindlichen Rolle
ruckweise in Bogenlänge bewegte, der Bogen abge¬
schnitten, auf der einen Seite bedruckt und auf den
Widerdruckzylinder übergeführt wurde, von dem
er auf den Auslagetisch gelangte. Sowohl Auer als
auch Bullock feuchteten das Papier vorher an. In Eng¬
land war auf der Londoner Weltausstellung vom Jahre
1862 das Modell einer Maschine zum Druck von end¬
losem Papier ausgestellt, herrührend von dem Ame¬
rikaner Welkinson. Dieses Modell soll dem späteren
Erbauer der Walter-Presse, so genannt nach dem
Besitzer der Times, zum Vorbild gedient haben. Diesfe
Maschine leistete bei gewöhnlichem Gange etwa
12000 zweiseitig bedruckte Bogen in einer Stunde.
Die Papierrolle befand sich unten am Boden, das sich
abrollende Papier gelangte zunächst zu einem Feucht¬
apparat und dann zu den mit Stereotypplatten be¬
deckten Schön- und Widerdruckzylindern. Der be¬
druckte Bogen kam sodann in den Schneideapparat,
um nach der Teilung durch Bänder zu dem Auslage¬
tisch geführt zu werden.
Die Möglichkeit, von endlosem Papier zu drucken,
hatte Friedrich König in seiner Ansprache an die
Buchdrucker bereits im Jahre 1833 für leicht aus¬
führbar gehalten.
Die ersten Rotationsdruckmaschinen auf dem Fest¬
land wurden von der Times in London für die Drucke¬
rei der Presse in Wien 1873 geliefert. Diese zwei
Walter-Pressen waren u. a. für die Herstellung des
Wiener Weltausstellungs-Kataloges durch den tech¬
nischen Direktor der Presse, H. Lott, in England an¬
gekauft worden.
Der Bauart der Walter-Presse ist eine deutsche
Fabrik, die Maschinenfabrik Augsburg in Augsburg
bei Herstellung ihrer Rotationsdruckmaschinen ge¬
folgt. Sie hat zuerst in Deutschland, und zwar im
Jahre 1872, mit dem Bau von Rotationsmaschinen
begonnen und erschien im Jahre 1873 auf der Wie¬
ner Weltausstellung bereits mit einer verkleinerten
334
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Original frorn
PR1NCETON UNIVER5ITY
Walter-Presse, die indes mit dieser nur die Stellung
der vier Hauptzylinder gemein hatte, im übrigen aber
wesentliche Änderungen zeigte. Aus der beigegebenen
Abbildung dürfte
die einfache Bauart
dieser Maschine
leicht zu ersehen _
trennt und durch
Bandleitungen nach
zwei Ausgängen be¬
fördert.
rate wurden erst ein Jahr später gebaut.
Zylinder, von dort durch ein schwingendes Walzen-
und Bändersystem nach vier verschiedenen Falzap¬
paraten. Diese Maschine machte in der Stunde etwa
5500 Touren und
war IOV 2 ni lang.
Nach Schluß der
Weltausstellung
wurde sie vom Be¬
sitzer der Vossi-
schen Zeitung in
Berlin für den Preis
von 108000 Mark
angekauft und im
April 1874 in Be¬
trieb gesetzt.
Von diesem Zeit¬
punkte an fand die
Rotationsdruckma¬
schine eine ziem¬
lich rasche Aus¬
breitung, soweit die
wenigen Fabriken, die sich mit deren Herstellung
befaßten, den zahlreichen Bestellungen folgen konn¬
ten. Schon der gegenseitige Wettbewerb der großen
Zeitungsbetriebe drängte ganz von selbst darauf¬
hin, in der beschleunigten Fertigstellung der Tages¬
zeitung zugleich das Mittel für eine größere Aus¬
breitung der Presse zu erblicken. Diese plötzliche
Umgestaltung des Zeitungswesens, die Möglich¬
keit, selbst größere Auflagen binnen weniger Stunden
in das Publikum zu werfen, bildete die Unterlagen
für das Inslebentre-
ten umfangreicher
und gutfundierter
Zeitungsgesellschaf -
ten, die sich in der
Hauptsache die Her¬
ausgabe sogenannter
unparteiischer oder
neutraler Organe an¬
gelegen sein ließen,
welche mittels des
niedrigen Abonne¬
mentspreises große
Auflagen hatten und
auf Schaffung neuer,
großartiger Maschi¬
nenkonstruktionen
einwirkten. Aus der
hierneben abgebildeten ersten einfachen achtseitigen
Rotationsdruckmaschine sind heute solche bis zu
achtfacher Mengeherangewachsen, deren allmähliche
Gestaltung eine kurzgefaßte Würdigung finden muß,
um zu erkennen, in welch ausgedehntem Maße die
Konstrukteure der Rollenmaschinen bemüht gewesen
sind, den fortgesetzt gestiegenen Anforderungen
Walters Zeitungsschnellpresse für Druck von zylindrischen Platten
_ . und endlosem Papier (Walter-Presse)
Falzappa-
Diese
Augsburger Maschine druckte achtseitige Prospekte
in Format 52: 77, die Schnelligkeit war 10000 bis
12000 Bogen in der Stunde. Der Raumbedarf von
4 m Länge, 2,70 Breite und 1,70 Höhe kann als
äußerst gering bezeichnet werden. Der Preis war
30000 M. Die erste Maschine dieser Art ging in die
Spaarmannsche Druckerei nach Oberhausen, die
zweite kam nach Dresden zu Liepsch & Reichardt
in die Dresdener Nachrichten, und die dritte nach
Leipzig ins Biblio¬
graphische Institut,
um hier dauernd zum
Werkdruck (Meyers
Konversations-
lexikon)Verwendung
zu finden.
Neben der Augs¬
burger Rotationsma¬
schine war auf der
Wiener Weltausstel¬
lung von der Firma
G. Sigl in Wien eine
solche von wesent¬
lich größerem For¬
mat ausgestellt, auf
derdielnternationale
Ausstellungszeitung
sowie auch eine Beilage zur Neuen Freien Presse
(16 Kolumnen, Formatgröße 96:126 cm) hergestellt
wurde. Was die Konstruktion anbelangt (eine Ab¬
bildung war nicht erhältlich), so befand sich der Platz
für die Papierrolle oben an dem Schneidezylinder,
die Bogen wurden also vor dem Druck abgeschnitten,
gingen dann mit Führungsbändern durch die Druck-
Erste deutsche Rotationsdruckmaschine
Erbaut im Jahre 1873 von der Firma Maschinenfabrik Augsburg, Augsburg
Original from
PRINCETON UNIVERSITY
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
gerecht zu werden. Die Auswahl in den vorhandenen
Systemen ist eine derartige, daß allen Wünschen be¬
züglich der Eigenart des Betriebes Rechnung ge¬
tragen werden kann, was eine ständige Verschiebung
und Veränderung der Erzeugung ganz wesentlich er¬
leichtert. Manche Rotationsmaschine befindet sich
unter diesen Umständen auf der Wanderung, sie wird
durch die fortgesetzt gestiegenen Ansprüche des Le¬
sepublikums gegen vollkommenere und leistungs¬
fähigere Typen abgelöst. War es zu Anbeginn des
Rotationsdruckes nur den kapitalkräftigen Offizinen
der Großstadt möglich, sich den Segen der Endlosen
zunutze zu machen, so hat diese in der Gegenwart
selbst in dem kleinsten Provinzstädtchen eine Stätte
gefunden, denn die unscheinbare vierseitige Rota¬
tionsmaschine ist wie keine andre geeignet, auch den
immer höher anschwellenden Auflagen der Kreis¬
blätter eine schnellere Herstellung zu sichern, als
wie es mit einfachen Schnellpressen, ja selbst Doppel¬
pressen möglich ist.
Für mittlere und große Betriebe wird gegenwärtig
die Zwillingsrotationsmaschine bevorzugt, weil sich
in dieser Konstruktion vielerlei Vorteile vereinigen,
die in den früher bestehenden 8- und löseitigen ein¬
fachen Pressen vermißt wurden. Die allgemeinen Vor¬
züge der Zwillingsrotationsmaschine gegenüber dem
einfachen Ursprungssystem lassen sich in der Haupt¬
sache dahin zusammenfassen, daß sie eine viel weit¬
gehendere Variation in der Zahl der mit dem Haupt¬
blatte gleichzeitig gedruckten und darin eingefalzten
Beilagen ermöglicht, weshalb der Umfang einer Zei¬
tung besser den wesentlichen Bedürfnissen angepaßt
werden kann. So können mit einer 8seitigen Zwil¬
lingsrotationsmaschine ganz nach Belieben 8-, 6-, 4-
oder 2seitige Zeitungen, mit einer 16seitigen Zwil¬
lingsrotationsmaschine 16-, 12-, 10-, 8-, 6-, 4- und
2seitige Exemplare hergestellt werden, ohne daß Bei¬
lagen in besonderen Auflagen gedruckt und mit der
Hand eingefalzt werden müssen, was bei Anwendung
von einfachenRotationsmaschinen nicht zu vermeiden
ist. Im weiteren kann der Betrieb mit einer Zwil¬
lingsrotationsmaschine schon deshalb als ein zuver¬
lässiger bezeichnet werden, weil eine solche aus zwei
verkuppelten einfachen Rotationsmaschinen, aber mit
gemeinsamen Falzern, Sammlern und Auslegern be¬
steht, von denen eine beliebig schnell und leicht außer
Betrieb gestellt werden kann, während die andere die
Reservemaschine bildet, die noch einen Behelf bietet,
wenn z. B. bei einem Druckwerke etwas passieren
sollte. Beim Vorhandensein einer nur einfachen Ma¬
schine würde dies eine längere Betriebsstörung nach
sich ziehen.
Dieser Fortschritt in der Vervollkommnung der
Konstruktion, der allerdings schon etwa 15 Jahre
zurückliegt, brachte es ganz von selbst mit sich, daß
der Bau noch größerer Maschinen, als die 16seitigen
ins Auge gefaßt werden konnte, um den stetig stei¬
genden Auflagen unserer Zeitungen gerecht zu wer¬
den. Außer der 24seitigen ist es zurzeit die 32-
seitige Zwillingsrotationsmaschine, die weitgehenden
Ansprüchen zu genügen imstande ist, denn sie druckt
sowohl 32seitige als auch 28-, 24-, 22-, 20-, 18-, 16-,
14-, 12-, 10-, 8-, 6-, 4- und 2seitige oben aufge¬
schnittene, ineinandergefalzte Exemplare bei einer
Geschwindigkeit von 10000—12000 in der Stunde.
Bis zu 16 Seiten Umfang findet die doppelte Produk¬
tion statt infolge zweifacher Stereotypie.
Aber selbst mit solchen Vierrollen- oder doppelt¬
breiten Zweirollenmaschinen scheint der Höhepunkt
der modernen Zeitungsmaschine noch lange nicht
erreicht zu sein, nachdem vor wenigen Jahren die
sogenannten Dreideckermaschinen seitens deutscher
Firmen auf den Markt gebracht wurden, die den Her¬
ausgebern umfangreicher und in hohen Auflagen er¬
scheinenden Zeitungen mehr als bisher die Möglich¬
keit gewähren, eine Druckmenge von beliebiger Höhe
in erstaunlich kurzer Frist zu bewältigen. Wer des
Morgens eine solche Zeitung in der Hand hält, der
ahnt wohl kaum etwas davon, daß der Einlauf der
letzten Depeschen bis in die tiefe Nacht hinein ab¬
gewartet werden konnte, weil der Druck der Auflage
selbst wenig Zeit in Anspruch nimmt, infolge einer
Riesenmaschine, die bereits seit einigen Jahren ganz
erstaunliche Proben ihrer Leistungsfähigkeit gegeben
hat. Auf ihr können in der Regel 24000 Exemplare
24 seitiger Zeitungen in der Stunde geliefert werden,
alles ineinandergefalzt, oder 12 000 Exemplare zu
48 Seiten, je 24 Seiten ineinandergefalzt, so daß die
Seiten 1—24 und 25—48 je für sich gefalzt aus der
Maschine kommen. Bis zu 24 Seiten ist doppelte
Stereotypie erforderlich, über 24 Seiten kommt nur
einfache Stereotypie in Frage infolge der Eigenart
der Bogenzusammenführung, weil bänderlos, und
des Falzapparates. Zum Druck werden drei doppelt¬
breite Papierrollen von je 126 cm Breite verwendet.
Dieses Maschinenungeheuer ist deutsches Erzeugnis,
womit der Beweis erbracht sein dürfte, daß die Ent¬
wicklung der Presse nicht zuletzt durch geeignete
Druckherstellung ausreichende Unterstützung findet.
Eine noch etwas vollkommenere Maschine, als die
vorher erwähnte, ist eine Sechsrollenmaschine, die
aus sechs Druckwerken (je zwei Druck- und Platten¬
zylinder und zwei Farbwerken) und zwei bänderlosen
Falzapparaten besteht, welche die Exemplare dreimal
falzen. An jedem Ende der Maschine sind drei Papier¬
rollen übereinander gelagert, für die beiden oberen
Rollen ist die Einrichtung zur Lagerung von Reserve¬
rollen getroffen. Die von sechs Papierrollen sich ab¬
wickelnden Papierstränge gehen zuerst durch die
Feuchtapparate und wenden sich dann den Druck¬
werken zu, um beiderseits in einer Farbe bedruckt zu
werden. Von hier aus laufen sie über verschiedene
336
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Original fro-m
PRINCETON UNIVERSITY
r
Rotationsdruckmaschine für 4seitige Zeitungen
Koenig & Bauer, Maschinenfabrik Kloster Oberzell G.m.b, H., Würzburg
24 seitige Dreirollen-Rotationsdruckmaschine
Vogtländische Maschinenfabrik ( vorm.J. C. & H. Dietrich) Akt.-Ges., Plauen i. V.
Zwillings-Rotationsdruckmaschine für 8-,6*, 4- und 2seitigc Zeitungen. Zwei¬
oder dreimal gefalzt. Schnellpressenfabrik Frankenthal Albert & Co., Akt.-Ges.,
Frankenthal (Rheinbayern)
Zwillings-Rotationsdruckmaschine für 16scitigc Zeitungen
Koenig & Bauer, Maschinenfabrik Kloster Oberzell G. m.b.H., Würzburg
32 seitige Vierrollen-Rotationsdruikmaschine mit zwei Falzapparatcn. Vollständig biinderlos
Schnellpressenfabrik Frankenthal Albert & Co., Akt.-Ges., Frankenthal (Rheinbayern)
Beilage zum Archiv für Buch
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ae werbe i
Co gle
Zu dem Artikel: Zur Entwicklung dgr potationsmaschii
PRINCETON UNIVERSITY
Doppelbreite Vierrollen-Rotationsdruckmaschine für 64seitige Zeitungen. Mit vier biinderlosen Fulzapparaten und zwei getrennten Antriebsvorrichti
Kocnig & Bauer, Maschinenfabrik Kloster Oberzell G.m.b.H., H'iirzburg
Zu dem Artikel: Zin^ntwicklung|der Rotationsmaschinen
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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
Originarfrom
PRINCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Walzen, werden in der Mitte mit einem Längskleb¬
streifen versehen und gelangen dann zu den Trichtern
welche die vereinigten und aufeinandergeklebten
Stränge das erste Mal und zwar in der Richtung des
Papierlaufs falzen. Die auf die halbe Breite zusam¬
mengelegten Papierstränge erhalten nun im Schneid-
und Falzzylinder den zweiten Falz und zwar quer zur
Richtung des Papierlaufes. Von genanntem Zylinder
werden zu gleicher Zeit auch die einzelnen Exem¬
plare abgetrennt und dann durch eine Bandleitung
unter die dritte Falzvorrichtung geführt, welche die
Exemplare mit dem dritten Falz versehen und zwar
wieder in der Richtung des Papierlaufes. Die Falz¬
walzen des dritten Falzes befördern dann die fertigen
Exemplare in zwei Ablegsterne, welche sie auf zwei
Ausführvorrichtungen abladen. Werden die Papier¬
stränge auf die beiden Falzapparate verteilt, so sind je
nach der Anzahl der Stränge und ihrer Breite stünd¬
lich 44000 Exemplare ä 4, 6, 8, 10 und 12 Seiten
herzustellen, werden dagegen alle Papierstränge
einem Falzapparat zugeführt, so ist die Herstellung
von stündlich 22000 Exemplaren ä 14, 16, 18, 20
22 und 24 Seiten möglich. Die eigenartige Anord¬
nung des Druckwerkes und ihrer Antriebe gestattet
aber nicht nur Exemplare herzustellen, deren Bogen
auf beiden Seiten in einer Farbe bedruckt sind, son¬
dern ermöglicht verschiedenartigste Führung der
Papierstränge, so daß einzelne Bogen mit mehrfar¬
bigem Schön- und Widerdruck (bis zu fünf Farben)
versehen werden können.
Mit diesen Darlegungen ist der Entwicklungsgang
der deutschen Zeitungsrotationsmaschine bis zur
höchsten Stufe noch keineswegs erschöpft, wie eine
erst vor kurzem fertiggestellte Maschine deutlich be¬
weist. Die Hunderttausende und mehr Tageszeitungen
herstellenden Betriebe sehen sich zur Anschaffung
solcher Rotationskolosse geradezu gedrängt, deren
vielseitige Arbeitsweise die nachstehende kurze Er¬
läuterung zeigen soll. Es handelt sich um eine nach
Berlin gelieferte Rotationsmaschine zum Druck von
64seitigen Zeitungen. Die Maschine besteht aus zwei
vollständig symmetrischen Teilen, deren jeder seinen
eigenen Antrieb besitzt, damit bei Herstellung von
32 Seiten oder darunter jede Hälfte der Maschine
für sich allein laufen kann. Diese Arbeitsweise ist
sowohl mit einfacher als auch mit doppelter Produk¬
tion möglich. Die Maschine ist derart eingerichtet,
daß sich auf Wunsch noch zwei weitere Bogenaus¬
gänge anbringen lassen, damit bei einer Produktion
von 8 Seiten oder darunter auf jeder Hälfte auch vier¬
fache Produktion erzielt werden kann. Eine Kuppe¬
lung verbindet beide Maschinenhälften zu einem Gan¬
zen, wenn sämtliche Papierstränge für ganze oder
halbe Produktion nach einem Falzbau geleitet werden
sollen. In diesem Falle wird nur der andre Falzbau
abgestellt (die ganze Produktion bewegt sich zwischen
64 und 36 Seiten, die halbe Produktion zwischen 32
und 18 Seiten). Jeder der beiden Falzbaue ist zum
Abstellen eingerichtet, so daß es ganz im Belieben
des Maschinenmeisters steht, welchen er zur Arbeit
benutzen will. Diese 64seitige Zeitungsmaschine
macht sonach an die Fortschritte unsrer Zeit alle er¬
denklichen Zugeständnisse, dabei ist sie in allen
Teilen leicht zugänglich, die Papierläufe sind ver¬
hältnismäßig kurz, während sich die Papierstränge
leicht und schnell einziehen lassen. Das Auflegen
sämtlicher Platten geschieht, ohne daß eine Auftrag¬
walze herausgenommen zu werden braucht, was für
die Schnelligkeit beim Zeitungsdruck sehr wichtig ist.
Das Umstellen der Maschine vom größten bis zum
kleinsten Produkt erfolgt durch wenige Handgriffe,
ebenso sind die Falzwalzen und Bogenausgänge so¬
fort regulierbar. Die stündliche Leistung gestaltet
sich wie folgt:
12 000 Exempl. zu 64,60,56,52,48,44,40,36 Seiten
24000 „ * 32,30,28,26,24,22,20,18 „
36000 „ „ 20
48000 „ „ 16,14, 12,10,8,6 und 4
alles aufgeschnitten und in halber Seitengröße auf¬
einander gefalzt.
64seitige Zeitungen! In dieser Ziffer offenbart sich
doch ein recht gewaltiger Fortschritt gegenüber dem
schüchternen Beginnen des deutschen Rotations¬
druckes vom Jahre 1873. Man ersieht hieraus, wel¬
chen ungeheuren Aufschwung das Zeitungsgeschäft
genommen hat. Maschinen von solchem Umfange
sind aber keineswegs als Einzelerscheinungen zu
betrachten, denn es befinden sich bereits weitere
im Bau. Die Notwendigkeit solcher Maschinen mit
ungeheurer Mengeleistung mußte sich durch die
Steigerung der Auflagen von selbst ergeben und ist
es noch nicht abzusehen, welche Überraschungen im
Bau von Zeitungsmaschinen der Fachwelt noch Vor¬
behalten sind.
Ein ganz wesentlicher Vorteil der zuletzt beschrie¬
benen Rotationstypen liegt hauptsächlich in der Schaf¬
fung bänderloser Falzapparate, auf welcher Neuerung
sich das Prinzip der doppelbreiten Rotationsmaschine
gewissermaßen aufbaut. Während bei den gewöhn¬
lichen Bändermaschinen die einzelnen Bogen, aus
denen das fertige Exemplar gebildet wird, gleich nach
dem Druck vom endlosen Papierstrang abgetrennt und
mittels Bandleitungen den Sammel- und Falzvorrich¬
tungen zugeführt werden, erfolgen bei den Maschinen
mit bänderlosem Falzapparat die Falze noch am end¬
losen Papierstrang, von dem dann die fertigen Exem¬
plare abgetrennt werden. Es ist deshalb eine Füh¬
rung durch Bänder nicht mehr notwendig, der Falz
somit ein bänderloser.
Bei den gewöhnlichen Rotationsmaschinen werden
alle Bogen, die eine Zylinderumdrehung erzeugt,
zu einem Exemplar vereinigt, dessen Seitenanzahl
337
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so groß wie die Anzahl der in der Maschine befind¬
lichen Kolumnen ist, bei dieser neuen bänderlosen
Maschinenart dagegen zu zwei Exemplaren, deren
Seitenzahl die Hälfte der in der Maschine befind¬
lichen Kolumnen beträgt, da der Umfang der Platten¬
zylinder gewöhnlich zwei Bogenhöhen entspricht.
Während demnach bei den Bändermaschinen, soweit
es die einfache Produktion betrifft, von jeder Seite
des Exemplares sich nur je eine Druckplatte in der
Maschine befindet, müssen für die Maschine mit
bänderlosem Falzapparat von jeder Seite zwei Druck¬
platten hergestellt werden. Wie schon hervorge¬
hoben, eignen sich diese Maschinen in der Haupt¬
sache zur Herstellung von Zeitungen mit großer Auf¬
lage, zu deren Bewältigung schon jetzt zwei oder
mehrere Maschinen von gewöhnlicher Bauart not¬
wendig sind. In diesem Falle müssen von jeder Seite
der Zeitung ebenfalls schon zwei oder mehrere
Druckplatten hergestellt werden. Für solche Betriebe
bietet diese neue Art von Maschinen aber nicht nur
den Vorteil, daß das Falzwerk vollständig ohne Bän¬
der arbeitet (was sicher jeder Fachmann zu schätzen
weiß), sondern bedingt auch große Raumersparnis,
da diese Maschinen die gleiche Leistungsfähigkeit
besitzen wie zwei, drei oder vier Maschinen von ge¬
wöhnlicher Bauart, aber weit weniger Platz bean¬
spruchen. Je nach der Anordnung von zwei, drei
oder vier Falzapparaten kann die Leistungsfähigkeit
derselben Maschine für Exemplare entsprechend ge¬
ringerer Seitenzahl auf das Vier-, Sechs- und Acht¬
fache erhöht werden, wie das aus den auf der vor¬
hergehenden Seite gemachten Angaben bereits her¬
vorging.
Angesichts der Tatsache, daß heute in Deutschland
nicht weniger als 48000 Exemplare einer löseitigen
Zeitung pro Stunde hergestellt werden, drängt sich
der Wunsch auf, Vergleiche mit der Leistung der
früheren Holzpresse anzustellen, um die durch den
Menschengeist bewerkstelligten Fortschritte so recht
deutlich vor Augen zu führen. Ich will nur ein Bei¬
spiel geben, das den Unterschied zwischen einst und
jetzt genügend zeigt. Was heute eine der erwähnten
neuesten Rotationsmaschinen an einem Tage zu
schaffen vermag, dazu gebrauchten früher zwei Hand¬
pressendrucker mehr als ein volles Jahr.
In engster Verbindung mit dem Zeitungsdruck steht
die Herstellung der Stereotypplatten, ohne deren
Vorhandensein die Ausbreitung des ersteren wohl
kaum denkbar erscheint, da die im Anfänge dieses
Aufsatzes erwähnten Typentrommeln, die Mammuth¬
und Applegath-Maschine, an die Einfachheit der
Stereotypie nicht heranzureichen vermochten. Die
Schnelligkeit des Zeitungsbetriebes hat infolge man¬
cher Unvollkommenheiten, wie solche der Warm¬
stereotypie nun einmal anhaften, im Beginn des
Rotationsdruckes manche weniger befriedigende Er¬
gebnisse im Aussehen der Zeitungen aufzuweisen ge¬
habt, bis auch auf diesem Gebiete die Verbesserungen
der Materialien und Apparate helfend und bessernd
eingegriffen, so daß heute fast überall von einem
klaren Zeitungsrotationsdruck gesprochen werden
kann, wozu die Zeilengießmaschinen das ihrige bei¬
tragen. Nicht minder trug hierzu aber auch bei das
Auftauchen der Trockenstereotypie und deren Ein¬
führung in die Praxis. Dadurch wurde dem Präge¬
kalander mehr Aufmerksamkeit zugewendet, die dahin
führen muß, den Klagen über vermehrte Abnutzung
der Schrift beim Kalandrieren der Trockenmater all-
mählichdenBodenzu entziehen. Auchmitdem Gießen
und Fertigmachen derPlatten haben sich gegen früher
recht vorteilhafte Wandlungen vollzogen, die in der
rein automatischen Betätigung der dazu nötigen Appa¬
rate ihren Ausgangspunkt finden. Ich erinnere nur
an die im Archiv für Buchgewerbe, Jahrgang 1905,
Heft 1 beschriebene Autoplate-Maschine des Ameri¬
kaners Henry Wise-Wood, die aus einem Gie߬
mechanismus und einer Reihe von Vollendungs¬
mechanismen besteht, die allesamt in einer Maschine
vereinigt sind und den Guß sowie das Justieren der
Platten automatisch besorgen. Eine Maschine er¬
zeugt drei Platten in der Minute. Von wie großem
Vorteile diese Erfindung für Zeitungsdruckereien ist,
kann daraus ersehen werden, daß für die sieben acht¬
fachen Rotationsmaschinen der Druckerei der Lloyds
News in London nicht weniger als 784 Stereotyp¬
platten von je 50 Pfund Gewicht nötig sind.
Das Abformen von Druckstöcken.
Von ARNOLD HOFFMANN, Hannover.
f
AS Abformen von Druckstöcken (Klischees)
ist im Laufe der Jahre von den ersten An-
fängen bis zu dem heutigen technischen Stand¬
punkte in so vielen Arten und in so verschiedener
Weise ausgeführt worden, daß es von Interesse sein
wird, die einzelnen Verfahren, wenn auch nur in ge¬
drängter Kürze, kennen zu lernen. Aus kleinen An¬
fängen heraus, mit den einfachsten Mitteln beginnend,
hat der nimmer rastende Geist des Menschen auch
diesen Zweig der vervielfältigenden Kunst zu hoher
technischer Vollkommenheit ausgebaut.
Der bekanntlich schon lange Zeit vor Erfindung
der Buchdruckerkunst ausgeübte Druck von Ab¬
bildungen geschah bis vor noch gar nicht zu langer
Zeit im allgemeinen von den Originalplatten. Die
ersten Anfänge der Vervielfältigung von Druckstöcken
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Original frorn
PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
gehen jedoch bis in die erste Zeit kurz nach Erfindung
der Buchdruckerkunst zurück. Es war ja auch so
naheliegend, die Verzierungen, Initialen und Abbil¬
dungen in ähnlicher Weise wie die Buchstaben aus
Metall herzustellen, also zu vervielfältigen. Die älteste,
einfachste der verschiedenen im Laufe der Zeit an-
gewendetenVervielfältigungsarten ist das sogenannte
Abklatschverfahren, das sich in mehr oder weniger
veränderter Form bis in die neuere Zeit erhalten hat.
In einen kleinen Behälter, ein Kästchen aus
Pappe oder Eisenblech, wurde geschmolzenes Blei
gebracht und in das noch flüssige Metall der zu ver¬
vielfältigende Druckstock gedrückt. Dieser Abdruck
wurde nach Erkalten als Matrize benutzt. Entweder
wurde eine bei niedrigerem Grade schmelzende
Legierung in die Matrize hineingegossen, oder die
Matrize wurde mit einem Handgriff versehen in leicht¬
flüssiges geschmolzenes Metall hineingedrückt, in
gleicher Weise, wie dies vorher bei Herstellung der
Matrize selbst geschehen war. Um das Anhängen
des Metalls zu verhindern, wurde die Matrize mit
Graphit oder dergleichen eingerieben. Eine genauere
Beschreibung der einzelnen Verfahren würde über
den Rahmen dieser Abhandlung hinausgehen. Auch
weiterhin soll immer nur das Notwendigste, zum
allgemeinen Verständnis Erforderliche angegeben
werden.
Durch die Anfang des neunzehnten Jahrhunderts
von Stanhope gemachte Erfindung der Gipsstereotypie
war ein bedeutender Fortschritt in dem Abformen
von Druckstöcken, der Herstellung von Klischees, zu
verzeichnen, denn die mit diesem Verfahren her¬
gestellten Abgüsse zeichneten sich durch große
Schärfe aus. Zur Anfertigung eines solchen Klischees
wurde das in einen Rahmen geschlossene Original
sorgfältig geölt. Auf den Schließrahmen wurde als¬
dann ein zweiter, der sogenannte Aufsetzrahmen
gelegt und in ihn ein Gipsbrei von entsprechender
Festigkeit gegossen, dem auch wohl ein bestimmter
Prozentsatz gelöschter Kalk beigemengt worden war.
Sobald die Masse genügend fest geworden war, wurde
die Gipsmatrize mit dem Rahmen vorsichtig von der
Form abgehoben, die Matrize aus dem Rahmen ge¬
nommen, zurechtgeschnitten, mit Gießrinnen ver¬
sehen und in einem besondern Ofen getrocknet. Zum
Guß wurde eine besondere Gießpfanne verwandt, die
aus der eigentlichen Pfanne, einer in diese hinein¬
passenden Eisenplatte (dem sogenannten Schwimmer),
dem Deckel und dem Bügel bestand. Dieser Apparat
sowie die Matrize wurden genügend erwärmt. Auf
den Boden der Pfanne wurde dann die Eisenplatte
und auf sie, mit dem Bilde nach unten, die Gips¬
matrize gelegt, worauf der Deckel mit dem Bügel
aufgeschraubt wurde. Mittels eines Krahns wurde
sodann der ganze Apparat in das flüssige Metall des
Schmelzkessels gesenkt, wobei durch die an den
Ecken des Deckels befindlichen Öffnungen das flüssige
Metall in die Pfanne floß, das vermöge seines spezi¬
fischen Gewichtes die Eisenplatte hoch hob und sie
mit der daraufliegenden Matrize an den Deckel der
Pfanne preßte. Durch die Gießrinnen gelangte das
Metall zwischen die schwimmende Eisenplatte und
die Matrize, es entstand der Abguß. Nach Heraus¬
heben und Erkalten der Gießpfanne wurde die Platte
aus der Matrize geschlagen, vom Gips befreit und
das Klischee fertiggemacht (justiert).
Außer diesem Gießverfahren kam im Laufe der
Zeit noch ein zweites zur Anwendung, das von Daul6
erfunden war. Hier bestand die Gießpfanne aus zwei
mit Scharnieren verbundenen Eisenplatten, zwischen
die die Matrize gelegt wurde. Der Guß wurde mit
dem Gießlöffel in gleicher Weise wie beim heutigen
Papierstereotypieverfahren ausgeführt.
Während bei dem früher erwähnten Abklatschver¬
fahren von einer Matrize mehrere Klischees erhalten
werden konnten, war von der Gipsmatrize stets nur
ein Abguß zu erzielen. Dafür zeichnete sich aber
das Klischee durch ganz besondre Schärfe aus, so
daß in dieser Beziehung die Gipsstereotypie lange
Zeit als das beste Verfahren gelten konnte.
In den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts
wurde die Papierstereotypie erfunden, die auch heute
noch bei Herstellung von Klischees vielfach zur An¬
wendung gelangt. Die allgemeinen Vorteile dieses
Verfahrens der Gipsstereotypie gegenüber gelten auch
hier, nämlich die schnelle und leichte Herstellungs¬
art, die Anfertigung mehrerer Abgüsse von einer
Matrize und die Billigkeit. Leider läßt sich aber das
Verfahren, das ja so allgemein bekannt ist, daß es
hier nicht näher beschrieben werden braucht, bei
Herstellung von Klischees nach Holzschnitten oder
sehr feinen Gravuren nicht immer anwenden, denn
durch das heiße Trocknen der Matrize platzen oder
zerreißen in den meisten Fällen die Holzschnitte und
werden samt der Mater unbrauchbar. Der Papier¬
stereotypie war es daher nicht möglich, die Gips¬
stereotypie bei Herstellung von Klischees zu ver¬
drängen. Dies gelang erst der Galvanoplastik.
Die Papierstereotypie suchte man durch die so¬
genannte Kaltstereotypie, sowie durch die Trocken¬
stereotypie, auch Kalanderstereotypie genannt, zur
Herstellung von Klischees verwendbar zu machen.
Bei der Kaltstereotypie wird die Mater in gewöhn¬
licher Weise durch Bürstenschlag und kurze Pressung
hergestellt, die noch nasse Mater alsdann abgehoben,
in einen Rahmen gespannt und besonders getrocknet.
Bei derTrockenstereotypie dagegen werden, wie schon
der Name sagt, die Matrizen auf trocknem Wege her-
gestellt. Für diesen Zweck werden besondere im
Handel zu habende Matrizentafeln angefertigt. Ein
entsprechend großes Stück, dem durch Einlegen in
feuchte Makulatur ein gewisser Feuchtigkeitsgrad
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gegeben wird, wird auf den zu vervielfältigenden
Druckstock gelegt, mit Fließpapier und Prägefilz über¬
deckt und dann die Matrize durch den starken Druck
eines Kalanders geprägt. Nach kurzem Trocknen der
Matrize kann das Klischee gegossen werden.
Bei diesen beiden Verfahren werden wohl die Holz¬
schnitte geschont, aber feinere Zeichnungen erhalten
leider nur eine Wiedergabe von geringer Schärfe.
Auch andre Originalklischees, z. B. feine Gravüren
in Blei, feinste Zinkätzungen usw. lassen sich durch
die Papierstereotypie, selbst bei gutem Trocknen
unter der Presse, nur mangelhaft wiedergeben, da
die Papierfaser weder in dem gleichem Maße wie
etwa Gips in die feinsten Vertiefungen hineindringt,
noch sich durch starkes Pressen hineintreiben läßt.
Durch Verwendung von Indiaseidenpapier zur Matrize
wurde versucht, dem Übelstande Abhilfe zu schaffen,
und tatsächlich wurden gute Erfolge erzielt. Auch
das Aufstreichen einer aus Graphit und Gummi oder
Leim bestehenden Masse, die nach dem Trocknen
fest an der Matrize haftete und die eigentliche Zeich¬
nung des Originals enthielt, wurde zur Erzielung eines
guten Ergebnisses angewandt.
Ein dem letzteren ähnliches Verfahren ließ sich
ein dänischer Stereotypeur patentieren. Der leicht
gefettete Druckstock wurde mit einer aus Aluminium¬
pulver und Kasein-Boraxlösung bestehenden Masse
überstrichen, in der sich die feinsten Teile des Ori¬
ginals in der schärfsten Weise wiedergeben. Eine
derartige Matrize soll mehrmaligen Abguß gestatten.
Mit mehr oder weniger günstigem Erfolge wurde
im Laufe der Zeit auch auf andre Weise die Her¬
stellung von Klischees versucht. Teilweise waren
diese Verfahren gute Hilfsmittel für kleinere Buch¬
druckereien, um sich im Bedarfsfälle das eine oder
andre Klischee selbst in mehreren Exemplaren an¬
zufertigen. So wurden Klischees aus Walzenmasse
in der Weise hergestellt, daß in eine Matrize, die ent¬
weder aus Papier oder aus Guttapercha verfertigt
war, ja selbst in einen Abdruck von Siegellack oder
Wachs die flüssige Walzenmasse — Leim und Gly¬
zerin — gegossen wurde. Der Abguß wurde nach
dem Erkalten auf einem Holzblock befestigt (justiert).
Diese Walzenmasseklischees, welche durch Behand¬
lung mit Chromlösungen unlöslich gemacht werden
konnten, besaßen eine ziemliche Widerstandsfähigkeit.
Ferner wurden Klischees aus einer zu gleichen
Teilen aus Gelatinewalzenmasse und aufgelöstem
Kautschuk bestehenden Masse hergestellt, der durch
Zusatz von etwas Schwefel eine gewisse Härte ge¬
geben werden konnte. Auch aus Kautschuk allein
lassen sich Klischees herstellen, die wohl jedermann
in der Gestalt der Kautschukstempel bekannt sein
dürften. Im Buchdruck kamen derartige Kautschuk¬
klischees wohl kaum zur Benutzung, sie können da¬
her hier ganz außer Betracht gelassen werden.
Auch mittels Guttapercha wurden Klischees her¬
gestellt. Ein Stück Guttapercha, das in kochendem
Wasser bis zur leichten Knetbarkeit erweicht worden
war, wurde mit Graphit eingerieben und auf das Ori¬
ginal gelegt. Unter starkem Druck wurde dann in
einer Presse die Guttapercha auf den abzuformenden
Druckstock gepreßt und das Ganze ruhig stehen ge¬
lassen, bis die Guttapercha wieder vollständig erkaltet
und hart geworden war. Hierauf wurde die Matrize
abgehoben, deren Ränder zurechtgeschnitten, alsdann
ein zweites weichgemachtes, gut graphitiertes Stück
Guttapercha daraufgelegt und beide Stücke unter
Druck gebracht. Nach abermaligem Erkalten konnte
das so erhaltene Guttaperchaklischee von der Gutta¬
perchamatrize abgehoben, beschnitten und auf Holz
befestigt werden.
Ein französischer Ingenieur fertigte Klischees aus
Schwefelkies und Schwefel. Beide Substanzen wurden
erhitzt und in flüssigem Zustande auf das Original
gegossen. Nach dem Erkalten wurde die erhaltene
Matrize mit der gleichen flüssigen Masse übergossen
und auf diese Weise das Klischee hergestellt. Diese
Klischees mußten gleich in Schrifthöhe angefertigt
werden, da sie sich, ihrer Sprödigkeit wegen, nicht
nageln ließen.
Ein französischer Bildhauer mit Namen Jannin
stellt Klischees aus Zelluloid her, indem er eine aus
Bleiglätte und Glyzerin bestehende Masse auf das
Original preßte. Nach dem Erhärten der Masse wurde
die Matrize abgehoben und eine entsprechend große
Zelluloidtafel, die durch Hitze erweicht worden war,
unter einem sehr hohen Druck in geheizter Presse
in die Matrize hineingepreßt. Nach vollständigem Er¬
kalten und Erhärten konnte das Klischee durch Auf¬
leimen bzw. Aufkitten auf eine Holz- oder Metallplatte
befestigt werden. Das Verfahren, Klischees aus
Zelluloid anzufertigen, wurde in noch einfacherer
Weise von dem Zelluloidwarenfabrikanten Carl Lorch
in Leipzig ausgeübt. Er benutzte für die Matrize und
das Klischee Zelluloid, stellte erstere aber aus einer
härteren Zelluloidmasse her, während er für das
Klischee selbst eine etwas weichere Sorte benutzte.
Die erwärmte Zelluloidplatte wurde auf das ebenfalls
erwärmte Original gebracht und beides unterDruck er¬
kalten gelassen. Bei Anfertigung des Klischees wurde
die durch Wärme erweichte Zelluloidplatte auf die
kalte Zelluloidmatrize gebracht und geprägt. Später
verwendete Carl Lorch zur Herstellung der Matrize
Ebonit. Die Anfertigung eines Klischees nahm nur
sehr kurze Zeit in Anspruch, dabei ließen sich aber
selbst Autotypien sehr gut vervielfältigen.
Trotz der mancherlei Vorteile der einzelnen Ver¬
fahren werden die mittels ihnen hergestellten Kli¬
schees durch die zu immer größerer Vollkommenheit
gelangten Erzeugnisse der Galvanoplastik weit über¬
troffen. Bei der Galvanoplastik wird ein elektrischer
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Original fro-m
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Strom durch eine Metallsalzlösung hindurchgeführt,
wobei sich durch die an dem positiven Pole (der
Anode) befindlichen Anodeplatte (Kupfer,Nickel usw.)
aus der Lösung positiv wirkende Metallteilchen aus-
scheiden, die sich auf der an dem negativen Pole
(Kathode) befindlichen Kathodenplatte (der Matrize)
als fein kristallinischer Metallniederschlag ablagern.
Professor Jacobi in Dorpat entdeckte 1837 durch Zu¬
fall, daß sich in einem Danielschen Element an einem
an Stelle der Kupferplatte befindlichen Kupferzylinder
metallisches Kupfer angelagert hatte, und daß dieses
Kupfer ingenauester Weise die Oberfläche desKupfer-
zylinders wiedergab. Weitere Versuche bestätigten
in überraschender Weise seine Entdeckung und führ¬
ten zur Erfindung des Verfahrens der galvanischen
Abformung der verschiedensten Gegenstände. Fast
zur selben Zeit, kurz nach der Entdeckung Jacobis,
machte, unabhängig von dieser, auch ein Engländer,
Spencer, die gleiche Entdeckung.
Sehr bald wurde diese epochemachende Erfindung
Allgemeingut und auch die graphische Kunst be¬
mächtigte sich ihrer zur Abformung von Druck¬
stöcken. Durch die vielen Verbesserungen, die im
Laufe der Zeit an derErfindung Jacobis vorgenommen
wurden, ist es möglich geworden, gegenwärtig Gal¬
vanos in derartiger Vollkommenheit herzustellen,
daß ein Abdruck von ihnen von einem solchen des
Originals, selbst wenn dieses die feinste Autotypie
ist, nicht unterschieden werden kann.
In der ersten Zeit konnten galvanische Nieder¬
schläge nur auf Metallen erzeugt werden. Es wurde
daher zuerst von dem metallischen Original galva¬
nisch ein Kupferniederschlag hergestellt und die so
gewonnene Matrize alsdann zur Anfertigung des Gal¬
vanos benutzt, oder der wiederzugebende Gegen¬
stand wurde in ein weicheres Metall (Blei) abgeformt
und diese Abformung als Matrize für den Nieder¬
schlag verwandt. Als der Engländer Murray gefun¬
den hatte, daß sich auch auf Nichtmetallen, sobald
diese mit einem elektrisch leitenden Stoffe, z.B. dem
Graphit überzogen worden waren, ein Niederschlag
herstellen ließe, da war die Möglichkeit gegeben, je¬
den beliebigen Gegenstand abzuformen und galva¬
nisch zu vervielfältigen. Zunächst wurden die da¬
mals zur Abformung von Klischees angewendeten
Gipsmatrizen benutzt, die vorher gegen das Ein¬
dringen der Kupferlösung durch Wachs oder der¬
gleichen geschützt wurden. Ferner wurden Matrizen
aus Siegellack, sowie solche aus Gelatine bzw. Leim
hergestellt. Aber diese Formen wurden bald ver¬
drängt durch das einfachere Verfahren des Ab¬
prägens der Originalformen in Wachs oder Gutta¬
percha, welche beiden Verfahren heute noch üblich
sind.
Wachs sowohl wie Guttapercha werden durch
Wärme erweicht, ein entsprechend großes Stück auf
das in einen Rahmen geschlossene Original gelegt
und die Matrize in einer hierfür geeigneten Presse
geprägt. Nach der Abprägung erfolgt das Graphitieren
der geprägten Form, der Matrize, eine Arbeit, die
mit ganz besonderer Sorgfalt ausgeführt werden
muß, weil von ihr, besonders bei der Herstellung
von Galvanos nach Autotypien, das Gelingen eines
guten Klischees abhängt.
In dem galvanischen Bade erfolgt der Niederschlag
in bereits angegebener Weise entweder durch den
elektrischen Strom einer Batterie oder einer Dynamo¬
maschine. Hat der Metallniederschlag auf der Ma¬
trize die gewünschte Stärke erreicht, dann wird er
von der Matrize losgelöst und nach Entfernung des
daran haftenden Wachses die Rückseite mit Lötzinn
versehen. Die Bildseite des Niederschlags, auch
Hülse genannt, wird zum Schutze gegen etwaiges
Durchbiegen mit einer Kreide- oder Gipsschicht aus¬
gefüllt und darauf das Galvano mit Blei hintergossen.
Nach sorgfältigem Richten und Hobeln wird das
Klischee auf Holz aufgenagelt. Für das Richten des
Galvanos hat die Firma Zierow & Meusch in Leipzig
eine Maschine gebaut, mit der die Klischees in ge¬
nauester Weise bearbeitet werden können.
Die immer hohem Ansprüche, die an die Druck¬
erzeugnisse gestellt werden, besonders die immer
häufigere Verwendung der Autotypie ließen sehr
bald erkennen, daß der Abdruck vom Galvano sich
von demjenigen des Originals unterschied, d. h. der
Druck vom Galvano war nicht so gut als derjenige
vom Original. Der Grund war und ist größtenteils
darin zu suchen, daß infolge des Graphitierens sich
gar zu leicht kleine Fehler einschleichen, die für das
Galvano von Nachteil sein müssen. So blieben z. B.
in den feinsten Vertiefungen Teilchen von Graphit
liegen oder die Matrizen wurden durch das Bürsten
rauh. Zur Verminderung dieses Übelstandes wurde
nun die Wachsplatte bereits vor dem Prägen mit
einem stumpfen Graphit überzogen und nach dem
Prägen der Matrize in einer eigens dafür konstru¬
ierten Graphitiermaschine mit Glanzgraphit graphi-
tiert. Andre wieder, z. B. die Firma Zierow & Meusch
in Leipzig, graphitieren die Wachsmatrizen überhaupt
nicht, sondern machen die Prägemasse durch Zusatz
von Graphit bereits vor dem Prägen durch und durch
leitend.
Wenn durch diese Vervollkommnungen alles er¬
reicht wurde, was sich von einer Wachsmatrize er¬
reichen läßt, so konnte die Wachsmatrize doch noch
nicht den höchsten Anforderungen, z. B. bei Auto¬
typien mit feinstem Raster, gerecht werden. Diesen
höchsten Ansprüchen wurde erst durch die Blei¬
matrize Genüge geleistet.
Bereits Didot in Paris hatte Ende des 18. Jahr¬
hunderts, damals allerdings nur zur Herstellung von
Stereotypien, die Bleiprägung zu Hilfe genommen.
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Gck igle
Original fro-m
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Auch der Erfinder der Galvanoplastik Jacobi benutzte
das Blei zur Herstellung von Matrizen. Für die da¬
maligen Bedürfnisse, wo an Autotypien noch nicht
zu denken war, genügte aber die Guttapercha- bzw.
Wachsmatrize, so daß die Prägung der Matrize in
Blei nicht zu allgemeiner Einführung gelangte.
Dr. E. Albert in München fand nun, als er sich bei
der Herstellung seiner Reliefautotypien, wo bekannt¬
lich die Autotypie auf eine darunterliegende Relief¬
ätzung aufgepreßt wird, des Weichbleis bediente, daß
eine Platte aus diesem Metall ein ausgezeichnetes
Prägematerial für Autotypien sei. Auch von ver¬
schiedenen andern Seiten wurden darauf Versuche
mit Bleiprägung angestellt, wobei sich ergab, daß mit
der nötigen Vorsicht auch unter Zuhilfenahme eines
Kalanders sich sehr gute Matrizen aus Weichblei
herstellen lassen.
Während Dr. Albert seine Forschungen fortsetzte
und in Erfahrung brachte, daß eine auf die Bleiplatte
gelegte Lage Papier soviel Elastizität besaß, um das
Blei in größere Vertiefungen hineinzupressen, ver¬
sah Gustav Fischer, Mitinhaber und Leiter der Gal¬
vanoplastik G. m. b. H. in Berlin, die für die Prägung
zu benutzenden Bleiplatten mit einer doppelten Rif¬
felung, indem er sie einmal in der Längs- und ein¬
mal in der Querrichtung durch ein Walzwerk gehen
ließ, dessen obere Walze geriffelt, die untere da¬
gegen poliert ist. Die Bleiplatte erhält hierdurch auf
der Rückseite kleine Pyramiden, die dazu dienen,
die Platte weicher und elastischer zu gestalten, so
daß das Blei sich in den großem Vertiefungen tiefer
hineinprägen kann. Mit einer derartig geriffelten
Platte lassen sich Prägungen bis zu etwa 600 qcm
Flächeninhalt bequem vornehmen. Für die Prägung
größerer Flächen hat Dr. Albert ein besonderes Ver¬
fahren erfunden, bei dem die Prägung in einzelnen
Teilen unter Anwendung eines Nebendrucks vorge¬
nommen wird, so daß einzelne Druckansätze nicht
entstehen.
Die Bleimatrize kann, nachdem sie auf der Rück¬
seite und an den Rändern nichtleitend gemacht wor¬
den ist, sofort in das galvanische Bad gebracht wer¬
den. Da Blei ein ausgezeichneter elektrischer Leiter
ist, so schlägt sich das Metall viel schneller nieder
als auf die graphitierten Guttapercha- und Wachs¬
matrizen. Da ferner bei der Metallmatrize das Bad
bedeutend wärmer gehalten werden kann, so kann
natürlich eine höhere Stromspannung angewandt
werden, die eine viel schnellere Herstellung des
Galvanos ermöglicht.
Die Ablösung des Kupferniederschlags von der
Matrize erfolgt durch Erwärmen, wobei sich die bei¬
den Metalle verschieden ausdehnen und voneinander
trennen, ohne daß die Matrize beschädigt wird. Die
Matrize kann daher, wenn erforderlich, mehrere
Male benutzt werden. Die Fertigstellung des Gal¬
vanos erfolgt in der üblichen Weise; Dr. Albert hat
sich aber auch eine Arbeitsmethode schützen lassen,
bei der Arbeit und Zeit erspart wird.
Außer den bereits erwähnten Vorteilen bietet die
Bleimatrize noch den weitern, daß die Prägung kalt
vorgenommen werden kann, wodurch eine größere
Gewähr für genaues Passen bei mehrfarbigen Ab¬
bildungen gegeben ist. Der Hauptvorzug der Metall¬
matrize gegenüber der Wachs- bzw. Guttapercha¬
matrize liegt aber in der originalgetreuen Wiedergabe,
die, weil die Matrize nicht mehr mit Graphit usw. in
Berühung kommt, durch nichts beeinflußt wird. Als
Beweis hierfür sei angeführt, daß sich mit der Blei¬
prägung selbst das feinste Korn einer Heliogravüre
tadellos wiedergeben läßt. Die von Dr. Albert und
Gustav Fischer gemachten Erfahrungen sind von den
beiden Erfindern zu einem Verfahren vereinigt wor¬
den. Ihre Erzeugnisse kommen nun unter dem Namen
Albert-Fischergalvano in den Handel.
Als Ersatz für die Wachsmatrize benutzt die Firma
Zierow & Meusch in Leipzig Matrizen aus Zelluloid,
dessen gute Eignung zu Prägezwecken bereits er¬
wähnt wurde. Die Herstellung von Matrizen erfolgt
derart, daß eine erweichte, vor dem Prägen elektrisch
leitend gemachte Zelluloidplatte mit der polierten
Oberfläche in das Klischee geprägt wird. Um ein
Zusammenschrumpfen der Matrize zu verhindern,
wird ein metallisches Netz mit hineingeprägt. Selbst
Autotypien geben sich in der Zelluloidplatte mit gro¬
ßer Schärfe wieder, so daß auch dieses Verfahren
die Wachsmatrize in vieler Beziehung übertrifft.
Auch für Schriftprägung ist die Zelluloidmatrize von
bedeutendem Vorteil, da wegen des leichten weichen
Druckes selbst zarte Schrift nicht leiden kann.
Von der Firma C. Beensch in Moys bei Görlitz
wird seit kurzer Zeit eine durch Patent geschützte
Bleiwachsmatrize in den Handel gebracht. Diese
Matrize besteht aus mehreren übereinander geschich¬
teten dünnen Bleifolien, zwischen denen sich je eine
dünne Schicht Wachs befindet, so daß das Ganze
eine weiche geschmeidige Platte bildet. Die obere
Schichtseite besteht aus Graphit enthaltendem Wachs,
während die Rückseite der Platte als Isolierschicht
ein mit Wachs getränktes Blatt Papier trägt. Die
Prägung erfolgt entweder in der gleichen Weise wie
diejenige einer gewöhnlichen Wachsmatrize, oder in
noch einfacherer Weise, ähnlich wie die Prägung
einerTrockenstereotype-Matrize, auf einer Kalander¬
presse. Da die fertig geprägte Bleiwachsmatrize nicht
mehr mit Bürste und Graphit zu bearbeiten ist, son¬
dern direkt in das ebenfalls bis zu einem gewissen
Grade angewärmte Bad gehängt wird, so lassen sich
auch mit dieser Matrize Galvanos von original¬
getreuer Schärfe herstellen.
Zum Schluß noch einige Zeilen über Vernickelung
und Nickelgalvanos. Sowohl Schriftmetallklischees
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als auch Kupfergalvanos werden oft vernickelt, das
heißt das betreffende Klischee wird in einem galva¬
nischen Bade mit einem schwachen Nickelüberzug
versehen. Dies geschieht einesteils z. B. bei den
Schriftmetallklischees zur Erzielung einer großem
Widerstandsfähigkeit gegen die Abnutzung, andern-
teils zum Schutz des Kupfers (bei Galvanos) gegen
die chemischen Einflüsse verschiedener Farben.
Naturgemäß kann der Nickelniederschlag bei Ver¬
nickelungen immer nur von sehr geringer Stärke
sein, da sonst die feinere Zeichnung des Bildes
leicht beeinträchtigt werden würde. Die dünnen
Nickelüberzüge sind aber leider trotz ihrer Härte
einer baldigen Abnutzung unterworfen. Man ver¬
suchte daher Nickelgalvanos herzustellen, das heißt
im galvanischen Bade das Nickel direkt auf die Ma¬
trize niederzuschlagen. Da sich aber sowohl Wachs-
wie Guttaperchamatrizen für Nickel nicht in dem
gleichen Maße wie für Kupfer eignen — Nickel z. B.
blättert während des Niederschlagens sehr leicht von
der Wachsmatrize ab —, so konnte zunächst nur Me¬
tall in Frage kommen, auf das sich Nickel in ent¬
sprechender Stärke niederschlagen läßt. Von dem
Originalklischee wurde eine Kupfermatrize herge¬
stellt, und diese für die Anfertigung des Nickelnieder¬
schlages benutzt, wobei mit bedeutend erwärmten
Bädern, also infolge der höheren Stromspannung
schneller gearbeitet werden konnte. Die Herstellung
der Kupfermatrize war aber etwas umständlich, so
daß eine Verbesserung in der Verwendung von
Guttapercha- oder Wachsmatrizen nur willkommen
sein konnte.
Dr. Georg Langbein in Leipzig ließ sich ein Ver¬
fahren patentieren, durch das in einem Bade von be¬
stimmter Zusammensetzung, das mechanisch in stän¬
diger Bewegung gehalten wird, Nickelniederschläge
unmittelbar auf Guttapercha oder Wachs in jeder ge¬
wünschten Stärke erzielt werden können. Für ein
gutes Galvano genügt ein Nickelniederschlag in etwa
Schreibpapierstärke, der im galvanischen Kupferbade
von der Rückseite aus sofort beliebig verstärkt und
dann in bekannter Weise verzinnt und hintergossen
wird.
Die in der Neuzeit zur Anwendung gekommene
Bleimatrize aber dürfte für das Nickelgalvano die
Zeit gebracht haben, in der es zu allgemeinerer Ein¬
führung gelangen kann, denn auf der Bleimatrize
schlägt sich das Nickel ebensogut und ebensoleicht
nieder wie das Kupfer. Die unangenehme Eigen¬
schaft des Abblätterns von der Matrize, wie dies
bei Wachs der Fall ist, ist bei Blei nicht vorhanden,
der Nickelniederschlag ist bedeutend zäher als der
von Kupfer, das Nickelgalvano ist daher bedeutend
widerstandsfähiger, und die verschiedenen Farben
haben auf Nickel so gut wie gar keinen Einfluß. Alle
diese Vorteile können jetzt, da die Bleimatrize eine
leichtere und einfachere Herstellung des Nickelgal¬
vanos gestatten, in der Drucktechnik ausgenutzt wer¬
den, so daß in Zukunft voraussichtlich die Verwendung
von Nickelgalvanos häufiger als jetzt erfolgen wird.
Aus den graphischen Vereinigungen.
Altenburg. Die Graphische Vereinigung beschäftigte
sich in der Sitzung vom 7. Juli 1908 in der Hauptsache mit
den Vorbereitungen für die Ausstellung von künstlerischen
Ansichtspostkarten, die vom 12. bis 19. Juli stattfand und
etwa 1800 Ansichtspostkarten enthielt. Der Vorstand der
Graphischen Vereinigung hatte sich die größte Mühe ge¬
geben, die weiteren Kreise Altenburgs auf die auch für den
Laien lehrreiche Ausstellung aufmerksam zu machen, zumal
sie in ihrer übersichtlichen Anordnung ein Bild von der
großen Leistungsfähigkeit der deutschen Postkartenindu¬
strie bot. Leider war aber der Besuch der Ausstellung ein
so schwacher, daß die sonst so rührige Gesellschaft wohl
zu weiteren derartigen Veranstaltungen nicht ermutigt
worden sein dürfte. -o-.
Bremen. Der Typographische Klub hatte in seiner Juli¬
sitzung wiederum eine Rundsendung, enthaltend Inserate,
ausgestellt, die Herr Biosfeld besprach. Da sich unter den
ausgestellten Beispielen nur wenige Satzarbeiten befanden,
so wurde mit einigen Worten auf die Satzinserate einge¬
gangen und bemerkt, daß eine gezeichnete oder negativ
hergestellte Anzeige zwar immer wirkungsvoller sein werde,
sich aber durch richtige Verteilung von Licht und Schatten
auf einer Seite auch durch gesetzte Anzeigen noch manches
Gute erreichen lasse. — In der Sitzung am 3. August war
Beschluß darüber zu fassen, ob die von derLeipzigerTypo-
graphischen Vereinigung zusammengestellte Ausstellung
von Ansichtspostkarten auch in Bremen gezeigt werden
solle. Trotz der entstehenden hohen Kosten wurde dem
Vorschlag des Vorstandes zugestimmt, die genannte Aus¬
stellung in der Zeit vom 16. bis 31. August zur Schau zu
bringen. -R.
Breslau. In der Sitzung, die die Typographische Gesell¬
schaft am 8. Juli 1908 abhielt, lagen verschiedene Neuein¬
gänge vor, von denen HerrSchultes den Jahresbericht und
die Veröffentlichungen der Gutenberg-Gesellschaft in
Mainz wegen ihrer guten Ausstattung besonders hervor¬
hob. Ausgestellt waren die eingegangenen Entwürfe zu der
Johannisfestkarte, über die noch berichtet werden wird.
Zum Schluß erfolgte die Bekanntgabe der Bedingungen für
den Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen zu dem Gau¬
tagsfestlied.— In derSitzung am 22.Juliberichtete zunächst
Herr Hendel über den Johannisfestkarten-Wettbewerb.
Er bedauerte sehr, daß gerade dieser Wettbewerb eine so
schwacheBeteiligunggehabt habe, und besprach sodann die
einzelnen Arbeiten, denen er im großen ganzen Anerkennung
zollen konnte. Die Preisbewertung hatte folgendes Ergebnis:
Fritz Kresse, I. Preis; Paul Scholz, II. Preis; Carl Neuge¬
bauer, III. Preis; Scholz, Neugebauer und Schmidt lobende
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Anerkennungen. Herr Schmidt berichtete sodann über eine
Rundsendung der Essener Graphischen Vereinigung, die
zum Teil Arbeiten aus Essener Druckereien, zum Teil Wett¬
bewerbs-Arbeiten der noch jungen Vereinigung enthielt.
Der Berichterstatter sprach seine Freude darüber aus, daß
die Essener Vereinigung schon ganz schöne Proben ihrer
Leistungsfähigkeit gegeben habe, die für die Zukunft noch
recht Gutes erhoffen ließen. G-e.
Glogau. In der am 22. Juli 1908 stattgehabten Monats¬
versammlung der Typographischen Vereinigung wurde zu¬
nächst der Rechenschaftsbericht für das zweite Vierteljahr
1908 vorgelegt, der einen Kassenbestand von M 62.73 auf¬
wies. Sodann berichtete der Vorsitzende über das Ergebnis
des Wettbewerbes, den die Typographische Gesellschaft
in Stettin zur Erlangung eines Briefkopfes veranstaltet und
nach hier zur Bewertung eingesandt hatte. Hierauf wurde
beschlossen, den schon früher beabsichtigten Wettbewerb
zur Erlangung von Entwürfen zu einem Briefkopf für die
Vereinigung zur Ausführung zu bringen und die Typo¬
graphische Vereinigung in Leipzig um Übernahme der
Bewertung der Eingänge zu bitten. Eine ausliegende Rund¬
sendung der Firma P.J. Bachem, Köln konnte wegen der vor¬
geschrittenen Zeit nicht mehr besprochen werden. Ksr.
Halle a.S. Die Graphische Vereinigung konnte am 14.Juli
1908 die Feier des fünften Stiftungsfestes begehen, die
im allgemeinen den Charakter eines fröhlichen Kommerses
trug, aber durch einen einleitenden Vortrag des Vorsitzen¬
den F. H. Müller über die Zwecke und Ziele der Vereinigten
Typographischen Gesellschaften Deutschlands eine be¬
sondere Bedeutung erhielt. Der Redner gab sehr beachtens¬
werte Anregungen und erblickt die Aufgabe der Fachvereine
in dem unentwegten Arbeiten für eine weitere machtvolle
Entwicklung der Buchdruckerkunst, damit diese wieder zu
einem echten Kunstgewerbe werde. -er.
Hannover. Die Typographische Vereinigung beriet in
der Sitzung am 30. Juni 1908 die von der Berliner Typo¬
graphischen Gesellschaft gemachten Vorschläge, betreffend
die einheitliche Stärke der Linienbilder. Allgemein wurde
die Festsetzung einheitlich starker Linienbilder mit Ein¬
schluß der doppeltstumpffeinen Viertelcicerolinie als sehr
notwendig erachtet, die endgültige Stellung der Mitglieder
zu den Berliner Vorschlägen aber einer späteren Sitzung
Vorbehalten. Zur Vorberatung neuer Statuten wurden ge¬
wählt die Herren Koppmann, H. Schulze, Staub, Vennekold
und Wandelt. An dem vom Gewerbeverein für Hannover
im Juli wiederum veranstalteten Kursus in der gewerb¬
lichen Buchführung werden sich auch einige Mitglieder
der Typographischen Vereinigung beteiligen. — Am 26. Juli
hielt Herr Wandelt einen Vortrag über: Die Verwendung
der Tonplatte. Durch diesen Vortrag und die sich ihm an¬
schließende Besprechung wurde ungefähr die Grenze ge¬
zogen, bis zu der bei typographischen Wettbewerben die
Tonplatten als gegebenes Material zu betrachten sind. Das
Ergebnis der Erörterungen soll nebst einem Auszug aus
den Wettbewerbsbestimmungen des Verbands der Deut¬
schen Typographischen Gesellschaften dem neuen Statut
angeheftet werden. -ss-.
Leipzig. In der Typographischen Gesellschaft berichtete
am 1. Juli 1908 Herr Graichen über einen in der Gutenberg-
Gesellschaft zu Mainz von Hem Dr. A. Hagelstange ge¬
haltenen Vortrag: Gutenbergs Erbe und die Pflichten der
Gegenwart ihm gegenüber. — Die Sitzung am 15. Juli
brachte zwei technische Erklärungen alter Facbausdrucke,
die sich immer mehr verlieren und nur noch von wenigen
alten Setzern angewendet werden. Herr Kaiser erklärte
das Wort: Parangonieren, das gleichstellen bedeutet und
hauptsächlich beim Ausschlüßen der mathematischen For¬
meln und in der Akzidenz angewendet wurde, wenn in einer
Zeile zwei oder mehrere Schriften in Linie gebracht werden
mußten. Heute spreche man nur vom Über- und Unterlegen.
Herr Schwarz erklärte sodann den anastatischen Druck, der
angewendet werde, wenn die Neuherstellung einer Druck¬
sache aus gewissen Gründen nicht angängig sei oder wenn
es sich um peinlich genaue Wiedergabe des Originales
handele. Die Druckfarbe des Originals werde chemisch
aufgefrischt, so daß sie sich beim Umdrucken vom Papier
löse und auf dem Stein haften bleibe, der dann vom Stein¬
drucker zum Fortdruck fertig gemacht werde. Das Original
werde durch die chemische Behandlung und den Umdruck
wertlos. Dem anastatischen Druck verwandt sei die Photo¬
lithographie, bei der die wiederzugebende Drucksache
mittels photographischen Verfahrens auf den Stein über¬
tragen werde. Die Photolitbographie habe aber den großen
Vorteil, daß das Original vergrößert oder verkleinert
werden könne. Herr Kaiser berichtete über die Wünsche
und Ansichten, die ein Gelehrter in der Berliner Typo¬
graphischen Gesellschaft vorgetragen hat, und bemerkte
hierzu, daß diejenigen Leipziger Druckereien, die mathe¬
matischen Satz hersteilen, die verlangten Zeichen besitzen.
Dem Vorschlag, eine Anleitung für mathematischen Satz
zu schaffen, könne er nicht beistimmen, weil die mathe¬
matischen Werke und das Material der Druckereien zu
verschieden seien. Ein Studium der vorhandenen Lehr¬
bücher genüge völlig. — Am 29. Juli erklärte Herr Uhlig
seine Zeilen-Auftragswalzen, mittels welchen es möglich
ist, gleich den ersten Korrekturabzug in einfachster Weise
farbig herzustellen, ohne erst die einzelnen Formen bauen
zu müssen. Aus den reichen Sammlungen der Typogra¬
phischen Gesellschaft waren Besuchskarten ausgestellt,
die mit der Mitte des vorigen Jahrhunderts beginnend bis
auf die neueste Zeit führten. Nach Erklärung der Worte:
Vor der Schrift (Avant la lettre) wurde noch eine außer¬
ordentliche Generalversammlung abgehalten, in der an
Stelle zweier abreisender Vorstandsmitglieder Herr Kütt-
ner als Kassierer und Herr Hach als Beisitzer gewählt
wurden. B-r.
Leipzig. In der am 1. Juli 1908 stattgehabten Sitzung
der Typographischen Vereinigung waren die im Laufe des
letzten Jahres eingegangenen Schriftgießereineuheiten aus¬
gestellt, über die Herr Pscherra ausführlich berichtete. Er
stellte fest, daß in der Schriftgießerei ein frischer Zug wehe,
zumal sie bestrebt sei, durch Mitarbeitung namhafter Künst¬
ler und tüchtiger Schriftzeichner Gutes auf den Markt zu
bringen. Von Eckmann ausgehend schilderte er die Ent¬
wicklung in dem Schaffen künstlerischer Schriften und
weist darauf, daß in jüngster Zeit der reine Antiqua- und
Frakturschnitt zur Vorherrschaft gekommen ist. Durch die
zu den Schriften geschnittenen passenden Ornamente könne
jetzt auch Einheitlichkeit im Satzbilde erzielt werden. Diesen
allgemeinen Ausführungen schloß sich eine beurteilende
Besprechung der ausgestellten Schriftproben an. Nach
dem Vortrage wurde das Ergebnis der Bewertung des letzten
Preisausschreibens (Briefkopf, Briefumschlag und Post¬
karte für die Vereinigung) bekannt gegeben. Es erhielten:
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I. Preis: R. Sack; II. Preis: Luboch - Schäfer; III. Preis:
R. Schäfer; IV. Preis: A. Steib. — Am 15. Juli hielt Herr
Mauff einen Vortrag über: Deutsche und fremdländische
Interpunktionen, in dem er bemerkte, daß der Meister
der Sprache an der sinngemäßen Interpunktion und an der
Betonung zu erkennen sei. Die Beherrschung der Sprache
könne erreicht werden, wenn die elementarsten Sprach-
kenntnisse geläufig seien. Leider werde aber vor allem die
Interpunktion vernachlässigt und bei ihr wiederum das
Komma, entweder durch falsche Stellung oder durch Weg¬
lassen. An mehreren Beispielen wurden diese Darlegungen
erläutert. Auch die fremdsprachlichen Satzzeichen wurden
eingehend behandelt und zum Schlüsse auf die Wörter¬
bücher von Duden und Weyde, sowie auf das Werk: Hell-
wig, Die Behandlung fremder Sprachen verwiesen. Herr
Friebel besprach sodann noch eine ausgestellte Sammlung
von Festschriften und Programmen zu Buchdruckerfesten,
wobei er betonte, daß sich die technischen Vereine als
vornehmliche Aufgabe stellen sollten, für das Verschwin¬
den minderwertiger Arbeiten zu sorgen. — Am 29. Juli
waren Schülerarbeiten der Königlichen Akademie für
graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig ausge¬
stellt, die aus der Abendklasse des Herrn Professor
Honnegger hervorgegangen waren. Herr Sack berichtete
über die Ausstellung und bemerkte, daß die Arbeiten von
jüngeren und älteren Buchdruckern in einem Kurse mit
vier Abendstunden in der Woche hergestellt seien. Jeder
Schüler erhalte sein Manuskript, nach dem er zuerst seine
Skizze mache, die er danach in der Werkstätte praktisch
ausführe. Der Lehrer wirke bei allen Arbeiten individuell
ein, nur nicht bei den Prüfungsarbeiten, die von den
Schülern allein und ohne jegliche Hilfe hergestellt werden
müssen. Dies sei auch bei einer Anzahl ausgestellter Ar¬
beiten der Fall. Es seien dies dieselben, die Herr Becker
im Deutschen Buch- und Steindrucker angegriffen habe.
Er könne die Abhandlungen des Herrn Becker nur als An¬
griff, nicht aber als eine Kritik bezeichnen, die sich sinn¬
gemäß aufbaue. An mehreren Beispielen beweist dies
Herr Sack, der auch zum Schluß die Art und Weise verwarf,
mit der sich Herr Becker die Arbeiten zum Zweck der
Reproduktion beschafft hat. In dem Meinungsaustausch,
der sich an den beifällig aufgenommenen Vortrag anschloß,
wurde von verschiedenen Rednern noch Tadel ausge¬
sprochen. Der als Gast anwesende Herr Professor Seliger
gab einige Erklärungen ab. Er betonte, daß es ganz falsch
sei, diese Arbeiten als vorbildlich für die Praxis hinzu¬
stellen, denn die Schule sei nur imstande, die Schüler aus
dem Alltäglichen emporzuheben und zu persönlich höhe¬
ren Leistungen zu erziehen. Ebensowenig wie die Schule
im Zeichnen oder Malen nach der Natur vorbildliche Ar¬
beiten liefere, die für den gegenwärtigen Stand der Zeichen¬
kunst und Malerei maßgebend wären, ebensowenig könne
auch der Kursus eines speziellen Berufes allgemeinhin
für die Praxis vorbildliche Arbeiten ergeben. Er verwahre
sich entschieden dagegen, daß die Schule vorbildlich zu
wirken habe, sie wolle nur geringere Leistungen und An¬
schauungen in feinere umsetzen. Nur in ihrem Gesamt¬
streben, in ihrer Gesinnung und Richtung könne die Schule
Vorbildliches für die Praxis zeigen, nicht aber sei dieses
bei jeder Einzelleistung des Schülers möglich oder er¬
strebenswert. Viele Schülerarbeiten müßten schon vor
ihrer Fertigstellung verworfen werden, und dennoch könne
der Schüler an diesen am meisten gelernt haben. Es würde
geradezu ein Hohn sein, wenn die Arbeiten der Schüler für
die der Meister in der Praxis maßgebend wären oder sein
sollten. Er freue sich, daß man allmählich wieder zur Ein¬
fachheit zurückgekehrt sei und in der Schrift dasjenige er¬
kenne, das dem Buchdrucker in erster Linie zur Verar¬
beitung zukomme, denn das Überladen mit Ornamenten
oder gar das Selbstzeichnen solcher sei für den Buchdruck
nachgerade gefährlich gewesen. Das habe er selbst in der
Akademie erlebt, darum sei man auch hier davon abge¬
kommen, wie die ausgestellten Arbeiten bezeugen. Er ver¬
weist sodann auf die ausgelegten Tafeln aus dem von
der Reichsdruckerei herausgegebenen Werk: K. Burger,
Deutsche und italienische Inkunabeln und das Werk von
Weimar über Monumentalinschriften, aus welchen am
besten ersehen werden könne, wie man die Schrift zur
Wirkung kommen lassen solle. Auf eine Anfrage erklärte
Herr Professor Seliger, daß auch heute noch, nachdem in
der Akademie eine Druckerei eingerichtet sei, der Lehr¬
gang des Kursus sich so gestalte, daß zuerst Anschau¬
ungsunterricht gegeben werde, in dem die Formen und
Anwendungsarten der Schrift erläutert würden, hierauf
würden Skizzen gemacht, die ausgeführt werden müssen.
Bei den praktischen Arbeiten müsse mit wenig Schriften
und zwei Tiegeldruckpressen vorlieb genommen werden.
In einer Unterredung nach Schluß des Vortrages erklärte
sich Herr Professor Seliger in liebenswürdiger Weise
dem Vorstand gegenüber bereit, eine Ausstellung von
Schülerarbeiten zusammenzustellen und solche durch Ver¬
mittelung der Typographischen Vereinigung dem Verband
der Deutschen Typographischen Gesellschaften zur Rund¬
sendung zu überlassen. gKr.
Magdeburg. In der Julisitzung der Graphischen Gesell¬
schaft lagen die neuesten Hefte der Fachliteratur aus. Herr
Singhofen berichtete über eine Rundsendung des Verbandes
derDeutschenTypographischen Gesellschaften, enthaltend
Kasseler Drucksachen, wobei er die hervortretenden
Mängel in der Satzanordnung und der Wahl der Farben
kritisch beleuchtete. Die aus Anlaß des 10jährigen Be¬
stehens der Graphischen Gesellschaft als Monatsarbeit be¬
schlossene Festkarte brachte zahlreiche Einsendungen, von
denen der Entwurf des Herrn Helmberger zur Ausführung
gewählt wurde. E. K.
Wien. Die Graphische Gesellschaft veranstaltete am
26. Juli 1908 einen gemeinsamen Besuch der Ausstellung
„Kunstschau" (Klimt-Gruppe der Sezession). Die Teil¬
nahme war sehr zahlreich und die Besichtigung verlief so
anregend, daß eine Wiederholung derselben demnächst
stattfinden wird. Die Ausstellung bietethohe wie angewandte
Kunst, und wenn auch manches Vorgeführte der ersteren
fast Befremden erregt, z.B. die Bilder Klimts selbst, so ist
wieder die gezeigte Zweckskunst zumeist wirklich schön.
Drei Säle sind der Graphik gewidmet. Hier setzte natür¬
lich Beifall und Widerspruch seitens der Besucher am
meisten ein. Bei den Kleindrucksachen und Entwürfen
für solche —man hatte es hier ausschließlich mit Künstler¬
arbeiten zu tun — wurde vornehmlich die Behandlung
der Schrift bemängelt und mit dem wienerischen Aus¬
druck „schlampert“ belegt. In der Tat machte die Schrift
meist den Eindruck, als wäre sie für den Künstler eine
lästige Arbeit, die er möglichst rasch so oder so vom Halse
haben wolle. Der Plakatsaal bietet eine Fülle von aus-
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
geführten Künstlerplakaten wie von Entwürfen. Der Ver¬
gleich mit andern Plakaten, die zurzeit die Anschlagsäulen
schmücken, wie z. B. diejenigen der Grazer und Prager
Ausstellung, ließ das Urteil der Besucher dahin gelangen,
daß die gezeigte Klobigkeit der Zeichenweise auch für die
Fernwirkung nicht gerade notwendig ist, ja roh wirkt, -t-.
Zittau. Die Graphische Vereinigung beteiligte sich mit
ihren letzten Wettbewerbsarbeiten an einer Skizzen- und
Drucksachenausstellung, die von der Filiale Warnsdorf i.B.
der Buchdrucker der Lausitz und Nordböhmens aus Anlaß
des Johannisfestes veranstaltet war. — In der Sitzung am
25.Juli 1908 lag eine Rundsendung des Verbandes der Deut¬
schen Typographischen Gesellschaften aus, enthaltend
spanische Drucksachen. Die hier gezeigten Erzeugnisse
spanischer Druckkunst wirken jedoch nur insofern erziehe¬
risch, als sie dem deutschen Akzidenzsetzer deutlich vor
Augen führen, wie Drucksachen nicht ausgestattet sein
sollen. -dl-.
Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge.
V Dreßlers Kunst-Jahrbuch. Dresden. Verlag von Ger¬
hard Kühtmann . Den Herausgeber dieses Nachschlage¬
werkes haben wir schon einmal auf mancherlei Mängel
hinweisen können, die seinem Werke anhaften. Die vor¬
liegende neue Ausgabe mit der früheren zu vergleichen,
ist uns unmöglich, da wir letztere nicht zur Hand haben.
Sollte aber Willy O. Dreßler unsern Winken seinerzeit ge¬
folgt sein, so müssen wir heute sagen, daß dann bei ein¬
gehender Prüfung sich weitere Schwächen herausgestellt
haben, die einem Nachschlagewerk, das unbedingt schnelle
und erschöpfende Auskünfte geben soll, nicht anhaften
dürfen. Die Mitteilungen über die einzelnen Künstler —
um nur eines herauszugreifen — sind herzlich dürftig.
Viele Künstler, auch namhafte und namhaftere, fehlen
noch ganz. Wenn Dreßler nicht von den Künstlern direkt
über ihre Werke usw. Auskunft erhalten kann, so muß er
sie indirektzu erhalten suchen. Es fehlt vor allem an Kon¬
sequenz. Werden nur bei einzelnen und nicht bei allen
Namen die betreffenden Kunstwerke angeführt, so ist das
etwas Halbes. Alle gleichmäßig behandelnI Wir verlangen
selbstverständlich nicht ein vollständiges Register, das all
und jedes mehr oder minder künstlerisch wertvolle Werk
registriert, allein wie mancher (namentlich Laie) wird den
Künstler an seinem Werke wiedererkennen. Auch die Ge¬
samtanlage ist nicht einwandfrei und durchaus praktisch.
Wir hoffen, daß wir in der nächsten Ausgabe Dreßlers
Kunst-Jahrbuch, das an sich einem glücklichen Gedanken
entspricht, in vollendeterer Form begegnen werden. S.M.
V Das Zeitungswesen. Von Tony Kellen. Kempten und
München 1908. Verlag der Joh. Köselschen Buchhandlung.
Dieses Büchlein, das, schlicht in Leinwand gebunden, eine
Mark kostet, bildet das 17. Bändchen der „Sammlung
Kösel“ und erzählt in knapper Form die Entstehungsge¬
schichte und Entwicklung des Zeitungswesens seit dem
grauen Altertum, dem Belesenen dabei kaum Neues bie¬
tend, dem mit der Materie aber noch Unbekannten doch
ein recht guter und auf klärender Führer und Vorarbeiter
für weiteres Studium in größeren Werken, wie wir sie ja
in teilweise recht vorzüglichen Ausgaben besitzen. Er¬
innert sei an Ludwig Salomons Geschichte des Zeitungs¬
wesens. Der Verfasser hat offensichtlich fleißige Studien
gemacht, die ihn befähigen, ein Kompendium der vor¬
liegenden Art dem Publikum vorzulegen, das bei der Lek¬
türe sehr bald merken wird, daß Kellen sein Thema be¬
herrscht. Es ist kaum eine Frage offen gelassen, die in
das Zeitungswesen hereingreift, und bei der (bereits er¬
wähnten) Kürze und Knappheit der Darstellung kann man
die erschöpfende Art, mit der diese vielen und vielseitigen
Fragen beantwortet werden, nur lobend anerkennen. Und
was vom ersten Teile des Buches, der älteren und ältesten
Geschichte, gesagt ist, gilt auch von dem zweiten Teile
des Buches über den jetzigen Zustand der Presse und
von dem dritten Teile über die Organisation des Zeitungs¬
wesens. Interessant sind besonders die statistischen Auf¬
schlüsse. Zahlen reden ja oft deutlicher als viele Worte —
das sieht man auch hier. Namentlich wer dem Zeitungs¬
wesen, insbesondere seiner Organisation, der technischen
namentlich, völlig fern steht, wird viel erfahren und lernen
aus Kellens fleißigen Ausführungen. Ob freilich die in dem
Zeitungswesen meist recht erfahrenen Buchgewerbler viel
hinzuzulernen vermögen, ist fraglich. Eine weite Verbrei¬
tung verdient die Arbeit auf alle Fälle —wir wünschen sie
ihr. S.M.
V Praktischer Ratgeber für Geschäftsanfänger im Buch¬
handel. Von H. Ebbecke. Leipzig. Verlag von Gustav Uhl.
Das Wort „praktisch“ wird doch recht oft an falscher Stelle
angewendet. Schreiber dieser Zeilen ist Laie im Buchhan¬
del, d.h. insoweit, als er selbst nicht Buchhändler ist. Da¬
gegen hat er doch schon manchen Einblick in diesen stol¬
zen Erwerbszweig unsers Volkes gewonnen, auch in dessen
Organisation und Betrieb. Aber als Laie sowohl, wie als
— sagen wir — treuer Freund des Buchhandels, dem er
schon oft ins Getriebe geschaut hat, muß er bekennen, daß
er Herrn Ebbeckes praktischerRatgebungwenig Geschmack
abzuringen vermag. Geschäftsanfänger, die noch niemals
in den Buchhandel hineingerochen haben, werden an der
Ebbeckeschen Hand schwerlich zum Ziele des praktisch
durchgeschulten Buchhändlers gelangen, freilich Leute,
die gar keine buchhändlerische praktische Schulung durch¬
gemacht haben, sollten am besten diese Pfade des Buch¬
gewerbes gar nicht beschreiten wollen, andre aber brauchen
diesen Ratgeber nicht. Wenn der Handel eine Wissen¬
schaft ist, wie in den letzten Dezennien immer kräftiger
betont wird, dann ist der Buchhandel eine hohe Wissen¬
schaft, sie will studiert sein, praktisch studiert sein. Schrif¬
ten wie die vorliegende können das Studium nicht erset¬
zen und Unerfahrene zur Ergreifung eines Berufes ver¬
leiten, der ihnen auf Grund der Kenntnisse, die sie aus
solchen „Ratgebern“ holen, keinen Segen bringt. S.M.
W Führer durch die Sammlungen des Deutschen Museums.
Leipzig. Verlag von B. G. Teubner. Preis M 1.—. Dieser
Führer durch jene Sammelstätte, die uns das Werden und
Wachsen zweier mächtiger Geistesgebiete Deutschlands —
der Naturwissenschaft und derTechnik — veranschaulicht,
wird auch denen ein wertvolles Buch sein, denen es nicht
vergönnt ist, in München das Deutsche Museum zu be¬
suchen. Bietet doch dieses geschmackvoll ausgestattete
Werkchen weit mehr des Interessanten und Belehrenden,
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als man von einem Führer im gewöhnlichen Sinne des
Wortes zu empfangen gewöhnt ist. In Wort und Bild ver¬
anschaulicht das Buch Räume und Inhalt des Museums
und wird, wie das Museum selbst, zu einem historischen
Schilderen Man könnte diesen Führer ganz gut auch ein
Handbüchlein der Geschichte der Technik nennen. Aus
den einzelnen Abteilungen spricht der Geist trefflicher
Fachleute. Wem das Glück beschieden war, oder wem es
beschieden wird, das Deutsche Museum besichtigen zu
können, der wird den Führer nicht entbehren können und,
nach Hause zurückgekehrt, aus ihm immer wieder liebe
Erinnerungen erwecken. Somit kann man beiden Teilen
das Werkchen aufs wärmste empfehlen: denen, die es nur
als einen Leitfaden durch die Geschichte der Technik be¬
nützen können, und denen, die es wirklich als Führer durch
die Räume des Museums der bayrischen Hauptstadt ge¬
brauchen müssen. S.M.
¥ Der Rechtsschutz des bildenden Künstlers. Von Dr. iur.
Drathen. Leipzig 1908. Verlag von E. A. Seemann. Preis
M 1.40. Das vorliegende Heft ist eine preisgekrönte Arbeit,
welche die durch Gesetze und Verträge geschaffenen Rechts¬
verhältnisse des Künstlers erklären, den Künstler über
seine Rechte und Pflichten belehren, ihm ein praktischer
Führer durch das Erwerbsleben sein will. Und diesen
Zweck hat der Verfasser auch erreicht. Die Gliederung
des Stoffes, die ganze, um ein modernes Wort zu gebrauchen,
Aufmachung des Inhaltes, ist eine überaus glückliche.
Kein Paragraphenbuch, in dem man suchen muß, sondern
ein an Übersichtlichkeit und Vollständigkeit der Auskunft¬
erteilung nichts zu wünschen übriglassendes Werk liegt
hier vor, das nicht nur dem Künstler, sondern auch dem
Juristen ein guter und schneller Ratgeber sein wird. In¬
wieweit Drathens Schrift dem Buchgewerbler hilfreiche
Hand bieten kann, braucht hier nicht des längeren erörtert
zu werden. Dem hier gespendeten Lob wollen wir noch
die Tatsache anfügen, daß der Verfasser sich gegen die in
letzter Zeit — auch von Juristen — vielfach und energisch
geforderten Sondergerichte in Sachen des (gewerblichen)
Rechtsschutzes wendet. Auf diesem Gebiete kann man ge¬
teilter Meinung sein. Wir empfehlen das Werk Drathens für
den praktischen Gebrauch als ganz vorzüglich. S.M.
¥ Einführung in die Elektrotechnik. Von R.Rinkel. Leip¬
zig 1908. Verlag von B. G. Teubner. Preis gebunden M 12.—.
Nach den beiden kleinen, die Elektrotechnik betreffenden
Abrissen, die wir in den letzten Heften des Archiv für Buch¬
gewerbe unsern Lesern empfehlen konnten, können wir
heute das Erscheinen eines umfangreicheren Werkes ver¬
künden, aus der Feder eines Mannes, der als Dozent sich
voller Anerkennung erfreut, als Verfasser selbständiger
Werke aber unsers Wissens noch nicht an die Öffentlich¬
keit getreten ist. Ist dies richtig, so muß man sagen, daß
Rinkel sich in der Literatur recht vorteilhaft einführt mit
dem vorliegenden Werke. B.G.Teubners Handbücher für
Handel und Gewerbe, zu deren Sammlung Rinkeis Buch
gehört, ist, wie der Titel sagt, für einen bestimmten Kreis
ins Leben gerufen, zu dem auch unsre Branchen gehören.
Aber gerade diese Kreise sind es, die in ihren praktischen
Betrieben der Elektrotechnik einen weiten Raum verstatten.
Nichts ist nun wünschenswerter, als das: die Natur der
Kräfte, ihre Anwendung usw. möglichst genau zu erken¬
nen, die für uns arbeiten. Wer elektrischen Betrieb oder
Antrieb hat, wird also gut tun, in dessen Wesen einzu¬
dringen. Rinkeis Werk stellt für diesen Zweck, namentlich
auch in dem Kapitel Elektrische Anlagen in Fabriken den
geeigneten Führer und Ratgeber dar. In einer für jeder¬
mann verständlichen Weise geleitet er den Leser durch
die gesamte Wissenschaft von der Elektrotechnik bis zu
den Erfindungen und Verbesserungen der neuesten Zeit.
Die reiche und gute Auswahl erläuternder Illustrationen
gereicht dem Werke zu großem Vorteil. Wir können es
denen, die tiefer in die Geheimnisse unsrer großen indu¬
striellen Helferin, der Elektrizität, einzudringen wünschen,
gern empfehlen. S.M.
¥ Illustrierte Geschichte des Kunstgewerbes. In Verbin¬
dung mit Fachgelehrten herausgegeben von Georg Lehnert.
Verlag von Martin Oldenbourg , Berlin. Die beiden vor¬
liegenden Abteilungen IV und V schließen den ersten Band
des bedeutenden Werkes ab und reihen sich den ersten
drei Abteilungen in jeder Weise würdig an. Was wir über
diese drei Hefte gesagt haben, trifft demnach auch für die
jetzt erschienenen vollinhaltlich zu. Wort und Bild har¬
monieren in bester Weise, eines ergänzt das andre. Für
das Buchgewerbe hat das schöne Werk großes Interesse,
denn es bringt eine Fülle von Ausführungen, welche unsre
Kreise — besonders die Buchbinderei — betreffen. Bei
der Auswahl der Illustrationen fällt es angenehm auf, daß
kein plan- und zweckloses Herausgreifen aus der Über¬
fülle des Materials gewaltet hat, sondern daß ein feiner
Kunstsinn und ein*hohes Verständnis die mühsame Arbeit
förderte. Auf Einzelheiten des Textes hier einzugehen,
ist nicht nötig. Wir empfehlen das Werk, dessen Fort¬
setzung man freudig erwartet, allen Freunden des Kunst¬
gewerbes. S.M.
¥ Anuari Oliva. 1907. Madrid. Londres. Ein spanisches
Zeugnis hervorragender buchgewerblicher Leistungsfähig¬
keit liegt vor uns, doppelt wertvoll für uns, weil es eine in¬
teressante Würdigung unsers heimischen Meisters Bruno
Höroux enthält, der eine Reihe der schönsten Exlibris
dieses Künstlers beigegeben ist, Kabinettstücke, wie die¬
jenigen von Oskar Leuschner, Rudolf Neumann, Sigmund
Lehnsman usw. Es ist erfreulich, daß die besten unsrer
Künstler, die im Dienste des Buches und des Buchge¬
werbes stehen, im Auslande die Beachtung Anden, die
ihnen gebührt, und deshalb freuen wir uns, daß Höroux in
würdiger Gesellschaft und in einem Werke, das über jeden
Tadel erhaben ist, dem spanischen kunstliebenden und
sachverständigen, fachmännischen Publikum vorgestellt
wird. Mit diesem Lobe sagen wir nicht zu viel. Denn in
der Tat sind die Darbietungen des Anuari Oliva 1907 von
solcher Güte, daß man allen Respekt haben muß vor der
Kunstfertigkeit der jenseits der Pyrenäen schaffenden
Buchgewerbler. Das gilt von den vorarbeitenden Künst¬
lern wie von den reproduzierenden Gewerken. Material,
Illustrationen, Druck, Form und Gedankenreichtum kün¬
den uns, daß Spanien auf der Höhe der Zeit steht. Anuari
Oliva verrät einen feinen künstlerischen Geschmack und
man darf sagen, so mancher berechtigte Wunsch derer, die
im vergangenen Winter in den Vorträgen des Buchgewerbe¬
vereins Ratschläge erteilten für eine abgerundete künst¬
lerische Buchausstattung, findet sich in dem vorliegenden
spanischen Werke erfüllt. Man darf Art und Zweck dieses
Werkes dabei freilich nicht außer acht lassen, dann wird
man erkennen und begreifen, daß sich in diesem Werke
nicht alle jene Wünsche erfüllen ließen. Wir verfehlen
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nicht, Anuari Oliva insbesondere unsern buchgewerblichen
Kunstwerkstätten und kunstgewerblichen Bibliotheken zum
Ankauf zu empfehlen. Man darf die weiteren Jahrgänge
mit Freude erwarten. S.M.
V Proeven van Reproductie in Boekdruk, van Joh.
Enschede & Zonen, Haarlem. Diese mehr als Schriftgießerei
denn als Reproduktionsanstalt bekannte Firma hat soeben
ein Probeheft in Folioformat herausgegeben, das auch ihre
Leistungsfähigkeit auf dem Gebiete der Druckplatten¬
herstellung beweist. Das vornehm ausgestattete Heft ent¬
hält Proben der verschiedensten Reproduktionsmethoden,
insbesondere sind autotypische Platten in verschiedenster
ein- und mehrfarbiger Ausführung vertreten. Als recht
gute Leistungen sind einige Vierfarbendrucke sowie eine
Duplexautotypie zu bezeichnen, während auf zwei Blättern
die Entstehung einer grobrastrigen Autotypie für Zeitungs¬
druck veranschaulicht wird, die am Schlüsse des Heftes
angefügt ist. Ich kann der Firma meine Anerkennung für
die schönen Proben ihrer Leistungsfähigkeit nicht ver¬
sagen. Auch der Umschlag des Heftes macht einen guten,
geschlossenen Eindruck. S.
W Photographische Belichtungstabelle „Helios“ von P.Eich-
mann. Berlin 1908. Verlag von G. Schmidt. Preis gebun¬
den M2.50. — Die richtige Bestimmung der Belichtungs¬
zeit bei den photographischen Aufnahmen erfordert große
Erfahrung. Der Zweck des obengenannten Taschenbuches
ist, dem Liebhaberphotograph diese Aufgabe zu erleichtern.
Ich glaube aber, daß die bekannten Watkins- und Chapman
Jones-Photometer zu diesem Zwecke viel geeigneter sind,
da wohl kaum ein Photograph Zeit und Geduld haben
wird, für eine einzige Bestimmung neun Tabellen nachzu¬
schlagen und die so erhaltenen Zahlen auf einer beige¬
gebenen Drehscheibe einzustellen, um schließlich die ge¬
wünschte Belichtungszeit zu ermitteln. Die Tabellen selbst
sind ganz gut zusammengestellt und enthalten keine direk¬
ten Fehler. Eine Tabelle mit Angabe der Empfindlichkeit
von wichtigsten Plattensorten würde den Gebrauch des
Buches sehr erleichtern. Gg.
W Dr .E.König, Die Autochromphotographie. (Photogra¬
phische Bibliothek, Band 23.) Berlin 1908. Verlag von
G. Schmidt. Preis geheftet M 1.20, gebunden M 1.70. — Das
jüngste und beste Verfahren der Farbenphotographie —
die Autochromphotographie — hat auch für den Buchge-
werbler bereits eine große Bedeutung als Vorlage beim
Dreifarbendruck erlangt. Aus der ziemlich großen, rasch
entstandenen Literatur über dieses Verfahren glauben wir
das vorliegende Buch als das beste hervorheben zu können.
Der Verfasser hält sich nicht zu sehr an die Vorschriften
der Erfinder, sondern teilt den Lesern auch die eigenen
Erfahrungen mit. Da der Verfasser selbst einer der her¬
vorragendsten Fachleute auf dem Gebiete der Farbenpho¬
tographie ist, p so ist die Gewähr gegeben, daß der Text des
Buches allen Anforderungen auf Gründlichkeit und Rich¬
tigkeit der Auffassung entspricht. Gg.
V Künstlerische Schreibmappe. Die Kunstdruckerei
J.G.Holtzwarts Nachfolger (S.M injon) in Frankfurt a.M. hat
ihren Geschäftsfreunden eine künstlerisch ausgestattete
Schreibmappe gewidmet, bei der neben dem praktischen
Zwecke auch der der Empfehlung zur Geltung kommt. Die
Mappe ist unter Aufwendung vieler künstlerischer und tech¬
nischer Arbeit hergestellt und verdient von diesem Ge¬
sichtspunkte aus eigentlich mehr Beachtung als von dem
der Zweckmäßigkeit. Die Mappe ist von einer Pergament¬
decke umhüllt, deren farbenreicher Aufdruck nach einer
Zeichnung von R. Linnemann erfolgte. Das Ganze wirkt
zwar sehr dekorativ, paßt aber meines Erachtens nicht so
recht in den jetzigen Zeitgeschmack. Die ganze Anlage
der Mappe erfolgte im Dürerstil. Leider herrscht zwischen
Titel, Vorsatz und dem textlichen (Empfehlungseiten), sowie
dem illustrierten Inhalte (Autotypien) keine rechte Über¬
einstimmung. Ich kann nur annehmen, daß es der Firma
darauf ankam, mit der Mappe zu zeigen, in welcher Weise
und mit welchen Mitteln die moderne Typographie ihren
mannigfachen Aufgaben gewachsen ist, und auf welcher
Stufe der Leistungsfähigkeit sie selbst steht. Über die letztere
lassen die verschiedenen Blätter der Mappe keinen Zweifel
zu, im Gegenteil sie zeigen, daß die Firma J. G. Holtzwarts
Nachfolger (S. Minjon) ganz ausgezeichnete technische Ar¬
beiten liefert und bestrebt ist, auch dem künstlerischen
Teile in jeder Beziehung gerecht zu werden. S.
V Druckarbeiten der Firma Curt Nietschmann (Plötzsche
Buchdruckerei) in Halle a. S. Die mir vorliegenden zahl
reichen neueren Akzidenzarbeiten der vorgenannten Firma
zeichnen sich in ihrerMehrzahl durch eine gute Ausstattung
in neuzeitlichem Sinne aus. Dies trifft sowohl auf die
Anordnung des Satzes wie auf die Farbenzusammen¬
stellung zu. Daß sich die Urheber gute Vorbilder der ver¬
flossenen Steglitzer Werkstatt zunutze machten, halte ich
für keinen Fehler, im Gegenteil, es ist sehr erfreulich, daß
sich Praktiker an das Arbeiten in den strengen Satzformen
begeben, anstatt in den zerfahrenen Merkantilstil zu ver¬
fallen. Unter den Arbeiten sind nur wenige, die meinen
Beifall nicht finden, zweifelsohne ist die Firma C. Nietsch¬
mann auf dem besten Wege, mustergültige Arbeiten zu
schaffen, wie sie leider noch zu wenig entstehen. S.
V Anwendungs-Blätter zu dem Plakat-Rasterproben der
Vereinigten Chemigraphischen Kunstanstalten Mejo &
Springer in Leipzig und Mejo & Markert in Dresden. Die
genannten Firmen zeigen auf neun verschiedenen Papieren
die Anwendung von Rastern von 80 bis zu 10 Linien und
veranschaulichen damit auf eine sehr lehrreiche Art,
welches Raster sich für diese oder jene Papiersorte am
besten eignet. Noch lehrreicher wäre meines Erachtens
die Anwendungsprobe geworden, wenn ein und dieselbe
Vorlage auf den verschiedenen Papierproben zur An¬
wendung gekommen wäre, wie dies seinerzeit bei dem
von denselben Firmen herausgegebenen Plakat über Raster¬
proben der Fall war. A. Schl.
Inhaltsverzeichnis.
Über die Eignung der verschiedenen Typen von Buch¬
druckpressen. S. 317.J — Eine Studienreise in Nord¬
amerika. I. S. 325. — Zur Entwicklung der Rotations¬
maschinen. I. S.332. — Das Abformen von Druckstöcken.
S.338. — Aus den graphischen Vereinigungen. S. 343. —
Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge.
S.346. —
7 Beilagen.
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Stubienplan 1908
Tnuflk=Scl)ule
Otto Blütljner
€lernentar=Unterrid)t
unb bötjere flusbilbung
Unterrictttsfädier: Klapier, Dioline,
Cello, Klarinette, öefang unbllieorie
Breslau, Kurfürftenbamm
Beilage zum flrdiio für Bucbgeroerbe
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Frankfurt a.Main, Leipziger Straße 12
Datum des Poststempels
RESTAURANT
SACHSENHOF
BESITZER: ROBERT RECHENBACH
Hierdurch erlaube ich mir dem geehrten Publikum
die sehr ergebene Mitteilung zu machen, daß das von
meinem Vorgänger, Herrn Friedrich Sommer, bisher
bewirtschaftete Restaurant Sachsenhof käuflich von
mir übernommen worden ist. Meine bisherige Tätig¬
keit als Besitzer des Hotel zum Goldenen Sieb bürgt
auch fernerhin dafür, das hohe Ansehen meines neuen
Unternehmens zu wahren. Speisen nach Karte sowie
Diners sind von vorzüglicher Güte. Beliebte Biere.
Gleichzeitig empfehle ich meine Gesellschaftszimmer.
Indem ich bitte, mich durch regen Besuch gütigst
unterstützen zu wollen, zeichne mit aller Hochachtung
Robert Rechenbach
Sonnabend,den 15. August 1908 große
Übernahme-Festlichkeit mit Konzert
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
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neugoMfdj-Sdjrift und Ileugotifdj-Sdjmudi
der Schriftgießerei fllnfd) in Frankfurt o.m.
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aßt uns die fabrikationsmafd)ine betrodjfen,
mie fie fid) oor fahnehnfen hinter den alten
Handmerker |et}te und ihm bei feiner Arbeit
jufat). Ob er Gemebe fertig|tellte oder Haus¬
rat oder Klefdungsftüdte, immer fprod) die
ITIofd)ine: Der Rite madjt größlidj langfam. £r bringt fo
menig fertig. Id) miU oiel fd)neller arbeiten I Und fie lernte
ihm die einfadjften Handgriffe ab. Die metallenen Hände
maren im Rnfang nod) feljr ungefdjickt. man konnte nur
einfadjfte formen non ihnen ermarten, und es märe falfd) ge-
mefen, ihnen das feinfte Garn oder Ceder oder Papier an-
junertrauen. Alle Tnduftrie fängt auf ihrer erften Stufe mit
geringmertiger ITiaffenmare an. Bei fd)led)tem Cohn mird
mit billigen IHafd)inen etmas hergejtellt, mas meder die
Sonne nod) den Sturm aushalten kann. (Dir erinnern uns,
mit meldjer Geringfdjähung nod) oft in den flebjiger fahren
oon»fabrikmare« geredet murde. Das klang mie Rusoerkauf
und Sd)und. So i|T die Seit, in der die ITIafd)ine direkt als
KunföerfTörerin auftritt. Sie fdjiebt die alte Handmerkskunft
nom Stuhl und füllt die Räume mit Plunder. flud) menn man
nid)t übertreibt, mas die alte Durd)fd)nittsmei|terfd)aft mert
mar, fle hatte ihr perfönlidjes Element, mindestens jmei
menfdjen dachten mirklid) über einen neuen Sd)rnnk nad),
der Oater der Rraut und der fifdjler, und fie überlegten: mie
Original from
PRINCETON UNIVERSiTY
befrachten,
r den alten
iner Arbeit
oder Haus-
fprad) die
r bringt fo
i fie lernte
nen Hände
tonnte nur
ire fnlfcß 0 C '
Popler on-
i Stufe mit
Coßn mird
meder die
Innern uns,
iger fahren
lusoerkouf
i direkt als
oaerkskunlt
mann man
•fdjafl mert
eltans jmef
jjrank nodj,
•legten: miß
muß gerade für diefe Kammer der Schrank fein? Später
dadjte niemand meßr nad), denn das Gefcßäft |tellfe 250
gleidje Efemplore ßer, und Emma und meta und Frida be¬
kamen genau diefelben Sdjränke, Sänke und Gardinen. Aus
diefer erften mafeßinenperiode find mir nod) keinesmegs gonj
heraus, aber fie ift im 3urückmeicßen nach ßalbkultioierten
Cändern. t Dir kamen injmifdjen auf die jmeite Stufe.
lir ls die tttafd)ine faß, daß fie nur geringe Arbeit
mad)te,feßte (Iß fidjmieder hinter den Handmerker
und faß ißm, nun felber geduldiger merdend, feine
Kun|t ab. Gan) langfam im Caufe non Jaßneßnten
(Taigcrte (lc ißre Tüchtigkeit, Griff um Griff, 3ug um 3ug, Stoß
um Stoß. Jede Ecke, jede Rundung, jeder Glan) und jede
Prägung mard nun beffer ßerausgebracßt. man müßte die
ßefeßießte jeder ein)elnen tflafcßine befeßreiben, menn man
diefen Selb(Ter)ießungsoorgang in der Tndujtrie reeßt oer-
deutlichen mollte. Und der Erfolg diefer tltüßen mar, daß das
tHort fabrikmore heute etmas gan) anderes bedeutet, als oor
dreißig Jaßren. Die fabrikmore ijt )ur Garantie für dureßfeßnitf-
licße Güte gemorden. Jeßt kann man der mafeßine merfualles
material annerfrauen und non ißr oerlangen, daß fie tüchtigen
haltbaren mittelbedarf ßerjTellt. Das Gebiet de|fen, mas die
mafeßine nicht leijten kann, mird )ufeßends kleiner, freiließ,
je ßäßer eine Arbeit fteßt, defto meniger kann die mafeßine
allein oßne 3mifcßenßilfe oan tTlenfcßenßnnd fertig merden.
Tn aller befferen tDare iß irgendmo Seele, man neßme Eifen,
Ton, Ponellon, Geflecßt, immer findet fieß auf dem mege )ur
Dollkommenßeit etmas, mas einen kleinen 3uguß non Per-
fönlicßkeit braucht. Die Seßmafcßine arbeitet gut und fauber,
aber feiner Druck mill doeß nad) non den fingern gefeßt fein,
man feße die Tnferatenfeite oan Blättern, die nur mafeßinen-
arbeit findl Das i|T es, mas uns )um DerjTändnis der dritten
Stufe ßinüberfüßrt.
Original ffom
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od)mols fetjen mir die mafdßne neben dem Hand-
gemerbe Oben. Sie grübelt, mie es kommt, dag
nod) immer der, der etmos gonj gutes hoben tniil,
—I on ihr oorübergebt. (Her gonj gute Teppid)e fudjt,
gebt in die Cänder, mo mit Händen geknüpft mird. Hier beße
Spiben johlen kann, mendet ßd) nodj immer an die ormen
freuen non 6ent und ßrügge. DOer Geld und 6ei|t genug bot,
um Od) ein eigenes, perfönlidjes Dofein ju teilten, der mill an
einem Tifd) ßbcn, der für ibn gemorden i|t. Und die ntofdjine
muß ßd) demütigen und fogen: je beffer die fflare,de|to mehr
bin id) nur Dienerin! ßei geringer Produktion iß |te Herrin
und erniedrigt den ttlenfdjen jur Sklooerei, oud) bei guter
ttloßenmore i|t fie nod) dos maßgebende, ße gibt dos Tempo
on und oertongt nur klug geleitet ju merden, ober je böber
?i r *°T£ rt der Hßr|lcl,un 9 ^9»- “cßo mehr fteigt der
fdjoffende menfd) in die Höbe, und dos 3iel iß der menfdi
den die tTtofdjinen umgeben mie millige Tiere, der ober üher
ihnen ßebt, ihr Herr und meißer. ttlon denke, mer es kennt
on die Herßellung feiner moßarbeit im Sdjubfod) mit Hilfe
bdtbß ßnnreidjer Hilfsmofdjinenl Oder on den Hilfsdientt der
medjonifdjen Sägen bei derkünßlerifdjen möbelfobrikotionl
Oder on dos 3ufommenmirken non medjonik und Geiß in der
Gold' und Silberindußriel £rß in diefen künßlerifdi
oorgeßbritfenen Gemerben mird der menfd)
jum menfd)en, troß oller mofdjinen.
Gcn)gle
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en dem Hond-
; kommt, daß
es haben mfll,
reppidje |ud)f,
rd. CDer befte
in dte armen
Ifl genug bat,
it, der mtll an
dte fTlofdjIne
e.dejTo mehr
[fl fie Herrin
dj bei guter
it dos Tempo
der je b^ er
jr jTelgt der
der menfdj,
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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe. Ornamente aus der Schriftgiesserei Flinsch in Frankfurt am Main
1
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Ziermaterial und Schrift aus der Schriftgießerei C. F. Rübl In Lelptlg
Vignette von Breitkopf & Härtel In Leipzig
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
DRUCKFARBEN
\ FABRIKEN/
Tflagbeßurger Graoiranftaft
oormafs Cbm. JCod) & Co. m. ß. Jj., Tftagbeßurg
für Vergofoep reffe u. Tjanbvergofoung
für 'Budjöinbereien
• • • TTlufter auf Verfangen ßereitipi(Tigß » » •
Iflnrrinnlininn IIB,ertInbBSterflusfuhrun 9
ICJjiriUliniBn mBinE nBUE < SBhr leistungs-
. ..wyym j imiui fähigemessinglinien-Fabrik
Otto Ueisert, tTIessinglinienfabrik, Stuttgart
6.t7/}fWmfcr
ryr(jfl/?Ju//2<sf o 'Grav/ery//?sf(//F
i”7] /cr/iijtv Jur JjuiOgi H'tr/K u. öndu&/rie
i jJu/otypicfi'Jimhü/zuffQm.Qravuren
L L . a 7iuycj>fo/tc/ß/urafru mcft/forfi/gm Dnxt
KUflSTltRISOlf lltTWüRft UIIDJDEU1 RJRflODERIK REKLAMt SOWIE
DIE ÄUSSERE UÜD IfinERE AU551ATTUnG VOfl BÜOIUHI UND KATAtOGEJl
le/pm-H. WemrSM
Sobefcfa'W rftr 7
'Jernnif 356
üiticfttoirAtr 108
JemrufAmt /V.4776.
m DOGTfcflllDiSeHe
aseHinen-FABRiK
(vormals U.C.B.H.DlETRiCH)Aktiengesellschaft
Plauen I.V.
Bau uon Rofafionsmaschinen
aller flrf
//AAORITZA\
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FABRIK- PAPIERLAGEFW
BERLIN S W li ZIMMERSTR-251
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u verlaqsanstauten-
sokidersoptten : FARBIGE PAPIERE
ICH BITTE PROBEN ZU VERLANGEN
349
48
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Groß-
Buchbinderei
von Th.Knaur, Leipzig
Gegründet 1846
übernimmt sämtliche
Buchbinderarbeiten
zu mäßigem Preise.
ANTIQUA
AUGENHEIL
UND CISSARZ-
BUCHSCHMUC'
Für die zeitgemäße Ausstattung von Büchern
und Akzidenzen empfehlen wir diese beiden
bewährten Erzeugnisse unseres Hauses. Die
Schrift Augenheil wurde in sechs Garnituren
geschnitten und ermöglicht somit die einheit¬
liche Durchführung aller Drucksachen ohne
Ausnahme. Der von J. V. Cissarz für unser
Haus gezeichnete Buchschmuck enthält eine
Fülle Schmuckstücke und Einfassungen von
solch außerordentlicher Schönheit, daß auch
dieses wirklich praktische Material in keiner
leistungsfähigen Buchdruckerei fehlen sollte
LUDWIG & MÄYER
SCHRIFTGIESSEREI, FRANKFURT A. M.
Fr. Adam Seidel
LEIPZIG-R.
Frommannstraße 4
PRPIERE
für
Verlag und
Buchdruck
Pack-Papiere und
-Pappen
350
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Sie sparen viel Geld
wenn Sie zum Beschneiden von Büchern oder gefalzten Papieren
(fipg, | Karl Krause’s
patentierten doppelten
fiifeiM® = Dreischneider =
benutzen.
Nach dem für die Buchbindereien von Leipzig, Berlin und Stuttgart gültigen Lohntarif
erspart man 30 Prozent
bei Verwendung von Krause’s doppeltem Dreischneider gegenüber dem Dreischneider und
KO Kl t S e & enü ^ er dem Beschneiden auf
vJw I I vl IL gewöhnlichen Schneidemaschinen.
[ Wer für ßeitungs- und Mdidenzdrudi eine (Reklame-
r ffyrift von energifdjem und wirkfamen künftleriföen j'j
IJ Charakter verlangt, beachte unfere neue ßurftvfäjrift Ij
.(Belvedere “
Qefcfjnitten in neun Qraden nacfj
öntwürfen von ßeinrty Wieynk
| ‘Dauerfcfje Gießerei, Frankfurt h g
Paris Karl Krause, Leipzig
44ruedesvinaigriers Friedrichstr.16 ■ Berlin ■ Seydelstr.8/13
London
2 Sandlandstreet
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Falz & Werner, Leipzig-Li.
Fabrikation
Spezialität:
Apparate
für Autotypie
Dreifarbendruck
Lichtdruck
Bogenlampen
für Reproduktion
und Kopie
Maschinen
für Klischee¬
bearbeitung
Objektive
Raster
Gesamtbedarf
für di«
Reproduktions-
Technik
Gegründet 1890
Export
3000 Umdrehungen
muß eine durch 2 P.S. getriebene Kreissäge mindestens machen,
um mit nerventötendem Geräusch eine 50 cm breite Zinkplatte
zu durchschneiden. Die Kanten sind rauh und müssen befeilt
werden.
In 1 Sekunde
schneidet man ohne Kraftbetrieb, lediglich durch einen Fußtritt,
die Platte geräuschlos und absolut gratfrei mit unserer
Plattenschneide-MaschineJitz“
die Sie sofort bestellen sollten.
Goldene Medaillen
Leipzig 1897
NEUE KALENDER-VIGNETTEN
Die Monats-Vignetten sind vor¬
rätig in drei Größen, und zwar:
872i 12 und 1672 Cicero hoch
gezeichnet von
Prof. H. Bek-Gran
Nürnberg
Diese Vignetten eignen sich durch ihre reiz¬
volle Zeichnung auch sehr gut zum Schmuck
von Gelegenheits-Drucksachen
Außerdem bringen wir DIE VIER JAHRES¬
ZEITEN, ebenfalls von Prof. H. Bek-Gran
gezeichnet, in empfehlende Erinnerung
Andere als die drei angegebenen
Größen werden auf Wunsch in
kürzester Zeit angefertigt
Schriftgießerei D. Stempel, Akt.-Ges., Frankfurt a. M.
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Vereinigte Bautzner Papierfabriken
HALBSTOFF- UND HOLZSTOFF-FABRIKEN
TAGES ERZEUGUNG 40000 KILO oooa 7 PAPIER MASCHINEN
= Bautzen in Sachsen - . . =
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Kupfer-,Bunt-, Karten-, Werk-, Noten-, Licht-, Autotypiedruckpapiere
in Bogen und Rollen, cd Brief-, Normal-, Kanzlei-, Konzept- und Karton¬
papiere. «=» Gestrichene Kunstdruckpapiere, cd Geklebte Elfenbeinkartons
ROHPAPIERE für Karton-, Kunstdruck-,
Luxus-, Chromo- und Buntpapier-Fabriken
HERMANN
GAUGER
=* ULM äss
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FABRIK VON BUCH- UND
STEINDRUCKFARBEN
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VERTRETER: Charlottenburg: PauIOetter, Bleibtreustr. 45— München: Eugen Knorr,
Paul Heysestr.30— Leipzig: Edgar Ziegler, Kohlgartcnstr.20 — Bremen: F.W.Dahlhaus
Galvanos-Stereotypen Hermann Scheibe
liefert schnell und sauber
:rßi: Busse & Pfefferkorn jip 5
LEIPZIG IW
2 BIB
A. FLASKAMPER
LEIPZIG-LINDEN AU
Spezialfabrik für Liniiermaschinen
Neueste Modelle • Gegründet 1871
10 HAMM 15*
GASSE 16
< Autotypien ■Rolzfchnitte-Srrichä^üngen
V. für alle Zwecke & Branchen
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Photographilche Aufnahmen
Leipzig
Kurprinzstraße 1 □ Gegründet 1857
Brief-Kuvert-Fabrik
Reichhaltiges Lager von
Kuverts, sowie Anfertigung
in allen gewünschten Größen
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Versandtaschen f. Kataloge,
Drucksachen usw.
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fl empfiehlt sich zur Einrichtung sowie Umgüssen uon Druckereien in fl
u sorgfältigster Ausßhrung. Reichste Auswahl und großes Lager uon y
\ erstklassigen Erzeugnissen für Buch-, Zeitungs- und Akzidenzdruck.
3 Fortlaufendes Erscheinen uon Neuheiten. Proben stehen zu Diensten. [7,
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1.1 .
,0 T* 8 *
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353
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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■ und ttolteoi, tiefem 6iitL triftige ffiirtuno mul onf ■
■ engftemStaum. Unfere tnuftausSraltut ift feit ■
■ ungefähr 2 Seinen om M und mit) ■
■ tm feiltet MMmmigeneitH
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DORNEMANNS
sind geschützt
^und die besten Plakatschriften^
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Plakatschriftgiesserei und üraviranstalt
THEODOR PLENGE -LEIPZIG
Alleiniger Importeur der Englischen Orlglnalwalzenmasse „The Durable“.
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Heinrich Ernemann A.-G. vorm.
ERNST HERBST FIRE
Görlitz 183
354
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Weltausstellung Saint Louis 1904: Großer Preis
Weltausstellung Lüttich 1905: Zwei Große Preise
Weltausstellung Mailand 1906: Großer Preis
Prämiiert:
London 1862 — Paris 1865
Paris 1867 — Wien 1873
Paris 1878— Melbourne 1881
Amsterdam 1883 — Ant¬
werpen 1885 — Mitglied
der Jury außer Konkurrenz:
Paris 1889 — Brüssel 1897
Paris 1900
Ch. Lorilleux & Co.
Konnnaailit-Gesellicliaft aal Aktien es Gegr. 1818
I lOFabriken 1 LEIPZIG [ 40 Filialen I
Buchgewerbehaus
Die größte
Druckfarbenfabrik der Welt
Firnis, Ruße, Walzenmasse,
Walzenguß-Anstalt
Bogenzuf ühr u ng s-Apparat
„UNIVERSAL“
für Schnellpressen
und Falzmaschinen
aller Systeme.
ln allen Kulturstaaten patentiert.
Bisher ca. 1600 Stuck
an erste Firmen geliefert.
Kleim & Ungerer, Leipzig -Leutzsch
Kein Verschmieren des Oruckes,
auch des schwersten Illustra¬
tionsdruckes nicht.
Arbeitet pneumatisch, kein falzbein-
artiges Ausstreichen, gestattet
deshalb schnellstes Umschlagen
der Auflagen.
Sicheres Funktionieren auch bei den
grollten Formaten, sowie
beim Einlegen
von zwei Bogen.
Folgt jeder Geschwindigkeit der
Presse.
Praktisch für kleinste Auflagen, da
keine Verstellung nötig.
Erschwert nicht das Zurlcbtsn.
Wenig Kraftverbrauch.
LEIPZIG,
KrrtiMfr IS.
Phorodiemigrapbisdie Kunstanstalt
Specialirät: Anfertigung von
Buchdruck Gicbes in Zink und Kupfer.
Amerikanische Doubletone-Farben und Ullmanines
sind einzig und allein unser Fabrikat.
Alle Versuche seitens amerikanischer, deutscher, englischer und
französischer Farbenfabrikanten unsere Doubletone-Farben brauchbar
zu imitieren, sind gänzlich mißlungen.
Unsere Doubletone-Farben und Schwärzen für Rotationsmaschinen
sind anerkannt in jeder Beziehung eminent erhaben, von größerer Deck¬
kraft, größerer Ergiebigkeit und ermöglichen Resultate, die früher nur
auf Zylinder-Maschinen erzielt werden konnten.
„Ein Wink genügt dem Weisen“
SIGMUND ULLMAN C°, NEW YORK
Europäische
Vertreter:
Gustav A. Jahn, Berlin,
Lindenstraße 101.
Rudolph Becker, Leipzig,
Stephanstraße 8.
Rieh. Scholber, Stuttgart.
Linotype and Machlnery Ltd,
London.
David Ferrer y Cla.,
Barcelona.
Emlllo Antonelll & Co., Turin.
R. Puszta fl & Co., Budapest.
355
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
II*
fürbuchgewerb/iche u. merkantile Zwecke,
bes für Buchein bände u. Katalogumschläge
fertigen noch eigenen oder gegebenen fntuurfen
\omerncw/,? dCg/ffagdebun/^
^ Kunstgewerbliche Graviranstath
Orahtheftmaschinen-Fabrik
Wilhelm Mallien,Leipzig-Li.50.
*
■oiCMOaoioioioioioaoioiOMOioaoioaoioaoioioioioaoi
ISIELER& VOGEL
0 __ __ 0
Berlin SW. ■ LEIPZIG ■ Hamburg - ■ ■
Eigene Papierfabrik Golzern in Sachsen.
Papiere aller Art für Buchhandel und Druckerei
Werk- und Notendruck, Bunt-, Licht- und Kupferdruck,
für Landkarten, Pläne usw.
Kunstdruck-Papiere und -Kartons, reichhaltiges
Sortiment farbiger Umschlag- und Prospektpapiere,
gepreßte Papiere in 10 Dessins, Streifbandpapiere,
Trauerpapiere, Japan. Serviettenpapiere usw.
Postpapiere liniiert und unliniiert in reichster
Auswahl, Schreib- und Konzeptpapiere für Schulen
und Behörden, für Formulare, Geschäftsbücher usw.
Zeichenpapiere, Aktendeckel und Packpapiere.
Kartons weiß und farbig, Postkarten-Karton. Elfen¬
bein-Karton für Licht- u. Buchdruck. Geschnittene
Karten, Seidenpapiere, Briefumschläge usw.
■oaoaoioioioioioaoioaoi
lOBOBOBOBOBOBOBOaOBOBOBOB
Hnfere Sdjriften 3 eid)nen [idj burd) iljren
ftäftigen, flöten, beutlidjen Gdjnitt aus.
Sie eignen fidfj bafjer in oorteilljaftefter
2Bei[e für 3eitungs« unb Serlagsjroede.
3nsbefonbere fönnen mir unfere großen Gd)riftenfamilien: 2lnfet4Romanifd),
Sieltet» unb 2aud)nit)=5Intiqua, Sdjulfraftur, ^ugenbfraftur, Sdjulantiqua,
SRunbgotifd) u|m. beftens empfehlen. 3 U aßen oorftefjenb genonnten Sänften
finb in ausreid)enbem äRajje halbfette, fette, fdjmale halbfette, breite halbfette
<Uus3eid)nungsfcf)riften
fturfto ufm. oorfjanbett, um ÜBerfe, Kataloge, 2Börterbüd)er, 3eitungen ufro.
einljeitlidj in einem Sdjriftdjarafter ausftatten ju fönnen. Sämtliche Sdjriften
finb in beftem Hartmetall gegoffen, galten untereinanber fiinie, unb finb aud)
auf beutfdje 9tormallinie lieferbar. 9lufjerbem empfehlen mir unfere mobemen
Slccibenjfdjriften, Sdjreibfdjriften, ©infaffungen, Initialen in größter Slusmaljl.
©anje X)ruderei*©inrid)tungen jeben Ilmfanges finb in fünfter 3eit lieferbar.
Sdjriftgie&erei • JJteffinglinienfabrif • ©afoanoplafti!
:: 3. (5. Sdjelter & ©iefecfe in Setpjtg ::
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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tem Kurbelrad-Antrieb
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357
49
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PRINCETON UNiVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
i; itWrtlliitoTKil
Ikul)«lten In mobemen
GEGRÜNDET 1879
W nact) €ntipflrfen 1. Kflnftler
slnb erfdjlenen unb liefert
blc grapfjlsdje Kunst-Anstalt non
Krefelb (Ktjcfnlanb).
i musttr za Dlcastta.
Gußeiserne format- u. ßoblstcgc, Cüüen-
scbncider, Cintcnbicgcr, Zeücnmaße,
pcrforurUmen, Süinhelbaken, Betz-
scbtffe, diverse Bcbließzeugc,
Hblbcftc, Pinzetten, Gu߬
eiserne plattenscbube,
farbmesser und
farbspacbtcln, tHalzengestcllc und
Gießbülecn, Hnlegemarhen usvo. usw,
patentierte fundamente für
Stereotyp- und Ätzplatten.
nur crljalnicl) durct]:
Utetnsdkimßandlungen
Scljriffgies5creicn.
HOH & HAHNE ■ LEIPZIG
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Unsere Reproduktions-Kamera System „REFORM*
(Gesetzlich geschützt!)
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findet allseitig ohne Vorbehalt größten Bei¬
fall. Dieselbe ist durchgängig neu kon¬
struiert und allen andern Systemen gegen¬
über wesentlich verbessert. Neu daran ist:
„Reform"-Rastereinstellung R “p
kein Differieren des Rasters, auch bei langjähriger
Benutzung,mehr; neuer Rasterhalter(D.R.G.M.)
„Reform"-Kassette
richtung für die Platten und neuem Verschluß an
| Stelle des bisher gebräuchlichen Deckels.
„Reform"-Schwingestativ “jJJäf-
jede Erschütterung des Bodens aus und ermög¬
licht unter Garantie tadellos scharfe Aufnahmen
$ bei größten Formaten, bei velchen jedes andere
Schwingestativ versagt.
Garantie für tadelloses Funktionieren,
sorgfältige Arbeit und bestes Material.
Mäßigste Preise o Beste Referenzen.
Verlangen Sie von uns Preisliste und Kostenanschlag.
Leipzig 1904
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Oltoberae ©griffen
mit Initialen unb3tecat ^uc^Cußftaffung
bon35üc^ecn,^afarogen,^Pr:ofpeftßn unb
attßn anbßtßn 0cuc£ac6ßitßn empfiehlt
3 u 0 uö &ßn£^arbt ößip^ig
©cfjriffgißfcßcßi unb DltßffingUnißnfabdf
2but>enbutigspcoE>en ftef)en auf SBunfcfj gu £)ienfterr
©nfjprobe nus Unger-Sraffur
□uHiliuöuuüUuöuuuüüUQijoüuöQuuOöOöunO
Google
Original fro-m
PRIiNCETON UNI VERSITZ
Digitized b
o nnnnnnnnn n in i n in n ri n ri i ri ri ri ri ri r i
Galvanos typen °
Voij^t & Geißler, Leipzig
Gebrauchte Maschinen,
bei Lieferung neuer in Zahlung ge¬
nommen, gründlich durchgesehen
und repariert, sind stets vorrätig
und preiswert abzugeben.
Lagerliste zur Verfügung.
KARL KRAUSE, LEIPZIG.
PDflQQ’ AUTOMATISCHER
uRUDu BOGENZUFÜHRER
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£4
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Fabrik und Kontor:
LEIPZIG-CONNEWITZ, WRISENMRCJSSTRRSSE 19
CROSS RUTOMRTISCHER BOGENZUFÜHRER
arbeitet mit absoluter Sicherheit, selbst bei schnellstem
Gange der Masohine.
Gewährleistet genaues Register und wird daher auch bei
kompliziertem Farbendruck verwendet.
Cross Bogenzuführer gestattet ein immerwährendes
Nachlegen der verbrauchten Bogen, ohne dass eine Unter¬
brechung im Gange der Maschine eintritt, ein Hauptvorteil
des Apparates, da dadurch eine erheblich grössere Stunden¬
leistung erzielt wird.
Kann an Jeder Buchdruokpresse, gleichviel welcher Bauart, angebracht werden.
m[vi[¥if¥ir¥imf¥imr¥if¥Tmrtfimfvifvirvir¥Tvirvimf¥ir¥ii
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Brosehüren-Drahtheftmaschine
:: UNIVERSAL Nr. 7'lt ::
Nach diesem Modell be¬
reits Qber4500Maschinen
verkauft
Z um Heften starker
Blocks bis 23 mm
Dicke mit verhältnis¬
mäßig schwachem Draht,
sowie zum Heften von
Broschüren durch den
Falz von beiden
Seiten
SPEZIALITÄTEN:
Draht- und Faden¬
heftmaschinen
jeder Art für Bücher und
Broschüren
Falzmaschinen
in 70 Modellen
für Werkdruck und Zeitungen
Maschinen zur Herstel¬
lung von Faltschachteln
und Kartonagen
GEBRÜDER BREHMER, LEIPZIG-PLAGWITZ
Filialen: LONDON E.C., 1 2 City Road; PARIS,60 Quai Jemmapes; WIEN V, WiedenerHauptstr. 84
Nordische Antiqua
Eine neue moderne, auf klassischen Vorbildern beruhende
Antiqua*Schrift, welche in Werken und Zeitschriften ebenso
vornehm wirkt, wie auf Akzidenzarbeiten jeglicher Art. Die
Nordische Antiqua ist in den Graden von 6* bis 72*Punkt auf
Deutsche Normallinie
gegossen und erfüllt so neben ihren künstlerischen Vorzügen
auch alle technischen Ansprüche. Die sich der Antiqua an*
schliessende Nordische Cursiv ist nicht nur eine vorzügliche
Ergänzungsschrift, sondern auch selbständig vielseitig zu ver*
wenden. Halbfette Nordische Antiqua und Cursiv ergänzen
die normalen Garnituren. Proben stehen gern zu Diensten.
Genzsch & Heyse in Hamburg
Herausgeber: Deutscher Buchgewerbeverein — Verantwortlicher Schriftleiter: Arthur Woemlein
Druck: Breitkopf & Härtel — Sämtlich in Leipzig ■■ - -
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Vierfarben - Druckprobe
BERGER & WIRTh. Farbenfabriken, LEIPZIG
FILIALEN: BERLIN, BARMEN, BUDAPEST, FLORENZ. LONDON, NEW YORK, PARIS, ST. PETERSBURG
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Kaltnadel. Schülerin: Lore Hiller
Zu dem Artikel:
Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig
Beilage zum Archiv für iTu?
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PRINCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW
45. BAND _ SEPTEMBER 1908 _ HEFT 9
HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN
Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie
für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig.
IV. Radierung und Metallätzung. Von ALOIS KOLB, Leipzig."
ER Unterricht erstreckt sich auf die Tech¬
niken der Radierung, der Metallätzung, des
Tiefdruckes und des farbigen Kupferdruckes;
der reine Kupferstich und Stahlstich wird nicht geübt.
Diese beiden Techniken mußten der freien Nadel¬
führung (Radierung), der malerischen Aquatinta usw.
Platz machen, denn die künstlerische und praktische
Verwendung und Verwertung des Kupfer- und Stahl¬
stiches ist so gering geworden, daß nach einer
Schulung dieser Techniken gar kein Verlangen mehr
besteht. Die Begründung hierfür, ein Für und Gegen
den künstlerichen und heutigen praktischen Wert
des Kupfer- und Stahlstiches soll hier nicht weiter
erörtert werden. Die Reproduktions-Radierung mußte
den exakter und weitaus billiger arbeitenden photo¬
mechanischen Reproduktionsverfahren weichen; die
technisch und künstlerisch frei gewordene Radierung
aber entwickelte sich zu neuen Möglichkeiten und
Schönheiten, denn die Metallätzung bietet ein großes
Feld unbegrenzter Weiten und Höhen, sowie die Mög¬
lichkeit zur Entfaltung einer Kraft und Tiefe, wie sie
nur der Plastik eigen ist.
Ein systematischer Lehrgang (Lehrplan) ist des¬
halb nicht vorgesehen, weil dem Schüler die Mög¬
lichkeit geboten ist, an einer Arbeit eine ganze Anzahl
verschiedener Techniken zugleich, neben- und über¬
einander, zur Anwendung zu bringen. Der Schüler
wird demnach an ein und derselben Arbeit mit raschem
Blick das Wesen, die Eigenschaften des Materials
(Kupfer, Zink, Stahl), der Ätzung und des Tiefdruckes
erfassen. Die Studien macht der Schüler selber nach
der Natur und zwar in einem der Ätzung ähnlichen
Material, Feder und Pinsel usw. Erwählt sich seine
Aufgabe allein, hängt infolge dieser Selbständigkeit
mit persönlichem Interesse und Ehrgeiz enger an
seiner Arbeit, als dies bei Aufgaben der Fall sein
könnte, die vom Lehrer gestellt sind. Bei Nadel¬
arbeit, Ätzstrich oder Kaltnadel nimmt der Schüler
auch die Platte mit vor das Modell, was bei Aquatinta,
Vernis mou technisch nicht gut möglich ist.
Die beigegebenen Reproduktionen 1 bis 4 zeigen
ein und dasselbe Landschaftsmotiv von verschiedenen
Seiten gesehen und in vier verschiedenen Techniken
geätzt. Mit der Mannigfaltigkeit der Ätztechnik selbst
verändert sich der Eindruck des Motivs so stark, daß
die Blätter nur äußerlich etwas gemeinsam haben
können. Selbstredend spricht bei der auffallenden
Verschiedenartigkeit der Blätter das Temperament
des Radierers stark mit.
Die Verschiedenartigkeit der Wirkung zweier Tech¬
niken zeigen die Abbildungen 5 und 6. Hier sind
zwei ähnliche Vorwürfe gegeben. Die Ausführung
zeigt die Mannigfaltigkeit der Kraft der Ätztechnik.
Tief und voll steht das Aquatintablatt gegenüber den
Feinheiten der Nadeltechnik des Strichblattes! Bei
beiden Blättern sind die Schönheiten des Metalls
zur Geltung gebracht. Das eine Mal ist auf der Platte
mit dem Pinsel, das andre Mal nur mit der Nadel ge¬
arbeitet. Durch die verschiedenartige Anwendung
aller dem Metall entsprechenden Techniken wird der
Schüler auch frei gehalten von ängstlich ästhetischen
und engherzigen Vorurteilen, die meist nur der Un¬
kenntnis der Technik, namentlich aber derjenigen
des Materials und der Drucktechnik entstammen.
Das Drucken, das der Schüler stets selber besorgen
muß, nimmt beinahe noch mehr Zeit in Anspruch,
wie die eigentliche Radier- und Ätzarbeit selbst. Von
den meisten Radierern wird heute leider das Drucken
als Handwerk betrachtet, für dessen Ausübung die
Zeit des Künstlers zu kostbar sei. Der Radierer
steht dann wohl bei den ersten Drucken neben dem
Drucker, mutet ihm alles, Gutes und Schlechtes, zu
und verlangt Eigenschaften vom Drucke, die gar nicht
auf der Kupferplatte vorhanden sind. Beim Seiber¬
drucken gewinnt der Schüler ein eigenes Urteil und
zwar ein fachlich objektives über seine Arbeit und
seine Technik. Er probiert die Platte an Tiefe und
Farbe aus und lernt die Farbenaufnahmefähigkeit des
geätzten und des kalten Striches, des Aquatintapunk¬
tes, der Aquatintaflächen usw. genau kennen — kurz,
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PRINCETON UNIVERS1TY
: ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Abbildung 5. Aquatinta mit Strichradierung
Schülerin: Ellen SüQmilch
der Linien-, Flächen- und Farben¬
kompositionen ist. Die Summe die¬
ser drucktechnischen Erfahrungen
aber ist ihm für seine weiteren
Arbeiten von grundlegender Bedeu¬
tung. Hier zeigt sich wie freie Kunst
und Maschine in Wechselwirkung
zueinander arbeiten, sich gegen¬
seitig erziehen und anpassen zu
einem gemeinsamen Endergebnis,
zu einer Werkkunst im eigentlichen
Sinne, zu einer aus der Maschine
heraus entwickelten und von ihr be¬
einflußten Kompositions-, Ätz- und
Druckkunst.
Die mannigfaltigen Techniken der
Metallätzung, die Dehnbarkeit des
Kupfers, die es zu allen Feinheiten
und Stärkegraden des Druckes ge¬
eignet macht, gestattet eine große
Verwendbarkeit der Radierung und
Metallätzung auf dem Gebiete der
Kunst und des Buchgewerbes. Das
soll hier betont sein, weil konser¬
vativ denkende Fachleute die Ra¬
dierung und den Originaltiefdruck
nur als reine Kunstäußerung, als
„Luxuskunst“ beurteilen wollen.
Heute werden aber als feinste buch¬
gewerbliche Leistung Blätter in
Originaldrucktechniken verlangt,
er probiert die Platte auf
ihre schwarzweiße oder
farbige Wirkung aus. Beim
Einstreichen und Drucken
der Platten mit Farben
wird er die Schwarzweiß-
Tiefenwirkung der Platte
nicht aus dem Auge ver¬
lieren, ein Umstand, der
für farbige Radierungen
sehr wichtig ist. Eine Far¬
benradierung soll selb¬
ständig wirken, aber nicht
wie ein Aquarell oder
Pastell weich und ver¬
schwommen aussehen
(moderne französische Ra¬
dierungen!). Der Schüler
lernt bei dem Selberdruk-
ken der farbigen Radierung
aber auch kennen, wie
wichtig schon die Anlage
Abbildung6. Strichradierung- Schülerin: Lisa Blaü
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
und Gebrauchsblätter, wie Besuchskarten, Brief¬
köpfe, Exlibris, Einladungskarten, Anzeigen usw., ja
selbst Buchtitel und Illustrationen in Originalgraphik
genießen besonderen Vorzug. Darum bietet diese an¬
gewandte Tiefdruckgraphik, die buchgewerblich die
gleiche Berechtigung hat wie etwa der Kunsteinband
und das künstlerische Vorsatzpapier — auch eine
Art Monotypie ,den Künstlern und Buchgewerblern
ein großes Feld der Betätigung und des Verdienstes.
Wenn man Buchkunst und Kunstgewerbe nur von
dem Standpunkte der Auflagemöglichkeit, der billigen
Massenerzeugnisse, beurteilen wollte, dann müßte
die Kunst beiseite treten, dann würde die buch¬
kunstgewerbliche Arbeit kein Ausdruck der jewei¬
ligen Kulturhöhe sein und es würde Handwerker¬
arbeit allein genügen.
Zur Entwicklung der Rotationsmaschinen
Von EDUARD KÜHNAST, Magdeburg.
II.
M ersten Teile meiner Arbeit habe ich die Ent¬
wicklung der Rotationsmaschine von ihren
ersten Anfängen bis zur höchsten Vollendung
in knappen Umrissen zu schildern versucht. Ich habe
mich dabei ausschließlich auf den Zeitungsdruck be¬
schränkt und will daher in meinen weiteren Ausfüh¬
rungen auch den Werk- und Illustrationsdruck auf
der Rotationsmaschine einer kurzen Betrachtung
unterziehen, um ein annähernd vollständiges Bild
von dem Werdegang des Rotationsdruckes zu geben.
Die Zeitungsrotationsmaschine bringt nur ein fest¬
stehendes begrenztes Format zum Druck, eine Tat¬
sache, die von Beginn des Rotationsmaschinenbaues
an lebhaft bedauert wurde. Es war daher auch von
jeher das Bestreben der Maschinenbauer darauf ge¬
richtet, den Rotationsdruck auch im Höhenformat ganz
nach Belieben veränderlich zu gestalten, damit die
verschiedensten Druckformate hergestellt werden
können. Die Bemühungen hatten nach langen Ver¬
suchen einen günstigen Erfolg, denn es entstand die
Rotationsmaschine Variable, erstmalig von Koenig &
Bauer in Würzburg im Jahre 1885 gebaut. Diese ganz
eigenartig gebaute Rotationsschnellpresse ist von so
großer Bedeutung, daß ihre Arbeitsweise etwas ein¬
gehender geschildert werden muß. Bis zum Auftau¬
chen dieser wichtigen Neuerung mußte sich der von
der Papierrolle abgewickelte Bogen dem Zylinder¬
umfang anpassen, um nach dem Druck in der festge¬
setzten Größe von diesem abgeschnitten zu werden.
Diese Beschränkung fällt bei der variablen Rotations¬
maschine vollständig fort, weil das Höhenformat durch
Anwendung eines beliebig verstellbaren Schneid¬
apparates ganz wunschgemäß dadurch begrenzt wer¬
den kann, daß das jeweilige Papierformat vor dem
Druck abgeschnitten wird. Derartig konstruierte und
komplizierte Maschinen eignen sich ausschließlich
für den Druck von Massenauflagen, weil sich sonst
ihre Bedienung und alles, was damit zusammenhängt,
nicht bezahlt machen würde. Es können auf den
Rotationsmaschinen für variable (veränderliche) For¬
mate die unterschiedlichsten Arbeiten, wie Tabellen,
Formulare, Werke und Illustrationen, zum Druck ge¬
bracht werden. Der Unterschied in der Herstellung
der jeweiligen Druckarbeiten stellt mancherlei An¬
forderungen an die Maschine, die sich in ihrer Wir¬
kungsweise folgendermaßen bezeichnen lassen: Es
müssen die beliebigsten Formate gedruckt werden
können, ohne daß der Übergang von einem Format
zum andern mit besonderen Schwierigkeiten verbun¬
den ist. Das Register soll dieselbe Genauigkeit auf¬
weisen wie bei einfachen Schnellpressen, auch die
Zurichtung soll die Bequemlichkeit wie bei der letz¬
teren besitzen. Die Farbeverreibung und Deckung
muß eine für den Illustrationsdruck ausreichende sein,
es darf also das Abziehen beim Widerdruck nicht in
Erscheinung treten. Die Konstruktion des Bogenaus¬
ganges soll derart beschaffen sein, daß der frische
Druck möglichst vor dem Verschmieren bewahrt wird.
Auch an die quantitative Leistungsfähigkeit sind An¬
forderungen zu stellen, die schon mit Rücksicht auf
die Herstellung der Platten eine Rentabilität der Ma¬
schinen sichern. Unter Berücksichtigung aller dieser
Umstände mag es keine leichte Aufgabe gewesen sein,
eine für die Dauer brauchbare Rotationsmaschine für
wechselnde Formate auf den Markt zu bringen. Und
doch ist es gelungen, denn durch das Umwechseln
von nur ein oder zwei Wechselrädern kann in ge¬
wissen, durch den Zylinderumfang bedingten Gren¬
zen jedes beliebige Längenformat geschnitten und
gedruckt werden, während verschiedene Breiten¬
formate durch das Einlegen verschieden breiter Papier¬
rollen erzielt werden. Wie schon ausgeführt, geschieht
der Schnitt des Papiers vor dem Drucke. Der Messer¬
zylinder hat stets dieselbe Geschwindigkeit wie der
Druckzylinder, er liegt über der Papierrolle und
schneidet je nach der Geschwindigkeit, mit der das
Papier dem Messerzylinder zugeführt wird, längere
oder kürzere Streifen, also Bogen verschiedener
Formathöhe von dem endlosen Papierstrange ab.
Die Zuführungsgeschwindigkeit des letzteren kann
durch die schon erwähnten Wechselräder den Format¬
längen entsprechend verändert werden. Durch diesen
Arbeitsvorgang wird der wichtigste Teil der Maschine
gekennzeichnet, doch sind noch weitere Angaben
notwendig, um die Wirkungsart der verschiedenen
Mechanismen einigermaßen verständlich zu machen.
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Die Zuführung der abgelösten Bogen zu dem ersten
Druckzylinder geschieht durch Bänder in exakter, auf
das feinste regulierbarer Weise. Der weitere Trans¬
port des Bogens erfolgt alsdann vermittelst eines
Saugapparates mit Ven¬
tilsteuerung, wozu eine
kleine Luftpumpe dient,
die entweder in der Nähe
der Maschine oder auch
in ziemlicher Entfernung
aufgestellt werden kann.
Dieser durchaus sicher
wirkende Apparat saugt
den Bogen, sobald er ein¬
trifft, an den Schöndruck¬
zylinder, übergibt ihn im
Berührungspunkt dem
Widerdruckzylinder und
führt ihn schließlich in
dasjenige Bändersystem,
das den Bogen aus der Maschine zu leiten hat. Die
Bogenübergabe von Schön- auf Widerdruckzylinder
erfolgt dermaßen gleichzeitig, daß das Register durch¬
aus genau und gleichmäßig wird. Die Bogen werden
von den Saugleisten derart fest angezogen, daß kaum
die Möglichkeit besteht, einen Bogen wegzuziehen.
An Stelle dieser pneumatischen Bogenführung um
die Druckzylinder, die lange Zeit durch Patent ge¬
schützt war, setzten andre Schnellpressenfabriken
einfachere Mechanismen fürdenTransportdesBogens
in Form von Greifern und auch Nadeln, doch schon
durch die für bessere Arbeiten erforderliche Ab¬
schmutzrolle, die noch entsprechende Würdigung
findet, wird leicht zu erkennen sein, daß die Saugvor¬
richtungen eine zuverlässigere Arbeitsweise gewähr¬
leisten, wenn auch mit dem Nachteil zu rechnen ist,
daß eine Luftpumpe sowohl Platz wie Triebkraft und
Wartung bedarf.
Wegen ihres mannig¬
fachen Zweckes erhalten
die Rotationsmaschinen
für veränderliche For¬
mate ein sehr vollkom¬
menes Farbwerk, be¬
stehend aus sechs seitlich
sich bewegenden Nackt¬
zylindern, fünf Kompo-
sitions- und vier Auftrag¬
walzen. Eine Eisenwalze
mit schraubenförmiger
Oberfläche hatdenZweck,
die Farbe mathematisch genau auf die beiden Auftrag¬
walzenpaare zu verteilen. Um bei besseren Arbei¬
ten, insbesondere beim Illustrationsdruck, das Abzie¬
hen des Schöndruckes auf dem Widerdruckzylinder
zu verhüten, werden die Maschinen mit einer end¬
losen Abschmutzrolle versehen, die sich nach dem
Gebrauche selbsttätig wieder aufwickelt, daher wie¬
derholt benutzt werden kann. Diese etwas umständ¬
liche Vorrichtung wird durch einfachere Mittel zu er¬
setzen gesucht und zwar
durch dasderFirmaGebr.
Jänecke & Fr. Schnee¬
mann in Hannover durch
Patent geschützte Para-
loid-Verfahren. Es soll
das Abschmutzen des fri¬
schen Druckes an Illu¬
strationsmaschinen auf
verblüffend einfache Ma¬
nier dadurch verhindern,
daß der Widerdruckzylin¬
der durch einige rotie¬
rende, mit Paraloid
getränkte Plüschwalzen
kontinuierlich abgewischt
wird, so daß sich vom Schöndruck keine Farbe an¬
setzen kann. Die Paraloidmasse befindet sich in
einem dem Farbkasten ähnlichen Behälter, der mit
den Wischwalzen in unmittelbarer Nähe des Druck¬
zylinders eingebaut wird, um hier seine durch nichts
beeinflußte Arbeit zu verrichten. Jedenfalls eine
Neuerung, die die tägliche Leistung der in Frage
stehenden Maschinen etwas steigern dürfte. Die in
dieser Hinsicht vorliegenden Ergebnisse sprechen
von einer Mehrleistung von 7000 Drucken im Tag.
Die Geschwindigkeit der Rotationsmaschine für wech¬
selnde Formate richtet sich ganz nach der Druck¬
qualität und erreicht 4000 bis 8000 Bogen in der
Stunde. Der Bau solcher Pressen wird jetzt von sämt¬
lichen dafür in Frage kommenden Maschinenfabriken
ausgeführt und zwar mit und ohne Falzapparate so¬
wie bänderlosen Falzvorrichtungen. Eine besonders
bemerkenswerte Neu¬
konstruktion brachte die
Vogtländische Maschinen¬
fabrik auf den Markt mit
ihrer Rotationsmaschine
für veränderliche For¬
mate und vielmalige Falze,
durch die es möglich ist,
die ganzen Bogen jeden
Formats von 4 bis zu 64
Seiten fertig gefalzt und
bedruckt auszulegen.
Auch die Firma Koenig &
Bauer konstruierte erst
neuerdings eine Spezial-Rotationsmaschine für
Bücherdruck.
Auf Grund des an den variablen Maschinen vorhan¬
denen Farbwerks mit seinen vier Auftragwalzen ließen
sich auch auf dem Gebiete des Illustrationsdruckes
L
Rotationsdruckmaschine für wechselnde Formate
Pneumatische Bogen Führung, Falzapparat und Plano-Bogcnausleger
Koenig & Bauer, Maschinenfabrik Kloster Oberzell G. m. H., Würzburg
Variable Mchrfalz-Illustrations-Rotationsdruckmaschine für genauen Buchfalz
Vogtländische Maschinenfabrik ( vorm.J. C. & H. Dietrich) Akt.-Ges., Plauen i. V.
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Original fram
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
recht beachtenswerte Leistungen erzielen, wie vor¬
liegende in- und ausländische Druckproben erkennen
lassen. Der Fortschritt der Zeit bedingte aber, daß
zur Konstruktion von Maschinen geschritten werden
mußte, die auch den allerhöchsten Anforderungen zu
genügen imstande sind, die in der Jetztzeit an die
Druckausführung gestellt werden. Ich will nur er¬
innern an die von der Maschinenfabrik Augsburg für
die Zeitschrift Über Land und Meer in früherer Zeit
gelieferten Rotationsmaschinen, die ziemlich ausge¬
dehnte Farbwerke besaßen. Nicht weniger als sieben
Auftragwalzen waren an jedem Farbwerk angebracht,
die mit zehn Stahl- und sechs Massewalzen in Ver¬
bindung standen. In neuerer Zeit ist, dem Drange
der Zeitverhältnisse entsprechend, zum Bau von
Spezial-Illustrations-Rotationsmaschinen für Auto¬
typiedruck geschritten worden, damit selbst das
enge Netz der Autotypie in voller Reinheit und
Sauberkeit auf der Rotationsmaschine wiedergegeben
werden kann. Auch diese Aufgabe kann als gelöst
gelten, wenn die Druckergebnisse zum Beweis ge¬
nommen werden. Bei der für eine unsrer bekann¬
testen illustrierten Zeitschriften gebauten Illustra¬
tions-Rotationsmaschine ist das Hauptaugenmerk in
erster Linie auf die Qualität des Druckes gelegt wor¬
den, um den Wettbewerb mit dem Flachdruck
erfolgreich zu bestehen. Diese Maschine, die einen
Zylinder von 126 cm Umfang und Papierbahnen von
94 cm Breite hat, druckt gleichzeitig 32 Illustrations¬
seiten der „Woche“. Die Farbwerke sind mit sechs
Auftragwalzen versehen, von denen je zwei selb¬
ständig durch eine Anzahl von eisernen Verreib- und
Massewalzen gespeist werden. Jedes Farbwerk ent¬
hält neun seitlich sich bewegende Reibzylinder und
nicht weniger als vierzehn Kompositionswalzen. Die
Verreibung und Verteilung der Farbe ist demzufolge
eine ausgezeichnete, was aus dem klaren und reinen
Druck der „Woche“ ganz unzweideutig hervorgeht.
Jeder der beiden Plattenzylinder ist zur Aufnahme
von sechzehn einzelnen cicerostarken Galvanos ein¬
gerichtet, jedes Galvano faßt nur eine Seite dieser
Zeitschriftund wird einzeln eingespannt, so daß dieZu-
richtung von unten nicht nur bequem, sondern eben¬
so wirkungsvoll ausgeführt werden kann wie beim
Flachdruck. Die Schneidevorrichtung weicht von der
sonst gebräuchlichen ab, denn der Schnitt ist im Ge¬
gensatz zu allen andern Rotationsmaschinen nicht
gezackt, sondern glatt, eine wichtige Verbesserung,
durch die der besonders beim feinen Druck so stö¬
rende Papierstaub vollständig vermieden wird. Die
Bogen werden von der Ablegevorrichtung plano aus¬
gelegt, um jeglichem Verschmieren durch Falzvor¬
richtungen von vornherein vorzubeugen. Die Druck¬
qualität dieser Maschine hält nach den vorliegenden
Proben jeden Vergleich mit dem Flachdruck so ziem¬
lich aus. Ohne allen Zweifel ist mit dem Bau solcher
Riesendruckwerke ein großer Schritt nach vorwärts
getan, und ein weiterer Absatz derartiger Maschinen¬
gattungen hängt lediglich davon ab, inwieweit sich die
Zahl und die Auflage unsrer illustrierten Journale in
ähnlicherWeise vermehrt, wie es in den letzten Jahren
in England und Amerika zu beobachten war.
Bei derartig komplizierten Maschinen trägt zum
guten Gelingen des Druckes nicht zuletzt die gute
Beschaffenheit der Hilfsapparate für die Stereotypie
und Galvanoplastik bei. In Würdigung der außer¬
ordentlichen Bedeutung, die die gute Herstellung der
gebogenen Platten für den Illustrations-Rotationsdruck
besitzt, wird der Herstellung der Hilfsmaschinen jetzt
ganz besondere Aufmerksamkeit zugewendet. Für
alle zum Illustrationsdruck bestimmten Rotations¬
maschinen werden gegenwärtig wesentlich dünnere
Platten verwendet als beim einfachen Zeitungsdruck,
damit eine Ausgleichung unter der Platte auch zur
Wirkung kommen kann. Im großen und ganzen haben
die Hilfsmittel der Galvanoplastik wie die Werkzeuge
der Buchdruckerei eine wesentliche Besserung gegen
frühere Zeiten erfahren.
Auf dem Gebiete desIllustrations-Rotationsdruckes
ist in neuerer Zeit wieder ein Fortschritt zu verzeich¬
nen, der aber weniger den Schwarzdruck betrifft als
vielmehr das Erstehen bunter Bilder auf der Rota¬
tionsmaschine und zwar in einem Arbeitsgange. Auch
die in dieser Richtung unternommenen Versuche sind
nicht neueren Ursprungs, denn die deutsche Ur¬
sprungsfabrik Koenig & Bauer hat schon vor vielen
Jahren Drei- und Fünffarben-Rotationsmaschinen
nach dem Patent Payne gebaut. Im Anfänge seiner
Entstehung blieb aber der Buntdruck der Rotations¬
maschine lediglich auf den Nebeneinanderdruck be¬
schränkt, obwohl sich gerade durch den Übereinander¬
druck die mannigfachsten Nuancen und Töne erzielen
lassen. Das Naß-auf-Naß-Drucken wird wohl allezeit
kleinen und großen Schwierigkeiten begegnen, die
wohl auch die Citochromie nicht völlig zu meistern
vermag. Im Mehrfarbenrotationsdruck behilft man
sich heute in der Hauptsache mit schraffierten Flä¬
chen, so daß die bunten Bilder trotz der Schnellig¬
keit des Druckes ein ganz passables Aussehen er¬
reichen, ohne jedoch höheren Ansprüchen genügen
zu können, was ja wohl auch nicht beabsichtigt wird.
In der Autotypie mit entsprechend weitem Raster
wurde eine entsprechende Unterlage für den Druck
bunter Bilder auf der Rotationsmaschine geschaffen,
die ohne Zweifel noch zu weiteren Erfolgen führen
wird. Die in früherer Zeit gebauten Drei- und Fünf¬
farben-Rotationsmaschinen druckten in bekannter
Weise von gebogenen Galvanos mit einem Platten¬
zylinder, der auf seinem Umfange hintereinander die
Platten für die drei oder fünf Farben trägt, und einem
Druckzylinder, auf welchem der Bogen während des
ganzen Druckverfahrens unverrückbar festgehalten
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wird. Das Register der drei oder fünf Farben ist dem¬
nach ohne Zweifel ein genaues. Die Anzahl der zu
druckenden Farben wird geradezu unbegrenzt, wenn
die bedruckten Bogen mehrere Male durch die
Maschine laufen, nachdem die jeweiligen Farben und
Platten durch andre ersetzt sind. Die stündliche Lei¬
stung solcher Maschinen läßt sich je nach Bogen¬
größe und Farbenzahl auf nur 600 und 1000 be¬
messen, eine Zahl, die uns allerdings im Gegensatz
zum sonstigen Illustrationsdruck recht eigenartig an¬
mutet. Das Format ist beliebig veränderlich, indem
die Bogen wie bei der einfachen Maschine gegen
Marken angelegt werden. Diese Maschinen sind für
bestimmte Arbeiten, wie Spiel- und Landkarten usw.,
gedacht und haben schon deswegen eine weitere Ver¬
breitung nicht gefunden.
Mehrfarben-Rotationsmaschinen, die direkt von
der Rolle drucken, sind erstmalig von der Maschinen¬
fabrik Augsburg geliefert worden. Die erste Zwei¬
farbenmaschine erblickte bereits im Jahre 1884 das
Licht der Welt. Sie kam nach Leipzig, während eine
Maschine für einfarbigen Schöndruck und vierfarbigen
Widerdruck für Budapest gebaut wurde. Die Zwei-
farben-Rotationsmaschine bedruckt die Bogen beider¬
seits in zwei Farben und legt sie auf zwei Tische aus.
Die Farbwerke besitzen je sechs Auftragwalzen, die
Verreibung ist eine sehr intensive. Je zwei Platten¬
zylinder wirken auf einen doppelt so großen Druck¬
zylinder. Das Abziehen der Schöndrucke ist durch
Verwendung der Schmutzpapierrolle verhindert.
Seit der Schaffung dieser Maschine ist geraume
Zeit verstrichen. Es wäre ein Wunder gewesen, wenn
die Maschinenbauer nicht unausgesetzt bemüht ge¬
blieben wären, dem Buntdrucke auf der Rotations¬
maschine mehr und mehr die Wege zu ebnen. Durch
den Bau von Rotationsmaschinen für fünf-, sechs-
und achtfarbigen Druck ist der Beweis erbracht für
das Gelingen der aufgewandten Arbeit. Eine Fünf-
farben-Rotationsmaschine mit Falz- und Heftapparat,
Spezialmaschine für farbig illustrierte Zeitschriften,
wurde von Koenig & Bauer nach Mailand geliefert.
Die vorliegende Druckprobe zeigt hinsichtlich Druck
als auch Falz und Heftung tadellose Ausführung, und
bei Verwendung besseren Papiers würde sich wohl
auch eine Steigerung in der Druckqualität erzielen
lassen. Entsprechend der in der Maschine vereinig¬
ten Eisenmassen ist deren Ausdehnung eine ziemlich
beträchtliche, denn sie besitzt eine Länge von 87* m,
eine Höhe von 3 m und eine Breite von 4 m. Von
den sechs Druckwerken werden vier vom Boden und
zwei von den Galerien aus bedient. Alle bewegten
Massen, insbesondere die schweren Druck- und
Plattenzylinder, sowie die Farbwerke sind tief ge¬
lagert und zwar nicht ausschließlich der bequemen
Bedienung wegen, sondern deshalb, um mit der tiefen
Lage des Schwerpunktes eine größere Stabilität der
Maschine zu verbinden. Über Arbeitsweise und Lei¬
stung der Maschine nur folgendes: Von der am Boden
befindlichen Druckpapierrolle gelangt der Papier¬
strang zum Schöndruck, der in einer Farbe erfolgt.
Sodann geht der Strang hintereinander über die fünf
Widerdruckzylinder, um in fünf Farben bedruckt zu
werden. Von dem fünften Zylinder wird der beider¬
seits bedruckte endlose Papierstrang über die ganze
Maschine hinweg nach dem Falzapparat geleitet, wo¬
bei die frisch bedruckte Seite nach oben liegt. Durch
diese Anordnung wird besonders den bunten Farben
etwas Zeit zum Trocknen gegeben und das Verschmie¬
ren des frischen Druckes nach Möglichkeit vermieden.
Vor dem Auflauf auf den Trichter wird der endlose
Papierstrang durch einen Längsbogenschneider in
zwei halbbreite Stränge zerschnitten, die über den
Trichter gleitend aufeinander gelegt werden. Dieser
doppelte Strang tritt sofort zwischen die beiden
Zylinder des kombinierten Schneid-, Sammel-,
Querfalz- und Heftapparates. Hier werden von dem
endlosen Strange Größen von halbem Zylinder¬
umfang (acht Seiten) abgeschnitten. Ist die Sammel¬
vorrichtung abgestellt, so werden diese achtseitigen
Exemplare einzeln gefalzt und geheftet; ist die Sam¬
melvorrichtung in Tätigkeit, so werden je zwei acht¬
seitige Drucke übereinander gesammelt, und das so
entstehende sechzehnseitige Exemplar gefalzt und ge¬
heftet. Die fertigen Exemplare fallen in einen rotie¬
renden Führungsausleger, der sie staffelförmig auf
einen langsam laufenden Gurt ablegt. Diese Vorgänge
vollziehen sich ohne Zuhilfenahme irgendwelcher
Bänder. Bei 8 Seiten beträgt die stündliche Leistung
8000 und bei 16 Seiten 4000 Exemplare. Dieser
Typus wird für alle Formate und Variationen gebaut.
Die Sechsfarben-Rotationsmaschine der Schnell¬
pressenfabrik Frankenthal, gebaut für veränderliche
Formate, dürfte des besseren Verständnisses wegen
etwas zu erläutern sein. Sie stellt sozusagen den
letzten Grad der Vervollkommnung dar, der in neuerer
Zeit erstrebt wurde durch das Verdrucken der ver¬
schiedensten Formate auch bei Mehrfarben-Rotations-
maschinen. Der gesamte Aufbau der Maschine ist
dadurch gegeben, daß das Papier auf möglichst kur¬
zem Wege die verschiedenen druckenden Zylinder
und den Falzapparat durchlaufen und daß sämtliche
Teile der Maschine möglichst zugänglich sein sollen.
Zu diesem Zwecke ist ganz oben auf dem kräftig ge¬
haltenen Gestell die Schneidvorrichtung mit Papier¬
zuführung angeordnet, von wo das Papier sich um
die Zylinder herumwindet und am Ende der Maschine
unten in bequemer Höhe fertig bedruckt und gefalzt
die Maschine verläßt. Von der Rolle steigt das Papier
in die Höhe, wird beiderseits von Bürsten von dem
anhaftenden Staub gereinigt und geht zu den Zuführ¬
walzen, die je nach den aufgesetzten Wechselrädern
mehr oder weniger Papier zu den Schneidzylindern
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zuführen, also dementsprechend große oder kleine
Bogenhöhen abschneiden. Dieser Apparat gestattet
in den Grenzen des größten und kleinsten Formates
alle Papiergrößen in Abstufungen von 1 zu 1 mm zu
schneiden, während durch Verwendung verschieden
breiter Papierrollen sich auch in der Breite alle ge¬
wünschten Formate verdrucken lassen. Von den
Schneidzylindern geht der Bogen durch Reißwalzen
zu einer Zuführbandleitung, wodurch er an den ersten
Druckzylinder abgegeben wird. Die Reißvorrichtung
funktioniert derart vollkommen, daß dieBogen äußerst
gleichmäßig zu den Druckzylindern gelangen. Die
genannte Bandleitung kann die Bogen nicht be¬
schmutzen, da sie noch unbedruckt sind, somit auch
keine Farben abziehen kann. Der abgeschnittene
Bogen geht nun über die verschiedenen Druckzylinder,
von welchen jeder mit zwei Plattenzylindern arbeitet,
um am Ende des Druckganges mit zwei Farben Schön-
und vier Farben Widerdruck versehen zu sein. Die
Farbeverreibung ist entsprechend der für die Ma¬
schine bestimmten Arbeiten eine vollkommene zu
nennen, weil vor jedem Druck eine zweimalige Ein¬
färbung erfolgt, genau wie an den Flachdruckpressen.
Die Farbkästen sind mit amerikanischem Farblineal
ausgestattet. Die Druckzylinder für Widerdruck haben
in ihrem Innern Abschmutzpapierrollen, die das Ab¬
ziehen des frischen Druckes verhindern. Die Druck¬
zylinder haben alle besondere Einrichtung zur voll¬
kommen genauen Festhaltung der Bogen, so daß mit
der Maschine ein tadelloses Register erzielt wird. Der
unterste Druckzylinder gibt die Bogen an einen gro¬
ßen Falzzylinder ab, der mit zwei kleinen Zylindern
arbeitet und zwar völlig bänderlos und ohne Anwen¬
dung von Nadeln. Von den Falzzylindern geht der
Bogen durch Walzen mit Kreismesser, welche die
Bogen längs schneiden können, zu dem Auslegetisch,
wo ein Tupfer die Bogen ordentlich niederlegt. Die
Maschine leistet bis zu 7000 Bogen in der Stunde im
üblichen Format unsrer Wochenzeitschriften.
Die Achtfarben-Rotationsmaschine der Maschinen¬
fabrik Augsburg druckt ebenfalls direkt von der Rolle,
denn eine andre Arbeitsweise kann für den Massen¬
farbendruck wohl nicht mehr inFrage kommen. Dieses
Riesendruckwerk in des Wortes verwegenster Bedeu¬
tung besitzt acht Farbwerke für Illustrationsdruck
und vier Papierrollen (zwei Druckpapier- und zwei
Schmutzpapierrollen) sowie acht Druck- und ebenso
viele Plattenzylinder, einen Falz- und zwei Ablege-
apparate. Auf dem einen Papierstrang kann entweder
einfarbiger Schön- und fünffarbiger Widerdruck oder
zweifarbiger Schön- und vierfarbiger Widerdruck her-
gestellt werden; der zweite Papierstrang dient beider¬
seits nur zum Schwarzdruck. Von diesen beiden durch
die Schneidzylinder vereinigten Papiersträngen wer¬
den lßseitige Exemplare abgetrennt, welche durch
die Falzapparate zweimal ineinander gefalzt und auf
zwei Tische abgelegt werden. Die Maschine ist so
eingerichtet, daß entweder nur mit der einen oder
mit der andern Papierrolle gedruckt werden kann, in
welchem Falle dann die nicht verwendete Maschinen¬
partie abgestellt ist. Die erhaltenen Bogen können
ebenfalls zweimal gefalzt auf einen Tisch oder ein¬
mal gefalzt auf zwei Tische abgelegt werden. Das
Farbenwerk einer Achtfarben-Rotationsmaschine muß
aus leicht begreiflichen Gründen ein ausgesucht voll¬
kommenes sein, was schon aus den zu jedem Farb¬
werk gehörenden sieben Auftragwalzen hervorgeht.
Bei der Farbeverreibung ist das Prinzip der Farbtei-
lung durch eine Spiralwalze zur Anwendung gebracht.
Ganz besonders wichtig ist beim Farbendruck ein
möglichst genaues Register, und die Art desRegister-
machens muß bei einer Maschine mit so vielen Farb¬
werken auf die bequemste Weise erfolgen können,
da andernfalls das Zurichten und Zusammenpassen
der Farben ungeheuer viel Zeit in Anspruch nehmen
würde. Aus diesem Grunde können die Plattenzylinder
einzeln entsprechend verschoben werden, sofern das
haarscharfe Ineinanderpassen noch nicht erreicht ist.
Zu Anfang meiner Ausführungen erwähnte ich, daß
eine deutsche Schnellpressenfabrik in ihrem neue¬
sten Katalog nicht weniger als etwa 50 Rotations¬
maschinentypen aufführt. Ein schlagenderes Beispiel
für die verschiedenen und weitgehenden Ansprüche,
die heute an die Maschinenbauanstalten gestellt wer¬
den, brauche ich wohl nicht zu geben. Zu jeder Druck¬
ausführung, sei sie auch noch so schwierig, möchte
heute die Rotationsmaschine in Anspruch genommen
werden, um Massenerzeugnisse herzustellen. Beson¬
ders ist es die Papierverarbeitungsindustrie, die sich
alle nur denkbaren Rotationsmaschinen für die ver¬
schiedenartigsten Sonderzwecke bauen läßt. Da gibt
es zum einseitigen zweifarbigen Bedrucken von Per¬
gament- und Einwickelpapieren Zweifarbenrotations¬
maschinen für veränderliche Formate, die entweder
das endlose Papier nach dem Druck wieder aufrollen
oder die abgeschnittenen Bogen ungefalzt auslegen.
Ferner bestehen Zweifarbenrotationsmaschinen, die
bei einmaliger Stereotypie richtig geordnete und ge¬
schnittene zweifarbige Kalenderblocks liefern. Weiter
gibt es Spezialrotationsmaschinen für fünffarbigen
einseitigen Druck oder einseitigen Schöndruck und
vierfarbigen Widerdruck zur Herstellung von Straßen¬
bahnbilletts, Verkaufszetteln, Prospekten und ähn¬
lichen Arbeiten. Diese Maschinen liefern stündlich
6000 bis 7000 ungefalzte Bogen und besitzen noch
Einrichtungen für beliebig festes oder loses Wieder¬
aufwickeln des endlosen Papierstranges nach dem
Druck sowie Numerierwerke.
Der Vollständigkeit wegen wäre noch die Flach¬
druckrotationsmaschine zu behandeln, doch wird sich
Gelegenheit finden über diese Maschinengattung
einen besonderen Artikel zu veröffentlichen.
367
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Original frorn
PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
So hat sich der Rotationsdruck im Laufe der Zeit
zu einer so vollkommenen und so hochstehenden
Leistungsfähigkeit entwickelt, daß eine weitere Ver¬
vollkommnung, eine weitere Leistungsfähigkeit aus¬
geschlossen erscheint. Und doch wird auch die Zu¬
kunft keinen Stillstand kennen, denn das Erscheinen
jetzt noch ungeahnter Druckwerke wird auch auf dem
Gebiete des Rotationsmaschinenbaues neue Ideen
und neue Aufgaben bringen, die die Druckmaschinen¬
fabriken gleich trefflich wie bisher lösen werden.
Eine Studienreise in Nordamerika.
Von G. NICOLAUS, Kaiserlicher Bauinspektor, Reichsdruckerei, Berlin.
II.
N Washington sollten hauptsächlich die Staats¬
druckereien besucht werden. Der Besuch wurde
mir jedoch insofern etwas erschwert, als der
Direktor der Government Printing Office, an den meine
Empfehlung von der deutschen Botschaft gerichtet
war, gerade vom Präsidenten vom Dienste suspendiert
war. Nach dem Grunde brauchte ich nicht lange zu
fragen, denn die Zeitungen in Amerika sind viel
offener als bei uns, und so las ich denn in der Wa¬
shington Post vom 6. Februar 1908 unter der Über¬
schrift: „Stillings raus“, daß der Grund für seine Ent¬
lassung die Einführung eines neuen Buchführungs¬
systems in der Anstalt war. Die Kosten dieses Buch¬
führungssystems, das nicht von der Staatsdruckerei,
sondern von einer außerhalb stehenden Stelle aus¬
gearbeitet ist (The Audit System, New York), waren
nämlich auf 25000 Dollars veranschlagtes hatte aber
schließlich so viel mehr gekostet, daß durch diese
Mehrkosten nicht nur sein Nutzen völlig wett ge¬
macht, sondern auch die Ausgaben stark erhöht wur¬
den. Ich würde diesen Punkt nicht erwähnen, wenn
er nicht für viele Erscheinungen des modernen In¬
dustrielebens typisch wäre. Fast überall sehen wir,
daß die Buchführung dem rastlosen Fortschritt der
Technik nicht schnell genug folgen kann und daß
hierdurch die Wirtschaftlichkeit größerer Betriebe
nicht immer gewahrt bleibt. Zwar nicht, weil ihnen
die innere Lebenskraft fehlt, sondern weil die Ge¬
schäftsbücher nicht so, wie es notwendig wäre, ge¬
führt werden. Diese Erscheinung zwingt dann dazu,
die Rechenschaftslegung gänzlich umzugestalten und
sie den Betriebsfortschritten entsprechend zu ändern.
Hierbei können nun zwei Fälle Vorkommen: Entweder,
es wird durch die gemeinschaftliche verständnisvolle
Tätigkeit von Kaufmann und Ingenieur, d. h. Ver¬
waltungsbeamten und Betriebsmann eine brauchbare
Buchführung geschaffen, oder aber es wird, wie es
dort eingetreten zu sein scheint, von irgendeiner mit
der Technik nicht hinlänglich vertrauten Stelle ein
Berechnungssystem geschaffen, das zwar bis in die
kleinsten Einzelheiten geht, aber trotzdem seinen
Zweck nicht erreicht. Es fehlt ihm nämlich entweder
die belebende Kraft, d.h. es ist zu schematisch, oder
es wird verständnislos bzw. zu bureaukratisch ge-
handhabt und ist dann weniger ein Produkt der
Intelligenz als der Fähigkeit zu addieren und sub¬
trahieren. Die Folge davon ist zwar eine genaue
Bilanz, aber durch die Fesseln wird dem Techniker,
der ja der eigentliche Werte schaffende Faktor ist,
jede Arbeitsfreude benommen und die Buchführungs¬
kosten sind höher als die entstandenen Vorteile. Das
letztere scheint hier der Fall gewesen zu sein. Ge¬
waltsam, aber echt amerikanisch ist die Lösung, die
die Angelegenheit gefunden hat. Hierbei mußte ich an
ein andres Reisegespräch denken. Sehen Sie, sagte
mir der Leiter einer Firma, die Fabrikation macht
uns keine Schwierigkeiten, nur mit dem Einkauf und
Verkauf hapert es manchmal. Ich konnte nicht um¬
hin, ihm zu erwidern: Dann scheinen zwar ihre In¬
genieure ihre Sache zu verstehen, die Kaufleute aber
nicht. Also auch hier der alte Gegensatz, der nur
durch verständiges Zusammenarbeiten zu lösen ist.
Bei der großen Ausdehnung der beiden Staats¬
institute mußte von vornherein darauf verzichtet wer¬
den, alle Abschnitte durchzugehen, vielmehr war eine
Beschränkung auf einzelne Gebiete nötig.
Ich beginne mit der Schilderung meiner Eindrücke
beim Besuch der Banknoten-Druckerei. Diese, das
Bureau of Engraving and Printing (Abbildung 3), stellt
seit Beendigung des Bürgerkrieges, dem Jahre 1865,
alles Papiergeld, die Postmarken, sowie die Wert¬
zeichen für die internen Steuern (internal Revue) her.
Das im Jahre 1880 erbaute Gebäude ist bereits drei¬
mal vergrößert worden. Obgleich es nach unsrer An¬
schauung als ein recht modernerFabrikbau bezeichnet
werden muß, ist im vorigen Jahre ein Neubau
beantragt worden. Dafür wurden mir vom Direktor
Sullivan folgende Gründe angegeben. Die Erzeugung
von Wertzeichen nimmt immer mehr zu. Dieser Zu¬
wachs ist ständig und muß, da die gegenwärtigen
Baulichkeiten schon unzureichend sind, wenn nicht
bald ein neues Gebäude geschaffen wird, zu den
größten Unzuträglichkeiten führen. Es ist also
besser mit dem Neubau zu beginnen, ehe dies der
Fall ist.
Durch die mehrfachen Anbauten ist die Gesamt¬
anlage vollkommen unübersichtlich geworden und
hat die Verlegung mehrerer Gruppen von ihren frü¬
heren Plätzen verlangt, so daß sich jetzt zusammen¬
gehörige Abteilungen an verschiedenen Orten des
Gebäudes befinden. Kleiderablage und Bedürfnis¬
räume sind völlig unzureichend. Die unzureichenden
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Original fro-m
PRINCETON UNtVERSITY
Illustrations-Rotationsdruckmaschine mit bänderlosem Falzapparat
Vereinigte Maschinenfabrik Augsburg u.Maschinenbaugesellschaft Nürnberg A.-G
Werk Augsburg
Vielfarben-Rotationsdruckmaschine (Drei- bzw. Fünffarben-
Rotationsmaschine) zum Druck von geschnittenen Bogen
Koenig & Bauer, Maschinenfabrik Kloster Oberzell G.m.b.H., Würzburg
Illustrations-Rotationsdruckmaschine für Autotypiedruck mit Farbwerken zu 6 Auftragwalzen, Abschmutzrolle und bänderlosem Piano-Ausleger
Koenig & Bauer, Maschinenfabrik Kloster Oberzell G.m.b.H., Würzburg
Zweifarben-Rotationsdruckmasehine. Vereinigte Maschinenfabriken
Augsburg und Nürnberg. Werk Augsburg
Sechsfarben-Illustrations-Rotationsdruckmaschine für veränderliche Formate
Mit bänderloscm Falzapparat. Schnellpressenfabrik Frankenthal Albert & Co
Akt.-Ges., Frankenthal (Rheinbayern)
Beilage zum ^.rchiv für
Zu dem Artikel: Zur EntwicklungldeT Rotationsmaschinen
PRINCETON UNIVERSITÄT
Rotationsdruckmaschine für fünffarbigen Illustrationsdruck mit 6 Farbwerken, Abschmutzvorrichtung, bänderlosem Falzapparat und Drahtheftapparat
Koenig & Bauer, Maschinenfabrik Kloster Oberzell G.m.b.H., Würzburg
Achtfarben-Rotationsdruckmaschine. Vereinigte Maschinenfabrik Augsburg und Maschinenbaugesellschaft Nürnberg A.G. Werk Augsburg
Sechsrollen-Rotalionsdruckmaschine der Vereinigten Maschinenfabrik Augsburg und Maschinenbaugesellschaft Nürnberg A.-G. Werk Augsburg
Zu dem Artikel: Zur Ent;
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ionsmaschinen
Beilage .zum. Archiv für Buchgewerbe
PRINCETON UN1VERSITV
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Kräfte an Maschinen und Menschen zwingen fort¬
während zu Überstunden, wodurch ebenso wie durch
die großenTransporte der
Halbfabrikate eine Ver¬
größerung der Herstel¬
lungskosten verursacht
wird. Ein speziell ameri¬
kanischer Grund war fer¬
ner noch der, daß bei
Überstunden die in dem
Institut in großer Zahl be¬
schäftigten Damen in spä¬
ten Stunden ihren Nach¬
hauseweg durch den um¬
gebenden Park und ohne
die Möglichkeit, die
Straßenbahn zu benutzen,
zurücklegen müßten.
Die Entwürfe für die
Wertpapiere, die in der Anstalt selbst hergestellt
werden, erhalten meist eine in Guillochiermanier
hergestellte Umrahmung und darin Porträts ameri¬
kanischer Staatsmänner. Dadurch, daß alle Ent¬
wurfsarbeit im Hause erfolgt, kommen nur Künstler
zur Arbeit, die von vornherein die notwendigen An¬
sprüche technischer Natur, die an ein Wertpapier aus
Sicherheitsgründen gestellt werden müssen, kennen,
wodurch viele vergebliche Arbeit und Kosten gespart
werden. Außerdem ist dies
wohl die Ursache für die große
Einheitlichkeit der amerikani¬
schen Scheine, die sich schon
in dem für den Gebrauch über¬
aus praktischen, gleichen For¬
mate ausdrückt. Die Künst¬
ler des Instituts arbeiten ihre
Entwürfe auf Vorrat, um bei
Neuherstellung von Noten so¬
fort mit Vorschlägen kommen
zu können. Es wurde mir
beiläufig mitgeteilt, daß die
Künstler etwa 6000 Dollar
jährlich erhalten, und daß
für die Herstellung eines
Kopfes, wie z.B. Washing¬
tons auf den 20 Dollar¬
noten, wohl der schönste
Kopf der amerikanischen
Banknoten, ein Zeitraum
von etwa zwei Monaten er¬
forderlich ist. Beliebt sind
bei Staatspapieren (wie
auch bei allen Staatsgebäu¬
den, die in Washington
meist in hellem Marmor ausgeführt sind) die klassi¬
schen Formen. Als Reproduktionsverfahren dient
369
ausschließlich Stahlstich und zwar wird die Platte
mit der Originalgravüre gehärtet und dann mit der
Übertragepresse (Abbil¬
dung^ auf einen weichen
Stahlzylinder (Rolle) ab¬
gewalzt. Diese Rolle wird
dann gleichfalls gehärtet
und auf dieselbe Weise
wird das Relief der Rolle
in eine weiche ebene
Stahlplatte abgedrückt.
Auf dieselbe Platte wer¬
den dann auch die übrigen
Teile der Zeichnung, die
meist von verschiedenen
Künstlern hergestellt wer¬
den, zusammengetragen.
Nachdem die einzelnen
Bestandteile in Einklang
gebracht und von dem Graveur überarbeitet worden
sind, wird dieses Stück, das nunmehr das fertige
Original der Note darstellt, gehärtet. Dieses Original
dient zur Herstellung der Rollen für die Anfertigung
der Druckplatten. Die auf den Scheinen vorkommen¬
den Guillochen werden nicht, wie bei uns, durch
Ätzung hervorgebracht, sondern durch zwangläufig ar¬
beitende Guillochier-Maschinen (Abbildung 5) direkt
in die Stahlplatten eingeschnitten. Für die Druck¬
platten wird vielfach nicht das
Positiv hiervon, sondern ein
durch das Übertragungsver¬
fahren hergestelltesReliefver-
wendet, wodurch dieungemein
feinen weißen Guillochen auf
den amerikanischen Scheinen
(besonders hervortretend auf
der 20Dollarnote) erzielt wer¬
den. Als Grund für dieses
Verfahren wurde mir ange¬
geben, daß es zwar möglich
sei, einen vertieften Linienzug
mit der Hand zu schneiden,
niemals aber einen erhabenen
beim Stechen stehen zu
lassen, ohne die schlanke
Linienführung zu beein¬
trächtigen. Der Übertra¬
gungsprozeßwurde mir für
eine Briefmarke gezeigt.
Zur Herstellung eines Mar¬
kenabdruckes genügte ein
zehn- bis zwölfmaliges
Übergehen, was in ganz
wenig Zeit, etwa V 2 Minute,
beendet war. Hierzu kommt noch als Vorteil die
voll Herrn Geheimen Regierungsrat Professor Röse
51
Abbildung 3. Bureau of Engravlng and Printing in Washington
Abbildung 4. Übertragepresse
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PRINCETON UNIVERSiTY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
(Reichsdruckerei) hervorgehobene Möglichkeit des
Wiederaufwalzens abgenutzter Platten. Das geschil¬
derte Verfahren bedingt das „harte“ Aussehen der
amerikanischen Noten, eine Eigentümlichkeit des
Stahlstiches, die ihm in künstlerischer Beziehung den
Garaus gemacht hat. Im Gegensatz hierzu veranlaßt
das bei uns übliche Kupferstichverfahren verbunden
mit der galvanoplastischen Übertragung die der Radie¬
rung eigene Weichheit unsrer Banknoten. Welches
Verfahren den Vorzug verdient, ist neben der wirt¬
schaftlichen Seite lediglich Geschmacksache. Falsch
wäre es, ohne weiteres das eine oder andre Ver¬
fahren als das einzig richtige zu bezeichnen. Auf
einer Briefmarkenplatte befinden sich 400 Marken,
Abbildung 5. Guillochier-Maschine
auf einer solchen für Scheine 4 Stück. An Übertra¬
gungsmaschinen waren etwa 20 Stück vorhanden.
Die Platten mit den übertragenen Zeichnungen
werden entweder in ebenem Zustande, oder, wenn
für die Rotationsmaschine bestimmt, nachdem sie
gebogen sind, in einem durch Gasheizung ge¬
schmolzenen Bade von Zyankalium gehärtet und mit
Öl abgekühlt. Das Öl wird, damit es nicht zu heiß
wird, durch eine Pumpe in steter Zirkulation gehalten.
Der Stahl für die Platten wird aus England bezogen,
da in Amerika kein entsprechendes Material zu haben
ist. Nach der Härtung sind die Platten selbst durch
eine neue Feile unangreifbar. Die vollendeten und
für den Druck fertigen Platten werden zusammen mit
allen Matrizen und Rollen durch einen Beamten des
Schatzamtes in Verschluß gehalten und zwar in
großen, feuer- und einbruchsicheren Wertgelassen,
in denen sie auf eisernen Gestellen gelagert werden.
Die Verschlüsse dieser Wertgelasse unterscheiden
sich von denen der Reichsdruckerei dadurch, daß sie
außer den mehrfachen und sich gegenseitig blockie¬
renden Handverschlüssen noch einen Zeitverschluß
haben, der das Öffnen des Tresors auch bei Vor¬
handensein sämtlicher Schlüssel zu einer andern,
als der eingestellten Zeit unmöglich macht.
Das Druckpapier wird vom Schatzamt, dem die
Druckerei untersteht, gegen Quittung in gezählten
Blättern für den Druck geliefert. Es gelangt zu¬
nächst zur Feuchterei, wo immer 10 bis 20 Blätter
zwischen nasse Tücher gelegt und dann mit Ge¬
wichten belastet werden, bis nach einmaligem Um¬
legen des Papiers alle Blätter die für den Druck
nötige Feuchtigkeit aufgenommen haben. Das System
des gegenseitigen Zuzählens gegen Quittungsleistung
ähnelt im großen und ganzen dem in der Reichs¬
druckerei üblichen, nur daß im allgemeinen nicht
der Drucker die Quittung leistet, sondern seine Ge¬
hilfin. Der Druck aller Banknoten geschieht auf
Handpressen, die keinen Kraftantrieb haben, son¬
dern die sich der Drucker selbst durchdrehen muß.
Jeder Kupferdrucker hat eine Gehilfin, die das
Papier auflegt, sowie abnimmt, ferner für die Zahl
der Drucke in Übereinstimmung mit dem verdeckt
angebrachten Zählwerk der Maschinen verantwort¬
lich ist. Im großen Druckraum sind 225 Pressen
und 500 Angestellte an der Arbeit. Der Raum da¬
selbst ist so beengt, daß es kaum möglich ist, zwischen
den Pressen ungefährdet hindurchzugehen. Der
Aufenthalt der vielen Menschen in diesem Raume,
die Wärmeausstrahlung von den Heizvorrichtungen
für die Platten, sowie der Geruch der Kupferdruck¬
farben machen das Verweilen in diesem Betriebe
nicht gerade angenehm. Dieser Umstand ist tatsäch¬
lich ein durchgreifendes Argument für die notwendige
Erweiterung.
Die bedruckten Scheine werden über Nacht in
einem Trockenraum aufbewahrt, der ganz als Tresor,
wie der obenbeschriebene,ausgebildet ist. DieKupfer-
druckplatten für Briefmarken werden auf Hoeschen
Vierplattenkupferdruck-Schnellpressen hergestellt,
die von drei Personen bedient werden: ein Kupfer¬
drucker gibt mit der Hand der Platte die letzte
Politur, An- und Ablegen wird von zwei weiblichen
Hilfskräften besorgt. Die automatische Wischung
der Kupferdruckplatten bedingt einen großen Ver¬
brauch von Wischtüchern. Deshalb hat die Staats¬
druckerei aus Gründen der Wirtschaftlichkeit eine
eigene Waschanstalt für die Wischtücher eingerichtet.
Alle Tücher werden durch Maschinen gewaschen und
darauf gestärkt, was einen guten Einfluß auf den
Druck haben soll. Da die Briefmarken in Kupfer¬
druck hergestellt sind, können sie erst nach dem
Druck gummiert werden. Unsre deutschen Marken
sind bekanntlich zum größten Teil (3 bis 80 Pf.)
im Buchdruck auf einem Papier, das vorher in der
Rolle gummiert wird, erzeugt.
Das Gummieren in der Staatsdruckerei geschieht
mit besonderen Gummiermaschinen, denen das
Papier bogenweise mit der Hand zugeführt wird. Es
erhält seine Gummierung durch eine Walze, wird
dann von einer Kette durch Greifer festgehalten und
370
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Original fro-m
PRINCETON UNtVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
durch einen etwa 8 m langen von warmer trockener
Luft bestrichenen Kanal geführt, den es nach etwa
einer Minute am andern Ende trocken verläßt. Die
trockenen Blätter werden teils auf Kalandern, teils
auf hydraulischen Pressen geglättet und dann auf
rotierenden Perforiermaschinen erst in der einen,
dann in der andern Richtung perforiert. Bei jedem
Perforierprozeß wird der Bogen einmal in der Mitte
durchgeschnitten, so daß zum Schluß vier perforierte
Bogen zu je 100 Marken die Maschine verlassen.
Die Ausführung der Perforierung kann hierbei natur¬
gemäß nicht so sorgfältig sein als bei uns, wo mit
Kämmen perforiert wird, aber es wird auf ihr Passen
nicht soviel Wert gelegt. Das Prüfen und Verpacken
der Bogen bietet nichts Neues, nur werden die Aus¬
schußbogen sofort zu einer automatischen kleinen
Rotationsmaschine gebracht, die sie mit einem schwar¬
zen, das Markenbild verdeckenden Aufdruck versieht.
Die gesammelten Fehldrucke werden sofort gezählt
und zur Vernichtung abgegeben.
Die fertig gedruckten Geldscheine werden von
einer besondern Maschine durch ein Leimbad hin¬
durchgeführt, wodurch sie Haltbarkeit erlangen, denn
das Kupferdruckpapier darf nur wenig geleimt sein,
sonst hat es keine Saugfähigkeit und nimmt keine
Farbe an. In Deutschland erfolgt das Nachleimen
mit der Hand. Numerieren und Eindrücken der
Stempel geschieht durch Rotationsmaschinen, deren
Ziffernwerke sich auf den sie tragenden Scheiben,
letztere aber auf der Achse selbst verschieben lassen,
wodurch jede beliebige Nummerstellung erreicht wer¬
den kann, ferner können auch Unterschiede der For¬
mate ausgeglichen werden. Angelegt wird nicht nach
Punkturen, sondern nach einer durch vorherige Auf¬
nadelung genau beschnittenen Kante. Nach der an¬
dern dazu senkrechten Richtung hin wird ein Zeiger
für das Einstellen nach dem bereits ausgeführten
Drucke benutzt. Auf diese Weise wird das Punktieren
an der Druckmaschine gespart und an die Schneide¬
maschine verlegt. Ganz ohne Punktur kommt man
bekanntlich beim Kupferdruck nicht aus, da die hier
verwandten Büttenpapiere keine genaue Anlegekante
haben und sich bei dem mehrfachen Drucken und
Feuchten ständig in der Größe ändern.
Eine große Anzahl von Wertzeichen, besonders
diejenigen für die indirekten Steuern, werden im
Buchdruck hergestellt. Auch hier werden fast aus¬
schließlich die durch den Übertragungsprozeß herge¬
stellten Stahlplatten als Druckplatten verwendet. Das
Drucken geschieht meist auf der Rotationsmaschine.
Es wird aber nicht von Rollenpapier gedruckt, sondern
von geschnittenen Blättern, die automatisch zugeführt
werden. Die automatischeZuführung ist zwar nichtun¬
bedingt zuverlässig, es kommt indessen ein Versagen
sehr selten vor. Die auf der Rotationsmaschine er¬
zeugte Leistung von 3 bis 8000 Drucke in der Stunde
läßt aber die Leistung der Flachdruckpresse gewaltig
hinter sich. Die Ausführung der Druckmaschine ist
dabei bedeutend einfacher als die der gewöhnlichen
Stopzylindermaschinen mit ihren Anlegeapparaten.
Einen großen Raum nimmt auch die Farbenberei¬
tung ein. Sie steht unter der Leitung eines Chemikers
und befindet sich in einer besonderen Abteilung,
völlig getrennt vom Druckbetriebe. Die Druckerei
bezieht nur die trocknen Farben und das rohe
Leinöl.
Aller Firnis für die verschiedenen Anforderungen
des Buch- und Kupferdrucks wird inTiegeln selbst ge¬
brannt. Zur Aufsicht beim Brennen werden die
alten und invaliden Arbeiter verwendet, die sonst im
Betriebe nicht mehr brauchbar sind. Im Brennraum
ist über den Brenngefäßen eine große eiserne Dunst¬
haube angebracht, die in Verbindung mit künstlicher
Ventilation eine ganz leidliche Luft bietet. Durch die
eigne Erzeugung, die täglich 700 Liter beträgt, soll,
wie mir erklärt wurde, ein durchaus gleichförmiges
Produkt bei großen Ersparnissen erzielt werden. An
Farben werden täglich fünf Tonnen hergestellt. Dazu
sind vier Farbmischmaschinen und zwölf mit wasser¬
gekühlten Stahlwalzen versehene Farbmühlen ver¬
banden, die ständig voll besetzt sind. Die Verwen¬
dung von Steinwalzen soll unvorteilhaft sein, da sie
rascher Abnutzung unterworfen sind Und außerdem
die Farbe nicht rein bleibt.
Die Vernichtung der Wertzeichen geschieht in
einem Mazerator, der aus einer großen, drehbar ge¬
lagerten Trommel besteht, in die die zu vernichtenden
Papiere und Papierreste eingebracht werden. Auch
sämtliche Abfälle von der Wertzeichenherstellung
werden vernichtet, weil in den Vereinigten Staaten
ein Gesetz besteht, daß jeder, in dessen Besitz sich
ein Stück Papier mit den charakteristischen Seiden¬
fäden befindet, mit Gefängnis bestraft wird. Sämt¬
licher Ausschuß wird ebenso wie die guten Wert¬
zeichen an das Schatzamt abgegeben. Die zu ver¬
nichtenden Noten werden daselbst in der Mitte durch¬
geschnitten, die Hälften von verschiedenen, verant¬
wortlichen Personen einzeln gezählt und verpackt,
um eine doppelte Kontrolle zu haben. Sind die zu
vernichtenden Papiere unter Aufsicht in den Kocher
eingebracht, so wird dieser von drei Beamten ver¬
schlossen und der Inhalt mit Ätzkalk und Ätznatron
unter Dampfdruck 24 Stunden gekocht, wobei der
Kocher rotiert. Nach dieser Zeit ist das Papier völlig
aufgelöst und wird sofort auf einer kleinen Papier¬
maschine in Rohpapier verarbeitet. Die Anstalt hat
aus dem gewonnenen Papier eine Einnahme von rund
M 52 000 jährlich.
Die Druckerei besitzt auch ein eigenes Kraftwerk,
das in einem hellen, sehr großen Raum untergebracht
ist. Es enthält sieben automatisch beschickte Kessel
mit rauchloser Unterzugsfeuerung, bei der die Ver¬
öl*
371
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Original fro-m
PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
brauchsluft über dem Rost zugeführt wird, die Kohlen¬
schicht nach unten durchströmt und unter dem Rost
zum Schornstein gelangt. Automatische Feuerungen
findet man in Amerika viel häufiger als bei uns. In
den großen Kraftzentralen beginnt die automatische
Kohlenbehandlung schon bei der Entladung aus dem
Schiffe bzw. der Eisenbahn. Die ankommende Kohle
wird aus dem Schiffe durch automatische Greifer ent¬
laden und einer Förderrinne zugeführt, die sie in
einen großen Bunker schüttet. Bei der Ankunft der
Kohle mit der Eisenbahn erfolgt die Entladung der¬
artig, daß die Bodenklappen der Kohlenwagen, die
ausschließlich als Trichterwagen gebaut sind, geöffnet
und die Kohlen in große Sammelbehälter abgestürzt
werden, aus denen sie, wie oben geschildert, in die
Bunker gelangen. Letztere erstrecken sich über die
ganze Ausdehnung des Kesselhauses und führen den
einzelnen Kesseln durch Trichter die Kohle zu.
Die Verteilung über die Roste wird durch Wurf¬
schaufel- oder Wanderroste bewirkt. Infolge dieser
Einrichtung kann ein Mann bis zu zehn Kessel be¬
aufsichtigen, da auch die Speisung vielfach automa¬
tisch geschieht, so daß nur noch die Kohlenzuführung
zu regulieren ist. In der Anstalt dienen vier Kessel
zum Heizen, drei zur Krafterzeugung. Beim Maximal¬
bedarf sind jedoch nur drei bzw. zwei im Betriebe,
je einer steht zur ständigen Reserve. An Dampf¬
maschinen sind vorhanden: Zwei Tandem-Corbiß-
maschinen von je 450 P. S. und zwei Schieber-Ver¬
bundmaschinen von je 180P.S. DiegroßenMaschinen
erzeugen maximal je 1300 Ampere (bei 220 Volt), die
kleineren je 550 Ampere. Der Maximalkraftbedarf
ist 1800 Ampere, der mittlere 1500 Ampere, so daß
eine überaus reichlich zu nennende Reserve vor¬
handen ist. Alle Reparaturen im Betriebe werden
durch eigne Hauswerkstätten ausgeführt, in denen
20 Schlosser, 12 Tischler sowie 15 Arbeiter für
Draht- und Rohrleitungen beschäftigt sind, eine Zahl,
die auf eine nicht allzu große Höhe der Reparaturen
schließen läßt. Als Maßstab für die Wirtschaftlich¬
keitdesinstitutes sei erwähnt, daß die Herstellungs¬
kosten eines Scheines 16 Pf., die Generalkosten, d. h.
der auf die wirklich aus nachgewiesenen Löhnen und
Materialien entstandenen Herstellungskosten zu ge¬
bende Zuschlag für unproduktive Löhne,Beleuchtung,
Beheizung usw., 12 % betragen. Auf die Buch¬
führung des Instituts einzugehen, gestattete mir
leider die Zeit nicht, auch wollte ich die Zeit des
Direktor Sullivan, der mir alle gewünschten Aus¬
künfte in liebenswürdigster Weise persönlich gab,
nicht allzusehr in Anspruch nehmen. Die Anstalt
beschäftigt zurzeit 2000 weibliche und 1700 männ¬
liche Angestellte. Ihre Organisation ist die denkbar
einfachste: dem Direktor, dem ein Bureau zur Seite
steht, sind unmittelbar die einzelnen Werkstätten¬
vorsteher mit ihren Betrieben unterstellt. Die Pro¬
duktion des Institutes stellte sich im Jahre 1907
wie folgt:
Banknoten für die Vereinigten
Staaten, Zertifikate, Wertpapiere
usw., rund. 250 Millionen Blatt
Wertzeichen für indirekte Steuern
(Spiritus, Margarine, Tabak, Al¬
kohol, Spielkarten, Bier, Spei¬
cherabgaben), rund.75 Millionen Blatt
Zollmarken, rund.0,5 Millionen Blatt
Postmarken, rund.70 Millionen Blatt
Verschied. Wertpapiere, Schecks,
Zeichnungen, Entwürfe, rund 200 Millionen Blatt
Vergleichweise seien hier auch die entsprechen¬
den Zahlen für die deutsche Reichsdruckerei gegeben
(für das Jahr 1906)
Reichskassenscheine, rund . . . 8 Millionen Blatt
Reichs-Banknoten, rund .... 9,5 Millionen Blatt
Sonstige Wertpapiere, rund . . . 14,5 Millionen Blatt
Versicherungsmarken, rund . . 5 Millionen Blatt
Zigarettensteuerzeichen, rund . 20 Millionen Blatt
Andre Wertmarken, rund .... 16,5 Millionen Blatt
Postfreimarken, rund. 37 Millionen Blatt
Dazu kommen noch: Gestempelte Postkarten und
Postanweisungen, rund 532 Millionen Stück, sowie
Postkarten und Postanweisungen ohne Wert, rund
210 Millionen Stück, die in Amerika zurzeit noch im
Privatbetriebe hergestellt werden.
Das Buchgewerbe in der Münchener Ausstellung 1908.
Von STEFAN STEINLEIN, München.
qÜNCHEN 1908 die große Heerschau über
Münchens Leistungen. Die Ausstellung, die
1 nichts Fremdes enthält, — es sei denn, daß
Münchener Arbeit daran Anteil hat. Die Ausstellung
die alles zeigen will, was München heute schafft.
Also die städtische Ausstellung im wahrsten Sinne
des Wortes. . . .“
„Noch nie wurde der Versuch gemacht, eine Aus¬
stellung so ganz auf die Kunst zu begründen. Nir¬
gends als in München konnte der Versuch gemacht
werden . . .“
„In diesem Sinne ist die Kunst dieser Ausstellung
modern: nicht deshalb, weil sie dem sogenannten
,modernen Stil* dient, also der Mode von heute.“
„Dieser ,moderne* Stil wird auf der Ausstellung
weniger vertreten sein als auf andern Kunst¬
gewerbeausstellungen der letzten Jahre. Dafür
soll aber alles von der echt modernen Gesinnung
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Gck igle
Original fro-m
PRINCETON UNIVERSUM
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
der Sachlichkeit, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit
zeigen.“
„Und auch Gesinnung soll durchgehen bis zu den
Kleinigkeiten, die scheinbar unwichtig sind, bis zu
den Aufschriften, die auf irgendeiner Ware ange¬
bracht sind.“
Diese Sätze sind dem Vorwort zum Amtlichen
Katalog entnommen, den auf grauem Papier in
Schwarz und Braun eine Zeichnung Adolf Münzers
ziert. Auf der Rückseite steht eine Anzeige einer
Straubinger Buch- und Kunstdruckerei.
Schlagen wir den Katalog vorn auf, so finden wir
ein Porträt des Regenten von Bayern in Feder¬
zeichnung Adolf Münzers und den Titel. Das nächste
Blatt gewendet bringt die erste Anzeige. „Rietzschel
Auto-Clack.“ Nun?-Man läßt die Seiten durch
die Finger gleiten bis dahin, wo die Anzeigen be¬
ginnen, die allein einhundertfünfunddreißig Seiten
einnehmen. Die erste Anzeige taucht auf. Nun? —
Ich blättere weiter. Endlich. Seite 33. Eine gute
Seite. „SteingräberFlügel, Pianos.“ Weiter. Seite37.
Anton Pössenbacher. Wieder blättere ich, bleibe
stehen bei Seite 41. Valentin Witt, K. B. Hofmöbel¬
fabrik. Weiter. Seite 55. Ludwig Rosentals Anti¬
quariat, ein Ruhepunkt. Ohh! Seite 96. Man muß
sich wundern, wahrhaftig wundern! Seite 103 halt.
Nein, es ist Täuschung. Weiter. Auf 105 wieder ein
kleines Fettauge. Seite 108? Seite 124 und 125
folgen zwei Anzeigen der Ateliers und Werkstätten
für angewandte Kunst. Damit ist’s getan. Soviel Aus¬
beute auf 135 Seiten? Nein nicht viel mehr bei nur
oberflächlichem Ernst.
Im Vorwort stand, bis zu den Kleinigkeiten, die
scheinbar unwichtig sind, bis zu den Aufschriften,
die auf irgendeiner Ware angebracht sind, alles auf
Kunst begründet? —
Es ist zu merkwürdig. Es muß entsetzlich schwie¬
rig sein, einen Anzeigenteil künstlerisch zu bändigen.
Ja und das noch! An große Worte sind wir so ge¬
wöhnt, jede Sekunde brauchen wir sie, zu oft eigent¬
lich, an wirklichen Festtagen mangelt ihnen dann jede
Resonanz, wir dürften auch da mehr Kunst üben,
sachlicher sein.
Aber ich lebe so lange hier, bin wie zu Hause und
weiß ja, daß da drinnen in den Räumen alles ganz
anders ist, und so stecke ich den Katalog ein und
gehe beruhigt in die Halle III. Zuerst einmal durch,
um der Übersicht willen. Wenn man der Längsachse
nach durch die Halle geht, gleichviel von welchem
der Eingänge her, immer stößt man in der Mitte auf
eine Art befestigter Stätte. Außen herum Repro¬
duktionen, schwarz und farbig, Photographien, Metall¬
platten, an den Wänden Drei- und Vierfarbendrucke.
Hinter der hohen Umwallung stehen Maschinen.
Dieser Raum ist ein natürliches Zentrum der ganzen
graphischen Abteilung. Hier hat Dr. E. Albert in
373
Firma Dr. E . Albert & Co. in München ausgestellt.
Es ist schade, daß es nicht zur Ausführung kam:
Dr. Albert wollte hier während der Dauer der Aus¬
stellung arbeiten lassen. Wenn man lange in einem
der Räume sich aufhält, in dem die Stufengänge
der verschiedenen Ätzverfahren, Reproduktionstech¬
niken, Drei- und Vierfarbendrucke ausgelegt sind,
sieht man immer wieder Leute, die sich bemühen,
die Vorgänge zu erkennen; es hätten hier viele Ein¬
sicht gewonnen in jene Prozeduren, die den Laien
wohl immer wieder anziehen aber rätselhaft bleiben
wie die Schöpfung am ersten Tage. Dr. E. Albert
hat eine kleine aber umfassende historische Aus¬
stellung dessen gegeben, womit er sich seit den
Jahren 1883 unermüdlich theoretisch und praktisch
beschäfttigt hat. Unverdrossen, zäh auf Verbesse¬
rungen, Vereinfachungen bedacht, hat er sich in den
letzten Jahrzehnten eine Reihe von Erfolgen abge¬
rungen, die, in der Fachwelt genugsam bekannt, hier
nur flüchtig notiert werden sollen, da eine der näch¬
sten Nummern des Archiv eine besondere Abhand¬
lung speziell über sein neues weittragendes photo-
lithographisches Verfahren bringen wird.
Vor einigen Wochen hielt Josef Rittervon Schmädel
in dem neuen, überaus glücklich angelegten Museum
für Wissenschaft und Technik einen Vortrag über
die ersten Meisenbachschen Versuche mit Strich-
und Netzätzung der achtziger Jahre des vergangenen
Jahrhunderts. Daran mußte ich hier denken und wie
selbstverständlich wir Menschen heute alles finden
und wie wenig uns im Grunde überraschend kommt,
man kann das hören, wenn man sich eine Zeitlang
in dem neben der Albertschen Halle gelegenen
Raume der Firma Hamböck aufhält und das Publikum
Äußerungen über die nach dem Lumifcreschen Ver¬
fahren hergestellten Photographien in natürlichen
Farben und danach aufgenommenen Farbenplatten
für die Buchdruckpresse machen hört. Ab und zu
wohl gelinde Überraschung, aber im Grunde genom¬
men ist alles doch so „selbstverständlich“.
Ich besitze noch einen ersten illustrierten Kunst¬
ausstellungskatalog aus den achtziger Jahren, in dem
die ersten Meisenbachschen Strichätzungen nach
Originalfederzeichnungen Münchener Künstler er¬
schienen. Noch sind mir auch jene speckigen öldruck-
artigen farbigen Kunstdruckbeilagen in gutem Ge¬
dächtnis, wie sie als Monatsbeilagen der „Guten
Stunde“ der „Gartenlaube“ beigegeben waren. Halb
photomechanisch hergestellt, mit gröblichen manuel¬
len Eingriffen mehr verunstaltet als in der Wirkung
gehoben. Das alles sind Dinge, die der Entwicklung
angehören und längst vergessen sind. Dann kamen
Autotypien. Grobrastrig, flach, ohne reiche Mittel¬
töne, mit primitiven Zurichtungen auf kalandertem
Papier gedruckt. Heute liegt ganz anspruchslos in
der Bruckmannschen Abteilung ein apart ausge-
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Gck igle
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stattetes Büchelchen, in dem fast alle Reproduktions¬
techniken durcheinander ohne Schwierigkeiten ange¬
wendet wurden.
„Die Mode im 19. Jahrhundert“ betitelt, finden
sich darin einfache Autotypien, Duplexautos, Licht¬
druck handkoloriert und Vierfarbendrucke. Alles
elegant und zierlich nach alten Modekupfern, die zu
ihrer Zeit alle mit der Hand vorschabloniert und
koloriert waren.
Das gefürchtete Wort „Moirö“, beim Zusammen¬
druck von mehreren Platten auftretend, ist aus dem
Wortschatz der Chemiegraphie längst verschwunden.
Formate schrecken niemand mehr. Bei Dr. E. Albert
hängen Auflagendrucke in vier Farben, neunmal das
gleiche Galvano, irgendwo das Originalklischee da¬
zwischen ohne herauszufallen. Die Matrizen dieser
Galvanos werden durch sukzessiven Teildruck unter
gleichzeitig automatisch funktionierendem Neben¬
druck vollkommen kalt geprägt, so daß genaues
Register für die Teilplatten des Farbendruckes voll¬
kommen sichergestellt ist. Mit der Herstellung eines
Galvanos nach dieser Methode kann in einem tech¬
nischen Vorgang ein Reliefklischee erzeugt werden.
Zurichtungen werden auch sonst mechanisch erzeugt,
von den hier in München entstandenen, auf der
Ausstellung erzeugten Verfahren sei nur außer
der bekannten Dr. Albertschen Reliefzurichtung
die mechanische Kreidereliefzurichtung von Lankes
& Schwärzier erwähnt.
Auch die mechanischen Hilfsmittel beim Ätzen
sind durch Dr. E. Albert bedeutend verbessert worden;
seinein der Ausstellung betriebsfähig stehenden „Ätz¬
striegel“ sind den Levyschen und den Axel-Holm-
strömschen Ätzmaschinen gegenüber im Prinzip und
sicheren Funktionswert wohl ein endgültiges Resul¬
tat: ohne Tiefätzung, ohne Effektätzung lieferten sie
in kürzester Zeit, durchschnittlich eine Minute, vor¬
zügliche Ergebnisse.
Der Eindruck der Drei- und Vierfarbendruck¬
erzeugnisse, soviele Firmen auch ausgestellt haben,
ist im wesentlichen uniform—demokratisiert.
Schritt für Schritt lassen sich die einzelnen Etappen
der photomechanischen Prozesse und Prozeduren in
der kleinen Dr. Albertschen Ausstellung bequem
verfolgen: Da sind die ersten isochromatischen Auf¬
nahmen, mit der Dr. Albertschen Kollodium-Emulsion
vom Jahre 1883, Heliogravüren von 1886—89, die
Schackgalerie, das Trübner- und Lenbachwerk.
Dr. Albert war einer der ersten, der durch fein¬
sinnige Farbenwahl des einfarbigen Heliogravüren¬
druckes das Wesentlichste der Gesamtstimmung des
Originals zu erreichen suchte.
Die tiefe und doch schummerige Mondscheinstim¬
mung in Spitzwegs köstlicher Serenade ist durch
gebrochenes Blau bewahrt, ganz anders in lichterem
südlich-nächtlichem Blau der Löwenhof der Alham¬
bra. Ein sattes Braunoliv gibt dem Schwindschen
Rübezahl eigenes und doch dem Bild konformes Ge¬
präge. Es folgen Dr. Alberts erste Typogravüren für
die „Kunst für Alle“ aus dem Jahre 1890. Die
markigen Typogravüren zu dem Franz Stuck-Werk
von 1891, denen der damalige grobe Raster eine
charaktervolle Note gibt. Von den Farbendrucken
der ersten Zeit ist älteren Lesern aus den Schweizer
Graphischen Mitteilungen wohl noch der Infanterist
mit den zwei Blumenstöcken von 1892 in Erinnerung.
Es folgen Drei- und Vierfarbendrucke von 1893
bis 1898, darunter ein absichtlich buntes Stilleben,
Naturaufnahme: Farbenteilplatten, Ätzung und Zu¬
sammendruck innerhalb eines Arbeitstages erzeugt
und im Archiv als Beilage erschienen.
Besonders interessant sind eben jetzt wieder jene
beiden Photolithographien von 1886 und 1893. Das
Blättchen von 1886 mit gröberem Raster als das
später entstandene, Tiere nach einem Zügelschen
Originale wiedergebend, wirkt merkwürdig licht und
sonnig trotz unverkennbarer Härte und Leere im
ganzen.
Dr. Albert hat sich nun in letzter Zeit dem Pro¬
blem der Photolithographie wieder zugewandt und
dürfte wohl auch damit nun ein bedeutender Fort¬
schritt in der farbigen Reproduktionstechnik gewon¬
nen sein. Die Versuche sind über die Stadien des
Experiments hinaus schon weit gediehen und ver¬
sprechen der bedrängten lithographischen Technik
ein wertvolles Mittel im Existenzkampf zu werden
gegenüber dem sieghaften Vordrängen des farbigen
Buchdruckes.
In der Abteilung 245 stehen zwei große litho¬
graphische Auflagensteine, ausgestellt von den Char¬
lottenburger Farbwerken A.-G. in Charlottenburg.
Das Publikum sieht meist flüchtig hinein, geht aber
vorüber, denn an den Steinen ist ja nichts zu sehen.
Und doch liegt hier ein lange umworbenes Problem
in der letzten Lösung. Bei genauerer Betrachtung
findet man, daß der gelbe Stein im Format 125 zu
185 cm aus acht kleineren Stücken zusammengesetzt
und die Teile unter Druck zu einem Ganzen zu¬
sammengekittet sind. Der kleinere „blaue“ Stein ist
aus neun Stücken in Reihen zu drei mal drei zu¬
sammengefügt. In meiner unmittelbaren Nähe habe
ich von Anbeginn an diese Erfindung in Jahren heran¬
wachsen und bis zu ihrem Abschluß gedeihen sehen.
Zuerst wurden die Rotationssteine für die Riesen¬
felder Tapeten- und Buntpapierfabrik gemacht; heute
ist die Zusammenfügung so vollkommen, daß an den
Stellen, wo die einzelnen Teile verbunden sind, die
künstliche Kittmasse so homogen mit dem natür¬
lichen Stein ist, daß sie für den Umdruck nicht das
geringste Hindernis bietet. Damit ist für die Litho¬
graphie ein schwerer Übelstand beseitigt, denn die
großen Steine in Solnhofen fangen an selten und
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Original fro-m
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damit teuer zu werden, ja ohne eine Anzahl kleiner
Formate werden Auflagensteine schon seit langem
ungern abgegeben. Mit den aus kleinen Stücken
zusammengefügten Platten ist damit wieder durch
menschliche Intelligenz, Zähigkeit und Ausdauer ein
natürlicher Übelstand in seinen Wirkungen beseitigt.
Wenden wir uns gleich neben dem Dr. Albert-
schen Raum nach Nr. 207 zu den Arbeiten der Firma
BrencTamoiir Simhart & Co. in München. Architekt
Bieber hat einen schmucken, vornehmen Raum ge¬
schaffen, und es mag hier erwähnt werden, daß aller¬
dings wohl kaum irgendwo anders mit so wenigen,
aber um so besser gewählten Arbeiten ein so über¬
sichtliches Bild über die Leistungen einzelner Firmen
auf verflossenen Ausstellungen zustande kam. Überall
wirkliches Maßhalten,Betonen des Nötigsten, bewahrt
weise vor Übersättigung wie Übermüdung. Graue
Wand, dunkelgebeizte schlichte Vitrinen bringen alles
unaufdringlich zu bester Wirkung. Vor allem fällt
hier eine sehr gute Reproduktion in vier Farben nach
dem Stielerschen Original in der neuen Pinakothek
auf: Goethe. Nach Lenbachschen Bildern: Petten-
kofer, Wilhelm Busch, der alternde Moltke mit leicht¬
gesenktem Kopf ohne Perücke, ein Kinderporträt von
F. A. Kaulbach, alle im Ton vorzüglich und meist von
der Dr. Hirthschen „Jugend“ her bekannt. An der
Schmalwand hängt eine Vergrößerung, Ausschnitt aus
einem Gemälde von Hans von Bartels; der derbe Raster
wirkt zu dem breiten Strich des Malers vollkommen,
ohne die Valeurs zu verderben und ins leere zu fallen.
Strichätzung und Autotypie sind in Vitrinen nach
stufenweisen Arbeitsvorgängen instruktiv ausgelegt,
ebenso Holzschnitte. Eine halbfertig geschnittene
Platte läßt Einblick in die ganze Herstellungsweise
gewinnen. In anschaulichster Weise zeigt sich an
ausgezeichnet zusammengestellten Blättern, was mit
Strichätzung heute möglich geworden ist. In der Mitte
ein derbes Blatt des jugendlichen Dürer aus seiner
wuchtigen Johannesapokalypse, umgeben von Repro¬
duktionen nach niederländischen Stichen in weichen
Tonwirkungen, darunter Wiedergabe in Strichätzung
von Feder- und Kreidezeichnungen. Die Wahl des
Papiers und der Farbtönung macht die Täuschung der
Kopie vollkommen. Vorzüglich tonreiche Duplexauto¬
typien großen Formates hängen in nächster Nähe.
Eine reiche Anzahl von Farbendrucken, darunter Ar¬
beiten nach Karl Spitzweg, Thoma, Defregger, Stuck,
Zumbusch, Zuloaga, Zügel und Leo Putz, Sieck be¬
weisen die Leistungsfähigkeit der rührigen Firma.
Nicht unerwähnt seien die Autotypien in ein bis drei
Farben in Staubkornmanier für den bekannten Simpli-
zissimus. In den Vitrinen liegen außerordentlich ge¬
schickt in amerikanischer Effektmanier retuschierte
Photographien nach Maschinen, Maschinenteilen und
Werkzeugen für industrielle Zwecke und danach her¬
gestellte Klischees.
Meisenbach Riffarth & Co. in München. Raum¬
wirkung, dunkelockerfarbiger Ton, Grau und Silber
läßt die großen Heliogravüren nach Rubens, Franz
Hals, Albrecht Dürer und feintönige farbige Land¬
schaften moderner Maler zu vortrefflicher Wirkung
gelangen. In den Vitrinen liegen außerordentlich
schöne Autotypien nach feintönigen, kontrastreichen
Wopfnerschen Kohlezeichnungen, die alle Reize der
Originale unbedingt wiedergeben. Technisch korrekte
Drei- und Vierfarbendrucke, teilweise nach Naturauf¬
nahmen, für medizinisch-wissenschaftliche Werke,
Postkarten und die allen Ausstellungsbesuchern be¬
kannten Postkarten: kleine Puttos, Skulptur, Malerei,
Kunstgewerbe und — Bierbrauerei von Müller-Hoff-
mann zeigen dieselbe Sorgfalt für den Tagesbedarf.
Unter den Buchdruckerzeugnissen fällt das zweibän¬
dige Werk für den Norddeutschen Lloyd angenehm
durch gute Satzanordnung und Randbehandlung auf.
Eine Reihe großer und kleiner Kataloge, darunter ein
Katalog der bekannten Leipziger Maschinenfabrik
Karl Krause liegen auf einem Tischchen in der Ecke.
Auf dem Tisch in der Mitte des Raumes sind einige
Bände der im Verlage von Alexander Koch in Darm¬
stadt erscheinenden Zeitschrift Deutsche Kunst und
Dekoration zur Schau gebracht, die den größten Teil
ihrer Klischees von der Firma Meisenbach Riffarth
& Co. hersteilen läßt.
Im Raum der F. Bruckmannschen Aktiengesellschaft
sind alle vornehmen und herkömmlichen Techniken
moderner Reproduktion beisammen, dem alten Re¬
nommee der Firma neue Anerkennung heischend.
Technisch hervorragend schön ist die Wirkung einer
in vier Farben hergestellten Autotypie größten For¬
mates, ein Porträt des Regenten von Bayern nach
einem Ölbild Walter Firles. Auch in diesem Raum
wird dem Laien die Entstehung eines Vierfarbenlicht¬
druckes durch aufsteigende Skalenfolge nach einem
Reznizekschen Original gezeigt. Unter den farbigen
Lichtdrucken fällt besonders eine sehr schöne Re¬
produktion des berühmten Isenheimer Altars von
Mathias Grünewald auf, dann die tonreichen Gravüren
und Kupferdrucke, die bekannten unveränderlichen
Pigmentdrucke und farbigen Lichtdrucke nach alten
Meistern. In den Vitrinen sind hervorragend schöne
farbige Lichtdrucke zu den Denkmälern des Alter¬
tums, Wiedergabe antiker Wandmalereien, Blätter aus
Furtwängler und Reicholds Vasenmalerei und einzelne
Blätter des 2000 Tafeln umfassenden Monumental¬
werks „Die Architektur der Renaissance in Toskana“
ausgelegt. Postkarten in Lichtdruck, Kupferdruck und
Mezzotintogravüre. Unter den Verlagswerken sei die
„Kunst“ erwähnt und HoustonChamberlainsParsival-
märchen mit der markigen Titelseite und dem schönen
romanisierenden Initial. Auch diese Firma hat von
ihren ganz vorzüglichen Erzeugnissen und Verlags¬
werken eher zu wenig als zu viel ausgestellt und durch
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den Architekten Troost einen vornehm-stillen Raum
schaffen lassen, der ihren Arbeiten zu vorzüglicher
Folie dient.
Johann Hamböck , Inhaber Eduard Mühlthaler in
München. Über den ausgestellten Lumtere-Aufnahmen
nach Naturmotiven wird in diesem Raum meist das
viele Tüchtige an Leistung übersehen, was diese An¬
stalt bietet und nicht nur von Laien. Zeigen die
Naturaufnahmen schon in der Wahl der landschaft¬
lichen Motive sehr viel Geschmack, so muß noch mehr
der Reproduktion Lob zufallen: sie haben den Ver¬
gleich mit den Originalen nicht zu scheuen. Der be¬
kannte Dreifarbendruck: Bismarck nach Lenbach ist
mit der Skala ausgestellt. Schmutziggelbgrün, Rot
und Blauschwarz vereinigen sich zu überraschend
treuer Wirkung des Originals. Eine stattliche Reihe
farbiger Blätter, ein frappierender Trübner darunter,
legen Zeugnis ab von der Höhe der Leistung auch
dieser Anstalt. Nicht weniger interessant sind Farben¬
aufnahmen für wissenschaftliche und gewerbliche
Zwecke, sehr schöne Duplex-Autotypien und Auto¬
typien auf Mattkunstdruckpapier von warmtöniger
tiefer Heliogravürwirkung, Maschinenaufnahmen mit
geschickter Retusche und Effektätzung, sowie eine
Reihe von direkten Umdrucken auf Zink, äußerst subtil
behandelte Übertragungen und Ätzungen nach ver¬
schiedensten Techniken, wie: lithographische Strich¬
gravur mit und ohne Ätzung, Kupfergravur, Korn¬
zeichnung, Radierung (nach Klinger), Kreidelitho¬
graphie (Modebild).
Im Raum 203 stellt die Münchener Graphische Ge¬
sellschaft Pick & Co. Gravüren und Kohledrucke aus.
Der kleine quadratische Raum mit schwarzbraunem
Sockel,graubespanntem Rupfen, zierlicher achtfüßiger
Vitrine läßt fast vergessen, daß es sich um Ausstel¬
lung von Reproduktionen handelt. Die ausgestellten
Arbeiten sind sehr schön, in der Vitrine liegen ein
paar hübsche Drucke, schwarzweiß, Exlibris von
E. Zimmermann und Proben nach alten Teichdrucken.
Die bekannte Franz Hanfstängelsche Kunstanstalt
stellt in zwei einander gegenüberliegenden kleinen
Räumen aus, die von der K. B. Hofmöbelfabrik
Pössenbacher auf das glücklichste eingerichtet sind.
Reproduktionen nach alten und neuen Meistern ge¬
trennt. Rote Fließen, eine Nische mit Bank, seitlich
eine geschnitzte Bank mit hoher Rückwand, ganz still
und heimelig und drinnen ungefähr vierzig mit Ge¬
schmack gerahmte farbige meisterhafte Reproduk¬
tionen, eine kleine Galerie in Faksimilelichtdruck,
Aquarell und Kohle auf Japan, Holländischem Hand¬
papier oder dunklem China gedruckt. Hans Holbein,
Rembrandt, Franz Hals, Peter Paul Rubens, Tizian,
Velasquez, Vermeer van Delft, Francois Boucher,
William Dyce, Jean Baptist Greuze, John Hopner,
Sir Joshua Reynolds und George Romney. Drüben
die modernen Meister: Feuerbachs Medea, Stucks
Krieg, Böcklins Flora, Thoma, Lenbachs Herodias,
Kaulbach, Adrian Stockes. Diese Reproduktionen
zählen zum Besten was wir besitzen. Von Verlags¬
werken der Firma sei die „Kunst unserer Zeit“ ge¬
nannt, die mehr Beachtung verdienen würde, als
manches ähnliche Unternehmen, um ihrer sorgfäl¬
tigen Ausstattung willen.
Die Gesellschaft für christliche Kunst G. m. b. H.,
Kunstverlag stellt außer Drei- und Vierfarbendrucken
nach alten Meistern und lebenden Künstlern auch
die großen Originallithographien von Franz Spiegel,
Mathäus Schiestl und Ludwig Dasio aus und die seit
1904 erschienenen Bände der „Christlichen Kunst“.
Mit zäher Beharrlichkeit hat die Firma G. Schuh
& Co., Vereinigte Kunstanstalten und Druckereien,
durchgesetzt, daß ein gutes Plakat sich ebenso an den
Mann bringen läßt wie ein herkömmlich schlechtes.
Auswärts werden von diesen Plakaten vielleicht noch
das derbe „Elf Scharfrichter“-Plakat von Bruno Paul
und das Plakat der Delvard von Heine mit den elf
Fratzen bekannt sein. Auch über diese Arbeiten wird
das Archiv einen besondern Artikel mit andern zu¬
sammen bringen. Für diese Firma arbeiten eine Reihe
von Künstlern: Ludwig Hohlwein, Paul Neu, B. Ober¬
meier, C. Moos, Nägele und andre.
Hubert Köhlers Anstalt ist ebenfalls mit vielen
Künstlern in Verbindung. In dieser Anstalt erschie¬
nen die schwarzen und farbigen Steinzeichnungen von
Paul Hey, Rudolf Sieck, Max Bernuth, Hans Rohm.
Von Bernuth liegen in einer Mappe technisch interes¬
sante Lithographien großen Formates aus. Nur mit der
spitzen Nadel aus schwarzem Grund geschabte Blätter
(Biergarten mit Kastanie), Federzeichnung, kombiniert
mit Nadelarbeit aus gedecktem Grund, reine derbe
Zeichnung mit Feder, reine Kreidetechnik (Kopf¬
studien), Feder, Kreide und Spritztechnik kombiniert
(Abendlandschaft).
Im gleichen Raum sind Arbeiten der Firma Karl
& Weigmann und Spielkarten von F. X. Schmid aus¬
gestellt.
Schöne Proben photomechanischer Reproduktio¬
nen, Lithographien und Kunstdrucken nach alten und
neuen Meistern stellen die Vereinigten Kunstanstalten
A. -G. München-Kauf beuren aus. Von typographischen
Arbeiten einiges sehr Gute.
Im Durchgang hängen Exlibris in großer Zahl von
B. Wenig , Willy Geiger, Max Unold , Fritz Klee, Walter
Caspari,Jul. Diez , 0. Kurz, Max Dasio, darunter einige
in derber Holzschnittmanier von Adelhaide-Göppingen.
Hans Hammer ist mit feintönigen, flächenhaften
Originalholzschnitten vertreten. Ganz bescheiden der
Zahl nach, doch virtuos in der Zeichnung, einige
Holzschnitte von Oswald Kresse und Heinrich Schlum-
precht. In einer der kleinen Kojen sind die prämiirten
und einige nichtausgezeichnete Marken der verflosse¬
nen Konkurrenz um ein Postwertzeichen für Bayern
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Original fro-m
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
ausgestellt, die ich in einem besondern Artikel noch
eingehender behandeln werde. Man kann den Lärm
kaum verstehen, der darüber hin und her gemacht
worden ist, und im großen ganzen kann sich die alte
Marke noch so einigermaßen daneben sehen lassen.
Der alte Fliegende-Blätter-Verlag Braun & Schneider
stellt Zeichnungen von Harburger, Oberländer, Schlitt¬
gen, seine vielen „Humoristika®, Busch, Meggen-
dorfer, sowie die alten „Münchener Bilderbogen®,
die „Kostümbilderbogen® und Albums seiner Mit¬
arbeiter aus.
J.F. Schreibers Verlag bringt Handzeichnungen und
Reproduktionen der Meggendorfer Blätter, Carl Aug.
Seyfried & Co., Originalzeichnungen und Bände der
Jugendblätter, Max Kellerers Verlag eine größere
Anzahl Bücher, hauptsächlich aus dem Gebiet der
bayrischen Geschichte, Pädagogik und Geographie,
vieles davon in geschmackvollen modernen Ein¬
bänden, und Emst Reinhard populär-naturwissen¬
schaftliche Bücher.
J. J. Lehmann zeigt an einem Schema das An¬
wachsen der verdienten Münchener Medizinischen
Wochenschrift seit 1854. J. Lindauer, vertreten mit
Alpina, Militaria und Monacensia, und die Riegersche
Universitätsbuchhandlungybekznnt durch Herausgabe
geschichtlicher, sprachwissenschaftlicher, medizini¬
scher Bücher, folgen in ihrem Geschmack den durch¬
schnittlich gegebenen Normen; so auch die Lentner-
sche Hofbuchhandlung , die in der oberen Reihe ihres
Kastens noch einige Bände vom Ende des 18. und
Anfang des 19. Jahrhunderts, darunter ein Buch mit
dem rot und schwarzen Titel „EydBuch worinnen zu
finden, was Eyd und Eydschwur seyen®.
G. H. Beck ist mit einer Reihe großer Werke, da¬
runter die stattlichen Bände von Iwan Müllers Hand¬
buch der klassischen Altertumskunde und Strack und
Zocklers Kommentar zur Heiligen Schrift vertreten.
Sehr geschmackvoll und schlicht sind die grün, blau
und rot in Halbfranz gebundenen Biographien: Biel-
schowsky, Goethe, Berger, Schiller, Wolf, Shake¬
speare, und das sechsbändige Werk: Blum, Fürst
Bismarck und seine Zeit. Die bekannten braunen
Bändchen mit Golddruck: Will Vesper, Statuen
deutscher Kultur und die Erzählungen: Melchior Mayr,
Aus dem Rieß, von Fritz Rohm illustriert, sind typo¬
graphisch respektable Arbeiten.
Die Ausstellung des G. Müllerschen Verlags ist
sehr erfreulich. Man sieht durchaus das strenge
Bemühen, das Buch vom Kern bis zum Einband ein¬
heitlich zu gestalten. Eine ganze Reihe appetitlicher
Pergamentbände mit dezenter Vergoldung füllen ein
Regal. Darunter stehen E.T.A.Hoffmanns Werke in
Halbfranz mit braunem italienischen Marmorpapier
überzogen. Der rasende Roland des Ariost, über¬
setzt von Alfons Kißner, sieht auf den zwei ersten
Seiten unter Glas sehr gut aus, ebenso Heinrich Bebels
alte Schwänke in Pergament, Gold und Rot, des
Straparola ergötzliche Nächte, Pergament und Gold,
des Petronius Fragmente, Pergament mit dem Titel
in einer Antiquazeile knapp unterm obern Rand ver¬
goldet. Zwei schöne Ausgaben sind die Briefe des
Abbe Galiani und der Julie v. Lespinasse. Den Reigen
mögen der göttliche Sauhirte Rabelais mit seinem
Gargantua und Pantagruel und der nicht minder gött¬
liche Otto Julius Bierbaum und sein unglaublich —
dreibändiger Prinz Kukuk beschließen.
Hans von Weber, der Kubin edierte, hat einige
schöne Arbeiten ausgestellt, doch eine sieht merk¬
würdig aus: eineUmschlagzeichnung vonTh.Th.Heine,
schwarzweiß berechnet, in Gold auf hell Pergament
gedruckt.
Pipers Verlag stellt aus: die einzelnen Bände „Mo¬
derne Illustrationen® von Eßwein, „Die großen Eng¬
länder® J. Mayer Gräfes in gelber Schrift unterm
obern Rand auf Rotleinen, die bekannte Fruchtschale
und Neuausgaben von Chamfort, Balzac, Dosto-
jewsky, broschiert, kartoniert und in Leder gebunden.
Die Verlagsbuchhandlung R. Oldenbourg ist mit
Zeitschriften und Büchern, darunter die stattliche
Reihe der rotleinen gebundenen „Süddeutschen Mo¬
natshefte® in den Regalen, außerdem im Saale der
Vereinigten Münchener Buchdruckereibesitzer mit
Akzidenzen, Drei- und Vierfarbendruckarbeiten und
geschmackvollen Verlagseinbänden, eine Abteilung
Halbfranz in Wildleder, aufs beste vertreten. Unter
den Buchdruckarbeiten sind die eigenen Kalender
der letzten Jahre, die Bek-Gran für die Firma ent¬
worfen hat, ausgestellt, ferner im Buchhändler- und
Verlegerraum Zeitschriften, „Kunst und Handwerk®,
und technische Fachblätter und Journale.
Dr. Wolf & Sohn ist mit ganz hervorragend schönen
Nachbildungen mittelalterlicher Manuskriptmalereien
und Lithographien vertreten, Karl Gerber mit der
schönen Zeno-Diemerschen Reliefkarte vom bayri¬
schen Hochland und guten Akzidenzen, die Dr. Wild -
scfteBuchdruckerei, sowie die Buchdruckerei B.Heller
mit Wertpapieren und die Buchdruckerei J. B.Graßl
mit Fahrscheinen und Akzidenzen. Bekanntermaßen
gute Akzidenzarbeiten der Firma F. X.Seitz , erfreu¬
liche Arbeiten der Firmen Ignaz Velisch und Bickels
Söhne ergänzen das Bild schaffensfroher Betriebe.
Eine Auswahl der besten Arbeiten der Schrift¬
gießerei E. J. Genzsch ist vorn an der Fensterwand
untergebracht mit all den Erzeugnissen, die jeder
besseren Firma bekannt sind, und die Farbenfabrik
Michael Huber in München stellt in einigen Vitrinen
Rohmaterialien, sowieProben ihrerbestens bekannten
Farben für Buch- und Steindruck zur Schau.
Der G. D. W. Callweysche Verlag zeigt seine Er¬
zeugnisse in einem für sich abgeschlossenen Raum.
Der Raum mit Schrank und Vitrinen ist auf Grünweiß
gestimmt, an den Wänden hängen in kirschroten
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Rahmen die Meisterbilder des „Kunstwart“, in den
Vitrinen die Cissarzbändchen vom „Spielmann“. An
Zeitschriften liegen auf der „Kunstwart“, „Mappe“,
„Baumeister“ und „Bautechnische Zeitschrift“. Im
Schrank stehen schlichte Bände des Kunstwart und
Karl Hauptmanns Werke. Im ganzen Raum kein Mi߬
klang.
Der Verlag der „, Jugend “ bringt, ebenfalls im
eigenen Raum, als Schmuck Originale von Erler,
Georg!, Eichler, Diez, in einem Glasschrank unten
Hirths Formenschatz und oben die Bände der „Ju¬
gend“ seit 1896.
Auch der Simplizissimus-Verlag, Albert Langen , hat
seinen eigenen Raum. Alle Vorsatzpapiere, die der
Verlag zu seinen Büchern verwendet, liegen auf. Die
Wände sind mit Originalen von Mitarbeitern belebt.
In einem Schrank stehen die bekannten Erzeugnisse
des Verlags.
Übersieht man nochmals alles Gebotene, so muß
man sich wieder verwundern über die Reserve von
allen Seiten. Nichts zu viel. Man kommt zu sich,
übersieht alles, und zum ruhigen Beschauen laden
überall auf Tischen offenliegende Bände ein. Dies
Zurückhalten ist schlechthin vorbildlich.
In der Halle I ist eine Buchbindereiausstellung von
Meistern der Innung. Es ist mir nicht möglich die
einzelnen Namen zu nennen: ich kann nur bestätigen,
daß der Stand der Dinge in dieser Abteilung beweist,
daß die Handwerksmeister durchaus Tüchtiges ohne
Ausnahme leisten. Es ist bedauerlich, daß der Raum
so ungünstig für einen Teil der schönen, handwerk¬
lich erfreulichen Arbeiten ist.
Wenn wir die älteste Melodie an allen Ecken pfeifen
hören,so wird sie uns gewiß widerwärtig; wir möchten
uns am liebsten die Ohren verstopfen um nichts mehr
zu hören. So geht es auch Begriffen und einzelnen
Worten, die, zu oft gebraucht, jeden Inhalt verlieren,
ja zum Widerspruch aufreizen, wenn man sie hört.
München die erste Kunststadt Deutschlands. Wird
es zu einseitig lokalpatriotisch betont, so sträubt sich
besseres Wissen dagegen, weil auch anderwärts ge¬
staltet und gearbeitet wird, und es empfindet den
Ausspruch einseitig, unwahr. Und doch! — Sehen
wir einmal zu. Hat München wirklich Tradition ge¬
schaffen? — Hat man hier mehr Anspruch als ander¬
wärts auf Leistungen zu pochen?— Sieht man schärfer
zu, so finden sich doch Anhaltspunkte, diese An¬
schauung nicht ganz abzulehnen. Da ist die Litho¬
graphie! Senefelder lebte hier und wenn ihm auch
seinerzeit die Akademie der Kgl. Bayrischen Wissen¬
schaften für die ersten Proben seiner Erfindung
ausgerechnet seine Barauslagen bezahlte, als er
diesem Institut seine Blätter vorlegte, so entstand
doch bald Segen aus seiner Arbeit. Noch vor einigen
Jahren druckten die Nachfolger der alten Firma Piloty
& LÖhle, die als Firma noch besteht, von den Original¬
steinen der großen lithographierten Pinakothek¬
werke. Es waren dies technisch vollendete Litho¬
graphien im damaligen Kreidecharakter, nach den
Originalen beider Sammlungen. Der junge Piloty
schuf manches Blatt dafür und eine Reihe andrer
später zu gutem Klang gelangter Namen als junge
Künstler gleichfalls. Die Firma Dr. Wolf & Sohn be-
sitztheute noch äußerst lebendige,technisch vollendete
Lithographien des verstorbenen Malers Diez, die er
als junger Akademiker für die Firma auf Stein ge¬
zeichnet hat. Was den Holzschnitt betrifft, so läßt
sich bis zu seiner höchsten Vollendung als Faksimile¬
schnitt — man erinnere sich nur an die Holzschnitt¬
wiedergabe von Zeichnungen des jüngst verstorbenen
Malers Harburger in den Bänden der Fliegenden
Blätter von Braun & Schneider— seine gesamte Ent¬
wicklung aus den einfachsten Anfängen verfolgen.
Die Arbeit von Generationen hat diese Höhe ge¬
schaffen und nicht zuletzt der Wunsch und Wille der
Verleger, die immer nach dem Besten trachteten in
technischer Wiedergabe, angespornt durch die Künst¬
ler, die sie zur Mitarbeit nie missen wollten und die
aus Münchens Schulen und der Akademie immer von
neuem wieder heranwuchsen. Es ist längst vergessen,
daß die besten Namen: Schwind, Diez und andre, Mit¬
arbeiter dieser Zeitschrift gewesen sind. Vor kurzem
sah ich in einem alten Band der Gartenlaube einen
Holzschnitt nach Kaulbach, von Adolf Neumann ge¬
schnitten nach der ersten, von Hanfstängel auf den
Holzstock übertragenen Photographie. Die Firma
Hanfstängel ist ebenso eng mit allen Stadien der Ent¬
wicklung der Photographie und aus ihr herausge¬
wachsenen Verfahren verknüpft wie in seiner Weise
der Name Albert. Dr. Alberts Vater beschäftigte sich
mit dem Problem des farbigen Lichtdrucks und nicht
nur damit, sein Sohn wuchs in der Atmosphäre des
Suchens, Findens und Experimentierens auf und so
könnte man im einzelnen aufzeigen, wie alles fleißige
Bestreben langsam Folge gewann. Eben greife ich
aus meinen Büchern ein dreißig Seiten langes Schrift-
chen heraus, Pergamentpapierumschlag mit dem Titel
in markigem Rot- und Schwarzdruck „Das Buch als
Gegenstand des Kunstgewerbes“, Vortrag gehalten
im Kunstgewerbeverein von Dr. Max Huttier am
6. Dezember 1881.— Ich besitze noch ein Exemplar
eines heute durch merkwürdige Umstände zur Inku¬
nabel gewordene großen Missale Romanum Huttiers
und eine Ausgabe seines, den alten Livres d’heures
nachgebildeten Gebetbuches Die Himmelsstraß vom
Jahr 1886 in schönem Rot und Schwarz, mit Zeich¬
nungen und Randleisten Steinleins und Kleins ge¬
schmückt und der edlen Fust-Schöfferschen Psalter¬
type von 1457 gedruckt. Damit beginnt eine Wand¬
lung im neueren Buchdruck und zwar durch die Tat,
nicht nur theoretisierend und kritisch. Mag es ver¬
gessen sein, im Grunde stehen wir doch auf den
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Original frorn
PRINCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Schultern dieser Leute, die zum guten Teil wie Huttier
ganz besonders im besten Sinne Philanthropen waren.
Das schöne MissaleRomanum Huttiers wurde — ver¬
ramscht, und ist heute selten geworden. Ich kann
mir nicht versagen, aus dem Vortrag Huttiers ein paar
Sätze zu geben, sie haben noch immer Wert. Zuvor
bedankte sich Huttier bei Dr. Georg Hirth für die
Herausgabe der beiden Prachtbände mit Nachbil¬
dungen alter Bücherornamentik, die Fideles Butsch
zusammengestellt hatte,die es,wie er sagt, nunMeister,
Gesellen und Lehrling möglich machen, Auge, Sinn
und Hand für das Schöne zu bilden und zu üben und
fährt dann fort: »Nur vordem einen, glaube ich, müsse
bei dem Studium der Werke unserer Väter eindring¬
lichst gewarnt werden, nämlich der Verlockung ener¬
gischen Widerstand zu leisten, welche die Leichtigkeit
und Billigkeit der heutigen vervielfältigenden Metho¬
den darbietet, in Bausch und Bogen und unterschied¬
los lediglich das Alte zu kopieren, um es für den
heutigen Bedarf wieder verwenden zu wollen. Das
Alte soll studiert werden, in unser Fleisch und Blut
übergehen, aber für die Bedürfnisse der Neuzeit in
neuer Form nur dem Geiste, nicht dem Buchstaben
nach angewendet werden. Die zweite große Lehre
für unsere modernen Kunstbuchdrucker, welche ihnen
die Geschichte erteilt, ist die, daß sie mit der eigent¬
lichen Kunst und wahren echten Künstlern wieder
Hand in Hand zu gehen suchen. Das Renommee
allein macht freilich nicht immer den richtigen Künst¬
ler und es gehört feiner Kunstsinn und feines Kunst¬
gefühl dazu, vielleicht die jüngere vorzügliche Kraft
zu entdecken und ihr zum Renommee zu verhelfen;
wer aber im Kunstbücherdruck etwas Hervorragen¬
des und dauernd Wertvolles leisten will, der wird
mit dem Grundsatz ,Billig und schlecht* radikal
brechen müssen, während hingegen gerade das Beste
an künstlerischer Leistung erst recht gut genug auch
für den Kunstbuchdruck ist. Ebenso darf es wohl
auch von den Herren Künstlern erwartet werden, daß
sie es nicht unter ihrer Würde halten, dem Kunstge¬
werbe ihre Hand zu reichen. Der Buchdrucker soll
den Künstler zum Freund haben, mit dem er seine
projektierten Schöpfungen nach allen Richtungen
hin berät und bespricht, um das richtige ästhetische
Verhältnis von Schrift und Ornament wie Bild zur
Geltung zu bringen, und ein organisches, in allen
seinen Teilen wohl zusammenstimmendes Ganzes
zutage zu fördern, aber auch der Künstler kann
in diesen Parergis seinem künstlerischen Triebe
ein Genüge leisten und wird dabei seinen Ruhm so
wenig schädigen als die Dürer, Holbein, Cranach
durch ihre Arbeiten für den Buchdrucker und Buch¬
binder.“ —
Georg Hirth hat allein durch seine »Jugend“ vielen
Künstlern den Weg ins Leben gebahnt. Das dürfen
wir nicht vergessen. Vielleicht stünde die Herstel¬
lung farbiger Blätter nicht auf der heutigen Höhe
ohne diese Verlegertat, die lange genug nur Opfer
gekostet hat und vielen heutigen Namen über harte
Jahre weghalf. Wenn heute der Künstler und der
Verleger wieder eins geworden sind, so müssen wir
bei einem letzten Überblick über das heute Geleistete
allen denen Dank sagen, die von unten herauf die
Fundamente zur Gesundung legen halfen. Bald hätte
ich eines Mannes vergessen, der mit der Entwicklung
nicht nur des Münchener Buchdruckes eng verknüpft
ist: Otto Hupp. Im Kabinett 51 der Halle I sind seine
besten Arbeiten: Schriften, Ornamente, Vorsatz¬
papiere und Zeichnungen zu finden, die jedem Buch¬
drucker zu wohlbekannt sind, um Worte zu verlieren.
Mögen Otto Hupps Arbeiten hypermodernen An¬
sprüchen erscheinen wie sie wollen, er hat doch die
schönste Gebrauchsantiquaschrift, eine gute Fraktur
und Schwabachertypen geschaffen, seine Schriften
leben noch und haben allerlei Moden überstanden,
auch die Eckmannsche, die Behrenssche trotz allem,
und seine Arbeiten haben immer eins gehabt: Mark
und Kraft, kurz Charakter und Tradition im besten
Sinne.
München hat sich auf dieser Ausstellung nicht
übernommen, sämtliche genannte Firmen hätten es
leicht vermocht, weit mehr auszustellen, aber gerade
diese weise Mäßigung ist vorbildlich. Auch das soll
nicht vergessen werden: alle Räume laden durch das
Heranziehen künstlerischer Kräfte zum Verweilen,
sie haben nicht das Nüchterne, Abwehrende leerer
Kojen, durch die man pflichtschuldig sich stumpf
und müde steht und wandert, überall laden bequeme
Stühle, mit Arbeiten belegte Tische zum Verweilen,
zwingen zur Sammlung. Man findet innerhalb der
Ausstellung schon Ruhe genug, Eindrücke ernsthaft
zu verarbeiten. Die Traditionen, die zwei Gene¬
rationen geschaffen haben, sind bis zur Stunde wirk¬
sam geblieben, jedem Graphiker und Buchgewerbler
wird die Ausstellung fruchtbare Anregungen nach
allen Seiten geben, er wird finden, daß ruhige, stätige
Arbeit überall am Werk geblieben ist — von allem
Guten, das angebahnt wurde, nichts aufzugeben,
sondern weiterstrebend auf sicheren Fundamenten
für die Zukunft das Ihre zu tun.
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-- ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE =....
Eine graphische Skizze von der Hessischen Landesausstellung
ftir freie und angewandte Kunst in Darmstadt.
Von EUGEN KOLLECKER, Würzburg.
INE Landesausstellung für freie und ange¬
wandte Kunst, das heißt für alles, was Kunst
bedeutet oder mit ihr in Zusammenhang ge¬
bracht werden kann, ist auf jeden Fall geeignet, auch
das Interesse des Buchdruckers als Angehörigen
eines Kunstgewerbes zu erregen. Er darf aber nicht
hingehen mit den Augen eines Wissenden, der alles zu
kennen glaubt und nur eine Bestätigung seiner An¬
sichten holen will, sondern er wird sich die Gedanken
eines Suchenden aneignen müssen, der an den aus¬
gestellten Werken seine Empfindungen zu stärken
und Anregung zum weiteren Streben nach Vollkom¬
menheit zu finden wünscht. Wer in letztgenannter
Weise sich vorbereitet hat und dann der Hessischen
Landesausstellung einen Besuch abstattet, der findet
einen Quell der Erkenntnis in ihr, wie er ihn nicht
so leicht erwartet hat. Jedes nähere Eingehen auf
die Ausstellung, so dankbar es auch in verschiedener
Hinsicht wäre, muß ich mir an dieser Stelle er¬
lassen. Ich habe deshalb absichtlich meine Aus¬
führungen nur als eine graphische Skizze bezeichnet,
weil ich in flüchtigen Strichen das für einen Buch¬
drucker Interessanteste der genannten Ausstellung
mitteilen will.
Vor allen Dingen möchte ich da die grundsätz¬
liche Eigenschaft der Hessischen Landesausstel¬
lung, eine moderne zu sein, hervorheben. Was ist
die Moderne? Ein Begleiter von mir antwortete:
Die Gegenwart! Das ist ein passendes Wort für
die Ausstellung, sie gibt uns für einen geschlos¬
senen Landesbezirk ein Bild des gegenwärtigen
Lebens und Strebens in Kunst und Kunstgewerbe.
Wandern wir durch das sinnvolle Eingangstor im
Schatten des Platanenhains nach der großzügig
gehaltenen Terrasse, besteigen wir den Hochzeits¬
turm und pilgern wir weiter durch die zahlreichen
Räume der Gebäude für freie und für angewandte
Kunst, so gewinnen wir allüberall den Eindruck,
daß auch die Moderne in unser praktisches Leben
immer tiefer eindringt und selbst den schläfrigsten
Menschen zwingt, sich auf die Gegenwart zu be¬
sinnen und seine Ansichten zu ändern. Werfen wir
dann einen Blick in die Villen, die von der Diele bis
zur Kammer Stil- und zweckgemäß ausgestattet sind,
oder beobachten wir in den Ein- und Zweifamilien-
Arbeiterhäusern, in welcher Weise die Moderne dem
Volke Anregung und Verständnis für Lebenskultur
bringt, dann müssen wir uns sagen, die Moderne hat
ihre Berechtigung und ihren Zweck. Es wird sich dem
interessierten Fachmanne aber ferner die Überzeu¬
gung aufdrängen, daß die Moderne wert ist, auch dem
Buchdrucker in gleicher Weise wie andern Kunst¬
gewerben eine Stufe auf der Bahn der Zeit zu
sein, für deren möglichsten Ausbau er nach Kräften
Sorge zu tragen hat, damit die Nachwelt in der
Moderne ebenso eine Epoche der Geschmacks¬
entwicklung erkennt, wie wir in den Stilen der Ver¬
gangenheit.
Die Hessische Landesausstellung liefert des wei¬
teren den Beweis der Variationsfähigkeit inner¬
halb des modernen Stils, sie zeigt uns, wie gerade
das Wesen der Moderne eine Freiheit in der Aus¬
wahl der Mittel zum Zweck gestattet, die dem Buch¬
drucker in seiner Praxis nur wünschenswert sein
kann. Die Farben- und Formenharmonie ist oftmals
vortrefflich gelöst. Wir sehen aber auch, daß nicht
allein das starre Prinzip, wie es manchmal als eigen¬
tümliches Wesen der Moderne hingestellt wird, in
Wirklichkeit regiert, und wir fühlen, daß die Moderne
sich auf dem Wege der Reinigung von den Schlacken
der Entwicklung befindet.
Einen geschlossenen, neuartigen Eindruck erhält
man von der typographischen Ausstellung, mit der
das Buchgewerbe vertreten ist. Beteiligt haben sich,
teilweise in recht umfangreicher Weise, die Firmen:
Brühlsche Universitäts-Buch- und Steindruckerei,
R. Lange, Gießen; Wilh.Gerstung, Graphische Kunst¬
druckerei, Offenbach a. M.; Joh. Conr. Herbertsche
Hofbuchdruckerei Nachfolger Dr. Adolf Koch, Darm¬
stadt; H. Hohmann, Hof-, Buch- und Steindruckerei,
Darmstadt ;L.C.Wittichsche Hofbuchdruckerei,Darm¬
stadt; Jos. Scholz, Mainz; Architekt Dr. Anheißer,
Darmstadt; Rudolf Koch, Offenbach a. M.; von Mün-
chowsche Hof- und Universitätsdruckerei, O. Kindt,
Gießen; FriedrichSchoembs, Offenbacha.M.; August
Ziegler, Offenbach a. M. Während die vorgenannten
Aussteller in Raum 24 vereinigt sind, finden wir in
Raum 25 typographische Erzeugnisse der Hofbuch¬
druckerei Ph. von Zabern in Mainz und der Kunst¬
druckerei W. Gerstung in Offenbach a. M. In Raum 27
hat die Schriftgießerei Gebr. Klingspor in Offenbach
a. M. eine vorzüglich zusammengestellte Ausstellung
ihrer Erzeugnisse angeordnet. Ohne Zweifel übt die
typographische Ausstellung 1 einen erzieherischen
Einfluß auf den Geschmack des die Räume durch¬
flutenden Menschenstromes aus, wenngleich noch
viel Zeit vergehen wird, bis das mangelhafte Ver¬
ständnis der großen Masse für den Wert guter Druck-
1 Wir werden im nächsten Hefte über die ganz vortreff¬
liche buchgewerbliche Gruppe des Hessenlandes noch
eine Würdigung veröffentlichen, die auch auf Einzelheiten
eingehen wird. Die Schriftleitung.
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Sachen auf die wünschenswerte Höhe gebracht ist.
Trotzdem kann nicht geleugnet werden, daß wir schon
erhebliche Fortschritte in dieser Beziehung gemacht
haben.
Ein gutes Zeichen hierfür sind die Geschäftskarten
der Aussteller, die mir Veranlassung gaben, dem
Ersuchen „Bitte mitzunehmen“ Folge zu leisten und
mir eine Sammlung davon zusammenzustellen. Hier
kann nicht von einem Niedergang des Geschmacks
geredet werden, wie es kürzlich bei Besprechung
einer Sammlung von Meßkarten in der Leipziger
Typographischen Gesellschaft geschah. Mögen die
Karten der Aussteller auch unter dem Einfluß des
Ausstellungscharakters hergestellt sein, jedenfalls
beeinträchtigt das in keiner Weise ihren Wert als
Erzeugnisse der täglichen Arbeit, die aus dem Zu¬
sammenwirken von Buchdrucker und Besteller ent¬
standen sind. Kein überflüssiger, protzenhafter Prunk,
kein Suchen nach künstlichen unkünstlerischen Wir¬
kungen, sondern vornehme und reelle Geschäftsemp¬
fehlung, dabei aber vom technischen wie ästhetischen
Standpunkt aus lobenswert. Die Geschäftskarten der
Aussteller auf der Hessischen Landesausstellung
können deshalb auch als gute Gegenstände der an¬
gewandten Kunst bezeichnet werden, die ob ihres
Verständnisses für unsre Bestrebungen eine aner¬
kennende Erwähnung verdienen.
Das Interesse des Fachmannes wird aber in ver¬
stärktem Maße durch die offiziellen Ausstellungs¬
drucksachen erregt werden und darum möchte ich
den von der L. C. Wittichschen Hofbuchdruckerei in
Darmstadt ausgeführten Katalog, der jedem Ausstel¬
lungsbesucher in die Hände kommt, nicht unerwähnt
lassen, zumal er diese Erwähnung aus mehrfachen
Gründen verdient. Wir finden in dem Katalog ein
Erzeugnis, das sich ohne Scheu auf einer derartigen
Ausstellung für angewandte Kunst sehen lassen kann.
Im handlichen Formate die bewährten Gesetze des
goldenen Schnitts einhaltend, läßt das Buch in seiner
ganzen Ausführung das Bestreben erkennen, das
gute Alte in Treue zu halten und vom kräftigen Neuen
nach Möglichkeit das Beste und Abgeklärte zu ver¬
wenden. Der graubraune Umschlag zeigt als Titel¬
schmuck eine Zeichnung von Professor F. W. Kleu-
kens, die in entsprechend vergrößertem Maßstabe
als Ausstellungsplakat auch weiterhin bekannt ge¬
worden ist. Weiß, Schwarz und Gold, die in Ver¬
bindung mit der Umschlagfarbe in harmonischer
Weise zur farbigen Gestaltung herangezogen worden
sind,geben dem Buche ein seinem Innern entsprechen¬
des Festgewand. Die Textseiten zeigen durchweg
das bewußte und mit künstlerischem Verständnis
verbundene Streben nach geschlossener Flächen¬
wirkung, sei es im glatten oder im Reihensatz. Der
Stärke des Schriftbildes entsprechend werden die
Seiten von fettenPunktlinien begrenzt,die auch sonst
381
zur Erreichung eines geschlossenen Satzbildes mit
Geschick herangezogen werden, z. B. bei dem In¬
haltsverzeichnis und den Seiten 17 bis 28. Was dem
Fachmanne auffallen wird, ist das Fehlen jedweder
Schlußstücke. Die Spitzkolumnen haben weiter keinen
Abschluß als die jede Seite in gleichgroßem Maßstabe
umrahmenden Linien. Ich halte die auf den Spitz¬
kolumnen vorhandenen weißen Räume in dieser
Weise für berechtigt, da es sehr schwierig und nur
mittels Originalzeichnung möglich gewesen wäre,
die Schlußstücke mit dem Schriftbilde und dem In¬
halt in fehlerlose und gute Übereinstimmung zu
bringen, ohne die Einheitlichkeit der Ausstattung zu
stören. Besser aber keine Schlußstücke als solche,
die aus dem Seitenbilde herausfallen. In der An¬
ordnung der dem Text angehängten Autotypie-Illu¬
strationen finden wir zwei technisch beachtenswerte
Punkte. Sehr geschickt sind die das Seitenbild nicht
ausfüllenden Klischees innerhalb des auch hier aus
fetten Punktlinien bestehenden Seitenrandes in die
optische Mitte gestellt. Des weiteren können wir
feststellen, daß sämtliche quer auf den Seiten unter¬
gebrachten Autotypien mit der Unterschrift nach
rechts gewendet stehen, d. h. die geraden Kolumnen
zeigen die Unterschrift am Bundsteg. Und dieses
auch dann, wenn nur die Seite mit der geraden Zahl
eine quergestellte Autotypie aufweist, die andre aber
nicht. Bei der hier gegebenen Anordnung der Seiten
mit quergestellten Illustrationen scheint mir der Ge¬
danke maßgebend gewesen zu sein, dem Leser durch
die einheitliche Drehung des Buches nach links die
Ruhe im Betrachten der Illustrationen nach Möglich¬
keit zu wahren. Deshalb ist es mir jedoch nicht recht
verständlich, warum bei der letzten Illustration eine
Ausnahme gemacht wurde. Denn zur Einheitlichkeit
hätte gehört, daß auch die letzte quergestellte Auto¬
typie in gleicher Weise wie die vorhergehenden an¬
geordnet worden wäre.
Die Anzeigenseiten des Kataloges sind Muster¬
beispiele von Einheitlichkeit und Flächenkunst im
Anzeigensatz. Die Übersicht ist tadellos und in feiner
Weise hat der Setzer auf jede nicht durchaus nötige
Anbringung von Zeilenfüllern verzichtet. Die Raum¬
verteilung, welche peinliche Gewissenhaftigkeit er¬
kennen läßt, zeigt von Geschmack und technischem
Können.
Sämtliche im Text und in den Anzeigen enthalte¬
nen Abbildungen sind in Schwarz-Weiß-Manier aus¬
geführt und stehen deshalb mit dem Schriftbilde in
bestem Einklang, so daß das Buch auch hierin keine
Schwäche zeigt.
Die Hessische Landesausstellung für freie und
angewandte Kunst kann somit zu einem Besuche
empfohlen werden, denn der Buchdrucker wird auf
ihr mancherlei Anregungen und Ideen für das prak¬
tische Leben heimholen. Leider ist am 9. August 1908
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der Architekt Professor F. M. Olbrich, der in der
Darmstädter Künstlerkolonie seinen Wohnsitz hatte
und sich um das Zustandekommen dieser Hessi¬
schen Landesausstellung große Verdienste erwarb,
plötzlich gestorben. Ein großer Teil der Ausstellurtg
wurde von ihm angeregt und ausgeführt, weshalb zum
Schluß dieses Mannes, der auch auf graphischem
Gebiete hervorgetreten ist, ehrend gedacht sei.
Drahtheftung.
Von Dr. C. NÖRRENBERG, Vorstand der Landes- und Stadt-Bibliothek zu Düsseldorf.
UF der diesjährigen Deutschen Bibliothekar¬
versammlung, die in der Pfingstwoche zu
Eisenach stattfand, bildeten die Verleger -
einbände einen Gegenstand der Tagesordnung (Zen¬
tralblatt für Bibliothekswesen, Jahrgang 1908, Seite
383 ff.). Schreiber dieser Zeilen gab ein kurzes Referat,
welches daran anknüpfte, daß schon vor neun Jahren
auf dem Bibliothekartage in Gotha, 1901 (vergleiche
Zentralblatt für Bibliothekswesen, Jahrgang 1901,
Seite 350 ff.) der Direktor der Reichsgerichts-Biblio¬
thek Geheimrat K. Schulz darüber in weiterem Zu¬
sammenhänge vorgetragen und eine Reihe von For¬
derungen aufgestellt hat.
Ich stellte als Forderung der Bibliotheken hin:
1. wir wollen nicht gezwungen werden, nur ge¬
bunden zu kaufen; wir können verlangen, daß ein
Teil der Auflage ungebunden bleibt.
2. wir müssen verlangen, daß auch der übrige Teil
der Auflage, den der Verleger binden läßt, mit einem
Einband versehen wird, der für Bibliotheken brauch¬
bar wird, sonst ergibt sich der gleiche Mißstand bei
Erwerbung von geschenkten oder antiquarischen
Exemplaren.
Hinsichtlich der Eigenschaften des Verlegerein¬
bandes beschränkte ich mich auf zwei Kardinalfor¬
derungen: Dauerhaftigkeit und Fadenheftung; erstere
habe letztere zur Voraussetzung. Aus einer Rund¬
frage bei den deutschen, österreichischen und schwei¬
zerischen wissenschaftlichen Bibliotheken hatte ich
bereits vorher festgestellt, daß eine Abneigung gegen
Drahtheftung allgemein vorhanden ist. Ich schlug
gemeinsames Vorgehen der Bibliotheken vor sowohl
gegen „nur gebunden“ als auch gegen Drahtheftung.
In der Diskussion zeigte sich Einstimmigkeit hin¬
sichtlich der eben hervorgehobenen Hauptpunkte.
Eine entsprechende Resolution ist kürzlich an den
Börsenverein der Deutschen Buchhändler gelangt.
Die Gründe der Abneigung der Bibliothekare gegen
die Drahtheftung wurden sowohl im Referat als in der
Diskussion nur gestreift, da sie jedem Bibliothekar
geläufig sind: Niemand kann eine Gewähr leisten, daß
Drahtheftung ewig hält. Jede ältere Bibliothek hat
Jahrhunderte alte Bände mit Fadenheftung, die heute
noch im ersten Einband hängen, Draht kann rosten,
und dann ist der Einband dahin, und nicht nur der Ein¬
band ist dann verdorben, sondern auch der Rücken der
Bogen, und das Buch kann nicht umgebunden werden.
Mag auch dieses Mißgeschick erst nach vielen Ge¬
nerationen eintreten: die wissenschaftlichen Biblio¬
theken haben die Bestimmung, an spätere Genera¬
tionen zu denken.
Dieser wirtschaftliche Grund könnte schon ge¬
nügen, aber es kommt noch ein ästhetischer hinzu.
Ich für meine Person wenigstens habe einen tiefen,
ich möchte sagen physischen Widerwillen gegen diese
toten, kalten Metallklammern in einem Buch, das auf
gutes Papier mit anständiger Schrift gedruckt und in
einen geschmackvollen Einband gehüllt ist. Kein
einziger Originalband aus dem Verlag von Eugen
Diederichs hat Drahtheftung; die Drahtklammern in
den Verlegereinbänden der Werke Gottfried Kellers
und Theodor Storms kommen mir geradezu wie eine
Sünde an diesen Dichtern vor.
Ich habe noch nie einen englischen, französischen
oder amerikanischen Verlegereinband mit Draht¬
heftung gesehen: es geht also auch ohne Draht. Ich
habe die Überzeugung, daß die Bücherfreunde dieser
Länder den Draht, selbst wenn er praktisch wäre, ab¬
lehnen würden, weil er ihnen — ja ich finde kein an¬
dres Wort — zu ordinär ist.
Das mag manchem nicht ein sachlicher Grund
scheinen. Aber eine auf Gefühl beruhende Zu- oder
Abneigung ist eine Tatsache, mit der jeder rechnen
muß, der solche Werke herstellt, die das Publikum
vom Standpunkt des Geschmacks oder Gefühls be¬
urteilt.
Es war bisher nur von gebundenen Büchern die
Rede. Gegen Drahtheftung bei broschierten Exem¬
plaren liegen nicht ganz so triftige Gründe vor. Immer¬
hin kann nach jahrelangem Lagern der Rost die Bogen
bindeunfähig machen.
Ob man Drahtheftung beim Einband von Büchern,
die nur eine kurze Lebensdauer zu haben brauchen:
Reisebücher, Schulbücher, ferner die meisten Bücher
in Leih- und auch wohl in Volksbibliotheken, in
gleicher Weise verwerfen soll, will ich hier nicht
erörtern. Doch sah ich vor kurzer Zeit einen
Reiseführer, in welchem eine Drahtklammer mitten
durch die Blätter eines halben Bogens hindurch¬
gehauen war.
Vom Standpunkt des Verlegers oder Großbuchbinders
wird natürlich auf die Wirtschaftlichkeit des Draht¬
bandes hingewiesen werden. Seitdem aber neuestens
Fadenheftmaschinen erfunden worden sind, die nach
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dem Urteil von Fachkennern Vorzügliches leisten,
Fällt dieser Einwand hin.
Übrigens lassen die beiden größten deutschen Bar¬
sortimente, F. Volckmar und K . F. Köhler in Leipzig,
nur mit Fadenheftung binden, so daß alle gangbaren
Bücher, von denen nicht etwa der Verleger die ganze
Auflage mit Draht gebunden hat, in Fadenheftung ge¬
bunden zu haben sind.
Die Behrens-Antiqua
der Gebr. Klingspor in Offenbach am Main.
Von JEAN LOUBIER, Berlin.
W IEDER einmal legt die Schriftgießerei der Gebr.
Klingspor in einer bei ihr gewohnten überaus ge¬
schmackvollen Ausstattung den Buchdruckern das Muster¬
heft einer neuen Künstlerschrift vor. Es ist eine von Peter
Behrens entworfene Antiqua und reichhaltiger dazu ge¬
höriger typographischer Schmuck. Damit ist den Gebr.
Klingspor meines Erachtens von neuem ein großer Wurf
gelungen.
Ich kann nicht anders als es bei dieser Gelegenheit un¬
umwunden aussprechen: seit dem denkwürdigen Jahr 1900,
als unsre deutsche Schriftgießerei nach langen sterilen
Jahren zum ersten Male mit neuen und neuartigen Druck¬
schriften von Künstlerhand auf den Plan trat, hat die Schrift¬
gießerei der Gebr. Klingspor in der Gesamtleistung künst¬
lerischer Erzeugnisse fortdauernd den ersten Platz be¬
hauptet. Ihr neuestes jetzt vorliegendes Musterheft ist mir
dafür ein neuer vollgültiger Beweis. Wenn ich mich nun
frage, worauf wohl die großen Erfolge beruhen, welche ge¬
rade diese Schriftgießerei mit ihren künstlerischen Lei¬
stungen in den erwähnten neun Jahren gehabt hat, so ist mir
klar, daß diese Erfolge in erster Linie darin begründet sind,
daß sie die rechten Künstler zur Mitarbeit gefunden hat.
Und das ist natürlich wieder kein Zufall. Der Leiter einer
Schriftgießerei, die überhaupt künstlerische Originalarbei¬
ten herausbringen will, muß imstande sein zu beurteilen,
wenn er einem Künstler den Auftrag gibt eine Druckschrift
zu entwerfen, ob gerade dieser Künstler nach seinen bis¬
herigen Arbeiten die ausgesprochene Fähigkeit hat eine
Druckschrift zu zeichnen. Eine Druckschrift zu zeichnen
ist sehr viel schwerer, als es für den Laien den Anschein
hat. Ungleich leichter ist es, eine Schrift für einen ge-
gebenenZweckundfüreinen bestimmten Raumzuzeichnen,
etwa für eine Adresse, einen Buchtitel oder eine andre
Inschrifttafel, die in Stein gehauen oder geschnitten, geätzt
oder sonstwie reproduziert werden soll. Bei solcher Auf¬
gabe hat der Schriftzeichner verhältnismäßig freie Hand,
freien Spielraum. Denn der Text, die Aufeinanderfolge der
Buchstaben, sowie deren Abbrüche zu Worten und Sätzen
sind in solchen Fällen gegeben, stehen fest. Sehr viel anders
ist die Aufgabe, und es wachsen die Schwierigkeiten in
hohem Maße, wenn es gilt, eine Schrift für den Lettern¬
druck, eine Druckschrift zu zeichnen. Nämlich die Typen
einer Druckschrift müssen in den Tausenden der möglichen
Kombinationen der Buchstaben immer ein schönes Schrift¬
bild ergeben und sich klar und in immer gleichen, immer
schönen Abständen zu Worten, Sätzen, Satzspiegeln anein¬
ander fügen lassen und, was mehr sagen will, aneinander
schließen; und die Versalien müssen mit den Gemeinen
in allen Kombinationen harmonieren. Mit dem Entwerfen
und exakten Durchzeichnen zweier an sich schöner Alpha¬
bete von Versalien und Gemeinen ist die Arbeit bei weitem
noch nicht getan. Denn darnach erst beginnt eine lange
Reihe mühseliger Versuche, die Schriftzeichen aneinander
zu passen, bis sie allen Anforderungen und Möglichkeiten
der Zusammenfügung gerecht werden. Nur so kann eine
schöne, sorgfältig ausgeglichene Druckschrift von künst¬
lerischer Qualität zustande kommen. Der Schriftzeichner
muß — darauf läuft’s hinaus — neben seinen ästhetischen,
künstlerischen Fähigkeiten auch die technischen Kennt¬
nisse, die der Schriftguß erfordert, besitzen oder sich für
seine Arbeit aneignen können.
Und darauf nun beruhen zum zweiten und nicht minder
wichtigen die bedeutenden Erfolge gerade der Gebr. Kling¬
spor. Sie haben ihren künstlerischen Mitarbeitern stets die
Möglichkeit geboten, sich die technischen Vorbedingungen
für ihre Arbeit anzueignen. Man lese einmal nach, was
Otto Eckmann in dem Geleitwort für seine bei Klingspor
(der damaligen Rudhardschen Gießerei) ausgeführte Druck¬
schrift sagt: „Diese Zeilen geben mir Gelegenheit, der Firma,
welche diese Schrift herausgibt, zu danken für die uner¬
müdliche Bereitwilligkeit, mit der sie in jahrelanger Arbeit
die schier zahllosen Versuche mit jedem einzelnen Buch¬
staben ermöglichte. Nur auf diese Weise kann ein ersprie߬
liches Weiterschreiten gewährleistet werden." Und sehen
wir auch, was Peter Behrens am Schlüsse seines Vorworts
zu seiner ersten Druckschrift sagt: „Es ist meine Pflicht,
hier auszusprechen, daß ich bei der Arbeit durch die Rud-
hardsche Gießerei die beste Unterstützung fand, daß durch
die Zusammenarbeit mit ihr das Ziel verkürzt wurde. Es
ist meine Pflicht auszusprechen, daß sie keine Mühe und
keine Kosten scheute, die Schrift das werden zu lassen,
was uns als Ziel vorschwebte.“ Das ist der Idealismus,
von dem sich die Gebr. Klingspor bei ihrer Arbeit un¬
entwegt leiten ließen, keine Mühe und keine Kosten zu
scheuen, um erstens bedeutende Künstler mit ausgespro¬
chener Begabung für Schriftzeichen und Buchornament
für ihre Arbeit zu gewinnen und zweitens die Möglich¬
keit zur gemeinschaftlichen wechselseitigen Arbeit des
Künstlers mit dem Techniker zu gewährleisten. Nur
solchem Idealismus des Kunsthandwerkers und des Kunst¬
industriellen entspringen wirkliche Kunstwerke auf dem
Gebiete ihrer Arbeit.
Die hervorragende Begabung Peter Behrens’ für das
Schriftzeichnen und speziell für das Entwerfen von Druck¬
schriften wurde zuerst ersichtlich aus der schon erwähn¬
ten sogenannten Behrens-Schrift, einer Kielfederschrift
von gotischem Charakter, die die Gebr. Klingspor im Jahre
1901 in den Handel brachten. Diese Schrift hat, trotzdem
sie anfänglich gerade in den Fachkreisen der Buchdrucker
vielfach abgelehnt wurde, ihren Weg gemacht, und ihr
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verdanken wir zu einem beträchtlichen Teile die Hebung
des Geschmacks in der Ausstattung deutscher Bücher und
Akzidenzen. Behrens hat sich seitdem neben seinen an¬
dern kunstgewerblichen Arbeiten ununterbrochen mit
dem Schriftzeichnen beschäftigt und an der Düsseldorfer
Kunstgewerbeschule, deren Direktor er eine Reihe von
Jahren war, mehrere erfolgreiche Schriftkurse für Lehrer
an Kunstgewerbeschulen organisiert und geleitet. Eine
Frucht dieser seiner weiteren Arbeit an der Neugestaltung
der Schrift war die Behrens-Kursiv, die die Gebr. Klingspor
am Anfangs dieses Jahres veröffentlichten, eine elegante,
leicht fließende halbfette lateinische Schrägschrift, die
neben der schlankeren „Trianon“ von Wieynk aus der
Bauerschen Gießerei die beste lateinische Schreibschrift
mit künstlerischem Charakter ist, die wir neuerdings be¬
kommen haben.
Und nun tritt die Klingsporsche Gießerei noch in dem¬
selben Jahre mit der dritten der Behrens-Typen, einer
Antiqua, hervor, die mir, wenn ich das ganze Musterheft
mit seinen vielen und mannigfaltigen Proben durchsehe,
ebenfalls den Düsseldorfer Schriftkursen ihre Entstehung
zu verdanken scheint und, wenn dem so ist, als deren
schönster Erfolg dasteht, mit der nun der Leiter jener Kurse
selbst sein Können darlegt.
Unter den mancherlei neuen Druckschriften von künst¬
lerischer Eigenart, die uns verschiedene unsrer Schrift¬
gießereien seit 1900 beschert haben, den Schriften von
Schiller, Hupp, König, Eckmann, Sattler, Behrens, war bis¬
her keine Antiqua, so stark auch das Verlangen war nach
einer neuen ästhetisch befriedigenden Lateinschrift voll
Saft und Kraft. Abgesehen von der älteren ausgezeich¬
neten »Römischen Antiqua“ Heinz Königs aus der Gießerei
von Genzsch &Heyse standen unsern Druckern an neuen
Schriften wesentlich nur Nachahmungen und Nachschnitte
englischer und amerikanischer Antiquatypen zur Ver¬
fügung. Mit ganz besonderem Neid mußten wir auf die
vollendeten Antiquaschriften von Morris und Cobden-
Sanderson blicken. Was sich nur zu leicht befürchten
ließ, nämlich, daß eine neue deutsche Antiqua sich von
diesen englischen Meistern abhängig erweisen würde,
das trifft jetzt erfreulicherweise auf die neue Antiqua von
Behrens nicht zu. Sie steht, wie den Schriftkundigen der
erste Blick in das Musterheft lehrt, durchaus auf eigenen
Füßen. Wir haben in ihr eine unabhängige, originale deut¬
sche Antiqua von künstlerischer Durchbildung, und das
scheint mir ungemein wichtig.
In der Behrens-Antiqua mutet uns gewiß keines der
Schriftzeichen fremd in der Form oder unklar an, sie ent¬
sprechen samt und sonders den traditionellen Bildern der
Antiquaschrift. Freilich kann ich trotzdem nicht dafür gut
stehen, daß nicht doch der eine oder der andre Leser
kommt und sagt: ich kann diese Schrift nicht lesen. Das
ist noch allemal bei neuen Schriften von irgendwelchem
individuellen Zug der Fall gewesen. Und könnte man auf
diesen Einwand etwas geben, so hätten wir überhaupt nie
eine Entwicklung und Weiterbildung der Schrift gehabt.
Also, ich wiederhole: kein einziges der Schriftzeichen ver¬
stößt gegen den allbekannten Typus der Antiqua. Und
doch, sieht man näher zu, so findet man in allen Einzel¬
heiten, im An- und Abstrich der Geraden bei Versalien
(M F P) und Gemeinen (i t), im Verhältnis von Grund¬
strich zu Haarstrich (N A f s g x), in der Biegung der
Kurven (n m h q u), im Ansatz der Schrägstriche (A N),
in dem Schlußhäkchen (C 6 C W c f f), in der Form
des Kommas, Ausrufungs- und Fragezeichens (, 1 ?) ein
neues Etwas, eine Eigenart des Künstlers Behrens. (Das
Gesagte wird an den unten eingesetzten größeren Graden
der Typen klarer ersichtlich werden.) Beim Betrachten und
Vergleichen von Schriftformen, neuen und alten, am mei¬
sten in der schier unendlichen Reihe der verschieden¬
artigen Druckschriften der Inkunabelzeit, ist es mir immer
als etwas geradezu Wunderbares vorgekommen, daß bei
allem Festhalten an der sanktionierten Form — am ekla¬
tantesten vielleicht bei der strengen Antiqua — noch immer
etwas wirklich Neues und dabei Leserliches im Sinne der
Überlieferung und obendrein Schönes herauskommen kann,
oder anders ausgedrückt: bei allem Typischen noch etwas
Individuelles! Und das ist bei der Behrens-Antiqua ent¬
schieden der Fall.
ABCDEeFGHljK
LM NOPQRSTUV
WXYZÄÖÜaabcd
efghijklmnopqrsf
tuvwxyzä äöüfffiffi
flftchckrch[Tfi(fiftß^tt
Die Schriften der Manuskripte des frühen Mittelalters
haben Behrens, das merkt man seiner Antiqua an, beson¬
ders interessiert und gefesselt. Man sieht, daß er sie stu¬
diert und den lateinischen und griechischen Unzial-Schrif-
ten des 6. bis 8. Jahrhunderts, diesen gerundeten Spröß-
lingen der vorangehenden Kapitalschriften, mehrere
typische Formen nachgebildet und für den Gesamtcharak¬
ter der kleinen Buchstaben auf die karolingische Minuskel¬
schrift zurückgegriffen hat. Während alle bisherigen latei¬
nischen Druckschriften auf der Antiqua der italienischen
Renaissance fußen, beruht also die Behrens-Antiqua
wesentlich auf der lateinisch-griechischen Schrift des
frühen Mittelalters, ohne deshalb, wie schon oben gezeigt
wurde, in den Einzelheiten der persönlichen Eigenart zu
entbehren. Wenn ich die Behrens-Antiqua unter die bekann¬
ten Hauptschriftarten klassifizieren müßte, so würde ich sie
eine gerundete Antiqua mit unzialem Grundcharakter
nennen.
Das N und das M ist mir, und wie ich höre, auch andern,
zuerst bei seiner Schrift aufgefallen als ungewohnt, ab¬
weichend vom Herkömmlichen durch die beiden starken
senkrechten Grundstriche. Aber ich habe nachher gefun¬
den, daß diese beiden Versalien ganz speziell in dieser
Form in den Unzialschriften des 6. bis 8. Jahrhunderts
Vorkommen und somit gerade dem Unzial-Typus der
Behrens-Antiqua entsprechen. Auf Unzialformen beruhen
ferner seine Versalien H C, die Nebenform des 6 (die
neben der Kapitalform E vorkommt), ferner P und F mit
ihren unter die Linie heruntergezogenen, schräg ab¬
brechenden Grundstrichen. Aber, das will mir als ein be¬
sonderes Verdienst von Behrens erscheinen, zu diesen
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Unzialformen der Versalien hat er die Gesamtformen seiner
Gemeinen in vollkommene Harmonie zu setzen verstan¬
den, wie auch die weitere Vergleichung zeigt. Nämlich
seinen Versalien mit senkrechten Grundstrichen ist ge¬
meinsam die Durchführung des oberen Ansatzes von links
und des unteren Abbruches nach rechts (H N A K). Das
hat er gleichfalls aus den Unzialschriften übernommen,
dann aber selbständig, ohne Vorbilder aus älterer Zeit, auf
die Minuskeln, die Gemeinen übertragen (imnl d). Es
ist das der Federduktus, der erst oben von links ansetzt,
dann gerade herunterzieht und unten nach rechts umbiegt
und abbricht. Das zieht im Satzbilde, namentlich bei den
kleinen Buchstaben, den Blick energisch nach rechts in
der Richtung des Lesens, und verleiht dem ganzen Bilde
der Zeile und weiterhin des Schriftblocks eine ausge¬
sprochen horizontale Gesamtwirkung.
Noch eines will ich erwähnen, was mir von andrer Seite
als ein Mangel an dieser Schrift bezeichnet worden ist,
nämlich die großen Öffnungen des G C O Q^, weil sie
Lücken in den Satz hineinrissen. Das gleiche kommt in¬
dessen auch bei den schönsten griechischen und römischen
Stein-Inschriften vor, in voller Absicht, um das Schriftbild
an einigen Stellen zu beleben. Dieselbe Absicht wird ver¬
mutlich auch Behrens bei der Gestaltung dieser runden
Versalien geleitet haben. Wie schön das wirken kann, da¬
für erlaube ich mir auf die beiden prächtigen Seiten 16 und
17 des Musterheftes mit lateinischem Text hinzuweisen.
Aber ich gebe auch bereitwillig zu, daß diese großen Öff¬
nungen der genannten Versalien, wenn sie sich in einem
ganz aus Versalien gesetzten Wort zufällig häufen, stören
können.
Die Behrens-Antiqua ist auf das sorgfältigste ausge¬
glichen und ergibt darum so schöne Schriftbilder und
Satzbilder, wie sie das Musterheft in Hülle und Fülle für
Akzidenzen und für Brotsatz darbietet. Im fortlaufenden
Satz lassen sich, nach den dargebotenen Beispielen zu
schließen, für meinen persönlichen Geschmack die vor¬
nehmsten, ruhigsten Satzbilder dann erzielen, wenn der
Satz durchschossen wird. Die Schrift, als Ganzes ge¬
nommen, hat Charakter, männliche Kraft, energischen Zug.
In den größeren Graden ist sie monumental, aber selbst
noch im Petitsatz bewahrt sie sich etwas Großzügiges.
Der von Behrens hinzugefügte Schmuck an Initialen, Ein¬
fassungen und sonstigem Zierat ist natürlich dem Charak¬
ter der Schrift angepaßt. Er bietet viel des Interessanten.
Mit besonderer Vorliebe verwendet Behrens ein Spiral¬
ornament. Was man koloristisch mit diesem Zierat zur
Belebung des Schriftsatzes anfangen kann, das zeigt
Behrens selbst an mehreren mit Hinzunahme von Rot,
Blau, Grün, Gelb, Braun gedruckten Beispielen.
Schließlich habe ich auch noch etwas über die Ausstat¬
tung des Musterheftes zu sagen. Klingspor gibt hier auf
54 Quartseiten eine große Zahl von Anwendungsbeispielen,
die allenthalben zeigen, nicht nur, wie sich die neue Schrift
und ihr Zierat verwenden lassen, sondern überhaupt, was
künstlerischer Satz ist. Nun, wie sahen vor gar nicht langer
Zeit solche Musterhefte der Schriftgießereien aus, bei der
einen wie bei der andern? Ärmlich und geschmacklos
Auch darin hat als erster Klingspor Wandel zum Besseren
geschaffen und seine eigenen Ansprüche im Verlauf der
Jahre gesteigert. Seine Musterhefte, die unter der Aufsicht
und nach Angaben der mitarbeitenden Künstler in seiner
Hausdruckerei gesetzt und opulent mehrfarbig gedruckt
werden, sind typographische Musterleistungen im künst¬
lerischen Geschmack und desgleichen in der technischen
Ausführung. Ein gutes Beispiel weckt Nacheiferung;
mehrere andre Schriftgießereien haben danach auch
herausgefunden, daß geschmackvolle Ausstattung der Pro¬
ben und Musterhefte die beste Empfehlung, die wirksamste
Reklame für ihre Erzeugnisse ist. Ich verweise statt wei¬
terer Worte auf die Beilagen in der Behrens-Antiqua,
die diesem Archiv-Hefte beigegeben sind, und auf das
schöne Musterheft selbst.
Ich habe meinen Bericht ausführlich gemacht und mich
bemüht, mein Urteil zu begründen. Aber, da ich der
Meinung bin, daß mit dieser neuen Druckschrift von seiten
des erfindenden Künstlers und der ausführenden Gießerei
eine hervorragende Arbeit geleistet worden ist, auch durch
die Art, wie diese Arbeit durch die Schriftgießerei dem
Kreise der Interessenten vorgelegt wird, so fühlte ich mich
zu solcher Ausführlichkeit berechtigt. Mich haben die An¬
wendungsbeispiele des Musterheftes in ihrer Mannigfaltig¬
keit davon überzeugt — und zwar, je länger und je öfter
und eingehender ich sie betrachtet habe, um so mehr, —
daß eine recht ausgedehnte Verwendung dieser Behrens-
Antiqua dazu mithelfen müßte, das künstlerische Niveau
unsrer Druckausstattung weiter zu heben und unsre neue
junge Buchkunst zu fördern.
Buchgewerbliche Rundschau.
Buch- und Schriftwesen.
Papyrus-Ausstellung. Die Königlichen Museen in Ber¬
lin hatten anläßlich des Internationalen Kongresses für
historische Wissenschaften im Neuen Museum eine Son¬
derausstellung von Papyrusfunden veranstaltet, die das
weitgehendste Interesse der Fachgelehrten fand. Die lehr¬
reiche Ausstellung, die bis Ende September geöffnet ist,
muß aber auch die Beachtung der Angehörigen des Buch¬
gewerbes erregen, weil sie ihnen Gelegenheit bietet, die
Schreibstoffe früherer Zeit, sowie die Uranfänge unsers
heutigen Buches kennen zu lernen. Die Ausstellung war
in folgende Gruppen gegliedert: I. Schreibmaterial; II. Ägyp¬
tische Texte in hieroglyphischer und hieratischer Schrift;
III.Ägyptische Texte in demotischer Schrift; IV.Ägyptische
Texte in koptischer Schrift; V. Nubische Texte; VI. Aramäi¬
sche Texte; VII. Syrische, Hebräische, Persische (Pehlevi)
und Arabische Texte; VIII. Griechische literarische Texte;
IX. Graphische Urkunden und X. Lateinische Texte. Neben
der Vorführung von Schreibmaterialien waren 157 der sel¬
tensten Papyrus, die sich vom 3. Jahrtausend vor Christi
bis auf das Jahr 1000 nach Christi erstreckten, ausgestellt,
darunter die im Jahre 1906/1907 auf der Nilinsel Elefantine
entdeckten aramäischen Papyrus, die für die Geschichte
der Entwicklung des Judentums von ungeheurer Bedeutung
sind. Eine von der Weidmannschen Buchhandlung in Ber¬
lin herausgegebene Einführung in die Papyrus-Ausstellung,
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die sehr gemeinverständlich gehalten ist, gab dem Laien Schwamm abgewaschen, ohne daß sich auch nur eine Spur
eine treffliche Erläuterung, die ihn den Wert der einzelnen von Farbe ablöste, oder sonst irgendeine Beschädigung
Funde richtig einschätzen ließ. A.W. sich zeigte. Cellitiertes Papier, Leder oder Leinwand brennt
Buchdruck. ebenfalls nicht, sondern verkohlt äußerst langsam, ein Um-
Typensperrer. Die verschiedenen Erfindungen, die seit stand, der für jede Bibliothek von Wichtigkeit ist. Die in
Jahren gemacht wurden, um Ordnung in den Schrift- meinem Besitze befindlichen Musterbogen verschiedener
einstelikästen zu erhalten, sind beinahe so unzählig wie Farbe und Musterung sehen hübsch und gefällig aus und
der Sand am Meer, aber so ganz bewährt hat sich doch zeigen, daß jede Sorte Bezugstoffes hergestellt werden kann,
wohl keines der vielen Mittel, sonst würden nicht immer Die Cellitfolien werden von den Farbenfabriken vorm,
wieder neue auftauchen. Jetzt liegt mir wieder ein neuer Friedr. Bayer & Co. in Elberfeld, die cellitierten Stoffe aber
Füller vor, der aus federndem Blech gemacht und so voraussichtlich von derPapierfabrikWeißenstein in Barmen
gestaltet ist, daß man ihn bis auf Petitkegel zu- ^ - in den Handel gebracht. A.W.
sammendrücken kann. Typensperrer, so nennt die 1^1 1 Relief-Prägematrizen. Die Versuche, das zeitraubende
Firma Heintze & Blanckertz in Berlin ihr neuestes | \l Verfahren zur Herstellung von dauerhaften Prägematrizen
Erzeugnis, das die aus nebenstehender Abbildung aus Pappe durch andre Arbeitsweisen zu verkürzen bzw.
ersichtliche Form hat. Die Endungen und Knickungen zu ersetzen, sind nicht neu, aber bekannt und allgemein
sind rund, so daß Verletzungen der Finger ausgeschlossen angewandt wurde meines Wissens bis jetzt keine dieser Ver-
sind. Die Sperrer sind fast schrifthoch und lassen sich besserungen. Fortgesetzte Versuche des Buchbinder¬
in einer Größe von Petit bis fünf Cicero verwenden. Nach meisters Herrn C. Berger in Leipzig haben nun zu einem
mir vorliegenden Zeugnissen sollen sich die Typensperrer recht guten Erfolge geführt.
in der Praxis sehr gut bewährt haben. Vielleicht ist nun Wenn auch die Zeit der ehemals herrschenden, teilweise
das Mittel gefunden, das endlich Ordnung in die Einstell- geschmacklosen hohen Prägungen auf Buchdecken und
Schriftkästen bringt. A.Schl. dergleichen hoffentlich für immer vorbei ist, so gibt es in
Buchbinderei. Buchbindereien und Druckereien doch immer noch Auf-
Cellit. Unter diesem Namen bringen die Farbenfabriken träge, die nicht abgewiesen werden können, insbesondere
vorm. Friedr. Bayer & Co. in Elberfeld einen neuen, dem be- dann nicht, wenn solche Prägungen in den Grenzen des
kannten Celluloid ähnlichen Stoff in den Handel, der von geschmacklich Zulässigen bleiben.
seiten der Bibliotheken und Buchbindereien größte Beach- Es sei deshalb das neue Verfahren hier kurz erläutert
tung verdient. Das Cellit liegt mir in verschiedenen und zugleich bemerkt, daß die dazu erforderliche paten-
Proben vor und zwar in Cellitfolien und in Cellitpapieren, tierte Matrizenfolie Töff-Töff von Herrn Max Burckhardt in
die anscheinend mit Cellit getränkt, also cellitiert sind, und Leipzig-Gohlis in den Handel gebracht wird,
in verschiedenen Bucheinbänden. Wenn die Gravurplatte in der angeheizten Vergolde-
Die Cellitfolien haben den großen Vorzug, daß sie nahe- presse angehängt ist, dann wird ein entsprechend großes
zu unverbrennbar sind, das heißt, sie brennen überhaupt Stück der pappenähnlichen Matrizenfolie auf einer harten
nicht, sondern schmelzen an der Flamme lediglich ab. Ist Unterlage mit ein paar Tupfen Wachs auf dem Presse¬
schon diese Eigenschaft gegenüber dem leicht und schnell schlitten befestigt. Um zu verhüten, daß die Folie, welche
brennenden Celluloid von nicht zu unterschätzendem sich beim heißen Druck erwärmt, an die Gravurplatte an-
Wert, so sind den Cellitfolien noch einige weitere schätzens- klebt, wird sie mit einem flüchtigen Öl (Terpentin usw.)
werte Eigenschaften zuteil, die sie in Bibliotheken und im überfahren und mit einem Stück geölten Papiers überdeckt.
Buchgewerbe bald einführen werden. Die Folien sind voll- Es erfolgen nun zunächst leichtere, dann stärkere Drucke
ständig durchsichtig und in allen Stärken herstellbar; die so lange, bis sich die Matrize genau nach der Platte ge-
dünnen Folien, die sehr weich sind, lassen sich falten wie bildet hat. Die Bildung der Matrize beruht darauf, daß sich
Papier, ohne zu brechen. Es können sohin mit den Cellit- die Matrizenmasse, die bei dem heißen Druck erweicht, von
folien Umschläge aller Art gebildet werden, deren Ab- den flachen (hochliegenden) Stellen nach den hohlen (tief¬
schlußstellen durch Bestreichen mit einer besonderen liegenden) Stellen zusammengedrängt wird, wo sie ver-
Lösung völlig luftdicht verschlossen werden können. In- härtet. Die überflüssige Masse preßt sich nach außen. Eine
folge der Durchsichtigkeit, der Haltbarkeit und der völlig Matrize,die frühereinen halbenTagZeitaufwand erforderte,
luftdichten Verschließbarkeit bilden die Cellitfolien ein ist nun in etwa einer Viertelstunde gebrauchsfertig und
gutes Schutzmittel für solche Gegenstände, die gegen Be- hält nach den Versicherungen des Erfinders Tausende von
rührung, Luft, Staub und sonstige Einflüsse geschützt Drucken aus. Mit dem neuen Verfahren ist sohin eine ganz
werden sollen, wie z. B. wertvolle Einblattdrucke, Manu- erheblicheZeitersparnis verbunden, die in großen Betrieben
skripte, Kunstblätter, Bucheinbände usw. nicht zu unterschätzen ist. H.D.
Ist schon diese Verwendbarkeit des Cellits in unzähligen
Fällen von größtem Wert, so scheint mir, als ob das Cellit Schriftgießerei,
berufen wäre, eine noch viel wichtigere Rolle in der Buch- Schriftprobenschau. Im Juli dieses Jahres tagte der Deut¬
binderei zu spielen, wenn es sich um das Einbinden viel sehe Werkbund in München, wobei es auch an Vorträgen
gebrauchter Bücher, z.B. Bibliotheksbände handelt. Eine nicht fehlte. Unter anderm sprach der Kunstgewerbler
Anzahl mir vorliegende, in cellitiertem Papier, Leder und und Maler Professor Richard Riemerschmid über: Kunst
Leinwand hergestellte Einbanddecken sieht sehr gefällig und Künstler, wobei er betonte, daß es notwendig sei, die
aus, die Decken nehmen keinen Schmutz an, sind abwasch- verloren gegangene Verbindung der Kunst mit dem Hand-
bar und färben nicht im geringsten ab. Einen roten cellitier- werk wiederherzustellen. Jeder, der es mit künstlerischen
ten Halbleinenband habe ich öfters mit einem sehr feuchten Entwicklung des Gewerbes ernst meint, wird diese Not-
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wendigkeit gerne anerkennen, aber auch die Ansicht ver¬
treten, daß der Künstler sich nicht den technischen, der
Handwerker dagegen sich nicht d6n künstlerischen For¬
derungen verschließen darf. Nur ein Handinhandarbei¬
ten, ein Verstehen und Eingehen auf die einzelnen tech¬
nischen und künstlerischen Fragen wird so erfreuliche
Erfolge erzielen, wie wir solche in unserm Buchgewerbe,
vor allem aber in der Schriftgießerei verzeichnen können.
Vor etwa einem Jahrzehnt dachte, mit einer einzigen Aus¬
nahme, niemand daran, einen Künstler zum Entwurf einer
Schrift heranzuziehen. Und heute! Eine Reihe von Schriften
sind unter Mitwirkung von tüchtigen Künstlern wie Pro¬
fessor Hupp, Prof. Eckmann, Prof. Behrens, Barlösius usw
geschaffen worden und mit Freuden kann von Zeit zu Zeit
festgestellt werden, daß wieder eine Schriftgießerei einen
Künstler zur Anfertigung einer Schrift herangezogen hat.
So hat nunmehr auch die Firma Benjamin Krebs Nach¬
folger in Frankfurt a.M. in Gemeinschaft mit einem Künstler
eine Schrift fertiggestellt, die in einem Musterheft gezeigt
wird. Ludwig Hohlwein in München, der auf buchge¬
werblichem Gebiete durch eine Anzahl prächtiger Plakate
bestens bekannt ist, hat eine breite Gotisch gezeichnet, die
von der Firma Krebs Nachfolger bis jetzt in den Graden
Cicero bis acht Cicero geschnitten wurde, und den Namen
Hohlweinschrift erhielt. Von den althergebrachten Formen
der Gotisch weicht die anscheinend mit der Feder herge¬
stellte Hohlweinschrift sehr ab, denn die Gestaltung der ein¬
zelnen Buchstaben, die manchen zunächst etwas fremd
anmuten werden, ist eine ganz eigenartige originale, die
die Eigenart des Künstlers erkennen lassen. Die breite
senkrechte Form der Buchstaben mit ihren starken Aus¬
läufern geben der ganzen Schrift einen außerordentlich
dekorativen Charakter, bedingen aber auch, daß von dem
Schnitt kleinerer Grade abgesehen werden muß, denn in
dem kleinsten vorliegenden Grade, dem Cicerograd, scheint
die Grenze zu liegen, in der die Hohlweinschrift ihren vollen
Reiz noch zeigen kann. Die Hohlweinschrift dürfte im An¬
zeigensatz am besten Verwendung finden, dann aber auch
zum Satz von einheitlich wirkenden Titeln und Akzidenzen
geeignet sein.
Die Bauersche Gießerei in Frankfurt a.M.h&t im Anschluß
an ihre bekannte Barlösiusschrift nunmehr auch eine fette
Garnitur dieses Schrifttypes geschaffen, von der in einem
Probehefte zahlreiche Beispiele gegeben werden. Die
Firma selbst bezeichnet ihre Neuheit als „eine markante
und bestimmte Reklame- und Inseratenscbrift“. Mit diesen
Worten, die zugleich auch die Verwendbarkeit der Schrift
bezeichnen, hat die Bauersche Gießerei nicht zu viel ge¬
sagt, sondern durchaus das Richtige getroffen. Die fette
Barlösius, die gegenüber derzuerst erschienenen schmalen
Schrift größere Einfachheit zeigt, wirkt außerordentlich
kräftig und klar, so daß die aus ihr gesetzten Zeilen und
Sätze bestimmt und scharf hervortreten, dabei aber über¬
aus leicht lesbar sind. An den einzelnen Anwendungen des
Musterheftes läßt sich das von mir Gesagte leicht erkennen»
zugleich aber auch ersehen, daß die fette Barlösius auch
inmitten andrer Schriften, die natürlich geschickt und
entsprechend gewählt sein müssen, sehr gut verwendet
werden kann.
Die Zahl der gotischen Schriften wird außer den beiden
vorstehend besprochenen Erzeugnissen noch vermehrt
durch die von der Schriftgießerei in Frankfurt a. M. soeben
geschaffene Neugotisch, die von Willi Wegener gezeichnet
wurde. Diese Schrift gehört nach meiner Ansicht mehr zu
der Klasse der neudeutschen Schriften als zu derjenigen
der gotischen Schriften, denn trotz ihrer Eigenart und Selb¬
ständigkeit, die ich durchaus anerkenne und die wohl auch
niemand antasten wird, zeigt sie nicht die streng gotischen
Formen, sondern klingt an die Formen der neudeutschen
Schriften, wie Augsburger-Schrift, Behrensschrift usw. an.
Dies tritt ganz besonders hervor bei der Gegenüberstellung
von glatten Satzstücken. Als ganz besondere Eigenart der
Schrift ist zu vermerken, daß der Künstler alle Grundstriche
scharf und gerade nach rechts abbrach und dadurch eine
wagerechte Grundlinie erreichte, die der Schrift eine vor¬
nehme Ruhe gibt. (Eckmann hat bei seiner Schrift be¬
kanntlich diese wagerechte Linie bei den Gemeinen nach
oben verlegt. Auf diesen Umstand ist nicht wenig die Ruhe
und Ausgeglichenheit der Eckmannschrift zurückzuführen.)
Die Neugotisch zeichnet sich neben ihrer ruhigen Form
noch durch eine schöne Klarheit, leichte Lesbarkeit und
hübsche dekorative Wirkung aus. Sie ist daher eine ganz
prächtige Buchschrift, deren größere Grade für Titel- und
Akzidenzsatz sich ganz ausgezeichnet eignen. Allen Freun¬
den guter neuzeitlicher Buchausstattung wird die Neu¬
gotisch sehr willkommen sein, zumal Willi Wegener
auch noch entsprechende Initialen, sowie verschiedenen
Schmuck geschaffen hat, der sich erfreulicherweise durch
die in ihm vorkommenden besonders eigenartig stilisierten
Pflanzenmotive von dem Bekannten sehr abhebt. Im ganzen
muß diese neuste Schöpfung der Schriftgießerei Flinsch
als eine sehr anerkennenswerte Fortsetzung ihrer neuen
auf ein künstlerisches Schaffen gerichteten Bestrebungen
bezeichnet werden. Die Aufmachung, die Satzordnung und
der Druck des vornehm ausgestatteten Heftes, das mir in
zweierlei Ausführung, auf glattem und auf Büttenpapier,
vorliegt, verdient besonderes Lob und volle Anerkennung.
Die Firma Gebr.Klingspor in Offenbacha. M. ist nunmehr
mit einer umfangreichen Probe ihrer seit längerer Zeit vor¬
bereiteten Behrens-Antiqua hervorgetreten. Die Behrens-
Antiqua ist ihrem Grundzuge nach eine Monumentalschrift
im besten Sinne des Wortes, eine Schrift von höchstem
künstlerischen Wert Trotzdem der Künstler sich bei fast
allen Buchstaben Freiheiten in bezug auf die Durchführung
der Grundformen erlaubt, ja selbst hier und da den sonst
so verpönten Schnörkel nicht verschmäht sondern mit ver¬
wertet hat, ist die Gesamtwirkung der Schrift eine ganz vor¬
treffliche. Da an andrer Stelle dieses Heftes die Schrift
eine eingehende Würdigung von künstlerischen Gesichts¬
punkten aus erfahren wird, so will ich nur noch sagen, daß
der Schnitt der Behrens-Antiqua tadellos durchgeführt
worden ist. Trotz der Beweglichkeit der Formen ist eine
ruhige Wirkung erzielt worden. Neben der Schrift selbst
verdienen die zahlreichen schönen Initialen volle Beach¬
tung, ebenso der zur Schrift gehörige Zierat, durch dessen
Anwendung die vielen in dem prächtigen Musterhefte ge¬
gebenen Anwendungsproben erst richtig belebt wurden.
Einzelne Stücke muten allerdings, ebenso wie die ganze
Schrift, zunächst etwas fremd an, bei wiederholter Betrach¬
tung tritt aber die Eigenart des künstlerischen Ausdruckes
und der ganzen Arbeit deutlich hervor. Unumwundene An¬
erkennung verdient das umfangreiche Probeheft. Tadel¬
lose Satz- und Druckausführung, vornehmes gutes Papier
und vorzüglich abgestimmte Farben vereinigen sich zu
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einem mustergültigen Ganzen, durch das eine volle künst¬
lerische Wirkung erzielt wird, die der Firma Gebr. Kling¬
spor, dann aber auch unserm Buchgewerbe zur Ehre ge¬
reicht.
DieSäculum-Schriften der Schriftgießerei D. Stempel A.-G.
in Frankfurt a. M. wurden von mir bereits in früheren
Heften des Archiv für Buchgewerbe eingehend besprochen.
Wenn ich heute nochmals näher auf diese Schriften ein¬
gehe, so geschieht dies deshalb, weil mir vor einigen Tagen
ein umfangreiches Probeheft zuging, das die von derSchrift-
gießerei D. Stempel A.-G. geschnittenen acht Abarten dieser
prächtigen Schriftenfamilie in allen Graden enthält und
deren gute Wirkungen, sowie vielseitige Verwendbarkeit
zeigt. Die Säculum liegt jetzt vor in magerem, halbfetten
und fetten Schnitt, ferner in enger, sowie in enger halb¬
fetter Ausführung, dann in Kursiv und halbfetter Kursiv
und endlich noch als Zirkularschrift. Damit ist bis jetzt
wohl der umfassendste Ausbau eines Schriftcharakters
durchgeführt, dem Buchdrucker aber eine Reihe von
Schriften gegeben worden, die für die tägliche Arbeit ganz
besonders geeignet sind. Ich will hier nochmals erwähnen,
daß die Säculum-Schriften zur Gattung der kräftigen Me¬
diäval-Schriften gehören, die zurzeit; mit besonderer Vor¬
liebe für die Buchausstattung herangezogen werden. In den
fast überreichen Anwendungsproben des umfangreichen
Musterheftes wird die Wirkung der Schrift, die durch Ini¬
tialen und Zierat aufs beste ergänzt werden, in gut ange¬
ordneten Satzbeispielen dargetan. Ich kann nicht umhin,
der Schriftgießerei D. Stempel A.-G. für diese ganz her¬
vorragende Leistung alle Anerkennung zu zollen, denn eine
solche zielbewußte und dabei gut gelungene Durchführung
einer Schrift bedeutet nicht nur in praktischem, sondern
auch in künstlerischem Sinne einen nicht zu unterschätzen¬
den Fortschritt des Buchgewerbes im allgemeinen und der
Schriftgießerei im besonderen.
Die frühere Firma Heinrich Hoffmeister in Leipzig ist vor
einiger Zeit in Besitz des Herrn C. Rupprecht überge¬
gangen, der als früherer Inhaber und späterer Leiter der
Firma Bauer & Co. in Stuttgart dem Buchgewerbe bereits
als tüchtiger und kunstsinniger Fachmann bekannt ist.
Unter der Wirksamkeit des neuen Inhabers, dessen An¬
regung u. a. die schöne Mainzer Fraktur ihr Dasein ver¬
dankt, hat die Firma Schriftgießerei Heinrich Hoffmeister
bereits einige beachtenswerte Neuheiten geschaffen, die
erkennen lassen, daß sie künstlerische Ziele verfolgt. Die
mir vorliegende Buch-Gotisch zeichnet sich durch ein
schönes, deutliches Bild aus, die Zeichnung der Schrift ist
sehr gut durchgearbeitet und die in dem Musterhefte ent¬
haltenen Satzproben machen einen geschlossenen, ange¬
nehmen Eindruck. Unter den neueren sogenannten neu¬
deutschen Schriftschnitten darf die Buch-Gotisch als eine
der besten bezeichnet werden. Vor allem ist eine zu große
Steifheit der Formen vermieden, eine Eigenschaft, die leider
manchem andern Erzeugnis mangelt, so daß es außerhalb
der täglichen Gebrauchsmöglichkeit gerückt wird. Die
Buch-Gotisch, bei der auch entsprechende Initialen und
Zierat nicht fehlen, ist demnach eine praktische Schrift,
die sich für Werk- wie Akzidenzatz bestens eignet. Eine
weitere Neuheit der Firma ist eine aus Linien- und Blumen¬
motiven bestehende Rosalinde-Einfassung, die etwa achtzig
Figuren aufweist und infolge des gut gegliederten Klein¬
materials so leicht zusammensetzbar ist, daß ohne viele
Mühe Rahmen, Schilder, Leisten usw. hergestellt werden
können. Eine größere Anzahl Schmuckstücke, die sich in
Auffassung und Form leider aber nur sehr wenig von längst
Bekanntem abheben, bilden eine Ergänzung der Rosalinde-
Einfassung.
Die Schriftgießerei Ludwig& Mayer in Frankfurt a. M.
zeigt in einem kleinen Heftchen ihr neuestes Erzeugnis,
das den Namen Roseneinfassung führt. In dem Vorwort
spricht die Firma die Ansicht aus, daß mit Linien und Ge¬
viertpunkten, welchen sie die Zweckmäßigkeit in gewisser
Hinsicht nicht abspricht, auf die Dauer nicht ornamentiert
werden könne, es vielmehr besser sei, wenn das verwandte
Ornament sowohl strenge als lebendigere Formen enthalte.
Die erste Ansicht dürfte wohl nicht anzuzweifeln sein, gegen
die zweite Auffassung aber lassen sich Bedenken erheben,
deren Aufführung und Begründung hier zu weit führen
würde. Die Roseneinfassung scheint mir aber kaum dazu
geeignet zu sein, das Linien- und Geviertematerial, das
naturgemäß etwas steif wirken muß, abzulösen. Auf keinen
Fall aber kann sie als künstlerischer Ersatz für das vorge¬
nannte Material dienen, denn außer der geschickt vorge¬
nommenen Zergliederung der Zeichnung ist nichts Bemer¬
kenswertes an der Roseneinfassung. Im Gegenteil, die
verschiedenen Einzelstücke sind gerade nicht schön zu
nennen, die Gliederung und Anordnung derGirlanden ist
unrichtig und einzelne Figuren passen weder in Form noch
in Zeichnung zu dem Rosenmotiv. Die Hauptfiguren der
Einfassung sind auch durchaus nicht neu, ja es bestehtzum
Teil ganz Ähnliches. Die in dem Vorwort aufgestellte Be¬
hauptung, „daß jede in der Praxis mit Verwendung der
Roseneinfassung gesetzte Arbeit als Empfehlung, als Muster¬
blatt derselben dienen wird“, ist daher etwas sehr weitgehend
und dürfte von einem kunstsinnigen Buchdrucker wohl
kaum anerkannt werden.
Die Nachfrage nach Kalendermaterial wird wohl die Ur¬
sache sein, daß sich die Schriftgießereien jetzt die Anfertigung
von Kalendervignetten, Leisten usw. so sehr angelegen
sein lassen. Den Anfang machte die Firma Gebr. Klingspor
in Offenbach a. M. mit ihren prächtigen künstlerischen
Jahreszeitenvignetten und Kalenderleisten, die mit Recht
einesehrstarkeVerbreitung fanden. Dann folgte die Schrift¬
gießerei J.G.Schelter&Gieseckein Leipzig mitden schönen,
kräftig gehaltenen und wirkungsvollen Monatsvignetten
in verschiedenen Größen. Als dritte Firma brachte die
Schriftgießerei Flinsch in Frankfurta.M. ihrhübscheseigen-
artiges, von Franz Franke gezeichnetes Kalendermaterial
heraus. Die Schriftgießerei Julius Klinkhardt in Leipzig
bietet lichtgehaltenejahreszeitenleistenin Hoch-undQuer-
format und nun bringt die Schriftgießerei Ludwig & Mayer
in Frankfurt a. M. eine größere Anzahl Monatsvignetten
nach Zeichnungen von Professor Ernst Liebermann auf
den Markt. Wahrlich eine Auswahl, wie sie reichhaltiger
und vielseitiger nicht gewünscht werden kann. Dem Buch¬
drucker dürfte manchmal die Wahl unter diesem vielen
Guten zur Qual werden. Die Vignetten und Leisten der
FirmaGebr.Klingsporsindgenugsam bekannt und erfreuen
sich wegen ihrer künstlerischen Qualität und guten Ver¬
wendbarkeit auch heute noch großerBeliebtheit. DieSalz-
mannschen Vignetten von J.G.Schelter&Giesecke werden
von den Anhängern strengerer Kunstformen bevorzugt
werden, während die Klinkhardtschen Leisten mehr für die
Allgemeinheit bestimmt sind. Dem Wesen des Kalenders
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
entspricht das sehr schöne Kalendermaterial der Schrift -
gießereiFlinsch in Frankfurta. M.,dem sowohl in technischer
wie künstlerischer Hinsicht alles Lob gebührt. Neben
Jahreszeiten- und Monatsvignetten und Leisten enthält das
mir vorliegende Probeheft auch Symbole für die Monats¬
zeichen, die Festtage usw. Die von Franz Franke und Bern¬
hard Wenig entworfenen Stücke passen sich infolge ihrer
Schwarzweißmanier dem Schriftbild ganz vorzüglich an.
Die von Professor ErnstLiebermann gezeichneten, von der
Firma Ludwig & Mayer in Frankfurt a. M. herausgebenen
Monatsvignetten enthalten vornehmlich sehr hübsche Kin¬
dermotive, die in der althergebrachten Weise zur Charak¬
terisierung der betreffenden Monate verwandt sind. Die
künstlerische und technische Ausführung der Leisten ist
eine sehr gute, so daß sich dieses Material bald Freunde
erwerben wird. Interessant ist, daß für den Monat Juli zwei
Vignetten geschaffen wurden. Auf derletzten Seite befindet
sich eine sehr hübsche Leiste, badende Mädchen darstellend,
ein Motiv, das für den heißen Juli recht charakteristisch
ist. Unter dieser Leiste steht ein längerer Wortlaut, von
dem ich nur den ersten Satz hier wiedergeben will: „Für
diese ursprünglich für Juli vorgesehene Originalvignette
ließen wir, um verschiedentlich geäußerten Wünschen
seitens unsrer geehrten Geschäftsfreunde Rechnung zu
tragen, die auf vorliegenden Seiten abgedruckte Ersatz¬
vignette nachträglich schaffen“. Schade, sehr schade, daß
die prächtige Leiste, die viel schöner ist als der Ersatz, in
den Hintergrund gestellt wurde, um die Tugend einiger
Geschäftsfreunde nicht in Gefahr zu bringen. Ob wohl viele
von denjenigen,die in ihren Kalendern ein so unschuldiges
Bild nicht dulden, im Anzeigenteil, der das Geld im Kasten
bringt, auch so streng auf Moral halten werden? Chronos.
Aus den graphischen Vereinigungen.
Altenburg. Die Mitglieder der Graphischen Vereinigung
hatten sich nach Beendigung der Sommerferien am 3. Sep¬
tember 1908 zahlreich eingefunden, um die diesjährigen
Johannisfestdrucksachen in Augenschein zu nehmen. Wie¬
derum haben es sich die Jünger Gutenbergs angelegen sein
lassen, zur Feier des Namenstages ihres Altmeisters wür¬
dige Drucksachen herzustellen. Und überall war man
bestrebt, mit dem zur Verfügung stehenden Ornament-
und Schriftmaterial und unter Verwendung mehrerer
Farben das Beste zu bieten. Wenn auch so manche Arbeit
als verfehlt in der Anlage oder in der Farbenwahl bezeich¬
net werden muß, so sind doch auch diesmal eine größere
Anzahl großzügiger,künstlerischer Druckerzeugnisse in der
Sammlung vertreten; es seien an dieser Stelle nur genannt:
Berlin, Hannover und Cöln. An diesen Arbeiten sieht man
so recht den befruchtenden Einfluß der Künstler auf das
graphische Gewerbe. Hier ergänzen sich Schrift und Orna¬
ment in bester Weise, zu dem aparten Papier gesellt sich
eine harmonische, abgestimmte Farbengebung, und somit
sind die Vorbedingungen für eine künstlerisch wirkende
Drucksache in bester Weise erfüllt. Selbstentworfenes
Ornament für Tonplatten- oder Linoleumschnitt war nur
noch vereinzelt anzutreffen, und auch die flächige Ton¬
platte, ohne die früher eine farbige Drucksache nicht denk¬
bar war, gilt heutzutage als überflüssig, da die Struktur der
modernen Papiere dieselbe in bester Weise zu ersetzen
vermag. Obgleich die heutige Satztechnik einfacher er¬
scheint, erfordert sie doch einen geläuterten Geschmack
und Vertrautsein mit den künstlerischen Grundsätzen. In¬
teressant war ein Vergleich von Arbeiten aus Druckorten,
in denen eine typographische Gesellschaft, mit solchen aus
Orten, wo kein fachtechnischer Verein besteht, denn bei
dem Vergleich trat augenfällig die segensreiche Tätigkeit
dieser Gesellschaften zutage. -o-.
Breslau. Nach einer kurzen Sommerpause nahm am
19. August 1908 die Typographische Gesellschaft ihre Tätig¬
keit wieder auf. Nach Bekanntgabe der Eingänge wies der
Vorsitzende Herr Schultes auf den in Nr. 8 der Mitteilungen
des Verbandes der Deutschen Typographischen Gesell¬
schaften erschienenen Aufsatz von Schmiedchen hin, den
er zu eifrigem Studium empfiehlt. Herr Winkler berichtete
sodann über den Wettbewerb zu Erlangung von Entwürfen
für das Gaufestlied, wobei er die schwache Beteiligung be¬
dauerte. Auszeichnungen erhielten: Herr Neugebauer
ersten, zweiten und vierten Preis und Herr Kresse dritten
Preis. An den Bericht schloß sich ein kurzer Meinungs¬
austausch. Ausgestellt war der Küttnersche Johannisfest-
drucksachen-Austausch, über den in einer der nächsten
Sitzungen eingehender berichtet werden soll. G-e.
Leipzig. In der Typographischen Gesellschaft sprach am
12. August 1908 Herr Heinrich Schwarz über die Exlibris-
Ausstellung im Buchgewerbehaus, die zum großen Teil aus
dessen reicher Sammlung zusammengestellt war. In aus¬
führlicher und verständlicher Weise schilderte er die An¬
fänge, die Entwicklung und den jetzigen Stand, sowie die
Herstellungsarten und die Verbreitung des Exlibris. Zwei
in allen Teilen gute Rundsendungen des Verbandes der
Deutschen Typographischen Gesellschaften, enthaltend
Glogauer Drucksachen und Drucksachen der Typographi¬
schen Vereinigung, waren ausgestellt und wurden aner¬
kennend besprochen. Ferner gab Herr Petzold noch eine
technische Erklärung der Wörter Prime, Sekonde und Pri¬
mentafel. — In der Sitzung am 26. August wurden die
neuesten Versuche besprochen, härtere Metalle für Buch¬
drucktypen zu verwenden, wobei gleichzeitig die Bui-
Lettern und Ferrotypen gezeigt wurden. Zur Herstellung
der Plakatschriften wurde zuerst Holz verwandt, dann
kamen die Bleitypen, ja sogar Buchstaben in gegossener
Steinmasse (wahrscheinlich nur ein Versuch). Einen wesent¬
lichen Fortschritt bildeten die von Friedei in den Handel
gebrachten Messingtypen. Aber mit all diesen Erzeugnissen
waren die Versuche noch nicht abgeschlossen, in neue¬
ster Zeit stellte eine Magdeburger Firma die Ferrotypen
her,denen bald als allerneuestes Erzeugnis die Bui-Lettern
folgten. Das dazu verwendete Material, eine Mischung
von weichem Metall, das dann gehärtet wird, ist sehr leicht,
widerstandsfähig und nicht porös. Bis jetzt werden nur
Plakatschriften angefertigt, da die Versuche zur Herstellung
von Brotschriften noch nicht beendet sind. Herr Schirmer
gab sodann noch die technische Erklärung über die ver¬
schiedenen Stege beim Formatmachen. B-r.
Leipzig. In der Typographischen Vereinigung hielt am
12. August 1908 Herr Professor Freiherr von Weißenbach
einen von Lichtbildern begleiteten Vortrag über: Rom in
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Geschichte, Kunst und Buchdruck. Auf Grund seiner
eigenen an Ort und Stelle gemachten Erfahrungen schil¬
derte der Vortragende die Entstehung und Entwicklung
Roms, seine Blütezeit und seinen Zerfall, sowie die Pflege
der Kunst zu aller Zeit, vornehmlich der Baukunst. Er er¬
klärte die einzelnen Stilepochen und führte sie in Licht¬
bildern vor, die zum Teil nach eigenen Aufnahmen gefertigt
waren. Da die Zeit vorgeschritten, mußte der dritte Teil
des Vortrages auf einen späteren Vortragsabend verlegt
werden. — Am 16. August fand ein interessanter Ausflug
nach Naumburg-Freiburg a. d. U. statt, wobei der histo¬
rische Dom in Naumburg eingehend besichtigt wurde.
Herr Prof. Freiherr von Weißenbach hatte die Führung im
Dom übernommen, über den er vorher einen diesbezüg¬
lichen kleineren Erläuterungsvortrag gehalten hatte. —
Am 26. August waren Arbeiten der Münchener Buchdrucker-
Fachschule ausgestellt. Herr R. Günther , der den Bericht
über die Ausstellung übernommen hatte, bezeichnete den
Erfolg, den diese Fachschule bei einem zweijährigen Be¬
stehen erzielte, als einen großen, denn was hier gezeigt
werde, bestehe in der Mehrzahl aus Lehrlingsarbeiten, die
gut durchdacht und sauber ausgeführt seien. Die Druck¬
arbeiten zeigten aber auch, daß die Schüler dasjenige,
was ihnen von den Lehrern gelehrt werde, richtig erfaßt
hätten. Diese guten Ergebnisse seien zum großen Teil nur
infolge des an der Münchener Buchdruckerfachschule ein¬
geführten Tagesunterrichtes erreicht worden, der an an¬
dern Fachschulen nicht bestehe, aber diesen gegenüber
ein großer Vorteil sei. In dem an den Bericht sich an¬
schließenden Meinungsaustausch wurde im Hinblick auf
die Erfolge der Münchener Schule bemängelt, daß sich die
Druckmetropole Leipzig noch nicht für das gleiche System
für ihre Schule erwärmen konnte. gKr.
München. Nach der üblichen Sommerpause begann die
Typographische Gesellschaft ihre Tätigkeit im neuen Ver¬
einsjahr am 2. September 1908. Ausgestellt waren der Um¬
schlag-Wettbewerb der Buchdrucker-Woche: An die Leben¬
den und die Ergebnisse des Exlibris-Wettbewerbs der
Typographischen Gesellschaft Hamburg. Ersterer bot bei
der großen Anzahl von Arbeiten und reichen Fülle von
Ideen sehr viel Interessantes und gab Anlaß zu lebhaftem
Meinungsaustausch; ein beigegebener Bericht der Berliner
Schwestergesellschaft gelangte zur Verlesung. Die Ham¬
burger Arbeiten waren einige Tage zuvor durch Mitglieder
der Münchener Gesellschaft bewertet worden und konnten
eben noch vor ihrer Heimreise vorgeführt werden. In dem
Gutachten des Preisgerichts mußte bemängelt werden, daß
mehrere Arbeiten den Bestimmungen des Wettbewerbes
nicht entsprachen, deshalb außer Konkurrenz gesetzt wer¬
den mußten. Der Beurteilung der Arbeiten und den Vor¬
schlägen für die Preiszuerkennung wurde durch die Ver¬
sammlung zugestimmt. Zur Entlastung der Vorstandsschaft
wurde eine besondere technische Kommission gewählt,
welche die Aufgabe hat, allen einschlägigen Neuheiten ihr
Augenmerk zuzuwenden, sie nach Möglichkeit auf ihren
praktischen Wert zu prüfen, bei Meinungsverschieden¬
heiten ihr Urteil abzugeben und auf diese Weise zur Be¬
lebung der gesellschaftlichen Tätigkeit beizutragen. Dieser
Kommission gehören an die Herren Bammes,Hübel, Krach
Roß und Sommer. -m-,
Posen. Der Bachdrucker-Fachverein hielt am 22. August
1908 eine Sitzung ab, in der nach Erledigung der geschäft¬
lichen Mitteilungen und Entgegennahme des Kassenbe¬
richtes für das zweite Vierteljahr die Ausstellung und
Prämiierung der Entwürfe stattfand, die auf das Preisaus¬
schreiben zur Erlangung einer Mitgliedskarte für den Ver¬
ein eingegangen waren. Zunächst wurde das Urteil der
Berliner Typographischen Gesellschaft verlesen, in dem
die Verwendung von dunklem Papier zu einer Karte, auf
die geschrieben werden soll, als nicht zweckentsprechend
bezeichnet wurde. Leider wiesen einige sonst recht gute
Karten diesen Fehler auf. Die Prämiierung erfolgte in
der Reihenfolge der vorgeschlagenen Entwürfe. Es er¬
hielten: Herr Knappe den ersten Preis und die zweite
lobende Anerkennung; Herr Manach den zweiten Preis;
HerrMinchau den dritten Preis, sowie die erste und vierte
lobende Anerkennung und HerrWittmann die dritte lobende
Anerkennung. Ein Mitglied der technischen Kommission
unterzog sodann die nicht prämiierten Entwürfe noch einer
Beurteilung. Hierauf wurde eine Rundsendung des Ver¬
bandes der Deutschen Typographischen Gesellschaften,
enthaltend Schülerarbeiten der k. k. Graphischen Lehr-
und Versuchsanstalt in Wien, besichtigt und anerkennend
besprochen. Der Maschinenmeister-Klub Posen hatte
prächtige, geschmackvoll gruppierte Farbendrucke einer
Dresdener Farbenfabrik zu einer Ausstellung zurVerfügung
gestellt. Bei der Erörterung technischer Fragen wurde dar¬
auf hingewiesen, daß bei Werken, in welchen Anfangs¬
kolumnen mit Zierleisten Vorkommen, diese mit dem Satz,
aber nicht mit der Kolumnenziffer in gleiche Höhe zu
bringen sind. Eine Ausnahme gelte nur bei lebenden oder
modernen Kolumnentiteln, bei welchen durch Füllstücke
usw. volle Zeilen erreicht werden sollen. R-e.
Zittau. Der Küttnersche Johannisfestdrucksachen-Aus-
tausch lag in der Sitzung der Graphischen Vereinigung am
29. August auf. Die erstmalig beigegebene Beurteilung der
einzelnen Arbeiten wurde von dem Berichterstatter noch
in folgendem ergänzt: „Der diesjährige Austausch gibt
kein Spiegelbild von dem gegenwärtigen hohen Stande der
druckenden Kunst. In dem naturgemäßen Bestreben, als
Johannisfestdrucksache etwas ganz Besonderes schaffen
zu wollen, wird des Guten zu viel getan und hierin liegt
der Grund der vielen Entgleisungen, die sich auch bei dem
diesjährigen Austausch bemerkbar machen. Als ein er¬
freulicher Fortschritt aber ist es zu bezeichnen, daß man
sich in der Hauptsache an vorhandenes Schriftgießerei-
Material gehalten hat, und Arbeiten zeichnerischen Charak¬
ters, denen in der Mehrzahl der Fälle der Dilettantismus
anhaftet, was besonders bei früheren Jahrgängen des Aus¬
tausches im figürlichen Bleischnitt zu bemerken war, fast
nicht mehr vorhanden sind. Aber auch wirklich hervor¬
ragende Arbeiten, die vom Hergebrachten abweichen, sind
bei den diesjährigen Johannisfestdrucksachen wenige vor¬
handen. Auffällig ist das vollständige Fehlen des Empire¬
stiles, auch der sogenannte Geviertstil scheint sein Dasein
beschlossen zu haben." -dl-.
Zürich. Am Samstag den 8. August 1908 waren im Ver¬
einslokal des Typographischen Klubs die 305 Entwürfe
des Maggi-Anzeigen-Wettbewerbs, welche die 18. Wan¬
derausstellung der Schweizer Klubzentrale darstellte, aus¬
gestellt. Den Bericht zu dieser reichhaltigen und inter¬
essanten Rundsendung hatte Herr Bleuler übernommen,
der auf Grund des Juryberichtes die mit Preisen bedachten
und weitere originelle Arbeiten behandelte. M.
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- ■ ■ ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ■ ■■ ■" ■'
Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge.
¥ Emile Javal, Die Physiologie des Lesens und Schreibens.
Autorisierte Übersetzung nach der zweiten Auflage des
Originals nebst Anhang über Deutsche Schrift und Steno¬
graphie von Dr. med. F. Haas, Augenarzt in Viersen. Mit
101 Figuren im Text und einer Tafel. (XXXIV. 351 S.) Leip¬
zig 1907. Verlag von Wilhelm Engelmann . — Emile Javal,
der bekannte, im vorigen Jahr verstorbene französische
Gelehrte und bedeutende Augenarzt, der zahlreiche oph-
thalmologische Werke verfaßt und besonders auch die
physiologische Optik von Helmholtz übersetzt hat, bietet
in seinem Werk über die Physiologie des Lesens und
Schreibens eine vollständige Hygiene des Lesens und
Schreibens vom Standpunkt des Augenarztes aus. Der
Physiologe oder vielmehr der Ophthalmologe hat im grö߬
ten Umfang von diesem Werk Besitz ergriffen, so daß für
den Psychologen nicht viel Raum geblieben zu sein scheint.
Um es vorwegzunehmen: als ophthalmologisches Werk ist
es ausgezeichnet. Die Einteilung ist vortrefflich. Den ge¬
schichtlichen Vorbemerkungen des ersten Teils (Entwick¬
lung der Inschriftenkunde, der Schrift, des Buchdrucks,
der Stenographie, der Musikschrift, der Reliefschrift) folgen
die theoretischen Betrachtungen des zweiten Teils (Optik
des Auges, Von der Sehschärfe unabhängig von der Be¬
leuchtung, Einfluß der Beleuchtung auf die Sehschärfe,
Photometrie, Sichtbarkeit von Punkten und Linien, Grund-
und Haarstriche im Druck, Tastschärfe, Mechanismus des
Lesens, Mechanismus des Schreibens und Lesens). Den
Abschluß bildet dann ein dritter Teil: Schlußfolgerungen
für die Praxis (Die öffentliche und private Beleuchtung vom
Standpunkte der Hygiene des Auges, Die Bücher und die
Kurzsichtigkeit, Kompakter Druck, Verbreitung der Steil¬
schrift, Schreibunterricht, Lesen, gelehrt durch Schreiben,
Schreibtafel für Blinde, Entzifferung schlechter Schrif¬
ten, Graphologie, Schreibsachverständigen-Tätigkeit usw.)
Aus dieser Inhaltswiedergabe erhellt schon an sich das
reichliche Überwiegen von rein physiologischen Unter¬
suchungen. Das ist zweifellos, daß hier die Beziehungen
des Schreibens und Lesens zur Augenheilkunde in unge¬
mein sorgfältigerWeise erfaßt und dargestellt sind. Physio¬
logisch ist es daher überaus anregend und verdient die in¬
tensivste Beachtung seitens der Augenärzte, die den Ver¬
wüstungen,die Schreiben und Lesen hervorgebracht haben,
Einhalt tun sollen. Es unterliegt jedoch Bedenken, bis zu
welchem Grad Erkenntnisse und Befunde von der ophthal-
mologischen Seite, von Abnormitäten und Erkrankungen
her für eine exakte Psychologie der in Rede stehenden
Vorgänge maßgebend sein können. Umgekehrt können
Beobachtungen am gesunden Auge sehr schön gestützt
werden durch solche am kranken oder erkrankten, die
Verzerrungen der dort gefundenen Tatsachen können sehr
lehrreich sein. Ergebnisse aus erkrankten Organen her
und weitere Deduktionen daraus lassen sich nicht einfach
auf Funktionen des gesunden Auges ausdehnen. Ein Buch¬
stabe ist ein unendlich kompliziertes Gebilde, aber wenn
der Augenarzt seinen Patienten vor eine Tafel mit Buch¬
staben bringt, so läßt dies doch gar keinerlei Vergleich mit
den experimentellen Verfahren zu, mit denen ein psycho¬
logischer Experimentator dem Problem näher zu kommen
sucht. Schon Erdmann-Dodge, da/jn Marbe und vor allem
neuestens Kirschmann abstrahieren daher fast ganz von
der an der Sache hängenden Ophthalmologie, psychologisch
haben darum ihre Ergebnisse, und in erster Linie darunter
die Kirschmanns, die Probleme am meisten gefördert, ja
vieles schon erschöpfend gelöst. Der Wert des Javalschen
Werkes wird dadurch keineswegs beeinträchtigt, er liegt
nur auf einem andern Felde. Die Untersuchungen etwa
über die Optik des Auges, über die Sehschärfe, über die
Beleuchtung, über die Kurzsichtigkeit, über die Blinden¬
schrift sind vorzüglich. Dem geistigen Vorgang des Lesens
selbst aber nähert sich die Forschung durchweg von der
psychologischen Seite her und erhält darum ihre Resultate
auch von diesem Ursprung her bestimmt. Dies bezieht
sich sowohl auf die Ereignisse, unter denen das normale
Lesen stattfindet, wie auf die Richtlinien, die sich daraus
für die Form der Buchstaben ergeben, und die auch hier
weiterhin für die Druckpraxis und für die Schriftgießerei,
auch für die Fraktur- oder Antiqua-Frage, wichtig werden.
Das Javalsche Werk geht darin seinen eigenen Weg, der ihm
diktiert ist eben von den in ihrer Bedeutsamkeit einzu¬
schränkenden ophthalmologischen Methoden und Unter¬
suchungen. Von diesem abgesehen ist es ein ungemein
reichhaltiges, wertvolles und interessantes Werk, dessen
Kenntnis jedem, der mit Schreiben und Lesen zu tun hat,
also jedem Gebildeten von hohem Nutzen sein muß. Z.
¥ N. S. Amstutz, Handbook of photoengraving (Handbuch
für Reproduktionstechnik). Chicago 1907. Verlag der In¬
land Printer Company. Preis gebunden M 12.—. In dritter
vollständig neubearbeiteter Auflage erscheint das in den
englischen Fachkreisen sehr verbreitete Handbuch von
Jenkins. Als Bearbeiter wurde der durch seine monatlichen
Aufsätze im Inland Printer bekannte Fachmann M. Amstutz
gewonnen. In dem Handbuche werden nur die Hochdruck-
verfahren, also Strichätzung und Autotypie, beschrieben.
Das Buch zerfällt in folgende Abschnitte: Das Bureau
(18 Seiten); Zeichnen für Reproduktion (42 Seiten); Photo¬
graphie (180 Seiten); Ätzen (66 Seiten); Nachschneiden
und Aufklotzen (18 Seiten); Herstellung der Probedrucke
(24 Seiten); Theorie (12 Seiten) und Praxis (24 Seiten) des
Dreifarbendruckes; Tabellen. Die vorkommenden Arbeiten
sind kurz und verständlich behandelt; als ausführlicher
Ratgeber soll das Buch auch nicht dienen, sondern bloß
ein Führer durch die technisch wichtigsten Reproduktions¬
verfahren sein. Die Verteilung des Textes ist etwas son¬
derbar. Einige für die Praxis bedeutungslose Verfahren,
wie z. B. die Metzographautotypie sind sehr ausführlich
beschrieben, andre äußerst wichtige, wie das Verarbeiten
der Kollodiumemulsion, die Ätzmaschinen usw. sind nur
ganz kurz behandelt. Etwas auffällig ist die überaus ge¬
naue Darstellung der eigenen langwierigen Versuche des
Bearbeiters in solch einem populären Buche. Im allge¬
meinen gehört aber das Handbuch zu den besten Erschei¬
nungen auf dem Gebiete der Fachliteratur und ich kann
dessen Anschaffung allen englisch lesenden Fachgenossen
warm empfehlen. Dr. E. Goldberg.
¥ Magyar Nyomdaszok Evkönyde 1908. (Ungarisches
graphisches Jahrbuch.) Herausgegeben von Novak Laszlö
in Budapest. Über den vorigen Band dieses verdienstlichen
Unternehmens konnte nur Günstiges gesagt werden, und
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bei Durchsicht des vorliegenden neuesten Bandes gewinnt
man den Eindruck, daß der Herausgeber es sich hat an¬
gelegen sein lassen, den Inhalt äußerst vielseitig zu ge¬
stalten. Die Abhandlung über ältere „Kunstsätze 0 hat ver¬
mutlich mehr des historischen Interesses halber Aufnahme
gefunden als aus praktischen Gründen, während die
illustrierte Abhandlung über den Corvinschen Kodex
wertvoller erscheint. Artikel über Kleister- und Vorsatz¬
papiere, Ornamentik,Papyrus, des Schriftsystem, Akzidenz¬
satz, Gießzettel, Tonplattenschnitt u. a. m. bilden den
weiteren, zumeist illustrierten Inhalt. Von vielem Interesse
ist eine Abhandlung über den Satz fremder Sprachen,
wobei auch wertvolle Hinweise in bezug auf die slawischen
Sprachen gegeben sind. Zahlreiche Satzbeilagen, die nicht
alle als gute gelungene bezeichnet werden können, sowie
sehr schöne Blätter in Buchdruck ergänzen das im ganzen
gut ausgestattete und für den der ungarischen Sprache
Mächtigen gewiß interessante Jahrbuch, dem ich nur die
weiteste Verbreitung in Fachkreisen wünschen kann. S.
V Meister der Farbe, 5. Jahrgang. Leipzig 1908. Verlag
von E.A.Seemann. Preis pro Heft im Abonnement M 2.—,
Einzelhefte M3.—, Einzelblätter M 1.—. Den besten Be¬
weis der Wichtigkeit des modernen Dreifarbendruckes für
die Entwicklung des Kunstsinnes in den breiteren Schich¬
ten des Volkes liefern die Verlagswerke von E.A.Seemann,
insbesondere das oben genannte periodische Sammelwerk.
Selten sieht man nebeneinander so viele ausgezeichnete
Dreifarbendrucke, wie es in den vorliegenden Heften der
Fall ist. Die Platten für das Werk werden bei Römler &
Jonas in Dresden hergestellt, bei Förster & Borries in
Zwickau gedruckt und ich kann nur sagen, daß die Drucke
dem Ruf des Verlegers und der beiden mustergültigen An¬
stalten entsprechen. Gg.
1f Die Papierberechnung für Buchdruckereien, Buchbin¬
dereien und Kartonnagenfabriken. Bearbeitet und zu be¬
ziehen von Pet. Wald. Heinen in Neuß a. Rh. 2. Auflage.
Ohne Preisangabe. — Das sehr geschickt bearbeitete
Büchlein gibt nach einer Erklärung für den Gebrauch der
Tabellen zunächst auf die Frage: Wieviel Papier gebrauche
ich? Antwort durch eine Zusammenstellung des Papier¬
bedarfs für Auflagen von 50 bis 50000 Bogen bei 2 bis 49
aus dem Bogen zu schneidenden Exemplare. Dann folgt
eine Zusammenstellung, die Auskunft über die Kosten des
Papiers gibt und sofort, von M 3.— anfangend um je 50 Pf.
steigend bis zu M 50.— für 1000 Bogen, erkennen läßt, was
ein oder mehrere Bogen Papier kosten. Der Papierberech¬
ner wird allen, die mit dem Verbrauche von Papier zu tun
haben, ein schneller und guter Ratgeber sein. A.Schl.
W Kunst und Leben. Ein Kalender mit 53 Originalzeich¬
nungen deutscher Künstler als Begleiter durch das Jahr
1909. Berlin 1908. Verlag von Fritz Hey der. Preis mit
Sammelmappe M 3.—. Wahrlich, es ist erstaunlich, was
die Verlagsbuchhandlung für den Preis von M 3.— bietet.
Auf ein von Robert Engels in München gezeichnetes, in
autotypischem Mehrfarbendruck sehr gut wiedergegebenes
Titelblatt folgen 52 Originalzeichnungen deutscher Künst¬
ler, die derartig verteilt sind, daß nach je einem Bilde, das
für das Sonntagsdatum bestimmt ist, ein Wochenkalender¬
blatt folgt. Die Originalzeichnungen sind von der Firma
Gebr. Klingspor in Offenbach a. M. in Strich- oder Netz¬
ätzung ganz vorzüglich reproduziert worden, wozu nicht
wenig beigetragen haben dürfte, daß die Originale, die
zumeist nicht größer als die Vervielfältigung waren, von
den Künstlern für die Wiedergabe in dem vorliegenden
Formate und in der angewendeten Technik bestimmt wur¬
den. Der Kalender bietet sohin eine prächtige Sammlung
von graphischen Arbeiten erster deutscher Künstler, wie
J.V.Cissarz, Walther Caspari, Hellmuth Eichrodt, Otto
Fikentscher, Fidus, Franz Hein, Friedr. Kallmorgen, Ernst
Liebermann, Rudolf Schiestl, Hugo Steiner-Prag, Hans
Thoma, Hans von Volkmann, Ludwig von Zumbusch und
andern. Möge das verdienstvolle Unternehmen weiteste
Verbreitung finden und echte deutsche Kunst in alle Kreise
tragen. Bemerkt sei noch, daß auch die satz- und druck¬
technische Ausführung allen neuzeitlichen Anforderungen
entspricht,was bei„künstlerisch“ausgestatteten Kalendern
nicht immer der Fall zu sein pflegt. A. N-w.
W Jubiläums-Korrespondenzkarte. Aus Anlaß der Feier
des 60. Regierungsjahrs des Kaiser Franz Josef I. von Öster¬
reich-Ungarn wurden am 18. August 1908Jubiläums-Korre-
spondenzkarten in Verkehr gesetzt, von welchen uns die
k. k. Hof- und Staatsdruckerei in Wien in liebenswürdiger
Weise einen von der Originalplatte auf Japanpapier her-
gestellten Abdruck der Bildseite übersandte, der von den
an der Ausführung beteiligten Künstlern Professor Kolo-
man Moser und Kupferstecher Ferdinand Schirnböck
signiert ist. Die Bildseite der Karte zeigt in der Mitte das
in Kupferdruck ausgeführte Porträt des Kaisers Franz
Joseph I.aus dem Jahre 1908, rechts ist eine Ansicht des
Schlosses Schönbrunn, links eine Ansicht der Wiener
Hofburg. Die vier Eckräume der Karte sind mit Orna¬
menten geziert, die Motive aus dem österreichischen
Wappen zeigen. In sechseckigen Vignetten sind unter die
Jahreszahlen 1848 (rechts) und 1908 (links), oben je ein
Lorbeer- und ein Eichenzweig angebracht. Der Entwurf zu
den Karten rührt von Professor Koloman Moser, der Stich
des Porträts, für das eine unter Leitung des Professor
William Unger von der k. k. Hof- und Staatsdruckerei aus¬
geführte photographische Aufnahme als Grundlage diente,
und der Ansichten ist vom KupferstecherFerdinandSchirn-
böck ausgeführt. Die Bildseite der Jubiläums-Korrespon-
denzkarte ist eine ganz hervorragende künstlerische und
zugleich technische Leistung, die allen bei der Herstellung
und Ausführung beteiligten Kräften zur Ehre gereicht. A.W.
Inhaltsverzeichnis.
Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie
für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. IV.
S. 361. — Zur Entwicklung der Rotationsmaschinen. II.
S.363. — Eine Studienreise in Nordamerika. II. S.368. —
Das Buchgewerbe in der Münchener Ausstellung 1908.
S. 372. — Eine graphische Skizze von der Hessischen
Landesausstellung für freie und angewandte Kunst in
Darmstadt. S.380. — Drahtheftung. S.382. — Die Behrens-
Antiqua. S.383. — Buchgewerbliche Rundschau. S.385.
— Aus den graphischen Vereinigungen. S.389. — Bücher¬
und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge. S.391.
8 Beilagen.
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n. BAND
DIE GESCHICHTE
DER BAU-KUNST
VON DR. JULIUS BAUMANN
GÜNTHERS VERLAG • BONN
HEINRICH NEUBERS
ERINNERUNGEN
UND SONSTIGES
VERLEGT BEI LUDWIG BEHR
BERLIN • LEIPZIG • DRESDEN
■•••■•■•■♦ , 0 a # a 0 a # a # a # a # a # 1
EINWORT ANDIE
MUSIKFREUNDE
VON HUGO BEHRND
J w
Jsz
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ARION -VERLAG • MÜNCHEN
•+ a l a 0 a $ a $ a O a + a O a t a # a # a t a + a
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EDMUND NEUENTOR
DIE HUNDERT
NOVELLEN
ZUM ERSTEN MAL UND
SÄMTLICH ÜBERSETZT
EINGELEITET UND MIT
ERLÄUTERUNGEN UND
BILDERN ERGÄNZT VON
BERNHARD KREBER
VERLAG HANS STEIN - JENA
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe. Material (Schrift Säculum) und Satz von der Schriftgießerei D. Stempel, Akt.-Ges., Frankfurt a. M.
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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
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Behrens-Antiqua und Schmuck
Material, Sat^ und Druck von
Gebr. Klingspor, Offenbach • M.
Original fro-m
PRINCETON UNiVERSITY
uf der HefTifchen Landes-Ausftellung in Darmftadt find wir als einzige Schrift¬
gießerei vertreten. Im Gebäude für angewandte Kunst enthält Raum 27 die Er-
^zeugnifle unferer Schriftgießerei, während in Raum 28 Arbeiten der Chemigra-
phifchen Anftalt ausgeftellt find. Zur Befichtigung der Ausftellung laden wir ein.
GEBR. KLINGSPOR • OFFENBACH AM MAIN
worfen, diesen doch auf dem Wege der Blut-
mischung mit der Gefahr der Entartung und
des allmählichen Verlustes der rassenhaften
Überlegenheit bedroht. Auf der anderen
Seite wird, sobald erst der Rassengedanke bei
den Weissen sich siegreich durchgesetzt hat,
das Gefühl des Gegensatzes gegenüber den
Farbigen und vor allen Dingen das Zusam¬
menfallen der sozialen mit der Rassenschei¬
dung ein schlechthin bestimmender Zug in
dem sozialwirtschaftlichen und sozialpsycho¬
logischen Status eines solchen Koloniallandes.
e inen ganz verschiedenen Gang nimmt
die Entwicklung dagegen in all den Ge¬
bieten, wo die Eingeborenen ganz oder an¬
nähernd vor den Weissen verschwunden sind.
Das Festland von Australien besitzt z. B. in
physikalischer Hinsicht eine grosse Ähnlich¬
keit gegenüber Südafrika, aber die austra¬
lischen Eingeborenen sind fast ganz ausge¬
storben oder in das unzugängliche, wertlose
Innere des Kontinents zurückgedrängt. Daher
ist in Australien von den besonderen sozialen
Folgeerscheinungen, die durch das Zusam¬
menleben der Weissen mit einer eingebo¬
renen Rasse auf demselben Wohngebiet ent¬
stehen, nichts zu spüren. Auch in Australien
hätten die weissen Kolonisten die Eingebo¬
renen vor allen Dingen gern als Arbeiter
ausgenutzt. Es war aber unmöglich, weil die
geregelte Arbeit, und wäre sie auch noch so
einfacher Art gewesen, die Leistungsfähig¬
keit des Eingeborenen schlechthin überstieg.
D ie Australier standen auf der tiefsten
Stufe kultureller Entwicklung, auf wel¬
cher die ganze Arbeitsfähigkeit und Arbeits¬
leistung des Menschen sich darin erschöpft,
im gegebenen Augenblick auf irgend eine
Weise das unmittelbar vorhandene Bedürfnis
nach Nahrung, Schutz, Unterkunft usw. zu
befriedigen. Hierfür war er sehr wohl im¬
stande, eine bedeutende physische und in¬
tellektuelle Arbeitsleistung zu produzieren:
lange Märsche, Herstellung tiefer, schwieriger
Fallgruben für das Wild, ausdauernde und
geschickte Anfertigung von Waffen, Über¬
listung der lagdbeute oder des menschlichen
Gegners auf die verschiedenartigste Weise.
Da aber sowohl für den Ackerbau als auch
für die Viehzucht jegliche Ansätze bei den
australischen Eingeborenen vor Ankunft der
Europäer fehlten, so war ihnen auch die Vor¬
stellung und die Gewöhnung an jede solche
Art von Tätigkeit fremd geblieben, die ihrer
Natur nach in regelmässiger und unaufschieb¬
barer Weise geleistet werden müsste, um
ihren Zweck, die Sicherung des Unterhalts,
zu erreichen. Die regelmässige Arbeit in den
vom weissen Mann eingeführten Wirtschafts¬
betrieben war also dem australischen Ein¬
geborenen eine Unmöglichkeit. Auf der
andern Seite bildeten die grossen Herden
der weissen Farmer, die sich immer mehr in
das Innere des Kontinents hinein vorschoben,
ein unwiderstehliches Lockmittel für sämt¬
liche Buschleute, sich einen Hammel oder
ein Rind zu stehlen. Auf diese Weise entstand
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PRINCETON UNIVERSUM
IEUMANN&SCHICKARD
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FRIEDRICHSTRASSE NR.86
KUNSTGEWERBE-VEREIN IN
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H er Verein befchloß die in öffentlichen und privaten Sammlungen
Deutfchlands aufbewahrten Zeichnungen alter und neuer Meifter
durch gute Nachbildungen einem größeren Kreife zugänglich zu
machen. Es follen nicht fogenannte kunftgefchichtlich wichtige, fon-
^ ^ dern die wirklich guten Blätter aller der Sammlungen, die die Er¬
laubnis zur Wiedergabe erteilen, herausgegeben werden. Die Nach-
bildung gelchieht in Lichtdruck oder Farbenlichtdruck unmittelbar
nach den Zeichnungen und foweit als möglich in deren natürlicher
/yfßföftk Größe und auf einem guten Papier. Monatlich foll eine Lieferung
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werden zu einem Band mit Titel und Inhaltsverzeichnis vereinigt. <>
Der Text wird außer notwendigen Angaben über Ausführung, Her-
kunft und Zudand der Blätter eine kurze Betrachtung, die das Ver-
(tändnis für eine jede Zeichnung und deren Würdigung zu fördern
bedimmt id, enthalten. Die Veröffentlichung diefer zum großen Teil
wenig bekannten Meiderwerke zu einem Preife, der auch dem weniger
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* fchon jet$t eine größere Anzahl Mitglieder lieh zur Abnahme bereit
Y findet. Sobald eine bedimmte Zahl von Abnehmern fich durch die
Unterzeichnung des beiliegenden Bedellzettels zum Bezug der erden
12 Lieferungen verpflichtet hat, wird mit der Herausgabe begonnen.
Köder verlags-ausschuss
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PRINCETON UNIVERSiTY
ORATIO PRO SEX.
ROSCIO AMERINO
Credo ego vos, iudices, mirari
quid sit quod, cum tot summi
oratores hominesque nobilis-
simi sedeant, ego potissimum
surrexerim, qui neque aetate
neque ingenio neque auctori-
tate sim cum his, qui sedeant,
comparandus. Omnes hi quos
videtis adesse, in hac causa
iniuriam novo scelere confla-
tarn putant oportere defendi,
defendere ipsi propter iniqui-
tatem temporum non audent.
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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe. Material und Satj von der Schriftgießerei Gebr. Klingspor, Offenbach a.
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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe. Material und Satj von der Schriftgießerei Gebr. Klingspor, Offenbach a.
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x FABRiKE Nj
393
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Fachblättern der Welt ebenbürtig an die Seite zu setzen ist. Der Redaktor, George French, hat einen internationalen Ruf als
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394
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Wien: Samuel Melsel
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Die neue Druckkunst
B rr========= f esonders in der letzten Zeit
ist in Abhandlungen und in
mancherlei Vorträgen gar
viel von „moderner“ Kunst
im Buchdruck geschrieben
und geredet worden. Außer
_!1 Zweifel steht wohl, daß ein
großer Teil der Fachgenossen seine früheren
Anschauungen über das Künstlerische im
Buchdruck geändert und den neuen Lehren
Beachtung geschenkt hat; diegrößere Hälfte
der Jünger Gutenbergs, sowie derjenigen,
die sich zu ihnen zählen, hat aber manchmal
noch recht eigenartige Begriffe davon, was
die sogenannte moderne Buchdruck-Kunst
ausmacht und was sie will. Darum dürften
einige kurze Betrachtungen hierüber nicht
unzeitgemäß sein. Die Literatur, die Kunst
und das Kunstgewerbe betraten neueWege,
indem sie allen ihren Erzeugnissen ein neu
anmutendes, dem ethischen sowohl wie dem
ästhetischen Gefühle mehr entsprechendes
Aussehen und eine ganz andere Richtung
gaben. Die Architektur machte sich frei von
der bisweilen im Übermaß geübten bloßen
Nachbildung der sogenannten klassischen
Stilarten, die Wettbewerbe förderten wahre
Kunstschätze zutage und selbst bei Kirchen¬
bauten fand die neue Kunst entgegen aller
Tradition wiederholt passende Anwendung.
Der Aufschwung im Kunstgewerbe ist ja
überall betont worden, die durchgreifende
Geschmacksänderung im Buchgewerbe ist
aber wohl so ins Auge fallend, daß es einer
besonderen Hervorhebung kaum bedarf.
Wohl in keinem Zweige des Kunstgewerbes,
zu welch letzterem auch der Buchdruck und
insbesondere das Akzidenz wesen gerechnet
werden muß, ist aber die Auffassung und
Auslegung des Begriffes modern eine derart
verschiedenartige, ja oft ungeschickte und
unsichere wie gerade im Buchdruck. Die
Eigenart der Schöpfungen eines besonderen
Künstlers oder einer bestimmten Druckerei
oder auch diejenige eines eben erschienenen
Materials wird häufig als der Inbegriff alles
Neuen angesehen, aus jeder selbständigen,
sich nicht an das Bestehende anlehnenden
Betätigung wird auf einen ganz neuen Stil
gefolgert. In der Tat handelte es sich aber
bisher in solchem Falle nur immer um den
Ausfluß einer Modelaune. Ich erwähne als
Beispiele nur die überwundene Jugendlinie,
an die sich das primitive Material der fetten
Viertelpetitlinie anschloß. Der Biedermeier¬
und Empirestil brachte den Buchdruck so
wie das Kunstgewerbe auf Abwege und die
neueste Geviertmanier ist kaum als ernste
Geschmacksäußerung aufzufassen.
Viele Buchdrucker stellen sich nun unter
dem Modernen etwas besonders Groteskes
vor, übersehen dabei aber, daß nur das als
modern gelten kann und darf, was in jeder
Hinsicht auch dem ästhetischen Empfinden
des gebildetenMenschen entspricht,also frei
vom Überschwänglichen und Gesuchten ist.
Ein landschaftliches, ein pflanzliches Motiv,
das Motiv eines Lebewesens, werden gewiß
nimmermehr als modern gelten können, so
lange die betreffende Darstellung noch die
Unebenheiten der Natur aufweist. Es kommt
also nicht auf die Auffassung allein, sondern
auch auf die Art und Mittel der Wiedergabe,
auf dieTechnik an, wenn der Begriff modern
getroffen werden soll. Es ist wohl berechtigt,
den Buchdruck in der modernen Bewegung
SCH RI FTGI ESSEREI LUDWIG & MAYER, FRANKFURT A. M.
Garmond Augenheil 3683 A
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Or Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
PRINCETON UNIVERSUM
ÄUGENHEIL
Für eine Beurteilung des Zeitgeschmacks im
Buchdruckgewerbe können unmöglich einzelne
besonders charakteristische und mit Raffinement
hergestellte Arbeiten die Grundlagen bilden, die
große Menge der Durchschnittsarbeiten muß
vielmehr als Grundlage dienen. Deshalb kann
von einer erzielten Läuterung des Geschmacks
in der Buchdruckerkunst erst dann ernstlicher
gesprochen werden, wenn sich eine möglichste
Einheitlichkeit der Ausstattungsweise, ein ziel¬
sicheres Arbeiten stärker bemerkbar macht und
minderwertige Arbeiten mehr und mehr zu den
Ausnahmen werden. Daß wir von diesem Ziele
trotz aller gemachten Anstrengungen noch weit
entfernt sind, lehrt uns die einfache flüchtige
Betrachtung weniger Arbeitsgruppen.
So in erster Reihe die der Tageszeitungen und
Fachzeitungen. Schon die ganze Anordnung der
Textseiten läßt erkennen, daß man sich schwer
odergarnichtvon dersogenannten altbewährten
Art der Spalteneinteilung, der Anordnung der
Rubriken, der Spaltenlinien und anderem mehr
trennen kann, obgleich gerade bei dieser Gattung
Drucksachen am ersten für die allgemeine Ge¬
schmacksverbesserung gewirkt werden könnte.
Wir dürfen selbstverständlich unsere Forderung
hinsichtlich einer guten Ausstattung der Zeit¬
literatur nicht zu hoch stellen, denn Gewohnheit,
Ersparnis an Aufwand und oft ungeeignetes
Material vereiteln jedweden Erfolg. Und doch
könnte schon hier manches geschehen, wie die
Ausstattung der englischen und amerikanischen
und selbst der französischen Zeitungen beweist.
Die Anzeigenseiten der deutschen Tagespresse
sind in den meisten Fällen der Tummelplatz für
typographische Geschmacklosigkeiten. Eine
rühmliche Ausnahme machen einige wenige
Tageszeitungen, die auf Einheitlichkeit in ihren
Anzeigen viel Gewicht legen und anscheinend
nicht mit dem Widerstand der Inserenten zu
rechnen haben, den die Zeitungsherausgeber
häufig als Entschuldigung hervorkehren, wenn
ihnen Vorhaltungen über die Ausstattung ihrer
Blätter, namentlich im Inseratenteil, gemacht
werden. Plakate bieten dem Buchdrucker nicht
viel Gelegenheit zu künstlerischer Betätigung,
obgleich auch ein einfaches Plakat den heutigen
Ansprüchen entsprechend hergestellt werden
kann. Das künstlerische Plakat herrscht heute,
aber leider entwickelt das Künstlertum noch
recht wenig Verständnis für deutliche Schriften,
sodaß von Lesbarkeit oft keine Rede sein kann.
Manche von Künstlerhand gezeichnete Plakate
sind prächtige Schmuckstücke an den Litfa߬
säulen, die in grellem Gegensatz stehen zu den
lächerlich-primitiven Buchdruckplakaten oder
den großstädtischen Theaterzetteln.
In der künstlerischen Buchausstattung sind
ganz bedeutende Fortschritte zu verzeichnen,
wer aber Gelegenheit hat, Bücherausstellungen
zu besuchen, besonders solche, in denen Bücher
für die große Menge ausliegen, der wird mit
Schaudern manches Buch beiseite legen, das
äußerlich glänzt, dessen innere Ausstattung je¬
doch auf eine niedrige Stufe des Buchdrucks
schließen läßt. Wie vereinbart sich auch das
Streben nach einer guten Bücherausstattung,
wenn selbst angesehene Buchhandlungen den
Maschinensatz als gut genug für eine „künst¬
lerische“ Buchherstellung betrachten, also das
Billigste stets vorziehen. Auf der einen Seite
Anstrengungen für künstlerische Bucharbeit,
für Handwerkskunst, auf der andern als Endziel
Maschinenarbeit. Die Warenhausliteratur sollte
am besten ausgestattet werden, denn sie dringt
mehr in die große Menge als die numerierten
Liebhaberausgaben. In der guten Ausstattung
des einfachen Buches liegt noch eine dankens¬
werte Aufgabe für den heutigen Buchdruck.
Die Hauptgruppe aller Arbeiten, die zu einer
künstlerischen Betätigung Gelegenheit geben,
sind vor allem die sogenannten Akzidenzen. Auf
die Ausstattung dieser Zufallsarbeiten wird jetzt
im allgemeinen große Sorgfalt verwendet, was
besonders auf die Fortbildungsbestrebungen der
letzten Jahre in allen Kreisen zurückzuführen
ist. Eine zielsichere Satzweise ist aber immer
noch nicht erreicht, es bedarf vielmehr noch
erheblicher Abklärung der Einzelarbeiten. Die
textreichen Arbeiten lassen noch sehr viel zu
wünschen übrig. Hier dürfte aber auch manches
an dem guten Willen und dem Verständnis des
Auftraggebers liegen, das zu wecken nicht leicht
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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Schrift:
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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
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PRINCETON UNIVERS1TY
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PRINCETON UNIVERS1TY
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Literarische Gesellschaft zu Mainz im Saale des
Odeon einen Richard DehmeTAbend, zu dem
Herr Professor Ernst Brandow
als Vortragender gewonnen wurde. Ausserdem
wird noch Herr Oskar Marckwald Dehmelsche
Dichtungen rezitieren. Der Beginn des Vortrags
ist auf 8 Uhr abends angesetzt; um pünktliches
Erscheinen wird dringend gebeten. — Karten zu
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PRINCETON UNIVERSITY
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PRINCETON UNIVERS1TY
. -. . - = ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE = —
401
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PRINCETON UNiVERSITY
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= ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE .. —
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PRtNCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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PPJNCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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Original from
PRINCETON UNIVERS1TY
Reliefausführung für Lederprägung in Stichel- und Punzen-Technik von Hugo Becker
Lehrer: Georg Schiller
Zu dem Artikel: Die Technischen Kurse in der Kgl. Akademie für graphische
Künste und Buchgewerbe in Leipzig V. Die Gravierung und der Stempelschnitt
Beilage zuip i Archiv für
Original from
PRINCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW
45. BAND OKTOBER 1908 HEFT 10
HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN
Bekanntmachung.
Inden Deutschen Buchgewerbeverein wurden im Monat September 1908 als Mitglieder aufgenommen:
1. Eduard Buß i. Fa. Fredebeul & Koenen, Buch- 13. Karl Prochaska i. Fa. Karl Prochaska, k.u. k. Hof¬
druckerei und Buchhandlung, Essen. buchdruckerei und Verlag, Teschen.
2. Earnest Elmo Calkins i. Fa. Calkins & Holden, 14. Paul Sauer i. Fa. Paul Sauer, Berliner Buchdruck-
New York City. walzen-Gießanstalt und Walzenmassefabrik,
3. F. W. Cordier , Verleger des Apostolischen Stuhles, Berlin.
i. Fa. F.W. Cordier, Buchdruckerei, Heiligenstadt. 15. P. Schefe i.Fa. H. Osterwald, Buchdruckerei,
4. Carl Döbler i.Fa. Aug.Weisbrod, Buchdruckerei, Hannover.
Frankfurt a.M. 16. Heinrich Scheufeien i.Fa. Erste deutsche Kunst-
5. Georg FexiSy Verlagsbuchhändler, Athen. druckpapierfabrik Carl Scheufeien, Oberlenningen
6. H. Gierig , Prokurist der Fa. E. Graf & Co., Buch- b. Kirchheim.
druckerei, Bochum. 17. Beruh. Unfug , Direktor der Unitas G. m. b. H.,
7. Hub. Hoch, Buch- und Steindruckerei, Düsseldorf. Bühl.
8. Josef Huch i. Fa. J. G. Huch & Co., G. m. b. H., 18. Eduard Weingärtner i.Fa. A.Flaskämper, Maschi-
Graphische Kunstanstalt, Braunschweig. nenfabrik, L.-Lindenau.
9. Paul König i. H. Ostasiatischer Lloyd, 19. Hans Wunder i.Fa. Hans Wunder G.m.b.H.,
Shanghai. Farbenfabrik, Wilhelmsberg-Berlin.
10. Ad. Langer, Direktor der Paulinus-Druckerei, Trier. 20. C.J. Zeegersdeeckens i.Fa. Faddegon & Co., Kgl.
11. J. G. Mailänder , Maschinenfabrik, Cannstatt. Hofbuchdruckerei, Amsterdam.
12. Herrn. Neußer i. Fa. General-Anzeiger für Bonn 21. Dr. Mark Zitron i.Fa. Verlagsbuchhandlung
und Umgegend, Bonn a. Rh. „Sotrudnik“, Kiew.
Leipzig , 1. Oktober 1908
Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins
Arthur Woernlein, Verwaltungsdirektor
409
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Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie
für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig.
V. Die Gravierung und der Stempelschnitt . Von GEORG SCHILLER, Leipzig.
5SW8SM Jahre 1905 wurde an der Königlichen
Akademie für graphische Künste und Buch-
gewerbe eine Fachklasse für diejenigen Tech¬
niken eingerichtet, welche im wesentlichen der buch¬
gewerblichen Massenproduktion zu dienen haben. Im
Stempelschnitt und in der Gravierung entstehen die
Originale, deren künstlerische Werte mittelst Gie߬
maschine und Prägepresse milliardenfach verviel¬
fältigt werden und deshalb in ihrem Einfluß auf die
allgemeine Geschmacksbildung nicht an letzter Stelle
der Erfüllung des Unterrichtsprogrammes der Aka¬
demie zu dienen haben.
Auch mit diesen Techniken haben sich die An¬
gehörigen der Vorschule zu befassen.
Ein Vortrag, der an der Hand vorbild¬
licher Arbeiten der im Altertum und
Mittelalter zu hoher Blüte entwickel¬
ten Gravierkunst, deren Geschichte
und Ausdrucksmöglichkeiten, sowie
die zur Druck- und Prägetechnik ver¬
wendbaren Metalle, Werkzeuge und
Maschinen behandelt, leitet den halb¬
jährigen (in wöchentlich 8 Stunden zu
gebenden) Kursus ein. Entsprechend
den für das Buchgewerbe in Betracht
kommenden Ausführungsarten teilen
sich die dann beginnenden, tech¬
nischen Übungen in: I. Metallstich;
II. Stempelschnitt und III. Reliefgra¬
vierung. Sie werden als Gesamtauf¬
gaben nach den vom Lehrer an der Grav,erun{
Tafel gegebenen Vorzeichnungen ausgeführt und be¬
wegen sich in schlichten Linienführungen, bei deren
i
JaUs
1
IHK
E) ISA GU
Gravierung. Vorübung I
Befähigung des Schülers nach deren eigenen Ent¬
würfen oder nach guten, alten Vorbildern — in Schrift¬
metall, Zink oder Messing — ausgeführt und finden
ihren Abschluß in einer in acht Stunden zu bewältigen¬
den Prüfungsarbeit, bei der nicht selten recht be¬
achtenswerte Leistungen zutage treten.
Trotz der Schwierigkeiten, welche die Metallbear¬
beitung naturgemäß der bisher nur an Zeichenstift
und Pinsel gewöhnten Hand bereitet, finden diese
technischen Übungen zumeist das lebhafte Interesse
der Schüler, so daß fast nach jedem Kurse einzelne
der Gravierklasse treu bleiben und sich neben ihren
andern Studien einige Wochenstunden für die Aus¬
führung kleinkünstlerischer Metall¬
schnitte verfügbar halten. Dieser Um¬
stand darf als Fingerzeig gelten, daß
auch bei der Schülerschaft immer
mehr die Notwendigkeit erkannt wird,
durch selbsttätige Ausübung der ver¬
schiedenen buchgewerblichen Tech¬
niken die in Material, Werkzeug und
maschinellen Hilfsmitteln bedingten
Möglichkeiten beachten zu lernen und
hierdurch ihren buchkünstlerischen
Entwürfen eine vorteilhafte Verwer¬
tung zu sichern.
Der eigentliche Fachunterricht der
Klasse für Stempelschnitt und Gravie¬
rung besteht im wesentlichen in der
Leitung des Studienganges derjenigen
Vorübung i Schüler, welche — nach vollbrach¬
ter, praktischer Lehrzeit — ihre technische Fertig¬
keit künstlerisch vervollkommnen wollen. Beson-
Konzeption darauf Bedacht genommen ist, daß alle deres Gewicht wird aber auch darauf gelegt, daß bei
Werkzeuge in Tätigkeit treten, die im Arbeitskasten solchen, die gewillt sind — ohne eine praktische
des Schülers gedrängt und Lehrzeit durchgemacht zu ha-
übersichtlich zusammenge- ben—ihre Entwürfe mit Grab¬
stellt sind. Als Material dient
das leicht zu bearbeitende
Schriftmetall, auf dem nun mit
Zirkel, Winkel und Gravier¬
nadel die Aufzeichnung erfolgt.
Nach der Gravierung bzw. dem
Schnitt der Metallplatte be¬
werkstelligen die Schüler auf
einer Prägepresse ihre Probe¬
drucke, wodurch sie den ersten
Einblick in die zur Massenpro¬
duktion überführenden druck¬
stichel und Punzen selbst aus¬
zuführen, die zu diesen Tech¬
niken flinneigende Veranlagung
im Fachunterricht die bereit¬
willigste Förderung erfährt.
Es darf nicht ausgeschlossen
bleiben, daß aus ihm auch
Künstler hervorgehen, die sich
zur ästhetischen Ausbildung
genügend technische Fertig¬
keiten aneignen, um später in
selbständigem Wirken oder an
duktion überführenden druck- Gravierung. Vorübung ii selbständigem Wirken oder an
und prägetechnischen Vorgänge gewinnen. Die den leitender Stelle im buchgewerblichen Großbetrieb
Vorübungen folgenden Einzelaufgaben werden je nach vielseitige und lohnende Betätigung zu finden.
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PRINCETON UNIVERSiTY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Als Unterrichtsfach eines staatlichen Lehrinsti¬
tuts tritt die Technik des Stempelschnitts wohl zum
ersten Male an die Öffentlichkeit. Gegenüber den
Darbietungen der andern Fachklassen mit ihren
Möglichkeiten der Verwendung großer Formate und
einer durch Farbwirkung gehobenen Vortragsweise
sehen die auf enge Flächen begrenzten Stempel¬
schnitte nüchtern aus und werden hinsichtlich
einer dieser Technik ferner stehenden Kritik keinen
leichten Stand haben. Die Gravierklasse besteht
auch noch nicht lange genug, um namentlich in
ihren maschinellen Einrichtungen ausgebaut sein
zu können. Längere Zeit dürfte es zudem noch
dauern, bis die Entwurfsklassen der Akademie die
seither ungewohnte Technik in dem ihrer künst¬
lerischen Ausdrucksfähigkeit entsprechenden Um¬
fange anerkennen und verwenden werden. Sind
diese Anfangsbeschwernisse einmal überwunden, so
wird ein umfassenderer Überblick über die Wirksam¬
keit dieses neu eingerichteten Unterrichtsgebietes
möglich sein; vorderhand kann man jedoch im Zweifel
sein, ob sie hemmend wirken. Im Gegenteil darf an¬
genommen werden, daß die Unvollständigkeit der
maschinellen Einrichtungen dazu beiträgt, das Über¬
schreiten der dieser Technik gebotenen Stilgrenzen
zu verhüten. Lag doch gerade darin die Hauptursache
des Niederganges der im Altertum und Mittelalter
blühenden Stempelschneidekunst, daß ihre späteren
Vertreter sich durch ihre technische Geschicklichkeit
verleiten ließen, in virtuose Künsteleien zu verfallen
und in ihren Arbeiten Wirkungen hervorzukehren,
die mit den technischen Möglichkeiten unverein¬
bar waren. Es kann deshalb auch nur fördernd
sein, wenn in der ersten Zeit des Bestehens die für
die engbegrenzten Stempel- und Plattenflächen be¬
stimmten Entwürfe aus der Gravierklasse selbst her¬
vorgehen. Mögen sich die Zeugnisse ihres Vorhan¬
denseins auch in nüchtern erscheinenden, stilistisch
einfachen Formausdrücken bewegen: die organische
Entwicklung von unten herauf und von innen heraus
kann nur günstige Folgen für die Zukunft haben.
Die Hauptaufgabe des Lehrers muß aber vorläufig
darin liegen, die hinsichtlich der künstlerischen Aus¬
druckfähigkeit des Stempelschneidens sowieso mi߬
trauische Schülerschaft nur allmählich und unter
tunlichster Umgehung der schwierigsten Handgriffe
in die Ausübung einzuführen. Die Aufmerksamkeit
und Achtung, die dieser Technik neuerdings in
Kunstkreisen zugewandt wird, trägt sicher dazu
bei, ihr auch in der Akademie einen immer größeren
Freundeskreis zu gewinnen, der schließlich nicht
an letzter Stelle bei der Wiederbelebung der alt-
ehrwürdigen Kunst des Stempelschneidens mitwir-
ken wird.
Eine Studienreise in Nordamerika.
Von G. NICOLAUS, Kaiserlicher Bauinspektor, Reichsdruckerei, Berlin.
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jrfc Staatsdruckerei (Gouvernement Printing
Wm Office), die noch ausgedehnter und moder¬
ner eingerichtet ist, als das in meinem letzten Artikel
geschilderte Bureau of Engraving and Printing. Die
Staatsdruckerei (Gouvernement Printing Office) mit
etwa 5000 Angestellten (Abbildung 6) ist in einem
ganz neuen siebenstöckigen Bauwerk von anliegen¬
dem Grundrisse untergebracht (Abbildung 7). Be¬
sonders hervorzuheben ist daran die Geräumigkeit
der Säle, die reichliche Zahl von Aufzügen, sowie
die zentrale Anlage der Tresors, die sich in der
Mitte des Gebäudes von unten bis oben durchgehend
übereinander befinden, wodurch sowohl ihre Sicher¬
heit erhöht, als auch die Bauausführung erleichtert wird.
Die Eingangshalle hat breite Marmortreppen, ist mit
ornamentalen Marmorsäulen und Blattpflanzen ge¬
schmückt, sowie mit einem Reichtum ausgestattet,
wie er bei uns ungewohnt ist. Überhaupt wird bei
öffentlichen Gebäuden mitunter ein großer Luxus
getrieben. Ein besonders charakteristisches Beispiel
ist die Kongreßbibliothek, der man es ansieht, daß
der amerikanische Baumeister hier „das Schönste in
der Welt“ schaffen wollte. Der große Lichthof in
41
diesem Gebäude ist mit einer derartigen Fülle von
weißem Marmor und bunten Malereien ausgestattet,
daß dem Beschauer der Eindruck des Überladnen
zum mindesten sehr nahe gebracht wird.
Auch die Bureaueinrichtungen der Staatsdruckerei
sind mit einem uns ungewohnten Luxus ausgeführt.
Dreizehn Lasten- und Personenaufzüge gehen von
dem untersten bis zum höchsten Stockwerk und stellen
eine schnelle und bequeme Verbindung der einzelnen
Werkstätten her. So werden die Vorteile der durch
die amerikanische Bauordnung erlaubten Übereinan¬
derlegung der Stockwerke aufs beste ausgenützt. Das
Gebäude ist völlig feuersicher, was man in Amerika
immer besonders betonen muß, und in den Fußböden
sind überall Kanäle zur Unterbringung der Leitungen
für Wasser, Gas, Elektrizität usw. von vornherein
angebracht. Dadurch, daß alle Räume übereinander
liegen, gestaltet sich die Verteilung von Licht und
Kraft sehr einfach. Alle Leitungen führen vom Schalt¬
brett der Zentrale aus direkt nach den Räumen,
Speisepunkte und Unterstation werden nicht nötig.
Neben dem Hauptgebäude befindet sich ein Maschi¬
nen- und Kesselhaus. Acht große Schiffskessel liefern
den Dampf für die Heizung und Kraftversorgung der
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Abbildung 6. Gouvernement Printing Office in Washington
Anstalt. Zwei stehen stets zur Reserve. Die Größe
des Kesselhauses beträgt 420 qm. Vier Dampf¬
maschinen, eine zu 1200, zwei zu 800 und eine zu
450 P. S. stehen in der Kraftzentrale. Da der mitt¬
lere Kraftbedarf etwa
1200 P. S. beträgt, so
ist die Reserve noch
reichlicher als in der
oben beschriebenen
Staatsanstalt. Das Ma¬
schinenhaus ist 16,5
breit und 40,5 m lang,
hat somit eine Grund¬
fläche von 670 qm. Die
Schalttafel ist 25 m
lang, also ausreichend
groß und bei einem Abstande von 2 m von der Wand
auf der Rückseite bequem zugänglich. Wie in jedem
modernen Maschinenhause ist auch hier ein schwerer
Laufkran vorhanden, der es ermöglicht, bei Betriebs¬
störungen und Unterhaltungsarbeiten alle Maschinen¬
teile leicht und schnell zu transportieren. Die Repa¬
raturwerkstatt beschäftigt 40 Schlosser, 15 Tischler
und 14 Rohrleger bzw. Leitungsarbeiter. Die Aus¬
dehnung der Tischlerwerkstatt ist auffällig groß. Für
die Anfertigung der Möbel (meist aus massiv Maha¬
goni) und für Kästen wird ein Luxus angewendet, der
wohl etwas zu weit geht. Die Ausstattung der Staats¬
druckerei mit Maschinen ist gleichfalls so reichlich,
wie sie sich ein Privatinstitut, bei dem die Wirt¬
schaftlichkeit die erste Bedingung ist, nicht leisten
könnte. Wenn auch eine hinreichende Zahl von
Maschinen vorhanden sein muß, damit die Anstalt
allen Bedürfnissen gerecht werden kann, so er¬
scheint es doch fraglich, ob Wirtschaftlichkeit vor¬
handen ist, wenn in manchen Räumen nur ein Teil
der Maschinen beschäftigt ist. Das war aber an den
Besuchtsagen, die nicht gerade in flauer Geschäfts¬
zeit lagen, da Kongreß und Senat versammelt waren,
der Fall. Großer Wert wird auf die hygienische
Beschaffenheit der Betriebe gelegt. Die Druckerei
hat einen Arzt angestellt, der ständig hierüber zu
wachen hat und dem ein großes Kranken- und Ope¬
rationszimmer zur Verfügung steht. Dieser ständig
von einer Krankenpflegerin überwachte Raum ist mit
Betten, Operationsgeräten, Tischen und Sterilisier¬
apparaten ausgestattet. Zurzeit wurde das Projekt
eines Sterilisierraumes bearbeitet, der dazu dienen
sollte, die überall aufgestellten Spucknäpfe alle acht
Stunden ohne die höcht unappetitliche und ungesunde
Handarbeit mit Dampf zu reinigen, ein Projekt, das
wohl nur durch die bekannte amerikanische Unsitte
des ständigen Ausspuckens erklärlich erscheint.
Recht empfehlenswert erscheint die Art der Führung,
wie sie mir in der Staatsdruckerei zuteil wurde. Ein
Beamter der Leitung führte mich zunächst zu allen
Abteilungsvorstehern, machte mich mit ihnen bekannt
und gestattete mir, den Herren mitzuteilen, worüber
sie mich hauptsächlich unterrichten sollten. Bei meinen
ferneren Besuchen wurde mir dann ein Bote zur
Verfügung gestellt,
der mich ständig
begleitete und so¬
fortin diejenige Be¬
triebe führte, die
ich gerade sehen
wollte. So war es
möglich, über alle
Punkte die wohl-
vorbereitete und
schnelle Auskunft
zu erhalten, aber
auch die Abteilungsvorsteher hatten Gelegenheit,
Fragen, die ihnen von Interesse waren, an mich zu
richten. Die Organisation der Staatsdruckerei ist
etwas komplizierter als die oben geschilderte: An
der Spitze steht ein Direktor, der ein Bureau mit
drei Unterabteilungen für Überwachung der tech¬
nischen Geld- und Verwaltungsangelegenheiten hat
Es folgt dann: eine Verwaltungsabteilung, eine
Rechnungsabteilung, eine Einkaufsabteilung, eine
Abbildung 8. Setzersaal in der Gouvernement Printing Office in Washington
Abbildung 7. Grundriß der Gouvernement Printing Office in Washington
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PRiNCETON UNIVERSUM
Schülerin: Alice Clarus
Schüler: Reinhold Wust
Schüler: Philipp Klien
Schüler: Richard Preuße
Einzel- und Prüfungsarbeiten aus dem halbjährigen technischen Kursus der Gravierklasse. Lehrer: Georg Schiller
Zu dem Artikel: Die Technischen Kurse in der Kgl. Akademie für graphische
Künste und Buchgewerbe in Leipzig. V. Die Gravierung und der Stempelschnitt
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
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PRINCETON UNIVERSITY
Arbeiten aus dem Ergänzungs- und Fachunterricht der Gravierklasse. Lehrer: Georg Schiller
Zu dem Artikel: Die Technischen Kurse in der Kgl. Akademie für graphische
Künste und Buchgewerbe in Leipzig. V. Die Gravierung und der Stempelschnitt
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Beilage zum Archiv für Buchgewerb
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PRINCETON UN1VERSITY
Schüler: E.Menzdorf
Schüler: C. Linke
Schüler: M.Keymer
Schüler: R.Gaebler
Schüler: Reinhold Wust
Schüler: Reinhold Wust
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PRINCETON UNIVERS1TY
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man liebt wohl ihre etwas komplizierten Einrich- matisch auszuführen. Das Runden der Bücher ge-
tungen nicht. Die abweichenden Formate werden auf schieht auf einer besonderen selbsttätigen Rundungs-
Rotationsmaschinen für Flachpapiere, die eine maschine.
Stundenleistung von 5 bis 6000 Drucke bei völlig Die liniierten Formulare für die Behörden, die bei
automatischer Anlage und Ausführung erzielen uns meist im Schwarzdruck auf den Schnellpressen
können, hergestellt. In der Druckerei stehen etwa hergestellt sind, werden dort meist bunt liniiert.
15 Rotationsmaschinen, 100 Zweitouren-und 20 Ein- Für diesen Zweck sind 25 Maschinen vorhanden,
tourenmaschinen, Stopzylinderpressen waren nicht die bunte und schwarze Liniierung in allen möglichen
vorhanden. Von den Zweitourenmaschinen sind Ausführungen liefern. Zum Teil fertigen sie sogar
40Miehle-Pressen. Die übrigen sind von R.Hoe& Co., Formulare mit rechtwinklig sich kreuzenden Linien-
Huber und Potter geliefert. Die Drucker sind meistim zügen in einem Prozeß, was dadurch ermöglicht
Tagelohn beschäftigt. Sie erhalten etwa vier Dollar wird, daß das Papier in der Laufrichtung eine Wen-
für den Tag, die Anlegerinnen zwei Dollar. Die düng um einen rechten Winkel macht.* Mehrere von
Rotationsmaschinen liefern die Arbeit soweit wie diesen Liniiermaschinen waren mit automatischen
möglich fertig ab, entweder gefalzt oder gefalzt und Anlegeapparaten versehen.
ineinandergeleimt oder gefalzt und geheftet: immer Bei den Zweitourenmaschinen hatten etwa 10 bis
zeigt sich das Bestreben, die Maschinen möglichst 20 Stück Anlegeapparate. Vorhanden war der Dexter-
ganze Arbeit machen zu lassen, dagegen die Hand- feeder (z.T. für sehr hohe Stöße eingerichtet), der
arbeit auszuschalten. Economie-Feeder, ein mit Preßluft arbeitender Apparat,
Die Heftmaschinen der Buchbinderei weisen keine und schließlich der Croßfeeder. Nur der letztere hat
wesentlichen Unterschiede von den unsrigen auf. In ein bei unsern Anlegeapparaten nicht vertretenes
Heftmaschinen besteht sogar noch, trotz des hohen Prinzip, insofern er zwei Anlegebretter besitzt und
Zolles, ein lebhafter deutscher Wettbewerb nach die auf das obere hingelegten Papierstöße um eine
Amerika. Das Sammeln der Bogen geschieht durch Welle herum auf das untere Brett führt. Hierdurch
automatische Zusammentragemaschinen, die von entsteht eine gute Bogentrennung und es wird zu
einem Manne bedient werden und bis zu 24 Lagen gleicher Zeit auch noch erreicht, daß auf dem oberen
verarbeiten können. Sie besteht aus einer großen Brette jederzeit nachgelegt werden kann, ohne die
Transportkette, die periodisch weiter geschaltet wird, Maschine anhalten zu müssen, was in manchen
der Reihe nach unten von jedem Stoß eine Lage weg- Fällen ausschlaggebend sein kann. Natürlich wird
nimmt und die zum Buch ge- der Apparat hierdurch auch wieder höher und
sammelten Lagen am Ende auto- größer als andre. Im übrigen arbeitet auch
matisch abliefert. Auch die i/'K er Streichrädern, hat also auch alle
Buchdeckel werden selbsttätig T v©/ ' Schattenseiten der Streichräder, so daß er nur
hergestellt. Eine Maschine wird für Schöndruck verwendbar ist, für Wider-
mit Pappdeckeln, dem zuge- druck nur dann, wenn der erste Druck völlig
schnittenen UmschlagsstofTe und mit -(f&) (5/)“ trocken oder wenn ein Steg für das Streichen
Leim beschickt. Die Pappdeckel wer- vorhanden ist. Für die in der deutschen
den von der Maschine im richtigen Ab- Reichsdruckerei so viel verwendeten gum-
stande vorgebracht, der Überzug mit i £ j mierten und sonstigen schwierig zu behan-
Leim versehen und umgeklebt, so daß /' jtj delnden Papiere bietet er den deutschen
die fertig überzogenen Buchdeckel von w>,>>„rTTT* Streichapparaten gegenüber keinen Vorteil,
der Maschine abgeliefert werden. Auch— \ Vvv /— hier vei *dienen wohl Anlegeapparate, die das
das Einhängen der Bücher in die Um- ^ . jl >c Papier von oben abheben, den Vorzug.
Schläge erfolgt auf Maschinen, die so ^ J In der Wertabteilung werden die Kuverts
gebaut sind, daß die fertigen gehef- ' mit den Unterschriften der Parlamentsmit¬
teten Lagen in die Maschine einge- J /^^\^ m | ii|iiiiii«uiiIiIiii»iiii.m^ _ glieder, die für ihre
hängt und von dieser an den Seiten — r’vN^/ y| ! , !!!!jiiiii!!i!i!!'tl & Sendungen in Amerika
oder am Rücken mit Leim versehen V j__ ,,,, J i bekanntlich Portofrei-
werden, worauf der Umschlag herum- Abbild i ng 9 . SchnEldevorrichIÜIlg fur Poslk . rIE „ heit genießen, von gra-
geführt und angeklebt wird; am Ende vierten Stahlplatten ge-
können die fertigen Bücher entnommen werden. Be- prägt, wobei zugleich die Unterschrift mit eingefärbt
schnitten werden die Bücher auf selbsttätigen wird. Hier wird alles Papier als Wertpapier behandelt,
Schneidemaschinen, den auch bei uns bekannten gezählt und quittiert. In dieser Abteilung stand auch
Dreischneidern, die das Buch festhalten, darauf an eine Maschine, die das abwechselnde Ineinander¬
beiden Querseiten beschneiden und dann um 90° schießen verschiedenfarbiger Papiere für die Her¬
drehen, um auch den Schnitt der Längsseite auto- Stellung von Scheckbüchern selbsttätig besorgte. Sie
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
marmorierter Buchschnitte aller Art nach dem Tauch¬
verfahren und erklärte mir die Herstellung in tadel¬
losem Deutsch. Nicht immer jedoch ist es mit der
deutschen Sprache der Personen deutscher Abkunft
so gut bestellt. Meist erhält man auf eine deutsche
Frage eine Antwort in englischer Sprache. Es ist
eben hier wie überall im Auslande, die gleiche Er¬
scheinung. Viele Deutsche suchen beim Betreten
des fremden Landes ihr Deutschtum so schnell wie
möglich los zu werden und erinnern sich ihres Vater¬
landes nur, wenn es ihnen schlecht geht, oder, wenn
sie es kritisieren können. Andre aber, und zwar
nicht die schlechtesten, betrachten ihr Deutschtum
als einen teuren Besitz. Wenn sie auch im Ge¬
schäftsverkehr englisch sprechen, zu Hause wird
Deutsch gesprochen. Zwar geht auch dann in vielen
Fällen die deutsche Sprache verloren, wenn Kinder
da sind, die in der Schule und auf der Straße Eng¬
lisch sprechen und zu Hause aus Unverstand oder
Bequemlichkeit nicht Deutsch reden wollen; aber es
gibt doch Familien, in denen das Deutschtum so
stark ist, daß sie auch die Kinder zwingen, zu Hause
Deutsch zu reden, und so den Vorzug der Doppel-
sprachigkeit erhalten. Über mehr als drei Generatio¬
nen hält sich die deutsche Sprache, außer in ge¬
schlossenen Sprachgebieten, jedoch sehr selten. Aber
selbst dann gibt es noch viele Amerikaner, die, ob¬
gleich der deutschen Sprache nicht mehr mächtig,
dennoch stolz auf ihre deutsche Abstammung sind.
Ohne die ständige Nachwanderung von Deutschland
ist aber wohl ein dauerndes Leben der deutschen
Sprache in Amerika nicht wahrscheinlich.
Von Washington führte mich mein Weg nach Balti¬
more. Die Stadt ist seit meiner letzten Anwesenheit
von einem großen Brandunglück heimgesucht worden,
das viele Millionen vernichtete. Trotzdem ist die
Bauweise der neu errichteten Häuser meist die alte
allgemein übliche geblieben: massive Wände und
eisernes Trägergerüst für Säulen und Decken, da¬
zwischen aber hölzerne Balkenlagen mit doppelsei¬
tiger Holzverschalung und außer den Fahrstuhl¬
anlagen nur eine einzige Treppe, die nicht einmal
in einem feuersicheren Treppenhause liegt. Hierbei
ist es natürlich gänzlich ausgeschlossen, daß sich
aus den oberen Stockwerken jemand rettet, wenn in
den unteren ein Brand herauskommt.
Die letzte Station auf dem Wege nach New York
war Philadelphia. Hier wurde die bereits oben er¬
wähnte Papierfabrik besichtigt und außerdem von
der Fülle von sehenswürdigen Anlagen der Stadt
unter anderm das musterhaft eingerichtete Zucht¬
haus, die Münze der Vereinigten Staaten und der
Freimaurertempel, welch letzterer besonders durch
die luxuriöse Einrichtung seines Innern und die in
sieben verschiedenen Baustilen eingerichteten Ver¬
sammlungssäle bemerkenswert ist. Doch schon
drängte die Zeit der Abreise und es mußte deshalb
die Rückfahrt nach New York angetreten werden.
Nach Belegung des Dampferplatzes blieb noch so
viel Zeit übrig, die Bauarbeiten für den unterirdischen
Riesenbahnhof der Pennsylvania-Eisenbahn anzu¬
sehen. Diese Gesellschaft baut nämlich zur Ver¬
bindung ihrer Bahnnetze auf dem Festlande und in
Long Island unter dem Hudson, der eine Breite von
etwa 2000 m hat, einen viergleisigen Tunnel nach
New York und von dort einen zweigleisigen unter
dem East-river mit einer Breite von 1500 m nach
Long Island. Die Tunnelanlage unter dem Hudson
ist fertig und für den Bahnhof in New York hat man
sechs Häuserblocks niedergerissen und den Erd¬
aushub in einer Länge von etwa 800, einer Breite
von 200 und einer Tiefe von 20 m, teilweise unter
gewaltigen Sprengarbeiten beendet, mit der Auf¬
stellung der Eisenkonstruktion ist begonnen.
Auch das Tunnelnetz der New Yorker Untergrund¬
bahn, mit dessen Bau man bei meiner letzten An¬
wesenheit im Jahre 1902 begann, wurde besichtigt.
Dieses ist in mehreren Linien in der ganzen Läng¬
ausdehnung der Stadt im Betriebe und unterfährt
mehrfach die angrenzenden Meeresarme. Hier ist
durch die großzügige Ausführung der Verkehrsan¬
lagen gezeigt worden, daß sich in kurzer Zeit Ge¬
waltiges schaffen läßt, wenn alle Stellen zusammen
arbeiten. Möchte eine solche Lösung durch plan¬
mäßiges Zusammenarbeiten auch für Berlin erreicht
werden! Den großartige Aufschwung, den die Stadt
New York genommen hat, nachdem es die Nachbar¬
städte einverleibte und mit diesen ein einheitliches
Interessengebiet von 800 qkm Größe und etwa vier
Millionen Einwohnern geworden ist, sollte doch dar¬
auf hinweisen, daß hier Größeres auf dem Spiele
steht, als gegenseitiges Streiten um Einzelvorteile.
Die Rückfahrt verlief gut und ohne jeden Zwischen¬
fall und das Schiff, die Kaiserin Auguste Viktoria der
Hamburg-Amerika-Linie blieb von Stürmen befreit.
In den vorangegangenen Zeilen sind die Reise¬
wahrnehmungen möglichst unter Vermeidung der
Kritik und ohne Bezugnahme auf unsre Verhältnisse
niedergelegt worden. Nicht alles, was sich für ameri¬
kanische Verhältnisse eignet, läßt sich ohne weiteres
auf die unsrigen übertragen, zudem sind wir, was
Güte und Ausführung der Fabrikate anbetrifft, den
Amerikanern meist überlegen. Nur in ihrem Arbeits¬
system können wir lernen. Sollte sich in den vor¬
liegenden Zeilen eine Anregung hierzu finden, so ist
ihr Zweck erreicht.
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PRINCETON UNIVERS1TY
- ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE =
Der moderne Zeitschriftenumschlag,
Von PAUL WESTHEIM, Berlin.
ST es notwendig, etwas über die Kultur¬
bedeutung unseres Zeitschriftenwesens zu
sagen? Man denke sich einmal diese wech¬
selnde Fülle von Erscheinungen aus dem modernen
Dasein ausgeschaltet. Es würde ohne Zweifel eine
klaffende Lücke entstehen, die jeder verspürte, der
sich der Klasse der Gebildeten zuzählen darf, die
sicherlich auch die breitesten Volksschichten merk¬
lich empfinden würden. Gebilde, die eine solch weite,
unbegrenzte Verbreitungsmöglichkeit besitzen, ver¬
dienen in jeder Hinsicht unsre ernsthafte Beach¬
tung. War es daher wirklich nichts, als der müßige
Einfall einer stillen Stunde, einmal das Heft zuzu¬
klappen, einmal die Außenseite zu betrachten und
nach Schönheit und Schönheitsmöglichkeiten zu spä¬
hen? Diese viel gesehenen Hefte könnten doch Trä¬
ger und Verbreiter maleri¬
scher und typographischer
Leistungen sein, und so mit
der stillen, aber emsigen
Erziehung der vielen dem
Kulturgedanken dienen.
Hier ist wieder ein Um¬
weg, der in das Heim oder
den Gesichtskreis des Vol¬
kes führt. An dem großen
Baum ist nur ein kleiner
Zweig, um dessen Blüten
wir uns hier bemühen.
Doch ist nicht jede Frucht
ein Gewinn, ein kostbarer
Gewinn?
Der Umschlag ist Fas¬
sade und Schutzhülle, ist
ein Umriß und ein Ab¬
schluß. Er soll die be¬
druckten Blätter vor all
den Gefahren schützen,
die sie so mannigfach be¬
drohen. Er soll dem mehr
oder weniger wertvollen
Kern einen Halt oder ein
Rückgrat bieten und dabei
doch nicht für den Leser
unbequem und für den
Verleger übermäßig teuer
werden. Das Heft soll
leicht gebunden und hand¬
lich sein, es soll aber stets
ein Heft bleiben. Und so
wird ein steifes, grobkör¬
niges Kartonpapier vorzu¬
ziehen sein, dessen Farbe so gewählt ist, daß es mehr¬
fach und auch ohne besondere Vorsichtsmaßregeln
die verschiedensten Hände passieren kann. Auch
der Zeichner und der Drucker müssen sich der be-
sondern Art dieser Fläche bewußt sein. Ein Schmuck
und nicht ein selbständiges Bild, ein klarer über¬
sichtlicher Druckspiegel werden hier verlangt. Der
Blick eilt über den Deckel hinweg und versenkt sich
in die Illustration des Inhalts. Das Heft soll im
Schaufenster des Buchhändlers, bei der Ablieferung
usw. gesehen werden. Und so wird es vorteilhaft
sein, wenn in der Titelzeichnung die rein malerische
Bildwirkung, die feine und minutiöse Ausarbeitung
einer energischen Zeichnung und einer kräftigen
Kolorierung geopfert wird, wenn sie eine breite
Flächenwirkung erstrebt.
Ich kann mich auf diese
Andeutungen beschrän¬
ken, indem ich auf einen
Entwurfvon J.W. Simpson
für die in Edinburgh er¬
scheinende Zeitschrift The
Book of Plates hinweise.
Als reine Satzumschläge
sind in derselben Weise
mustergültig der Um¬
schlag 1907 des Archiv
für Buchgewerbe und der
Mitteilungen des Würt-
tembergischen Kunstge¬
werbevereins. Hier sind
alle Ansprüche, die man
an einen guten Umschlag
machen kann, voll und
ganz erfüllt.
Wir müssen einige Un¬
terscheidungen suchen,
wenn wir uns über die
verschiedenartigen Er¬
scheinungsformen der
Zeitschriftentitel klar wer¬
den wollen.
Betrachten wir zunächst
den dauernden, unverän¬
derten Entwurf, der die
Periodizität dieser Er¬
scheinungen streng be¬
tont. Die gewohnte Hülle
hat für den Empfänger
etwas Vertrauliches und
Vertrauenerweckendes.
Sie ist ihm die Erinnerung
57
49. Jahrgang | 1907 | Hpril.
(fbriftlidjee
‘Üunftblatt
/ür1Rjrcl)c.^d)ulc un6®au$
fyrausc^ßkn wnt)at>i6'Kpcj).
>I<
Inbaltetiberfiebt:
GIo fteht die Bewegung: Kunft in der Schule?
Von David Koch. Mit 4 Bildern / Original-
Skizzen zu einem einfachen ^ünglingshcim.
Von Hrchitckt Martin Slfäjjer in Stuttgart
t Kunftkritifchc Schülerauffätze Jt Rethele
Bild »»Der Cod ale freund“ im rclfgiören
Unterricht. Von Pfarrer Llc. Kühner, Wald-
kireh ,t. B. Mit 1 Bild t QI. Steinhaufens
„Deutrehe Weihnacht“. Mit 1 Bild * Kon-
firmandenfaal-Bildcr. Von Pfarrer Ruez in
ßopfmannefeld * ffeuer Wandrchmuch für
Schule und Daus. Mit 7 Bildern f Cornelius
Gurlitt für den modernen Wiederaufbau der
St. Michaclishirche in Damburg / 6in neues
„prachtwerh“. Von Ch. Demmler f ‘6in
proteft gegen die Verunftaltung der ffürn-
berger Sebalduekirche * Literatur t Chronik
Stuttgart
Verlag von f. Stclnhopf.
>A<
Nach einem Entwurf von H. Wieynk in Satz hergestellter
Zeltschriftenumschlag. Verlag von J. F. Steinkopf, Stuttgart
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
an so manche Stunde freundlichen Genusses und er¬
hebender Erfrischungen. Gedruckte Darbietungen
von gestern und vorgestern präsentieren sich seinem
PHOTOGRAPHISCHE
RUNDSCHAU-UND
PHOTOGRAPHISCHES
centralblatt::
i •
j ZEITSCHRIFT* F1TR £
£ FREUNDE-DER S
! PHOTOGRAPHIE: 3
• herausgegeben: •
• VON -D r -NEUHAUSS £
S F- MATTHIES-MASUREN :
: UNDH.SCHNAUSS 3
£ 20.JAHRG. :: HEFT 6 £
■ ■
■aiimiiiiinnmiama»
24 HEFTE IM JAHRE
VIERTELJÄHRUCH 3 MARK
VERLAG WILHELM KNAPP
HALLE* A*S
1906 '
Aufiifl«, Anfrtj.n a | « laf d.n «.•ii.nfchaffl u t.lbN T«>l »lad tu rlcbitn »n Harr«
Dr. R. N« u h • u (j. Gro^lichttr r«ld< ■ I b«. B.rlin. Mir.win^ 31». B.ld.i und B.i-
lri|t fiir 4an hä.illii T«l an Hina F. Miilhiai-Miiaran. Hall« l l, Mülil»»| 1L
In Satz hergestellter Umschlag
Satz und Verlag der Firma Wilhelm Knapp , Halle a.S.
Gedächtnis noch einmal, um ihn mit einer neuen
Bereitwilligkeit dem Inhaltsverzeichnis dieser letzten
Erscheinung zuzuführen. Der Genuß wird gewisser¬
maßen gesteigert, indem man ihn an eine lange,
scheinbar endlose Kette gleicher Entzückungen an¬
reiht.
Dieser ständige Entwurf, den der Verleger vor der
erstmaligen Herausgabe anfertigen ließ und der nun
in regelmäßigen Zeitintervallen wiederkehrt, könnte
uns in einem andern Sinne zum Symbol werden. Ist
das Charakterbild der Zeitschrift selbst ein andres?
Sie hat ihre Richtung, ihren Ton, vielleicht sogar
ihren Stil. Man verspürt hinter der Fülle der wechseln¬
den Äußerungen einen Geist, trotzdem hundert ver¬
schiedene Köpfe, hundert verschiedene Intelligenzen
unabhängig nebeneinander das Gewebe wirken. Man
könnte von einem Strom sprechen, der langsam und
ruhig, stetig in dem einmal gegebenen Bett dahin¬
fließt, der lediglich in den selteneren Fällen einer
ganz besonderen Erregung über den gewohnten Rand
hinausschäumt. Dies Bild vertieft sich außerordent¬
lich, wenn man einmal eine Anzahl abgeschlossener
Jahrgänge, nebeneinandergereiht, vor sich aufstellt,
418
wenn man beobachtet, wie hier mit einer zähen Stetig¬
keit die bunten, wechselvollen, bizarren Zeiterschei¬
nungen und Zeitmeinungen in eine einzige Richtung
gebracht werden. Das einzelne Heft ist nur das Glied
eines größeren Kranzes, nur ein Bruchteil einer
langen Folge, die erst in ihrer Totalität eine Physio¬
gnomie annehmen kann. So trägt mit einer gewissen
Berechtigung eine Zeitschrift durch Jahre und Jahr¬
zehnte hindurch ihr Titelblatt, wie sie ihren eigent¬
lichen Charakter treu bewahrt. Es bleibt das gleiche
für eine ganze Generation — bis eine neue Gene¬
ration eine neue Gestaltung verlangt. Solche Blätter
sind zumeist sogar stärker als die Menschen, die sie
leiten. Der einzelne, der für ihren Inhalt sorgt, kann
die vorgezeichnete Bahn kaum verlassen, und das
lesende Publikum merkt nichts von einem Wechsel
auf dem Redaktionssessel; es weiß nicht, daß hinter
den Kulissen eine andre Hand die Regie führt...
Doch bei einer weiteren Verfolgung dieses Ge¬
dankens entdecken wir, daß die Wirklichkeit noch
ganz andre Argumente für den ständigen Titel hat
— und zwar recht bemerkenswerte.
Eine historische Betrachtung lehrt zunächst, daß
— abgesehen von den frühesten Erscheinungen der
periodischen Druckschriften — auf die graphische
Ausgestaltung wenig Wert gelegt wurde. Eine vor¬
wiegend ästhetische Zeitperiode wie die unsrige war
notwendig, ehe man wieder daran denken konnte, die
geistigen Erzeugnisse in ein schönes Gewand einzu¬
kleiden 1 . Die trockne Logik des Verstandes mußte
erst zurückgedrängt werden durch sinnlich-künstle¬
rische Gefühlsregungen. Natürlich gibt es eine große
Masse, die diese Entwicklung noch nicht mitgemacht
oder nicht erkannt hat und wir haben noch genügend
Zeitschriften, die rein äußerlich diese Gleichgültig¬
keit zur Schau tragen. Im günstigsten Falle wurden
sie einmal mit einem ansprechenden Titelentwurf
versehen, der nun dauernd beibehalten wird.
Weiter ist die Sparsamkeit des Verlegers entschei¬
dend, der die Kosten für das Einzelheft aufs äußerste
beschränken will oder muß. Er läßt sich einmal eine
Zeichnung für den Deckel seiner Zeitschrift anfer¬
tigen, er läßt eine größere Anzahl drucken, und je
nach Bedürfnis wird dieser Entwurf beibehalten und
schließlich durch einen andern Umschlag ersetzt.
Kann man diesen Zustand bedauern? Ich glaube
kaum — trotz aller Freude über jede Vergrößerung
des Arbeitsfeldes für den graphischen Künstler. Man
bedenke folgendes: Der Deckel ist für die Interessen
der Zeitschrift nur eine Nebensache, er ist Fassade,
die allerdings nicht schmucklos sein soll. Jeder
übermäßige Aufwand an dieser Stelle bei einem
1 Als zeitliche Wendepunkte kann man das Auftreten
Rousseaus und anderseits Ruskins und Morris annehmen,
eine Entwicklungskurve, die sich für alle Gebiete der Buch¬
ausstattung nachweisen läßt.
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ähnliche deutsche Organ: Amsler&RuthardtsWochen-
berichte ging im Jahre 1895 ein. Da entstanden in
Darmstadt die Deutsche Kunst und Dekoration, in
München die Dekorative Kunst, in Leipzig die See-
mannschen Zeitschriften. Sie mußten nicht allein die
Freunde des Studio erringen, sondern auch beständig
den Interessenkreis für ihre Bestrebungen erweitern.
Sie mußten für sich und ihr ideales Ziel werben. So
zeigte sich jedes Heft in einem andern verlockenden
Gewände, jeden Monat wurde das Publikum aufs neue
überrascht. Künstler, deren Namen wir heute nur mit
Hochachtung und Verehrung aussprechen, zeichneten
die Titelblätter. Es ist weder meine Aufgabe noch
meine Absicht, diese Arbeiten mit einem mehr oder
minder großen Geschick hier kritisch durchzuhecheln;
wer sich ernsthaft dafür interessiert, wird sie zu finden
wissen. Nach einigen Jahren bemerken wir, wie sich
diese Gründungen durchgesetzt haben, wie sie reser¬
vierter werden, auf ihr Stammpublikum rechnen und
nun auch äußerlich den einen Titelentwurf jahrelang
beibehalten. Das gleiche Spiel gleitet noch einmal
an unsern Augen vorüber bei der Düsseldorfer Zeit¬
schrift Die Rheinlande und der Berliner Monats¬
schrift Kunst und Künstler, die in dem schönen
Entwurf von Constantion Somoff ihr festes Gewand
gefunden hat.
Der Pan war auf eine andre Basis gestellt und
konnte von vornherein mit dem Titelentwurf von Stuck
erscheinen.
Die größten Aufwendungen für Titelschmuck
machen scheinbar die englischen und amerikani¬
schen weekly, monthly und quarterly magazines,
die nun bei uns in der Arena ein Seitenstück ge¬
funden haben. Auf dem Deckel steht hier nicht
ein Ornament, sondern ein selbständiges Bild.
Die Anstrengungen, die gemacht werden, sind im
ganzen genommen wirklich anerkennenswert. In
einem Falle — es ist dies die italienische Zeit¬
schrift La Lettura — sind sie sogar staunens¬
wert. Das einzig Originale und Wertvolle an dieser
Zeitschrift ist nämlich — der Umschlag. Außer
den ersten Artikeln ist jedes Heft eine bunte
Zusammenstellung von Aufsätzen, die in Deutsch¬
land, Frankreich oder England erschienen sind.
Der Herausgeber erwirbt um ein Billiges die Kli¬
schees, läßt den Text übersetzen und bindet um
das Ganze einen schönen Umschlag.
Gegen diese Art der Ausstattung läßt sich im
allgemeinen nur sagen, daß bei der Mehrzahl
dieser Zeitschriften das gewählte Papier als
Schutzhülle durchaus ungeeignet ist und daß die
Entwürfe gerade in den letzten Jahren nicht über
eine anständige Mittelmäßigkeit hinausgekommen
sind. Es muß aber namentlich von den englischen
und amerikanischen Umschlägen anerkannt wer¬
den, daß die Druckausführung nahezu tadellos ist.
Charakteristisch hierfür ist der beigefügte Entwurf
von Tobin für Harper’s Bazar. Bei aller Zartheit
behält dieser Frauenkopf eine gewisse leere Süßlich¬
keit. Aber die Feinheit der Ausführung wird jedes
Kennerauge entzücken. Das deutsche Gegenbeispiel
der Arena besitzt lange nicht diese Vollendung,
obgleich die Heilemannsche Zeichnung künstlerisch
viel wertvoller ist.
Im allgemeinen entspricht diesem Prinzip der Titel¬
ausstattung bei uns mehr die Neigung, ein Bild aus
dem Inhalt auf den Deckel zu setzen, wie dies von
dem Sport im Bild, der Berliner Illustrierten Zeitung
und dem Über Land und Meer bekannt sein wird.
Hier ist einfach die übliche Grenze verrückt, das Titel¬
blatt selbst wird zu einem Teil des Inhaltes und zwar
zu einem besonders hervorragenden. Es wird zum
Auslagefenster, in das der Schriftleiter sein bestes
Stück legt.
Wir sind bei unsern Betrachtungen auf dem besten
Wege zu den Erscheinungen, die auf einen Umschlag
im eigentlichen Sinne überhaupt verzichten, die ihre
intimen Reize ohne weitere Hülle präsentieren. Ich
meine jene Gattung, der die Jugend, Simplicissimus,
Lustige Blätter und fast sämtliche französische Jour¬
nale angehören. Es wäre überflüssig, von dem Wesen
und der Bedeutung der Jugendtitel hier die längst
KLßSM
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Kun5TceweR߀v^aa ns
in müncGCR
Julius Dieiz, Umschlag der Zeitschrift: Kunst und Handwerk
Verlag von R. Oldenbourg, München
420
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PRINCETON UNIVERSITY
VOLUME TWO, NUMBER FOUR
AUGUST 1902
EDINBURGH : OTTO SCHULZE & CO., 20 SOUTH FRJEDERICK STREET.
LONDON» R. BRIMLEY JOHNSON, 8 YORK BUILDINGS, ADELPHI, W.G
J. W. Simpson. Umschlag der Zeitschrift: The Book of Book-Plates
Verlag von Otto Schulze 6* Co., Edinburgh
Emst Heilemann. Umschlag der Zeitschrift: Die Arena
Verlag der Arena Dr. Otto Elsner, Berlin
HARPERS BAZAR
George T.Tobin. Umschlag der Zeitschrift: Harper’s Bazar
Verlag von Harper & Brothers, New York
Cecil Aldir. Umschlag der Zeitschrift: The Poster and Art-Collector
Verlag von Johnson, Riddle, Couchman & Co., London
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
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Zu dem Artikel: Westheim, Der moderne Zeitschriften-Umschlag
Original fro-m
PRINCETON UNIVERSiTY
ä
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MONATSSCHRIFT
FVR DEVT5CHE
ART VND KVM5T
HERAVSQEBER
WILHELM SCHÄFER
VERLAG DER RHEINLANDE
G M B H. DÜSSELDORF
JAHRG. VII
HEFT 1
PREIS DES HEFTES M. 2.-
DES JAHRESABONNEMENTS M. 12.
Franz Müller-Münster. Umschlag der Zeitschrift: Die Schönheit
Verlag der Schönheit, Berlin
V. Cissarz. Umschlag der Zeitschrift: Die Rheinlande
Verlag der Rheinlande G.m.b.H., Düsseldorf
Die Kunstanstalt
fjollerbaum£Scfjnubt
BCRCnT- Tl-ttS- R ein leben 6orftr-Strass«56 j
oberne
!€RCinn(6Reinidt«n6orfir
Steglitze
HJerKstai
G.Belwe. Umschlag der Zeitschrift: Moderne Reklame. Verlag der Steglitzer Werkstatt, Berlin-Steglitz
Zu dem Artikel: Westheim, Der moderne Zeitschriften-Umschlag
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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
Original ffom
PRINCETON UN1VERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
bekannten Tatsachen zu wiederholen. Darüber sind
wir uns wohl einig.
Dagegen möchte ich auf eine andre ArtZeitschriften
aufmerksam machen, die schroff und selbstbewußt
eine Tendenz verfechten und die den Titelentwurf in
den Dienst dieser Bestrebungen stellen, die gewisser¬
maßen ein illustriertes Programm zur Schau tragen.
Als Beispiele seien nur genannt der Sattlersche Ent¬
wurf für die Zeitschrift für Bücherfreunde, der eng¬
lische Connoisseur, die HÖcknersche Zeichnung für
Geschlecht und Gesellschaft und Gulbranssons Titel
für den März (dessen Ausstattung ursprünglich aller¬
dings nicht dem Programm entsprach, das sonst von
Albert Langen verfochten wurde). Besonders charak¬
teristisch erscheint die Schönheit, die in den Titel¬
blättern von Müller-Münster für ihre Tendenz einen
eigenen Stil gefunden hat. Einen ganz vorzüglichen
Umschlag, der jenes stark ausgeprägte Flächengefühl
verrät, das alle Arbeiten der Steglitzer Werkstätten
auszeichnete, hat G.Belwe für die Moderne Reklame
geschaffen. Für diese in den Jahren 1902 und 1903
erschienene Zeitschrift haben fast alle bedeutenden
Berliner Plakatkünstler Entwürfe gezeichnet. Ich er¬
wähne besonders die Arbeiten von Kleukens, Hansen,
Christophe, Schnebel und Bernhard. Ein ganz hervor¬
ragendes lithographisches Kunstwerk ist ferner der
Umschlag von Ceci Aldie für The Poster and Art
Collector. Es gibt wohl nur wenige Zeitschriftentitel,
die man dem zur Seite stellen kann.
Mit leicht begreiflichem Widerwillen erwähne ich
endlich die Buffalo Bill-, Nick Carter- und ähnliche
periodisch erscheinende Hintertreppen- und Detektiv¬
romane. Der Umschlag entspricht hier ganz dem In¬
halt. Die Schandschriften sind mitSchundzeichnungen
versehen. Es ist mir bekannt, daß einer dieser Ver¬
leger einem Zeichner für jeden Titelentwurf 50 Mark
bezahlt. Bedenkt man nun, daß jedes dieser Produkte
in einer Folge von 100 Heften erscheint und rechnet
man die Herstellungskosten hinzu, so zeigt sich, wie
für ein Minimum an Können, Erfindungsgabe und
geistiger Arbeit Riesensummen geopfert werden, die
die untersten Volksschichten aufbringen. Es zeigt
sich, welche Summe der wahren Kunst und den wirk¬
lichen Künstlern fortgesetzt entgehen.
Es bleibt mir nun noch übrig, auf das allerneueste
Produkt eines findigen Journalismus hinzuweisen, auf
die kleinen Heftchen von Unsrer Zeit oder Uzika, die
statt eines Titelblattes eine mehrfarbige Ansichtskarte
feilbieten. Von Kunst ist ja leider hier keine Rede,
sie würde auch nicht mit dem angehefteten Text har¬
monieren, ich notiere nur aus Gewissenhaftigkeit
diese Erscheinung, wobei mich vielleicht der Gedanke
bestimmt, daß später einmal ein Verleger auf diese
Weise wirkliche Kunstblätter, etwa die eben stark
gekauften Reproduktionen alter Meister, vertreiben
könnte.
Dieser ganzen Betrachtungsart ließe sich viel¬
leicht eine Zwischenfrage entgegensetzen — die
Frage nämlich, ob überhaupt eine zeichnerische
C.Somoffy Umschlag der Zeitschrift: Das Theater
Verlag von Bruno Casirer, Berlin
Ausgestaltung des Zeitschriftenumschlages notwen¬
dig sei.
In der Tat, es ist keine Notwendigkeit für die orna¬
mentale Verzierung vorhanden. Man findet wirklich
keinen Entschuldigungsgrund für den Schmuck, es
gilt dafür nur eine Erklärung: seine Schönheit!
Ein Umschlag, der kein zeichnerisches Dekor trägt,
ist deshalb nicht weniger gut und zweckmäßig. Eine
einfache, klare, schöne typographische Anordnung ist
meiner Ansicht nach noch mehr wert als ein schlechtes
Bildchen. Wie angenehm wirken Eckmanns Umschlag
für die Woche oder die von Behrens entworfenen Titel
für die Kunst und das Frankfurter Freie Wort! Die
gute typographische Ausgestaltung ist überhaupt das
Wichtigste, das Allerwichtigste. Hier gibt es bis jetzt
nichts als Ansätze, als tastende Versuche. Die beiden
früher genannten Satzumschläge sind leider noch Aus¬
nahmen. Eine klare Satzanordnung trägt ferner das
Christliche Kunstblatt. Der Umschlag für die photo¬
graphische Rundschau wäre ganz vorzüglich ohne die
unterste Reihengruppe, die durch ihre kleine, fast
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE =±
Mitteilungen
des WttrttemDergifdien
Kunflgemerßenereins
Stuttgart
0 0 0 0
3afirgang 1906/07
Doppellieft I und 2
0 0 0 0
□ □ KommlfBonsceflag von 3IUg a Müller ln Göppingen □ □
In Satz hergestellter Umschlag. Satzherstellung und
Kommissionsverlag von Illig & Müller, Göppingen
unleserliche Schrift den schönen Gesamteindruck
beeinträchtigt. Eine bemerkenswerte Anregung bietet
die besondere und eigenartige Betonung des Inhalts¬
verzeichnisses auf dem Deckel der Zeitschrift Het
Huis; leider ist für dieses gut gruppierte Blatt eine
unklare Type benutzt worden (mit Ausnahme des In¬
haltsverzeichnisses). Mit besondrer Vorliebe wählen
in letzter Zeit viele englische Zeitschriften ein recht
unbeholfenes Schriftmaterial, was den Reiz ihrer viel¬
fach musterhaften Satzanordnungen stark beein¬
trächtigt.
Es ließe sich wohl noch ein Dutzend guter Satz¬
umschläge aufzählen, aber die Mehrzahl ist minder¬
wertig. Und eine durchgreifende Änderung ist kaum
zu erwarten, solange in unsern Druckereien — als
Leiter und als Ausführende — noch zu viel Hand¬
werker statt Künstler, oder, sagen wir, denkende,
selbsttätige Geister wirken.
Die zahllosen Fachzeitschriften jeder Richtung —
auch manche graphische — würden dann ein ganz
andres Aussehen erhalten.
Nachdem hier versucht wurde, in breit ausladen¬
den Umrissen die Erscheinungsformen der Zeit¬
schriftentitel zu deuten, wird man vielleicht eine Be¬
sprechung der Künstler erwarten, die sich auf unserm
besonderen Gebiete hervorgetan haben. Es wäre dies
eine müßige, tändelnde Spielerei. Denn es gibt keinen
Künstler, der sich in erster Linie diesem Zweige der
graphischen Kunst gewidmet hätte, der von hier aus
zu betrachten und zu bewerten wäre. Diese Arbeiten
gehören als Teile, zuweilen als recht wertvolle Teile
in das Oeuvre ihrer Gestalter. Eine solcheZusammen-
stellung ergibt ein recht dankenswertes Feuilleton,
sie ist vielleicht auch ein unterhaltsames Vergnügen
für einen verregneten Sonntagnachmittag. Hier ist
der Raum zu kostbar für solche platonische Versuche.
Jeder Katalog einer größeren öffentlichen Bibliothek
ermöglicht übrigens eine nähere Orientierung.
Es kam in der Tat weniger darauf an, Einzelleistungen
zu registrieren als die leitenden Gesichtspunkte zu¬
sammenzufassen. Und derZeitschriftenumschlag ver¬
dient unsere volle Beachtung. Mit einem graphi¬
schen Kunstwerk versehen, könnte er die Gebildeten
entzücken und die breiten Massen zu dieser Freude
am Schönen erziehen helfen. Durch die Zeitschrift
könnte die künstlerische Leistung vielen unter die
Augen geschmuggelt werden, denen die zauberhafte
Poesie der Formen- und Farbensprache noch unver¬
ständlich geblieben ist. Das Unbedeutende erhält in
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BELFABRIEK. vJh. H. C
ECKHART TE ROTTER¬
DAM.343
IL BLOEMEN EN VAZEN,
Dr. Willem Vogelsang 363
III. IETS OVER DE SCHIL-
DERACHTIGHEIDONZER
OUDE BINNENHUIZEN,
Dr. W. Martin .385
IV. NED. DORPS KERKJ ES,
Jan Kale ..305
V. DE GRtFFlOEN, A. Pit.
.403
VI. TOELICHTING BIJ
DF. PLATEN.411
VII. ADVERTENTIEN. 421
In Satz bergestellter Umschlag. Satz und Verlag von Ed. Cuypers, Amsterdam
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
dieser tausendfältigen Verbreitung eine bedeutsame
Wirkungskraft; langsam und allmählich führen auch
die kleinen Umwege zu dem einen großen Ziel. Jede
Förderung der Kunst aber bedeutet eine Aufhöhung
des Kulturniveaus, eine Mehrung der Daseinswerte.
Deshalb sei der ideale Gedanke, der die bedruck¬
ten Zeilen durchpulst, mit dem idealen Vor—bild
versehen!
Vom Satz mathematischer Formeln
Von WILHELM HELLWIG, Leipzig.
IE jüngsten Erörterungen über Formelsatz
haben von neuem dargetan, welche Schwie¬
rigkeiten es mit sich bringt, wenn der Setzer,
der nun einmal der Wissenschaft Geburtshelfer¬
dienste leisten muß, in diese Wissenschaft zu wenig
Einblick hat, der Verfasser dagegen, weil ihm wieder¬
um die Feinheiten der Satztechnik unbekannt sind,
mit seinen Anforderungen nicht immer in den Gren¬
zen der Ausführungsmöglichkeit bleibt.
Der vorliegende Aufsatz kann auf jene Erörterun¬
gen allerdings nur nebenbei Bezug nehmen, da er
als Fortsetzung der in Heft 7 erschienenen Arbeit
über chemische Formeln geplant war und fast ab¬
geschlossen vorlag, als die mathematischen Formeln
das allgemeine Interesse wieder erweckten. Keines¬
falls können diese Zeilen etwa als eine elementare
Anleitung zum mathematischen Satz betrachtet wer¬
den, sondern sie bilden nur einen Nachtrag hierzu,
der bloß einzelnes in den Kreis seiner Betrachtung
zieht, und nicht auf all die bekannten Grundregeln
des Formelsatzes einzugehen braucht, die ausführlich
in den Lehrbüchern behandelt sind. Vor allem sollen
hier also üble Gepflogenheiten und Mißverständnisse
ihre Würdigung finden, die als Ursache fehlerhafter
und unschöner Satzausführung anzusehen sind.
In den weitaus meisten Fällen, wo sich die Autoren
beschweren, ihre Formeln seien nicht sachgemäß ab¬
gesetzt worden, tragen sie bekanntlich selbst den
größten Teil der Schuld, indem vor allem ihr Manu¬
skript die nötige Übersichtlichkeit vermissen läßt.
Gerade bei den Formeln bemühen sich diese Herren
oft herzlich wenig, auch nur die Linie beim Schrei¬
ben einzuhalten, so daß der Setzer eben nicht weiß,
ob er z. B. Ax oder A x setzen soll usw. Auch die
Handschrift läßt vielfach zu wünschen übrig. Da ist
ein E nicht von einem 6, ein w nicht von einem co,
das Y nicht vom ebensogroß und in gleicher Form
geschriebenen y, ein cp nicht von einem S zu unter¬
scheiden! Der Setzer kann aber wohl oder übel nur
setzen, was sich seiner Meinung nach herauslesen
läßt, — gleichviel ob dies nun sinngemäß ist oder
nicht. Ja, es muß sogar anerkannt werden, daß es
verhältnismäßig viele ziemlich findige Setzer gibt,
die auch bei den schlechtesten Manuskripten noch
recht brauchbaren Satz liefern.
Auch die mit der Schreibmaschine hergestellten
Manuskripte sind nicht frei von Unzuverlässigkeiten;
beim mathematischen Satz ist es — abgesehen von
den unberichtigten Verlesungen des Abschreibers —
besonders unzweckmäßig,wenn versucht wird, Brüche,
Indizes usw. in Maschinenschrift wiederzugeben, statt
diese Dinge in entsprechender Größe und richtiger
Anordnung handschriftlich nachzutragen, und den
Setzer nicht durch eine nur scheinbare Deutlichkeit
des Manuskriptes erst irrezuleiten.
Selbstverständlich ist es mit gutem Manuskript
allein nicht getan, eine Druckerei muß vielmehr auch
auf solche Arbeiten eingerichtet sein und der Setzer
nicht bloß die Technik beherrschen, sondern auch
derartige Manuskripte zu lesen verstehen.
Zur vorteilhaften Herstellung von mathematischem
Satz gehören darum vor allem:
1. Die mathematischen Zeichen in zweckmäßiger
Form und allen nötigen Größen.
2. Schrift in genügender Menge, um nicht nach
kurzem schon algebraische Buchstaben usw.
blockieren zu müssen, — denn beim Deblockie-
ren unterlaufen leicht Fehler, die später nicht
bemerkt werden.
3. Systematische Linien in allen üblichen Längen;
in besonders reichem Maße aber die kleineren
Stücke, und zwar: in Linienkästen geordnet.
4. Systematischer Ausschluß, gleichfalls in einem
besonderen Kasten systematisch geordnet.
Dies alles muß nicht nur vorhanden, sondern auch
bequem zur Hand sein, um dem Setzer keinen Ent¬
schuldigungsgrund für regelwidrige Satzausführung
zu geben, — dann kann man auch verlangen, daß
seine Formeln sich drucken lassen und nicht beim
Schließen sich ineinander schieben oder die Buch¬
staben an der Walze hängen bleiben.
Ob dem Setzer, der sonst nichts von Mathematik
versteht, durch eine der zahlreichen Formelsamm¬
lungen das Verständnis erschlossen werden kann,
mag hier unerörtert bleiben, ebenso ob diese Samm¬
lungen ohne Einschränkung als Muster für den Satz
dienen können, — schaden wird die eingehende Prü¬
fung eines solchen Buches aber sicher keinem, und
es mögen darum einige genannt sein: Chr. J. Deter,
Mathematisches Formelbuch (Halbleinwandband
M 1.25); W. Ligowski, Taschenbuch der Mathematik
(Tafeln und Formeln, Leinwand M 2.80); endlich aus
der Sammlung Göschen die mathematische Formel¬
sammlung von Prof. *0. Th. Bürklen (gebunden
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
80 Pf.). Auch das Konversationslexikon gibt über
alle mathematischen Fragen Auskunft, nur werden
auch hier leider fast überall zu viel Vorkenntnisse
vorausgesetzt.
* *
*
Die Schriftenrvahl.
Als Grundschrift wird für mathematische und tech¬
nologische Werke jetzt gewöhnlich die Antiqua ge¬
wählt. Die meisten Verfasser und Verleger ziehen
in diesem Falle vor, die algebraischen Buchstaben
aus Kursiv setzen zu lassen, weil hierdurch das Ganze
wesentlich an Übersichtlichkeit gewinnt. Nicht gleich¬
zustellen mit den algebraischen Buchstaben (also
nicht Kursiv, sondern Antiqua zu setzen) sind die
Kürzungen für Maße und Gewichte, sowie einige an¬
dre, die später noch genannt werden. Bei Fraktur¬
satz liegt es näher, für die algebraischen Buchstaben
die Antiqua anzuwenden, nicht Kursiv, wie dies zu¬
weilen geschieht.
Ganz unerläßlich ist es auch, eine Nonpareille
Griechisch bereit zu haben, denn nur zu oft bedarf
man ihrer für Indices oder Exponenten — und wenn
eine Druckerei versucht, sich hier mit größeren Gra¬
den, vielleicht Petit, behelfen zu können (e? statt e^),
so werden dies schon die meisten Autoren zurück¬
weisen, abgesehen davon, daß es eben falsch ist.
Fettschriften werden für die Formeln selbst sel¬
tener gebraucht; immerhin kommt auch dies vor.
Sollen ganze Formeln durch Fettschrift hervorgehoben
werden, so sind ordnungsgemäß nicht bloß die gerade
passend vorhandenen Buchstaben und Ziffern, son¬
dern auch alle mathematischen Zeichen, Indexbuch¬
staben usw. mit fett zu setzen. Anstellige Setzer ver¬
schaffen sich kurzerhand fehlende Buchstaben (aus
fetter Griechisch, Nonpareille Kursiv usw.) durch
Reiben der Bildseite einer gewöhnlichen Type auf
einer Schließplatte, doch ist das Ergebnis oftmals
schauderhaft und beleidigt jedes normal empfindende
Auge.
Was die Griechisch betrifft, so ist in den gewöhn¬
lichen Schnitten meistens das a nicht deutlich genug
vom Kursiv-a unterschieden, weshalb in vielen Druk-
kereien mindestens ein für mathematischen Satz be¬
stimmtes besonderes ct mit scharf sich schneidenden
Hasten vorhanden ist.
Auszeichnung durch Kursiv . In der Anwendung der
Kursiv ist Vorsicht zu empfehlen, denn nicht jeder
einzeln stehende Buchstabe ist ohne weiteres als al¬
gebraischer Buchstabe anzusehen, wie schon die be¬
kannten Kürzungen m g 1 usw. dartun.
Von den weniger bekannten, in technologischen
und anderen wissenschaftlichen Werken vorkom¬
menden Abkürzungen von Maßen usw., die nicht
Kursiv zu setzen sind, führen besonders alle die irre,
die gewöhnlich ohne Punkt geschrieben werden, wie
at (Atmosphären), t (Tonne), was allerdings ein ander¬
mal auch „Temperatur“ oder „Zeit“ („tempus“) be¬
deuten kann. Hierher gehören ferner: A (Ampere),
AR (Rektascension, astr.), AW (Amperewindungen),
EK (elektromotorische Kraft), HE (Hefnereinheit, bei
der Lichtstärkemessung), HP (Horsepower=Pferde¬
stärke), KL (Kraftlinien), KW (Kilowatt), LW (Lei¬
tungswiderstand), MF (Magnetfeld oder Magnetfluß),
MK (magnetomotorische Kraft), NK (Normalkerzen),
PS (Pferdestärken), V (Volt, das Maß für die elek¬
trische Spannung, Einheit der elektromotorischen
Kraft), W (Watt, Einheit der elektrischen Arbeit),
WE (Wärmeeinheit), WS (Wattstunde) und viele an¬
dre, deren Charakter (ob Maßbezeichnung oder al¬
gebraischer Buchstabe) der Setzer eben nur durch
aufmerksames Lesen des Manuskriptes ergründen
kann. Wenn gar noch Formen wie PSi und PS e (für
indizierte und effektive Pferdestärke) gebraucht wer¬
den, so ist es verzeihlich, wenn der Setzer hierin al¬
gebraische Buchstaben zu sehen glaubt.
Von mathematischen Ausdrücken, die nicht Kursiv
zu setzen sind und immer in abgekürzter Form (ohne
Punkt) angewendet werden, sind die hauptsächlich¬
sten: arc (Bogen), arc tg (Bogentangente), const (mit
c zu schreiben, da lateinisch „constans“ zu denken),
cos (Kosinus), cosec (Kosekante), ctg, cotg (Kotan-
gente), lim (limes = Grenze, z. B. der Grenzwert des
Differenzenquotienten), lg, log (Logarithmus), log nat
(natürlicher Logarithmus), max (maximal), min (mi¬
nimal), sec (Sekante), sin (Sinus), tg, tang (Tangente).
Als veraltete, selten noch vorkommende sind cos
vers (cosinus versus, Querkosinus) und sin vers (si-
nus versus, Quersinus) zu nennen.
Auch die oft hochgestellten Kürzungen h m s für
Stunden, Minuten, Sekunden gehören noch hierher.
Algebraische Buchstaben .
Die Schwierigkeiten für den Setzer bestehen aber
nicht allein darin herauszufinden, was er Kursiv zu
setzen hat, sondern bei den meistens wenig kalli¬
graphisch geschriebenen Manuskripten ist es ein noch
größeres Kunststück, die algebraischen Buchstaben
selbst richtig zu erkennen. Was nützt es dem Setzer,
wenn er weiß, daß Punkte im allgemeinen mit großen
lateinischen, Winkel mit kleinen griechischen Buch¬
staben bezeichnet werden, oder daß m n gegebene
Größen, x y z unbekannte und a b c unbestimmte
Größen sind, r den Halbmesser (radius), e die Grund¬
zahl der natürlichen Logarithmen, / Funktion, /' ab¬
geleitete Funktion usw. bedeuten? Bei dem weiten
Anwendungsgebiet der mathematischen Formel in
allen Zweigen der exakten Wissenschaften und bei
der sich hieraus ergebenden Mannigfaltigkeit und
Verschiedenheit in der Bezeichnung der Rechnungs¬
elemente kann der Setzer ja gar nicht beurteilen,
welche Möglichkeit für das Vorkommen des einen
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PRINCETON UNtVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
oder andern Buchstaben gegeben ist, zumal ihre Be¬
deutung je nach Lage des Falles wechseln kann, und
in der Tat wechselt.
Nur wenige Autoren sind so vernünftig einzusehen,
daß für den Setzer das Manuskript zu einem mathe¬
matischen Werke nichts als ein Gewirr toter Buch¬
staben ist, und sie kommen dem Verständnis von
vornherein durch Aufstellung eines Verzeichnisses
der vorkommenden Formelbuchstaben oder, wo nötig,
durch eine erklärende Notiz auf dem Rande des Manu¬
skripts entgegen. Mitunter ist ein solches Verzeichnis
einem Kapitel oder Abschnitt schon im Interesse des
Buchbenutzers vorangestellt oder es finden sich im
Text hier und da zerstreut erklärende Bemerkungen,
die der Setzer aber auch aufmerksam beachten sollte,
da sie ihm eine halbwegs sichere Handhabe bieten.
Es heißt da z. B.: Widerstand w y Widerstand des An¬
kers Tv ay Eisenverlust V e> Verlust der Magnetwick¬
lung V my Reibungsverlust V r usw. Hier ist leicht zu
erkennen, daß kein co , sondern ein w (Widerstand)
vorliegt, ebenso daß der Index bei V r ein r, kein grie¬
chisches v usw. sein soll (denn es entspricht der Be¬
deutung Reibung) usw. Zuweilen ist auch die Beur¬
teilung von Formelbuchstaben auf Umwegen möglich,
so wenn der Verfasser für seine Bezeichnungen die
lateinische Sprache wählt, z. B. v Geschwindigkeit
(= lat. velocitas), wo also ein v, kein griechisches v
vorliegt. Oder es sind griechische Anfangsbuchstaben
gewählt, z. B.: q für Radius der Krümmung oder
Reibungskoeffizient, z/ für Determinante, Differenz,
Entfernung (distantia) usw.; in letzterem Fall also
nicht A sondern J.
Die Fähigkeit des Setzers, derartige Beziehungen
der in den Berechnungen vorkommenden Buchstaben
mit dem im Text behandelten Stoff zu finden, ist viel
wertvoller als die Kenntnis einzelner feststehender
Bedeutungen algebraischer Buchstaben, z. B. daß i
(imaginäre Einheit) die Quadratwurzel aus —1 ist,
was ihm ja aus dem Kommersbuch bekannt sein
könnte, wo es heißt:
„Die Wurzel aus minus 1 setzt man gleich i,
Doch der Inhalt des Kreises ist r 2 [rQuadrat] /r.“
Damit soll natürlich nicht gesagt sein, daß die Be¬
kanntschaft mit mathematischen Tatsachen und der
gebräuchlichen Ausdrucksweise nicht nützlich sein
könnte — leider wird man sie aber beim Setzer nur
selten antreffen können, denn auf seiner Volksschule
lernt er davon nichts oder wenig, und wenn er höhere
Schulbildung besitzt, bleibt er gewöhnlich nichtSetzer,
wenn er’s überhaupt wird.
Mathematische Zeichen.
Es ist vielleicht nicht überflüssig, auf die mathe¬
matischen Zeichen etwas näher einzugehen, wenn es
auch einer Erklärung der gewöhnlichen Operations¬
und Beziehungszeichen (- \ X • : und = <> S
usw.) hier wohl kaum bedarf. Hinsichtlich ihrer Form
und Größe ist jedoch zu bemerken, daß sie darin
nicht immer allen berechtigten Anforderungen ent¬
sprechen. So sind ihrer manche etwas zu groß und
treten dadurch vor den nebenstehenden Buchstaben
viel zu sehr hervor; oder sie sind zu fett, wie manche
Integral-, Wurzel- und Summenzeichen, Klammern
und Parenthesen, und wirken dann geradezu auf¬
dringlich. Manche Gießereien haben darum diese
letzteren Zeichen auch in mageren Schnitten zur
Auswahl, oder liefern sie überhaupt nur in zweck¬
entsprechenden Formen.
X -J-= usw. sollten nie die ganze Oberfläche
des Buchstabenkopfes bis zum äußersten Rand in
Anspruch nehmen, sondern etwas zierlicher aus¬
gestaltet werden, etwa so, daß sie mit den Buchstaben
mit Oberlänge gut zusammenstimmen: X H-=.
Sind gar dz und zp nicht vorhanden, so wird ihre
Zusammensetzung aus solch einem großen Plus¬
zeichen -J- und feiner Linie besonders unbeholfen
aussehen: a b, b -f- c statt a dz b, b zp c.
Überhaupt wird beim Zusammensetzen nicht vor¬
handener Zeichen viel gesündigt. Das Zeichen =
(„größer, gleich oder kleiner“) darf darum nicht etwa
aus < und > auf vollen Kegel zusammengesetzt
werden, so daß es neun oder gar elf Viertelpetit
hoch wird: «.^1, sondern es müssen zu diesem
Zwecke entsprechende Stücke (vielleicht auf Non¬
pareillestärke) zur Hand sein, wodurch das Ganze
auf sieben Viertelpetit unterzubringen ist. In man¬
chen Druckereien gibt es unterschnittene <>Zeichen,
die sich sehr vorteilhaft zu bzw. ^ zusammen¬
setzen lassen. Das Beste werden aber doch immer
die in ein Stück gegossenen Zeichen sein, und haben
ja auch die Gießereien die verschiedenen Kombi¬
nationen wenigstens auf Petit und Korpus vorrätig. —
Im allgemeinen werden die Formen ^ ^ S vor
< ^ ^ ^ vorgezogen.
Das Kongruenzzeichen = sollte erst recht in kei¬
ner Werkdruckerei fehlen, wenigstens wenn nicht
auch der Teil ^ passend (vielleicht auf Halbpetit¬
stärke) vorhanden ist; die Zusammensetzung eines
S mit der Doppelfeinen gibt meistens ein abscheu¬
liches (übrigens unrichtiges) Bild: Allerdings ist
ja das (= ähnlich) auf ein S (= lat. similis) zu¬
rückzuführen, aber es muß mit der Tatsache gerech¬
net werden, daß die heute übliche Gestalt der Zei¬
chen ~ und ~ nur das Spiegelbild eines S' zeigt.
Der Setzer muß immer, wenn er dieses oder jenes
Zeichen einmal zusammensetzt, mit dem nötigen
Verständnis verfahren und solche Noterzeugnisse
dem übrigen Material anpassen, so daß sie weder
unbeholfen aussehen noch etwa unverständlich sind.
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Es gibt überdies nur wenige, die dies zulassen, wie
-r- -K- □ _L V 0 oo (liegende 8), = (identisch
gleich), || (nicht mit Bruchstrichen //). Das rich¬
tige ist natürlich stets, von vornherein alle gewöhn¬
lich zum mathematischen Satz (Arithmetik, Algebra
usf. bis zur höheren Analysis) gebrauchten Zeichen
in einem Schnitt anzuschaffen, damit später nicht
alle möglichen Formen durcheinander verwendet
werden müssen, wie dies die Folge ist, wenn immer
nur einzelnes mit Rücksicht auf die verschiedensten
Wünsche der Besteller nachbestellt wird.
Als Multiplikationspunkte können gewöhnliche
Punkte verwendet werden: a.b.c , doch sind viel¬
fach sogenannte „auf Mitte stehende“ Punkte in Ge¬
brauch ( abc ), die zuweilen auf Halbgeviert ge¬
gossen sind, also ohne besonderen Zwischenraum
versetzt werden müssen; besser ist es aber, diese
Punkte nur auf Viertelpetitbreite zu gießen, weil der
Zwischenraum doch auch beim Formelsatz nicht so
etwas unbedingt Feststehendes ist und zuweilen
auch bei die Zeile füllenden Formeln vermindert
werden muß usw.
Einige allgemeine Satzregeln .
Von den allgemeinen Satzregeln wird von Neu¬
lingen und sonstigen Uneingeweihten immer wieder
die erste vernachlässigt, daß im Formelsatz bei den
mathematischen Zeichen nur ein Viertelgeviert, höch¬
stens ein Dreipunktspatium zu setzen ist. Dies gilt
aber auch beim Minuszeichen, wo anderseits manche
Setzer den Zwischenraum gern ganz weglassen: a—b
statt richtig a — b usw. Zwischen aufeinanderfol¬
gende algebraische Buchstaben gehört ein feines
Spatium, aber auch nur ein solches: ab , xcpy . Der
Exponent muß sich unmittelbar an die Basis anfügen,
ebenso der Index: ö m , / 2 , /, a„, x 0 usw.
Für Notenhinweise empfiehlt sich besser das Stern¬
chen, da die Verwendung der Ziffer leicht zu Mi߬
verständnissen führen kann oder doch die Übersicht
erschwert: q = y + 0/c 2 ) statt q = y + Ok**).
Werden die Gleichungen numeriert, so sind diese
Zahlen in Parenthesen zu setzen und nach rechts bis
zum Rande auszuschließen, oder höchstens ein Ge¬
viert einzurücken; Auspunktieren ist nicht nötig:
a x+p a x+q __ Jjx+m _|_ Jyx+n ( j 2)
Einzelne Formelzeilen werden auf die Mitte der
Zeile ausgeschlossen; stehen aber mehrere Formel¬
zeilen in Beziehung zueinander, wie dies beispiels¬
weise bei Gleichungen öfter vorkommt, so werden sie
derart untereinander gestellt, daß ein maßgebendes
mathematisches Zeichen, in diesem Falle also der
Gleichheitsstrich, in gerader Richtung untereinander
zu stehen kommt:
i sin ö = sin h sin cp — cos h cos cp cos a
cos ö sin t — cos h sin a
(cos d cos t = sin h cos cp 4 - cos h sin cp cos a).
In ähnlicher Weise muß überall verfahren werden,
wo es auf eine übersichtliche Gruppierung ankommt,
z.B:
<*)
a n — l n 12 0j 3
0j 2 022 — ^ 023
013 a 2 3 033 — A
= 0 .
Nach demselben Grundsatz ist zu handeln, wenn
Formeln gebrochen werden müssen. Vor allem darf
dies nur vor einem Gleichheitsstrich oder den haupt¬
sächlichsten Verknüpfungszeichen H- äz gesche¬
hen; die Zeichen selbst werden zu dem abgetrennten
Teil gezogen, nur auf besonderes Verlangen eines
Verfassers sind sie auch am Schluß des ersten Teiles
der Formel zu setzen, jedenfalls aber auf der neuen
Zeile zu wiederholen. Das den abgetrennten Formel¬
teil beginnende Zeichen wird unter ein gleichartiges
Zeichen des ersten Teiles gesetzt, z. B.:
a n x\x + a n (xyi + xy ( ) + a«yiy + + *)
+ <jj3 (yi + y) + a n = 0 .
In Parenthesen oder Klammern zusammengefaßte
Formelglieder dürfen nicht getrennt werden, es ist
gegebenenfalls eher das Format zu überschreiten, d. h.
die Zeile breiter zu setzen, oder durch Beseitigung
der Zwischenräume der betreffende Formelteil mehr
zusammenzudrängen:
— (a u + Oa + 033 )
V+ (a.,0* + a^a a + a„a n — a’„ — a\, — a’J
* — (A, i a^a a +2a u a a a a —a, l d a —(L a a\—a z ,a\^=0.
In manchen Druckereien wird es zwar zugelassen,
mehrfach eingeschlossene Formelglieder zu trennen,
doch verwerfen die meisten Fachmänner auch dieses,
so daß beispielsweise in nachfolgender Formel der
in {} eingeschlossene Teil untrennbar sein würde:
J= — \ kir 2 sin(r/> 2 — <jPi) 4- r 2 r 3 sin(f j p, — r/> 2 )
+ r s Ji sin(<-/>! —(p)\.
In der Praxis wird man wohl hier und da aus der
Not eine Tugend machen müssen und solche Tren¬
nungen zulassen, das hindert aber nicht, es als grund¬
sätzlich falsch anzusehen.
Interpunktion. — Es ist nicht die geringste Ursache,
hinter Formeln die Interpunktion wegzulassen, denn
hier kann sicher nicht davon die Rede sein, daß ein
Punkt oder Komma etwa die Harmonie stören könne,
und zu einer im übrigen exakten Ausführung gehört
auch richtige Interpunktion, abgesehen davon, daß
durch ihren Mangel mitunterdas Verständniserschwert
wird. Zu beachten ist aber das sonst verpönte „Spatium
vor dem Komma“ — hier ist es am rechten Platze,
nicht nur vor Komma, sondern eigentlich auch vor
dem Punkt:
tg-2'=COS ß + Yn.
Über den Schlußpunkt nach doppelzeiligen Brüchen
ist man noch nicht ganz einig; für richtig muß wohl
der gewöhnliche Punkt angesehen werden, z. B.:
x 0 y 0 = . Trotzdem bedient man sich in Wirklich-
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keit ln solchem Falle doch meistens des Multipli¬
kationspunktes: x^y 0 = ^ •
Brüche und gebrochene Größen .
Autoren, die für eine gute typographische Ausstat¬
tung ein geübtes Auge haben, verlangen im allge¬
meinen die als Brüche erscheinenden Formelglieder
einen Grad kleiner als die Hauptzeile der Formel,
mit der wohl unanfechtbaren Begründung, daß die
Teile eines gebrochenen Gliedes (also Zähler und
Nenner des Bruches) nicht ebendenselben Schriftgrad
beanspruchen können wie die Ganzen. Die schwer¬
fällige Breitspurigkeit umfänglicher Brüche, die aus
der gleichen Schrift wie die Grundzeile gesetzt sind,
wird ja auch ein feinfühliges Buchdruckerauge emp¬
finden, man vergleiche:
cos« = — cosß
o — ß o — y
tg 2 ~ tg ~~2
o o — a
tg T tg - 2 -
+ sinß siny
11,032 -
ft
= 11,032.
-Ri nicht aber £ Pr
Schulrechenbüchern bei reinem Ziffernsatz zuweilen
so gesetzt werden, daß der Schrägstrich im Bruch
des Nenners oder des Zählers zur Anwendung kommt
( 4 tyo 4/ 5 2/a 1 \
-g- -g- 3 ^ — im übrigen ist dies aber nicht zu¬
lässig, am wenigsten bei Buchstabenrechnung; man
setzt also:
_1 _!_
/(x)-g>(x) = - * - g -- y ,
/(*) v W
Es ist wohl selbstverständlich, daß die Grundzeile
gemäß dem Verlaufe der Bruchlinie unterlegt werden
muß, nicht aber in die Mitte der gesamten Höhe des
Bruches ausgeschlossen werden darf, also:
r 3 = r 3
, nicht aber
r 3 ' = r 3 2
*g 2 ~ t® 2
cos a = — cos ß -—-h sin ß sin y
Und noch etwas auffälliger in folgendem Beispiele:
Sodann ist eine der ersten Regeln, daß der Bruch¬
strich stets ivagerechty nie schräg verlaufen soll, also
~R- f R-^R-- nicht V»Ä-V*Ä-V»Ä---
172 1.2.3 ^- nicht Vt-2 + Vl.2‘3 + •' •
Gleichwertige Formelglieder erfordern auch die
gleiche Schriftgröße. So müssen also in Formeln, die
zweizeilige Brüche enthalten, auch die reinen Ziffern¬
brüche zweizeilig gesetzt werden, z. B.:
dx= ~b 2'2'2 Z n,chtaber dx =T "2 •*
Ri usw.,
denn das durch diese typographische Behandlung be¬
dingte Zurücktreten der Ziffernbrüche ist ungerecht¬
fertigt. Voraussetzung ist hierbei freilich, daß die
Formel nicht etwa nach der Art geschrieben ist, wie
man dies zuweilen in Elementarbüchern antrifft, z. B.
\hXg statt - • g (= halbe Höhe X Grundfläche) usw.
Dies hat auch für Bruchbrüche Gültigkeit, die in
Index und Exponent
Wenn mehrere gleichbenannte Größen in einer
Rechnung Vorkommen, so unterscheidet man diese
durch Hinzufügung des bereits von Leibniz in die
Mathematik eingeführten Index (d. h. Anzeiger); dies
ist eine rechts an den algebraischen Buchstaben an¬
gehängte, tiefgestellte Zusatzbezeichnung aus klei¬
nerer Schrift: b x b 2 b 2 ... b n . So sind z. B. Pj P 2 P 3 £ 4
die vier Ecken eines Vierflächs, £ t E 2 £3 £4 die ihnen
gegenüberliegenden Flächen, usw. In solchen Reihen
ein Komma zwischen die einzelnen Glieder zu setzen
<£ 1 , £ 2 , £ 3 , P 4 ), ist nicht nötig, es empfiehlt sich dies
nicht einmal, weil es die Übersichtlichkeit eher er¬
schwert als erhöht.
Es ist wichtig, diese tiefstehenden Ziffern und
Buchstaben aus einer Schriftgröße zu setzen, die sich
durch ihre Kleinheit erheblich von der Grundschrift
unterscheidet, und ihnen eine solche Stellung zu
geben, daß ihre Bedeutung sofort erkennbar ist. Sie
sind darum so auszuschließen, daß der Index unge¬
fähr in seiner Mitte von der Grundlinie des Haupt¬
buchstaben geschnitten wird: /z„. Das läßt sich nun
freilich wegen der verschiedenen Gestalt der Buch¬
staben (je nach Ober- und Unterlänge usw.) nicht
glatt durchführen; um so mehr ist aber von vornherein
bei der Wahl der Schriften darauf zu achten, daß
nicht so unübersichtliche Satzbilder entstehen können
wie qb und ähnliche, wie es bei Anwendung einer
großen Nonpareilleschrift für den Index neben einer
recht kleinen Borgis als Grundschrift Vorkommen
kann. Der Verfasser eines technologischen Lehr¬
buchs bestand in solchem Falle darauf, daß der
Index eine j4c/iteZpetit weiter herunter gerückt werde,
und ließ sich durch keinerlei Gegenvorstellungen
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der Druckerei davon abbringen. Noch weit unan¬
genehmer ist die Erfüllung solcher Bedingungen,
wenn Indexbuchstaben nach Art der tiefstehenden
Bruchziffern, also auf Kegel der Grundschrift ge¬
gossen ( a b c ), verwendet werden. Hier kann die ein¬
zuhaltende Schriftlinie der Indexbuchstaben nicht vor¬
sichtig genug abgewogen werden, ja es wird sich
vielleicht gar nicht mit ein und denselben Indizes für
alle Korpus- und Borgisschriften auskommen lassen,
denn stehen die Indexbuchstaben sehr tief, so hängt
der Index zuweilen zu weit herunter: b , stehen sie
p 7
etwas hoch, so leidet das Satzbild unter der ent¬
gegengesetzten Unannehmlichkeit: q b . Es wird sich
darum nicht immer ganz umgehen lassen, durch pas¬
send unterlegte gewöhnliche Nonpareillebuchstaben
die gewünschte Stellung der Indizes zu erzielen, wo
die eigentlichen Indexbuchstaben nicht genügen; übri¬
gens muß doch schon von vornherein damit gerechnet
werden, daß solche auf Kegel der Grundschrift ge¬
gossene (tiefstehende) Indexbuchstaben neben einer
gewöhnlichen Nonpareille verwendet werden können,
weil die Beschaffenheit mancher Indizes die Ver¬
wendung der Indexbuchstaben nicht zuläßt, z. B.:
fVo (a = ln) •
Eine ähnliche und gleich sorgfältige Behandlung
wie der Index erfordert der Exponent. Dieser zeigt
an, wievielmal eine Größe mit sich selbst multipli¬
ziert werden soll, und wird rechts von dieser (der
Grundzahl oder Basis ) hoch gestellt, z. B. 6 2 heißt
soviel wie 6 X 6 ; oder 6 3 = 6 X 6 X 6 ; oder a 4 =
aXflX flX a (gewöhnlich geschrieben aaaa) usw.
Der Exponent kann aber auch eine negative oder ge¬
brochene Zahl sein und vermag durch größere Kom¬
pliziertheit den Setzer vor ziemlich schwierige Auf¬
gaben zu stellen. Vor allem darf ein aus mehreren
Buchstaben und Zeichen bestehender Exponent nicht
allzu sperrig gesetzt werden: R a + b , also nicht etwa
mit Halbgevierten, sondern es genügen auch bei den
Operationszeichen feine Spatien, denn hierdurch wird
die Zusammengehörigkeit besser zum Ausdruck ge¬
bracht: R a+b . Manche Setzer lassen zwischen den
einzelnen Buchstaben den Zwischenraum überhaupt
wegfallen, doch gibt dies wieder ein gar zu gedrängtes
Aussehen; man vergleiche
= «*<*>W*> U nd [f(x)]'pW = <*>'/<*>.
Der gebrochene Exponent ist eins der größten
Schmerzenskinder des ganzen mathematischen Sat¬
zes. Für ihn müssen meistens viel zu große Typen
verwendet werden, weil eine bessere Anordnung
technisch unausführbar ist. Hierdurch wirkt der Ex¬
ponent mitunter so aufdringlich, daß die Basis da¬
neben ganz verschwindet, wie das folgende Beispiel
der sog. Arrheniusschen Gleichung dartun kann:
K x M (Pi — T<t)
-± = e2 (nr*) •
a 2
f Das richtige Verhältnis würde nach der Theorie
ungefähr erreicht, wenn die Bruchlinie des Expo¬
nenten etwa in der Höhe des Kopfes der Basis ver¬
liefe, und so hat denn im Ernste ein Mathematiker
vorgeschlagen, in solchem Falle die Basis aus einem
größeren Schriftgrad, etwa aus Mittel, zu setzen:
P (7i - Tt)
£2 (TiTt) .
Wie damit aber ein Setzer bei einer komplizierten
Formel zurechtkommen soll, ist nicht zu verstehen,
es sei denn, er setzte die ganze Grundzeile aus der
größeren Schrift, denn andernfalls wird ihm die rich¬
tige Einstellung des einen abweichenden Formel¬
gliedes doch Schwierigkeiten machen, z. B.:
Auch erscheint die Anwendung verschiedener
Schriftgrade für gleichartige Formelglieder nicht rich¬
tig, wie nachfolgendes Beispiel zeigt:
a »=a» =a-n=~ = \a- r =ya r =-^--
an V ar
Dieser Weg scheint also nicht recht gangbar. Da
sich nun aber bei einer Grundschrift auf Korpuskegel
ein gebrochener Exponent aus Nonpareille immer
seiner Basis schwer wird anfügen lassen, bleibt als
einziger anderer Ausweg der, diese Exponenten^ so¬
weit dies ausführbar ist, aus fc/tf/rtererSchriftzu setzen,
und dies ließe sich in einer größeren Druckerei, die
im Besitze kleinerer Schriftgrade (Diamant) ist, schon
bis zu einem gewissen Grade durchführen, wenig¬
stens soweit nur Ziffern und algebraische Buchstaben
in Betracht kommen (Griechisch ausgenommen); es
würde dann hierzu nur der Anschaffung einiger Zei¬
chen (+ =) auf Halbpetitkegel bedürfen. Die obige
Formel bekäme dann folgendes Aussehen und wäre
damit mindestens ebenso übersichtlich, aber bedeu¬
tend ebenmäßiger als bei jener Ausführung mit ein¬
geflickten Typen aus Mittel:
_ r _ - r r t n _ — n _ |
a -= a « =a-” = 7 ==y'a- r = }/a'-= — •
an V ar
Man vergleiche endlich hierzu noch die nachfol¬
genden Satzbilder von umfangreicheren gebrochenen
Exponenten in der üblichen Satzweise aus Nonpareille
und in der vorgeschlagenen aus Diamant:
JL P JL — P. — P. i p.
an: a.q ~ an ~ q a n : a q = a n ~ 9
( L\L L.E ( p.p
yan J q z= an q [a n ) * = <Z" «
und man wird finden, daß der Exponent aus Diamant
bedeutend vorteilhafter „steht“, so daß es sich im
einzelnen Falle doch vielleicht empfiehlt, diese kleine
technische Schwierigkeit in Kauf zu nehmen. Es
bleiben dann nur einige wenige Fälle, denen sich
nicht beikommen läßt, bei welchen aber jede andre
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Ausführung, außer mit einer Basis aus Text oder
Tertia, gleichfalls versagt, z. B.
n+3mn
e .*
Sind Index und Exponent zugleich hinter einem
Buchstaben anzubringen, so soll dies nicht in Neben¬
einanderstellung geschehen (/i 3 oder/ 3 j), sondern
in Ütereinanderstellung: f\. Es müssen also zu die¬
sem Zwecke entsprechende Typen zur Anwendung
kommen. Zwischen Index und Exponent ist womög¬
lich noch ein geringer Zwischenschlag zu legen: also
bei Korpus Grundschrift Exponent und Index auf
Halbpetit, nicht auf Perl, zu setzen, soweit dies aus¬
führbar ist: f\ tH. Die gewöhnlichen gebrochenen
Ziffern, die auf Geviert gegossen sind, eignen sich
nicht so ohne weiteres hierzu, da sie etwas zu viel
Fleisch haben; am zweckmäßigsten sind wirkliche
Diamantziffern, also auf Halbpetit-Halbgeviert gegos¬
sene Ziffern, die sowohl für Petit als Korpus dienen
können und bei mehrstelligen Zahlen kein so sperri¬
ges Satzbild ergeben, vergleiche:
g + y'tz't statt *; 2 + y;* + z;\
Die Verwendung solcher Ziffern empfiehlt sich auch
für gebrochene Exponenten: y* statt y^.
Zu regelrechtem Satz ist ebenfalls erforderlich,
Minutenstriche auf Halbpetit-Halbgeviert zu haben,
da andernfalls die gleichen Unschönheiten in die Er¬
scheinung treten wie bei Verwendung gewöhnlicher
Bruchziffern, z. B. f" x oder f x " statt f x . Beim Vor¬
kommen vieler Striche bekommt die Formel etwas
so Unruhiges, daß tatsächlich der Überblick erschwert
ist, wenn nicht Index und Exponent übereinander
stehen; man vergleiche
fxxf'y - 2 fxyfxfy ±
dX 1 f d y
mit der richtigen Ausführung:
d^ _ q 2 - 2 f xy f’ x f'y + fyytf
dx* f y >
Mehrzeilige Zeichen .
Von den zwei- und mehrzeiligen mathematischen
Zeichen kommen die Wurzel und das Integral am
häufigsten vor; sie müssen auf alle Fälle in den be¬
nötigten Kegelgraden vorhanden sein, während beim
Summenzeichen (2) und dem Zeichen für Produkt
(TT) schon eher von dieser strengen Forderung etwas
nachgelassen wird.
Das Wurzelzeichen ]/, entstanden aus einem kleinen
r (radix = Wurzel), muß das Formelglied, dem es
vorgesetzt ist, nicht nur vollkommen decken, sondern
immer noch eine Viertelpetit höher sein als dieses,
damit die über letzterem verlaufende feine Linie am
Zeichen anschließt:
Die an die Wurzel ansetzende Linie darf ihr Glied
(den Radikand) nicht überschreiten und nicht über
andere Glieder hinwegragen, z. B.:
2 n +1_ 2n +1_.
y a 2n + i _ a , nicht aber ya 2n + l = a.
Enthält in einer Wurzelformel der Radikand wieder¬
um ein Wurzelzeichen, wie dies z. B. in der Car-
danischen Formel, wie nachstehend, der Fall ist, so
muß dieses zweite Wurzelzeichen entsprechend klei¬
ner sein:
Wenn ein Wurzelexponent anzusetzen ist, muß ein
ausgeklinktes Wurzelzeichen verwendet werden, an¬
dernfalls wird das ganze Formelbild gestört, vergl.:
m
1 / n _ mn _ t / n mn
Y |/a —\a , nicht aber \ yä= Va.
Das Integralzeichen ist aus einem S entstanden,
dem Anfangsbuchstaben von „Summe“, da das In¬
tegral gewissermaßen die Summe aller Produkte ist,
eine Größe, die aus ihrem unendlich kleinen Teil
(Differential) berechnet oder wiederhergestellt wird.
Beim „bestimmten Integral“ wird der obere und untere
X
Grenzwert angegeben; es heißt also z. B.: /‘das In-
X »
tegral von x 0 bis x\ das „unbestimmte Integral“ zeigt
keine Angaben der Grenzen.
In seiner Größe richtet sich das Integral nach der
Höhe der zugehörigen Formelglieder:
b i
Lff^ dx
J'e~ x dx — 1
o
xdx
1 ■— x^ = 1 ’
Manche Setzer tun hier des Guten zu viel und ver¬
wenden z. B. auch in einfacher Korpuszeile Integrale
vonText-oder Doppelcicero-Kegel, und verfallen dann
oft, um den vielen leeren Raum etwas auszufüllen,
in den weiteren Fehler, die Grenzwerte neben das
Zeichen zu setzen, statt darunter und darüber:
*
12 2
Icos 2n xdx statt richtig l‘cos 2n xdx.
”o 0
Es ist leicht zu sehen, wie sehr die Übersichtlich¬
keit der Formel hierunter leiden kann.
Der früher zuweilen geübte Brauch, das Integral
so auszuschließen, daß die Bruchlinie gerade aufseine
Mitte zeigt, gleichviel wie hoch der Zähler oder Nenner
des Bruches sich aufbauen, dürfte heute kaum noch
Anhänger haben und entspricht auch keineswegs un-
sern jetzigen Anschauungen von gutem Formelsatz.
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' Man setze also nicht:
c==1 +Ti + il + ii + '‘ ' =lira ( 1 +7)1=0
,im ( 1 +ä m L = o = eI - H* (l+3)] =0 = e
Die Zeichen 2 (Summe) und JT (Produkt) werden
in vielen Druckereien nicht für voll angesehen und
sind in größeren Graden gar nicht vorhanden. In ge¬
wissen Grenzen macht sich der Mangel auch nicht
allzusehr fühlbar, immerhin müssen aber auch diese
Zeichen in entsprechender Große genommen werden,
wenn die Angaben der Grenzwerte hinzukommen, weil
sonst unter Umständen ein unübersichtlicher Knäuel
von Buchstaben entsteht. Man vergleiche
J = (xo + k n [x- JC 0 ])
n=00 0 \ n in
mit der richtigen Ausführung unter Verwendung eines
größeren Summenzeichens:
n —1
J ~ lim y */ usw.
n=00 (j
b\+h+ -+b n =2:bk b l -b i ...b„ = JIbk.
X X
Klammern und Parenthesen sind satztechnisch den
mehrzeiligen Zeichen gleichzustellen, da auch sie sich
bekanntlich nach der Höhe der einzuschließenden
Formelglieder richten. Ihre Funktion besteht darin,
aus mehreren Buchstaben, Ziffern und Zeichen be¬
stehende Formelglieder zusammenzufassen, d. h. ein¬
zuschließen, und zwar in der Reihenfolge {[()]}:
rt— s 2 {e 2 [(l-f- q 2 )r— 2pqs+(\— p 2 ) f] n) ^ + n 4 = 0.
Die Verwendung von Klammern der Form () statt
{} ist im mathematischen Satz unstatthaft. Ebenso
sind die aus Titelschriften entnommenen () und [ ]
meistens zu fett, um im Formelsatz verwendet werden
zu können.
Die Einschlußzeichen sollen bekanntlich nur über
die Höhe der wirklich von ihnen eingeschlossenen
Formelglieder, nicht über die Höhe der in der Formel¬
zeile überhaupt vorkommenden Glieder verlaufen,
z. B:
5 + [(l+ 9 J )r-(l+p 2 )j],
also nicht:
f(x) = + (x — a) usw.
statt
fix) — (+^) + (X — a) usw.
oder
m l — , -—\ ml — ,
y = — \ea+e *) statt y = ^ le* + e */.
Die Anfügung von Exponenten, Angabe von Grenz¬
werten usw. bei Klammern oder Linien, die über
mehrere Formelzeilen verlaufen, ist nach den im
übrigen gültigen Regeln auszuführen:
Jx 4x
=*y= y '
lim Jx = 0 dx J
Va 2 + & 2 = a
(#U\ln)
[dkl
Im vorstehenden dürften die hauptsächlichsten
Möglichkeiten des Formelsatzes berührt worden sein.
Freilich kann der Formelsetzer täglich vor neue Auf¬
gaben gestellt werden, die aber endlich doch alle
nach denselben Gesichtspunkten zu behandeln sind.
Wenn hier auch einiges ausgeführt worden ist,
was den Beifall des Setzerfaktors nicht finden wird,
weil es den Formelsatz noch mehr verteuern könnte,
der den Verlegern jetzt schon viel zu kostspielig er¬
scheint, so muß dies zugestanden werden. Aber nicht
die Buchdrucker sind es ja, die es „anders“ haben
wollen, sondern die Herren Mathematiker sind unzu¬
frieden geworden. Es dürfte aber nicht schwer sein
zu zeigen, daß es um die Fähigkeit des Buchdruckers,
brauchbaren Formelsatz herzustellen, noch nicht gar
so schlimm steht, und daß sich noch manches wird
nach Wunsch machen lassen, wenn es nur verlangt
wird. Die Gelehrten selbst dürften aber nicht so
leicht in der Lage sein, positive satztechnische Vor¬
schläge zu machen, denn wie die Erfahrung lehrt,
sind ihnen die Buchdrucker-Fachausdrücke hierzu
doch nicht geläufig genug, so daß es nur zu Mißver¬
ständnissen führen kann, wenn sie von Perlgevierten
und Petitschrift reden und dabei Halbpetit-Ausschluß
und Nonpareille meinen, usw. Für sie und die Set¬
zerei ist die Hauptsache, daß sie im gegebenen Falle
sich deutlich erklären, so und so soll das Verhältnis
von dem und dem Zeichen und Buchstaben sein, so
ist dies und das zu verstehen und auszuführen —
die Mittel und Wege wird dann der Setzer (und nö¬
tigenfalls Gießer) schon finden.
Sehr zu bezweifeln ist endlich noch, daß nur in
der Provinz schlechter Formelsatz geliefert wird —
die Provinz kann doch mit denselben vollkommenen
satztechnischen Hilfsmitteln arbeiten wie die Gro߬
druckstadt, und in letzterer gibt’s auch nicht lauter
Musterdruckereien! Hoffentlich braucht das nicht
erst ein provinzialer Fachverein zu demonstrieren,
indem er eine Mustersammlung von Formelsatz¬
sünden der Hauptstadt veranstaltet — da gäbe es
auch manches Erstaunliche zu sehen!
Die Beschaffenheit des für mathematischen Satz
benötigten Sondermaterials ist natürlich äußerst wich¬
tig. Der Gedanke aber, daß der Setzer hier gewohn¬
heitsmäßig mit Feile und Fräser arbeiten solle, ist
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Das, glaube ich, ist mir gelungen. Der diesem Hefte
beigegebene Druck ist mit Wasserfarbe hergestellt
und zwar in Auflage von 3000 auf einer Tiegeldruck¬
presse. Benutzt wurden dabei die Walzen, die sich
in der Presse vorfanden und mit denen vorher schon
Firnisfarben verdruckt worden waren. Die Verreibung
der Wasserfarbe ging tadellos vor sich, ebenso die
Färbung. So sind die hellen Töne des Bildes mit fast
gleichstarkerFarbegedruckt,wiediedunkeln. Weitere
Vorteile derFarbe sind Reinheit des Tones undLeucht-
kraft, matter Druck und Haltbarkeit ohne Hautbildung.
Gewaschen wird mit Wasser, es fällt daher der so
lästige Geruch vonTerpentinöl usw.fort. Verwendung
kann die Farbe z.Z. nur für Druckbeilagen finden, die
in Hefte oder Bücher kommen, da die Farbe in Wasser
löslich ist, gleich wie die Aquarellfarbe. Das ist ein
Nachteil, der die Vorteile nicht aufzuheben vermag
und den ich noch zu beseitigen hoffe. Das beigegebene
Bildchen soll hauptsächlich die Zartheit, Ausgiebig¬
keit und Reinheit der Farbe zeigen, für die Leucht¬
kraft und Tiefe der Farbe will ich demnächst einen
Beleg bringen.
Schülerarbeiten graphischer Lehranstalten.
Von HEINRICH SCHWARZ, Leipzig.
S ist keineswegs eine bloße Annahme, daß
in unsrer hastenden Zeit die Lehrlingsaus¬
bildung in den Buchdruckereien und andern
Geschäften der graphischen Gewerbe nicht mehr mit
der früheren Gründlichkeit erfolgt, denn die andauernd
starke Nachfrage nach guten Arbeitskräften und der
sich äußernde Mangel an solchen beweisen mehr als
alles andre, daß in dieser Beziehung manches zu
wünschen ist. Da nun aber Tarifverträge bestimmen,
zu welchen Leistungen der eine der Kontrahenten
verpflichtet ist, so erscheint es nicht nur erklär¬
lich, sondern durchaus notwendig, daß das Maß des
technischen Könnens der Einzelkräfte auf diese oder
jene Weise gesteigert wird. Neben der Lehre obliegt
dies den Fachschulen. Zweifellos hängt hiermit auch
zusammen, daß seit einiger Zeit dem Ausbau des Fach¬
schulwesens erhöhteBedeutung zugemessen wird und
in einzelnen Städten neue Fachschulen errichtet wur¬
den, die in ihrer Anlage und Verfassung erheblich
abweichen von den älteren Unterrichtsanstalten an¬
derer Druckstädte.
Heute stehen München und Stuttgart in bezug
auf die innere Einrichtung ihrer Lehrlingsfachschulen
zweifellos obenan, was darauf zurückzuführen ist, daß
sie durch ganz beträchtliche städtische und private
Mittel gegründet wurden und unterhalten werden. Der
Ausbau des Fachunterrichts im Besonderen wurde
dadurch im weitesten Maße möglich, die geschaffenen
Einrichtungen aber sind unstreitig auch von bestem
Einfluß auf das Ergebnis des Unterrichts.
Auch in andern Städten werden zurzeit gute An¬
sätze gemacht, so in Cöln a.Rh., Frankfurt a.M., Offen-
bach und anderwärts. Berlin verfügt seit Jahrzehnten
über seine Lehrlingsfachschule ohne bisher so um¬
fassende Proben der dort geleisteten Arbeit gegeben
zu haben, als wie dies regelmäßig durch die Jahres¬
berichte derFachschulen in Wien, München und Stutt¬
gart zu geschehen pflegt. Daß die Handwerkerschule
daselbst die bestehende Lehrlingsfachschule zu er¬
gänzen bestimmt ist und dies in bester Weise tut,
liegt wohl außer allem Zweifel.
Was Leipzig betrifft, so muß leider gesagt werden,
daß man hier seit einem Jahrzehnt nicht recht aus
dem Stadium des Versuchens herauskam. Zum Teil
mag diese bedauerliche Erscheinung auf die Wand¬
lungen zurückzuführen sein, die die örtliche Organi¬
sation der Prinzipale zu bestehen hatte, zum andern
auch auf die abweichenden Ansichten, die in bezug
auf die Aufgaben und innere Gestaltung graphischer
Fachschulen hier in maßgebenden Kreisen herrschen
und die der Regulator für das Maß der staatlichen
und städtischen Mittel sind, die der Schule zufließen.
Es werden in neuester Zeit aber auch hier erheb¬
liche Anstrengungen gemacht, die Ziele der Schule
zu erweitern, den Fachunterricht auszugestalten und
ihn der Praxis näher zu bringen, als das jetzt mit den
verfügbaren beschränkten Mitteln möglich ist. Aller
Voraussicht nach wird es aber zu so durchgreifenden
Reformen, daß bald von einem Idealzustande gespro¬
chen werden könnte, leider nicht kommen. Zur Er¬
reichung eines solchen wäre meiner Ansicht nach die
Zurückführung der Schule in städtische Verwaltung,
bzw. die Aufhebung ihres jetzigen privaten Charak¬
ters die erste Notwendigkeit. Daß in Dresden wegen
der dortigen ebenfalls privaten Fachschule in diesem
Sinne Schritte unternommen werden, ist sehr zu be¬
grüßen und Erfolg versprechend.
Die Kgl. Akademie für graphische Künste und Buch¬
gewerbe in Leipzig kann schlechterdings nicht in die
Gattung der Fachschulen einbezogen werden, da sie
ihrer ganzen Verfassung nach nur Vorgeschrittenen,
also Gehilfen offensteht und ihre Ziele über die
Forderungen der Alltäglichkeit hinaus erstrecken muß.
Nach dieser aufklärenden Einleitung obliegt es mir,
den wieder vorliegenden Jahresmappen mit Schüler¬
arbeiten der Buchdruckerfachschule in München und
der k. k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in
Wien einige Worte zu widmen. Die Fachschulen in
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AQUARELLDRUCK.
Hergestellt auf einer Tiegeldruckpresse nach Verfahren von Prof. BERTHOLD.
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe.
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Gedruckt in der Kgl. Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe zu Leipzig.
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Wien, München und Stuttgart, die mit Lehrwerk¬
stätten ausgerüstet sind, dürfen wohl heute als Ein¬
richtungen gelten, aus deren Bestehen einer großen
Zahl von Buchdruckergehilfen und damit dem Buch¬
gewerbe greifbarer Nutzen erwächst. Die alljährlich
entstehenden Schülerarbeiten, die in den erwähnten
Mappen vereinigt sind, gehen auch weiteren Kreisen
zu, denen damit ein sichtbareres Zeichen von der
geleisteten Arbeit, des bewältigten Lehrstoffes usw.
vor Augen tritt, als dies bei Ausstellungen von einigen
Tagen Dauer der Fall ist. Die Arbeiten veranschau¬
lichen zugleich, wie vielseitig die in der Praxis vor¬
kommenden Aufgaben sind, auf deren zweckmäßige
Lösung vorzubereiten die Pflicht der Fachschulen ist.
Inwieweit der Lehrkörper die Wandlungen des Ge¬
schmacks im Gewerbe beobachtet, die fortwährenden
Neuerscheinungen an Material verfolgt und den Unter¬
richtsstoff darnach erweitert, ihn aber gleichzeitig
durch Übergehung von Veraltetem befreit, alles dies
läßt sich aus solchen Jahresmappen erkennen. Hier¬
in liegt aber gerade ein Wert, der nicht zu unter¬
schätzen ist, und der die Fortsetzung der Mappen als
durchaus wünchenswert erscheinen läßt.
Was die diesjährige Jahresmappe der Buchdrucker¬
fachschale in München anbetriflft, so bedeutet sie
gegen die vorangegangene, die als Erstlingswerk der
Schule unter den Einflüssen der erst erfolgten Neu¬
einrichtung entstanden war, einen bedeutenden Fort¬
schritt. Die hergestellten Satzarbeiten zerfallen in
zwei Gruppen und zwar in Einzelblätter (Akzidenzen)
und in Werksatz. Der letztere tritt in die Erschei¬
nung außer aus Einzelabzügen in vier verschiedenen
textlich und technisch ganz interessanten Broschüren,
die zugleich beim Unterrichte Verwendung finden und
von den Lehrern der Anstalt verfaßt sind. Die Titel
dieser Hefte sind: Schrift und Buch im Altertum,
von Hans Popp; Der Goldene Schnitt im Akzidenz¬
satz von R. Bammes; Über den Guß und die Behand¬
lung der Buchdruckwalzen von Anton Krach und
Easy Reading' Pieces von Joseph Mager. Die Satz¬
herstellung, sowie die Druckausführung dieser klei¬
nen Werkchen, von denen der Text zu zwei solchen
dem Archiv für Buchgewerbe entnommen ist, ver¬
dient ebenso Anerkennung wie der Gedanke über¬
haupt, die Schule mit solchen technisch guten Unter¬
richtsmitteln zu versehen. In einzelnen Fachschulen
sind die in Gebrauch befindlichen Unterrichtsbücher
nicht allein textlich anfechtbar, sondern auch in
bezug auf typographische Ausführung geradezu ver¬
derbliche Beispiele für die Schüler.
Betreffs der Einzelblätter wäre zu bemerken, daß
beim Unterricht im Akzidenzsatz auf die Erzielung
allergrößter Einfachheit viel Gewicht gelegt wird, ein
Bestreben, das sehr anerkennenswert ist. Es dürfte
sich aber immerhin empfehlen, auch darauf bedacht
zu sein, daß der Schüler einem ihm in der späteren
Praxis begegnenden Material beweglichen Charakters
oder den Wünschen der Verwendung eines solchen
gerecht werden kann. Mit andern Worten: es muß
in den Schulen auch der Gefahr der Einseitigkeit
nach Kräften vorgebeugt werden. Dies geschieht am
besten, wenn bei der Beschaffung neuen Materials
auf einige Abwechslung Rücksicht genommen wird.
Als Beispiele erwähne ich das häufige Vorkommen
dreier verwandter Schriftgarnituren: Behrens, Neu¬
deutsch, Bek-Gran in der Mappe und das Fehlen von
Schriften abweichender Richtung.
Der sich in den einzelnen Arbeiten äußernde Ge¬
schmack berücksichtigt das Geschlossene des Satzes
in erster Linie, die Verwendung kräftiger und klarer
Schriften, in bezug auf den Schmuck die einfache
Linie, sowie Leistenornamente. Auch hier wird es
Aufgabe der Schule werden, die Schüler auf das Viel¬
seitige der heutigen Produktion noch mehr vorzube¬
reiten, womit aber durchaus nicht gesagt ist, daß beim
Unterricht dem „Schnörkel* wieder erhöhte Beach¬
tung geschenkt werden soll.
Die Durcharbeitung der einzelnen Sätze, von denen
Originalabzüge vorliegen, ist durchweg eine sehr gute
und als besonders erfreulich darf gelten, daß neben
der Erzielung eines guten Gesamteindruckes der Ar¬
beiten auch die sogenannten handwerklichen Satz¬
regeln auf das strengste durchgeführt sind. Auf die
Wiedergabe sogenannter origineller Ideen wurde beim
Unterricht mit Recht verzichtet, ebenso auf die Ver¬
wendung zu reichlicher Mittel an Ornament und Farbe.
Über die Arbeiten der Drucker läßt sich nur sagen,
daß auch hier auf die Ausbildung im einfachen Werk-
und Akzidenzdruck das Hauptgewicht gelegt wird.
Ein besondrer Vorzug der gedruckten Arbeiten ist
der gute Stand der Schriften selbst auf rauhen Pa¬
pieren. Ganz naturgemäß ist auf den Schwarzdruck
das Hauptgewicht gelegt worden, daneben sind aber
auch sehr hübsche Proben farbigen Akzidenzdruckes
gegeben. Einige gelungene Proben farbigen Illustra¬
tionsdruckes ergänzen die Sammlung auf das beste.
Der Gesamteindruck der Mappen ist der, daß die
Münchener Fachschule, soweit es sich um den Fach¬
unterricht handelt, ihre Hauptaufgabe darin erblickt,
ihren Schülern einen guten Teil fachlichen Wissens
und Könnens mit auf den Weg zu geben unter Ver¬
meidung alles dessen, was über das Begriffsvermögen
des Lehrlings und über das Ziel der Lehrzeit hinaus¬
geht. Diesen eingeschlagenen Weg wird jeder Fach¬
mann als den richtigen anerkennen müssen und die
Schule, sowie ihren eifrigen Lehrkörper, vor allem
die Fachlehrer Reinhold Bammes und Anton Kracht
zu den bis jetzt erzielten Erfolgen nur beglück¬
wünschen.
Die diesjährige Mappe der k. k. Graphischen Lehr-
und Versuchsanstalt in Wien ist wohl die umfang¬
reichste der bis jetzt erschienenen, so daß es keine
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433
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Original fro-m
PRINCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
kleine Aufgabe ist, deren abwechslungsreichen und
interessanten Inhalt einer Durchsicht zu unterziehen.
Wer dies aber getan hat, hat sicherlich volle Befrie¬
digung gefunden, denn die Mappe birgt in der Tat eine
Fülle fleißiger und gelungener Arbeiten, sowohl in
satz- und druck-, wie in graphischer und reproduk¬
tionstechnischer Beziehung.
Beim Vergleiche mit dem Inhalt früherer Mappen
zeigt sich in bezug auf den Satz ein ganz augenfälliger
Unterschied und zwar nach der Richtung, daß auf Ein¬
fachheit des Satzbildes bei den Akzidenzen das größte
Gewicht gelegt wird. Im Gegensatz zu unsern deut¬
schen Arbeiten wird der Linie als Dekorationsmittel
allerdings noch ein weiter Spielraum eingeräumt,
ihre Verwendung erfolgt aber immerhin in recht
geschickter Weise, so daß fast stets gute Wirkungen
erzielt werden. Neben dem guten Ausfall des Satzes
selbst, zu dem ein reichhaltiges Material Verwendung
fand, verdient der originelle Entwurf zahlreicher Ar¬
beiten hervorgehoben zu werden, insbesondere auch
der gute Zusammenklang mancher Papierfarben mit
den gewählten Druckfarben. In ornamentaler Hinsicht
ist, wie bereits erwähnt, sparsam verfahren worden, in
einzelnen Fällen aber durch Verwertung eigner orna¬
mentaler Entwürfe eine gute künstlerische Wirkung
herbeigeführt.
Eine besondere Abteilung der Mappe bilden die aus
einem Spezialkurs für Satz, verbunden mit praktischen
Übungen, hervorgegangenen Arbeiten, zumeist ein¬
fache Satzgebilde, wie sie täglich in Akzidenzdrucke¬
reien vorzukommen pflegen. Es ist sehr anzuerken¬
nen, daß auch der zweckmäßigen Herstellung einfacher
Satzarbeiten neuerdings viel Wert beigelegt wird, denn
gerade dieses Gebiet wurde bisher fast überall hinten¬
angestellt und durch die Bevorzugung des Ornamen¬
talen und Komplizierten beim Unterrichte eine Selbst¬
täuschung des Schülers hervorgerufen, der zwar unter
Aufsicht der Lehranstalt scheinbar Gutes leistete, in
der Praxis aber mit seinem Können versagte und ver¬
sagen mußte.
Zahlreiche Arbeiten der Mappe sind gute Leistun¬
gen des Tonplattenschnittes, des Prägedruckes, des
Bronze- und Farbendruckes, kurzum, es kommen in
ihr Arbeiten in fast allen graphischen Verfahren vor.
An guten Druckleistungen ist die Mappe besonders
reichhaltig, ebenso wie sie tüchtige Übungen und Er¬
gebnisse der Reproduktionstechniken aufweist. Auch
in dekorativer sowie zeichnerischer Hinsicht bietet
sie, wie alljährlich, viel Interessantes.
Der effektvolle Umschlag der Mappe ist wie stets
das Ergebnis einer Übung in ornamentaler Schrift,
wobei auf besonders leichte Lesbarkeit sicherlich mit
Absicht verzichtet wurde, auch auf einigen andern
Blättern ist dem Wesen der Schrift Beachtung ge¬
schenkt worden. Die Blätter, welche die Ergebnisse
des Unterrichts im Druck veranschaulichen, sind in
illustrativer Beziehung von hohem Interesse; beson¬
dere Anerkennung verdient die sehr geschickte Wahl
der Sujets, unter denen sich vorzügliche Proben der
neuzeitlichen Reproduktionstechnik befinden. Im
ganzen enthält die Mappe eine Summe von Arbeit,
aus der das Buchgewerbe den besten Nutzen haben
wird. Die Unterrichtsergebnisse stellen aber der k. k.
Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien das
allerbeste Zeugnis aus. Sie lassen erkennen, daß die
Anstalt alle Fortschritte und Neuerungen im Gewerbe
gut beobachtet, dabei aber auch dem Unterrichte selbst
eine fortschreitende Richtung gibt, die sich der rast¬
losen Weiterentwicklung des Buchgewerbes vorzüg¬
lich anpaßt.
Aus den graphischen Vereinigungen.
Altenburg. In der am 1. Oktober 1908 stattgehabten
Sitzung der Graphischen Vereinigung wurde das Ergebnis
der Bewertung der Entwürfe für die diesjährigen Johannis¬
festdrucksachen bekannt gegeben. Leider hatte der Arbeits¬
ausschuß des Verbandes der Deutschen Typographischen
Gesellschaften, dem die Bewertung übertragen worden war,
eine nähere Besprechung der einzelnen Arbeiten unter¬
lassen. Gerade durch eine sachliche Beurteilung aber
werden die Beteiligten aufVorzüge und Mängel ihrerSkizzen
hingewiesen und ihnen dadurch Lehren für ihr weiteres
Schaffen gegeben. Preise erhielten die Herren: F. Köhler
(I. und II. Preis beim Kartenwettbewerb und II. Preis beim
Wettbewerb zur Erlangung eines Umschlages für die Fest¬
schrift); H.Wunderlich (I.undlll.PreisbeimUmschlagwett¬
bewerb); M. Benndorf (III. Preis beim Kartenwettbewerb).
Wegen Wohnsitzwechsels des bisherigen Vorsitzenden
machte sich eine Neuwahl nötig. Gewählt wurde Herr
E. Ehrlich. Die Abrechnung über das dritte Vierteljahr er¬
gab einen recht günstigen Kassenbestand, so daß für das
Winterhalbjahr ein Skizzierkursus in Aussicht gestellt
werden konnte. — Vom Typographischen Klub Erfurt war
die Graphische Vereinigung mit der Bewertung von 13 ein¬
gegangenen Entwürfen für eine Festkarte zum 4. Stiftungs¬
feste betraut worden, welcher Aufgabe durch eine Kom¬
mission entsprochen wurde. -o-.
Berlin. In der Typographischen Gesellschaft wurde in der
ersten Sitzung nach den Sommerferien dem Vorsitzenden,
Herrn KÖnitzer, aus Anlaß seiner zehnjährigen erfolgreichen
Tätigkeit als Leiter der Gesellschaft als Ehrengabe eine
Gutenbergstatuette überreicht. Sodann beschäftigte man
sich mit den neuesten Veröffentlichungen der Gutenberg-
Gesellschaft, die das Mainzer Fragment des Weltgerichts,
die 42zeilige Bibeltype im Schöfferschen Missale Mogun-
tinum von 1493, die Missaldrucke Peter Schöffersundseines
Sohnes Johann, sowie die Bücheranzeigen Peter Schöffers
behandeln. Herr Georg Erler hatte sich mit dem Inhalte
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
dieser streng wissenschaftlichen Arbeiten eingehender be¬
schäftigt und wußte das Interesse der Anwesenden nahezu
eine Stunde lang durch seinen Bericht zu fesseln. Hierauf
sprach Herr Schmiedchen über die im Versammlungsraum
ausgestellten Arbeiten aus der k. und k. Graphischen Lehr-
und Versuchsanstalt in Wien und der Buchdruckerfach¬
schule in München. Einleitend bemerkte er, daß ein Ver¬
gleich zwischen den Arbeiten der beiden Anstalten wegen
ihrer Verschiedenartigkeit nicht gezogen werden könne;
die Wiener Lehranstalt sei ein vom Staat subventioniertes
Institut, das zumeist von vorwärtsstrebenden jungen Leuten
mit besserer Vorbildung aufgesucht werde, während die
Münchener Anstalt eine Pflichtschule sei, die Begabte und
Unbegabte, willige und unwilligeSchüler aufnehmen müsse
und darum auch nur langsam fortschreiten könne. Ohne
weiteres aber sei aus den Münchener Arbeiten zu erkennen,
daß hier ein brauchbarer Nachwuchs für das Buchdruck¬
gewerbe herangebildet werde. Die Methode, Beispiel und
Gegenbeispiel, eine mangelhafte Arbeit neben der ver¬
besserten auszustellen, sei anzuerkennen, indessen dürfe
dabei nicht in derWeise verfahren werden,daß man eine mit
dürftigem Material ausgeführte Arbeit von einem Schüler
verbessern lasse, dem geeignetes Material zur Verfügung
stehe. Es müsse vielmehr darauf gesehen werden, daß zu
beiden Arbeiten möglichst dasselbe Material bereitgestellt
werde. Zum Schluß gab Herr Görnitz einen Bericht über
die ebenfalls ausgestellten diesjährigen Johannisfestdruck¬
sachen der Küttnerschen Sammlung. — In der zweiten
Septembersitzung waren Originalarbeiten, Studien und im
Druck ausgeführte Arbeiten, sowie Schriftarbeiten in der
Form von geschriebenen mit farbenprächtigen Initialen
gezierten Büchern des Malers und graphischen Zeichners
Eduard Liesen ausgestellt. Herr C. Kulte hielt hierzu einen
Vortrag, in dem er den Bildungsgang des Künstlers schilderte,
der sich zunächst als Ziseleur, Bildhauer und Modelleur
betätigt und erst später derGraphik zugewendet habe. Diese
vielseitige Ausbildung mache sich durch die Klarheit der
Auffassung und Sicherheit der Wiedergabe seiner Natur¬
studien bemerkbar; die ausgestellten Aquarelle seien, ob¬
gleich sie nicht im Atelier, sondern an Ort und Stelle an¬
gefertigt wurden, als fertige Bilder anzusprechen. Als
Graphiker stehe Liesen durch seine mit der Breitfeder ge¬
schriebenen Bücher, die er zum eigenen Vergnügen in
seinen Mußestunden hergestellt habe, auf der Höhe des
Könnens. Herr Kulbe schloß seine Ausführungen mit dem
Vorschlag, die Typographische Gesellschaft möge ihren
Mitgliedern GelegenheitgebenzumZeichnen nach derNatur
unter fachmännischer Leitung und die Vorbereitungen zu
solchen Kursen bereits in dem beginnenden Wintersemester
treffen. Im Anschluß hieran schilderte der Künstler selbst
die Entstehung der einzelnen Arbeiten, an die sich fast stets
eine liebe Erinnerung an im Kreise Gleichgesinnter an¬
genehm verlebter Stunden knüpfen. Herr Kunstmaler und
Zeichner Georg Wagner wies auf die in den Liesenschen
Arbeiten zum Ausdruck kommendeBeherrschung derTech-
nik hin, die man heute vielfach vermisse. Er schloß sich
dem Vorschläge des Herrn Kulbe an und die Gesellschaft
wählte eine aus den Herren Kulbe, Wagner und Zehnpfund
bestehende Kommission zur Vorbereitung von Kursen, die
den Mitgliedern Gelegenheit zum Zeichnen nach der
Natur geben sollen. Zum Schluß gab Herr Faktor Wilhelm
Boldt noch einen umfassenden Bericht über die ver¬
schiedenen neueren Systeme von Schriftordnern zum Ge¬
brauch für Steckschriften. B.
Bremen. Der Typographische Klub brachte vom 16. August
bis 6.September 1908 die bekannte von der Leipziger Typo¬
graphischen Vereinigung zusammengestellte Postkarten¬
sammlung zur Ausstellung. Die damit verbundenen hoben
Kosten und ein nicht dementsprechender Besuch brachten
der Klubkasse einen Verlust. — In einer Versammlung des
Bremer Buchdrucker-Vereins kamen die diesjährigen Johan¬
nisfestdrucksachen zur Ausstellung, über die Herr Faktor
Miller einen Vortrag hielt. Er stellte mit Genugtuung fest,
daß eine zwar langsame, aber von Jahr zu Jahr merkbare
Besserung in der Gesamtwirkung dieser Arbeiten sich offen¬
bare. Die einheitliche Schriftverwendung und gute Raum¬
verteilung sei zwar noch nicht allenthalben erreicht, auch
fänden sich stets wieder noch wenig befriedigende An¬
ordnungen, jedoch werde deren Zahl immer weniger. Wirk¬
lich gute Leistungen seien auch in diesem Jahre nur
vereinzelt vorhanden, die Mittelmäßigkeit nehme den
größten Raum ein. Seinen Grund habe dies vielfach an
der Überweisung dieser Aufträge an manchmal nicht auf
der Höhe stehende Druckereien, die aus mannigfachen Ur¬
sachen zuerst berücksichtigt werden müßten. Trotz dieser
Schwächen sei die Gesamtwirkung eine gute, wozu die
oftmals glückliche Farben- und treffliche Papierwahl mit
beitrage. — Am 29. September hielt Herr Rönnau einen
Vortrag zur Einführung in die nun wieder regelmäßigen
Sitzungen: Was wir wollen. Wie in den Vorjahren solle den
beruflich technischen Fragen das Hauptaugenmerk ge¬
schenkt werden. Man müsse den Mitgliedern lehren und
an Beispielen zeigen, wie das gegebene Material verwendet
werden müsse. BeidieserGelegenheit werde man oft genug
auf das rein künstlerische Gebiet hinübergreifen müssen.
Infolgedessen sei der von Herrn Westheim im Werkblatt
gegen den Vorsitzenden des Verbandes der Deutschen Typo¬
graphischen Gesellschaften geschriebene Artikel in Form
und Inhalt nicht gutzuheißen. Herr Schmiedchen habe
jedenfalls das gute Bestreben, die näher liegenden tech¬
nischen Aussprachen mehr in den Vordergrund zu stellen,
wogegen kaum etwas einzuwenden sei. — Am 5. Oktober
wurden zunächst eine große Anzahl von Eingängen be¬
handelt. Amerikanische Druckmuster waren von dem
früheren Mitgliede Schiele aus Cincinnati ausgestellt. In
einem Berichte wurde auf die vorzüglichen Arbeiten,
meistens von Papier- und Farbenfabriken stammend, näher
eingegangen. Die amerikanische Satzweise äußere sich viel¬
fach ungezwungener, wie manche deutsche, zur Schönheit
trage aber auch der durchweg gute Druck und die oft hervor¬
ragenden Papiere bei. DieMustersollen denVereinen durch
eine Rundsendung zugänglich gemacht werden. -R.
Breslau. In der Typographischen Gesellschaft hielt am
2. September 1908 Herr C. Schmidt einen Vortrag über:
Die Visitenkarte, zu dem eine Sammlung von Visitenkarten
ausgestellt war, auf Grund deren die verschiedenen Schrift¬
moden erläutert wurden. In dem an den Vortrag sich an¬
schließenden Meinungsaustausch wurde betont, daß schon
durch die Wahl der Schriften auf den Charakter des Be¬
stellers hingewiesen werden könne, so sei z. B. für Offiziere
und Lehrer eine Fraktur, für Juristen und Mediziner eine
Antiqua zu bevorzugen; Schreibschriften könnten allenfalls
bei Damenkarten angewandt werden. Herr Schultes be¬
richtete hierauf über die Johannisfestdrucksachen. Er hatte
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
als ersten Teil die Programme gewählt, die er nach Ver¬
lesung des beigegebenen Berichtes noch nach seiner An¬
sicht beurteilte. — Am 6. September besichtigten etwa
60 Mitglieder den Zweibuchstaben-Typograph der Typo*
graph-Gesellschaft m.b.H. — Die Sitzung am 16.September
brachte zunächst einen Vortrag des Herrn Paul Wolke über:
Wann werden Zahlen in Buchstaben und wann in Ziffern
gesetzt? Zu Beginn seines Vortrages besprach er die über
diesen Satz vorhandenen Regeln, um dann als Schlu߬
ergebnis seiner Ausführungen folgende Lehrsätze aufzu¬
stellen. Zahlen sind in Buchstaben zu setzen: 1. bei er¬
zählender Redeweise (in Romanen, Gedichten usw.); 2. bei
vereinzeltem Vorkommen; 3. bei unbestimmten Angaben
(ungefähr hundert Personen); 4. bei Titeln (Tausendundeine
Nacht). Dagegen sind Zahlen in Ziffern zu setzen: 1. bei
Zahlenangaben mit näherer Bestimmung wie Maße, Ge¬
wichte, Zeit usw.; 2. bei Daten; 3. bei häufig wiederkehren¬
den Zahlenangaben oder Aufzählungen; 4. bei statistischen
Angaben; 5. bei Ordnungszahlen. Vor allem solle man dar¬
über klar sein, ob die Zahlenangaben als Haupt- oder als
Nebensache anzuseben sind. In ersterem Falle seien immer
Ziffern vorzuziehen, weil durch sie der Zahlenwert besser
zum Ausdruck gebracht werde. Herr Schultes besprach so¬
dann den zweiten Teil der Johannisfestdrucksachen, ent¬
haltend Karten und Einladungen, und bemerkte zum Schluß
seines Berichtes, daß in diesem Jahre bedeutend bessere
Arbeiten als im Vorjahre geliefert worden seien. G-e.
Cassel. Am 6. Oktober 1908 hat die Graphische Ver¬
einigung ihr letztes Geschäftsjahr beendigt, das ein sehr
arbeitsreiches gewesen ist. Neben einem Kursus für Ton¬
plattenschneiden fanden verschiedene Vorträge statt, von
welchen derjenige des Herrn Heinrich Hoffmeister aus Frank¬
furt a. M. über: Die Renaissance in der deutschen Buch¬
druckerkunst besonders hervorzuheben ist. Ausstellungen
und verschiedene Preisausschreiben trugen zur weiteren
Belehrung der Mitglieder bei, deren Beteiligung an den
einzelnen Veranstaltungen aber nicht so stark war, daß von
einem regen Vereinsleben gesprochen werden könnte. —
In der am 24. September 1908 stattgehabten Sitzung wurde
das Arbeitsprogramm für das Winterhalbjahr 1908 bis 1909
festgelegt, ferner bestimmt, daß Arbeiten für das Preis¬
ausschreiben zur Erlangung von Entwürfen zu einer Neu¬
jahrskarte bis zum 1. November 1908 eingeliefert werden
müssen. Hgld.
Hannover. In der Typographischen Vereinigung lagen
am 13. September 1908 die Johannisfestdrucksachen für
sämtliche Lokalvereinsmitglieder zur Besichtigung aus.
Gleichzeitig hatte Herr Fuchs aus Goslar eine Anzahl
seiner mustergültigen Drucksachen zur Verfügung gestellt,
die allseitig Würdigung fanden. — Die am 15. September
abgehaltene Generalversammlung beschäftigte sich mit der
Neuberatung der Satzungen. Ein Antrag auf Herabsetzung
des Beitrages wurde abgelehnt. Der Vorstand setzt sich für
dieses Vereinsjahr aus folgenden Herren zusammen:
August Alberti, Vorsitzender; Wilhelm Busse, Schrift¬
führer; Friedrich Naumann, Kassierer; A. Koppmann und
Rudolf Steinbiß, Bibliothekare, Emil Leiter und Wilhelm
Wandelt, technische Leiter. — In der Sitzung am 29. Sep¬
tember wurde die schon in der Johannisfestdrucksachen-
Ausstellung ausgelegte Sammlung amerikanischer Druck¬
sachen besprochen, die vom Buchgewerbeverein freund-
lichst zur Verfügung gestellt worden war. Das reiche
Material, das einen guten Einblick in die amerikanische
Druckausstattung gewährte, gab reiche Anregung. Herr
Leiter sprach sich sodann über die von zahlreichen
Fachzeitschriften in letzter Zeit veranstalteten Preisaus¬
schreiben mißbilligend aus, mit der Begründung, daß die
Höhe der Preise in nicht annäherndem Verhältnis zu den
verlangten Leistungen stünde. -t-.
Leipzig. In der Typographischen Gesellschaft berichtete
am 9. September 1908 Herr Lindner über einen Artikel im
Archiv für Buchgewerbe: Antiqua und Fraktur von Prof.
Dr. Kirschmann in Toronto. Nach Verlesen einiger Stellen
aus diesem lehrreichen Artikel, der der Abschaffung der
Fraktur entgegentritt, betont der Berichterstatter, daß er
sich den Anschauungen des Prof. Dr. Kirschmann nicht
anschließen könne, sondern nach wie vor die Fraktur be¬
kämpfen werde. In dem sich anschließenden Meinungs¬
austausch wird ausgeführt, daß durch Schaffung der Bastard¬
schriften in bezug auf die Einführung der Antiqua einSchritt
nach vorwärts getan sei. Es wurden auch die Vorzüge der
Fraktur hervorgehoben, vor allem die leichtere Lesbarkeit
und das raschere Erfassen des gesamten Wortbildes. Herr
Durichen erklärte hierauf noch die in der Photographie und
Ätzerei vorkommenden technischen Begriffe Positiv, Ne¬
gativ und Diapositiv. — In der Sitzung am 25. September
wurde der Küttnersche Johannisfestdrucksachen-Austausch
einer Besprechung unterzogen, in die sich die Herrn Dunkel,
Küttner und Wetzig teilten. Der Austausch sei quantitativ
und qualitativ reichhaltig, Satz- und Drucktechnik seien
besser als früher, der regelmäßige Austausch habe in dieser
Hinsicht erzieherisch gewirkt. Die textliche Ausstattung
lasse jedoch noch oft zu wünschen übrig. Der Rat, dunkles
Papier nicht zu verwenden, sei nicht immer beachtet, im
übrigen aber seien gute helle Papiere verwendet worden.
Die Wahl der Schrift sei hier und da nicht passend,
selbstgezeichnete Arbeiten seien wenig vertreten. Herr
Schwarz gab sodann noch eine technische Erklärung des
Begriffes Schraffierung, der zuerst vom Kupferstecher an¬
gewandtwurde und den Schatten bedeutete, der durch neben¬
einanderlaufende gekreuzte Striche dargestellt wird. -r-.
Leipzig. In der Typographischen Vereinigung sprach am
9. September 1908 Herr Felix Hille über: Kupferstich, Stahl¬
stich, Radierung und Heliogravüre. Er gab in seinem Vor¬
trage zunächst einige Aufschlüsse über die ersten Funde
von Gravüren, über die hervorragenden Stiche der alten
Meister und dann über die Einführung in England und
Deutschland, sowie ihren heutigen Stand im graphischen
Gewerbe. Dann ging er näher auf die Herstellung und den
Druck der Platten ein, wobei eine größere Anzahl der ver¬
schiedenen Platten und Drucke zur lehrreichen Erläuterung
dienten. — Am 23. September wurde die Stellungnahme der
Technischen Kommission zuderFrage: Wie sind die Linien¬
bilder einheitlich zu gestalten? den Mitgliedern bekannt
gegeben. Es wurde zur Einführung als am geeignetsten
empfohlen: Von der feinen bis zur fetten Linienbildstärke
sind fünf Abstufungen zu treffen: 1. die feine Linie mit
2 /io Punkt Bildstärke, 2. die stumpffeine Linie mit ß /io Punkt
als Bildstärke, 3. die halbfette Linie mit 10 /io Punkt Bild¬
stärke, 4. die dreiviertelfette Linie mit lö /io Punkt Bildstärke,
5. die fette Linie mit 2°/io Punkt Bildstärke. Die ersten drei
gelten auch für die Achtelpetitlinie. Sämtliche Linienbilder
stehen auf Mitte des Kegels. Die doppelfeinen Linien sind
zwei 2 /io Punktlinienbilder mit 13 /io Punkt Spurweite, so daß
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
8 /io Punkt als Fleisch zu verteilen sind. Die punktierte Linie
hat auch 2 /io Punkt Bildstärke mit einer Einteilung von 24
Punkten auf eine Konkordanz. Ein gleicher Abstand vom
Bilde des Punktes bis zum Schnitt der Linie ist nicht von¬
nöten, da der ungleiche Abstand beim Zusammensetzen der
Linien mit den bloßen Augen nicht zu erkennen ist; ferner
wurde diese Herstellungsweise die Linien auch wesentlich
verteuern. Die Ornamentlinien von 3 /io und 8 /i 0 Punkt Bild¬
stärke wurden als nicht für notwendig befunden, da die
Ornamente bei fünf verschiedenen Bildstärken jeder Ge¬
schmacksrichtung angepaßt werden können. Nach kurzem
Meinungsaustausch wurden diese Vorschläge, die der Ber¬
liner Typographischen Gesellschaft übergeben werden, an¬
genommen. Hierauf besprach Herr Georg Krebs eine Aus¬
stellung, die etwa 100 Arbeiten aus der Praxis des Herrn
Fritz Arndt zeigte. Diese durchweg schönen Arbeiten waren
stilrein, formgerecht und jede ihrer Aufgabe entsprechend
gekleidet, so daß mancher Berufsangehörige sich diese
Proben zum Vorbild nehmen konnte. -bs.
Magdeburg. Die von der Graphischen Gesellschaft zum
13. September 1908 veranstaltete Drucksachen-Ausstellung
bot den zahlreichen Besuchern genügend Abwechslung.
Den ersten Platz konnten jene Magdeburger Arbeiten be¬
anspruchen, die zu einer Rundsendung des Verbandes der
Deutschen Typographischen Gesellschaften ausersehen
sind und ihre Reise durch die deutschen Gaue bereits an¬
getreten haben. Eine weitereZierde der Ausstellung bildeten
die Schülerarbeiten der hiesigen Kunstgewerbe- und Hand¬
werkerschule, sowie solche der k. k. Graphischen Lehr-
und Versuchsanstalt in Wien. Die Arbeiten beider Institute
zeigte Proben eines geläuterten Geschmackes im Rahmen
des modernen Stils. Den Reigen beschloß ein Exlibris-
Ausschreiben der Berliner Typographischen Gesellschaft
mit teils vorzüglichen Ergebnissen zeichnerischen Könnens
und die reichhaltige Sammlung der diesjährigen Johannis¬
festdrucksachen. — In der Sitzung am 16. September
interessierte zunächst der Kassenbericht mit seinem Bar¬
überschuß von 80 Mark. Das vom Vorsitzenden des Ver¬
bandes der Deutschen Typographischen Gesellschaften
erstattete Bewertungsgutachten über das letzte Preisaus¬
schreiben der Graphischen Gesellschaft wurde ob seiner
Ausführlichkeit dankend zur Kenntnis genommen. Den
weiteren Verlauf der Tagesordnung bildete ein Bericht des
Herrn Helmberger über die ausgelegten diesjährigen
Johannisfestdrucksachen. Der Vortragende beschränkte
sich auf das Herausgreifen einiger hervorstechender Ar¬
beiten, dabei die Merkmale der technischen Durchbildung
erläuternd. Im allgemeinen sei ein Fortschritt festzustellen.
Dem Ersuchen der Stettiner Brudervereinigung behufs
Bewertung von 13 eingesandten Titelentwürfen wurde
gern entsprochen. E. K.
München. Die Typographische Gesellschaft veranstaltete
am 16. September 1908 einen recht gut besuchten Vortrags¬
und Diskussionsabend, an dem die Schülerarbeitenmappe
1907 bis 1908 der Münchener Buchdruckerfachschule aus¬
gestellt war. Der an der Schule wirkende Herr Bammes
hielt dazu einen Vortrag, um durch eingehende Darstellung
des Werdens und Entstehens der vorliegenden Arbeiten
den Münchener Fachgenossen einen Einblick in die Arbeits¬
weise der Schule und die Absichten und Ziele des Unter¬
richts zu gewähren. Ihm schloß sich mit weiteren Er¬
läuterungen hauptsächlich drucktechnischer Natur Herr
Krach an. Arbeiten wie Erläuterungen fanden vieles Inter¬
esse. — In der Form eines kleinen Werbebriefes an alle Be¬
rufsangehörigen Münchens veröffentlicht die Gesellschaft
ihr Arbeitsprogramm für das Vereinsjahr 1908 bis 1909.
Demselben ist zu entnehmen, daß auch in diesem Winter
wieder Unterrichtskurse in einem städtischen Schullokale
stattfinden werden, und zwar solche im Tonplattenschnitt,
Schriftzeichnen, Skizzieren und Kolorieren. Durch an¬
schließende Wettbewerbe wird den Teilnehmern Gelegen¬
heit geboten werden, das Gelernte praktisch zu verwerten.
Ferner sind schon jetzt eine Anzahl Vorträge, Ausstellungen,
Führungen und Besuche graphischer Anstalten gesichert,
so daß das bevorstehende Vereinsjahr ein arbeitsreiches
und nutzbringendes zu werden verspricht. -m-.
Stuttgart. In den beiden letzten Sitzungen (12. September
und 6. Oktober 1908) hatte der Graphische Klub die Johannis¬
festdrucksachen zur Besichtigung und Besprechung aus¬
gelegt. Mit der beigegebenen Beurteilung der Arbeiten
konnten sich die Anwesenden im wesentlichen einver¬
standen erklären, es wurde aber der Wunsch ausgesprochen,
daß in Zukunft der Bericht in mehreren Exemplaren dem
Austausch beigegebenwerden möge, damitdenDrucksachen
der einzelnen Orte die betreffende Beurteilung im Aus¬
schnitt angeheftet werden könne, wodurch die Besprechung
der Arbeiten sehr gefördert werde. Unter Hinweis auf den
im Archiv für Buchgewerbe veröffentlichten Artikel des
Herrn Winkler über das Künstlerwappen wurde ferner die
teils geschmacklose, teils aufdringliche Anwendung des
Künstlerwappens auf einigen Drucksachen gerügt. Durch
derartige Arbeiten würde die Berechtigung derBuchdrucker
zur Anwendung des Künstlerwappens auf ihren Druck¬
sachen gerade nicht sehr glaubhaft gemacht. -sch.
Wien. Die Graphische Gesellschaft veranstaltete im Sep¬
tember einen Vortrag über Farben und deren Verwendung
in der Graphik, der mit einer Ausstellung verbunden war.
Der Vortragende, Herr G. Friedmann , brachte recht viel
Wissenswertes in mehr als zweistündigen Ausführungen
und auch die seine Darstellungen erläuternden Ausstel¬
lungsgegenstände boten Sehenswertes. — Der diesjährige
Kursus der Maschinenmeister wird in den Räumen der
neuen Wiener Farbenfabrik H. Ott, Wien-Simmering, ab¬
gehalten. Der Kursus ist auch den Buchdruckern der
niederösterreichischen Landdruckorte zugänglich gemacht
worden und umfaßt einen vollständigen Lehrgang bis zum
feinsten Illustrations- und Farbendruck. Die Leistungen
des vorjährigen Kursus, die, in eine Mappe vereinigt,
allseits Anerkennung fanden, lassen auch von dem be¬
ginnenden heurigen wohl nur das Beste erwarten. Der Ein¬
fluß, den die nun durch eine Reihe von Jahren wiederholten
Unterrichtskurse des Maschinenmeistervereins auf die
Leistungsfähigkeit der Drucker nehmen, ist bereits unver¬
kennbar. P-t.
Zittau. In der Sitzung der Graphischen Vereinigung
vom 21. September 1908 lagen aus: Schülerarbeiten der
Münchener Buchdruckerfachschule, der k. k. Graphischen
Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und eine Rundsendung
der Buchdruckerwoche. Beide Arbeitengruppen, die fast
durchweg Mustergültiges enthielten, fanden ungeteilte An¬
erkennung und dürften manche wertvolle Anregung für die
Praxis gegeben haben. — In der Sitzung am 10. Oktober
lagen zwei Rundsendungen des Verbandes der Deutschen
Typographischen Gesellschaft auf, enthaltend: Essener
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Drucksachen und Drucksachen der Firma Bachem in
Cöln. -dl-.
Zürich. Die ordentliche Monatsversammlung des Typo¬
graphischen Klubs 19. September 1908 erfreute sich eines
guten Besuches. Nach Erledigung des geschäftlichen Teils
erfolgte die Bekanntgabe des Ergebnisses des Neujabrs-
karten-Preisausschreibens. Eingegangen waren von 15 Be¬
teiligten 20 Entwürfe. Als Jury waltete der Typographische
Klub Bern und stimmte die Versammlung allgemein dem
vorliegenden Berichte des Preisgerichtes zu. Zur Aus¬
führung wird der mit dem dritten Preise bedachte Entwurf
gelangen. Bei dem Punkte Wahl der Jury für den Brief¬
kopf-Wettbewerb beschloß die Versammlung, daß die Be¬
urteilung der eingehenden Entwürfe durch die nächste
Monatsversammlung geschehen solle. Infolge der Unmög¬
lichkeit, Sonntags eine Papierfabrik im Betrieb zu besich¬
tigen, wurde für einen Sonntag im Oktober ein Ausflug nach
dem Bergwerk Buchs in Aussicht genommen. — Am 4. Ok¬
tober fand eine Besichtigung der Raumkunst-Ausstellung
im Kunstgewerbemuseum der Stadt Zürich statt, -au-.
Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge.
V C. F. Peters, Musikverlag in Leipzig hat soeben zwei
Bände erscheinen lassen, die nicht nur ihres Inhaltes halber
Beachtung finden werden, sondern sich auch in buchkünst¬
lerischer Hinsicht ganz bedeutend über die übliche Aus¬
stattung erheben. Der eine umfangreiche Band enthält eine
Biographie Edvard Griegs nebst einem Verzeichnis seiner
Kompositionen, der zweite eine Biographie des großen
Liederdichters Hugo Wolf nebst einem Verzeichnis seiner
Werke. Beide Bücher sind bei Poeschel & Trepte in Leipzig
in ganz vortrefflicher Weise hergestellt worden. DerDrucker
hat es verstanden, mit allereinfachsten Mitteln, unter Be¬
nutzung von gutem Papier einen an sich undankbaren Stoff,
wie ihn jeder Verlagskatalog bekanntlich vorstellt, in eine
vornehme und übersichtliche typographische Form zu
bringen. Zeigt das erste Werk mehr glatte Buchseiten, so
handelt es sich bei dem zweiten um die geschickte Grup¬
pierung eines komplizierten Textes. Die gefundene Lösung
durch die tabellarische Anordnung ist eine sehr gute, denn
es entbehren auch die reinen Tabellenseiten keineswegs
der geschlossenen Wirkung. Die von W. Tiemann gezeich¬
nete Schrift des Umschlags gibt den Bänden einen eigenen
Reiz, auch muß die Beschränkung auf einfache Linien für
die Ausschmückung der Seiten als eine äußerst glückliches
Vorgehen bezeichnet werden. Die in den Bänden vor¬
kommenden Illustrationen beleben den Text aufs beste, so
daß diese Kataloge ein nach jeder Richtung abgerundetes
einheitliches Ganze sind. Es ist hocherfreulich, daß die
Firma C. F. Peters, die von jeher auf die gute Ausstattung
ihrer Verlagswerke Gewicht legte, auch ihren Katalogen
eine so künstlerische Form gibt, wie sie sich in den oben
erwähnten Bänden zeigt. Es ist darin der Beweis erbracht,
daß der trockene Stoff eines Bücherverzeichnisses sich
auch sehr gut in künstlerische Form bringen läßt, wenn, wie
im vorliegenden Falle, der Künstler und der Buchdrucker
zu gemeinsamer Arbeit zusammentreten. Eine Vorbe¬
dingung für das Gelingen ihrer Arbeit ist allerdings nicht
zuletzt auch ein kunstverständiger Auftraggeber, an
dem es diesmal, wie der Augenschein lehrt, nicht ge¬
fehlt hat. S.
W The Paper Makers Directory Of All Nations (Interna¬
tionales Adreßbuch sämtlicher Papierfabriken der Welt.—
Annuaire de la Papeterie de toutes les nations. 1908.)
Containing the principal paper, pulp and board mills ofthe
world. 17. Ausgabe. London 1908. Verlag von Dean & Son
Limited . Preis gebunden M 11.—. Dieses wohlbekannte
Adreßbuch bringt ein reichhaltiges und, so viel ich prüfen
konnte, auch ein zuverlässiges Adressenmaterial nicht nur
von England, sondern auch von 42 andern Staaten, in
denen sich irgendwie Geschäfte befinden, welche die
Papierfabrikation betreiben oder mit dem Papierhandel in
Verbindung stehen. Der neue Jahrgang, der sicher wieder
als altbewährter Freund und Ratgeber der Papierindustrie
beste Aufnahme finden wird, ist durch ein Verzeichnis der
englischen Papierformate, sowie durch Aufnahme der im
britischen Papierhandel üblichen Verkaufs- und Zahlungs¬
bedingungen vermehrt worden. A.Schl
V Münchener Kalender für das Jahr 1909. 25.Jahrgang.
— Preis M 1.— Kleiner Münchener Kalender 1909. Preis
50 Pf. München und Regensburg. Druck und Verlag der
Verlagsanstalt vorm.J. G. Manz , Buch- und Kunstdruckerei,
Akt.-Ges. — Diese ob ihrer künstlerischen Ausstattung,
die in den Händen des Professor Otto Hupp ruht, sowie
ihrer tadellosen, vorzüglichen typographischen Ausge¬
staltung bestens bekannten Kalender werden von allen
Freunden schöner und guter Buchkunst auch in diesem
Jahre freudigst begrüßt werden. Wohl ist der Münchener
Kalender kein Volkskalender im engen Sinne des Wortes,
aber infolge seiner prächtigen von Otto Hupp gezeichneten
Wappenbilder hat er sich nicht nur bei Historikern, Heral¬
dikern, Genealogen und Kunstgewerbetreibenden, sondern
auch bei vielen Familien ein ständiges Heimatsrecht er¬
worben, das ihm alljährlich freudige Aufnahme sichert und
mit zu seiner sehr wünschenswerten weiteren Verbreitung
beitragen wird. Der Kleine Münchener Kalender, dessen
einzelne Monatstafeln Ernst von Destouches wieder mit
sinnigen Sprüchen geschmückt hat, ist ein reizender
Taschenkalender, der über die vielen künstlerisch sein
sollenden Portemonnaie-Kalender turmhoch hervorragt.
Er wird ob seiner hübschen Ausstattung sich nicht nur
seine alten Freunde erhalten, sondern sich sicher auch in
diesem Jahre wieder neue Anhänger erwerben. A. W.
^ Kalender-Neuheiten. Von der Firma Ferd. Ashelm in
Berlin liegt mir eine große Anzahl Kalender für dasjahr 1909
vor, die an Reichhaltigkeit nichts zu wünschen läßt. Die
Aufmachung der einzelnen Kalender, insbesondere deren
Rückwände, ist ohne Tadel. Technisch ganz ausgezeich¬
nete Kalenderrückwände, die in mehrfarbigem Steindruck
(Chromolithographie) teils mit, teils ohne Goldverzierung
und Prägung hergestellt sind, tragen Kalenderblöcke in den
verschiedensten Größen und Ausstattungen. Bedauer¬
lich ist jedoch, daß die meisten Kalenderblöcke nicht nur
bezüglich des Papiers, sondern auch des Druckes keine
Ausführung zeigen, die den technisch einwandfreien
Kalenderrückwänden entspricht. Ich weiß wohl, daß bei
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
den Blockkalendern die erste Bedingung heißt: Billig!
Aber ein paar Pfennig für besseres Papier könnte doch
aufgewendet werden, damit das Druckergebnis ein besseres
würde. Auch einige praktische Kontorkalender befinden
sich unter den Mustern. Ganz besondere Beachtung aber
verdient ein überaus brauchbarer Staffelkalender „Ashelm
Notizkalender Cyclop“, der aus einzelnen Blättern mit den
Tagesdaten besteht, die nach hinten umgelegt werden.
Dieser Staffelkalender,der in verschiedenen Ausführungen
auf gutem Schreibpapier zu haben ist, wird sich nicht nur
auf den Schreibtischen der Geschäfte, sondern auch auf
denjenigen der Privaträume bald beliebt machen. Inter¬
essant ist ein Durchblättern des reich illustrierten Kataloges,
denn es zeigt, welch große Bedeutung der Kalenderverlag
genommen hat und wie dieser bestrebt ist, in fast über¬
reicher Zahl und in den verschiedensten Ausführungen
den vorliegenden Bedarf an Kalendern aller Art zu be¬
friedigen. A. Schl.
V Kalender und Schreibmappen. Von der Firma H. Hoh-
mann, Hof-Buch - und Steindruckerei in Darmstadt liegen
mir mehrere Kalender und Kalender-Schreibmappen vor,
die mit zu den besten Erzeugnissen gehören, die uns der
Kalenderverlag alljährlich in Hülle und Fülle bietet. Es
sind keine schön-süßlichen Chromolithographien, die wir
zur Genüge kennen, sondern von Künstlern gefertigte Stein¬
zeichnungen,die den Reiz tüchtigen,persönlichen Schaffens
und Könnens besitzen und die jedem Kunstfreund will¬
kommen sein werden. Wilhelm Richter, Hermann Pfeiffer
und Heinz Hohmann in Darmstadt, sowie Ernst Liebermann
in München haben Arbeiten von künstlerischem Wert ge¬
schaffen, auf die ich gerne alle diejenigen Buchdrucker
aufmerksam mache, die zur Jahreswende Kalender mit
eingedruckter Firma versenden, um sich in empfehlende
Erinnerung zu bringen. Mit den Hohmannschen Kalender¬
vordrucken werden sie nicht nur diesen Zweck erreichen,
sondern ihren Geschäftsfreunden auch noch eine wirkliche
Freude bereiten. A. Schl.
W Neuheiten in Vordruckkarten . Die Firma Wild & Co.,
Buchdruckerei, Graphische Kunst- und Prägeanstalt in
Dresden-Heidenau hat ein umfangreiches Musterbuch
herausgegeben, das ihre diesjährige Neuheiten von Blanko¬
drucken für Glückwunschkarten aller Art enthält. Die sehr
reichhaltige Sammlung bringt in den verschiedenstenFarben
die verschiedenartigsten Muster, an welchen gleichzeitig
deren Verwendung für Eindrücke veranschaulicht wird.
Alle Blankokarten zeigen die gegenwärtig so beliebte
Prägung. Ob solche bei Druckarbeiten angebracht ist, das
soll hier nicht erörtert werden, zumal solche Prägungen
von den Abnehmern gewünscht werden. Dem Hersteller
muß aber leider der Wunsch des Käufers Gebot sein, das
er berücksichtigen muß, wenn er verkaufen will. Hervor¬
gehoben muß werden, daß die Prägungen auf den be¬
musterten Blankokarten durchweg technisch einwandfrei
sind. Denjenigen Buchdruckern, die Bedarf an Blanko¬
karten haben, sei dieBeachtung des Musterheftes empfohlen;
sie werden sicher etwas finden, das ihrem Geschmack
entspricht und auch den Beifall der Auftraggeber finden
wird. -n.
V Umschlag-Proben von F.A. Brockhaus in Leipzig. Einem
bereits früher erschienenen Empfehlungshefte ließ die vor¬
erwähnte Firma soeben ein weiteres folgen, das nur Ver¬
kleinerungen von mehrfarbigen Katalog-Umschlägen ent¬
hält, die die Firma F. A. Brockhaus im Laufe der letzten
Jahre hergestellt hat. Unter den durchweg in verkleinertem
Maßstabe wiedergegebenen Arbeiten befinden sich Um¬
schläge von der einfachsten bis zur reichsten Ausstattung.
Neben einer Anzahl vornehm und künstlerisch wirkender
Umschläge enthält das Heft auch Arbeiten im auffälligen
Reklamestil, bei deren Ornamentierung der Schnörkel noch
eine ziemliche Rolle spielt. Diese Arbeiten, die schon eine
Reihe von Jahren zurückliegen, spiegeln mehr den Ge¬
schmack einer glücklich überwundenenZeitperiode wieder.
Das Heft verdient wegen seiner vollendeten technischen
Ausführung die vollste Anerkennung. Die farbige Repro¬
duktion der einzelnen*Arbeiten ist mit einer überraschen¬
den Vollkommenheit erfolgt, in der sich die Leistungsfähig¬
keit der Firma auf dem Gebiete der Plattenherstellung und
des Farbendrucks in hervorragendem Maße äußert. S.
V The Saint Louis Republic . Am 12. Juli 1908 konnte die
in St. Louis erscheinende Zeitung The Saint Louis Republic
auf lOOjähriges Bestehen zurückblicken. Daß im Lande
der unbegrenzten Möglichkeiten dieser wichtige Gedenktag
nicht ohne ein Zeichen besonderer Leistungsfähigkeit
bleiben konnte, das beweist die mir vorliegende Festnummer,
die nicht weniger als 180 Seiten größten Formats umfaßt
undneben dem Lesestoffauch noch zahlreiche Abbildungen,
davon viele in Buntdruck, bringt. Schriftleitung und Verlag
dürfen auf diese Leistung mit Recht stolz sein, denn sie
zeigt, welche gewaltige Arbeit heute die Maschine zu leisten
vermag. A. Sch.
Inhaltsverzeichnis.
Bekanntmachung. S.409. — Die Technischen Kurse in
der Königlichen Akademie für graphische Künste und
Buchgewerbe in Leipzig. V. S.410. — Eine Studienreise
in Nordamerika. III. S. 411. — Der moderne Zeitschriften¬
umschlag. S.417. — Vom Satz mathematischer Formeln.
S. 423. — Aquarellfarbendruck mittels Maschine. S. 431.
— Schülerarbeiten graphischer Lehranstalten. S. 432. —
Aus den graphischen Vereinigungen. S. 434. — Bücher¬
und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge. S.438.
8 Beilagen.
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Preisausschreiben
für Bucheinbände
F EÜR eine in 12 Bänden erscheinende neue Auflage
B von unserm naturgeschichtlichen Werk Brehms
• Tierleben wollen wir einen Einband in Ganz-
i leinen verwenden und erlassen zur Erlangung von
geeigneten Entwürfen für Einband, Vorsatz und
Buchschnitt aus Künstlerkreisen folgendes Preisausschreiben:
Erster Preis: 750 M • Zweiter Preis: 500 M
Dritter Preis: 300 M »Vierter Preis: 200 M
Sollte nach Ansicht des Preisgerichts ein erster Preis nicht
in Frage kommen, so kann dessen Betrag auf fünf weitere
Preise mit je 150 M verteilt werden. Die prämiierten Ent¬
würfe gehen in unser Eigentum über. Ferner steht uns das
Recht zu, nicht prämiierte Entwürfe für je 50 M anzukaufen.
Rpriinp'ling'prr ^er Buchrücken ist 50 mm breit, 260 mm hoch,
ö o • (j er Buchdeckel 173 mm breit. Als Material für
Rücken und Deckel ist starkes Buchleinen in beliebiger Färbung gedacht,
doch können bei den Entwürfen Gewebe und Farbe des vorgeschlagenen
Materials auch auf Papier ausgedrückt werden. Schrift und Zeichnung
müssen, dem Ernst unseres großen Werkes entsprechend, in ruhigen
Formen gehalten sein. Die Schrift besteht aus dem Titel Brehms Tierleben
und zwei Zeilen Inhaltsangabe (z. B. Kriechtiere und Lurche). Für Schrift
ist Golddruck, für Zeichnung Golddruck oder farbiger Druck mit höchstens
zwei Druckplatten vorzusehen. Vorsatzpapier und Schnittfärbung
sollen zusammen mit der Buchdecke von harmonischer Wirkung sein.
Preisrichter sind die Herren Vorstandsmitglieder des Deut¬
schen Buchgewerbevereins: Dr. Ludwig Volkmann (Breitkopf
& Härtel), Prof. Max Seliger (Kgl. Akademie für Graph. Künste),
Hans Volckmar (F.Volckmar), Kommerzienrat Georg Giesecke
(Scheiter & Giesecke), Arndt Meyer (Bibliographisches Institut).
Einsendungstermin der Entwürfe unter einem Kennwort auf
geschlossenem, die Adresse enthaltenden Briefkuvert an uns
Anfang Januar 190g. Entscheidungstermin Mitte Januar 1909,
mit gleichzeitigerVeröffentlichung im Archiv für Buchgewerbe.
Bibliographisches Institut • Leipzig
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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe. Material und Sab von der Schriftgießerei Gebr. Klingspor, Offenbach a.
.
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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe. Material und Sa$ von der Schriftgießerei Gebr. Klingspor, OfFenbach a.
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Beilage zum „Archiu für Buchgewerbe
a Lumiere-Farbenreproduktion □
JOH. HAMBÖCK, MÜNCHEN
(Inh. E. Mühlthaler) Graphische Kunstanstalt
□ Farben-Fabriken □
E.T.GLEITSMANN, DRESDEN
Wien - Budapest - Trelleborg — Turin
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Original ftom
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Heugotifd) und Stbmudi nad)
3eldjnung non tOilli CDegener
Schriftgießerei flinfdj in Frankfurt am tDafn
Beilage jum drctjlo (ur Biubgeoerbe
1808
'•
*-* -
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feiner Tochter eine flusfteuer für
10-bis 100000 mk.antufdiaffen
und dobet den Gücberfdiranktu
nergeffen; Kommenienrat oder
anderer Rot 311 fein und einen
oollen meinkeller, aber einen
leeren ßücberfcbrank tu hoben;
noch Potfchoulie oder anderen
£ouc de mille fleurs tu duften
und fcbmierige Ceibbibliotbeks-
ßönde tu lefen; gute ßücber.in
deren Genuß man fid) fetten mill,
3U leiben, roenn man die mittel
3ur flnfcbaffung befißf.
fellf Dabn
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fleugotifd) und Sdjmutk noch
3eid)nung oon CDilli CDegcner
Sdjrlftgfeßeret fllnfdj in fronkfurt am Itlofn
Beilage jum flrdjio für 6ud)gemerbe
1908
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PRINCETON UN1VERSIT7
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
G. F. SMITH &SON
Berlin W. 57 • Bülowstraße 66
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schaft mitzuteilen, daß unser Lager in
Amerikanischen Umschlag-
:: und Werkdruckpapieren::
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jetzt Bülowstraße 66 befindet.
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Otto Weiserl, ITIessinglinienfabrik, Stuttgart
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August Fomm
Maschinenfabrik
Leipzig-Reudnitz
über Schnellschneide-
Maschine „Fomm“
und
Siemens - Schlickert-
Werke, G. m. b. H.
Berlin
über Indirekte Beleuch¬
tung durch Bogenlicht
beigegeben.
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und Einband¬
decken Jeder
Art für Buch¬
handel, Snduffrle, Prtoate und Bibliotheken.
mappen
für Projekte,^
Koftenanfchldge,
Diplome, Ehren¬
bürgerbriefe und Adretten in einfadier, fo-
wle auch künftlerifdi oollendefer Ausführung.
hiebhaberbände
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< -'S
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Paris 1867 — Wien 1873
Parts 1878— Melbourne 1881
Amsterdam 1883 — Ant¬
werpen 1885 — Mitglied
derjury außer Konkurrenz:
Paris 1889 — Brüssel 1897
Paris 1900
V___>
Ch. Lorilleux & Co.
Kommaodit-Geiellscb&tt auf Aktien es Gegr. 1818
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LEIPZIG
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Weltausstellung Lüttich 1905: Zwei Große Preise
Weltausstellung Mailand 1906: Großer Preis
v-1---/
Groß-
Buchbinderei
von Th.Knaur, Leipzig
Gegründet 1846
übernimmt sämtliche
Buchbinderarbeiten
zu mäßigem Preise.
441
60
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■OIOIOIOIOIOIOIO
€in fidjcrcr JDeg
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griff zu tun, ftebt ihnen offen. FDenden Sie fid) an untere
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Auswahl, Schreib- und Konzeptpapiere für Schulen
und Behörden, für Formulare, Geschäftsbücher usw.
Zeichenpapiere, Aktendeckel und Packpapiere.
Kartons weiß und farbig, Postkarten-Karton. Elfen¬
bein-Karton für Licht- u. Buchdruck. Geschnittene
Karten, Seidenpapiere, Briefumschläge usw.
■oioioioioioaoioioioioioi
hOIOIOIOIOIOIOIOIOIOIOIG
Amerikanische Doubletone-Farben und Ullmanines
sind einzig und allein unser Fabrikat. •-
Alle Versuche seitens amerikanischer, deutscher, englischer und
französischer Farbenfabrikanten unsere Doubletone-Farben brauchbar
zu imitieren, sind gänzlich mißlungen.
Unsere Doubletone-Farben und Schwärzen für Rotationsmaschinen
sind anerkannt in jeder Beziehung eminent erhaben, von größerer Deck¬
kraft, größerer Ergiebigkeit und ermöglichen Resultate, die früher nur
auf Zylinder-Maschinen erzielt werden konnten.
„Ein Wink genügt dem Weisen“
SIGMUND ULLMAN C2, NEW YORK
Europäische
Vertreter:
Gustav A. Jahn, Berlin,
Lindenstraße 101.
Rudolph Becker, Leipzig:,
Stephanstraße 8.
Rieh. Scholber, Stuttgart.
Linotype and Machinery Ltd,
London.
David Ferner y Cla.,
Barcelona.
Emlllo Antonelli & Co., Turin.
R. Pusztafl & Co., Budapest.
Charles F. Kaul, Paris.
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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TTlag Otltn, Leipzig
©sä ©rautet-Hnftatt csa
unö TReffing Jc^riften-Fabrik
@@(2<3(3(2!Se(3@@l3(2(3(3(3m@!2.<2.<3(2(3(2SC2S2(2.S3@S3f2®
Gesetzt aus meiner Lipsla-Fraktur
p^ac[?q][?q][?^[?q][7q][?q][7q]t?q][?q][?q]c?^[? t 3c? i gt? i a[? i g[? [ gc? t g[? t g[? £ üc?q]c? t g[? i gD ii D
lidroQdMQdCbaQdQdDiaQdDQtaQaBdQiaDjcatbaQiDCbdQaCbiaQiiDQitClMMCilD
Die (Befamlpcobe
Ift jeöl etfdjietieti
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1 _ Berlin ♦ Uleffinfliinienfflftrif
QjiQ Omamcnle
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E? K ac? K ac?*D[P c ac? | acp s acp*a[? i DC?q3i?«a[?*ac a| ac? i DD ai ac?R]c? i a[P i ac > R]c?*Di
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BERGER ^W|RTH
LEIPZIG
Filialen: (
Farben -
’ Fabriken
StRUN BARMEN BUOAPEST.riORENZ
lONOONHiwYORI\.»RI5.bTPEIfilbBUIIG (
B jss Deutldier SS
udigewerbeuerein
Hermann Scheibe ■ Leipzig
Gegrün det 18 57 Brief- KllVert-Fabrik KurprinzstraCc 1
Reichhaltiges Lager von Kuverts, sowie
Anfertigung in allen gewünschten Größen.
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Die in dem Deuffchen Buch*
gewerbehaus zu Leipzig ein*
gerichtete
Ständige
Buchgewerbliche
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worin niafdiinen,Bedarfsartikel
aller Art für buchgewerbiidie
Geidiflf te,fowie budigewerbliche
ErzeugniHe ausgeftellt find, fo*
wie das
Deutfche
Buchgewerbe-
ülufeum
mit feiner Husfteliung von dl*
teren und neueren Druckwerken
ift an Wochentagen pon 9 Uhr
bis 6 Uhr, an Sonntagen pon
ii bis 2 Uhr unentgeltlich
geöffnet.
Bdnderlose Ibseltige Zwllllngs-Rofaflonsmaschine
m vosTtanDiseHe
HseHinen-FHBRiK
(vormals 3.E.B.H. DIETRICH) Aktiengesellschaft
Plauen i.V.
V Bau non Rotafionsmasdilnen >
aller Art /
Das heiezimmer
des Deutichen Buchgewerbeper¬
eins ift an Wochentagen, mit
Ausnahme des montags, pon
9 bis 2 Uhr und abends pon
7 bis 10 Uhr, an Sonntagen pon
11 Uhr bis 2 Uhr koltenlOS
der Benufcung zugängig
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Rotguss - S cQriften unb
Zierat MSSHM
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FIRNISSEu.WALZENMASSE HANNOVER
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welche eine weite Ver¬
breitung in den Fach¬
kreisen finden sollen,
erreichen dies durch
öftere Aufnahme im
ARCHIV FÜR
BUCHGEWERBE
□□□□□□□□□□□□□□
GEGRÜNDET 1879
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Nur die Bogen-Falzmaschinen von
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laut Empfänger-Zeugnis.
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Einführung, D. Reichs-Patent
Leistung bis 5000
gefalzte Bogen in I Stunde
26 Staats-Medaillen und andere Auszeichnungen — Prospekte und Zeugnisse zu Diensten
Oerlangen Sic
das refd) aus-
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446
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DRUCKFARBEN
\ FABRIKEN/
Galvanos typen °
Voi£t & Geißler, Leipzig
ääM ^ ,v ''
gh LEHra© SST»
Äüfofypien -fiolzfchmHe Sfricbätjungen
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452
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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455
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PRiNCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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Herausgeber: Deutscher Buchgewerbeverein — Verantwortlicher Schriftleiter: Arthur Woernlein
— Druck: Breitkopf & Härtel — Sämtlich in Leipzig ~
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Zu dem Artikel: Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie für
graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. VI. Die Naturphotographie
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW
45. BAND NOVEMBER-DEZEMBER 1908 HEFT 11/12
HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN
|p||INLADUNG ZUM JAHRESBEZUG
-^D er 45 ß an( j unsrer Vereinszeitschrift Archiv für Buchgewerbe findet mit dem
vorliegenden Doppelheft 11/12 seinen Abschluß. Auch der nun ablaufende Jahr¬
gang hat gewiß den deutlichen Beweis erbracht, daß das Archiv für Buchgewerbe
«4] ein völlig unabhängiges Fachblatt ist, das in selbständiger, sachlicher Weise der
Förderung des gesamten Buchgewerbes dient. Ohne Rücksicht auf persönliche oder sonstige Son¬
derinteressen wirkt die Vereinszeitschrift durch ihre gediegenen theoretischen sowie aus der
Praxis hervorgegangenen Aufsätze für weitere technische und künstlerische Ausbildung ihrer
Leser und Freunde. Zahlreiche und mustergültige Beilagen geben dem strebsamen Berufsange¬
hörigen Anregungen zu weiterem Schaffen. Der Abschnitt „Aus den graphischen Vereinigungen“
bildet ein Bindeglied nicht nur zwischen dem Deutschen Buchgewerbeverein und seinen korpora¬
tiven Mitgliedern, den verschiedenen typographischen Gesellschaften, sondern auch unter den letz¬
teren selbst, die allmonatlich über die Tätigkeit ihrer Schwestergesellschaften unterrichtet werden.
Das stetige Steigen unsers Leserkreises, sowie die uns zahlreich zugegangenen Anerkennungen
über die Unabhängigkeit, den Inhalt und die Ausstattung unsrer Vereinszeitschrift sind uns der
beste Beweis für die Richtigkeit unsrer Grundsätze. Wir werden daher auch fernerhin den be-
schrittenen Weg verfolgen und für den weiteren Ausbau des Archiv für Buchgewerbe in gleicher
Weise wie bisher besorgt sein.
Unsre Leser und überhaupt alle Angehörigen und Freunde des Buchgewerbes, die unserm
Verein als Mitglieder noch nicht angehören, bitten wir den neuen Jahrgang bei der nächsten
Buchhandlung oder bei der Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins baldigst bestellen
zu wollen.
Die Mitglieder des Deutschen Buchgewerbevereins erhalten für den Jahresbeitrag von M 15.—
die Vereinszeitschrift kostenlos, nur ist von denjenigen, die eine direkte Zusendung unter Streif¬
band wünschen, das Porto, Inland M 2.40, Ausland M 5.—, an die Geschäftsstelle einzusenden.
Der Beitritt zum Deutschen Buchgewerbeverein ist daher für alle Angehörigen und Freunde des
Buchgewerbes von besonderem Nutzen.
Leipzig, Deutsches Buchgewerbehaus, im Dezember 1908
Der Vorstand des Deutschen Buchgewerbevereins
Dr. L.Volkmann , I.Vorsteher
Arthur Woernlein, Verwaltungsdirektor
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Bekanntmachung.
In den Deutschen Buchgewerbeverein wurden im Monat November 1908 als Mitglieder aufgenommen:
Für das Jahr 1908:
1 . Walter Girbardt , Chemnitz.
2 . Hermann Schürmann i. Fa*. Henry Garda, Lanston-
Monotype, Leipzig.
Für das Jahr 1909:
a) als Einzelmitglieder:
1 . Carl Decker i. Fa. Decker & Hardt, Buchdruckerei,
Stuttgart.
2. Otto Grüttefien , Geschäftsführer der Buchdruk-
kerei und Verlagsanstalt A. Martini & Grüttefien
G. m. b. H., Elberfeld.
3. Hugo Hebsaker i. Fa. Ensslin & Laiblins Verlags¬
buchhandlung, Reutlingen.
4. Ernst Herrmann i. Fa. Felix Böttcher, Walzen¬
gießanstalt, Leipzig-Reudnitz.
5. Paul Hertz i.Fa. Hertz 1 Boktrykkerie, Kopenhagen.
6 . G. B . A. Holm i. Fa. Aktiebolaget P. A. Norstedt
& Söner, Stockholm.
7. Eugen Hutzier , Buch- und Steindruckerei, Reut¬
lingen.
8 . Corns. Immig jr. i. Fa. Corns. Immig & Zoon,
Book- und Kunstdrykkerie, Rotterdam.
9. Max Rieh. Kirste i. Fa. Kirste & Sieberth, Bog-
og Kunsttrykkeri, Kristiania.
10 . Paul Singer i. Fa. Paul Singer, Verlagsanstalt und
Buchdruckerei, Stuttgart.
11 . C. Stegmann , Geschäftsführer der Firma H.Rieke
& Co., Buchdruckerei und Verlag, Braunschrveig.
12. Erich Weinreich , Kunstmaler, Kunstgewerbliche
Werkstätte, Breslau.
b) als korporatives Mitglied:
Typographischer Zirkel Neurode , Neurode.
Leipzig, im Dezember 1908
Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins
Arthur Woernlein, Verwaltungsdirektor
Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie
für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig.
VI. Die Naturphotographie. Von F. NAUMANN, Leipzig.
IE Photographie hat im Laufe der letzten in erster Linie die Röntgenphotographie und die
)■ Jahrzehnte einen außerordentlichen Auf- Mikrophotographie, die helfend einspringt; auf dem
^ schwung genommen und sich zu einem Kul- Gebiete der Kriminalistik ist die Photographie be-
turfaktor von Bedeutung entwickelt. rufen, Tatbestände aufzunehmen und Fälschungen
Auf nahezu allen Gebieten des menschlichen Wis- auf Briefen und Dokumenten nachzuweisen, und
sens und Könnens leistet die Photographie heutzu- mancher Verbrecher ist durch ihre Aufschlüsse
tage wertvolle Hilfe und stattet so den Dank dafür der wohlverdienten Strafe zugeführt worden. Die
ab, daß durch ernste, fleißige, wissenschaftliche For- Sonne bzw. die photographische Platte brachte es an
schung die Lichtbildnerei auf ihre jetzige Höhe ge- den Tag.
hoben worden ist. Dem Kriegswesen dient die Fernphotographie vom
Immer wird hervorgehoben, daß die Photographie Ballon aus. Dem Naturforscher gibt sie getreue
den Wissenschaften so unendlich viel gegeben habe. Bilder der kleinen und kleinsten Lebewesen, an
Gewiß, ihre Hilfe war und ist noch eine außerordent- denen er den anatomischen Bau derselben in klaren
lieh wertvolle, und eine große Anzahl hervorragender und scharfen Umrissen erkennen und studieren kann,
neuzeitlicher Entdeckungen sind auf ihr Konto zu denn hierbei ist gerade ihre Eigenschaft, die Dinge
verbuchen. Auf dem Gebiete der Astronomie ver- der Außenwelt mit absoluter Genauigkeit aufzu¬
danken wir der Mithilfe der Photographie die Ent- zeichnen, von größtem Werte. Wer jemals Gelegen¬
deckung einer Menge kleiner, lichtarmer Himmels- heit hatte, moderne, mit Hilfe der Photographie her¬
körper, die dem menschlichen Auge, selbst mit den gestellte Bildertafeln in naturwissenschaftlichen
stärksten Ferngläsern bewaffnet, nie sichtbar werden. Werken mit den alten, meist in Kupferstich herge-
Die empfindliche photographische Platte aber zeichnet stellten Tafeln zu vergleichen, dem wird der Unter-
ihre Bahnen auf. Auf medizinischem Gebiete ist es schied zwischen beiden, hinsichtlich der exakten
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PRINCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Wiedergabe der natürlichen Formen, sofort klar
werden.
Wie ist es nun mit der Stellung der Photographie
der Kunst gegenüber?
Die bildenden Künstler, insbesondere die Maler
und Zeichner, blickten früher vielfach, und meist
nicht mit Unrecht, mit Mißachtung auf die Leistungen
der Photographie und der Photographen herab, denn
was in den photographischen Schaukästen früher
zu sehen war, das waren in den meisten Fällen die
bekannten glatt
retuschierten,
nichtssagenden,
wie Speck¬
schwarte glän¬
zenden Bild¬
nisse, bei denen
die dargestellten
Personen ent-
wederwieEngel
in den Wolken
schwebten (die
sogenannten ab-
getöntenBilder)
oder in den ge¬
schraubtesten
Stellungen an
unmöglichen
Möbeln vor un¬
möglichen Hin¬
tergründen ge¬
stellt waren und
unter denen in
protzigem Gold¬
druck finger¬
breit der Name
des verfertigen¬
den Künstlers
prangte. Ob
Kommerzienrat
oderMusketier,
Baronin oder
Küchenfee, einerlei, als Stütze für den aufgelegten
Arm diente derselbe reich geschnitzte oder ver¬
goldete Lehnstuhl, derselbe Hintergrund, der eher
einem Feenpalast aus einem Weihnachtsmärchen¬
spiel als einem Wohnraum glich, wurde verwendet.
Es kam dem Photographen gar nicht darauf an, eine
Gartenbank in Verbindung mit einem Zimmerhinter¬
grund zu bringen, eine Dame im Winterpelz mit
Schlittschuhen am Arm vor eine Sommerlandschaft
zu stellen, und andre derartige Geschmacklosigkeiten
zu begehen.
Heute sind solche Ungeheuerlichkeiten seltener
geworden, der Geschmack des Publikums hat sich
verfeinert, man lehnt so etwas ab, und die Photo¬
graphen haben gelernt, ihre Bilder individueller,
künstlerischer, lebenswahrer zu gestalten. Wir treffen
heute in den Schaufenstern guter photographischer
Werkstätten und auf den großen internationalen Aus¬
stellungen künstlerischer Werke der Photographie
Bildnisse und Landschaften in vornehmster Technik
ausgeführt und mit geschmackvoller Aufmachung
versehen, die sich Werken der Kunst sehr stark
nähern. In den Händen eines künstlerisch gebil¬
deten und technisch auf der Höhe stehenden Photo¬
graphen ist die
Photographie in
der Lage, das
besonders deut¬
lich zu machen.
Die Kamera ist
zwar ein totes
Werkzeug, der
GeistdesKünst-
lers aber kann
sie beleben und
die technischen
Vorgänge nach
seinem Willen
leiten,gleichwie
der Maler seine
Pinsel und Stifte
nach seinem
Willen führt.
Auch sie sind
nur das Werk¬
zeug, und es
muß gleichgül¬
tig sein,welches
Werkzeugich ge¬
brauche, wenn
nur das Werk
auf die Seele
des Beschauers
wirkt.
Sind wir nun
einerseits im¬
stande, mit Hilfe der Kamera selbständige künstle¬
rische Werke hervorzubringen, so kann anderseits
die Photographie, lediglich von der technischen Seite
betrachtet, dem Maler und Zeichner, dem entwer¬
fenden Künstler wesentliche Dienste leisten, und es
haben in neuerer Zeit die Künstler erkennen und
schätzen gelernt, daß ihnen in der Photographie eine
treue Helferin erstanden ist. Seitdem ein Lenbach
sich ständig ihrer Mithilfe bediente, ist auch die ge¬
wisse Scheu vor der Inanspruchnahme solcher Hilfe¬
leistungen geschwunden, und erste Künstler nehmen
heute oft und gern ihre Dienste in Anspruch.
Welcher Gestalt können nun diese Dienste sein?
Der moderne Künstler ist ein moderner Mensch, und
62 *
459
II. Übung. Schüler: Georg Diebener. 1908
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der moderne Mensch hat keine Zeit. Die Tagesstun¬
den, die ihm zu seinem Schaffen zur Verfügung stehen,
sind kostbar und es wird daher für ihn von Vorteil
sein, wenn die Kamera das Skizzenbuch begleitet
und ergänzt. Wohlverstanden: begleitet, nicht etwa
ersetzt. Kein Künstler, der mit Stift und Pinsel
schafft, kann der manuellen Skizzen entbehren, aber
er kann sie mit größtem Nutzen durch photographische
Aufnahmen unterstützen, ergänzen und vertiefen,
denn mit der Kamera ist er imstande, besonders die
schnell sich abspielenden Vorgänge, z. B. schnellste
Bewegungen von Tieren und Menschen in der Natur,
sowie das wechselnde Mienenspiel des menschlichen
Antlitzes im Augenblicke festzuhalten, was mit dem
Stifte niemals möglich wäre. Er kann dann die ge¬
wonnenen Bilder vergleichen und studieren, er findet
Einzelheiten, die vielleicht wichtig, ihm jedoch ent¬
gangen sind und die unter Umständen dem Bilde
oder der Zeichnung des Künstlers zur Charakteristik
dienen können.
Während nun die Fachklasse für Naturphotographie
die Heranbildung tüchtiger, selbständig und mit Ver¬
ständnis arbeitender junger Photographen erstrebt,
an denen in der Praxis erheblicher Mangel herrscht,
da die Ausbildung in der Lehre in vielen Fällen heute
noch eine durchaus ungenügende ist, bezweckt der
technische Kurs fürNaturphotographie,der für Schüler
der Vorschule und für Fachschüler der andern Werk¬
stätten offen ist, in erster Linie die Teilnehmer mit
der Handhabung der verschiedenen photographischen
Apparate, den Vorgängen beim Negativprozeß und
denen der einfacheren Kopierverfahren, sowie dem
Vergrößerungsverfahren bekannt und nach Möglich¬
keit vertraut zu machen, damit die jungen Künstler
in der Lage sind, sich gelegentlich der späteren Aus¬
übung ihrer graphischen oder buchgewerblichen
Tätigkeit wertvolle Studien aus dem großen, uner¬
schöpflichen Erscheinungsgebiete der Naturformen
mit leichter Mühe und ohne nennenswerten Zeitver¬
lust zu sammeln. Es wird sich ihnen später oft genug
Gelegenheit bieten, dieses Material in freier Ver¬
arbeitung nutzbringend verwerten zu können.
Bei den technischen Kursen der Vorschüler soll
nicht , wie es für die Fachschüler der Fall ist, die
Schaffung des selbständigen , bildmäßigen und tech¬
nisch vollendeten Werkes der Endzweck sein und
fachmäßige Leistungen bewirken, sondern die Photo¬
graphie soll nur Mittel zu einem andern Zwecke sein.
Es kann daher beim technischenKursusinden meisten
Fällen, besonders auch in Anbetracht der Kürze der
zur Verfügung stehenden Zeit, auf die schwieriger
auszuführenden Positivverfahren, wie den Pigment-,
Platin-, Gummidruck usw. nicht, oder meistens nur
in erklärender Weise eingegangen werden, es sei
denn, daß schon einzelne der Schüler in der photo¬
graphischen Technik durch früheres Selbststudium
vorgeschritten wären. Dagegen soll das Vergröße¬
rungsverfahren gepflegt werden, weil den Schülern
dadurch später die Möglichkeit geboten ist, sich Ent¬
würfe selbst auf das gewünschte Format vergrößern
zu können.
Nur für die Fachschüler der photographischen Ab¬
teilung können die schwierigeren Positivverfahren in
Betracht kommen und sie müssen diesen allein Vor¬
behalten bleiben, weil diese Schüler die Photographie
berufmäßig erstreben und betreiben und durch ein¬
gehende Kenntnisse derselben ihre wirtschaftliche
Lage in der Praxis bedeutend zu verbessern imstande
sind. Für die Besucher der technischen Kurse aber
kommt es in erster Linie an auf einigermaßen ver¬
nünftiges Bedienen der Kamera, die bei den Auf¬
nahmen zu beobachtenden Maßregeln, die Beherr¬
schung der Technik des Negativprozesses und der
des Kopierens. Als Skizzenmaterial leistet jeder ge¬
wöhnliche Zelloidindruck völlig Genüge.
Die Reihenfolge der Aufgaben, die den Schülern
des technischen Kursus gestellt werden, ist daher
etwa die folgende:
I. Aufnahme nach Gipsmodell.
II. Aufnahme nach einem farbigen Naturobjekt.
III. Landschaftsaufnahme nach der Natur.
IV. Bildnisaufnahme nach der Natur. (Die Kopien
sind auf Auskopierpapieren zu fertigen.)
V. Die Technik des Vergrößerns.
Für Vorgeschrittene eventuell.
VI. Die Technik des Platin- und Pigmentdruckes.
VII. Die Technik des Gummidruckverfahrens.
Die beigedruckten Autotypien sollen einen Über¬
blick über die Ergebnisse bilden; hierbei ist zu be¬
rücksichtigen, daß durch die Reproduktion die Klar¬
heit der Photographie etwas gelitten hat.
Zugleich sei in Hinblick darauf, daß die Illustra¬
tionen zu den Artikeln über die technischen Kurse
zum Teil falsch aufgefaßt wurden, ganz besonders
hervorgehoben, daß lediglich die technische Seite
und nicht die künstlerische in Betracht gezogen
werden soll. Schülerarbeiten können keine Meister¬
werke sein. Auch bei der photographischen Technik
gilt, wie bei andern Techniken der Satz, daß Übung
erst den Meister macht, und daß zu einer photo¬
graphischen Kopie noch etwas mehr gehört als: „Die
Sonne und ein Stückchen Papier“. Die vorgeführten
Arbeiten sind also nicht als Leistungen berufsmäßiger
Photographen, sondern als die ersten selbständigen
Versuche von Zeichnern, Malern und andern Buch-
gewerblern, sich photographierend zu betätigen, an¬
zusehen.
460
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PRINCETON UNIVERS1TY
Schüler: Otto Melzer
Schüler: W. Burkhardt
Schülerin: Joh. Klunker
Zu dem Artikel: Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie für
graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. VI. Die Naturphotographie
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Zu dem Artikel: Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie für
graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. VI. Die Naturphotographie
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Schüler: Karl Kirst
Schüler: W. Messerschmidt
Schüler: Bernh. Voigt
I. Übung. 1908
Schüler: Otto Gfrörer
■■ ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE =
Die Papierfabrikation im Jahre 1908.
Von Dr. PAUL KLEMM, Gautzsch bei Leipzig.
UCH an der Papierindustrie ist der wirtschaft¬
liche Niedergang nicht spurlos vorüber¬
gegangen. Zwar hat er dem andrer Industrien
etwas nachgehinkt — eine Erscheinung, die Regel
zu sein scheint und in der Eigenart der Verhältnisse
begründet ist — aber davon, daß die Papierindustrie
wie vor einem Jahre von Absatzsorgen frei sei, kann
nicht mehr die Rede sein. Im Gegenteil, sie stehen
heute meist wieder mit an oberster Stelle. Und die
Aussichten für die Zukunft sind nichts weniger als
günstig. Drückendes Unbehagen lastet jetzt am
Ende des Jahres auf der Papierindustrie.
Daß sich die wirtschaftliche Krise in dieser später
fühlbar gemacht hat, mag daran liegen, daß ein großer
Teil der erzeugten Halb- und Ganzfabrikate durch
Lieferungsverträge abgesetzt wird, zu denen man in
Zeiten des Überwiegens der Nachfrage über das An¬
gebot stets geneigt ist. Es liefen oder laufen wohl
noch auf Jahre abgeschlossene Verträge, die noch
eine gewisse Stetigkeit aufrechterhalten haben. In
dem Maße, wie sie ablaufen, wird natürlich die Lage
schlimmer und die Gefahr des Umsichgreifens nicht
mehr rechnender, wilder Unterbietung, die sich schon
jetzt vereinzelt bedenklich bemerkbar macht, wird
immer größer.
Am frühesten haben die Fabriken den Umschwung
zu fühlen begonnen, die Papiere nach denVereinigten
Staaten von Nordamerika oder auch sonst ins Ausland
ausführen, und solche, die für andre Industrien arbeiten,
deren Absatz durch Stockungen eingeschränkt wurde.
Wichtige Rohstoffe der Papierfabrikation sind nach
wie vor teuer geblieben, so daß eine Verbilligung der
Erzeugung nicht eingetreten ist, namentlich da die so
wichtigen Kohlen durch die Preispolitik des Kohlen¬
syndikats teuer und noch dazu schwer zu haben
waren; auch die Sieb- und die Filzfabrikanten haben
sich trotz der veränderten Sachlage im Rohstoffhandel
nicht bereit finden lassen, billiger zu werden. Aber
auch wo Ermäßigungen eingetreten sind, konnte die
Papierfabrikation auf Grund der auf längere Zeit hin¬
aus abgeschlossenen Lieferungsverträge oft keinen
Nutzen davon ziehen.
So will sich auch daran gar nicht recht etwas
ändern, daß der selbst in der vorausgehenden Zeit
günstigster Absatzverhältnisse so eng gebliebene
Spielraum zwischen Erzeugungskosten und Markt¬
preisen sehr gering ist.
Beim Außenhandel mit Papier hatte sich im Vor¬
jahre gezeigt, daß zwar ein Wachstum desselben zu
verzeichnen war, jedoch auch, daß das Wachstum der
Ausfuhr mit dem der Einfuhr nicht Schritt gehalten
hatte. Unverkennbar sind darin die für manche
Zweige der Papierindustrie ungünstigen Wirkungen
des deutschen Zolltarifs zu erkennen, die bei manchen
Fabriken die Ausfuhrmöglichkeit gehemmt, bei andern
dem Auslande erfolgreichen Wettbewerb auf unserm
heimischen Markte ermöglicht haben.
Voraussichtlich wird die sinkende Konjunktur in
diesem Jahre die für die Papierfabrikation und die
Papierverarbeitungsindustrie so ungünstigen Wir¬
kungen der Zollverträge noch weit deutlicher zum
Ausdruck bringen, soweit die Handelsberichte jetzt
ein Urteil zulassen.
Gewissermaßen als Glück im Unglück ist es auf¬
zufassen, daß die Natur in der so ungemein wichtigen
Fabrikation von Holzschliff durch Wassermangel
Einschränkungen der Erzeugung herbeigeführt hat, die
wohl auch noch den Winter über anhalten werden.
So ist Holzschliff ein nicht im Überfluß vorhandener,
auf den Markt drückender, sondern noch immer
begehrter Stoff geblieben, und der Holzschliffmangel
hat zur Entlastung des an starker Übererzeugung
leidenden Holzzellstoffmarktes beitragen können,
soweit der höhere Wert des Zellstoffs dies zuläßt.
Daß man auch von der nächsten Zukunft nicht
viel Günstiges erwarten darf, liegt einesteils daran,
daß, sobald als die natürlichen Einschränkungen der
Erzeugung infolge Wassermangels aufhören, eine
Übererzeugung an Papierstoffen so gut wie gewiß
ist. Leicht kann diese zu ungesunder Verschleude¬
rung von Faserstoffen und darauf auch von Papier
führen, durch die jede Stetigkeit der Geschäftsbe¬
ziehungen verloren geht, die im allgemeinen mehr
wert ist, wie vereinzelte hohe Geschäftsgewinne.
Wahrscheinlich würde das Nachlassen des Bedarfs
mit seinen Begleiterscheinungen für die Marktlage
weniger fühlbar geworden sein, wenn nicht eine An¬
zahl neuer Papiermaschinen von hoher Leistungs¬
fähigkeit neu aufgestellt worden wären.
Die Technik hat nämlich einen modernen Typus
der Betriebsanlagen in Deutschland besonders durch
die Maschinenbauanstalten von Fällner, Warmbrunn,
und Voithy Heidenheim, entwickelt, der älteren An¬
lagen in mancher Beziehung überlegen ist und nach
dem die neuen Anlagen geschaffen sind. Es ist ein
Typus der Fabrikanlage für die Massenfabrikation
holzhaltiger Papiere, insbesondere von Zeitungs¬
druckpapieren, die vielleicht tage- oder selbst wochen¬
lang in gleicher Weise oder mit nur unwesentlichen
Änderungen über die Papiermaschine laufen.
Vordem, in der Zeit der Entwicklung der Halb¬
stoff-Fabrikation zum selbständigen Industriezweige
waren selbst dort, wo die Halbstoffe ganz oder zum
Teil in dem gleichen Fabrikationsbetrieb hergestellt
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wurden, Halbstofferzeugungs- und Papiererzeugungs-
Einrichtung technisch voneinander unabhängige, selb¬
ständige Glieder, oft räumlich voneinander getrennt
und nur äußerlich miteinander verbunden, sie stan¬
den auch in derselben Fabrik meist nur in einem
Verhältnis wie Lieferant zu Abnehmer. Schon die
Entwicklung der Verhältnisse brachte dies mit sich,
sei es, daß bestehende Fabriken die Halbstoffe kauf¬
ten oder selbst Halbstoffanlagen errichteten, oder
sei es, daß die Halbstofffabriken im Laufe der Zeit
auch Papiermaschinen aufstellten, was ja häufig ge¬
schehen ist.
Wenn es sich nicht um Massenfabrikation von
Papier mit wenig wechselnder Zusammensetzung
handelt, sondern mannigfaltige Sorten in kleineren
Mengen nach verschiedenen Rezepten herzustellen
sind, wird man auch hinsichtlich der Selbständigkeit
der Teilbetriebe beim alten bleiben müssen.
Bei dem Typus der modernen Zeitungsdruckpapier¬
fabrik wird der Hauptbestandteil, der Holzschliff,
tunlichst sogleich nach dem Schleifen, ohne erst in
Pappenform übergeführt worden zu sein, weiter ver¬
arbeitet und die flüssigen Abgänge der Schleiferei
und der Papiermaschine werden in den Betrieb zu¬
rückgeführt und kreisen in diesem. Manche sonst
verloren gehenden Fäserchen und Füllstoffteilchen
bleiben dabei im Papier zurück. So setzt man einer¬
seits die Stoffverluste auf ein möglichst geringes
Maß herab und ebenso die lästige Verunreinigung
der Wasserläufe.
Außerdem sucht man bei diesem Typus der Fabrik¬
anlage dadurch möglichst hohe Gleichmäßigkeit des
maschinenfertigen Stoffes zu erreichen, daß man für
Mischung großer Stoffmassen in SammelgeFäßen von
entsprechender Größe sorgt. Das ist deshalb von
Vorteil, weil nur bei Gleichmäßigkeit des Stoffes
auch die Papierbildung gleichmäßig ausfällt, ohne
daß fortwährend an der Maschine geregelt werden
muß. Auch für die Geschwindigkeit, mit der ein
Papier gearbeitet werden kann, ist das von größter
Bedeutung. Mit Maschinentypen dieser Art lassen
sich Arbeitsgeschwindigkeiten bis 150 m und Tages¬
erzeugungen bis 25 Tonnen erreichen.
Da mehrere solcher modernen Maschinen in Betrieb
gekommen sind, so gibt dies natürlich ganz gewaltige
Massen von Mehrerzeugung. Deshalb ist auch die
Lage gerade in der Druckpapierindustrie besonders
schlimm und das Druckpapiersyndikat hat seinen
Mitgliedern, um einer allzu großen Übererzeugung
zu steuern, bedeutende Produktionseinschränkungen
auferlegen müssen.
Auch eine Produktionseinschränkung durch Ver¬
längerung der Sonntagsruhe ist erwogen worden,
wohl aber mit Rücksicht auf die bevorstehende Be¬
triebseröffnung einer sehr großen neuen Fabrik
unterblieben.
So kommt es, daß namentlich holzhaltiges Druck¬
papier in der zweiten Hälfte des Jahres spottbillig
geworden ist. Der Zeitungsdrucker bekommt billiges
und gutes Papier, soviel er will.
Die Bemühungen, um nach irgendeiner Richtung
Fortschritte an Druckpapierfabrikaten zu erreichen,
haben auch einiges Beachtungswerte gezeitigt. Ob
darunter etwas ist, was eine dauernde Errungen¬
schaft bedeutet, wie die vor etwa zwei Jahren aufge¬
tauchte Herstellung matterKunstdruckpapiere,die sich
heute ein weites Feld erobert hat, muß die Zeit lehren.
Zu erwähnen ist da ein Verfahren von Dr. £. Fues,
Hanau (D.R.P. 193 909), das als Mittel, die Gleich¬
mäßigkeit des Gefüges zu erhöhen, die Zumischung
gepulverter strukturloser Zelluloseprodukte zum
Papierstoff ins Auge faßt, die man nach Behandlung
mit verdünnten Mineralsäuren aus Pflanzenfasern ge¬
winnen kann, gewissermaßen also eines vegetabili¬
schen Füllstoffes, der die Lücken des Faserfilzes mit
einem der Fasersubstanz ähnlichen Körper ausfüllt.
Eifrig sind die Bemühungen fortgesetzt worden,
Ersatz für Harz als Papierleim zu finden. Der Weg,
in unsern Kolonien zu gewinnende Harze als Voll¬
ersatz heranzuziehen, hat bis jetzt noch nicht zu
günstigen Ergebnissen geführt,denn die untersuchten
harzigen Produkte waren entweder ganz unbrauchbar
oder noch zu unrein, als daß sie an Stelle von Kolo¬
phonium verwendbar wären.
Dagegen hat sich ein bereits im vorigen Jahre er¬
wähnter Teilersatz, der gerade Druckpapier angeht,
als tauglich erwiesen, nämlich die vom Verfasser
dieses Berichts vorgeschlagene „mineralische Lei¬
mung“, die bei Druckpapier noch gewisse Neben¬
vorteile hat.
Namentlich werden mineralisch geleimte Papiere
voraussichtlich für Verleger wertvoller Bücher eine
bedeutungsvolle Rolle zu spielen berufen sein, näm¬
lich dann, wenn es darauf ankommt, unvergilbbare
Papiere für die Verlagswerke zu benutzen. Ganz zu
beseitigen ist bei der Verwendung von Harz die Ver¬
gilbungsfähigkeit eines Papieres ja überhaupt nicht,
da auch das beste Harz im Laufe der Zeit mit Ver¬
gilbung verknüpfte Oxydation erfährt. Die minera¬
lische Leimung hat also für Druckpapier die Lösung
des Problems, Unvergilbbarkeit zu erreichen, ge¬
bracht. Voraussetzung ist natürlich, daß die Faser¬
stoffe rein und unvergilbbar sind, also von Holzschliff
oder vergilbbaren organischen Körpern frei sind.
Auch die Bedruckbarkeit wird in mancher Be¬
ziehung verbessert.
Von hohem allgemeinem Interesse und voraus¬
sichtlich auch von großer Tragweite für das Buch-
und Druckgewerbe wird eine Bewegung sein, die sich
an weitere in diesem Jahre erfolgte Veröffent¬
lichungen über die Dauerhaftigkeit von Druckpapier
knüpfen; sie finden sich in den Mitteilungen aus dem
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Kgl. Materialprüfungsamt in Großlichterfelde-West
(Jahrgang 1908, Seite 105 bis 147). Es sind die beiden
Abhandlungen von Professor W. Herzberg „Schutz
unsern Geistesdenkmälern“ und von Dr. Johannes
Franke , Direktor der Kgl. Universitätsbibliothek in
Berlin „Eine ernste Gefahr für unsre Bibliotheken“.
Die in diesen Arbeiten durch umfangreiche und sorg¬
fältige Untersuchungen aufgedeckten Übelstände be¬
stehen in d er sehr häufigen Verwendung von Papieren
von geringer Festigkeit auch zu wertvollen Druck¬
werken von dauerndem Wert und gipfeln in dem Ver¬
langen nach Verwendung festerer Papiere für Bücher
wie auch für wissenschaftliche und schöngeistige Zeit¬
schriftenliteratur, ja selbst für die Tagespresse, so¬
weit es sich um Exemplare derselben handelt, die
für öffentliche Bibliotheken und wissenschaftliche
Institute bestimmt sind.
Daß eine Vernachlässigung der für den Gebrauch
der Druckwerke in der Hand des Lesers so wichtigen
Festigkeitseigenschaften eingetreten ist, daran trägt
zweifellos zum guten Teil das einseitige Bestreben
nach möglichst günstiger Bedruckbarkeit schuld,
denn die Mittel, mit denen es gelingt, einem Papier
möglichst günstige Bedruckbarkeit zu verleihen,
haben auf die Festigkeitseigenschaften ungünstigen
Einfluß. Es ist der Gegensatz von röscher und schmie¬
riger Mahlung des Stoffes, der hier hereinspielt. Die
günstige Bedruckbarkeit gewährleistende gleich¬
mäßige Struktur und Oberflächenbeschaffenheit ist
nur durch rösche Mahlung zu erreichen, höhere
Festigkeitseigenschaften setzen schmierige Mahlung
voraus. Den höchsten Grad von Bedruckbarkeit und
zugleich auch von Festigkeit einem Papiere zu ver¬
leihen, bereitet deshalb große und, man darf wohl
sagen, praktisch unüberwindliche Schwierigkeiten.
Es leuchtet ein, daß hier nur ein Kompromiß auf
Besitz eines mittleren Grades der genannten wich¬
tigen Eigenschaften möglich sein wird, bei dem sich
der Papiermacher oft vor eine heikle Aufgabe gestellt
sieht. Bei Papieren für Buchstabendruck wird er
erhöhte Festigkeitsanforderungen ohne Schwierig¬
keiten erfüllen können. Aber bei Bilderdruckpapieren
muß man sich wohl wenigstens in einer Übergangs¬
zeit auf mancherlei Unannehmlichkeiten gefaßt
machen, denn der Widerstreit zwischen der Erhaltung
günstigster Bedruckbarkeit für Bilder, von der man
natürlich nichts wird preisgeben wollen, und den
Forderungen erhöhter Festigkeit wird sich voraus¬
sichtlich erst im Laufe der Zeit ausgleichen lassen;
es wird mancher Versuche bedürfen, bis man in
Papiermacherkreisen klar ist, bis zu welchem Grade
sich die Schwierigkeiten überwinden lassen, und bis
man auch in Verleger- und Druckerkreisen weiß,
welche Anforderungen man billigerweise nach der
einen und der andern Richtung stellen kann. Jeden¬
falls wird der Bilderdruckpapier-Fabrikant seine
ganze Kunst aufbieten müssen, um den gesteiger¬
ten Anforderungen der nächsten Zukunft gerecht zu
werden.
Weiteste Kreise der Druckpapierfabrikation werden
von dieser ein ernstes Programm einschließenden
Forderung „Schutz unsern Geistesdenkmälern“ be¬
troffen und es wäre, namentlich um auf Mißverständ¬
nissen beruhenden Härten und Streitigkeiten tun¬
lichst vorzubeugen, gewiß von großem Wert, wenn
der Vorschlag Professor Herzbergs verwirklicht würde,
eine Organisation von Vertretern aller beteiligten
Kreise zu schaffen. Denn es handelt sich hierbei in
der Tat um eine Angelegenheit von höchster Wichtig¬
keit für alle Zukunft.
Die Druckfarbenfabrikation im Jahre 1908
Von Direktor Dr. L. DORN, Stuttgart.
8 ^ AS Fuchsin, die im Jahre 1858 von Hofmann
)■ in Berlin erfundene erste Anilinfarbe, feiert
wß in diesem Jahre sein 50jähriges Jubiläum.
Das Anilin und Toluidin, aus welchen das Fuchsin
durch Behandeln mit verschiedenen Reagentien ge¬
wonnen wurde, sind Abkömmlinge des Steinkohlen¬
teers. In welch grandioser Weise sich seit jener Ent¬
deckung Hofmanns die Industrie der Anilinfarben
besonders in Deutschland entwickelt hat, ist allbe¬
kannt. Mit der Einführung und Ausbreitung der neuen
aus den Steinkohlen gewonnenen Farbstoffe ging
natürlich ein Zurückgehen der Produktion der natür¬
lichen organischen, das heißt der aus dem Pflanzen-
und Tierreich stammenden Farbstoffe Hand in Hand.
In welchem Maße sich dieser Rückgang im Verbrauch
der natürlichen organischen Farbstoffe vollzog, wollen
wir an einem Beispiel ziffernmäßig nachweisen. Die
Farbenzeitung, Fachblatt für die gesamte Farben- und
Lackindustrie, Union Deutsche Verlagsgesellschaft,
bringt in Nr. 2 vom 10. Oktober 1908 folgende Notiz:
„Noch im Jahre 1870 wurden für 20 Millionen
Pesetas Cochenille aus Spanien ausgeführt, 1895
war die Ausfuhr auf 2,5 Millionen gesunken und im
Jahre 1907 betrug sie nur noch 802189 Pesetas.“
Bekanntlich ist die Cochenille das Insekt (Schildlaus),
welches den Farbstoff für den Karmin und die Kar¬
minlacke liefert. Auch die Kultur der Krappwurzel,
welche früher namentlich in Frankreich ausgedehnte
Landstrecken in Anspruch nahm, ist auf ein Minimum
zurückgegangen, dessen volkswirtschaftlicher Wert
von keinem Belang ist. Wie der aus der Krappwurzel
gewonnene „natürliche“ durch den ebenso lichtechten
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aus dem Alizarin (einem Steinkohlenprodukt) her¬
gestellten „künstlichen“ Krapplack verdrängt wurde,
so muß auch der natürliche Indigo dem gleichfalls
dem Steinkohlenteer entstammenden künstlichen
Indigo weichen.
Nicht in gleichem Maße wie die genannten roten
Farbstoffe wurde das ursprünglich aus den Gelb- oder
Kreuzbeeren, später auch aus Querzitron (Extrakt aus
der Rinde der Färbereiche) und dem aus diesem
hergestellten Flavin gewonnene Schüttgelb durch Ab¬
kömmlinge des Steinkohlenteers ersetzt (siehe Farben¬
zeitung Nr. 48 vom 29. August 1908, Seite 1702).
Allerdings kommt speziell für die Erzeugung von
Gelblacken für Buch- und Steindruck dem Schütt¬
gelb gegenüber den aus dem Steinkohlenteer gewon¬
nenen gelben Farben eine nur untergeordnete Bedeu¬
tung zu.
Allerdings haben wir außer diesen erwähnten stark
im Rückgang begriffenen Farbstoffen tierischen und
pflanzlichen Ursprungs noch einige wichtige Pflan¬
zenfarbstoffe, welchen die Teerfarben noch keinen
Abbruch getan haben; unter diesen ist namentlich zu
nennen das Blauholz, dessen Extrakte eine ganz be¬
deutende Rolle in der Färberei spielen; aber auch in
der Lackfarbenfabrikation finden die aus dem Blau-
und Rotholz gewonnenen Farbstoffe (letztere bekannt
unter den Namen: Bronzerot, Granatrot, Achat¬
rot usw.) Verwendung.
Kehren wir nun wieder zu dem Fuchsin und dem
aus derselben Zeit stammenden Anilin-Violett zu¬
rück, so verdankten diese Farben ihre rasche Auf¬
nahme ihrer außerordentlichen Brillanz, ihrer Aus¬
giebigkeit und den gegenüber den früheren sehr
vereinfachten Färbereimethoden — auch für die Pig¬
mentfarbenfabrikation wurden die neuen Anilinfarben
bald verwertet —, aber neben den erwähnten glän¬
zenden Eigenschaften haftete denselben auch ein
verhängnisvoller Mangel an: nämlich eine außer¬
ordentlich starke Lichtempfindlichkeit. In bezug auf
Lichtechtheit kamen daher die Anilinfarben so sehr
in Mißkredit, daß es unter den Konsumenten noch
heute viele gibt, welche alle aus Teerfarbstoffen her-
gestellte Farben für nicht lichtecht halten, weil eben
die ersten Erzeugnisse des neuen Industriezweiges
sehr lichtempfindlich waren. So finden wir z. B. in
einem im Jahre 1906 erschienenen sonst vortreff¬
lichen Werke über Chromolithographie den Satz:
„Aus letzterer (der Steinkohle) werden die schönen
Teerfarbstoffe erzeugt, von denen aber leider der
größte Teil für Druckzwecke infolge der hohen Licht¬
empfindlichkeit und Lösbarkeit in Wasser und alko¬
holischen Flüssigkeiten gegenwärtig eine verhältnis¬
mäßig geringe Verwendung findet.“ Dieser Behaup¬
tung gegenüber muß festgestellt werden, daß die
meisten Teerfarbstoffe als solche allerdings zu Druck¬
zwecken nicht verwendet werden können, wohl aber
die daraus hergestellten Pigmentfarben, welchen
heute unter den bunten Druckfarben eine ganz her¬
vorragende Bedeutung zukommt, und die in großen
Quantitäten für alle Reproduktionsverfahren ver¬
braucht werden. Unter diesen Abkömmlingen des
Steinkohlenteers gibt es allerdings noch eine Anzahl,
die als lichtempfindlich bezeichnet werden müssen,
deren Konsum aber von Jahr zu Jahr abnimmt, weil
es eben den Anilinfarbenfabriken inzwischen gelungen
ist Produkte zu schaffen, welche in bezug auf Licht¬
echtheit den höchsten Anforderungen genügen und
also die natürlichen organischen Farben in dieser
Hinsicht zum Teil bedeutend übertreffen. Was die
Wasserlöslichkeit betrifft, so sind die heutigen in
einer der bekannten gut geleiteten Druckfarben¬
fabriken aus Teerfarben hergestellten Pigmentfarben
vollkommen unlöslich in Wasser; dagegen gibt es
allerdings noch eine Anzahl dieser Farben, welche
sich in Spiritus etwas lösen. Um die Konsumenten
vor Schaden zu bewahren, haben aber die meisten
Druckfarbenfabriken die Gepflogenheit, in ihren Preis¬
listen diese spirituslöslichen Farben als nicht lackier¬
bar zu bezeichnen, wie sie denn anderseits für jede
bunte Farbe in ihren Katalogen auch die Lichtecht¬
heitsklasse angeben. Nach dem obengesagten ist
man also heute nicht mehr berechtigt, die aus den
schönen Teerfarbenstoffen hergestellten Druckfarben
wegen ihrer Lichtempfindlichkeit als für Druckzwecke
ungeeignet zu betrachten; im Gegenteil hat der
Druckfarben-Konsument alle Ursache, mit der Ent¬
wicklung und den Fortschritten der Farbenfabrikation
zufrieden zu sein; verdankt er derselben doch eine
Menge der schönsten licht- und wasserechten Far¬
ben, von ganz vorzüglicher Druckfähigkeit, mit wel¬
chen sich Effekte erzielen lassen, für welche die
früheren Farben versagten.
Die Erfolge, welche die Farbenfabrikation gerade
in den letzten Jahren in bezug auf die Lichtechtheit
ihrer Erzeugnisse erzielte, lassen hoffen, daß auch
die in dieser Hinsicht mit voller Berechtigung stets
wachsenden Ansprüche für solche Nuancen noch be¬
friedigt werden können, welche bislang nur mit nicht
lichtechten Farben zu erreichen waren.
Zu den weißen Deckfarben, die bis jetzt hauptsäch¬
lich durch das Kremser- (Blei-) und Zinkweiß reprä¬
sentiertwurden, ist nach der Farbenzeitung Nr. 18 vom
1. Februar 1908 in einigen Ländern Europas, beson¬
ders in Italien und Frankreich als den Hauptproduk¬
tionsländern des Antimonmetalls, ein Antimonweiß
getreten, das — wenn auch in beschränktem Maße —
dort als Anstrichfarbe Verwendung findet. Ob dasselbe
auch zu Druckzwecken benutzt wird ist noch fraglich.
Von den schwarzen Farben kommt für die Zwecke
der Druckfarbenfabrikation nach wie vor fast aus¬
schließlich der Ruß in seinen verschiedenen Ab¬
stufungen, vom feinsten Gasruß bis herunter zum
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billigsten Kammerruß in Betracht. Die Methoden der
Rußfabrikation haben sich zum Teil geändert, die
Produkte sind aber in bezug auf ihre Verarbeitung
zu Druckfarben dieselben geblieben, nur daß sie hin¬
sichtlich Feinheit, Ausgiebigkeit und Tiefe noch ver¬
bessert wurden.
Das einer rheinischen Firma anfangs dieses Jahres
erteilte Patent auf die Herstellung von Schwärzen aus
Steinkohle liefert ein Produkt, das für die Druck¬
farbenfabrikation keinesfalls in Betracht kommt.
Unter den künstlichen Mineralfarben ist es ganz
besonders das Chromgelb, das im Laufe der letzten
Jahre durch weitere Erhöhung seiner Ausgiebigkeit
verbessert wurde.
Bei den angeriebenen druckfertigen Farben sind
weitere Fortschritte zu verzeichnen, insofern die
Farbenfabriken — namentlich gilt dies für die
schwarzen Buchdruckfarben — bemüht waren, die
Druck- und Trockenfähigkeit derselben noch weiter
zu erhöhen. Neben der Verbesserung der Sikkative
wurde deshalb der Fabrikation der Leinölfirnisse ganz
besondere Beachtung geschenkt; man machte Ver¬
suche, um diese Firnisse einerseits heller, andrerseits
rascher trocknend zu erhalten, auch waren die
Firnisfabrikanten redlich bemüht, den bei der Leinöl¬
firnisfabrikation auftretenden Übeln Geruch so
gründlich wie möglich zu beseitigen.
Abgesehen von kleinen Zusätzen, welche zur Er¬
höhung der Druck- und Trockenfähigkeit dienen,
werden alle Farben, mit Ausnahme der Zeitungs¬
farben, mit Leinölfirnis angerieben; das Leinöl bildet
also nach wie vor den Rohstoff für die Fabrikation
der Buch-, Stein- und Kupferdruckfirnisse. Die an¬
dern trocknenden Öle wie Mohnöl, Hanföl und Son¬
nenblumenöl haben in der Firnisfabrikation keinen
Eingang gefunden.
Die Schriftgießerei im Jahre 1908.
Von FRIEDRICH BAUER, Hamburg.
AS letzte Jahr war für die Schriftgießerei
eines der ungünstigsten seit langer Zeit, und
wenn das nach außen nicht sehr auffällig zu¬
tage trat, so ist dies ein erfreulicher Beweis dafür,
daß die meisten deutschen Schriftgießereien auf
einem gesunden Boden stehen. Als Zeichen innerer
Kraft darf es auch wohl aufgefaßt werden, wenn die
Hervorbringung von Neuheiten sich auf einer ge¬
wissen Höhe gehalten hat, die nicht so arg wie in
früheren Jahren das auffällige Merkmal des Über¬
maßes trug. Immerhin ist noch mehr geschnitten
und gegossen worden als verlangt wurde, und so war
denn der Wettbewerb der Schriftgießer um die Gunst
der Buchdrucker und Verleger ungemein lebhaft.
Als Folge kollegialer Vereinbarungen, die nach dem
Grundsätze „leben und leben lassen“ die Billigung
und Unterstützung der Buchdrucker fanden, bewegte
sich aber der Wettkampf in erträglichen Formen, die
freilich — wie das in solchen Fällen leider fast stets
zu beobachten ist — durch einige Außenstehende
nicht immer gewahrt blieben. Es kommt noch hin¬
zu, daß auch in den ausländischen Absatzgebieten der
deutschen Schriftgießereien nicht nur diese unter
sich in schärferen Wettbewerb traten, sondern es
wird den dort eingeführten Schriftgießern auch von
ihren Kollegen aus andern Ländern die Kundschaft
— und meistens durch Unterbietung — abspenstig
gemacht. Um das Maß voll zu machen, erschweren
und versperren die Zollschranken einiger Staaten
den Gießereien das ausländische Geschäft.
Die Art der neuen Erzeugnisse des letzten unter¬
scheidet sich nicht viel von derjenigen des vorauf¬
gegangenen Jahres. Zur neudeutschen Richtung sind
noch einige Nachzügler zu verzeichnen, ebenso haben
einige Gießereien ihre gotischen Schriften ergänzt.
Am wichtigsten war der Ausbau der Antiqua. Mehrere
Häuser haben die vor Jahren begonnenen Erzeugnisse
durch Auszeichnungsschriften ergänzt, einige sogar
in großartigem Maßstabe, andre sind bemüht, nach¬
zukommen und Antiquaschriften besonderen Charak¬
ters herauszubringen. Wieweit die Bemühungen,
die Antiqua in neue Formen umzugießen, Erfolg und
welche Schriften am längsten Bestand haben werden,
bleibt noch abzuwarten. Die gebotene Auswahl ist
zwar schon jetzt nicht gering, trotzdem sind die Er¬
scheinungen offenbar noch nicht abgeschlossen und
eine Gegenüberstellung der verschiedenen Erzeug¬
nisse wird deshalb einem späteren Bericht Vor¬
behalten bleiben können.
An neuem Material für die Ausstattung der Akzi¬
denzen und für Zeitungsanzeigen hat das vergangene
Jahr nur wenig Aufsehenerregendes gebracht; es
war mehr ein Ergänzen und Ausbauen als ein Suchen
nach neuen Wegen. Die typographische Ornamentik
hält sich immer noch in bescheidenen Grenzen und
bleibt so ihrem eigenen Wesen am nächsten. Da der
Guß von Ornamenten, mit wenigen Ausnahmen,
immer nur wenig lohnend gewesen ist, so werden die
Schriftgießereien mit diesen Verhältnissen gar nicht
unzufrieden sein.
Die Namengebung für die Erzeugnisse der Schrift¬
gießerei gibt uns Anlaß zu einigen Bemerkungen.
Während man auf der einen Seite bestrebt ist, die
guten alten Kegelnamen: Petit, Korpus, Cicero,
Mittel, Tertia, Text usw. aussterben zu lassen, um die
nach Einführung des Normalsystems doch zweifellos
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feststehenden Kegelstärken durch Ziffern noch prä¬
ziser auszudrücken, indem man die Schriftgrade
nach Punkten bezeichnet und 8 Punkt, 10 Punkt usw.
oder Corps 8, Corps 10 usw. schreibt, ist man auf
der andern Seite bemüht, den verschiedenen Schöp¬
fungen klangvolle Namen zu verleihen. Die Ver¬
hältnisse haben sich hier ähnlich herausgebildet
wie in großen Städten bei den Straßennamen: da
die „echten" Namen nicht mehr ausreichen, nimmt
man Zuflucht zu künstlichen Bezeichnungen.
Echte Schriftnamen sind beispielsweise: Fraktur,
Schwabacher, Gotisch, Kanzlei, Antiqua, Steinschrift,
Lapidar, Rundschrift usw. und die davon abgeleiteten
Namen, wie z. B. Renaissance-Fraktur, Neue Schwa¬
bacher, Psaltergotisch, Römische Antiqua u. dgl.
Auch Namen wie Romanisch, Neudeutsch, Liturgisch,
Schulfraktur sind noch gute Schriftnamen; wenn sie
auch nicht mehr so klar wie die zuerst genannten
sind, so läßt sich mit ihnen immer noch ein Begriff
verbinden. Ferner sind Schriftnamen, die den Namen
des Künstlers mit seinem Werk verbinden, nicht un¬
berechtigt, wenn es sich um Künstler von besonders
ausgeprägter Eigenart handelt, wie es z. B. bei Eck¬
mann, Behrens, Grasset, Auriol, Bek-Gran u. a. der
Fall ist, die jeder einen eigenen Schrifttypus ge¬
schaffen haben, der eben nur diesen Künstlern ge¬
lingen konnte. Handelt es sich dagegen um Schriften,
die ebensogut ein Zeichner namens Müller oder
Schulze entworfen haben könnte, dann hat es wenig
Sinn, sie Meier- oder Schmidt-Schrift zu nennen. Ver¬
gnüglich wird der Fall, wenn man die Namen jener
Erzeugnisse, die mehr oder weniger dem Modebedarf
dienen sollen, in der Nähe besieht. Phantasie und
Geschmack erfinden die wunderlichsten Bezeich¬
nungen für Schriften und Einfassungen, die zu den
benannten Gegenständen oft auch nicht die geringste
Beziehung haben. Alle Götter und Göttinnen; die
Helden der Sage und Geschichte; berühmte Frauen
und Männer; Länder, Völker und Dynastien und vieles
andre müssen ihre Namen leihen, um damit ein
Schriftgießerei-Erzeugnis schmücken zu lassen. Der
unbefangene Beobachter wird manche Blüte unfrei¬
willigen Humors pflücken können, er kann — um nur
einige Beispiele anzuführen — eine magere und eine
halbfette Venus, eine halbfette Sorbonne und eine
ebenfalls halbfette Elfe, eine fette Renania (wohl
richtiger Rhenania) und eine fette Graziella, eine enge
Helvetia, eine schmale und eine breite Bianca, eine
lichte Mignon und vieles Ähnliche finden und sich
vergebens fragen, wie die Schriften gerade zu solchen
Namen kommen. Über den Geschmack läßt sich be¬
kanntlich nicht streiten, aber es läßt sich auch nicht be¬
streiten, daß bei der Wahl vielerNamen der Geschmack
abwesend war. Doch das ist ja schließlich Sache der
an der Taufe beteiligten Paten. Unangenehm war es
nur, wenn sich nach vollzogener Taufe und nachdem
die mit dem unter vielem Kopfzerbrechen gefundenen
Namen geschmückten Proben in die Welt gegangen
waren, herausstellte, daß der Name schon von einer
andern Gießerei längst „gefunden“ worden war.
Ausnahmsweise wurde auch, um einem neuen Er¬
zeugnis den Weg zu ebnen, ein einem andern ge¬
hörender alter Name, der sich eines guten Klanges
erfreute, absichtlich adoptiert, wovon natürlich der
Eigentümer des alten Namens durchaus nicht erfreut
war. Um solchen Unannehmlichkeiten vorzubeugen,
führt die Vereinigung der Schriftgießereibesitzer
Deutschlands seit 1904 eine Namensliste, für die die
Mitglieder alle neuen Namen anmelden. Wer einen
Namen zuerst anmeldet, für den ist er gegen Wieder¬
holung von andrer Seite geschützt, denn wer einen
bereits eingetragenen Namen anmeldet, der wird be¬
nachrichtigt und zur Wahl eines andern Namens ver¬
anlaßt. Für den Buchdrucker hat diese Einrichtung
die angenehme Folge der Gewißheit, daß sich jeder
Name nur auf ein Erzeugnis bezieht, er kann also
z. B. mit dem Namen einer „magern Venus“ mit
einiger Phantasie und gutem Gedächtnis einen Be¬
griff verbinden. Ein kürzlich von der Vereinigung
veranstalteter Abdruck der Liste gibt den Mitgliedern
eine Übersicht über die bis jetzt vorhandenen Namen.
Eine Frage, die in erster Linie die Buchdrucker,
dann aber auch die Schriftgießer und besonders die
Messinglinienfabrikanten angeht, betrifft die einheit¬
liche Regelung und Vereinfachung der gebräuch¬
lichsten Linienstärken . Es handelt sich namentlich
darum, wie stark das Bild einer feinen, stumpffeinen,
halbfetten und fetten Linie sein muß, und ferner dar¬
um, die vielen überflüssigen Linienbilder für den
gewöhnlichen Gebrauch auszuscheiden. Bisher liefern
die Fabriken „jede gewünschte“ Bildstärke, und sie
werden es natürlich auch in Zukunft tun, wenn es
verlangt wird. Aber es ist doch ein großer Übelstand,
daß es nötig ist, erst ein Muster — eine Zurich¬
tung — einzuschicken, wenn man z. B. halbfette
Viertelpetitlinie haben will; wer nicht ganz sorg¬
fältig dabei verfährt, kann sicher sein, daß die neue
Lieferung mit dem älteren Bestände nicht überein¬
stimmt. Es wäre wirklich zeitgemäß, daß über eine
einfache und praktische Abstufung Klarheit geschaffen
wird. Die typographischen Gesellschaften haben
sich im Laufe dieses Jahres mit der Frage beschäf¬
tigt, und das Ergebnis war eine Einigung auf folgende
Abstufung:
feine Viertelpetitlinie . . . y 5 Punkt Bildstärke
stumpffeine Viertelpetitlinie . */ a „ „
halbfette Viertelpetitlinie . . 1 „ „
dreiviertelfette Viertelpetitlinie IV 2 » »
fette Viertelpetitlinie.... 2 „ „
Die ersten drei Bildstärken gelten auch für die feine,
halbfette und fette Achtelpetitlinie. Diese Sache
erscheint so außerordentlich einfach und selbstver-
466
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PRINCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
ständlich, daß man meinen sollte, es bedürfe nur der
allgemeinen Zustimmung, um sie zum Abschluß zu
bringen. Selbst die Stärke der feinen Linie kann gar
nicht mehr anders gewählt werden, denn sie wurde
ja vor dreieinhalb Jahren bereits von den ersten
Fachleuten der Buchdrucker und Schriftgießer bei
Beratung der Normal-Schriftlinie beraten und fest¬
gelegt. Das Normal-Schriftliniensystem beruht auf
der Vs Funkt starken feinen Viertelpetit-Messing¬
linie, und die Mehrheit der typographischen Gesell¬
schaften ist trotz des entgegenstehenden Vorschlages
der Berliner Gesellschaft, der y l0 Punkt dafür fest¬
setzen wollte, auch darauf zurückgekommen. Der
erwähnte Vorschlag ist aber auch insofern unver¬
ständlich, als eine nur ] /i 0 Punkt starke Linie schon
aus rein praktischen Gründen und ganz abgesehen
von jenem älteren Beschluß durchaus nicht emp¬
fehlenswert ist, denn sie ist so scharf, daß von einem
„Bilde" kaum noch die Rede sein kann. Die punk¬
tierte Linie muß selbstverständlich aus der feinen
Linie herausgehen, und wenn der Abstand der Punkte
von Mitte zu Mitte genau auf zwei Punkte bemessen
wird, so hat man ein in jeder Hinsicht praktisches
und leicht nachzuprüfendes Muster gefunden. Die
Spurweite der doppelfeinen Viertelpetitlinie wird
am einfachsten gefunden, wenn man eine feine
Viertelpetit- mit einer feinen Achtelpetitlinie zusam¬
mensetzt und dies Bild aufViertelpetitkegel schneidet.
— Die Vereinigung der Schriftgießereibesitzer
Deutschlands hat sich in seiner letzten Versammlung
mit der Sache befaßt und — eine Kommission ge¬
wählt, die die Frage prüfen soll. Die Buchdrucker, die
schon am Ziel zu sein glaubten, mögen sich also noch
etwas in Geduld fassen. Nur keine Überstürzung!
Unter den Erfindungen für die Schriftgießerei kann
man zwei Arten unterscheiden: die erste will das
Gewerbe durch Verbesserungen fördern, die andre
will ihm das Leben schwer machen, indem sie ver¬
sucht, ihm das Wasser abzugraben. Von einigen Er¬
findungen der ersteren Art habe ich im vorigen Jahre
berichtet, und auch eine Erfindung der andern Art
konnte ich erwähnen. Über die letztere, Thompsons
Typecaster , die Gießmaschine für den Buchdrucker,
mit welcher dieser aus Linotype-Matrizen seine
Typen selbst gießen „kann", und zwar gleich von
Nonpareille bis vier Cicero auf einer und derselben
Maschine, tauchen von Zeit zu Zeit immer wieder
Nachrichten in unsern Fachblättern auf. Es soll
tatsächlich die Absicht bestehen, diese Maschine bei
uns anzubieten. Der Schreiber dieser Zeilen hatte
Gelegenheit, Erzeugnisse des Typecasters zu sehen,
und er muß gestehen, daß ihm Typen von solch trau¬
riger Gestalt früher noch nicht vor Augen gekom¬
men sind.
In letzter Zeit werden Mitteilungen über eine dem
Typecaster der Bestimmung nach ähnliche Maschine
467
in die Fachpresse gebracht. Diese Maschine nennt
sich nach ihrem Erfinder, einem in London lebenden
Indier namens Bhisey, Bhisotype. Da nun die Lei¬
stung bei einer neuen Maschine immer die Haupt¬
sache ist, so will ich gleich voraus bemerken, daß
der Erfinder behauptet, seine Maschine würde in
einer Minute bei 40 Umdrehungen 2400 fix und
fertige Buchstaben gießen, während die heute ge¬
bräuchliche Komplett-Gießmaschine laut Angabe des¬
selben Erfinders nur 60 bis 80 Typen in der Minute
gießt. Wenn man nun hinzunimmt, daß sich der im
Besitz der Bhisotype befindliche Buchdrucker die
2400 Typen in der Minute selbst gießen kann, so liegt
es klar auf der Hand, daß den Schriftgießereien jetzt
das letzte Stündlein bald geschlagen hat. Es bleibt
nur noch die Frage, was mit den vielen Typen ge¬
macht werden soll, wenn sich jede Buchdruckerei
auch nur eine Bhisotype zulegt. Nach meiner Schät¬
zung würde etwa ein Dutzend Bhisotypen so viel
Schrift hervorbringen wie jetzt sämtliche deutsche
Schriftgießereien zusammen zu gießen imstande sind.
Diese großartige Leistung bringt die Bhisotype „ganz
einfach“ dadurch zuwege, daß sie mit zwei Formen
zugleich aus je 30 Matrizen bei jeder Umdrehung
60 Typen gießt, und das macht bei 40 Umdrehungen
in der Minute genau 2400 Typen. Die Stunde hat
60 Minuten und der Normalarbeitstag acht Stunden:
2400X60X8=1 152 000 Typen pro Tag. Dabei
ist die Maschine nicht größer als eine Handgie߬
maschine, sie hat auch einige Ähnlichkeit mit dieser,
nur hat sie statt der bisher üblichen einen Matrize
deren 60 im Betrieb: also wieder einmal das Ei des
Kolumbus. Wer nun weiß, welche Sorgfalt aufge¬
wendet werden muß, um auf einer Gießmaschine mit
einer Matrize dauernd so genaue Typen zu gießen,
wie sie vom Buchdrucker verlangt werden, der wird
die Bhisotype sechzigfach bewundern müssen. Mit
diesem „Erfolge“ ist der Erfinder aber nicht zu¬
frieden, denn er baut auch gleich noch eine Setz¬
maschine hinzu, deren „Magazin“ mit der Gie߬
maschine durch eine Transportkette verbunden ist.
Eine Gießmaschine kann „auf diese Weise“ acht bis
zehn Setzmaschinen versorgen, „angenommen, jede
Setzmaschine leiste 150 bis 200 Buchstaben Satz die
Minute*. Wenn ich noch bemerke, daß eine eng¬
lische Gesellschaft gegründet worden ist, die die
Maschinen „an den Markt“ bringen will und daß auch
in Deutschland eine solche Gesellschaft ins Leben
gerufen werden soll, dann darf ich alles übrige wohl
getrost späteren Berichten Vorbehalten.
Die „Erfolge“ des Typecasters haben anscheinend
der Monotype-Co. Veranlassung zu höherm Streben
gegeben; es genügt ihr nicht, den Schriftgießern die
Brotschriften streitig zu machen, sie gießt jetzt außer
„Bodytype“ auch „Display type, Borders, Spaces and
Quads* von 5 bis 36 Punkt-Kegel. Leider gebraucht
63*
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PRINCETON UNIVERS1TY
: ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
man zum Gießen verschiedener Schriften außer der
Maschine und dem Blei auch noch Matrizen, und da
wird sich das Selbstgießen von größeren Graden
wohl nur selten lohnen, ganz abgesehen davon, daß
auch an die Zeichnung der Schriften noch aller¬
hand Ansprüche gestellt werden. Den Schriftgießern
kann es schon recht sein, wenn sich die Gieß-Setz-
maschinen in solchen unfruchtbaren Experimenten
verlieren; vielleicht werden gerade dadurch den
Buchdruckern die Augen geöffnet, damit sie erkennen,
daß die Schriftgießerei eine Kunst ist, die mehr ver¬
langt als „40 Umdrehungen in der Minute*.
Der Buchdruck im Jahre 1908
Vom k. k. Regierungsrat GEORG FRITZ, Wien.
JWSSKlE abflauende Konjunktur im Wirtschafts-
Jlßivl leben hat auch das Buchgewerbe nicht ver-
schont, aber glücklicherweise bis jetzt keine
verheerenden Wirkungen angerichtet. Da mag wohl
jetzt praktisch die feste Organisation der Buchdrucker
Deutschlands, welche auf der Tarifgemeinschaft und
dem Tarifvertrag beruht, ihre Bedeutung erwiesen
und manche geschäftliche Erschütterung vermieden
haben. Bei guter Geschäftslage ist eine solche Orga¬
nisation nicht von so großer Wichtigkeit, wenn sie
sich aber in bösen Zeiten als dasjenige erweist, was
sie sein soll, dann ist sie gewiß eine unschätzbare
Wohltat für alle. Dies haben auch die österreichi¬
schen Buchdruckereibesitzer gewürdigt und eine ähn¬
liche Organisation ausgebaut wie ihre Kollegen im
Deutschen Reiche; freilich vorläufig noch nicht mit
demselben Erfolg wie diese. Es besteht jedoch kein
Zweifel, daß auch hier energisches Festhalten am
Rechten und kraftvolles, zielbewußtes Eingreifen,
dort wo es nötig ist, zum Ziele führen wird. Gebietet
doch die bitterste Notwendigkeit diese Einrichtung,
um den auch hierzulande blühenden Preisunterbie¬
tungen einen wirksamen Damm entgegenzustellen.
Als Teilmittel zu diesem Zwecke erscheint seit 1. Sep¬
tember 1908 die Buchdruckerwehr als amtliches
Organ des Reichsverbandes österreichischer Buch¬
druckereibesitzer, herausgegeben vom Schutzver-
bande der Buchdruckereibesitzer Niederösterreichs.
Dem Programm dieses Organs entnehmen wir, daß
dem weiten Gebiete organisatorischer Tätigkeit seine
besondere Fürsorge gewidmet, eine einige und ge¬
einte Prinzipalität und die Besserung der gewerb¬
lichen Verhältnisse und die Hebung des Standes
überhaupt angestrebt werden soll. Dem Minimal¬
kundentarif soll jene Ausgestaltung gegeben werden,
welche den geänderten Verhältnissen Rechnung trägt
und seine Brauchbarkeit erhöht, sowie auch Stellung
genommen werden soll gegen die Parasiten und
Preisdrücker im Buchdruckgewerbe. Auch die Wah¬
rung und Förderung des gewerblichen und tariflichen
Friedens will die Buchdruckerwehr kräftigst unter¬
stützen. Die vornehmste Aufgabe des Schutzver¬
bandes soll es sein, die gewerblichen Interessen der
Mitglieder wirksam zu vertreten, die Schleuderkon¬
kurrenz und den illegalen Wettbewerb zu bekämpfen,
468
den Mitgliedern gegenseitigen Kundenschutz zu
sichern, dem Agentenunwesen und unlauteren Zwi¬
schenhandel entgegenzutreten und unentgeltliche
Auskunft in gewerblichen Rechtsangelegenheiten zu
erteilen. Zur Wahrung der Standesehre ist ein Ehren¬
rat eingesetzt, eine Berechnungsstelle soll noch er¬
richtet werden. Fürwahr ein umfassendes Programm,
dessen guter Durchführung im Interesse des Buch¬
gewerbes das Beste zu wünschen ist.
Bleibt doch die Ausgestaltung der inneren Organi¬
sation der Buchgewerbetreibenden, welche ihnen
einen angemessenen Ertrag ihrer Arbeit sichern soll,
eigentlich noch immer den Fortschritten gegenüber
zurück, die in der Technik sowohl wie in der Ver¬
vollkommnung der ästhetischen Seite unsrer Erzeug¬
nisse wahrzunehmen sind. So schreitet z. B. die
zweckentsprechendere und bessere Herstellung des
Buches unaufhaltsam vorwärts und das kaufende
Publikum verlangt gegenwärtig auch von dem einfach¬
sten Werke, daß es ein gefälliges Aussehen haben
muß. Dies macht sich auch auf andern Arbeits¬
gebieten bemerkbar. Außerordentlich erfreulich ist
es daher, daß die Firma Bügen & Co., Hannover,
die künstlerische Ausstattung von geschäftlichen
Drucksachen auf ihre Fahne geschrieben hat. 1 Viel¬
leicht in keinem Gebiete von Drucksachenherstellung
wird so viel gesündigt, beziehungsweise so viel Zweck¬
widriges hergestellt, wie eben hier, sowohl was Text¬
anordnung wie Druckausführung betrifft; freilich
wohl meist aus dem Grunde, weil gerade bei diesen
Drucksachen, zumeist als Massenartikel benötigt, die
Preise derart gedrückt sind, daß jedem schon von
vornherein die Lust vergeht, idealen Zielen zuzu¬
streben. Es muß dieser Firma als entschiedenes Ver¬
dienst zugesprochen werden, dieses Arbeitsgebiet in
sorgfältige Pflege genommen und gezeigt zu haben,
daß auch bei diesem mit Hilfe kunstverständiger
Mitarbeiter ästhetisch Schönes und voll Befriedigen¬
des geleistet werden kann. Leider besteht allerdings
erst ein kleiner Kreis von Kunden, dem das Ver¬
ständnis beigebracht wurde, daß zu einem Geschäfts¬
erfolge auch die Drucksorte gehört und daß diese,
sei sie auch noch so unscheinbar, sich ebenso gut
1 Siehe Archiv für Buchgewerbe, Heft 3, 1908.
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= ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
und tadellos repräsentieren soll, wie etwa der Rei¬
sende, den die Firma ausschickt, oder ihre Lokali¬
täten und Schaufenster. Es ist aber kein Zweifel,
daß die Druckanstalten durch hartnäckiges Festhalten
an dem Prinzipe, nur Gutes und Schönes zu leisten,
wenn dies auch etwas höher im Preise zu stehen
kommt, nach und nach eine Erweiterung und Ver¬
mehrung von Kunden mit solchen Anschauungen
herbeizuführen imstande sind: der praktische Kauf¬
mann hat nämlich hiefür viel mehr Verständnis als
man in unsern Kreisen annimmt.
Wenn man die vielen Erfindungen, Neuerungen und
Verbesserungen für das Buchgewerbe am Schlüsse
eines jeden Jahres Revue passieren läßt, wie dies
einem gewissenhaften Berichterstatter zukommt,
wenn man die immensen Vorteile derselben einer
Betrachtung unterzieht, von denen nach der Ansicht
des Erfinders gerade seine darnach angetan sein soll,
die bestehende Technik völlig umzustürzen und deren
Leistung in schier schwindelerregende Höhe zu er¬
heben und zu verbilligen, so muß man unwillkürlich
zu dem Gedanken kommen, daß die Buchgewerbe¬
treibenden eigentlich ein furchtbar konservatives
Völklein sind und es gar nicht verstehen, sich die
Vorteile der Erfinder zunutze zu machen, und lieber
den Karren in dem alten Geleise mühsam fort¬
schleppen.
Und doch wie gut tun unsre Kollegen im allge¬
meinen daran, sich nicht sofort in jede Erfindung
hineinzustürzen; manchmal werden sie davon auch
von dem Berichterstatter abgehalten. Dann aber
wehe dem! Im Vorjahre hatte ich die Kühnheit, in
meiner Übersicht einige Zweifel in die praktische
Verwendbarkeit eines Apparates zu setzen. Flugs
kam mir von interessierter Seite ein Schreiben in
das Haus geflattert des Inhalts, daß ich sehr im Un¬
recht sei, diesen mir ganz unbekannten Apparat,
dessen Leistung ich aus eigner Anschauung gar nicht
kenne, abträglich zu besprechen, setzte der Schrei¬
ber nicht eben höflich hinzu. In kurzer Zeit werde
man mir Gelegenheit geben, mich von der eminenten
Zeit und Geld sparenden praktischen Verwendbarkeit
dieser Einrichtung überzeugen zu können und dann
erwarte man von mir eine umfassende Richtigstellung.
Entgegenkommend, wie ich nun schon bin, habe ich
das letztere in höflicherWeise zugesagt, obwohl ich
selbstverständlich den Apparat und dessen Einrich¬
tungen bereits genau kannte; ich bin aber bis heute
noch nicht in die Lage versetzt worden, dies tun zu
können. Der Satzbeschleunigungsapparat Citotype
hat bis jetzt keinen Eingang in die Buchdruckereien
finden können, leider zum Nachteil des Erfinders,
jedenfalls aber nicht zu dem der Buchdrucker.
Vor einigen Monaten wurde in Tagesblättern unter
dem Titel „Eine epochale Erfindung auf dem Gebiete
der Buchdruckerkunst* eine neue Setzmaschine an¬
gekündigt, welche das Nonplusultra aller schon be¬
stehenden derartigen Apparate wäre. Der Erfinder
derselben ist Herr A. Gentzsch in Pernitz-Mucken¬
dorf, Niederösterreich. Bis jetzt sind erst die Pa¬
tente in den verschiedenen Ländern angemeldet und
obwohl in der nachfolgenden Beschreibung der Ma¬
schine durch den Erfinder noch Verschiedenes nicht
ganz klar ist, will ich doch dieselbe hierhersetzen.
Der Erfinder sagt, daß seine Maschine in einer eigen¬
artig konstruierten Schreibmaschine bestehe, welche
mit solchen Einrichtungen versehen ist, um die für
die Stereotypie notwendige Matrize ohne jeden Hand-
und Maschinensatz herzustellen. Mit dieser Maschine
ist es möglich, beliebige Schriften anzuwenden ohne
umständliche Manipulationen vornehmen zu müssen.
Die Maschinen enthalten 10—50 und mehr Schrift¬
arten, ohne dadurch eine nennenswerte Vergröße¬
rung zu erfahren. Durch die Anordnung einer größeren
Tastatur ist vorgesorgt, die am häufigsten vorkom¬
menden Silben und Endungen mit einem Druck her-
stellen zu können, so daß die Leistungsfähigkeit eines
Arbeiters auf 50000 bis 60000 Buchstaben in der
Stunde steigt. Klischees werden in eine Matrize ein¬
gepreßt und der Arbeiter kann nun ringsherum ohne
irgendwelche Beschränkung den Text anbringen. Die
von diesen Matrizen hergestellten Klischees zeigen
eine Reinheit und Schärfe, wie dies von keinem wie
immer hergestellten Satze durch Abklatsche geschaf¬
fen werden kann. Man sieht, die Leistungsfähigkeit
dieser Universal-Setz- beziehungsweise -Matrizen¬
schlagmaschine geht sehr weit, vielleicht um vieles
weiter als es die Notwendigkeit erfordert. Vorläufig
ist über Einzelheiten dieser Maschine nichts in Er¬
fahrung zu bringen; der Erfinder versprach jedoch
sofort ausführliche Mitteilung, sobald die Patente er¬
teilt sind. Hoffentlich wird dies recht bald geschehen
und wir erleben keine Enttäuschung.
Eine neue Zeilengießmaschine soll von dem
Herausgeber des evangelischen Sonntagsblattes,
Pr.O.Koske in Erfurt erfunden worden sein. Diese
Maschine soll sich zunächst durch Einfachheit, Viel¬
seitigkeit und billigen Preis auszeichnen und die
bekannten derartigen Maschinen weit übertreffen.
Das wesentliche an dieser Maschine soll sein, daß
jede der Matrizen sechs Schriftbilder in verschie¬
denen Schriftarten enthält und die Herstellung
jeder Art von Satz mit weit größerem Vorteil als mit
jeder der bekannten Setzmaschinensysteme erfolgen
kann.
Das stete Bestreben der Fachkreise, die Setzgie߬
maschine ihrer praktischen Vorteile wegen den
Zeilengießmaschinen gegenüber zu bevorzugen, wo¬
von sehr deutlich die schnelle Ausbreitung der Mono¬
type spricht, hat eine Erfindung auf diesem Gebiete
hervorgerufen, welche uns wert zu sein scheint, hier
besprochen zu werden.
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Der Erfinder dieser Maschine, bzw. Maschinen,
ist ein Indier, der Professor S.A.Bhisey, und der
Name dieser Maschine Bhishotype. Dieselbe arbeitet
gegenwärtig in den Northhampton Works, Illigston,
London N. Diese Einrichtung ist insofern sehr inter¬
essant, weil bei derselben von ganz neuen Gesichts¬
punkten ausgegangen wird. Die Grundlage bildet ein
Gießapparat von fabelhafter Leistungsfähigkeit; es
werden nämlich 30 Typen in den ihnen zukommenden
Gießformen auf einmal gegossen, mit einem doppelten
Gießformblock können sogar bis zu 60 Typen auf
einmal gegossen werden, so daß die stündliche Lei¬
stung zu ungefähr 144000 vollkommen satzfähigen
Typen gebracht werden kann. Die auf einmal zu
gießenden Typen können entweder gleichen oder ver¬
schiedenen Bildes sein. Sowohl die Gießformen wie
die Matrizen sind ohne nennenswerten Zeitverlust
auswechselbar. Bhisey hat auch eine höchst einfache
Typensetzmaschine erfunden, welche, eigentlich meh¬
rere auf einmal, mit der Gießmaschine in Verbindung
gebracht werden können. Die von der Gießmaschine
hergestellten Typen werden durch eine endlose Trag¬
kette einer Reihe von Setzmaschinen — für zehn
Setzmaschinen soll die Leistung einer Gießmaschine
genügen — zugeführt und dort in die für die einzel¬
nen Typen bestimmten Kanäle in der Anzahl von 90
automatisch abgegeben, und zwar derart, daß stets
ein genügender Vorrat von Typen sich in den Ka¬
nälen befindet. Das Setzen erfolgt durch Anschlag
von Tasten. Ausschließen der gesetzten Zeilen ge¬
schieht vorläufig noch von Hand, man ist aber daran,
auch dies automatisch zu bewerkstelligen. Es läßt
sich nicht leugnen, daß hier eine Erfindung vorliegt,
welche einen gesunden Kern hat. Ganz besonders
ist die Einfachheit der ganzen Einrichtung hervorzu¬
heben und der Preis für dieselbe soll nur einen Bruch¬
teil von dem betragen, was derartige Einrichtungen
von bestehenden Maschinen kosten. Bei allen Vor¬
teilen, die diese Erfindung für glatten Satz zu bieten
scheint, bleibt allerdings noch die Möglichkeit der
Herstellung gemischten Satzes fragwürdig und es sei
hier nochmals auf die Stringertype hingewiesen,
welche als Einzeltypen-Setz-Gießmaschine mit der
Bedienung von nur einem Setzer eine ziemlich hohe
Leistung von einfachem glatten Satz aufwies und bis
jetzt nicht breiteren Eingang finden konnte.
Aus den allgemeinen Bemühungen der Fabrikanten,
bestehende Setzapparate mit wenigstens einer Aus¬
zeichnungsschrift auszustatten, geht ja klar hervor,
daß ein starkes Bedürfnis hiefür vorhanden ist. So
hat sich vor Jahren die Linotype mit ihrer Zweibuch¬
stabenmatrize vervollkommnet und vor kurzer Zeit
noch dazu das Doppelmagazin eingeführt, so daß
eigentlich vier Schriftgattungen ohne großen Zeit¬
aufwand zur Verwendung gebracht werden können,
und so wurde auch an dem Typograph die Zwei¬
buchstabenmatrize eingerichtet, da ohne eine ver¬
fügbare Auszeichnungsschrift eine Maschine, wel¬
chen Systems immer, nur eine beschränkte Verwen¬
dung finden kann.
Das drahtlose Fernsetzen hat durch die Erfindung
des Dänen Hans Kundsen wieder an Bedeutung ge¬
wonnen. Wie englische Fachblätter und auch private
Nachrichten verkünden, soll das Experiment des Er¬
finders im Hotel Cecil in London vollkommen ge¬
lungen sein. Weitere Versuche müssen allerdings
erst beweisen, ob auch auf größere Entfernungen ein
absolut gutes Funktionieren, auf das es doch vor
allem ankommt, erreichbar ist.
An hervorragenden Neuschaffungen von Druck¬
maschinen hat das abgelaufene Jahr nichts gebracht,
wenn man von namhaften Verbesserungen an ältern
Typen, besonders von Tiegeldruckpressen, welche
von mehreren deutschen Fabriken in geradezu aus¬
gezeichneter Weise gebaut werden, absieht. Dabei
muß man auch absehen von dem Bau der Rotations¬
maschinen, welche selbstredend stets und überall
den betreffenden Erfordernissen angepaßt werden
müssen und die Maschinenfabrikanten stets vor neue
Aufgaben stellen. Vielleicht ist es nicht uninteres¬
sant hier zu erwähnen, daß vor einiger Zeit eine
Doppelrotationsmaschine in Gang gesetzt wurde,
welche von zwei Rollen druckend auf einer Seite
feststehendes Format hat und auf dieser eine täglich
erscheinende Zeitung gedruckt wird, während die
andre Seite für wechselnde Formate, fürFormularien-
und Werkdruck eingerichtet ist. Jede Seite der Ma¬
schine kann mit beliebiger Geschwindigkeit laufen,
sowie auch die Einrichtung getroffen ist, auf einer
Seite drucken zu können, während auf der andern
Seite zugerichtet wird. Die Maschine arbeitet zu¬
friedenstellend.
Den Bau der gegenwärtig beliebtesten und auch
für kleinere Auflagen quantitativ und qualitativ
leistungsfähigsten Zweitourenmaschine haben nahezu
alle größeren deutschen Maschinenfabriken schon
seit längerer Zeit aufgenommen und haben es mit
Anpassung an die hier obwaltenden Verhältnisse
zu einer hohen Vollkommenheit im Baue dieser
Maschinen gebracht, so daß kaum mehr zwin¬
gende Gründe vorliegen, das Geld ins Ausland zu
schicken.
Bis vor kurzer Zeit gehörte der mechanische Kupfer¬
druck in Deutschland noch zu den Seltenheiten und
beschränkte sich vornehmlich und da nur teilweise
auf die Herstellung von Wertzeichen, während schon
vor ungefähr zehn Jahren in England ein Reproduk¬
tionsverfahren von eigentümlichem Reiz, der Helio¬
gravüre ähnlich, von Karl Klic auftauchte, das, auf
mechanischem Tiefdruck beruhend, der Lösung der
Aufgabe zustrebte, künstlerisch wirkenden Tiefdruck
billiger, bequemer und schneller herzustellen. In den
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Äußerlichkeiten ist dieser mechanische Tiefdruck von
der mittels der Handpresse gedruckten Heliogravüre
zwar abweichend, die Gesamtwirkung jedoch ist eine
solche, welche den Fachmann und Kunstverständigen
vollauf befriedigen kann, so daß kein Grund vorliegt,
einem Handpressendruck den Vorzug zu geben. Bis
jetzt wird das Verfahren noch immer geheim gehalten
und wird nur von einer kleinen Anzahl Reproduktions¬
anstalten ausgeübt, bei allgemeiner Bekanntwerdung
desselben ist jedoch die Befürchtung der interessierten
Kreise nicht unberechtigt, daß zunächst die Helio¬
gravüre und der Lichtdruck zu schaden kommen wer¬
den; es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß diese
Erzeugnisse häufig an Stelle von ein- und mehrfarbig
gedruckten Buchillustrationen treten können. Die vor¬
nehme und bei guten Erzeugnissen künstlerische
Wirkung, welche sie hervorrufen, eignet sie in hohem
Maße hierzu. Dazu kommt noch, daß dieses Ver¬
fahren, mit der Allgemeinbezeichnung Rasterhelio¬
gravüre, im speziellen mit dem Namen Rembrandt-
Heliogravüre, Mezzotintogravüre, Intagliodruck, He-
liotint oder einfach auch nur Gravüre benannt, ganz
danach eingerichtet ist, eine ziemlich weitgehende
Massenerzeugung bei rascher Herstellung und ver¬
hältnismäßig billigem Preise zu ermöglichen. Dieses
Druckverfahren beruht auf dem Prinzipe des Rota¬
tionsdruckes, und es können in einer Stunde etwa
2000Abdrücke erzeugt werden. In jedem Falle ist das
Verfahren bereits so weit ausgebildet und hat eine
solche Verbreitung erlangt, daß dessen Weiterent¬
wicklung mit größtem Interesse von den Fachkreisen
verfolgt zu werden verdient. Es scheint sogar, daß
man die Gefahr, welche auch dem Buchdrucker durch
dasselbe droht, bereits eingesehen hat, darauf weist
die in letzter Zeit erfolgte ganz bedeutende Verbesse¬
rung des Autotypiedruckes durch Einführung des
Mattkunstdruckpapiers hin. Endlich ist man auch in
weiteren Kreisen des gräßlichen Glanzpapiers müde
geworden, daß auf ihm gedruckte Bilder nur in einem
bestimmten engbegrenzten Lichteinfallwinkel be¬
schauen läßt und selbst bei besten Erzeugnissen von
geringer künstlerischer Wirkung ist. Die an und
für sich sehr gute Wirkung der Drucke auf mattem
Kunstdruckpapier läßt sich noch bedeutend steigern
durch Anwendung von guten matten Druckfarben,
in weiterer Linie mit einem Tonunterdruck. Wird
bei solchen Doppeldrucken eine sorgfältige Wahl
getroffen bezüglich des Papier- und Farbentones,
so kann sicherlich eine vorzügliche feine, vor¬
nehme künstlerische Wirkung auch mit Autotypie¬
druck erreicht werden. Sache unsrer Papierfabri¬
kanten ist es, verschiedene kleinere Anstände, wel¬
che sich bei der Verarbeitung dieser Papiere noch
ergeben, recht rasch und gründlich zu beseitigen.
An und für sich bedeuten diese Papiere einen Fort¬
schritt.
Auf dem Gebiete der Schwarz-Reproduktionstech¬
nik, wenn man nicht die unzähligen Blenden- und
Rasterkombinationen, welche jedes Jahr wieder für
Autotypieherstellung auftreten, anführen will, hat
sich auffallend Neues nicht zugetragen, doch ist eine
starke Bewegung dahingehend bemerkbar, der Her¬
stellung gewerblicher und industrieller Abbildungen
mehr Sorgfalt angedeihen zu lassen. Durch sach¬
gemäße Retusche der Originale und gute Ätzung
haben es bereits einige Anstalten dahin gebracht,
Abbildungen der verschiedensten Gegenstände für
Reklamedrucksachen in einer so vollendeten Aus¬
führung in Autotypie herzustellen, daß die¬
selbe kaum mehr übertroffen werden kann. Die
schwierigsten Abbildungen sind ja bekanntlich die
der Maschinen in Autotypie, wo jedes Schräubchen,
Hebelchen und Nietchen zur genauen Darstellung
gelangen muß, wenn die Abbildung zweckentspre¬
chend sein soll.
Die Bestrebungen, ein gutes Kornverfahren anstatt
des Linienrasters zu verwenden, dauern an und wenn
diesbezüglich teilweise schon recht gute Ergebnisse
auch in drucktechnischer Hinsicht vorliegen, so
scheint uns die Frage doch noch nicht vollkommen
gelöst zu sein.
Der Dreifarbendruck entwickelt sich seiner Wich¬
tigkeit für Buchausstattung entsprechend immer mehr
und man darf wohl auch sagen künstlerisch langsam
höher. Eine starke Bewegung unter den Farbenrepro¬
duktionstechnikern hat die Frage der Verwendbarkeit
der Lumifcreschen Autochromplatten hervorgerufen
und es ist mit Befriedigung festzustellen, daß die
einschlägigen Anstalten die Angelegenheit einerseits
mit Sachkenntnis, anderseits mit großem Interesse
und wohl hie und da auch mit nennenswerten Opfern
verfolgt haben, sowie auch angeführt werden muß,
daß einzelne außerordentlich gute Ergebnisse bereits
vorliegen. Mit der Möglichkeit der allgemeinen Ver¬
wendbarkeit der Autochromplatte ohne allzu große
Schwierigkeit zu guten Dreifarben-Reproduktionen
würde sich unstreitig eine Reihe von Erleichterungen
sowohl bei der photographischen Aufnahme wie bei
der Plattenherstellung und Retusche der Teilplatten
ergeben, sowie auch ohne Zweifel das Gebiet des
Dreifarbendruckes mit der Möglichkeit, eine natur-
wahre photographische Aufnahme als Grundlage be¬
nutzen zu können, bedeutend erweitert werden würde.
Zu einer bestimmten Lösung konnte diese wichtige
Frage noch nicht gebracht werden, die Meinungen der
betreffenden maßgebenden Personen gehen noch weit
auseinander; es ist aber kaum ein Zweifel mehr, daß
der Autochrom- oder einer andern auf ungefähr glei¬
chem Prinzipe beruhenden photographischen Farben¬
platte eine große Rolle in der Dreifarbentechnik
zufallen wird, sobald die ersten Schwierigkeiten über¬
wunden sind. In letzterer Zeit befaßt man sich auch
471
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
-in Deutschland mit der Herstellung einer derLumiöre-
schen Autochromplatte ähnlichen Farbenrasterplatte,
welche verschiedene Schwächen der ersteren nicht
mehr enthalten soll.
Recht beachtenswerte Erfolge hat auch die Stein¬
drucktechnik im Dreifarbendruck aufzuweisen. Das
jahrelange Experimentieren war auch hier nicht um¬
sonst und wenn die vorliegenden Erstlingserzeugnisse
auch noch nicht jene harmonische Farbengliederung
aufweisen und ihnen noch jener künstlerische Hauch
fehlt, der den guten Dreifarbenbuchdruck gegenwärtig
auszeichnet, so darf dabei nicht vergessen werden,
daß es sich eben noch um die ersten Erzeugnisse
handelt, welche nach Überwindung von unsäglichen
technischen Schwierigkeiten zustande gekommen
sind. Und noch bleiben bedeutende technische
Schwierigkeiten zu überwinden. Die direkte Kopie¬
rung der Teilnegative auf Stein ist gewiß darnach an¬
getan, einen guten Passer zu gewährleisten, auch die
unbedingt notwendige Retusche der Farbenteilplatten
am Stein wird in richtiger Weise bewerkstelligt wer¬
den können; es bleibt aber ein Umstand, welcher
den Dreifarbensteindruck stets erschweren wird und
das ist der Umdruck der Originalplatten auf die Druck¬
steine. Hier treten zwei Momente hervor, denen
stets die größte Sorgfalt zugewendet werden muß:
der absoluten Übereinstimmung des Umdruckes mit
der Originalplatte bezüglich der Tonwirkung und be¬
züglich der Größe. Daß hierbei die Schwierigkeiten
zur Größe des Bildformates in quadratischem Ver¬
hältnisse steigen, ist ja bekannt. Die Herstellung
von Dreifarbendrucken auf der Steindruckschnell¬
presse wird auch stets wegen der Feuchtung des
Steines oder der Druckplatte das Registerhalten nicht
unwesentlich erschweren, was beim Buchdruck zum
größten Teile wegfällt, aber man höre die Klagen des
Buchdruckers überTemperatur- und Luftfeuchtigkeits¬
veränderungen der Arbeitsräume und man wird die
Schwierigkeiten für Steindruck ermessen können.
Jedenfalls darf man seiner Freude Ausdruck geben,
daß die Sache bereits so weit gediehen ist und sollen
unsre Worte keineswegs entmutigen, sondern an¬
spornen. Wir verzeichnen auch mit Genugtuung die
noch etwas spärlichen Vorboten aus der wissenschaft¬
lichen Werkstätte unsers großen Meisters in den
photomechanischen Reproduktionsverfahren, des
Dr. E.Albert in München, daß durch ein von ihm
in Ausarbeitung befindliches photolithographisches
Verfahren der lithographischen Technik ein Mittel
zugeführt werden soll, mit dem es in sieghaftem
Wettbewerb mit dem so groß gewordenen Farben¬
buchdruck wird treten können.
Die Fernphotographie ist wissenschaftlich bereits
so weit ausgearbeitet, daß deren praktische Benütz¬
barkeit für gegebene Fälle außer Frage steht. Da
auch diese Spezies von Wissenschaft die Drucker¬
presse zur Verbreitung ihrer Produkte nötig hat, so
eröffnet sich mit der Ausbildung derselben die Aus¬
sicht, wenn auch nicht wesentlich, unser Arbeits¬
gebiet zu erweitern.
Die Ansicht in gesetzgeberischen Kreisen, daß
„der Tüchtigkeit im gewerblichen, kaufmännischen
und landwirtschaftlichen Berufe gleiche Achtung ge¬
bühre wie der Tüchtigkeit in den gelehrten Berufen“,
sowie die Erkenntnis, daß vielfach durch die ge¬
währten Berechtigungen der Mittelschulen diese tat¬
sächlich überfüllt und hierdurch viele intelligente
Elemente den eigentlich produktiven Ständen, auf
welchen zum großen Teile die politische und wirt¬
schaftliche Stellung des Staates beruht, entzogen
werden, hat bereits teilweise zu einer umfassenden
Reform des fachlichen Lehrlings-Unterrichtswesens
geführt, welche Reform zwar augenblicklich noch in
Durchführung begriffen ist, jedoch bereits beginnt,
gute Früchte hervorzubringen.
Mit dieser Reform hat auch bereits das Lehrlings¬
unterrichtswesen für das Buchgewerbe im abgelau¬
fenen Jahre einen starken Ruck nach vorwärts er¬
fahren. Obenan steht gegenwärtig ohne Zweifel
München, was Ausgestaltung des Unterrichts auf
breiter Basis betrifft. Die Umwandlung des ehemals
theoretischen Unterrichts in einen solchen, bei dem
unter möglichster Betonung die praktische Arbeit
zur Geltung gebracht wird, ist in München bereits
durchgeführt. Wenn vielleicht auch hie und da noch
etwas vervollkommnet werden kann, so muß doch
ohne weiteres zugegeben werden, daß speziell die
Fachschulen für das Buchgewerbe im großen und
ganzen in München mustergültig eingerichtet sind.
Für das Buchdruckgewerbe kommt dies zum Aus¬
drucke in dem am Schlüsse des Schuljahres 1907
bis 1908 ausgegebenen, umfangreichen Hefte mit
Schülerarbeiten in Satz und Druck, welche durchaus
sehr fachgemäß mit vielem Geschmack und sauber
hergestellt sind. Auch die in Wien im ersten Jahre
bestehende Lehrdruckerei, ein Zweig der Gremial-
schule für Buchdrucker und Schriftsetzer Wiens, hat
sich recht gut bewährt. Auch diese Lehranstalt hat
eine Mappe mit Schülerarbeiten von im gewöhnlichen
Betriebe vorkommenden Drucksorten in netter und
sauberer Ausführung herausgegeben, denen man die
Anerkennung nicht versagen kann. Gerade durch
das Herausgreifen von praktischen Arbeiten aus dem
laufenden Verkehr erfüllen solche Anstalten ihre
Aufgabe in richtiger Weise, sie sollen lediglich nur
die Lehrlinge dahin führen, für die korrekte und ge¬
schmackvolle Ausführung solcher dem Tagesbedürf¬
nisse dienenden Drucksorten ein richtiges Ver¬
ständnis beizubringen, die Herstellung einzelner Pa¬
radestücke, die doch nur mit starker Beihilfe oder
manchmal gänzlich nur durch die Lehrkräfte zustande
kommen, ist ganz zwecklos.
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Original fro-m
PRINCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Allenthalben entstehen weitere Fachschulen für
Buchgewerbetreibende, auch die Handwerkerkurse
und Wandervorträge für kleinere Provinzorte mehren
sich und tragen ihr gutes Teil zur Vervollkommnung
und zum Verständnis der Techniken des Buchge¬
werbes bei. Diese Anstalten verfolgen lediglich den
Zweck, ihre Angehörigen in technischer Hinsicht
theoretisch und so weit dies möglich auch praktisch
auszubilden und so mindestens eine große Anzahl
von tüchtigen Technikern heranzubilden.
Von andern Gesichtspunkten geht die Leitung der
technischen Kurse in der Königlichen Akademie für
graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig aus
und trägt auf ihre Weise enorm viel bei zur künst¬
lerischen Ausgestaltung des Buchgewerbes. Die
Hauptbetonung wird hier auf Zeichnen und Malen
nach Natur und Kunstwerken für die graphischen
und buchgewerblichen Techniken gelegt. Der Grund¬
satz jedoch, von dem hier ausgegangen wird und in
dem das Programm der Lehranstalt enthalten ist, daß
alle Entwicklungsstufen eines Werkes die Möglich¬
keit bieten, die vom Erfinder gesehene Form zu för¬
dern oder zu verderben, und deswegen die Bildner
in der Kunst, im Kunstgewerbe und in der Kunst¬
industrie sämtliche Prozesse der Werkerschaffung
(also Technik) genau kennen, noch besser aber aus¬
üben können sollen, scheint uns ein außergewöhnlich
geistvoller und nützlicher zu sein K
1 Archiv für Buchgewerbe, Hefte 4, 5, 7, 9. 1908.
Lithographie und Steindruck im Jahre 1908 .
Von ERNST BORNEMANN, Fachlehrer für Lithographie an der Kunstgewerbeschule, Barmen.
AS Jahr neigt sich zu Ende, auf industriellen
Gebieten arbeitsamer Tätigkeit voll. Auch
das Steindruckgewerbe zeigte reges Schaffen,
und im allgemeinen kann mit Befriedigung auf das
Jahr 1908 zurückgeblickt werden. Der Zusammen¬
schluß des Schutzverbandes und des Vereins der
Steindruckereibesitzer darf mit den Erstlingserfolgen
zufrieden sein, so daß zu erwarten ist, diese Ver¬
einigung werde stets segensreich für die gemein¬
schaftlichen Interessen des Berufes wirken. Auf dem
beschrittenen Wege kann es nicht fehlen, daß die
Allgemeinheit der Berufsangehörigen Nutzen daraus
findet.
Wenn wir auf das verflossene Jahr zurückschauen,
so zeigt sich, daß epochemachende Neuerungen und
Neuerscheinungen nicht zu verzeichnen sind. Es
herrschte jedoch überall, auch in den verschiedensten
Zweigen der Lithographie und des Steindrucks das
Bestreben, Verbesserungen zu schaffen. In der Er-
füllungder Forderungen nach künstlerischem Schaffen
schreitet Deutschland allen Nachbarländern mit em¬
sigem Fleiß voran. Die Photographie bzw. die Photo¬
chemie wird mehr und mehr eine nicht genug zu
schätzende treue Gehilfin der lithographischen Ver¬
fahren, so daß aus dieser Verbindung in der Zukunft
noch segensreiche Vervollkommnungen hervorgehen
werden, zumal jetzt schon die Photolithographie und
das Autochrom eine immer größere Verwendung
im Steindruck finden.
Bedeutende maschinelle Neuerungen auf dem Ge¬
biete der Lithographie und des Steindrucks hat das
zu Ende gehende Jahr nicht gebracht, obwohl stän¬
dig an dessen großmöglichster Ergiebigkeit gearbeitet
wird. Die Verwendung des Zinks und der Stein¬
schichtplatten als Ersatz der Lithographiesteine hat
sich auch im Berichtsjahr bewährt. Die Verarbeitung
der sogenannten lithographischen Kornpapiere brachte
durch die immer häufiger werdende Benutzung der
Naturpapiere, welche von Lithographen selbst für
Kreidezeichnungen präpariert werden, eine beträcht¬
liche Einbuße, wozu nicht wenig sowohl die Spritz-,
als auch die Tangiermanier beigetragen haben. Die
Steinradierung findet leider verhältnismäßig wenig
Anhänger, obwohl verschiedentlich vorzügliche Bei¬
spiele Vorgelegen haben. Es scheint die weitere
Verbreitungsich langsam anzubahnen. Einige Farben¬
fabriken haben mit Erfolg die bisher im Handel ge¬
wesenen allerdings noch wenig eingeführten Bronze¬
farben verbessert.
Im großen ganzen läßt sich mit Freuden fest¬
stellen, daß auf den verschiedensten Gebieten der
Lithographie und des Steindrucks alle Anzeichen
zu erfreulichen Fortschritten vorhanden sind, jedoch
bleibt ein dringender Wunsch für die Zukunft aller¬
dings der Ruf: bessere Preise, zumal diese qualitativ
den graphischen Arbeiten nur zum Segen gereichen
können.
Die beruflichen und auch die wirtschaftlichen For¬
derungen der Neuzeit brachten eine immer ständig
sich bessernde Fortbildung der Lehrlinge und der
jungen Gehilfen durch Einrichtung geeigneter Fach¬
klassen an den verschiedenen Schulen. Das Streben
geht auch hier darauf aus, die Lehre zu unterstützen
durch künstlerisch- bzw. kunsthandwerklich-tech¬
nischen und zeichnerischen Abendunterricht an den
Handwerker- und Kunstgewerbeschulen, sowie zur
Erweiterung der in der Lehre erworbenen Kenntnisse
durch Spezialfachschulen für Lithographie mit dazu
gehörenden Werkstätten für Steindruck und Photo¬
chemie. Auch der mancherorts eingeführte Fach¬
unterricht an den obligatorischen gewerblichen Fort¬
bildungsschulen ist ein wichtiges Fortbildungsmittel.
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Auf den diesjährigen Ausstellungen in München
und in London legten einige Kunstgewerbeschulen
z. B. Barmen, Magdeburg, Hamburg, München usw.
ein beredtes Zeugnis ihres Schaffens ab, bei dem
das Bestreben erkannt werden konnte, in engster
Fühlung mit der Praxis die Bedürfnisse der täglichen
Arbeit ins Bereich der Lehrtätigkeit zu ziehen. Die
Barmer Schule war insbesondere mit einer großen An¬
zahl lithographischer praktischer Arbeiten vertreten.
Ein reges Mühen, ein Nimmerrasten, das war ein
erfreuliches Wahrzeichen dieses Jahres, in dem sich
75 Jahre vollendeten, seitdem der Erfinder der Litho¬
graphie, Alois Senefelder, dahingeschieden ist.
Als ich im vergangenen Jahre der Schriftleitung
des Archiv für Buchgewerbe meine Bereitwilligkeit
ausdrückte, auch in diesem Jahre eine Übersicht
über Erfindungen, Verbesserungen und Fortschritte
auf dem Gebiete der Lithographie und des Steindrucks
zu bringen, da tat ich dieses mit einem gewissen Ge¬
fühl der Sicherheit, die eingegangene Verpflichtung
halten zu können. Die vor einiger Zeit erfolgte freund¬
liche Erinnerung daran zeigte mir jedoch deutlich,
daß ich voreilig gehandelt hatte, als ich meine Zu¬
sage gab.
Eine rein ästhetische Betrachtung dürfte kaum
genügen und käme auch nur teilweise an die richtige
Adresse. Sollte ein ästhetischer Aufsatz dem litho¬
graphischen sowie dem graphischen Kunstgewerbe
überhaupt nutzbringend sein, so müßte ich mich vor¬
nehmlich an die Abnehmer graphischer Erzeugnisse
wenden, die in den meisten Fällen noch an alten Über¬
lieferungen kleben. Am wenigsten vielleicht in
Deutschland und Österreich. Die eigentliche Absicht
dieses Aufsatzes ist jedoch, über Neuerungen zu
berichten. Leider ist dieses nicht so leicht, was
wohl teilweise den Grund darin hat, daß keine Sam¬
melstelle vorhanden ist, an der alles verzeichnet
wird. Das Buchdruckgewerbe und die damit verbun¬
dene Graphik besitzt im Deutschen Buchgewerbe¬
verein eine in der ganzen Welt einzig dastehende
Organisation, in der alle Fäden zusammenlaufen. Ich
möchte an dieser Stelle den Vorschlag machen, daß
der Buchgewerbeverein seine Aufgaben erweitert
und eine besondere Abteilung für Lithographie und
Steindruck im weitesten Sinne einrichtet *. Es würde
dadurch ein Mittelpunkt geschaffen, der in der Lage
wäre, alle Fortschritte auf dem Gebiete Senefelders
zu sammeln, so daß dann eine Jahresübersicht leicht
verfaßt werden kann. Ich glaube nun allerdings nicht,
daß hierin allein der Segen für die Allgemeinheit des
graphischen Gewerbes ruhen würde, sondern bin
vielmehr überzeugt, daß eine solche Zentralstelle
eine viel größere Aufgabe haben und den fachlichen
Nutzen in der Hebung des lithographischen Gewerbes
überhaupt bringen müßte. Vielleicht wird sich der
Verein DeutscherSteindruckereibesitzerbereit finden,
sich zu dieser Frage zu äußern, um eine gemeinsame
Sache mit dem Buchgewerbeverein zu schaffen. Aus
meinen persönlichen Erfahrungen heraus halte ich
eine Zentralstelle für die allgemeine Förderung der
lithographischen Gebiete für so dringend notwendig,
daß ich an sämtliche Berufsgenossen, Fachfabriken
und Geschäfte den Ruf richte, den Gedanken einer
ernstlichen Erwägung unterziehen zu wollen.
1 Der Verfasser befindet sich im Irrtum, wenn er an¬
nimmt, daß der Deutsche Buchgewerbeverein nur das
sammle, was den Buchdruck und die graphische Kunst an¬
geht. Nein, derDeutsche Buchgewerbeverein sammeltalles,
was auf das Buchgewerbe (das sagt schon sein Name) Be¬
zug hat. Zu dem Buchgewerbe gehört aber auch Litho¬
graphie und Steindruck, ein Gewerbe, das leider den Be¬
strebungen des Deutschen Buchgewerbevereins nicht das
Interesse entgegenbringt, das eigentlich erwartet werden
dürfte. Wir bringen daher die Anregung des Herrn Borne¬
mann recht gern zum Abdruck in der Hoffnung, daß Litho¬
graphen und Steindrucker, sowie die für sie arbeitenden
Gewerbe in Zukunft dem Deutschen Buchgewerbeverein
Proben von neuen Verfahren, Kataloge über neue Maschi¬
nen und Hilfswerkzeuge, sowie Muster von neuen Materia¬
lien zur Einverleibung in die Sammlungen zusenden und
dadurch mit dazu beitragen werden, daß die von unserm
Mitarbeiter gemachte Anregung verwirklicht werden kann.
Die Schriftleitung.
Die photomechanischen Vervielfältigungsverfahren im Jahre 1908.
Von Dr. E. GOLDBERG, Abteilungsvorsteher an der Kgl. Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe, Leipzig.
^BWOHL das verflossene Jahr 1908 uns keine
| epochemachenden Erfindungen auf dem Ge¬
biete der photomechanischen Vervielfälti¬
gungsverfahren gebracht hat, so kann man doch mit
Genugtuung sagen, daß wir in diesem Jahre einen
großen Schritt vorwärts gekommen sind. In ver¬
schiedenen Zweigen unsers großen Gebietes sind
Neuerungen auf die Welt gekommen, deren Wert
sich allerdings erst später herausstellen wird. Den
Hauptfortschritt dieses Jahres bildet die Einführung
des matten gestrichenen Papieres zum Drucken der
Autotypien und man kann sogar sagen, daß das Jahr
1908 im Zeichen des Mattkunstdrucks stand.
Wir wollen über verschiedene Neuerungen in ge¬
wohnter Reihenfolge berichten.
In der Optik ist sehr wenig Neues auf den Markt
gekommen. Es scheint fast, als ob die optischen
Anstalten bald an die Grenze des zurzeit Möglichen
kommen werden und daß ohne neue prinzipielle Än¬
derungen im Bau der Objektive keine Fortschritte
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Original frorn
PRINCETON UNIVERS1TY
J
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
erreicht werden können. Zu solchen prinzipiellen
Neuerungen gehört das optische Umkehrsystem,
über welches die Fachzeitschriften vor kurzem be¬
richtet haben. Allen Lesern wird bekannt sein,
daß beim Photographieren der Zeichnungen zum
Zwecke der Reproduktion in den allermeisten Fällen
die Seiten vertauscht werden müssen. Dies wird
durch Prismen oder Spiegel, die vor oder hinter dem
Objektiv eingeschaltet werden, erreicht. Solche Pris¬
men bzw. Spiegel sind außerordentlich teuer (ein
Prisma mittlerer Größe kostet einige hundert Mark);
bei deren Gebrauch muß die Kamera senkrecht zur
optischen Achse gestellt werden, was nur bei beson¬
ders zu diesem Zwecke eingerichteten Stativen mög¬
lich ist; gleichmäßige Beleuchtung der Originale ist
ebenfalls schwer zu erreichen. Das sind lauter Übel¬
stände, die mit Hilfe des neuen Objektivs behoben
werden sollen. Selbstverständlich hat das neue
System seine Nachteile. Während man bis jetzt ein
und dasselbe Objektiv zu allen möglichen Arbeiten
verwenden konnte, wird man beim Gebrauch des
Umkehrobjektivs außerdem noch ein gewöhnliches
zum Anfertigen von „seitenrichtigen“ Negativen für
Photolithographie, Heliogravüre usw. anschaflfen
müssen. Da das Umkehrobjektiv noch nicht im Handel
zu haben ist, so sind nähere Angaben über seine Eigen¬
schaften, wie Schärfe, Bildfeldebnung zurzeit nicht
möglich. Es ist nur bekannt, daß das Objektiv auf dem
Prinzip der Zylinderlinse beruht.
Eine andre interessante Anwendung dieser Zylin¬
derlinsen machten Scheimpflug, bzw. Hazura uni
Aufreiter. Jeder Leser kennt die drolligen verzeich-
neten Figuren, die in zylindrischen Spiegeln entstehen.
Zur Herstellung derartiger Verzeichnungen auf pho¬
tographischem Wege baute vor einigen Jahren Zeiß
ein spezielles Objektiv. Die obengenannten Forscher
(über die Priorität wird seit einiger Zeit scharf pole¬
misiert) haben mit Hilfe dieses Objektivs oder auf
einem ähnlichen Wege einen verzerrten Fond für
Wertpapiere hergestellt, der einen großen Schutz
gegen Fälschungsversuche bietet (vergleiche die öster¬
reichische 20 Kronen-Note).
Einen wichtigen Bestandteil einer Reproduktions¬
anstalt bilden die Filter. Um gewisse Bestandteile
des weißen Lichtes bei der Farbenphotographie aus¬
zuschließen, bedient man sich farbiger Schichten, die
man in den Weg des Lichtes einschaltet. Bis jetzt
wurden die Filter dicht vor dem Objektiv oder zwi¬
schen dem Objektiv und der Platte eingeschaltet. In
der letzten Zeit wurden Filter zur Einschaltung vor
die Lichtquelle vorgeschlagen. Solche Filter haben
den großen Vorzug, daß sie die Schärfe des Bildes
absolut nicht beeinträchtigen, während alle andern
Filterarten genau planparallele Flächen haben müssen
und deshalb sehr teuer sind. Bis jetzt fehlt es leider
an geeignetem Material für solche Lampenfilter. Aus
Gelatinefolien oder gelösten Anilinfarben kann man
sie nicht hersteilen, da dieselben im grellen Lichte
der Lampe zu schnell ausbleichen oder bei der Hitze
in der Nähe des elektrischen Bogens verbrennen
würden. Farbige Gläser in genau vorgeschriebener
Färbung und in der nötigen Größe liefert die Glas¬
technik noch nicht. Wir glauben aber nicht fehlzu¬
gehen, wenn wir uns der Meinung von Newton an¬
schließen und diese Filter als Filter der Zukunft
bezeichnen.
Noch viel besser wäre es, falls man die Filter
überhaupt abschaffen könnte. Erfolgreiche Versuche
in dieser Richtung wurden von Dr. E. Albert in Mün¬
chen und zahlreichen „Nacherfindern“ ausgeführt.
Die Meinungen über den Wert der „filterlosen“ Kol¬
lodiumemulsionen sind sehr verschieden. Die Mehr¬
heit der Reproduktionstechniker glaubt, daß diese
Emulsionen noch sehr verbesserungsbedürftig sind.
Wir bezweifeln auch, daß es wirklich möglich ist,
solche Farbstoffe zu finden, die gleichzeitig die not¬
wendige Sensibilisierungskurve und die dazu gehörige
Filterwirkung zeigen.
Bei dem heutigen Stande des Dreifarbendrucks,
wo den Löwenanteil an der Arbeit nicht der Photo¬
graph, sondern der Tonätzer hat, kommt es auf die
Richtigkeit des Farbenauszuges überhaupt nicht be¬
sonders an und die filterlosen Emulsionen sind dann
sehr bequem. Da es aber klar ist, daß dieser heutige
Zustand unhaltbar ist, so kann man die filterlosen
Emulsionen nicht als Fortschritt begrüßen. Wir
sehen dagegen den einzigen Ausweg in einer pan¬
chromatischen Platte, die unter richtig abgepaßten
Filtern belichtet wird.
Vom oberen Standpunkte ist es sehr erfreulich,
daß die Verwendung der Trockenplatte in der Re¬
produktionstechnik mit jedem Jahre zunimmt. Be¬
sonders groß ist die Zahl der Anstalten die das
Kollodium vollkommen aufgegeben haben in England.
Man muß zugeben, daß das Kollodiumverfahren an
und für sich billiger als Trockenplatten ist; wenn
man aber zusammenrechnet, wieviel Zeit durch
Wiederholung fehlgegangener Kollodiumaufnahmen
(besonders bei Emulsion) verloren geht, wieviel Strom
bei den langen Expositionen vergeudet wird und um
wieviel die Ausnutzung jeder einzelnen Kamera,
Rasters, Objektivs usw. bei Verwendung von Trocken¬
platten steigt, so kommt man zuweilen (je nach be¬
sonderen lokalen Umständen) zum entgegengesetzten
Ergebnis. Jedenfalls ist es vom Standpunkte des
Fortschrittes nur zu begrüßen, wenn an Stelle der
unkonstanten, launigen Kollodiumplatte die haltbare,
wissenschaftlich kontrollierte Trockenplatte tritt.
Daß autotypische Aufnahmen ebenfalls mit Erfolg
aufTrockenplatten gemacht werden können, beweisen
die Urteile vieler angesehener englischer Fachleute.
— In letzter Zeit hat man auch mit großem Erfolge
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
photomechanische Trockenplatten panchromatisch
sensibilisiert. An und für sich liegt darin nichts
Abbildung 1
Abbildung 2
Neues, bis jetzt waren aber solche haltbare farben¬
empfindliche photomechanische Platten im Handel
nicht erhältlich; das Selbstsensibilisieren ist nicht
jedermanns Sache. Jetzt fabrizieren Wratten & Wain-
wright in
Croydon
solche Plat¬
ten, liefern
auch die zu¬
gehörigen
Filter in Ge¬
stalt von
zwischen
Glas geleg¬
ten Gela¬
tinefolien
undvermer- Abbildung 3
ken auf jeder Plattenschachtel die Empfindlichkeit und
das Filterverhältnis, d. h. sie geben an, in welchem
Verhältnis die Aufnahmezeiten hinter den drei ein¬
zelnen Filtern zueinander stehen. Mit diesen An¬
gaben kann jeder vernünftige Photograph ohne wei¬
teres tadellose Negative erzielen. In der Abbildung 1
ist eine Vergrößerung eines autotypischen Negativs
auf gewöhnlicher Trockenplatte, in der Abbildung 2
auf oben erwähnter photomechanischer Platte dar¬
gestellt. Man sieht, daß im letzten Falle die Punkte
genügend scharf sind. Allerdings kann man bei
Trockenplatten den kleinen Tiefenpunkt nicht in der
Kleinheit erhalten, wie auf Kollodium. Das ist aber
auch nicht nötig. Durch sachgemäße Führung des
Kopierprozesses kann man den Tiefenpunkt auf der
Metallplatte soweit reduzieren, als die Dichte der
Schatten verlangt.
Abbildung 4
Gebiete vorhanden. Einen Schritt vorwärts haben
uns Calmels und Clerc in Paris durch rein geo¬
metrische Untersuchung der Verteilung des Lichtes
im Rasterpunkte gebracht.
Wie alljährlich, sind auch im verflossenen Jahre
einige neue Rastersysteme aufgetaucht, die insgesamt
keine Hoffnung auf Erfolg haben. Der
Vollständigkeit halber erwähnen wir der
Wellenraster von Dargavel (Abbildung 3),
der sich nach der Ansicht des Erfinders
den gekrümmten Linien des Originals
besser, als der gewöhnliche gekreuzte
Raster, anschmiegen kann. Wir teilen
diese Ansicht nicht; die Abbildung 4, die
mit solchem Raster hergestellt ist, wird
kaum viele Anhänger dieser Autotypie¬
methode werben. Cameron Swan hat sich
ebenfalls einen neuen Rastertypus mit
ungleich dickenLinien patentieren lassen;
Jacobi sucht dagegen das Heil in Ein¬
führung dünner Zwischenlinien in einen
gewöhnlichen Raster. Man sieht, daß
immer noch sehr viele Erfinder die
großen Mängel der Autotypie durch neue
Rasterliniaturen beheben wollen. Unsrer
Meinung nach ist aber auf diesem Wege
ohne Änderung der Grundlagen der Autotypie nichts
zu erzielen. Solange wir noch vollkommen im un¬
klaren über das Wesen der Autotypie sind, ist wenig
Hoffnung auf wirkliche Verbesserungen in diesem
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PRINCETON UNtVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Das Richtersche Doppelrasterverfahren, über wel- das kadmiumhaltige Zink scheinen keinen Anklang
ches wir im vorigen Weihnachtshefte ausführlich bei den Zinkhütten gefunden zu haben. Beim Hei߬
berichtet haben, scheint Schwierigkeiten bei der Ein- emaillieren wird das heutige Zink ebenso grobkri-
führung in die Praxis zu begegnen. Einige große stallinisch, wie früher. Da alle bekannt gewordenen
Betriebe sollen mit diesem Verfahren zufrieden sein; Vorschriften für Kaltemaille nichts taugen, so steht
in einigen großen Zeitungen sieht man manchmal diese Frage im Vordergründe des Interesses. In der
Richtersche Klischees. allerletzten Zeit hörte man über neue viel versprechen-
Die Schwierigkeiten der Herstellung der Repro- de Erfindungen auf diesem Gebiete. Was sich von
duktionsnegative entsprechen nicht dem tatsächlichen den Gerüchten als Tatsache erweisen wird, werden
Wert derselben. Während bei der Naturphotographie wir nächste Weihnachten sehen,
der Hauptwert des Negativs darin liegt, daß man von In der Ätztechnik ist ziemlich viel Neues da. Vor
einem Negativ beliebig viele Positive erzeugen kann, allem unzählige Typen von neuen Ätzmaschinen,
und während bei der Lumiöreschen Farbenphotogra- Die Ansichten der Fachleute über den Wert dieser
phie das Erzielen eines direkten Positivs in der Ka- neuen Hilfsmittel sind sehr verschieden. Wir glauben,
mera der größte Nachteil des Verfahrens ist, liegen daß beim Gebrauche einer Ätzmaschine viel Zeit
die Verhältnisse in der Reproduktionsphotographie gespart werden kann. Das ist sicher ein großer Vor¬
gerade umgekehrt. Hier dient das Negativ nur zur teil, der allein genügt, um jeder größeren Ätzanstalt
Erzeugung eines einzelnen Positivs (Kopie) auf Metall die Anschaffung einer solchen Maschine zu empfeh-
oder Glas (für Lichtdruck). Nach Erzeugung dieses len. Damit ist die Sache aber auch erledigt. Daran,
Positivs wird das Negativ wertlos; in den allermeisten daß beim Maschinenätzen das lästige und zeit-
Fällen wird die Negativschicht sofort entfernt, um das raubende Abdecken der Autotypien in Wegfall kom-
Glas wieder gebrauchsfähigzu machen. Deshalb wäre men kann, glaubt jetzt kein Mensch,
es von allergrößtem Werte für die Technik, ein Ver- Ganz bedeutende Zeitersparnis und Vereinfachung
fahren zu ermitteln, um direkte Positive auf Metall des Ätzprozesses kann man durch den Gebrauch des
in der Kamera zu erhalten. Solch ein Verfahren hat „Neuen Metalls“ von Calmels erzielen. Unter diesem
Payne in London erfunden. Nach den bis jetzt der Namen kommen jetzt Zinkplatten in den Handel,
Öffentlichkeit übergegebenen Proben zu urteilen, ist deren Oberfläche mit einem Netz aus kleinen Kupfer-
jedoch das Verfahren noch nicht ausgebildet genug, punkten oder -linien, die in die Zinkschicht eingelas-
um in der Praxis verwendet zu werden. sen sind, versehen ist (Abbildung 5). Auf diese
Da also bis jetzt noch keine technisch reifen Ver- Metallplatten wird direkt mit Asphaltlack gezeichnet
fahren zur Positivherstellung in derKamera existieren,
so müssen wir nach wie vor die Fortschritte in den
gewöhnlichen Kopiermethoden registrieren. Viel
Neues ist hier nicht vorhanden. Tschörner in Wien
hat die Wirkung der verschiedenen Bestandteile der
Kopierlösungen für Heißemaille untersucht und hat
eine Normalvorschrift angegeben, in welcher neben
Fischleim Traubenzucker vorhanden ist. Erfreulich
ist es, daß unsre deutsche Industrie jetzt auch solche
Bedarfsartikel liefert, die bis vor kurzem das alleinige
Monopol Amerikas waren. So wird jetzt z. B. in
Deutschland Fischleim für das Emailverfahren her-
gestellt, der dem amerikanischen Lepageleim keines¬
falls nachsteht.
Der gewaltige Preissturz der Metalle ist insofern Abbildung 5
den Reproduktionstechnikern zugute gekommen, als und dann die Platten in verdünnter Salpetersäure,
auch die Ätzplatten bedeutend billiger geworden sind, die nur das Zink angreift, geätzt. Nach einigen Minu-
Das äußert sich sofort darin, daß bedeutend mehr als ten ist die Ätzung fertig und das Klischee zum Druck
früher Autotypien auf Kupfer gemacht werden. Bei bereit. Die Drucke sehen wie eine Zeichnung mit
diesem Preissturz haben diejenigen Verfahren an tangiertem Hintergründe aus (Abbildung 6). Für
Interesse verloren, die Zink mit dünner, aufplattierter manche Zwecke wird dieses Verfahren sicher eine
Kupferschicht herzustellen bezwecken (Patent von gewisse Bedeutung erlangen. Oft wirkt jedoch das
Lohmann). unvermeidliche Netz störend. Ähnliche Platten kann
Das Zink wurde bei der scharfen Konkurrenz der man übrigens sehr leicht selbst bereiten. Man braucht
Metallfirmen wohl billiger, aber nicht besser. Die nur nach dem bekannten Tangierverfahren Zinkplatten
interessanten Versuche von Novak in Wien über mit einem Netz zu versehen, dieses Netz einzuwalzen
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^titAsvusuj, roacA cUr (l/clvSc
\ \ e fa£ r )
JTach der
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Original fram
PRINCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
und einzubrennen. Darüber kann man mit Lack
zeichnen und anätzen. Selbstverständlich sind solche
Platten viel empfindlicher beim Transport und Auf¬
bewahren, als diejenigen aus dem „Neuen Metall“.
In der Drucktechnik bildet, wie schon erwähnt, das
Hauptereignis die Einführung der matten Papiere in
die große Praxis. Diese Papiere waren schon seit
einigen Jahren zu haben, aber erst in diesem Jahre
sind sie wirklich durchgedrungen. Vom drucktech¬
nischen Standpunkte werden die Mattkunstdruck¬
papiere an andrer Stelle dieses Heftes besprochen,
hier wollen wir nur die Rückwirkung dieser Neuheit
auf die Reproduktionstechnik betrachten. Die Ein¬
führung der Mattpapiere bedeutet, kann man sagen,
einen Sieg des Hochdrucks über den Tiefdruck. Hier
wiederholte sich die Geschichte des Kampfes zwi¬
schen Gas und Elektrizität. Ebenso, wie dort, so
trachten auch hier zwei Industrien durch technische
Errungenschaften einander zu überbieten. Noch vor
zwei Jahren schien es, daß die Maschinenheliogravüre
durch Billigkeit und Schönheit die Autotypie verdrän¬
gen wird; die Optimisten sahen schon das goldne Zeit¬
alter vor sich, wo sogar die Zeitungen im Tiefdruck
mit Heliogravüre-Illustrationen gedruckt werden soll¬
ten. Es scheint aber, daß die Hochdrucker durch die
Einführung der Mattpapiere der Heliogravüre den
Haupttrumpf—das samtige Aussehen und die ruhige
geschlossene Wirkung—genommen haben. Hier zeigt
es sich, wie recht diejenigen hatten, die behaupteten,
daß der Nachteil der Autotypie nicht im Kreuzraster
und nicht im Hochdruck liegt, sondern daß das glän¬
zende Papier und die schlechte Farbe die Wirkung
der Autotypien beeinträchtigen.
Über Farbendruck ist nichts Erfreuliches zu be¬
richten. Immer noch wird der photo„mechanische“
Dreifarbendruck zu drei Vierteln von Tonätzern aus¬
geführt und in vielen Fällen macht man jetzt überhaupt
keine photographischen Farbenauszüge, sondern
zieht diese mit Hilfe einer gewöhnlichen Photo¬
graphie manuell aus. Daß dieses Verfahren einen
großen Rückschritt bedeutet, ist unzweifelhaft. Zum
großen Teile sind die Übelstände im Dreifarbendruck
durch schlechte Druckfarben verursacht. Im ver¬
gangenen Jahre ist eine heftige Polemik zwischen
Mees und den englischen Farbentechnikern entbrannt.
Wir zweifeln nicht, wie Mees, am guten Willen der
Farbenindustrie, die großen Nachteile der bunten
Druckfarben zu beheben; wir glauben jedoch uns
seiner Meinung anschließen zu können, daß schon
die Tatsache der Existenz ebensovieler Sorten von
„Normalfarben“, als es Farbenfabriken auf der Welt
gibt, ein großer Unsinn vom wissenschaftlichen und
technischen Standpunkte ist. Bei der heutigen Lage
der Dinge ist ein Dreifarbendruck, der in der Ätz¬
anstalt mit einer Sorte der „Normalfarben“ angedruckt
ist, kaum im Endabzug der Druckerei, die Farben
von einer andern Fabrik bezieht, wiederzuerkennen.
Dazu kommt noch, daß verschiedene Druckereien
sich selber „Normalfarben“ zusammenmischeji. Wir
wollen hoffen, daß das Schaffen der „Kommission
zur Bekämpfung von Mißtänden in der Herstellung,
im Handel und in der Verarbeitung der Farben und
Malmaterialien“ darin einen Wandel bringt.
Die Buchbinderei im Jahre 1908.
Von H. DANNHORN, Fachlehrer an der Kgl. Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe, Leipzig.
!,IE wirtschaftlich gerade nicht günstige Lage,
in der sich die Buchbinderei schon seit
m einigen Jahren befindet, hat sich auch im
vergangenen Jahre wenig verändert, so daß Klagen
über flaue, schwankende, ja ungenügende Beschäfti¬
gung im Laufe des Jahres, besonders in den Haupt¬
stätten der Großbuchbinderei, nicht selten waren.
Daraus ergibt sich, daß der zur Bewältigung von
großen Büchermengen eingerichtete technische Be¬
triebsapparat, der sich zwecks billiger Herstellung
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PRINCETON UNIVERS1TY
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von Einbandarbeiten immer mehr kostspieliger Hilfs¬
maschinen bedient, nicht lohnend genug ausgenützt
werden konnte. Aus diesem Grunde erscheint es auch
nicht ganz ungerechtfertigt, wenn von einzelnen Fach¬
leuten daraufhingewiesen wird, daß die großen , teueren
und schnellarbeitenden Maschinen der Buchbinderei
im allgemeinen augenblicklich nicht so vorteilhaft zu
dienen vermögen, wie es wünschenswert wäre. Aller¬
dings werden die in neuerer Zeit eingeführten mehr
und mehr verbesserten Buchbindereimaschinen stets
dort vorzüglich am Platze sein, wo gleichartige hohe
Auflagen ständig zu bearbeiten sind.
Die hohen Preise für sämtliche Materialien tragen
ebenfalls dazu bei, den Buchbindereibetrieb gegen¬
wärtig zu wenig ertragreich zu machen, ganz ab¬
gesehen von dem ungesunden Wettbewerb durch
Preisdrückerei, welcher durch solche ungünstige
Verhältnisse leider begünstigt wird. Der Groß- und
mittleren Buchbinderei im besonderen wären daher
zukünftig gleichmäßigere Beschäftigungsverhältnisse
und erfreulichere Betriebsergebnisse zu wünschen,
als wie dies in den letzten Jahren der Fall war.
Von der handwerksmäßig betriebenen Buchbinde¬
rei, deren Verhältnisse schwieriger nach einem Ma߬
stabe beurteilt werden können, ist zu sagen, daß sie
im vergangenen Jahre eine rege Beweglichkeit ent¬
faltet hat, um mit Hilfe ihrer Organisation ihre Exi¬
stenzbedingungen zu bessern und ihre Interessen zu
wahren. Teilweise galten die Bestrebungen der Ver¬
bände auch der Weiterbildung ihrer Mitglieder, die
meist wohlwollende Unterstützung von seiten der
Behörden durch Gewährung von Beihilfen zur Ein¬
richtung von Übungskursen usw. fanden. Im gewis¬
sen Sinne scheinen mir diese Bestrebungen mit den
allseitigen Bemühungen zusammen zu gehen, den
Handwerker durch Veranstaltung von Ausstellungen
zu bilden und anzuregen.
Solche Ausstellungen größeren und kleinerenStils,
die sich mit dem Einbandwesen ausschließlich oder
teilweise befaßten, hatte das vergangene Jahr in
größerer Zahl zu verzeichnen. Sie waren von Mu¬
seen, Instituten, Verbänden usw. veranstaltet und
zeugten nicht nur von emsiger Tätigkeit in der in-
und ausländischen Einbandkunst, sondern auch von
ziemlich regem Interesse für diese. Leider erstreckte
sich dieses Interesse weniger auf weitere Kreise des
vermögenden Publikums, sondern mehr auf kunst¬
gewerbliche und buchverständige Kreise. Ein näheres
Eingehen auf alle diese Ausstellungen, die mehr oder
weniger örtlichen Verhältnissen dienten, ist hier
nicht möglich, jedoch muß deren großer Nutzen un¬
umwunden anerkannt werden. War in den Vorjahren
an guten Handeinbänden verhältnismäßig wenig ent¬
standen, so kann jetzt nach den Ergebnissen und
Eindrücken, welche diese Veranstaltungen gezeitigt
haben, mit Berechtigung gesagt werden, daß die
Leistungen, wenn auch nicht insgesamt, so doch
durchschnittlich sich merklich gehoben haben. Ich
muß mir hier breite Ausführungen zur Begründung
versagen, möchte auch davon absehen, die ziemlich
zahlreichen erwähnenswerten Einbandarbeiten ein¬
zeln aufzuführen, zumal aufmerksamen Beobachtern
unter den bekannt gewordenen Einbänden im letzten
Jahre ohnedies manche schöne und charaktervolle
Arbeit aufgefallen sein wird. Es ist durchaus gerecht,
wenn solchen Arbeiten die verdiente Anerkennung
wird, an der es anscheinend auch nicht gefehlt hat.
Hervorheben möchte ich, daß an dieser erfreulichen
Aufwärtsbewegung die neuzeitlichen kunstgewerb¬
lichen Fachschulen einen erheblichen Anteil und
Einfluß haben. Eine ganze Reihe dieser guten Ar¬
beiten entstammt ihnen bzw. den daselbst ausgebil¬
deten Schülern. Diese Erfolge müßten meines Er¬
achtens von der Buchbinderfachwelt allgemein mehr
und besser wie seither anerkannt werden.
Obwohl nun diese erfreulichen Fortschritte zu ver¬
zeichnen sind, so möchte ich doch auf einen Punkt
hinweisen, der zwar schon öfters berührt worden ist,
aber leider immer noch zu wenig beachtet wird.
Wie ein roter Faden in einem farblosen Gewebe
ziehen sich durch die Fachblätter die Klagen über
mangelndes Interesse an guten Bucheinbänden und
Verständnislosigkeit für wertvolle Buchbinderarbei¬
ten bei der Mehrzahl der Kundschaft. Andrerseits
wiederholen sich jedoch die Klagen der Bücher¬
liebhaber, daß selten künstlerisch empfindende Buch¬
binder zu finden sind, die auch mit einfachen Mitteln
einen befriedigenden, preiswerten Einband, im guten
Verhältnis zum Werte des Buches, herzustellen ver¬
mögen. Es hieße die Verhältnisse verdunkeln, wenn
diesem letzteren Vorwurf die Berechtigung versagt
werden sollte.
Weshalb ist nun aber der Buchbinder so selten
imstande, solchen Wünschen zu dienen? Warum
fertigt er, oft auf eigenes Risiko, handvergoldete
Luxusbände in der Meinung, diese allein seien von
künstlerischem Werte, während doch der verständ¬
nisvolle Bücherfreund sehr wohl einen gutgearbeite¬
ten Papp- oder Leinenband in harmonischer Farben¬
gebung mit bescheidenster Dekoration, ja selbst ohne
eine solche, zu schätzen weiß? Die mannigfachen
Ursachen, weshalb die Buchbinderei solchen nur
scheinbar leichten Forderungen gegenüber häufig
versagt, brauchen wohl kaum erwähnt zu werden,
und darum sollen auch mit den im vorstehenden
gegenübergestellten Klagen die Verhältnisse nicht
im kritischen, sondern im nützlichen Sinne gestreift
werden. Das aus den Verhältnissen sich ergebende
Bedürfnis nach billigeren geschmackvollen Einbänden
sollte nicht nur von der kleineren Buchbinderei
selbst mehr beachtet werden, sondern auch von
den kunstgewerblichen Fachschulen. Nach meinen
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Erfahrungen tut hier veredelnde Beeinflussung und
ernstlicheNachhilfe in technischer und künstlerischer
Hinsicht dringend not! Jedenfalls würde der spätere
Buchbindermeister solchen Bemühungen Dank wis¬
sen, denn die Kunst, mit einfachen Mitteln Gutes zu
schaffen, sichert ihm besser den Erwerb als die heute
meist leider noch unlohnende Ausführung von teue¬
ren Lederbänden.
Im Anschlüsse sei auch noch der buchbinderischen
Zeit- und Streitfrage über die teilweise minder¬
wertige Bindetechnik beim Verlegereinband gedacht,
die im letzten Jahre dadurch aktueller geworden ist,
daß in mehreren Tageszeitungen usw. von Schrift¬
stellern über die Minderwertigkeit dieser Bindung,
wie auch über den herrschenden „Bücherkommunis¬
mus“, d. h. über das mangelnde Verständnis des Wer¬
tes eigener, geschmackvoll und gut gebundener
Bibliotheken, lebhafte Klage geführt wurde. So be¬
rechtigt nun auch manche dieser Klagen sind, so ist
doch andrerseits darauf hinzuweisen, daß die selb¬
ständige Buchbinderei viel weniger von diesem Vor¬
wurfe betroffen werden kann, als die Mehrzahl der
Verleger selbst. Bei den Preisen, die letztere heute
für die Anfertigung ihrer Einbände gewähren, ist es
der Buchbinderei schlechterdings unmöglich , besse¬
res zu leisten, es sei denn, daß sie Geld zusetzt.
Hierzu wird aber die Buchbinderei ebensowenig Lust
haben, wie jedes andre Geschäft. Diese Gründe und
Ursachen mußte ich hier einmal ganz entschieden
betonen.
Es scheint nun, als ob einzelne Verleger durch die
Grundforderungen unsrer kunstgewerblichen Bewe¬
gung, die neben der Güte bzw. Echtheit des Mate¬
rials auch Güte der Konstruktion verlangt, angeregt
worden seien, im Sinne dieser Forderungen bei
den besseren Verlagswerken Versuche zu machen.
Obwohl solche, wenigstens vorerst, nicht leicht ge¬
lingen dürften, so wird es der Buchbinderei doch
wohl bald möglich werden, zu dieser erfreulichen
Fortentwicklung das ihrige zu tun, wenn nur die Ver¬
leger selbst ihren ernstlichen Willen beweisen, und
zwar durch Bewilligung höherer Preise.
Diese Entwicklung, die ja wohl zunächst wenig
augenfällig sein wird, sollte von der handwerks¬
mäßigen Buchbinderei besonders aufmerksam ver¬
folgt werden, denn sie bietet ihr entweder die Aus¬
sicht, Boden für ihr Schaffen zu gewinnen, oder die
Gefahr, bei Versäumnissen weiteren Boden zu ver¬
lieren. Jedenfalls müßten die Folgerungen, die sich
aus einer solchen Entwicklung ergeben, ein weiterer
Ansporn zur tieferen Fortbildung des zukünftigen
Handwerksmeisters sein, denn nur ein in Geschmacks¬
und technischen Dingen Gebildeter wird mit Erfolg
bestehen können. Mit dieser wohlgemeinten Mah¬
nung dürften die allgemein rekapitulierenden Dar¬
legungen über die heutige Lage der Gesamtbuch¬
binderei, wenn auch nicht erschöpft, so doch vielleicht
im wesentlichsten gegeben sein.
Die Besprechung über neuere Buchbindereimate¬
rialien erledigt sich diesmal fast schon mit dem Hin¬
weise, daß die gebräuchlichsten Leder, Stoffe und
Papiere in der Farbengebung, Musterung usw. be¬
reichert wurden. So hat besonders die Tapetenfabrik
Fr . Fischer G. m. b. H . in München-Riesenfeld ihre
bekannten Vorsatzpapiere durch eine Reihe reizender
Muster in vorzüglicher Farbenstellung vermehrt, auf
die ich hiermit aufmerksam machen möchte. Die
Märkische Fantasiepapier-Manufaktur Zossen bei
Berlin (Leipzig, R. Kober) hat erwähnenswerte, farbig
meist zurückhaltende Handmarmorpapiere heraus¬
gebracht, die gut verwendbar sind und bei geschickter
Zusammenstellung mit Leinen oder Leder eine gute
Wirkung ergeben. Es sei noch der vielfach von
Künstlern oder Künstlerinnen geschaffenen Papiere
gedacht, die bei kleineren Auflagen undEinzelbänden
Verwendung finden und in den meisten diesjährigen
Ausstellungen in allen Varietäten zu finden waren.
Über die derzeitigen Buchbindereimaschinen hatte
die von der Buchbinderinnung zu Berlin veranstaltete
Fachausstellung eine vollständige Übersicht gewährt,
obwohl wegen der ungünstigen Raumverhältnisse
und vielleicht auch ungünstigen Gruppierung eine
Orientierung etwas erschwert war. In Heft 6, Jahr¬
gang 1908, des Archiv für Buchgewerbe ist sowohl über
die Ausstellung selbst, wie auch über verschiedene
Maschinen das Nähere berichtet, indessen bedarf es
hinsichtlich der Maschinen noch einiger Ergänzungen.
Die Firma Gebrüder Brehmer in Leipzig-Plagwitz,
deren Maschinen in vorzüglichem Rufe stehen, brachte
eine neue Maschine zum Ankleben von Einzelblättern
usw. auf den Markt, über deren durchaus saubere
Leistungsfähigkeit, die etwa das Dreifache der bis¬
herigen Handarbeit beträgt, nur ein lobendes Urteil
besteht. Sie hat sich deswegen in kurzer Zeit in fast
allen Leipziger Großbuchbindereien so eingeführt,
daß sie nicht mehr entbehrlich erscheint. Inzwischen
ist diese Maschine soweit verbessert worden, daß sie
nunmehr auch Vorsatz-Doppelblätter um die ersten
bzw. die letzten Bogen umklebt bzw. umhängt. Ich
halte mich verpflichtet, Interessenten auf diese her¬
vorragend dankbare Hilfsmaschine hier nochmals
aufmerksam zu machen. Dieselbe Firma hat im
vergangenen Jahre auch an ihren Heftmaschinen be¬
achtenswerte Verbesserungen geschaffen, durch
die nun eine noch festere Heftung wie bisher
möglich ist. Einen ganzautomatischen Einleger an
Falzmaschinen, mit dem sich die Firma seit Jahren
beschäftigt, will sie erst dann herausbringen, wenn
dieser Apparat soweit vollendet ist, daß er allen ge¬
rechten Ansprüchen Genüge leistet.
August Fomm , Leipzig-Reudnitz , hat mit seiner
neuen Beschneidemaschine D. R. P. Nr. 315889 eine
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Maschine in vollendeter moderner Form geschaffen.
In ihrem Prospekte beschreibt die Firma diese Ma¬
schine ausführlich, es sei hier nur daraufhingewiesen,
daßderganzeTriebmechanismuß außer dem Schwung¬
rade durch den Rahmen verdeckt, gewissermaßen
verkapselt ist. Welchen Schutz und welche Vorteile
diese zweckdienliche Neukonstruktion bietet, braucht
wohl kaum bemerkt zu werden. Die Aufträge für
diese Maschine gehen daher auch so zahlreich ein,
daß sie kaum erledigt werden können. Bei Neuan¬
schaffungen wird dieseMaschinebesonders zuberück¬
sichtigen sein. Auch die Schnellschneidemaschine
D.R. P.Nr. 186736 der genannten Firma ist zu er¬
wähnen. Sie hat sich in vielen Großbuchbindereien
des In- und Auslandes infolge ihrer hervorragenden
Leistungsfähigkeit, sowie wegen ihrer anderweitigen
Vorzüge sehr gut eingeführt, so daß sie der Beachtung
aller Interessenten empfohlen werden kann. A.Fomm
hat ferner eine neue patentierte Dreiseitenbeschneide¬
maschine herausgebracht, die mit drei Messern ar¬
beitet und in einem Arbeitsgange Bücher auf den
drei Beschnittseiten in der Weise beschneidet, daß
zuerst die beiden parallelen Ober- und Unterschnitte
gemacht werden, worauf sofort ohne Drehung des
Buchstoßes der Vorderschnitt erfolgt. Gegenwärtig
wird diese Maschine noch vervollkommnet durch die
Ausrüstung mit einem sogenannten Revolvertisch
und mit einer selbsttätigen Ein- und Auslegevor-
richtung. Nach dem Zeugnisse einer Leipziger Gro߬
buchbinderei bewältigt dieses Modell jetzt schon etwa
die gleiche Arbeit, die mit drei gewöhnlichen Drei¬
schneidern oder mit zwei Vierschneidern geleistet
werden kann.
Die Firma A. Gutberiet & Co. in Leipzig hat in ver¬
hältnismäßig kurzer Zeit erreicht, daß ihre Falzma¬
schinen, infolge der guten Ausführung und Leistungs¬
fähigkeit, in der buchgewerblichen Fachwelt sich von
selbst weiter empfehlen. Dies erscheint leicht er¬
klärlich, wenn man weiß, daß die Firma sich nur den
Bau bzw. die Konstruktion von Falzmaschinen an¬
gelegen sein läßt, welche Konzentration auf eine
Maschinenart stetige Vervollkommnung der einzel¬
nen Maschinen zur Folge haben muß. Unter den
letzten Neuheiten der Firma ist in erster Linie der
Patent-Falzmaschine Triumph zu gedenken, die allen
Ansprüchen, die an ein erstklassiges Erzeugnis ge¬
stellt werden müssen, genügt und sich insbesondere
durch zuverlässigen leichten Gang, übersichtliche
Konstruktion, bequeme, schnell zu handhabende Ein-
und Ausschaltung bzw. Verstellbarkeit der ganzen
Maschine wie ihrer einzelnen Apparate auszeichnet.
Besondere Hervorhebung verdient die sicher wir¬
kende Vorrichtung gegen die gefürchteten Quetsch¬
falten bei den letzten Brüchen, sowie die halb¬
automatische Bogenzuführung. Bei letzterer wird
jeweilig der oberste Bogen nur durch eine kurze
Handbewegung seitlich verschoben, worauf er selbst¬
tätig der Maschine zugeführt wird 1 . Eine sehr wich¬
tige Neuerung hat die Firma A. Gutberiet & Co.
im letzten Jahre geschaffen mit ihrem neuen System
der ganzautomatischen Falzmaschine Auto-Triumph,
welche eine Kombination ihrer halbautomatischen
Triumph-Falzmaschine mit dem automatischen Croß-
Bogenzuführer ist, der bis jetzt an Buchdruck-
Schnellpressen vorteilhaft Verwendung fand. Der
vor kurzer Zeit erschienene Prospekt der Firma
gibt über die Vorteile dieses Systems ausführliche
Auskünfte. Die lobenswerten Bestrebungen die¬
ser Firma, nur mit fertigen Maschinen ihren Ab¬
nehmern zu dienen, gibt eine Gewähr dafür, daß auch
diese Maschine der Buchbinderei sehr gute Dienste
leisten wird. Bemerkt sei noch, daß an beiden Falz¬
maschinen ein neuer Doppelstich-Heftapparat an¬
gebracht werden kann, der für sich unbeschränkt und
mit Leichtigkeit auf jeden Millimeter in Stichlänge
und Stichanordnung verstellbar ist, eine Neuerung,
die bis jetzt noch bei keinem modernen ähnlichen
Apparat möglich war.
Die überall nicht nur dem Namen, sondern auch
durch die Güte ihrer Erzeugnisse bekannte Firma
Karl Krause, Leipzig, hat eine neue Schneidemaschine
von 250 cm Schnittlänge fertiggestellt, die die größte
bisher gebaute Schneidemaschine ist. Sie ist mit
selbsttätiger Preßvorrichtung für alle Höhen, mit
Schnittandeuter, Schnellsattel und Mikrometer ein¬
gerichtet, so daß diese Maschine für alle Arbeiten
sehr leistungsfähig ist. Ferner hat die Firma eine
Hebelschneidemaschine von 91 cm Schnittlänge ge¬
baut, bei der trotz der überaus großen Schnittlänge
infolge der äußerst geschickten Hebelanordnung die
Handhabung eine leichte ist. An dreiseitigen oder
vierseitigen Beschneidemaschinen ist ein zweiter
Anschlag geschaffen worden, der das Anlegen er¬
leichtert. Der von der Firma erfundene mechanische
Vorschub des zu beschneidenden Materials, der
großen Anklang gefunden hat, ist durch eine Vor¬
richtung, welche das lästige, durch die Sperrklinke
beim Leergang verursachte Geräusch verhindert,
verbessert worden. Auch ein Eckenabschneide- bzw.
Schrägschneidewinkel ist der Firma Karl Krause
unter Nr. 190954 patentiert worden. An dem über¬
aus leistungsfähigen Schnelldreischneider der Firma,
der, obgleich in der Konstruktion wesentlich anders,
gleichsam das Seitenstück der Fommschen Drei¬
seitenbeschneidemaschine ist, wurde eine Vor- und
Selbstpreßvorrichtung angebracht, die unter der
Nr. 204203 ebenfalls patentiert wurde.
1 Auch von andern Firmen, wie Gebr.Brehmer, Preuße
& Co. u. a. werden schon seit langer Zeit halbautomatische
Falzmaschinen gebaut, die ebenfalls Vorrichtungen zum
Verhüten der Quetschfalten haben und sich in Fachkreisen
großer Beliebtheit erfreuen. Die Schriftleitung.
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Als Neuerung an Prägepressen wurde von Karl
Krause eine automatische An- und Ablegevorrichtung
zum Patent angemeldet, mit der das zu prägende
Material von einem Stapel, der stets nachrückt, ab¬
gehoben und das geprägte Material selbsttätig wieder
abgelegt wird. Die bekannte viersäulige Tiegeldruck-
Kniehebelpresse, bei der durch Wegfall der Tisch¬
bewegung ein rationelleres Arbeiten möglich ist,
wird nun auch in einer kleinen Type für Hand- und
Motorbetrieb gebaut.
Die nurvon derFirmaKarlKrause gebauteSchneid-
und Doppelrillen-Nut- und Ritzmaschine ist nunmehr
auch in Breiten von 100, 145 und 160 cm zu haben.
An den Rillenapparaten ist eine Skala mit Zeiger
angebracht, welche die Entfernung der beiden Rillen¬
scheiben anzeigt, so daß die Einstellung wesentlich
erleichtert ist. Noch eine Reihe weiterer Vervoll¬
kommnungen an Maschinen verschiedenster Gattun¬
gen wären zu nennen, deren Erwähnung aber zu weit
führen würde. Interessenten seien daher auf den
neuerschienenen Katalog der Firma Karl Krause auf¬
merksam gemacht.
So hat denn die rastlos an der Vervollkommnung
ihrer Maschinen arbeitende Buchbindereimaschinen¬
industrie ein erfolgreiches Jahr ihrer Tätigkeit hinter
sich und es bleibt nur zu hoffen, daß sich die Ver¬
hältnisse in der Buchbinderei selbst zukünftig besser
gestalten möchten.
Die typographischen Gesellschaften im Jahre 1908.
Von H. SCHWARZ, Leipzig.
M Jahre 1908 hat sich innerhalb der typo¬
graphischen Gesellschaften und Vereinigun¬
gen sozusagen nichts zugetragen, das als aus
dem üblichen Arbeitspläne hervortretend bezeichnet
werden könnte, so daß sich eine Ergänzung der in
der Fachpresse erstatteten Berichte erübrigt.
Die Anzahl der Vereine hat sich erfreulicherweise
vermehrt; einzelne, früher entstandene Vereine sind
nach kurzer Lebensdauer eingegangen aus Grün¬
den, die hier nicht näher erörtert werden sollen.
Es kann aber gesagt werden, daß heute wohl kaum
ein Hauptdruckort ohne einen typographischen Ver¬
ein ist, eine Erscheinung, die als erfreuliche gelten
muß.
Geht man der Frage nach, auf was die Gründung
der zahlreichen, in den letzten Jahren entstandenen
Vereine zurückzuführen ist, so tritt das Verlangen
zahlreicher Fachgenossen nach technischer Vervoll¬
kommnung in erster Linie als Ursache für die Grün¬
dungen auf. Die gegen früher vollständig verschobene
Arbeitsweise in den Buchdruckereien erschwert die
Lehrlingsausbildung zweifellos, so daß heute zahl¬
reiche, einseitig und unvollkommen ausgebildete
junge Leute in den Gehilfenstand treten, die dann,'
wenn sie bereits auf eigenen Füßen stehen sollten,
sich erst noch ein gut Teil von Kenntnissen anzu¬
eignen haben.
Daß in Gehilfenkreisen die Notwendigkeit techni¬
scher Fortbildung nach beendigter Lehrzeit allgemein
anerkannt wird, konnte man unter anderem ersehen
aus einer ganzen Reihe von Anträgen, die auf der
Tagesordnung der diesjährigen Generalversammlung
des Verbandes der Deutschen Buchdrucker in Cöln
a.Rh. standen. Kamen diese Anträge auch nicht zur
Annahme, so besagt deren Einbringung doch, daß
sich an den verschiedensten Orten die Erkenntnis
durchbricht, daß dem Gewerbe tüchtige Kräfte auch
durch die Mithilfe der Gehilfenschaft selbst zugeführt
werden müssen.
Daß die erwähnten Anträge fast alle darauf hinaus¬
liefen, die technischeWeiterbildung der Fachgenossen
durch Schaffung eines neuen Fachblattes bezw. einer
technischen Beilage zu erstreben, hatte wohl seinen
Grund hauptsächlich in Billigkeitsrücksichten. Die
deutsche Fachpresse ist heute eine so umfangreiche
und in ihrer Tendenz so vielseitige, daß man sich
vorläufig die Erstehung neuer Blätter wahrlich nicht
wünschen kann.
Als Folge der erwähnten Anträge ist sicher die
Gründung zahlreicher graphischer Vereine auch an
kleineren Orten anzusehen, denen es obliegen soll,
„die ideelle Zurücksetzung der Provinzkollegen zu
mildern, die technischen Fähigkeiten ihrer Mitglieder
zu fördern und die letzteren auf der Höhe der Zeit
zu erhalten®.
Diese ungewöhnliche Vermehrung der graphischen
Vereine legt die Frage nahe, welchem Ziele sie zu¬
zustreben haben, welche Mittel ihnen zu Gebote
stehen und welche Wege sie einzuschlagen gut tun
werden.
Es ist vielleicht angezeigt hier darauf hinzuweisen,
daß die ersten typographischen Gesellschaften, die
vor dreißig Jahren gegründet wurden, bei ihrer da¬
mals nur kleinen Mitgliederzahl ganz andre Ziele
verfolgten und verfolgen konnten als die jetzigen
Vereine mit hunderten von Mitgliedern. Das An¬
wachsen der Mitgliederzahl hat eine wesentliche
Verschiebung der Aufgaben, die den typographischen
Gesellschaften gestellt waren, und zugleich eine Ein¬
schränkung ihrer Ziele zur Folge gehabt.
In früheren Jahren bildete zumeist ein Kreis von
20 bis 30 in der Praxis erfahrener Fachgenossen
die Mitgliedschaft eines typographischen Vereins.
Es konnten in solchem Kreise einschneidende
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
technische, künstlerische oder gewerbliche Fragen
gründlich erledigt werden, so daß das als Ermittelte
bald durch die Fachpresse Gemeingut der Allge¬
meinheit wurde. Daß die Mitglieder aus dem früher
notwendigen und üblichen Austausch der Meinungen
Nutzen zogen, ist selbstverständlich. Die Verhand¬
lungen und Sitzungsabende hatten damals weniger
den Zweck, die speziellere Ausbildung des einzelnen
Mitgliedes herbeizuführen, denn neben der Beobach¬
tung alles einschläglichen Neuen war das Hauptziel
der aufklärende und anregende Meinungsaustausch
Erfahrener untereinander und die Anerkennung auf¬
gestellter Grundsätze.
Den jetzigen, an Mitgliedern zahlreicheren typo¬
graphischen Gesellschaften und Vereinigungen sind
etwas andre Aufgaben gestellt: typographische Fort¬
bildungsvereine ist für sie die zeitlich richtigere
Bezeichnung.
Es wird nicht ausbleiben, daß sich eine ganze
Anzahl der bestehenden Vereine je nach ihrer Zu¬
sammensetzung auf die Durchführung eines be¬
stimmten, dem Mitgliederkreise angepaßten Pro¬
grammes wird legen müssen, wenn nicht eine
Verzettelung auf alle erdenklichen Arbeitsgebiete
erfolgen soll, für welch letztere häufig das Verständ¬
nis bei einem großen Teil der Mitglieder noch nicht
vorhanden ist und nicht vorhanden sein kann.
Als Beispiel sei erwähnt, daß jüngere Kräfte zu¬
meist aus ihrer Mitgliedschaft greifbare, positive
Erfolge erhoffen, wie sie etwa Kurse, Ausschreiben
und dergleichen mit sich bringen, während reifere
Elemente ganz andre Fragen in den Vordergrund
des Programms gerückt sehen wollen. Die zweck¬
mäßige Verbindung der verschiedenen Programm¬
punkte, sowie deren Anpassung an die unter Um¬
ständen gemischte Mitgliedschaft ist wohl möglich,
aber nicht immer leicht.
Ich glaubte vorstehende Frage berühren zu dürfen,
da sich, nach dem Inhalte der Vereinsberichte zu
schließen, mehr und mehr zeigt, daß das Interesse
für die Vortragsstoffe sich ganz nach deren Tendenz
richtet und der Besuch der Versammlungen ein dem¬
entsprechender, oft sehr geteilter ist.
Fasse ich das über die Zusammensetzung der
Vereine Gesagte zusammen, so ergibt sich, daß ein
größerer Verein, in dem nur eine verhältnismäßig
kleine Anzahl Mitglieder regelmäßig arbeitet , der
Rest aber ständig hospitiert , leicht den Charakter
einer Schule erhält, also eine Form, die etwas wesent¬
lich andres ist, als die der ursprünglich gegründeten
typographischen Gesellschaften, die es sich zur Auf¬
gabe gestellt hatten bestimmenden Einfluß auf die Er¬
ledigung einschneidender technischer , künstlerischer
und gewerblicher Fragen auszuüben .
Glücklicherweise sind im Laufe derZeit besondere
Vereine entstanden, denen die Erfüllung mancher
Aufgaben, die ursprünglich den typographischen Ge¬
sellschaften zufiel, heute zukommt. Ich erwähne
z. B. den Deutschen Buchgewerbeverein, dem nach
seinen Satzungen die Förderung des gesamten Buch¬
gewerbes obliegt und der einen erhöhten Einfluß der
bildenden Künste auf das Buchgewerbe herbeiführen
soll; den Deutschen Buchdruckerverein, der sich
neuerdings durch die Beschäftigung mit der Preis¬
berechnung, dem Befähigungsnachweis usw. auch
manchen technischen Fragen nähern mußte, der fer¬
ner die zweckmäßige Lehrlingsausbildung noch in sein
Programm aufnahm u. a. m. Die besonderen schrift-
gießerischen Fragen erfahren durch die Vereinigung
der Schriftgießereibesitzer ihre endgültige Erledi¬
gung; Chemigraphie, Steindruckerei, Buchbinderei
und andre Zweige des Buchgewerbes haben Sonder¬
organisationen erstehen lassen, die die einschnei¬
denden technischen und gewerblichen Fragen er¬
örtern und lösen.
Einzelne typographische Gesellschaften gehen
den vorerwähnten buchgewerblichen Vereinen durch
untersuchende und beratende Mitarbeit an die Hand
und erfüllen dadurch heute noch die gleichen Auf¬
gaben, die ihnen bei ihrer Gründung allein zufielen.
Fast alle bestehenden typographischenVereine ge¬
hören dem vor fünf Jahren gegründeten Verbände
der Deutschen Typographischen Gesellschaften an.
Die an ihn seinerzeit geknüpften Hoffnungen erwiesen
sich während der ersten vier Jahre des Bestehens
als verfehlte, und es bedurfte zu Anfang dieses
Jahres eines heftigen Anstoßes, um die ganz in Still¬
stand geratene Arbeit des Verbandes wieder zu einer
geregelten zu machen. Die zu Ostern im Papier¬
hause zu Berlin abgehaltene außerordentliche Haupt¬
versammlung hatte sich mit wenig erfreulichen
Dingen zu befassen, die die bei der Gründung des
Verbandes von Leipzig aus gehegten, damals aber
bekämpften Zweifel an der Lebensfähigkeit des Ver¬
bandes mehr als berechtigt erscheinen ließen. Eine
von Berlin vorgeschlagene und von den angeschlosse¬
nen Vereinen angenommene veränderte Organisa¬
tionsform, sowie die Wahl eines neuen Vorsitzenden
waren die Mittel, die gefunden wurden, um den Ver¬
band zu neuem Leben zu erwecken und sein wei¬
teres Bestehen zu sichern. Daß sich die einzelnen
Kreise inzwischen den Beschlüssen gemäß organi¬
siert haben, scheint nach den jetzt periodisch er¬
scheinenden Mitteilungen des Verbandes der Fall zu
sein, wie sich aber die Arbeitsweise unter der neuen
Kreiseinteilung entwickelt und bewährt hat, kann
heute noch nicht gesagt werden. Soviel steht aber
fest, daß die Kreisvororte tüchtige Arbeit zu leisten
haben werden, wenn die Programmpunkte des Ver¬
bandes in allen Teilen durchgeführt werden und in
absehbarer Zeit greifbare Ergebnisse aus dem erfolg¬
ten Zusammenschlüsse der Vereine entstehen sollen.
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PRINCETON UNIVERS1TY
-- ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ===
Das Diplom, seine Geschichte und sein Stil.
Von ERNST SCHUR, Berlin.
Einleitung.
O alt das Diplom ist, so kommt es für uns doch
erst wieder seit der letzten Hälfte des vorigen
Jahrhunderts in Betracht. Und da ist es be¬
zeichnend, daß eine neueinsetzende, kunstgewerbliche
Bewegung damals das Interesse an dem Diplom wie¬
der weckte, wie auch heutzutage die dekorative Be¬
wegung, die alles in ihren Bereich zieht, die Veran¬
lassung ist, daß wir uns dem künstlerischen Diplom
wieder zuwenden.
Wie sehr der Stil des Diploms mit dem kunstge¬
werblichen Stil zusammenhängt, das zeigt eben der
Umstand, daß es beide Male kunstgewerbliche Strö¬
mungen waren, die das Interesse für das Diplom
wachriefen. Einmal die kunstgewerbliche Bewegung
der 60 er Jahre, die eine Repetition der alten Stile
brachte. Dann die kunstgewerbliche Bewegung
unsrer Tage, die einen eignen Stil sucht.
Was verstehen wir unter einem Diplom? Im eng¬
sten Sinn vielleicht nur die von einer Jury, einem
Verband verliehene Auszeichnung, die gegeben wird
für anerkennenswerte Leistung. Aber erst, wenn wir
dieses Material erweitern, wenn wir die Ehrenurkun¬
den, Bürgerbriefe, Jubiläumsadressen und andre
zur Feier eines bestimmten Anlasses geschaffenen
künstlerischen oder kunstgewerblichenArbeiten hierin
einbeziehen, kommen wir zu dem weiteren Be¬
griff des Diploms, der allgemeinere Ausblicke gibt.
Diese Ausdehnung schützt vor Einseitigkeit und dient
also nur der Sache.
Ein Diplom soll ehren, anerkennen. Es hat damit
eine gewisse Feierlichkeit der Erscheinung zur Vor¬
aussetzung und Bedingung. Das rechtfertigt, daß die
Kunst und das Kunstgewerbe sich in seinen Dienst
stellen. Die einfache Tatsache der Ehrung, die im
Altertum vielleicht mit tatsächlichen Gegenständen,
etwa durch einen Ölzweig, erfolgte, soll durch eine
dauernde Form würdiger gestaltet werden. Ob wir
dabei an die Ehrung hochstehender Personen, an die
Wiederkehr eines bedeutsamen Tages oder an die
Urkunde, die eine Innung oder sonst ein Verband dem
jüngeren Nachwuchs gewissermaßen als Dokument
der Reife erteilt, denken, ist gleichgültig. Die Grund¬
tendenz ist die gleiche; nur der Zweck variiert.
Wir können ziemlich weit zurückgehen in unsrer
Vergangenheit. Das Mittelalter hatte die Meister-
und Gesellen-Briefe, es hatte die Bestallungsurkun¬
den für bestimmte Stellungen. Und diese Art und
Weise der Verbriefung eines Amts, eines Rechts,
einer Stellung kam der zu einer gewissen Feierlichkeit,
zur Grandezza, zur würdigen Pose neigenden Zeit ent¬
gegen. Es liegt eine Symbolik in solchen Urkunden,
eine Feierlichkeit, die gewissermaßen den Vorgang
heraushebt aus dem Geschehen des Alltags. Gerade
in primitiven Zeiten finden wir diese Vorliebe und
diese hierzu notwendige Pietät. Die Freude der mittel¬
alterlichen Buchkünstler und Drucker an der schönen
Gestaltung solcher Urkunden entsprach dem allge¬
meinen Sinn der Zeit, sich in Zierat, Vignetten und
dergleichen auszugeben. Eine ganze Reihe von Künst¬
lern widmeten sich der Ausmalung solcher Schrift¬
werke, und ein reicher Schatz an Formen ist uns in
diesen Werken aufbewahrt.
Doch ist in jenen Zeiten das Diplom mehr einTeil
der allgemeineren Druck- und Schreibkunst geblie¬
ben. Erst in unsrer Zeit, etwa seit der zweiten
Hälfte des vorigen Jahrhunderts, tritt die Urkunde,
das Diplom in der Weise, in der Fassung in den Vor¬
dergrund, wie wir sie jetzt kennen. Es war dazu
zweierlei nötig. Einmal die Kenntnis der vielfachen
Kunstformen der vergangenen Stile, die ein ganz
andres Material lieferten, dann der wirtschaftliche
industrielle Aufschwung, die politische Entwicklung,
das Gefühl der größeren Gemeinsamkeit.
Diese beiden Faktoren trugen dazu bei, dem Diplom
jene erhöhte Geltung zu geben, die wiederum veran-
laßte, daß die künstlerische Ausdrucksform reicher,
prätentiöser wurde als der Stil der mehr intim aus¬
sehenden Diplome des Mittelalters.
Auch die Ausbildung der Technik kam dem ent¬
gegen. Durch die Verfeinerung der graphischen Ver¬
fahren wurden ganz andre Effekte möglich. Ich
erinnere nur an die Lithographie, an den Dreifarben¬
druck und andre immer reicher und manigfaltiger
auftretenden Vervielfältigungsverfahren, die aller¬
dings und namentlich zuerst eine Verwilderung des
Stils herbeiführten, da man glaubte, kurzweg alles
vervielfältigen zu können, dabei sich übernahm und
seine Freude hauptsächlich an der technischen Be¬
wältigung hatte, eine Kinderkrankheit, die allen tech¬
nischen Bereicherungen unsrer Zeit anhaftet, eine
Verwilderung, aus der wir uns zu befreien beginnen.
Je nach der Eigenart des Künstlers wird entweder
der Text mehr in den Vordergrund treten oder der
künstlerische Schmuck entscheidender mitwirken,
der entweder nur Randschmuck sein kann oder sich
bis zum Gemälde erweitern kann.
Während die Ehrenurkunden, die für eine bestimmte
Person gelten, mehr persönlichen Charakter haben,
daher künstlerischer, freier, malerischer gehalten
sind, sind die Diplome im engeren Sinn allgemeinerer
Geltung. Sie sind nicht an eine bestimmte Person
gebunden. Hier tritt das Kunstgewerbliche, das Prak¬
tische in den Vordergrund. Hier wollen wir nicht
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PR1NCET0N UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Beziehungen, Hindeutungen, sondern eine dekorative
Einheit sehen. Gerade hier, auf den reichen Gebie¬
ten des allgemeinen Lebens, in das immer wieder
junge, neue Scharen eintreten, ist es Erfordernis,
daß der Künstler nicht die alten Mittel, die übliche
Formensprache verwendet, sondern in neuem Geist
arbeitet. Klare Stileinheit ist das Haupterfordernis.
Gerade hier findet er ja eine Fülle von neuen Motiven.
Das reich sich entfaltende industrielle Leben bietet
ihm eine Fülle neuer Gedanken und die moderne
dekorative Formensprache zeigt ihm die Mittel. Tech¬
nik und Zweck arbeiten so intensiv zusammen, daß
es von Gedankenarmut zeugt, wenn wir überhaupt
noch die alten Klischee-Motive, jene allegorischen
Figuren, jene Putten usw. verwenden.
Das ist nicht Herabsetzung der alten Stile, sondern
Ehrfurcht, denn wir ehren das Alte am besten, wenn
wir Neues ihm an die Seite setzen. Ausnützung des
Alten ist nicht Ehrfurcht.
Aber damit ist es nicht getan. Es ist nicht genug,
wenn wir neue Motive haben, es ist nicht genug,
wenn wir z. B. charakteristische Bauten einer Stadt
als Symbol verwenden, wir müssen tiefer greifen.
Es gilt, aus diesem Material mit den gegebenen tech¬
nischen Mitteln eine dekorative Einheit zu schaffen.
Nicht die inhaltliche Erneuerung genügt, die Formen¬
sprache muß den Charakter haben, der unsrer Zeit
entspricht. Seht dieses moderne Leben an, geht in
die Fabriken und Werkstätten, verfolgt die industrielle
Entwicklung unsrer Gegenwart, so wird der Künst¬
ler Motive genug finden. Und hier mündet dieses
Spezialgebiet in die Entwicklung der Graphik, der
modernen, angewandten Graphik im allgemeinen ein.
Erst so gewinnen wir einen neuen Standpunkt,
der selbständig ist. Gotik, Renaissance und wie die
Stile heißen mögen, sie bieten uns Genuß und Be¬
lehrung. Den neuen Stil, den Stil unsrer Zeit, haben
wir erst zu finden. Diesen Mangel an Eignem spüren
wir in den eingangs erwähnten Diplomen der früheren
Zeit. Sie zeigten vielleicht Virtuosität im Übernehmen
und Verwenden alter Formen. Wir dürfen aber nicht
vergessen, daß die hohe Bedeutung unsres allge¬
meinen Zeitstrebens darin beruht, daß wir uns auf
uns selbst stellen!
Geschichte.
Wenn wir die Sammlungen durchblättern, die uns
das historische Material für dieses Spezialgebiet des
Druckes und der Schrift liefern, so finden wir hier
eigentlich alle die Stilarten sich widerspiegeln, die
in der großen Kunst herrschen. Namentlich wenn
wir die Entwürfe der neueren Zeit in Betracht ziehen,
die uns ja hier besonders interessieren, wird uns
diese Tatsache deutlich, die ja auch erklärlich und
begründet ist. Der Buchdruck zeigt uns ja auch den
genauen Zusammenhang mit den jeweils wechselnden
Stilen. Ich erinnere an das gotische Buch, das Buch
der italienischen Renaissance, an das französische
Buch des 17. und 18. Jahrhunderts.
Da sei nun gleich gesagt, daß unter den Diplomen
die Ausbeute keine reiche ist. Es liegt das weniger
an den Künstlern selbst, als an dem ganzen Zeit¬
empfinden, dem Zeitstil, der sich erst in unsern Tagen
reinigen, klären sollte. Wir können das mit ruhigem
Gewissen sagen, indem wir zugleich hinzufügen, daß
wir Vollendetes auch noch nicht geleistet haben.
Doch beginnen wir, uns eine eigne Sprache zu bilden.
Wir haben ein deutlicheres Empfinden für das, was
wir Stil nennen. Wir untersuchen genauer die je¬
weiligen Bedingungen des Zwecks, der Technik des
Materials, und insofern verstehen wir besser, das
Nicht-Brauchbare auszuscheiden. Ich erinnere wieder
an den Buchdruck, der in unsrer Zeit einen so großen,
erfreulichen Aufschwung genommen hat. Wir wagen
mehr. Wir benutzen das historische Material nicht
zur plumpen Nachbildung, sondern, um uns klar zu
werden, uns in den Erfahrungen zu bereichern und
auf Grund dieser Erfahrungen Neubildungen zu ver¬
suchen. Wenn wir das sagen, so liegt darin mehr
eine Verpflichtung für die Zukunft, als eine Über¬
hebung gegenüber der Vergangenheit. Wenn wir die
große Kunst der 70 er und 80 er Jahre ansehen, so
überwiegt allenthalben ein Bestreben, das uns fremd
zu werden beginnt. Die historisch-allegorische
Malerei dominiert. Eine Formensprache, die aus der
Renaissance übernommen ist, die durch Pose und
Schwung zu imponieren sucht. Die moderne Malerei,
die wieder den Anschluß an die Natur suchte und
ebenso folgerichtig die Techniken revolutionierte,
hat andre Ziele gezeigt, die für uns fruchtbringender
sind. Was für den Handwerker die handwerkliche
Übung, das ist für den Maler die Technik und wir
können uns nur freuen, daß das technische Bemühen
so energisch in den Vordergrund gerückt wird.
Genau so ist es mit dem Diplom. Vergegenwärtigen
wir uns einmal das Aussehen dieser früher üblichen
Diplome.
Was sehen wir nicht alles auf diesen früheren
Diplomen! Als Hintergrund weit sich dehnende
Landschaften, als Einfassung Säulenarchitekturen,
als Figuren ganze Truppen von weiblichen Gestalten,
die immer in Bewegung sind, ein Bild halten oder
Kränze winden oder Palmen schwingen, und oben
in Wolken Putten und Amoretten. Kurz eine Über¬
ladung im Figürlichen und im Ornamentalen, die
einen reichen Eindruck machen soll, aber nur un¬
diszipliniert wirkt. Überhaupt Bewegung, Dramatik
überall. Vorgänge, als sei der Vorhang von einer
Bühne weggezogen. Da begrüßt eine weibliche Figur
den heranschreitenden Heros und kleine Kinder mit
Flügeln an Schultern und Füßen taumeln voran. Es
wirkt wie ein lebendes Bild. Man denkt an Gruppen,
die photographiert werden sollen und nun plötzlich
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
wie in Erstarrung verharren. Ein künstlich lebloses
Arrangement, das stillos wirkt, weil es im Gegen¬
ständlichen haften bleibt und entlehnt ist aus einem
andern Gebiet, der großen historischen Malerei jener
Zeit.
Es besteht auch in folgendem ein Mißverhältnis.
Der Künstler machte vor der Schrift Halt und gab
ein malerisches Bild. Entwarf ein kunstgewerblicher
Zeichner das Blatt, so gab er vielleicht gute Schrift
(im günstigen Falle!) und behalf sich, da ihm im
Malerischen die Übung fehlte, mit einem Klichee-
Arrangement mit Genius, Putten usw.
Was uns bei den Diplomen der früheren Zeit stört,
ist die Stilunsicherheit, die Falschheit im Dekorativen.
Selbstverständlich haben diese Künstler alle ehrlich
sich bemüht, sie haben ihr bestes gegeben und nicht
gegen sie richtet sich die Kritik, sondern gegen die
Stilanschauung der Zeit.
Erstens einmal haben wir den Sinn für diese
frostigen Allegorien verloren. Es wird uns zuviel
gesagt auf diesen Entwürfen. Der Inhalt drängt sich
vor. Und indem der Künstler zuviel sagen will und
muß, verliert er die Fähigkeit, das alles in ein rechtes
Maß zu bringen, die dekorativ-ornamentale Einheit
zu finden. Er findet sein Genüge an den malerischen
Posen, die uns schon verbraucht und schematisch
Vorkommen und die tatsächlich so verbraucht sind,
daß wir sie in jeder Klischeefabrik zu Dutzenden be¬
kommen.
Man kann aber auch nicht sagen, daß wir hier vor
einem uns vielleicht fremd gewordenen, aber in sich
doch einheitlichen Stil stehen. Wobei uns vielleicht
entgegengehalten wird, das sei die Formensprache der
Renaissance. Das ist sie gar nicht. Es ist ein Ge-
mengsel von allerlei Reminiszenzen. Aus der Antike,
aus der Romantik, aus der Renaissance. Und nur die
allegorische Pose ist immer dieselbe.
Ist ein Diplom ein Bild? Wollen wir malerische
Werte, körperlich-plastische Darstellungen sehen?
Das Diplom ist ein Spezialfall der angewandten Graphik
und demzufolge wollen wir eine dekorativ-einheitliche
Umwertung solcher Motive und Kompositionen sehen,
nicht Bilder, denen nur zufällig irgendwo ein Text
angefügt ist. Dieses Mißverhältnis wird uns sofort
klar, wenn wir die Schrift beachten. Wer nicht
sieht, daß zwischen diesem malerischen Bild und der
flächigen Type ein Widerspruch besteht, daß Bild und
Text nur äußerlich zusammengestellt sind, der hat
kein Auge für die sinngemäße Gestaltung eines
ornamentalen Entwurfs.
Wir brauchen uns nur die alten, geschriebenen
Bücher des 15. Jahrhunderts anzusehen und wir wissen,
was Einheit des Bildes und des Textes besagt. Oder
wenn wir für den Druck eine Parallele wollen, so
nehmen wir das italienische Buch der Renaissance
vor, ebenso das deutsche Buch der Gotik.
Dann diese Schrift selbst. Mit Vorliebe wird eine
Type gewählt, die verschnörkelt ist, weil man das für
vornehmer hält. Diese Typen werden dann zu Worten
gefügt und unkünstlerisch geordnet, unkünstlerisch,
d. h. ohne Empfindung für die Raumgliederung. Das
Auge hat keine Freude an den verschwommenen kraft¬
losen Satzbildern. Was die alten Zeiten so gut konnten,
was wir jetzt wieder lernen, diese harmonisch-kraft¬
volle Flächenwirkung, sie ist ganz vernachlässigt.
Indem wir aber empfinden, daß ein solches Mi߬
verhältnis besteht, daß die Linie der Buchstaben den
Tonwerten der Darstellung widerspricht, sind wir der
eigentlichen Lösung schon auf der Spur. Beides, Dar¬
stellung und Text, müssen zu einer Einheit ver¬
schmolzen werden und da die Schrift nicht bildnerisch¬
malerisch gehandhabt werden kann, muß sich die
Darstellung eben dieser graphischen Notwendigkeit
fügen. Womit wir den Weg schon andeuten, den wir
zu beschreiten haben.
Der Stil .
Es gibt einen malerischen und einen graphischen
Stil. Wenn ich vorhin die malerisch-plastische Hal¬
tung der alten Diplome kritisierte und abwies, so war
das insofern nicht ganz zutreffend, als diese Diplome
den malerischen Stil gar nicht erreichen. Darum eben
sind sie nicht vorbildlich, weil sie weder malerisch
noch graphisch sind. Sie stehen in ihrem Stil zwischen
Malerei und Graphik in der Mitte. Sie haben eben
keinen Stil.
Diesen malerischen Stil — ich bemerke übrigens,
daß es hier nicht so entscheidend darauf ankommt,
ob ein Diplom wirklich gemalt ist oder für den Druck
bestimmt war, das ist äußerlich — diesen malerischen
Stil haben die Diplome, die Menzel und Klinger an¬
fertigten.
Gerade Menzel ist ein Beispiel dafür, wie vollendet
solch ein in malerischem Stil gehaltenes Diplom
wirken kann. Auch Menzel erzählt viel. Auch Menzel
führt noch den Genius ein, die weibliche Figur, die
Allegorie; auch Menzel streut über das Ganze eine
Fülle von Schnörkeln, Blumen und Girlanden.
Aber da er alles in einem künstlerischen Geiste
tut, da er alles in persönliche Fassung bringt, da er
schließlich wirklich malerisch zu Werke geht, und
das Ganze graziös darstellt, schwindet bei ihm jedes
Bedenken, da man sieht, daß man hier vor einem
eignen Stil steht, der fest in sich begründet ist, der,
wenn er auch aus der Vergangenheit die Anregung
entnimmt, doch ganz durchdrungen ist von der
eignen Kraft. Menzel löste die Wirklichkeit des
dargestellten Vorgangs auf in ein leichtes Spiel von
Grazie und Phantastik. Durch dieses schimmernde
Gewand leuchtet die Wirklichkeit hindurch und da¬
durch wird solch ein Blatt sehr künstlerisch. Zugleich
aber behielt Menzel doch ein sicheres Gefühl für die
Festigkeit der dekorativen Anordnung und während
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PRINCETON UNIVERSUM
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das Einzelne prickelnd aufgelöst ist, behält doch das
Ganze die Logik der Form. Da hat Menzel z. B. für
ein Kupferwerk ein Diplom angefertigt. Rechts und
links die Schmiede und der Feuerofen. Mit vollen¬
deter Kunst istdasFlammende, die glühend rauchende
Luft, in der die Gestalten undeutlich sich bewegen,
wiedergegeben; auf der andern Seite ruhigeres Leben,
die Gestalten treten deutlicher heraus. In der Mitte
eine Nische, vor der eine Frauenfigur steht, die auf
ein Porträtrelief deutet, das in der oberen Rundung
der Nische eingefügt ist. Den Abschluß bilden rechts
und links Sockel mit grimmen Riesen, die symbolische
Darstellung der bezwungenen Materie, die dem Men¬
schen dienstbar gemacht ist. Den oberen Rand bildet
ein Gewirr von Blumen, Kränzen, Putten.
Was hier den Ausschlag gibt, das ist di e künstlerische
Behandlung. Die Frauenfigur, sie ist keine schema¬
tische, blutlose Nachbildung, der durch eine theatra¬
lische Gebärde ein höheres Leben gegeben werden
soll, sondern sie ist ein prachtvolles, subtil gezeich¬
netes, malerisch gesehenes menschliches Wesen von
Fleisch und Blut. Da wird niemand denken, das ist
nur so traditionell übernommen. Gewiß ist es Tra¬
dition. Aber in dieser Form läßt sich nichts dagegen
sagen, wir tasten sie nicht an. Und selbst die Schrift
belebt Menzel in dieser Weise. Er gibt nicht das,
was wir heute anstreben. Er wirft vielleicht die Typen
zu sehr durcheinander. Aber hier kommt es nicht
darauf an, das sind keine Typen, sondern malerisch
gehandhabte Buchstaben, die dem einheitlichen Zweck
dieses künstlerischen Arrangements dienen. Mit
unnachahmlichem Feingefühl hat Menzel diese ge¬
fahrvolle Klippe vermieden. Er hat auch die Schrift,
die er mit virtuoser Freiheit zu behandeln versteht,
mit Leben zu erfüllen gewußt und hat doch die
dekorative Einheit in dem von ihm angestrebten
malerischen Stil erreicht und beibehalten. Was die
übrigen genannten Diplome anstrebten, Menzel hat
es erreicht. Darum spüren wir hier das Künstlerisch-
Persönliche, während wir bei den Versuchen,
die weder malerisch noch graphisch sind, die ich
vorhin charakterisierte, das Akademisch-Schema¬
tische herausspüren. Hier das Lebendige, dort das
Leblose.
Diesen freien, malerischen Stil überträgt Klinger
ebenso ins Graphische, indem er in der Radierung
ein leichtes, feines Spiel der Linien gibt, von dem
sich dunkle Massen abheben, und in diesem Wechsel
der Hell- und Dunkeltöne liegt der Reiz.
Und daß es schließlich nicht die Allegorie als solche
ist, die abzuweisen ist, das beweisen manche moder¬
nen Entwürfe, die allerdings dann am kräftigsten
wirken, wenn ein lebendiger Stoff künstlerisch ge¬
meistert ist. Hierfür kann man als Vorbild einen Ent¬
wurf von Franz Stuck anführen, der eine allegorische
Darstellung des Tanzes gibt. Er verwendet dazu das
bekannte Friesmotiv. Vor dunklem roten Hintergrund
ein tanzendes Paar, ein nackter Mann, prachtvoll
modelliert, eine weibliche Figur, deren Gewand in
lebhafter Bewegung dekorativ schwingt. Rechts und
links stehen Pane, die auf Hirtenflöten blasen. Sie
stehen auf dunklem, schwärzlichbraunem Hinter¬
grund. Das Ganze macht einen sehr gesammelten,
monumentalen Eindruck. Es ist farbig durch das
dunkle Rot und Braun zusammengehalten und gibt
auch in dem Wechsel der hinreißenden Bewegung
der Mittelgruppe, dem statuarischen Verharren der
seitlichen Figuren eine Einheit, die etwas Großzügiges
hat und etwas Neues gibt.
Preziöser ist Gustav Klimt, dessen Entwürfe jedoch
auch unleugbar die eigne, künstlerische Note haben.
Er stellt blasse Figuren vor weiße Marmorumrah¬
mungen und erreicht dadurch und besonders durch
die leicht schwärzliche Tönung der Figuren einen
eigentümlichen Eindruck, der zugleich durch die leicht
schwebende FührungderLinien etwas Suggestives hat.
Anders die graphische Art, zu der ich nun komme.
Auch hier ist das gleiche Arrangement anfänglich.
Figürliche und ornamentale Überladung. Das Inhalt¬
liche überwiegt. Die Hindeutung soll das Künst¬
lerische ersetzen. Man kann verfolgen, wie die Stile
sich ablosen: Renaissance, Rokoko usw.
Das Figürliche wird für den Nichtkünstler immer
eine gefährliche Klippe bilden. Darum wende sich
der kunstgewerbliche Zeichner dem zu, was den
eigentlichen Gehalt seiner Kunstübung ausmacht:
der Schrift .
Gerade auf diesem Gebiet der Schrift ist in der
früheren Art der Diplome viel gesündigt worden und
unsre Kritik setzt an diesem Punkt ein. Das legt
zugleich nahe, daß eben das Diplom uns eher ein
kunstgewerblicher Gegenstand als eine künstlerisch
freie Schöpfung zu sein scheint. Man konnte sich,
wie in den Randleisten, so auch in der Schrift nicht
genug tun in Schnörkeln, Verzierungen. Man wollte
feierlich sein und wurde unleserlich. Aber nicht das,
die Unleserlichkeit, wiegt am schwersten — denn
das ist Sache der Übung und es ist schwer festzu¬
stellen, wo die Lesbarkeit aufhört, die Unleserlich¬
keit beginnt — sondern der Mangel an dem ein¬
heitlichen, dekorativen Eindruck war der schwerer
wiegende Fehler. Das Ornament kann reich sein,
aber braucht nicht deshalb überladen zu werden.
Ebenso kann die Schrift feierlich sein und mit der
Ornamentik Zusammengehen und braucht doch nicht
verschnörkelt zu sein. Hier muß der Künstler die
Verbindung schaffen. Das Verständnis für diese uns
jetzt selbstverständliche Forderung war damals noch
so wenig verbreitet, daß man die Schrift meist von
einem andern Zeichner einfügen ließ. Der Künstler
entwarf die bildliche Darstellung oder die Umrah¬
mung. Der Schreibkünstler fügte die Schrift ein. Wir
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
empfinden das als Disharmonie. Das zeigt uns, daß
wir jetzt stilklarer empfinden.
Es kommt darauf an, immer die organische Struk¬
tur der Buchstaben zu finden, und diese zeichnerisch
zu benutzen. Auch hier stehen wir vor vielen neuen
Aufgaben. Die alten Schriften sind vorbildlich, aber
nicht allein maßgebend. Wir haben auch neue zu
schaffen. Es gilt zu vergleichen und zu erfinden, und
beide Tätigkeiten sind zu verbinden. Auf dieseWeise
wird der Charakter der alten Typen benutzt, weiter-
gebildet,gereinigtvon manchem überflüssigen Schnör¬
kelwerk, das ihnen anhaftet. So kommen wir schlie߬
lich zu einer modernen, sachlichen Schönheit, die
wechselnd sich den Zwecken anpaßt, das Beste der
alten Meister verständig übernimmt, und traditionell
weiterführt, zugleich aber Neues anfügt. Wer den
Blick dafür hat, der wird an den einzelnen Buchstaben
sogar Freude haben, sein Leben empfinden, seine
Form bewundern.
Damit aber nicht genug. Es gilt die Buchstaben
zusammenzufügen. Zum Wort, zum Satzbild, zur
Seite. Diese Zusammensetzung ist nur eine Weiter¬
bildung dergegebenen Ideen. Auch hier Geschlossen¬
heit, Sachlichkeit, Festigkeit. Es gilt, die Werte der
einzelnen Buchstaben, die sich verschieden ergeben
nach dem Raum, den sie einnehmen, herauszuspüren
und richtig zu benutzen. Und so bildet sich schlie߬
lich ein Ganzes, das für das Auge ein wohltuender
Anblick ist. Man kann solche Seite wie ein Schwarz-
Weiß-Kunstblatt genießen. Das Auge ist durch nichts
behindert, durch nichts Nebensächliches in Anspruch
genommen. Indem der Charakter der Schrift je
nach dem Wesen und dem Zweck verschieden ge¬
wählt wird, läßt sich Zierlichkeit oder Derbheit, Vor¬
nehmheit oder mehr vulgäres Aussehen erreichen,
die die Variabilität der Schrift deutlich illustriert.
Man muß nur den Sinn für diese organischen, der
Schrift eignen Werte haben und ausbilden, um zu
begreifen, daß diese Werte ein künstlerisches Mittel
sind und daß man sich dieses Instruments mit Ge¬
schmack bedienen kann.
Dann erweitern sich die Aufgaben. Es gilt Vig¬
netten, Randschmuck, Kopf- und Schluß-Stücke zu
erfinden. Es ist klar, daß wieder der organische
Charakter des Buchstabens maßgebend ist. Vielleicht
kann man ganz darauf verzichten. Der eine oder der
andre wird sie nicht missen wollen. Ihm schwebt
die Schönheit der alten Schriften vor und er ent¬
wickelt den Schmuck aus der Schrift selbst heraus, so
daß eine Einheit auch hier zustande kommt.
Der Rahmen kann noch mehr erweitert werden.
Es gilt, ein Schwarz-Weiß-Blatt demText einzufügen.
Da muß die Schrift dem künstlerischen Charakter
dieses Blattes angepaßtwerden. Denn das graphische
Kunstgewerbe bedenkt Zweck, Material,Technik und
schafft aus diesen Faktoren eine dekorative Einheit.
Diese Verbindung von Graphik und Schrift wird
besonders reizvoll wirken, wenn es gelingt, beides
harmonisch zu verbinden. Gerade solche Aufgaben
sind wertvoll. Es heißt hier den Charakter des Bildes
herausspüren, auf das Verhältnis von Schwarz und
Weiß achten und danach die Schrift zu regeln (ob
zierlich, wuchtig, prächtig), so daß Schrift und Bild
in ihrer Flächenwirkung eins werden, eins das andre
weiterführt und die Wirkung nicht auseinanderklafft.
Die dekorativen Werte treten hier stark in den Vor¬
dergrund. Auch hier sind die Grundsätze der alten
Drucke zu beachten. Das Bild verliert seinen Illu¬
strations-Charakter. Es wird gewissermaßen* in das
Satzbild hineingezogen, erhält Flächencharakter, wie
wir es auf den alten Seitenbildern der früheren
Drucke sehen. Und wir brauchen nur an das Buch
der italienischen Renaissance zu denken, um vor
Augen zu haben, was Einheit von Bild und Type be¬
deutet. Wie da die reine, schöne Antiquaschrift zu¬
sammengeht mit dem meist nur in kleinerem Umriß
gehaltenen Kupferstich, das nur hier und da schwär¬
zere Flecken in schöner Verteilung enthält, das ist
vorbildlich für alle Zeiten.
Natürlich ist esnicht notwendig, daß die erforderliche
Schrift jedesmal erst eigens hergestellt und entwor¬
fen wird. Das ist eine Sache für sich, die vielleicht
lobenswert, aber nichtVoraussetzung ist. Denn auch
mit dem vorhandenen Material läßt sich bei richtiger
Auswahl etwas Gutes leisten, Schmuck und Ver¬
zierung können sich auch hier dekorativ zusammen¬
fügen. Das Papier wird in der Tönung mitsprechen
und die Anordnung des Ganzen auch hier harmo¬
nisch zu ermöglichen sein. Hier ist es Aufgabe, eine
dem Bilde entsprechende Buchstabenhaltung zu
finden und beiden eine graphisch-dekorative Wirkung
durch diese Einheit zu sichern.
Es ist hier nun noch über die Anwendung der
Farbe etwas zu sagen. Auch hier gibt uns die moderne
Entwicklung der Techniken die Fingerzeige. Die
modernen Witzblätter, die Jugend, der Simplizissi-
mus kommen hier in Betracht. Der Plakatstil, der
unser Auge für kräftige Farben, breite Flächen
schärfte, ist zu berücksichtigen. Die Preislisten, die
Ankündigungen, die Tischkarten, die Inserate, all
diese besonderen Anwendungsgebiete haben eine
neue Prägung erhalten und immer sind die Künstler
an der Arbeit, neue Formen und Farben zu erfinden,
die darauf ausgehen, im einzelnen einen Zusammen¬
hang herzustellen zwischen all den verschiedenen
Gebieten angewandter Graphik, so daß ein besonderer
Stil sich schon deutlich bemerkbar macht.
Das Kleinliche, Allzugenaue, allzu subtil Malerische
oder Zeichnerische tritt zurück vor einer gewissen,
praktischen Stilisierung, die zur Hervorhebung der
farbigen Flächen, zur Verstärkung der Konturen
führt. Auch das farbige Bild muß sich dem Ganzen
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Original fro-m
PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
anfügeo, es darf keine Lücke klaffen zwischen Bild
und Type. Das ist möglich, wie uns die Entwicklung
der graphischen Künste zeigt. Wir sehen da eine Re¬
duzierung des Vielfarbigen auf einfachere Kontraste.
Und diese Vereinfachung deutet schon das Ziel
an, zu dem man strebt. Die stärkere Betonung der
Kontur bringt von selbst Type und Darstellung
näher zueinander. Und wie wir beim Plakat diese
Einheit zwischen Schrift und Bild im Großzügigen
ermöglicht sehen, so ist es im Kleinen bei dem Diplom
der Fall. Nicht das alte, tiftelige Bild, die malerische,
illustrationsmäßige Verzierung soll angestrebt wer¬
den. Das Bild muß eine Übersetzung erfahren, das
ist das Neue. Es muß sozusagen eine Annäherung
an das Typographische erhalten. Eine ganz neue
Künstlerschar kam auf, die in diesem zweckvolleren
Sinne arbeitet. Früher wurde einfach ein Bild ver¬
vielfältigt. Heute werden diese Bilder im Hinblick
auf die Technik, im Hinblick auf denZweck geschaffen
und ein ganz andrer, kräftiger, entschiedener
Charakter ist die Folge. Nicht nur das Streben
unsrer Zeit, das nicht mehr die Freude an der klein¬
lichen, sauberen, tifteligen Malerei hat, sondern den
großen markanten Eindruck will, nicht nur der Wille
der Künstler, der diesem neuen Streben die Erfüllung
schuf, sondern auch die Techniken selbst drängten
zu dieser Erneuerung. Die Maschine erhielt dadurch
eine ganz andre Bedeutung. Sie schuf einen neuen
Stil. Diese neuen Vervielfältigungsverfahren geben
bestimmend den Charakter. Diese Druckverfahren
sind unsre Erfindung und indem sie diesen neuen
Stil veranlaßten, ist es unser Zeitstil, dem wir hier
begegnen.
Der Reiz eines solchen Blattes liegt in der stili¬
stischen Haltung. Es wird alles auf eine prägnantere
Formel gebracht. Es bildet gewissermaßen eine Steno¬
graphie des künstlerischen Ausdrucks sich aus. Wo
der Maler sich voll auslebt, sieht der Graphiker den
Extrakt. In der Art der Zeichnung findet eine Über¬
tragung statt, die das Vielfältige auf ein Einheitliches
zurückführt. Nur durch die Umrisse wird das Leben
suggeriert. Diese Übertragung wird bedingt durch
die Maschine, deren sich der Künstler zur Verviel¬
fältigung bedient. Früher sollte sie nur Hilfsmittel
sein. Sie sollte Dinge tun, die ihr nicht passen. Das
Ergebnis waren Blätter, die wohl technisch in all der
Feinheit schwer herzustellen waren, denen aber der
dekorative Stil fehlte. Nun diktierte diese Maschine
dem Künstler Regeln. Er lauscht ihr Geheimnisse
ab. Sie sagt ihm, was er tun darf, was nicht. Auf
diesem Wege findet sich der Künstler hin zu einer
neuen Formensprache, deren Tendenz ist: Verein¬
fachung, Unterstreichung, Kräftigung derLinie,Flächig-
keit der Farben. Wie der Künstler sich damit abfindet,
das entscheiden seine persönlichen Anlagen und nur
in dieser Weise kommt seine Persönlichkeit noch in
Frage. Denn all diese Bestrebungen sollen dahin
führen, für das Bild und für die Type die neue
Möglichkeit einer dekorativen Einheit zu finden. Dabei
ist es gleich, ob der Künstler ein Bild oder ein far¬
biges Ornament gibt, in beiden Fällen ist es möglich
und selbstverständlich, daß das Ergebnis eine harmo¬
nische Wirkung zeigt. Wir brauchen nur an die far¬
bige Ornamentik der modernen Tischkarten, Wein¬
etiketts, Kataloge, Warenzeichen und vieler andrer
praktischer Dinge zu denken, um zu sehen, wie auch
hier Type und Schmuck Zusammengehen.
Das im graphischen Sinne geschaffene Diplom,
das dahin strebt, mit dem Satzbild einen architektonisch
ruhigen Aufbau zu erreichen und jeden Überfluß an
Schnörkel undZierrat zu vermeiden, wird sich künftig¬
hinwahrscheinlich mehr in den Vordergrund drängen.
Dabei kann in verständiger Weise teils auf das Vor¬
bild der alten Meister zurückgegangen werden, teils
können die modernen Anregungen sinngemäß damit
verbunden werden.
Schluß .
Solche modernen Diplome haben wir im ganzen
Sinne noch nicht. Aber die Tendenzen streben im
einzelnen dahin. Wir lesen von allen möglichen
Problemen der Druckkunst, der Buchausstattung; die
verschiedensten Gebiete angewandter Graphik werden
in Angriff und Bearbeitung genommen. Selten hören
wir von dem Diplom, das doch auch seinen Stil ge¬
habt hat und haben wird. Und das sich, in dieser
Weise erneuert, in das allgemeine, kunstgewerblich¬
dekorative Streben unsrer Tage sinngemäß einfügen
würde.
Das moderne Diplom muß in sich eine Einheit dar¬
stellen, das ist die Forderung, die wir erheben und
die sich ergibt, wenn wir das Geleistete überblicken.
Der geschichtliche Überblick sowohl, wie die Be¬
trachtung über den Stil zwingen zu dieser Nutz¬
anwendung, die das Diplom eingliedert in das um¬
fassende Gebiet der modernen angewandten Graphik.
Wir gehen nicht fehl, das im graphischen Sinne
geschaffene Diplom als die Regel zu bezeichnen. In
diesem Sinne gelten dafür die Forderungen der Buch¬
kunst, der Druckkunst.
Wer aber als Künstler Vorgehen will, der frei seiner
Phantasie folgt, der unternehme es, in seiner Weise
ein Werk zu schaffen, das aber auch das haben muß,
das wir heute fordern: organische Einheit, d. h. for¬
male, nicht bloß inhaltliche Einheit.
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PRINCETON UNIVERS1TY
- ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE r = r : ^ - =
Die Fachschulen der Graphisch-Kunstgewerblichen
Abteilung auf der Münchener Ausstellung 1908.
Von STEFAN STEINLEIN, München.
Leider nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir. Seneca. —
Die Wissenschaft Ist der Kapitän, die Praxis das sind die Soldaten. Lionardo
da Vinci. — Wir behalten von unseren Studien doch am Ende nur was wir
praktisch anwenden. Goethe. — Das Technische einer Kunst muß eigentlich
in frühen Jahren ordentlich erlernt werden. Regt sich erst der Geist von
innen heraus, so muß die Sorge für die äußere Darstellung beseitigt sein,
und wer das schöne Handwerk kennt, wird gestehen, daß es gleichsam
dichten hilft, denn es ernährt die Lust und macht den Trieb frei. Zelter
an Goethe. — Ich weiß kein andres Mittel, die Massen zu erziehen, als
durch die Arbeit hindurch. Kerschenstelner.
S wäre leicht, noch viele solch richtiger An¬
schauungen zu zitieren, zu allen Zeiten gab
es klarsehende, weitsichtige Naturen, die
wohl zu sagen wußten was da und dort not tut. Ihre
Gedanken sind an sich nicht wertloser weil sie nur
ausgesprochen oder niedergeschrieben wurden, aber
um fortwirkend lebendiges zu erzeugen, bedarf es der
Tat, des durch ungebrochenen Willen Starken, not¬
wendig auch skrupellosen Einzelnen, der seine ganze
Person einsetzt, um seiner Idee zum Dasein und zur
eigentlichen Wirkung mit Folge zu verhelfen, unbe¬
kümmert um Beifall, Widerspruch und stumpfen pas¬
siven Widerstand. Die Masse gewahrt ein Prinzip
meist dann erst, wenn es ihr durch eine Persönlich¬
keit verkörpert vor Augen steht, wenn eine leben¬
wirkende Kraft ihr selbstvertrauend die Stirne bietet.
„Es gibt nichts Reales oder Nützliches, das nicht ein
Kriegsschauplatz ist.“ Unsre Häuser schallen wider
vor Lachen und persönlichem und kritischem Ge¬
schwätze, aber das hilft wenig. Aber der rauhe,starke
Mann, der eine Bedrohung oder ein Problem für die
Gesellschaft bildet, den sie nicht mit Stillschweigen
übergehen, sondern den sie verehren oder hassen
muß — und dem alle Parteien sich verwandt fühlen
— sowohl die Führer der Parteien wie auch die Ob¬
skuren und Exzentrischen — der ist ein Helfer. Er
setzt die andern ins Unrecht und zerstört den Skep¬
tizismus,welcher da sagt „der Mensch ist eine Puppe,
laßt uns essen und trinken, das ist das beste was wir
tun können“, indem er uns neue und unbekannte Ge¬
biete erschließt und beleuchtet. Wo immer eine wahr¬
hafte Persönlichkeit sich ins Werk setzt, handelt es
sich in erster und letzter Linie um Machtfragen, zu¬
erst dient der willenstarke einsichtige, auch wenn
es ihm anders erscheint, sich selbst, und wenn er
reich genug ist, wird er den Widerstrebenden von
seinem Überfluß Geschenke wider Willen aufzwingen.
Mächtig wird keiner ohne Kampf, nicht umsonst
spricht man vom faulen Frieden und seinen Pak¬
tiererkünsten, und noch immer ist der Kampf der
Vater aller Dinge. Ein gutes und ein wahres Wort,
das aus dem alten Griechenland mit voller Resonanz
in unsre Tage herüberklingt. Auf dem Städtetag 1908
sprach Dr. Georg Kerschensteiner, mit dessen Persön¬
lichkeit die Neuorganisation des gewerblichen Fort¬
bildungsschulwesens für lange hinaus und nicht bloß
für München verknüpft bleiben wird, noch von „den
vielen und schmerzlichen Kämpfen“, die ihm be-
schieden, ehe sein neues Wollen und Wirken mühsam
über passiven und aktiven Widerstand Herr ward.
Es sei mir gestattet, einen Passus dieser Rede hier
zu bringen. „Wir Deutsche leben in dem Wahn, daß,
wenn wir die Menschen allgemein bilden wollen, wir
von unsern Schulen alles fernhalten müssen, was nach
praktischer Arbeit riecht. Schreiben und Lesen, sei
es lateinisch, griechisch, französisch,englisch,deutsch,
Geographie und Geschichte, Zoologie und Botanik,
Physik und Chemie, alles aus Büchern, mit Büchern,
durch Bücher, selbstverständlich mit dem nötigen
Anschauungsmaterial und den dazugehörigen Demon¬
strationen der Lehrer, das gibt nach unsrer Meinung
allgemeine Bildung. Als ich vor neun Jahren eine der
großen Schlachten mit den 50 bis 60 Obermeistern
unsrer Münchener Gewerbeverbände zu schlagen
hatte, da meinte einer der Führer, ein Malermeister,
der Lehrling müsse doch auch etwas von Asien, Afrika,
Amerika, von der Geschichte der Karolinger, Hohen¬
staufen und Hohenzollern kennen lernen, und daher
müsse in der Fortbildungsschule auch Unterricht in
diesen Fächern erteilt werden. Ich fragte ihn zu¬
nächst, welchen Gesellen er in seine Werkstätte ein¬
stellen werde, denjenigen der ihm die Feldherren des
Siebenjährigen Krieges, die wilden Tiere der heißen
Zone und die großen Ströme von Asien aufsagen
könne, oder denjenigen, der einen tüchtigen Anstrich
fertig bringt, eine geschmackvolle Bordüre oder gar
einen Landschaftsfries gut malen kann. Und als ich
ihn so selbst überführt hatte, da zeigte ich ihm, wie
gut angelegte Erziehung zur Berufsarbeit von selbst
dahin führt, wohin er den Lehrling durch eigene
wissenschaftliche Unterrichtsfächer, für welche die
Fortbildungsschule keine Zeit findet, führen wollte.“
- »DieFortbildungsschule mit Schulwerkstätten
gibt uns vor allem die Grundlage aller Erziehungs¬
möglichkeit, die Freude an der Arbeit, die Freude am
Beruf.* -
Noch vor neun Jahren wurden die Ideen Kerschen-
steiners von allen Seiten her und mit allen Mitteln
bekämpft. Die Werkstätten wurden in jener Zeit durch
einen Beschluß der Meister — abgelehnt. Nur einige
Gruppen konnte der unermüdliche Mann trotzdem
soweit bringen, seinen Plänen nicht durchaus ab¬
lehnend gegenüberzustehen. Darunter waren die
Photographen Münchens, die gleich anfangs sogar,
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nicht zuletzt durch ihren damaligen Vorsitzenden
Hofphotograph Müller bestimmt, mehr Stunden für
den Unterricht bewilligten, als nach dem Regulativ
des alten Schulwesens vorschriftlich geregelt war.
Die Photographenfachschule besteht schon seit 1901.
Anfangs mußte man sich mit Räumlichkeiten im alten
Rosentalschulhause wohl oder übel behelfen, auch
die später organisierte Buchbinderfachschule war in
einem der älteren Volksschulhäuser der innern Stadt
zu Gast, für den praktischen Unterricht stand ein
Suppensaal im Parterre zur Verfügung. Dann wurde
die Buchbinderfachschule in einem der für den ge¬
werblichen Fachschulunterricht neuerbauten Häuser,
die man auswärts als „Schulpaläste“ bezeichnet,
untergebracht, und als das geräumige letzte Schul¬
haus an der Pranckhstraße glücklich unter Dach war,
kamen alle zum Buchgewerbe gehörigen Abteilungen
dort zur Ruhe. Gemeinschaftlich schaffen nun im
großen Atelier dieses Hauses Photographen und Che-
migraphen. Nebenan sind die Arbeitsräume der
Buchdrucker und Setzer. Im dritten Stock sind die
Buchbinder untergebracht,und im zweiten liegen die
geräumigen Werkstätten der Lithographen und Stein¬
drucker.
Seit diese Berufszweige vereinigt sind, hat die
graphische kunstgewerbliche Abteilung, außer ihren
jeweiligen Schulvorständen, zum Direktor Richard
Godron, der seit Jahren an der alten Westenrieder¬
schule tätig war und dort im offenen Zeichensaale
Angehörige dieser Berufe unterrichtete, ehe sie
eigene Abteilungen mit Werkstatteinrichtungen be¬
saßen. Wenn man das Haus betritt, hört man aus den
Werkstätten vielartige Arbeitsgeräusche, klingende
Hämmer, das rhythmische Surren der Treibriemen
auf den Transmissionen, den gleichmäßigen Gang der
Druckpressen, abends, wenn bis neun Uhr die breiten
Fenster des großen Baues im Licht glänzen, hat man
noch mehr den Eindruck konzentrierter Arbeit.
Kerschensteiners Worte fallen mir ein, daß nur der
arbeitsfrohe Mensch erziehungsfähig ist, daß die all¬
mächtige Sonne der Arbeitsfreude den Boden auf¬
schließen muß, in dem der Same gedeihen soll. Gegen
die „Lernschule“, die totenWissenskram abstrakt ver¬
mittelt, die ihrem innersten Wesen nach immer erst
zuletzt als widerwillige Beigabe die Anschauung und
dann noch durch Surrogate und positive Tätigkeit er¬
setzt, hat er uns nicht in der Idee, nein durch dieTat die
„Arbeitsschule“ gegeben. Ist man diesen Gedanken,
die Kerschensteiner vor neun Jahren in seinem Werk
über „Staatsbürgerliche Erziehung der deutschen Ju¬
gend“ entwickelt hat, überall aufnehmend offenen
Sinnes gegenübergestanden? — Man kann es nicht
unbedingt bejahen. Man kann nicht einmal sagen,
daß er von Allen hier neben ihm lebenden bis zu
seinen letzten Konsequenzen verstanden wird. Noch
auf dem wenige Monate zurückliegenden Städtetag
sagt er: „Unsre Schulen sind heute noch Schulen im
altherkömmlichen Sinne, Schulen für Wissensvermeh*
rung und Vorstellungsausbildung, keine Schulen der
Willensbildung, keine Schulen im sozialen Dienste.
Wie ich das meine, mag ein Beispiel klar machen. Seit
ich vor neun Jahren das Buch über staatsbürgerliche
Erziehung der deutschen Jugend geschrieben habe, ist
dieser Gedanke immer lebhafter aufgegriffen worden.
Aber was tut man, um ihn durchzuführen? — Man
geht nicht die Wege, die ich damals vorgeschlagen,
und die wir in München wenigstens an unsern Fort¬
bildungsschulen durchzuführen bemüht sind; man
begnügt sich mit der Forderung, staatsbürgerlichen
Unterricht in unsern Schulen einzuführen. Das ist
nun freilich nicht nur der bequemste, sondern auch
der billigste Weg. .Bei dieser Erziehungsmethode
braucht nur einer den Mund und 40 bis 80 andre
die Ohren aufzumachen. Aber wird dieser Unterricht
auch seine Zwecke erfüllen? Wird er auch Staats¬
bürger erziehen? — Wenn nicht andre wesentliche
Grundlagen hinzukommen , so wird ein staatsbürger¬
licher Unterricht wenig mehr bedeuten als jede andre
Aufklärung auch . Wenn also unsre Fortbildungs¬
schulen den oben bezeichneten Zweck aller Öffent¬
lichen Schulen (brauchbare Gemeinde- und Staats¬
bürger zu erziehen) erfüllen sollen, so werden sie
sich auf ein Erziehen zum rechten Handeln einrichten
müssen, und zwar zum rechten technischen wie zum
rechten moralischen , oder wie ich lieber sagen möchte,
zum rechten staatsbürgerlichen Handeln. Sie dürfen
sich nicht bloß auf Belehrung beschränken .“
Wenn sich heute mehr als je ein Zug zum destruk¬
tiven, zur hohlen Negation und kritischer betulicher
Wisserei überall beobachten läßt, wird die Behaup¬
tung nicht zu weit greifen, wenn dafür das System der
noch herrschenden Lernschule direkt verantwortlich
gemacht wird. Dieses Bildungssystem führt auf ge¬
radem Wege zur sterilen Begriffsspalterei und öden
Torheit, ja in letzter Linie zur Unehrlichkeit, die sich
allerdings dessen gar nicht bewußt wird. „Wenn man
zu einer Sache nichts zu sagen weiß, redet man sich
geschickt darum herum.“ — Wohl treffen wir heute
„Eloquenz“, Wohlredenheit, nicht mehr als Lehrfach
im Plane der Mittelschule, wie in den Tagen des auf¬
blühenden Humanismus, aber der Geist des Faches
spukt noch immer, er hat nur ein modisches Mäntel¬
chen umgehangen und stolziert über die Eselsbrücke,
die vom Abstrakten zum Konkreten führt, mit alter
Grandezza.
Vor einigen Jahren noch stand im Lehrplan
einer gewerblichen Fortbildungsschule unter dem
Kapitel Mechanik das folgende wunderbare Stück,
auf den höchsten Gipfeln des Bildungschimbo-
rassos in einsamer, grauenhafter Schönheit ent¬
sprossen. Die Schere: Begriff des Hebels, des zwei¬
armigen, des gleich- und ungleicharmigen. Begriff des
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Widerstands, Ursache desselben. (Kohäsion.) Mecha¬
nischer Vorteil.
Die Pinzette: Begriff des einarmigen Hebels, der
Last, der Schwere, des Druckes, Zuges und Falles.
Ursache dieser Erscheinungen. Merkwürdiger Fall
bei der Pinzette: Kraftarm kürzer als Lastarm. Unter
gleichen Gesichtspunkten, der Schraubenzieher,
Schraubenschlüssel, Stichel und die Ahle! —
Diese ganze Stelle habe ich unfreiwillig im Ge¬
dächtnis behalten, so tief war der Eindruck, den sie
mir machte. Ich dachte mir immer, dieser Unterricht
müsse vor einem verschlossenen Glaskasten statt¬
gefunden haben mit der eingeätzten Warnung: es ist
verboten die Werkzeuge zu berühren. Auch solch
ein Meisterstück kommt noch auf das Konto jener
Belehrung aus dem Astralleib des Abstrakten, vor
der wir angesichts des Hochgebirges unsrer Bildung
ererbten Respekt tief im Blute tragen.
Wenn Kerschensteiners Reformwerk nur blasse
Schatten ins Reich wirft, so ist dieser unselige Geist
daran schuld, der immer wieder bei uns der ange¬
borenen Farbe der Entschließung des Gedankens
Blässe ankränkelt. Nur wer eine Sache aus sich
wachsen sah, wird dafür zu jeder Stunde fraglos den
Einsatz des ganzen Menschen wagen, den Rücken
hält man nur für diejenigen Dinge straff, die zu un-
serm Wesen gehören, die nicht von außen angeflogen
kamen. Deshalb ist die Nachfolgerschaft im Geiste,
in irgend einer Besonderheit, streng genommen,
eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, deshalb hinter¬
ließ Alexander der Große ratlosen Träumern und sinn¬
losen Abenteurern eine zerschlagene Welt in Trüm¬
mern, als er zu früh für sein Werk dahinging. Schon
weil den Nachfolgern alle Stadien des Kampfes, der
vorübergehenden Entmutigung, des straffen Wieder¬
aufreckens nach Fehlgriffen, die überall da unver¬
meidlich sind, wo Neues entstehen will, fehlen, weil
sie einer mehr oder weniger in sich reifen abge¬
schlossenen Erscheinung gegenüberstehen, fehlen
jene Spannungen, die mit zähem Willen durch den
Irrtum zum Brauchbaren immer wieder die Kräfte
stacheln. Originale Schöpfungen entstehen im Streit
mit tausend unvorhergesehenen Widerwärtigkeiteni,
ist einmal ein, wenn auch nur vorläufiges Ziel
erreicht, wird, wenn auch nur zögernd Beifall ge¬
spendet, dann haben es diejenigen schon viel zu
leicht, welche ähnliches nun fast auf legalem Wege
zu schaffen suchen.
Nachdem die ersten Vorwerke gewonnen waren,
gab es für alle, die mitschaffen durften, arbeitsreiche
Zeiten, bis für jede einzelne Abteilung der gangbarste
Weg bis ins einzelne gefunden war. Viele Wider¬
wärtigkeiten waren noch zu besiegen, jeder einzelne
mußte immer bereit sein, fallen zu lassen, was nicht
lebenskräftig genug erschien, um unverdrossen
brauchbareres dafür zu versuchen.
Die meisten Lehrpläne wurden mehrmals einer
völligen Um- und Neubearbeitung unterzogen, was
heute auf der Ausstellung zu sehen ist, darf in keinem
Falle als das Ergebnis der ersten Jahre genommen
werden. In der Buchbinderabteilung deckt sich nur
noch ein geringer Rest mit dem im ersten Jahre auf¬
gestellten Programm und vieles wäre nicht geworden,
wenn nicht während der Arbeit schon als brauchbar
befundenes mit ruhigem Bedacht wiedergeprüft, ver¬
worfen und neuaufgebaut worden wäre. Es zeigte
sich, daß den Schülern mehr zugemutet werden
konnte, als man anfangs geglaubt, daß überall dort,
wo sich Kräfte lebendig regen durften, ein Mehr an
Forderung notwendig wurde. Die positive Arbeit
spannte die Kräfte von Lehrern und Schülern gleicher¬
weise, und es zeigte sich, daß wirklicher Arbeit jene
Kräfte sich entbanden, an deren Vorhandensein der
Schöpfer des Ganzen von Anfang an fest geglaubt
hatte. Der Erfolg bestätigte jene nicht theoretisch
gewonnenen, sondern aus dem tätigen Leben selbst
gewonnenen klaren Überzeugungen. Wohl der deut¬
lichste Beweis für die neue Organisation ist es nun
aber, daß eine große Zahl entlassener Lehrlinge sich
im neuen Schuljahr, im Jahre 1907 schon tausend an
der Zahl, freiwillig zum Besuch des Unterrichts
meldeten, ja daß viele Meister über die Pflichtzeit
hinaus während der Dauer der Lehrzeit die jungen
Leute noch zum freiwilligen Besuch der Stunden
anhielten. Es ist eine Freude, die begabteren ein¬
sichtigeren Schüler mit fröhlichen Gesichtern wieder¬
kommen zu sehen. Mit Genugtuung konnte es denn
auch Kerschensteiner auf dem letzten deutschen
Städtetag aussprechen, daß das erhöhte Interesse
unsrer Meister an der Fortbildungsschule zweifellos
in starkem Wachsen begriffen sei. Die Schulausstel¬
lung, die erste größeren Umfangs, läßt nun einen
Überblick über das bis heute geleistete sehen, und
wenn erziehen Opfer bringen heißt, so kann sich die
Stadtverwaltung angesichts des unbezweifelbaren Er¬
folges der von Kerschensteiner ins Leben gerufenen
Unternehmungen wohl sagen, daß die dafür ausge¬
setzten Summen nicht vergeblich aufgewendet worden
sind. Aber noch ist es nicht Zeit, daß die ganze Or¬
ganisation ihren Schöpfer missen könnte, noch ist
auch zum beschaulichen Gehenlassen oder gar starrem
Verharren auf dem erreichten Niveau die Stunde nicht
gekommen, das Streben zum Besten des Ganzen
und die frischen Erfahrungen jedes Einzelnen der
beteiligten Lehrkräfte werden wohl lange hinaus
immer noch sorglich am Werke bleiben müssen,
für die Stunde immer redlich ihr bestes zu tun, um
so auf wohlangelegtem Grundriß dauerndes zu er¬
richten.
Für die Buchdrucker lag der Fall vor, daß die zwei
Lehrkräfte für den Werkstattunterricht schon reich¬
liche Erfahrungen aus jenen viele Jahre vor der
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Beilage zum Are
Schülerarbeiten aus der Buchbinderklasse der Gewerblichen Fachschule München
Zu dem Artikel: Die Fachschulen der Graphisch-Kunstgewerblichen Abteilung auf der Münchener Ausstellung 1908
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liv für BuchgWrW J X lc PR1NCET0N UNfVERSITY
Schülerarbeiten aus der Lithographenklasse der Gewerblichen Fachschule München
Zu dem Artikel: Die Fachschulen der Graphisch-Kunstgewerblichen Abteilung auf der Münchener Ausstellung 1908
Dipitizrt by Google Original frorn
PR1 INCETONEK5 Arc,liv für Buch « e H
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Gründung der Schule bestehenden freiwilligen Fort¬
bildungskursen der Münchener typographischen Ge¬
sellschaft mitbrachten. Es handelte sich nur darum,
jene im Unterricht für Gehilfen gewonnenen Anschau¬
ungen für die Lehrlinge passend zu gestalten. Es
liegen schon zwei Jahresmappen vor, die über alle
■ DIE TYPOGRAPHISCHE ■
G ES ELLSCH AFT MÜNCHEN
LADETZU OCR Ali 2t JUNI 1908 IN DEN
SÄLEN DCRlLACKC l STATTFINDENDEN
■ ■ GUTENBERGFEIER ■ ■
HIEMIT GEZIEMEND EIN« DAS K0N2ERT
AUSGEFONRT HON DER KAPELLE
FISCHER BE6INNTUMS UHR
DER AUSSCHUSS
Entwurf für die Anfertigung einer Einladungskarte (verkleinert)
Schülerarbeit aus der Buchdruckerfachscbule München
aufs beste. Ebenso hat die gleiche Lehrkraft An¬
regungen aufnehmend, und zwar als einziger durch
persönliche Arbeit aus einem größeren Kreis von da¬
mals, den Gebrauch des goldenen Zirkels zum Unter¬
richtsmittel für proportionale Satzanordnung ausge¬
baut. In der Ausstellung liegt ein rot und schwarz
:: DIE TYPOGRAPHISCHE k
GESELLSCHAFT MÜNCHEN
LADET ZU DER AM 24 JUNI 1908 IN DEN
SÄLEN DER „LACKE-STATTFINDENDEN
a :: GUTENBERGFEIER :: ::
HI0M1T GEZIEMEND EIN. DAS KONZERT
AUSGEFÜHRT VON DER KAPELLE
FISCHER BEGINNT UM 8 UHR
DER AUSSCHUSS
Ausführung des Entwurfs im Satz (verkleinert)
Schülerarbeit aus der Buchdruckerfachschule München
notwendigen Satz-
und die hauptsäch¬
lichsten Druckge¬
biete Beweise gut
überdachter Leistun¬
gen bringen. Eine
vor Jahren immer
von mir geübte Form
DRUCK UND PAPIER
VON IGNAZ SCHÖN
IN MÖNCHEN
■
DRUCK UND PAPIER
■
■
■1
VON IGNAZ SCHÖN
■
■
■
IN MÜNCHEN
■
io— ——w i
Entwurf für die Anfertigung einer Etikette Ausführung des Entwurfes Im Satz (stark
(stark verkleinert). Schülerarbeit aus der verkleinert). Schülerarbeit aus der Buch-
Buchdruckerfachschule München druckerfacbschule München
gedruckter Bogen
eines kleinen an der
Schule gedruckten
Schriftchens: Der
goldene Schnitt im
Akzidenzsatz von
Hauptlehrer Rein¬
hold Bammes, als
dir ßfleljrung ist notwrtv
öig. ßudjdruchrm von (?.
*§rrkr, fflöndjm.
frmuVnwrhdjrmreitt in
(fHündjrn. Drronwrr filau>
Übung im Schreiben von Schrift
Schülerarbeit aus der Buchdruckerfachschule München
Als mail vor ijjabum CTartinkos
(Tliittadwi todigte, gingen soviol
Leute mit wie bet einer ReidaenjOber
auf solch, ein sctxönes Begrdbnts wie
(JliartüiKoi Konnten sich die ßcvvotv
neu von Raschowo überhaupt nicht
geschrieben von Oswald BecKer, S. 3a
Übung im Schreiben von Schrift
Schülerarbeit aus der Buchdruckerfachschule München
der damals nur kritischen Besprechung, die Belehrung
durch Vergleichung guter und schlechterBeispiele,hat
der Fachlehrer für Satztechnik im praktischen Unter¬
richt in wohlüberlegter Weise ausgebaut. Erst jetzt,
wo praktisch an einzelnen typischen Akzidenzen durch
wirkliche Arbeit aus schlechtgetroffenen Anordnungen
einwandfreie Lösungen gestaltet werden, zeigt sich
der Wert dieses zum Denken nötigenden Verfahrens
Teil von Abhandlungen aus dem Unterrichtsgebiete
der Fachlichen Fortbildungsschule für Buchdrucker
in München. In den Schulwerkstätten gesetzt und
gedruckt erschienen bis heute mehrere solcher Hefte.
Über Guß und Behandlung der Buchdruckwalzen von
Hauptlehrer Anton Krach. Reading Pieces (leichte
Lesestücke) zum Gebrauch in den englischen Stunden
an der Buchdruckerschule von Lehrer Josef Mager,
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PRINCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Schrift und Buch im Altertum von Hauptlehrer
und Schulvorstand Hans Popp. Diese Hefte werden
im Unterricht verwertet. Der Zeichenunterricht
(Hauptlehrer Kunstmaler Eduard Lammert) hält
sich, in geschickter Weise geleitet, eng an die For¬
derungen der Praxis, wie überhaupt das Bestreben
der ganzen Buchdruckabteilung sichtlich darauf ge¬
richtet ist, nichts zu erzeugen, was um seiner selbst
willen vor allem auffallen möchte. Die ausgestellten
Arbeiten sowie die Jahresmappen enthalten nur im
täglichen Bedarf vorkommende Satzwerke und Akzi¬
denzen, und gerade den
einfachsten Erzeugnissen
wird die größte Sorgfalt
gewidmet, sind es doch
auch gerade diese, die
immer wieder am stief¬
mütterlichsten behandelt
werden, einzelne Prunk¬
leistungen sind es nicht,
die all jene schlecht gelö¬
sten Aufgaben, die der Tag
fordert, ungeschehen zu
machen vermögen, und
wer an einer einfachen
Geschäftskarte zu schän¬
den wird, hat im Grunde
nichts geleistet, wenn er
mit Mühe und Not eine
größere Akzidenzarbeit
herauskünstelt. Was volles
Lob verdient, ist es gerade,
daß im Skizzierunterricht
in der Satz- und Druck¬
stätte gleicherweise
gerade auf das unschein¬
barste dieselbe Sorgfalt
verwendet wurde, wie auf
kompliziertere Satzanord¬
nung und mehrfarbigen
Druck. Die beigegebenen
Illustrationen geben von allem kleine Proben. Der
Schriftzeichenkurs erweckt im Schüler das Gefühl für
den vom Schreibmaterial abhängigen flüssigen Cha¬
rakter der verschiedenen Schriftgattungen. Mehr als
je durch Vorträge mit noch so eingehenden Demon¬
strationen muß diese Art der Arbeit dem Übenden
die Augen öffnen, für die unorganische Häßlichkeit
jener qualvoll erdüftelten Schriftmißgeburten, die
weder Federduktus noch Pinselcharakter haben und
immer von neuem ein ästhetischer bastardierter
Greuel aus beidem sind und bleiben werden, so oft
man ihrer und ihres krampfhaften Keuchens nach
Originalität um jeden Preis in den Probenheften an¬
sichtig wird. Wir hatten in den achtziger Jahren
öfter versucht die Gehilfen an diese Art des Skiz-
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zierens zu gewöhnen, jetzt wachsen die jungen Lehr¬
linge langsam hinein und mit Vergnügen sieht man
auch hier eine erfreuliche Wirkungsform der durch
die Schule gebundenen heranwachsenden Kräfte.
Die ausgestellten Satz- und Druckarbeiten aus den
Lehrlings- und Gehilfenklassen umfassen Werk-,
Gedicht-, Katalog- und Tabellensatz, fremdsprach¬
lichen Satz, Buchtitel, Katalog- und Buchumschläge,
Akzidenzarbeiten, Illustrations- und Prägedruck, alles
von der gleichen Sorgfalt und Zurückhaltung. Was
den sonst immernoch beliebten überladenen Schmuck
von Druckarbeiten angeht,
ihm begegnet man hier
nirgends. Was an Schrif¬
ten wie an Ornamentmate¬
rial zur Anwendung ge¬
langt, ist vom gleichen
Willen, sachlicher Klar¬
heit und Überlegung ge¬
leitet. Die Schule hat
begriffen, daß es sich für
sie nicht darum handeln
darf, hinter jeder Mode
von morgen herzusein,
einer Laune, die, kaum
geboren, von der von über¬
morgen gleichmütig aus¬
getilgt wird.
Einzelne Klischees, die
ebenfalls von der Fach¬
schule hergestellt wurden,
leiten von selbst zur Pho¬
tographen- und Chemigra-
phenabteilung über. Da
ich an diesen sowie an der
Buchbinderabteilung per¬
sönlich beteiligt bin, steht
es mir nicht an, darüber zu
berichten, versagen kann
ich es mir allerdings nicht,
dafür das Urteil des Frei¬
herrn Berlepsch-Valendas, Mitglied des Bundes
Deutscher Architekten, eines alten auch in buch¬
gewerblichen Kreisen nicht unbekannten kunstge¬
werblich Schaffenden, aus der letzten Nummer der
süddeutschen Monatshefte zu geben. „Das erst¬
genannte Betätigungsfeld, der Buchdruck, zeigt er¬
freulicherweise ernste Anstrengungen, einem Ge¬
biete wieder zu künstlerischer Bedeutung zu verhel¬
fen, das während vieler Jahrzehnte den Ausdruck völ¬
ligster Verkommenheit an sich trug und dadurch
nicht wenig zur Herabdrückung des allgemeinen Ge¬
schmacksniveaus beigetragen hat. Rühmlich ist es
grade nicht, daß in solchen Dingen die neue Welt
der alten, England ausgenommen, nicht bloß erfolg¬
reich Konkurrenz macht, sondern sie stellenweise
ftie £nttoickfung btt jfHufik (eit
lÖati) bis auf die (örgentoart
Allgemeine (öeMjidjte her Ankunft
in Dolhslümlid)? r ÜtorfteHung
für jfftufihfreunde
ocn
Jfran* COiUmerB
Profefforam £y?ram
Oerlag bei IDinnebadjin ßriituu
POEUCft
Übung Im Zeichnen und Anordnen von Schrift
Schiilcrarbeit aus der Buchdruckerfachschule München
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
überflügelt hat. Ihrer sind leider Gottes in Deutsch¬
land auch heute noch nicht gar viele, die mit allen
Mitteln das Buch und was damit zusammenhängt,
ernstlich wieder zum Kunstwerke zu machen bestrebt
sind. Vielfach gilt, abgesehen von der Vorherrschaft
des angeborenen Ungeschmackes, das ganz un¬
sinnige Vorurteil, als bedinge einheitliche Ausstattung
immer auch erhöhten Kostenaufwand. Natürlich gutes
Papier ist teurer als schlechtes und ein Umschlag in
künstlerischer Erscheinung kostet vielleicht um eine
Kleinigkeit mehr, als die Anwendung der herge¬
brachten Schablone, die zu tief Wurzel geschlagen
hat, um im Verlaufe kurzer Zeit den höchst verdienst¬
vollen Ansätzen weniger wie des Inselverlags in
Leipzig, des Diederichsschen in Jena gegenüber in
Mißkredit zu kommen. Um Bücher allein handelt es
sich übrigens keineswegs. Die gewöhnliche Ge¬
schäftskarte, die Mitteilung, das Briefkuvert, kurz¬
um der gesamte Akzidenzdruck braucht nicht ge¬
schmacklos, er kann unter Aufwand der einfachsten
Mittel gut und geschmackvoll sein. Die aufgelegten
Proben geben beredtes Zeugnis dafür. Auch in
diesen Dingen ist es wie in allen andern: Wo die
künstlerische Rücksichtnahme das scheinbar neben¬
sächliche außer acht läßt und sich nur am Großen,
in die Augen fallenden dokumentiert, da ist’s mit der
wahren künstlerischen Kultur überhaupt nicht weit
her.
Überaus erfreulich ist, was die Buchbinderlehr¬
kurse zur Ausstellung beisteuerten. Ein gesunder
Geist ist auch da wieder eingezogen. Der Gold¬
kladderadatsch der ,Prachtwerke* hat seine Rolle
hoffentlich ausgespielt. Die auf schönes Ebenmaß
abzielende einfache Flächenteilung ohne allzugroßen
Aufwand an Ornamenten, die richtige Berücksichti¬
gung der Schrift nach Form, Anordnung, Placierung
im gegebenen Raume, selbst bei ganz anspruchs¬
losen, in billigem Material hergestellten Bänden, die
reizend gemusterten Bunt- und mittelst Kleisterver¬
fahren hergestellten Zierpapiere, von denen letztere
vielfach zu köstlichen Einbänden benutzt sind, die
wieder zu Ehren gekommene Handvergoldung, die
Verwendung zierlicher Fileten, das dezente Auf¬
treten von Ledermosaik, all das spricht von einem
Erfassen der Aufgabe im besten Sinne. Dergleichen
in wahrhaft handwerklich gediegener Weise von den
Handwerkskünstlern der Zukunft hergestellt, dem
vielen, entsetzlich vielen Schund, der durch Fabrik¬
betriebe gleichen Faches in die Welt hinausgejagt
wird, gegenübergestellt zu sehen ist eine Freude.
Und all das pomphaft aufgedonnerte Zeug, wie es
sonst bei solchen Gelegenheiten aufmarschierte, die
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-5-
Übung im Schreiben und Anordnen von Schrift. Schülerarbeit aus der Buchdruckerfachschule München
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PRINCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
,Widmungen 4 ,,Ehrengeschenke*, ,Jubiläumsmappen‘,
man vermißt es gar nicht. Überall ein Vorwiegen
von Einfachheit, Sachlichkeit, stofflicher Wahrheit,
weiter der allem Protzenhaften antipodische Aus¬
druck ^der Arbeit und das erfreuliche daran, daß
junge Menschen, die das Leben vor sich haben, all
das schaffen. Hoffentlich bleiben sie dabei.“
Die Chemigraphenfachschule, die mit vollem prak¬
tischen Unterricht noch nicht lange organisiert ist,
stellte lehrgangmäßig, aber alles von Schülern her-
gestellt, verschiedene Ätz- und Retuschierverfahren
aus. Die Photographenklassen Negative, Diapositive
und Kopien in verschiedenen Verfahren nach Por¬
trätaufnahmen, Landschaften, Architekturen und Auf¬
nahmen zu gewerblichen Zwecken aus. Von seiten
eines hier erscheinenden Fachorganes für Photo¬
graphie wurden die Ergebnisse dieser Abteilung sehr
bescheiden genannt, welches Lob an dieser Stelle
mit Vergnügen dankend anerkannt sei, da auch diese
Schule sowie die übrigen Abteilungen grade be¬
scheidene Arbeit der gesamten Schülerzahl statt ver¬
blüffenden Einzelergebnissen auch für später in ihrem
Programm kaum ändern wird. Den praktischen
Unterricht erteilt Hofphotograph Henry Traut, im
Chemigraphenkurs Sauter von der Kunstanstalt Bren-
damour Simhart & Co. Schulvorstand beider Ab¬
teilungen ist Lehrer Georg Seitz.
Auch in der Fachabteilung für Lithographie und
Steindruck sind die Arbeiten aus den Gehilfen- und
Lehrlingsklassen sehr beachtenswert. Die ausge¬
stellten Lithographien sind alle nach Entwürfen, die
in der Schule im Fachzeichenunterricht oder nach
Originalen von Schülern der Tagesklassenkurse,
unter Leitung des Direktors Richard Godron her¬
gestellt, alle herkömmlichen Techniken je nach der
Qualität der Originale benützend, Kreidezeichnung
auf Stein und Papier, Feder und Spritztechnik, Schab¬
manier, Federzeichnung und Steingravur. Einige
Exlibrisproben und Reproduktionen nach farbigen
Lithographien geben nur eine geringe Vorstellung
der Reichhaltigkeit jener in den Vitrinen ausgelegten
und an den Wänden aufgehängten Arbeiten, die sich
durch ausgesprochen künstlerischen Charakter ganz
wesentlich von den Durchschnittsleistungen hand¬
werklich schematisch hergestellter, technisch sü߬
licher Lithographien unterscheiden. Auch hier macht
sich wieder der vortreffliche Einfluß geltend, wenn
der Schüler selbst sein Original zu reproduzieren
hat. Schon während der Arbeit wird er an die Wieder¬
gabe denken müssen, und nachher suchen, den Cha¬
rakter des Originals durch die Wahl des technischen
Ausdrucksmittel zu erreichen. Daß zum Teil mit be¬
sonderem Nachdruck auf Reproduktionen in wenig
Farben Gewicht gelegt wird, dient nur dazu, zur
Überlegung und Aufmerksamkeit in der Wahl der
Platten und ihrer Durcharbeitung zu zwingen. Den
praktischen Unterricht für Lithographen erteilt Kobler,
den in der Steindruckerei Brunner, beide bei der
Firma Dr.C.Wolf & Sohn.
Der übrige Raum der graphisch kunstgewerblichen
Abteilung ist mit zum Teil sehr großen farbigen
Originalen, Pflanzen- und Tierstudien, farbigen
Drucken von in Linoleum geschnittenen Platten und
durchgebildeten Arbeiten der Tagesklasse Godron
angefüllt. Es bedarf wohl keines besonderen Hin¬
weises, daß ein Kopieren nach Vorlagen in keiner
Abteilung irgend einer der hiesigen Gewerbeschulen
noch getrieben wird. Die ausgestellten Entwürfe zu
den verschiedenen Plakaten, Katalogen, Buchum¬
schlägen, Exlibrisarbeiten der Tagesklasse, an der
Kuno Herterich und Schlegel neben dem Direktor
unterrichten, sind alle aus Naturstudien heraus¬
gewachsen. Ein frischer, schaffensfreudiger Zug
geht durch die sämtlichen Arbeiten dieser Kurse.
Unter andern sind drei farbige Blätter eines Kalen¬
ders, einer Serie von zwölf Tierbildern in den je¬
weiligen Monatscharakteren ausgestellt, von großer
Feinheit des Tones und trotz minutiöser Ausführung
von zusammengehaltenster Wirkung zu sehen. Alles
zielt hier auf Treffsicherheit in Form und Farbe,
Vereinfachung der Erscheinung auf das zur klaren
Charakteristik unbedingt nötigste.
Übersieht man noch einmal das in diesen Räumen
geleistete, so kann man wohl sagen, daß mit dieser
Organisation ein bedeutender Schritt vorwärts getan
ist. Wenn erst einmal die Meister und Firmen ihrer¬
seits und die heranwachsende Jungmannschaft der
verschiedenen Berufe ganz erfassen werden, was mit
dieser Organisation eigentlich durch Kerschensteiner
geschaffen worden ist, wenn es erst einmal allen
vollkommen klar geworden sein wird, welch weit¬
sichtiger Gedanke dem ganzen Reformwerk zugrunde
liegt, so werden sie später selbst samt der Stadtge¬
meinde alles mit ganz anderem freudigerem Willen
noch als heute tun, um diesem Institut, das wohl so¬
bald keine Gemeinde in ähnlicher Vollkommenheit
besitzen wird, ihre oberste Fürsorge zu widmen.
Möge auch nicht allzurasch vergessen werden, daß
das ganze Werk doch nur der starken inneren Über¬
zeugung eines einzigen Mannes und seinem unbeug¬
samen ritterlichen Wesen zu verdanken ist.
Er hat es uns wieder einmal bewiesen, daß, wie
Emerson sagt, „zuletzt überall in der Welt Raum ist
für einen Kraftmann und daß er Raum schafft zum
Wirken für Viele“. Die Gesellschaft ist eine Schar
von Denkern und die besten Köpfe unter ihnen
nehmen die besten Plätze ein. Ein gewöhnlicher
Kopf sieht die Farmen, die eingehegt und geackert,
und die Häuser, die schon gebaut sind, aber ein
starker Geist sieht auch die möglichen Häuser und
Farmen, und sein Auge gründet Niederlassungen so
schnell, als die Sonne Wolken zieht.
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Gefangneren Gutenberg
Frankfurt am Hflatn
(Dir lind nunmehr in der angenehmen
Cage, Ihnen umltehend das Programm
3U unferer mährend der Pflng(Ttage1908
(tattßndenden Juhiläums-feier bekannt
geben ju kännen, und bitten die nerebr-
licben Oereine.dfe uns aufunferfrüberes
Rundfchref ben noch ohne Rückäußerung
ließen, um freundl. tTlitteilung bis fpäte-
Itens 30. Rpril 1908, ab mir auf ihre Teil¬
nahme rechnen kännen. Rls feftbeitrag
für die teilnehmenden Sänger haben mir
m.0.50 angenommen,und berechtigt die
Zu dem Artikel: Mehr setzen — weniger bauen
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe. Material (Neu-Gotisch) und Satz der Schriftgießerei Flinsch in Frankiurt a.M.
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|Ur (Hefen Betrag gelöfte Karte )am Ein¬
tritt für alle Oeranltattungen. Den aus-
märtigenOereinen geben rnirnod) alles
nähere über Quartiere und mittageflen
red)t)eitig bekannt; mir merden beftrebt
fein.jtets nur billige und gleid))eitig gute
Quellen ju empfehlen.
Alle gefd)ät)tenDereine,autb diejenigen,deren
3ufage bereits in unferen Händen l(T, bitten
mir um gütige nadjricht, mieniel Teilnehmer
ju ermarten find und für meld)e3eit Quartiere
norgefehen merden müffen. (Heiter bitten mir
um 6e)eid)nung des gemählten Chores und
de|Ten Komponi|len,fomie um den tlamen des
Herrn Dirigenten. Die ausmärtigen Dereine er-
fudjen mir nod) um Angabe des 3eitpunktes,
mann |lß hier einjutreffen gedenken, und ob
beabfldjligt mird, im Anfdjluß an die Reife
nad) hier nod) einen Ausflug ju unternehmen,
nicht unermähnt mallen mir taffen, dag oud)
Oorforge getroffen ift, btefiga Sebensmürdig-
keiten )u harabgefetjten Preifen befidjtigen )u
können. Um die notmendigen Oor-Arbeiten
red)t)eitig erledigen )u können, mären mir für
baldigffe Rückäußerung an unferen Oorfiben-
den Herrn Karl Eckhardt, Hoch-Straße 1, fehr
dankbar. Unter 3ufid)erung genußreicher Feier¬
tage jeidjnen mit Sängergruß
Gbren-flusfcbuß und Dürftond
des Gefongoereins
Gutenberg
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Programm
jur Feier des 25 jährigen ßeftebens des
Gefangaereins Gutenberg Frankfurt n.ttl.
Dirigent: HerrtTluflk'
Direktor Kort Spedjt
Samstag,denßjunf 1908
Abends: Empfang der eintreffenden Gäfte.
Sonntag, den 7. Juni 1908
Oormittags: Empfang der ausmärtigen feil'
nebmer. Darmittags IQ Ubr: Feftkonjert in
den neuen Räumen des KaufmänniRben Oer-
eins am Efdjenbeimerfor, unter tDitmirkung
beroorragender SollRen. nadjmittags: Be¬
richtigung der Stadt. Abends 7 Ubr: Konjert
der teilnehmenden Oereine. Entgegennahme
der Gratulationen.
ttlontag, den 8. Juni 1908
Dorm. 9 30 Ubr: Dampfer-Ausflug mit Dlufik
nach der idyllifd) gelegenen Gerbermüble
(Goethe-Erinnerung) dortfelbR Frübkonjert.
nachmittags 3 30 Uhr: Grobes Oolks-Feft im
Jinoli-Garten mit Dokal- und JnRrumental-
Konjert, Preis-Schieben, Preis-Kegeln, Preis-
Quadräteln, Jombolo, feuermerk und fanj.
Dienstag, den 9. Juni 1908
nod) näher feftjulegende Ausflüge in die Um¬
gegend und en. Beteiligung am tDälddjestog.
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Künstler-Modellierbogen
Von PAUL WESTHEIM, Berlin.
/^AcgsUSSCHNEIDEN, pappen, kleistern, aufbauen
und gruppieren! Das sind die Modellier¬
tem* bogenfreuden, die dem Kind über die langen
langweiligen Winterstunden hinweghelfen. Das Kind
braucht fortgesetzt Ablenkungen von seinen Unarten
und Untaten. Wenn die Eltern es verstehen, ihre
Kleinen und auch Großen gut und geschickt zu be¬
schäftigen, werden sie sicherlich nicht zu oft über
den an der ungeeignetsten Stelle ausgelassenenSpiel-
trieb zu klagen haben. Es genügt natürlich nicht, das
Kind mit irgendwelchen Spielapparaten zu über¬
häufen, die ihm keine Möglichkeit zu einer
selbständigen Betätigung bieten, die wohl gar
gelegentlich einer derartigen selbständigen Be- i
tätigung kaputt gehen. Auch für sein Spiel braucht
das Kind einen Zweck, es will ein ver-
meintliches oder gegebenes Ziel er-
reichen, erstrebt Lösungen von selbst-
gewählten oder gestellten Aufgaben. Der
Modellierbogen ist eine solche Aufgabe.
Aus den vorgedruckten Flächenteilen
sollen die charakteristischen Erschei-
nungen eines anschaulichen Themas
zusammengestellt werden. Das Kind '«
wird zum Regisseur, der die gegebenen ÄBg»!
Kulissen zu verwenden
und in den rechten Zu-
sammenhang zu bringen
hat. Und die Freude über
das Geleistete stellt sich
erst ein, wenn die Ar¬
beit voll und sorgfältig
getan ist.
Die Anforderungen, die
damit an die Handfertigkeit gestellt werden, sind
nicht besonders groß. Eigentliche Handfertigkeits¬
arbeiten — wie schnitzen, hobeln, laubsägen, kleine
Tonmodelle verfertigen usw. — sind wohl wert¬
voller für die Ausbildung der Sinne und vor allem
der manuellen Geschicklichkeit. Dafür schärft der
Modellierbogen mehr als jede ähnliche Beschäf¬
tigung durch Ausbildung des statischen Gefühles
den Blick für die konstruktiven Verhältnisse der
einzelnen Gegenstände. Auf einmal wird da er¬
kannt, welchen Zweck und welche Bedeutung eine
Mauer hat, wie das Dach auf ihr lastet, in welchem
Verhältnis Häuser, Menschen, Tiere, Bäume, Felsen
zu einander stehen. Der Modellierbogen ist ein Spiel
mit Betätigungs- und Bildungsmöglichkeiten.
Es ist erstaunlich, daß er eigentlich niemals von
bewährter Hand in eine geschmackvolle und gute
Form gebracht worden ist. In den Kollektionen, die
einem in den Papierwarenhandlungen vorgelegt zu
werden pflegen, ist ein Blatt übler als das andere.
Schon die Wahl der Stoffe verrät einen erheblichen
Mangel an Verständnis für das Auffassungsvermögen
eines 7—15 jährigen Kindes. Der Modellierbogen,
bei dem die Hauptarbeit und auch die Hauptfreude
den Erwachsenen zufällt, wird sich natürlich nur eine
laue Freundschaftim Kinderzimmererwerben können.
Was ein Baugewerbeschüler zu entwerfen und selbst¬
verständlich auch aufzustellen versteht, braucht noch
lange kein geeignetes Spielwerk zu sein. Nicht allein,
wie diese Objekte ausgewählt, auch wie sie ausgeführt
werden, ist im höchsten Grade bedauerlich. Jene un¬
genannten und unnennbaren Zeichner wollten inter¬
essant und originell sein, so vermieden sie alle
^ die natürlichen und einfachen Erscheinungen
aus der täglichen Umgebung. Ihre Phantasie
i spazierte ins Bizarre undUnsinnige.
F 7 ’ Das Ergebnis waren Dinge wie etwa
1 das Lagerhaus, das ich als Gegen-
beispiel zeige. Dieses Bauwerk im
„pompösesten Vorstadtvillen-
jj S j Kjj^ stil“ soll wirklich ein Lager-
haus sein. Es steht in der
Tat auf dem Bogen. Ich will
garnichts von der unsinnigen
Architektur reden, die sich
nicht einmal ein könig¬
liches Proviantamt lei¬
sten würde. Wissen
möchte ich nur, was
an einem brauchbaren
Lagerhaus solch ein
Turm und noch ein
Türmchen sollen, welche Vorstellung mag sich wohl
ein Kind von dem Lagerräume machen, der wahr¬
scheinlich in dem dritten Turmgeschoß steckt. Und
wo bleibt eigentlich das Spezifische eines Lager¬
hauses? Die Rampe ist ja da; aber ein Aufzug,
oder eine Winde? Doch wozu das weiter ausführen.
Es gibt wohl keinen, der nicht auf den ersten Blick
sähe, was ist und was sein könnte. An die Turm¬
fassade brauchte man nur ein paar Veranden zu
pappen, dann wäre genau so verwaschen ein Hotel,
ein Sanatorium oder eine „hochherrschaftliche Villa“
fertig. Solche platten Stillosigkeiten sind natürlich das
Schlimmste, was wir den Kleinen in die Hand geben
können. Sie verwirren durch ihre Unnatur und Un¬
sachlichkeit und müssen geradezu das reine Empfinden
für diese Erscheinungen in der Wirklichkeit trüben.
Wer seinen Kindern solche geschmacklichen Ent¬
gleisungen vorsetzt, vergeht sich an ihnen.
Packhof. Entwurf eines unbekannten Zeichners. Gegenbeispiel zu den künst¬
lerischen Modellierbogen, das die Schwächen der bisherigen Modellierbogen zeigt
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Die Kogelburg. Entworfen von 0. W. Merseburg und Otto Westphal. Nach B. G. Teubners
Künstler-Modellierbogen. Im Preisausschreiben 1908 mit dem I. Preise ausgezeichnet
Dieser Tiefstand ist aber ein allgemeiner. Daher
wandte sich der Leipziger Verlag B. G. Teubner mit
einem Preisaus¬
schreiben an die
deutschen Künst¬
ler, dessen Ergeb¬
nisse jetzt vorlie¬
gen. 106 Entwürfe
waren eingelaufen.
Das Preisgericht,
bestehend aus den
Herren Oberbaurat
Karl Schmidt, Prof.
C. Seyffert, Prof.
G. Steinhausen,
Franz Doerke, Dr.
A.Giesecke,K.Gie-
secke und Dr. R.
Schubert, verlieh
den ersten Preis
der Kogelburg
von O. W. Merseburg
und Otto Westphal ,
die beiden zwei¬
ten Preise einem
Markttag in der
Kleinstadt
und dem Schatten¬
theater von August
Geigenberger , einen
dritten Preis dem
Bogen Hänsel und
Gretel von Theo¬
dor Herrmann und
den zweiten dritten
Preis der Nieder¬
sächsischen
Dorfkirche und
dem Niedersächsi¬
schen Bauernhaus
von Margarete
und Karl Hamens.
Ein weiterer drit¬
ter Preis wurde
noch Gust.Schaale
für ein Rumäni¬
sches Bauern¬
gehöft zugespro¬
chen. Schließlich
sind bereits von
den zum Ankauf
empfohlenen Ent¬
würfen eine Pfahl-
bausiedelung von
Wilh. Richter-Rheinsberg und ein Ländlicher Bahn¬
hof von Paul Heim ausgeführt worden.
Niedersächsische Dorfkirche mit Bauernhaus. Entworfen von Marg. und Karl Hamens
Nach B. G. Teubners Künstler-Modellierbogen. Im Preisausschreiben 1908 mit einem
III. Preise ausgezeichnet
Der leitende Gedanke war, in diesen Modellier¬
bogen nicht allein geeignete und künstlerisch wert¬
volle Ausschneide¬
bogen zu schaffen,
sondern damit
gleichzeitig päda¬
gogische Anregun¬
gen zu verknüpfen.
Es galt dem Kind
hier ein schlichtes
Spielwerk zu über¬
mitteln, das den Ge¬
schmack und das
Proportionsgefühl
ausbilden helfen
und zugleich dem
Verstand anschau¬
liche Anregungen
geben soll. Daher
sind Gegenstände
aus der Umgebung
und der Heimat,
der Fremde und der
Vergangenheit, der
Geschichte und dem
Märchen in dieser
Modellierbogen-
Serie vereinigt wor¬
den. Manches was
unbekannt, unver¬
standen oder auch
unbewußt im Vor¬
stellungskreise des
Kleinen auftauchte,
tritt damit in einer
selbstgefertigten
Körperlichkeit vor
das Auge. Es mag
sein, daß das volle
Verständnis für
einzelne der be¬
sonders charakte¬
ristischen Motive
erst von etwas
reiferen Kindern
aufgebracht wer¬
den kann; allein
sie sind nicht so
einseitig, um nicht
auch das allge¬
meine Interesse
der Kleineren zu
erregen.
Wenn etwa der
Junge, der den mit dem ersten Preis gekrönten Bogen
erhalten hat, sich noch nichts darunter vorstellen
Markttag in der Kleinstadt. Entworfen von August Geigenberger. Nach B. G. Teubners
Künstler-Modellierbogen. Im Preisausschreiben 1908 mit einem II. Preise ausgezeichnet
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kann, daß er da die genaue Nachbildung der Kogel¬
burg besitzt, daß ihre Ruine noch heute bei Volk-
marsen in Hessen steht und sie den Typus einer
doppelteiligen Ritterburg veranschaulicht, so wird er
sie eben einfach als „Burg“
ansehen. Und welcher deut¬
sche Junge versteht nicht
mit einer Burg zu spielen?
Trotz der großen Aufgabe,
den dieser Doppelbogen
an die Geschicklichkeit
und die Ausdauer des
Ausschneidenden stellt,
sind die Schwierigkeiten
durch eine wohlüberlegte
Aufteilung ziemlich ge¬
mindert. Hohe An¬
erkennung verdient
das feine Kolorit der
einzelnen Flächen,
auf denen die ver¬
blichene und verwit¬
terte Struktur des.
Gemäuers geschickt
abgetönt ist. Denkt
man sich zwischen all den Baulichkeiten, dem Berg¬
fried, einem Wartturm mit der Zugbrücke, den Wohn-
und Wirtschaftshäusern, das bunte Gewimmel der
zahlreichen Rittergruppen
— womöglich noch ergänzt
durch die allerdings nicht
stilgerechten, aber nichts¬
destoweniger beliebten Blei¬
soldaten — so steht so man¬
ches Knabenideal in präch¬
tigstem Aufbau vor einem.
Das reichbewegte Trei¬
ben auf einem kleinstädti¬
schen Jahrmarkt verstand
Aug. Geigenberger gut
festzuhalten. Eine ganze
Budenstadt mit den Tröd¬
lern, Marktweibern,Haus¬
burschen,Verkäufern und
Käufern,denMadams
und Mamsells ent¬
steht da unter den
Schnitten der Schere
und entrollt ein Bild
des Gewoges, das
den meisten Kindern an einigen Tagen im Jahr mit¬
zuerleben vergönnt ist. Geigenberger hat mit dieser
Gestaltung ein Stück der frischesten, eindrucks¬
vollsten Wirklichkeit der kindlichen Anschauung
zugeführt. Die Fülle der Eindrücke, die das Jahr¬
marktsgewühl in den Kleinen zurückläßt, kann
hier auf einfachste Weise reproduziert und ver¬
ständlich gemacht werden. Damit wird aber eine
nicht zu unterschätzende praktische Erziehungsarbeit
geleistet, denn — man verzeihe die kleine Ketzerei
— im allgemeinen fehlt es
unsem Kleinen nicht allein
an einer vertieften Anschau¬
ung für die Erscheinungen
der Vergangenheit, sondern
nicht minder für die aus
ihrer Umwelt, in die sie
dasLebeneinsthineinstoßen
wird. In gleicher Weise
glücklich erscheint daher
auch der Bahnhof von Paul
Heim. Dieser ganze Betrieb
mit dem Billetschalter,
der Wartehalle, dem
Stationsvorsteher, der
Fahrkartenausgabe
usw. ist ja schon an
sich fesselnd genug.
Und die frische, ge¬
diegene und höchst
sachliche Ausführung
hinterläßt nur den Wunsch, daß noch weitere Erschei¬
nungen aus dem Verkehr und der Zauberwelt unsrer
modernen Technik dem Kind auf solchem Wege
nahe gebracht werden.
Neben dem Hänsel und
Gretel-Bogen wurden die
dritten Preise volkskund¬
lichen Motiven zugespro¬
chen worden. Marg. und
Carl Hamens führen in ein
niedersächsisches Dorf etwa
der Lüneburger Gegend.
Eine einfache, ruhige Kirche
mit angesetztem vier¬
eckigem Turm von
festester Fraktur bildet
die Dominante. Sie
ist so gegliedert, daß
wirklich nicht über¬
große Anstrengungen
für den Aufbau er¬
forderlich sind. Die
gute Durchbildung
des frischen roten
Ziegeldaches, der
robusten, unbehauenen Mauersteine mit einer kleinen
Friedhofsanlage ist sehr stimmungsvoll. Dieser
günstige Eindruck wird noch erhöht durch die ge¬
schickt gewählten und geschickt gestalteten Staf¬
fagefiguren, einem Hochzeitszug, dem Pfarrer, dem
Lehrer, den feiernden, schwatzenden, musizierenden
67*
499
Regatta vor Helgoland. Entworfen von A. Liedke
Nach den Künstler-Aufsteilbogen der Firma Hollerbaum & Schmidt, Berlin
Jahrmarkt. Entworfen von Paul Scheurich
Nach den Künstler-Aufstelibogen der Firma Hollerbaum & Schmidt, Berlin
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AUSSTELLUNG MÜNCHEN 1908
Blick in den Ausstellungsraum des Vereins Münchener Buchdruckereibesitzer E.V.
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=z ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE =
Mehr setzen — weniger bauen!
Von MAX WÖLLER, Frankfurt a.M.
U dieser Mahnung werde ich veranlaßt nicht
nur durch die zahlreichen schlechten Einzel¬
arbeiten, denen man tagtäglich begegnet,
sondern auch durch die vielen mangelhaften Satz¬
beispiele, die man in den Vorlagewerken der Schrift¬
gießereiproben und auf den Beilagen weitverbreiteter
Fachzeitschriften findet, ganz besonders aber durch
zwei neuere Aufsätze eines „Fachschriftstellers“ und
eines „Fachlehrers“, die dem Akzidenzsetzer zeigen
sollten, wo er beim „Ornamentieren von Druck¬
arbeiten“ seine „Motive für den Akzidenzsatz“ her¬
nehmen könnte.
Um dies zu erläutern, wird in dem einen Aufsatz
das Skizzenbuch des Autors reproduziert. Dieses
zeigt nicht etwa gute Schriftgruppen mit logisch an¬
gegliedertem Zierat, sondern — wie auch nicht
anders zu erwarten war — schlechte Linienspiele¬
reien und andre geschmacklose Ornamentierungs-
formen, selbstverständlich — ohne Schrift. Diese
soll sich ja erst später dem Ornament anpassen!
In dem andern Aufsatz wurde ein Gartentor (!) und
ein Stuhl (!) und noch andre Dinge vorgeführt und
dabei durch „entsprechende“ Satzbeispiele erklärt,
wie sich aus solchen Motiven Satzformen für den
Akzidenzsatz herleiten ließen.
Angesichts solcher Entgleisungen kann nur immer
wieder darauf hingewiesen werden, daß bei jeder
Drucksache die Schrift die Hauptsache ist, und daß
sich der Schmuck ihr unterzuordnen hat.
Daraus folgert auch, daß die Form eines Satzes
nicht durch einUniversal-Ornament bestimmt werden
darf, das man auf der Straße oder in der guten Stube
findet, sondern nur durch die Schrift, oder, besser
gesagt, durch den Schrifttext, aus dem sich ja die
Anordnung von selbst ergibt. Soll aber Schmuck
angewendet werden, so hat sich dieser der Schrift
sachlich und räumlich anzupassen und allenfalls
— wenn er durch seine inhaltliche Darstellung den
Text illustriert — gleichberechtigt mit diesem und
im Zusammenhang mit ihm die Form des Ganzen zu
bestimmen.
Ein innerlich nicht motivierter Schmuck hat —
streng genommen — ohnehin keine Berechtigung;
es sei denn, daß ein ganz neutrales Ornament, gleich
wie eine Linie, eine Schriftseite umrahmt und zu¬
sammenhält oder die Papierfläche gliedert; oder daß
ein diskretes Schmuckstück eine Schriftgruppe krönt
oder abschließt. In diesem Falle hat also der Schmuck
eine ganz besondere der Schrift untergeordnete Be¬
stimmung; andernfalls wäre er entbehrlich und wie
alles Entbehrliche schädlich.
Jeder Setzer, der seinen Geschmack läutern will,
versuche einmal ohne Schmuck auszukommen und
nur mit einer entsprechenden Gruppierung der
Schrift dekorative Wirkungen zu erzielen. Jeder
Anfänger wird sehen, wie schwer das ist; wenn er
aber nach längerer Übung darin einige Sicherheit
erlangt hat, wird er auch imstande sein, das Orna¬
ment zu meistern — er wird beurteilen können, ob
und wo ein Ornament am Platze ist.
Wie viele Preisausschreiben für Buchdrucker sind
schon veranstaltet worden! Gerade bei solchen Ge¬
legenheiten sollte man doch einmal die Bedingung
stellen: Schmuck darf nicht verwendet werden. Wer
weiß, ob mancher der obligatorischen Preisträger dann
noch Sieger bleiben würde; denn in den meisten
Fällen sind doch gerade die Teilnehmer prämiert
worden, die durch die Wucht überreichen Schmuckes
zu blenden wußten, die aber selten den Beweis er¬
bringen könnten, daß sie das schönste Ornament,
die Schrift, zu meistern verstehen.
Noch einmal: Die Form des Satzes wird nicht
durch das Ornament bestimmt, sondern in erster
Linie durch den Schrifttext. Und dabei bleibe man
streng sachlich. Nicht sachlich ist es z. B., wenn aus
einer Wortreihe, die begrifflich zusammengehörig das
eine oder andre Wort ungewöhnlich hervorgehoben
und das andre durch einen kleineren Schriftgrad
zurückgedrängt wird. (Ausgenommen hiervon sind
natürlich Schlagworte bei ausgesprochenen Reklame¬
drucksachen.) Der ganze Text sollte in über- und
untergeordnete Begriffsgruppen eingeteilt werden,
und demgemäß ergeben sich auch die einzelnen
Schriftgruppen, die man durch kleinere und größere
Schriftgrade unterscheidet.
Durch diese rein sachliche Unterscheidung ergibt
sich schon von selbst ein kontrastreiches Gesamtbild;
soll aber dieses Bild dem Auge wohlgefällig sein, so
müssen die Gradunterschiede mit Berücksichtigung
von Höhe und Breite der sich ergebenden Schrift¬
blöcke, sowie die „weißen Werte“, das sind die
Zwischenräume, sorgfältig abgewogen werden.
Der Schriftgrad der einzelnen Schriftgruppen darf
sich nicht nur nach der sachlichen Bedeutung des
Begriffes richten, sondern auch nach seinem Wort¬
umfang und dementsprechend nach der Raumfläche,
die er einnimmt. Also nicht die Größe des Schrift¬
grades, sondern die Größe der Schriftfläche einer
Begriffsgruppe ist maßgebend für die dekorative An¬
ordnung. Ich will versuchen, dies an der diesem
Hefte beigefügten Musterbeilage zu erläutern.
Auf der ersten Seite ist die Titelgruppe Gesang¬
verein Gutenberg Frankfurt am Main aus Dreicicero
gesetzt, weil es nur mit diesem Schriftgrad möglich
war, die beabsichtigte Satzform zu erzielen. Um die
sachliche Bedeutung des BegrifFes genügend zu
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
betonen, hätte wohl Doppelmittel genügt; doch wäre
dann die Gruppe zu schmal und niedrig und im Ton¬
wert auch zu schwach geworden, um harmonisch zur
Vignette und zum Ganzen zu stehen. Bei einem grö¬
ßeren Wortumfang der Gruppe dagegen wären drei
Zeilen Doppelmittel vorteilhafter gewesen.
Dieses Satzbeispiel ist aber auch nach andrer Rich¬
tung hin bemerkenswert; denn es rechtfertigt die ein¬
gangs erwähnten Anschauungen.
Die Schrift nimmt die erste Stelle ein und bestimmt
in Verbindung mit dem Schmuck, der durch seinen
sachlichen Inhalt motiviert ist, die Gesamtform des
Seitenbildes. Dieses wirkt vornehm, ruhig und ge¬
schlossen; man hat das Gefühl, daß nichts fehlt,und daß
nichts Überflüssiges zu entfernen ist. Damit dürften
alleformalenundästhetischenBedingungenerfülltsein
Der Einwand, daß das Stichwort Jubiläumsfeier
auf der Vorderseite nicht besonders hervorgehoben
sei, wäre wohl berechtigt, aber nicht ausschlaggebend.
Denn es handelt sich hier nicht um ein Plakat oder
eine Annonce, die man so im Vorbeigehen genießt,
sondern um ein rein persönliches Sendschreiben eines
Vereinsvorstandes an eine Anzahl andrerVereinsvor-
stände, von denen man wohl erwarten darf, daß sie
das, was ihnen ein befreundeter Verein in guter typo¬
graphischer Ausstattung zu sagen hat, auch mit Muße
lesen werden. Überdies ist ja das Thema in einer
Titelzeile auf der dritten (Programm-) Seite deutlich
genug zum Ausdruck gebracht. Ich halte mich bei
solchen „Nebensächlichkeiten“ nicht ohne Grund so
lange auf; denn im allgemeinen wird auf die indivi¬
duelle Ausstattung der verschiedenen Drucksachen
zu wenig Wert gelegt.
Im weiteren: Welch Formenreichtum und dekora¬
tive Gesamtwirkung zeigen die Innenseiten der Bei¬
lage— und nurmitSchrift! DerbescheideneSchmuck,
die Schlußvignette auf der Programmseite, paßt in
Form, Inhalt und Ton wert vortrefflich zur Schrift.
Wie vornehm wirkt die einfache, glatte Randlinie, als
Träger der zweiten Farbe!
Noch eins: Wie selbstverständlich stehen die ein¬
zelnen Schriftgruppen auf dem Papier! Da ist nichts
Gequältes, wie bei dem schrecklichen „Kastensatz“
(im engern Sinne des rechteckigen Blocksatzes) mit
den zahlreichen Abbreviaturen, Sperrungen, weiten
Wortabständen und der Häufung von Zeilenfüllern.
Doch das ist ein Thema für sich.
Als vor einigen Jahren ein Mahner aus dem Kreise
der Kunstgelehrten auftrat und das graphische Kunst¬
gewerbe an die guten alten Vorbilder erinnerte, es
zur Rückkehr mahnend, da lautete wohl die Forderung:
Weg mit den unsinnigen Buchdruckerregeln, nach
denen ein Titelsatz aus lauter einzelnen zusammen¬
hanglosen Zeilen bestehen mußte, die nach genauester
Berechnung, „um Licht und Schatten gut zu vertei¬
len“, abwechselnd zart und kräftig sein sollten und
unterschiedlich in der Länge sein mußten; weg mit
dem Dreizeilenfall; weg mit den verschränkten und
verschobenen Zeilen usw. Das Satzbild soll ge¬
schlossen sein! Da das Buch rechteckige Form habe,
eigne sich für das Satzbild auch am besten die Recht¬
eckform, usw. Wie sind diese Lehren mißverstanden
worden! Letztere Forderung, die sich im wesent¬
lichen doch auf die Buchseite bezog, wurde blindlings
auf den Titelsatz und alle Akzidenzen übertragen und
dabei bis ins Extreme gesteigert; obwohl doch gerade
die zum Studium empfohlenen altmeisterlichen Vor¬
bilder eine reiche Variation von Satzformen zeigten.
Da wechseln einzelne Zeilen mit Rechteck-, Dreieck*
und allen andern Gruppen in bunter Reihe ab. Wir aber
klammerten uns ausschließlich an das Wort Recht¬
eck. Jede Schriftgruppe mußte rechteckig sein.
Um dies zu erreichen, wurde der Text verstümmelt
undmitübertriebener Peinlichkeit jedes weißes Fleck¬
chen mit Zeilenfüllern vollgepfropft. Ein Rechteck
block wurde an den andern gekuppelt; selbst die
neuentstandenen Vignetten mußten ausnahmslos
Rechteckform haben. Eine furchtbare Ode bei
allen Drucksachen jener Zeit, die heute noch nac
wirkt.
Daß es aber auch ohne den Kastensatz mit all sei¬
nen Zutaten geht, beweist wohl am besten das hier
besprochene Satzbeispiel — es zeigt aber auch, wie
man „setzen“ soll, ohne zu „bauen“.
Das Selbstgießen und die Behandlung der Walzen.
Von EDUARD KÜHNAST, Magdeburg.
r IE schon in früherer Zeit, so wird der ge-
samte Druckvorgang auch heute noch von
keinem andern Material wirksamer beein¬
flußt, als durch die Walzen, die immer noch die ganze
Seele des Druckes bilden. In ordnungsgemäß gelei¬
teten Betrieben wird daher gerade diesem Punkte
erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet, um jederzeit ge¬
winnbringend produzieren zu können. Das ist doch
der eigentliche Zweck unsrer beruflichen Tätigkeit,
welcher aber nicht voll erreicht werden könnte, wen
sich ihr allerlei Hindernisse in den Weg ^
ten, die nicht zuletzt in einem abgebrauchten *
material ihren Ursprung finden, denn ungenügende
Druckergebnisse müssen sich einstellen, wenn
Auffrischung bzw. der Umguß der Walzen in °
flotten Geschäftsganges oder andrer Umstände *
während verschoben wird. Daneben muß a er
stark in Erwägung gezogen werden, ob denn
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Maschinensaal immer das nötige Verständnis für die
Erneuerung der Walzen vorhanden ist? In verein¬
zelten Fällen wohl, aber die größere Anzahl von
Druckereien wird sicherlich unter einer gewissen
Walzenkalamität zu leiden haben. Frisch gegossene
Walzen pflegen leicht auszubröckeln, weil sich die
Zusatzmasse nicht genügend verbunden hat, oder sie
werden vorzeitig hart, weil ein zu geringer Zusatz
weicher Masse erfolgte. Letzterer Übelstand hinter¬
läßt dann beim Arbeitsbeginn und bei niedriger Tem¬
peratur unliebsame Wahrnehmungen im Druck.
Die Zusammensetzung der Walzenmasse, die den
Eigentümlichkeiten des Arbeitslokals anzupassen ist
bildet einen so wichtigen Umstand, daß es nur zeit¬
gemäß und wirklich rationell erscheint, wenn die
Herstellung der Walzen lediglich den Gußanstalten
übertragen wird, die genügende Erfahrungen be¬
sitzen, um die Besteller, mögen solche nahe oder
entfernt wohnen, schnell und gut zu bedienen. Der
Hinweis auf die Walzengußanstalten soll auf keinen
Fall eine Reklame für diese sein, aber der Umguß
von Walzen gestaltet sich in den vorhandenen An¬
stalten, sofern diese in ihren Leistungen auf der Höhe
der Zeit stehen , infolge der praktischen Einrichtung
und der bereits erwähnten langjährigen Erfahrungen
einfach und leicht, während die in den einzelnen
Druckereien vorhandenen Vorrichtungen mitunter
von recht bescheidener Verfassung sind, so daß
wirklich gebrauchsfähige Walzen nicht gut entstehen
können. Aus diesen wohl schwerlich anfechtbaren
Gründen soll und darf auch die Verpackung, sowie
der Versand der zum Neuguß bestimmten Walzen
kein Abschreckmittel sein, denn in der Praxis er¬
scheinen diese Arbeiten kaum nennenswert.
Bei einem Blick in eine neuzeitlich eingerichtete
Walzengußanstalt kommt jedem sofort zum Bewußt¬
sein, daß auch auf diesem Gebiete eine Reihe be¬
merkenswerter Fortschritte zu verzeichnen sind. Be¬
sonders fällt die eine große Verbesserung in die
Augen, daß zum Guß der Walzen keine einzelnen
Gießhülsen mehr verwendet werden, diese Arbeit
vielmehr jetzt in weit großartigerem Maßstabe mittels
unzähliger Zylinder der verschiedensten Längen vor
sich geht, in welche die mannigfachsten Walzen¬
durchmesser eingebohrt sind. Der Besteller behält
durch diese anerkennenswerte Neuerung seine Ma¬
trizen im Besitz und hat nur notwendig, die Fabri¬
kationsnummer, sowie das System der Maschine an¬
zugeben, von der er Walzen gegossen haben will.
Das Gießen der Walzen selbst unterscheidet sich in
den Walzengußanstalten von der bisher gebräuch¬
lichen Art dadurch, daß die Masse nicht von oben,
sondern von unten mittels Schlauchverbindungen
durch hydraulischen Druck in die Gießhülsen ge¬
langt, wodurch Luftschlangen und Blasen völlig aus¬
geschlossen sind. Das Herausstoßen der gegossenen
Walzen erfolgt wiederum durch Luftdruck, so daß
die Spindeln und Zapfen völlig unberührt bleiben,
daher ein Verbiegen derselben nicht möglich ist.
Alles in allem, die rationelle Arbeitsweise im Ma¬
schinensaale verbietet geradezu das Selbstgießen
der Walzen, das mehr und mehr den vorhandenen
Spezialanstalten überlassen werden sollte, die infolge
der verbesserten Einrichtungen ganz vorzügliche Er¬
zeugnisse für den täglichen Gebrauch zu schaffen
vermögen, bei denen sich im großen und ganzen
weder Schwund, Aufquellen, Aufreiben noch Zer¬
reißen der Walzen bemerkbar macht, so daß ein an¬
standsloser Fortdruck in vermehrter Weise gesichert
ist als bei selbstgegossenen Walzen, die ja stets und
immer trotz aller auf den Guß verwendeten Zeit und
Mühe einige kleinere oder größere Mängel aufweisen.
Das Vorhandensein wirklich gebrauchsfähiger Wal¬
zen setzt allerdings deren peinliche Behandlung sei¬
tens des Personals voraus. Auf der einen Seite ist
es der Maschinenmeister, der durch genaue Ein¬
stellung der Walzen deren Haltbarkeit erheblich zu
verlängern imstande ist, woran er ja ein persönliches
Interesse hat. Anderseits kommt das Hilfspersonal
in Betracht, das daraufhin überwacht werden muß,
daß beim Reinigen der Walzen alle jene Vorsicht ge¬
braucht wird, die zur Erhaltung einer glatten Ober¬
fläche besonders der Auftragwalzen erforderlich ist.
Diese wichtige Eigenschaft kann durch entsprechen¬
des Waschmaterial leicht erhalten werden. Worin
besteht aber das für die Haltbarkeit der Walzen ge¬
eignetste Waschmaterial? Da sind recht viele Neue¬
rungen aufgetaucht, die sämtlich den Zweck zu ver¬
folgen scheinen, das die Walzen allmählich verhär¬
tende Terpentin abzulösen, wiewohl das letztere dem
Petroleum zu bevorzugen ist. Ein Gemisch dieser
beiden Substanzen je zur Hälfte ist für das Waschen
der Walzen nicht von der Hand zu weisen, zumal es
schon weniger kostspielig genannt zu werden ver¬
dient. Bei höheren Ansprüchen fand ich ein Gemisch
von Benzin und Terpentin recht gebrauchsfähig, das
aber wegen der Feuergefährlichkeit in verschlosse¬
nen Büchsen aufzubewahren ist.
Allen diesen Waschmitteln fehlen aber die den
Walzen dienlichen konservierenden Bestandteile.
Diesem Übelstande haben nun die Walzengußanstal¬
ten abgeholfen, indem sie Waschmittel auf den Markt
brachten, welche die Walzen konservieren, ihnen
längere Haltbarkeit und Brauchbarkeit geben. Dies
liegt ja schließlich in dem Interesse der genannten
Anstalten, denn sie müssen bestrebt sein, den Um¬
guß der Walzen, der zumeist im Abonnement aus¬
geführt wird, auf das geringste Maß zu beschränken.
Um den vorübergehend außer Gebrauch befindlichen
Walzen sozusagen neues Leben einzuhauchen, wird
ihnen ein Anstrich von sogenannter Auffrischungs¬
tinktur gegeben, deren Güte durch ein hinreichendes
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Ausproben festzustellen ist. Aus diesen der täglichen
Praxis entnommenen Andeutungen kann hervorgehen,
daß vorhandene Mittel nur zur Anwendung zu kom¬
men brauchen, um Anstände beim Druck zu vermin¬
dern.
Der Hauptübelstand für eine sonst gute Walze
liegt jedoch unzweifelhaft in dem ständigen Höher¬
und Tieferstellen, wie es das so unterschiedliche
Material nun einmal bedingt, denn leichte Linien-
und abgenutzte Schriftformen bringen zu große Ab¬
weichungen in der regelrechten Einfärbung. Behält
nun eine Auftragwalze möglichst lange ihre unver¬
minderte Elastizität, wozu genügende Wasch- und
Konservierungsmittel sehr viel beitragen, so läßt
sich selbst für die verschiedensten Druckformen die
richtige Mitte finden, ohne dem Zerschneiden der
Walzen und ungenügender Deckung der Form aus¬
gesetzt zu sein. Das genaue Einstellen der Auftrag¬
walzen soll möglichst nach der Form und zwar an
der Hand gemachter Abzüge erfolgen, denn diese
sind weniger trügerisch als die Walzenhölzer. Den
sogenannten Walzenstandprüfern soll jedoch die Exi¬
stenzberechtigung keineswegs abgesprochen werden.
Das öfters zu bemerkende Anbremsen der Walzen
an die Farbzylinder, das nur auf nach der Mitte zu
ausgetrocknete Walzen zurückzuführen ist, sollte
unbedingt vermieden werden. Derartige verbrauchte
Gegenstände sollen umgegossen werden, um solche
dann ordnungsgemäß mittels der seitlichen Stell¬
schrauben regulieren zu können.
Zum vorzeitigen Abnutzen sonst gebrauchsfähiger
Walzen führt gar oft das am Arbeitsschlüsse ver¬
säumte Abwaschen schnelltrocknender Farben. Es
ist ja leicht zu verstehen, wenn bei umfangreichem
Farbwerk das Walzenwaschen zu umgehen versucht
wird. Derartige vermeintliche Vorteile rächen sich
jedoch recht bitter, wenn die Farbe wider Erwarten
über Nacht so festgetrocknet ist, daß zu ihrer Ent¬
fernung allerlei Mittel Anwendung finden müssen
und durch eine gewaltsame Behandlung der Wert
der Walzen erheblich beeinträchtigt werden muß.
Die Benutzung des Walzenschrankes soll recht oft
erfolgen, vor allem aber sollen die in der Maschine
befindlichen Walzen wenigstens am siebenten Tage
der Woche, wie es die Ordnung im Maschinensaale
erheischt, in ihm untergebracht werden, damit der
Anfang der Woche mit sauberen Walzen und sauberer
Maschine begonnen werden kann. Eine derartige
Maßnahme wird auf den ganzen Druckprozeß nur
günstig einwirken und im Gegensatz zu jener'Misere
stehen, die sich ergibt, wenn die Walzen über Sonn¬
tag mitsamt der Farbe in der Maschine bleiben. Die¬
ser Mißstand konnte schon oft beobachtet werden
und wiederholt kam es vor, daß besonders warme
Sonnenstrahlen die Masse in Mitleidenschaft gezogen
hatten, woraus die nötige Nutzanwendung sich er¬
geben mag.
Was die Walzenmasse im allgemeinen anbelangt,
so ist deren Verbesserung aus dem Grunde anzu¬
streben, weil sich mit der heutigen Bauart der Ma¬
schinen ein schnellerer Gang als ehedem verbinden
läßt. Ein größerer durch Verwendung bester Roh¬
produkte bewirkter Widerstand der Walzenmasse
wird über die veränderten Verhältnisse leicht hin¬
weghelfen und auch mit dazu beitragen, daß die Fach¬
welt suchen wird, sich mit dem entsetzlich ver¬
kleinerten Durchmesser der Auftragwalzen einiger¬
maßen abzufinden.
Buchgewerbliche Rundschau.
Ausstellungen.
Ausstellung des Vereins Münchener Buchdruckerei¬
besitzer E. V. In Heft 10 des Archiv für Buchgewerbe hat
Herr Stefan Steinlein in München eine ausführliche Ab¬
handlung über die Beteiligung des Münchener Buchge¬
werbes auf der Ausstellung München 1908 gegeben und
dabei wiederholt betont, daß die Ausstattung und Einrich¬
tung der einzelnen Ausstellungsräume einheitlich und vor¬
nehm gewesen sei. Es dürfte nun denjenigen unserer Leser,
die die genannte Ausstellung nicht besuchten, sicher sehr
willkommen sein, den Ausstellungsraum des Vereins Mün¬
chener Buchdruckereibesitzer E. V . im Bilde kennen zu
lernen, zumal es die vornehme und dabei doch einfache
Ausstattung deutlich erkennen läßt. Die Mitglieder des
genannten Vereins hatten sich zu einer Kollektivausstellung
zusammengefunden, bei der die erste Bedingung das Zu¬
rückstellen von Sonderinteressen war. Daß sich trotzdem
die Mitglieder in entsprechender Weise beteiligten, ist der
beste Beweis für die richtige Auffassung eines Planes,
durch dessen Verwirklichung dem einzelnen, sowie der
Gesamtheit des Münchener Buchgewerbes mehr gedient
wurde als durch noch so viele wähl- und planlos ausge¬
führte Sonderausstellungen. Der Verein Münchener Buc
druckereibesitzer darf auf seine schöne und gelungene
Kollektivausstellung mit Recht stolz sein. A.
Buchbinderei.
Prägeschnlttypen der Firma J. G. Scheiter & Gle
lecke In Leipzig. Auf einer größeren Anzahl von ProD -
[rucken zeigt die erwähnte Firma die gute Wirkung i re
lach eigenem Verfahren hergestellten Schnittypen. urc
lie Benutzung dieser eigenartigen, aus Messing er 8
teilten Buchstaben, die farbige Papiere sowie o ,en
;leich stanzen und prägen, also mit der Kartonunter
erbinden, entstehen alle jenen auffälligen Innenpa’
lie alle erdenklichen Erzeugnisse der Industrie in
Veise zu empfehlen bestimmt sind. Die Sc ni
werden in den verschiedensten Größen gelie ert.
uf den mir vorliegenden Plakaten verwendeten ^
pn R.mHonricrh und Petrarca dürfen als verwen
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Normalgarnituren bezeichnet werden, die sich stets gut aus¬
nehmen werden. Daß für denselben Zweck auch passende
Vignetten und Ornamente erhältlich sind, sei nebenbei
noch bemerkt, ebenso daß die Schrifttypen auf der von der
Firma J.G.Schelter & Giesecke gebauten Tiegeldruckpresse
Phönix benutzt werden können. S. H.
Bul- Lettern der Magdeburger Gravieranstalt vorm .
Edm. Koch & Co., G. m. b. H ., Magdeburg . Neuerungen auf
dem Gebiete der Typenfabrikation sind an sich nichts
Seltenes, denn die Zahl der Versuche, die im Laufe der
Zeit gemacht wurden, ist keine geringe. Die neu erfundenen
Bui-Lettem,von denen mirOriginalmuster sowie damit her¬
gestellte Abdrücke auf Papier, Karton,Leinwand usw. Vor¬
lagen, bestehen aus einer Mischung, die am zutreffendsten
mit Stahl-Aluminium bezeichnet wird. Bui-Lettern sollen
in der Hauptsache die Holztypen ersetzen, daneben aber
auch die sogenannten Rotgußschriften der Buchbindereien
verdrängen. Die Bui-Lettern gleichen äußerlich den Blei¬
typen, sie werden von 36 Punktgröße an aufwärts geliefert
und sind mit Hohlfuß versehen. Das Bild der Lettern ist
ein scharfes, die Druckfläche eine durchaus glatte und ebene,
sodaßdieSauberkeitdes Druckesnichts zu wünschen übrig¬
läßt. Die Bui-Lettern sind sehr leicht und im Preise stehen
sie etwa wie Bleitypen. Der Hauptvorzug der Bui-Lettern
vor allen andern Typarten ist deren außergewöhnliche
Härte, denn selbst Stoffe wie Sackleinewand vermochten
dem Typenbilde beim Drucke nicht zu schaden. Die mir
vorliegende Schriftprobe enthält eine große Schriftenaus¬
wahl und es Hegt außer allem Zweifel, daß die Neuerung
das ungeteilteste Interesse der Fachwelt finden wird. S.
Buchdruck.
Die Behandlung der Papierschneidemaschine. In
der letzten Zeit konnte man verschiedentlich in Fachzeit¬
schriften Anfragen zu Gesicht bekommen, die unliebsame
Erscheinungen beim Gebrauch der Schneidemaschine be¬
handelten. Es dürfte deshalb angebracht sein, wenn einmal
dieses Thema, das bisher recht selten unsre fachlichen
Schriftsteller beschäftigt hat, behandelt wird.
Wie bei allen Maschinen, die in der Buchdruckerei Ver¬
wendung finden, ist in erster Linie auch bei der Schneide¬
maschine daraufzu achten, daß sie einen sicheren Stand
hat, der nicht bei jedem Schnitte nachgibt, auch muß das
Fundament vollkommen in der Wasserwage stehen, wovon
man sich von Zeit zu Zeit überzeugen möge. Desgleichen
muß geprüft werden, ob die Lage des Sattels zum Messer
eine genau rechtwinklige ist.
Besonderes Augenmerk ist auf die gehörige Speisung der
Ölvorrichtungen zu richten und dabei nicht zu verab¬
säumen, diese durch Eingießen von Petroleum öfters zu
reinigen. In nicht zu langen Zwischenräumen ist auch
nachzusehen, ob das Öl etwa eingetrocknet oder verdickt
ist, was bei der großen Staubentwickelung, die in den Buch¬
druckereien und Buchbindereien stattflndet, sehr leicht
eintritt. Zur Ölung ist nur gutes Klauenöl zu verwenden.
Die Seele einer guten Papierschneidemaschine ist ein
gutes, scharfes Messer. Ohne solches ist auch die kräf¬
tigste Maschine wertlos und kann unmöglich den Anforde¬
rungen genügen, die an eine gute, leistungsfähige Maschine
in bezug auf scharfen und tadellosen Schnitt gestellt werden
müssen. Es sind dies Worte, die Schreiber dieser Zeilen
bei der Besichtigung einer der größten Papierschneide¬
maschinen-Fabriken der Welt zu hören Gelegenheit hatte
und die wohl den Nagel auf den Kopf treffen.
Nicht nur eine gute Maschine, sondern vor allen Dingen
ein ausgezeichnet geschliffenes Messer aus bestem Stahl
ist notwendig, um einen leichten und sauberen Schnitt
hervorzubringen. Schließlich ist eine sorgfältige Behand¬
lung des Messers während der Arbeit unbedingt geboten.
DieSchneideflächensind stets sauber zu halten,auch ist vor
jedesmaligem Gebrauch zu prüfen, ob nicht Sandkörnchen
oder dergleichen auf der Schnittunterlage liegen. Das
Messer muß so eingesetzt sein, daß es nicht zu tief in die
Unterlage schneidet.
Das Gefährlichste für ein gutes Messer ist aber ein
schlechter Schleifer. Wie zu allen schwierigen Dingen, so
gehört auch zum Schleifen eines Schneidemaschinen¬
messers tägliche Übung und das gehörige Handwerkzeug.
Empfehlenswert ist es, wenn irgend möglich das Messer dort
schleifen zu lassen, wo Gewähr geboten ist, daß es in sorg¬
fältiger und fachmännischer Weise behandelt wird, also bei
dem Fabrikanten, von dem seinerzeit die Schneidemaschine
bezogen wurde. Auf diese Art wird sehr viel Ärger und
Verdruß erspart und die geringen Mehrkosten, die eventuell
durch Fracht entstehen sollten, werden sich sehr bald be¬
zahlt machen. B. Stetten.
Schriftgießerei.
Schriftprobenschau. Schon wiederholt habe ich an
dieser Stelle bemerkt, daß ein Zusammenfassen der Kräfte
zur Schaffung von nur besten Erzeugnissen verdienstlicher
sei als das geradezu überstürzte Herausbringen von Neu¬
heiten, die gewöhnlich keine solchen sind, sondern nur,
trotz all ihrer Selbständigkeit, den Zweck haben, mit an¬
dern gleichartigen guten Schriftgießereierzeugnissen in
Wettbewerb zu treten. Ich habe auch mehrmals darauf
hingewiesen, daß die Aufnahmefähigkeit der Buchdrucker
für die massenhaft erscheinenden Neuheiten allmählich
versagen müsse, es daher mehr als wünschenswert sei,
wenn endlich die Überproduktion etwas eingeschränkt, da¬
gegen aber mehr Sorgfalt auf die Erzeugung von künstle¬
rischem und praktischem Material gelegt werde. Es scheint,
als ob von seiten der Schriftgießereien nun wirklich eine
gewisse Beschränkung in der Anfertigung von allzuviel
Neuem beabsichtigt sei, denn mir liegen dieses Mal von
mehreren angesehenen Schriftgießereien Musterhefte vor,
in welchen sie ihre hauptsächlichsten, zeitlich etwas zu¬
rückliegenden Erzeugnisse in wirkungsvollen Anwendun¬
gen wiederholt vorführen. Dies erscheint mir ganz richtig,
denn es gibt viele ältere Schriften, Ornamente usw., die
auch heute noch durchaus bestehen können und gut ver¬
wendbar sind, wenn nur die Anforderungen berücksichtigt
werden, die unsre Zeit an gut ausgestattete Druckarbeiten
stellt.
Das erste der erwähnten Sammelhefte ist von der Firma
H. Berthold Messinglinienfabrik und Schriftgießerei Act.-
Ges. in Berlin gemeinsam mit ihrem Zweiggeschäft Bauer
& Co. in Stuttgart herausgegeben und enthält Schriften,
die sich zu Karten und feineren Geschäftsdrucksachen
eignen. An zahlreichen Beispielen wird die gute Wirkung
und die vielseitige Verwendbarkeit der im Archiv für Buch¬
gewerbe bereits früher besprochenen Schriften: Prinzeß,
Royal-Grotesk, Akzidenz-Grotesk, Sezession und deren
Abarten, Aviso-Kursiv, Halbfette Kursiv, Magere Carmen
usw. gezeigt. Auf einer besonderen, dem Heft beigefügten
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Beilage wird die bekannte Kaufhaus-Fraktur von neuem
vorgeführt.
In einem zweiten Sammelheft bringt dieselbe Firma ihre
hauptsächlichsten Reklameschriften wie Kaufhaus-Fraktur,
Herold, Schmale Herold, Fette Herold, Halbfette, Schmale
halbfette und Fette Sorbonne, sowie die Inseratenschriften
Record und Carola-Grotesk wiederholt in empfehlende Er¬
innerung. Über die Verwendbarkeit dieser bekannten Er¬
zeugnisse bedarf es keiner erneuten Hinweise. Als vorteil¬
hafte Ergänzung der einzelnen Garnituren enthält das Heft
Proben der größeren Grade vorgenannter Schriften in
Stahltypen, die nahezu unverwüstlich sind, da eine Ab¬
nutzung so gut wie ausgeschlossen ist. Das Heft verdient
aber ganz besondere Beachtung, weil es zu Beginn eine
ganz eigenartige Neuheit enthält: die erst fertiggestellte
Schrift Block, eine fette Grotesk mit mäßig abgerundeten
Formen, die sich im Stil demjenigen der sogenannten
Künstlerschriften anlehnt. Die beabsichtigte Wirkung der
Künstlerschrift wird gesteigert durch die Beigabe von aus¬
wechselbaren oder Ergänzungsbucbstaben, durch deren
Benutzung der Lauf der Zeile bzw. deren Breite ganz nach
Erfordernis geregelt werden kann. Die Übertragung dieser
zeichnerischen Gepflogenheit auf die Typographie ist sehr
geschickt erfolgt, so daß die Erzielung der Blockwirkung,
die zwar beinahe überwunden ist, sehr erleichtert wird.
Der Hauptwert der Neuerung dürfte aber darin liegen, daß
Einzelzeilen im Anzeigensatz bequem breiter oder schmäler
gestaltet werden können.
Die Bauersche Gießerei in Frankfurt a.M. hat ebenfalls ein
sauber hergestelltes und wirkungsvoll ausgestattetes Sam¬
melheft herausgegeben, das ihre hauptsächlichsten Karten¬
schriften enthält. Neben der Schreibschrift Lithographia
befinden sich die Schriften Venus-Grotesk, Noblesse,
Azuröe, Duchesse, Englische Gotisch, Stella und Trianon.
Trotz der mehr und mehr zunehmenden Vorliebe für Ver¬
wendung kräftiger Schriften auf Karten werden sich doch
jetzt und auch in Zukunft stets Liebhaber einer sogenannten
feinen Ausstattungsweise finden. Den Wünschen dieser
Liebhaber werden die vorerwähnten Schriften in jeder
Beziehung gerecht werden.
Die Schriftgießerei Emil Gursch in Berlin hat ihre sämt¬
lichen Erzeugnisse in einer übersichtlichen, dabei aber doch
nicht zu weitläufigen Anordnung in einem stattlichen Oktav¬
bande vereinigt und damit ihren Geschäftsfreunden ein
sicher sehr erwünschtes Nachschlagebuch gegeben, das
bei der Deckung des Schriftenbedarfs von großem Wert
sein wird. Auf den ungemein reichen und vielseitigen
Inhalt der Gesamtprobe, die in bezug auf technische Aus¬
führung unumwundene Anerkennung verdient, kann ich
leider nicht eingehen, da eine derartige Besprechung, die
vielzuviel Raum erfordern würde, sich schon deshalb er¬
übrigt, weil die zahlreichen in dem Bande enthaltenen
neueren Erzeugnisse bei jeweiligem Erscheinen an dieser
Stelle bereits eine eingehende Würdigung gefunden haben.
Erwähnt sei aber, daß die Gesamtprobe in 10 Abteilungen
gegliedert ist, und zwar: 1. Fraktur, Werk- und Zeitungs¬
schriften, Schwabacher, König-Type, Fette und Halbfette
Fraktur, Gotisch, Kanzlei usw. 2. Antiqua, Mediäval,
Elzevier, Kursiv. 3. Auszeichnungsschriften in Antiqua,
Mediäval, Elzevier, Titel- und Zierschriften. 4. Zirkular-
und Schreibschriften. 5. Initialen. 6. Ziffern und Zeichen.
7. Ornamente, Reiheneinfassungen, Untergrundmuster.
8. Vignetten. 9. Messingerzeugnisse jeder Art und 10. Holz¬
schriften. Durch diese Anordnung ist ein leichtes Auf¬
finden gewisser Erzeugnisse möglich, das durch ein sorg¬
fältig bearbeitetes Inhaltsverzeichnis noch bequemer ge¬
macht ist. Dem Inhalt selbst sind mehrere Seiten mit
technischen Erläuterungen, sowie Tabellen zur Alphabet¬
berechnung vorangestellt. Die Seiten mit den Proben sind
ohne jedes schmückende Beiwerk angeordnet, so daß sie
einen ruhigen und vornehmen Eindruck machen. Die Ab¬
teilungstitel zeigen nur mäßigen Schmuck, wodurch einem
schnellen Veralten derselben vorgebeugt ist. Im ganzen
muß die Probe als eine sehr tüchtige Leistung bezeichnet
werden. Sie gibt ein übersichtliches Bild von dem regen
Schaffen der Firma Emil Gursch in Berlin, der die Buch¬
drucker so manches gute und brauchbare Erzeugnis zu
verdanken haben.
Von derselben Firma liegt noch ein Sonderheft vor, das
den Namen: Deutsche Rebe trägt und die Einfassung Deut¬
sche Rebe sowie die Vignetten Serie 104 in verschiedenen
praktischen Anwendungen vorführt. Obwohl die Reben¬
einfassung manches Stück enthält, das einzlen sehr gut
wirkt, so machen die zusammengefügten Umrahmungen,
Schilder, Leisten usw. doch einen steifen Eindruck, ein Be¬
weis dafür, daß die Schwierigkeiten, die das typographische
System jeder beweglichen Form entgegenstellt, nur sehr
selten durchaus gelungen gelöst werden können. Trotz alle¬
dem wird aber die Rebeneinfassung sicher ihren Zweck
erfüllen und bei geeigneten Arbeiten gerne verwendet
werden.
Die Schriftgießerei Flinsch in Frankfurt a . M. bringt als
Neuheit eine Auswahl von Karnevals-Vignetten nach Zeich¬
nungen von H. Sittel, Willy Wegener und Bernhard Wenig.
Die von Sittel gezeichneten Vignetten sind, nach Angaben
der Firma, das Ergebnis eines künstlerischen Versuches,
die Karnevalsvignette ornamental darzustellen. Meiner
Ansicht nach ist der Versuch nicht gelungen, denn die
Sittelschen Ornamente entbehren doch zu sehr des Witzes
oder der Schalkhaftigkeit, die von jedem gerade bei solchen
Zierstücken erwartet werden, die in erster Linie zur An¬
fertigung von Druckarbeiten dienen sollen, die bei heiter¬
tollen Festlichkeiten gebraucht werden. Da sind die Zeich¬
nungen von Willy Wegener doch origineller und somit auch
zweckmäßiger, obgleich der etwas altertümlich anmuten e
Stil des Künstlers eine allgemeine Verwendbarkeit der Er¬
zeugnisse erschweren dürfte. Am besten, das heißt am
lustigsten und zugleich auch am zweckentsprechendsten
sind die von Bernhard Wenig geschaffenen Vignetten, »®
sicher allgemeinen Beifall finden werden. Die Karnc ™ s '
Vignetten der Firma Flinsch verdienen aber auf alle e
Beachtung, denn sie zeigen, daß einem sonst verhä tms
mäßig sehr vernachlässigten Ziermaterial auch künst erisc
Gestaltung gegeben werden kann. . f .
Die Firma Wilhelm Gronaus Schriftgießerei in Beru
bemustert in einem Oktavheft ihre neue Schrift Vulkan, de
von der Firma selbst charakterisiert wird »als eine Schnn *
die bei aller Kraft doch elegant in ihrer Form ist, treffhc e
Schluß der Zeile gibt und deshalb für Akzidenz und Rekia
unentbehrlich ist“. Die Vulkan gehört zur Gattung der
Pinselschriften und hat in der Art der Eckmann-Schritt
ausgesprochene Horizontale bei den Mittellängen er
meinen. Eine gewisse Ähnlichkeit mit der Augs urg
Schrift ist zweifellos bemerkbar, obgleich die Einze o
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PRINCETON UNIVERSITY
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selbständige Schöpfungen sind. Die Schrift Vulkan ist so¬
hin keine besonders eigenartige Ergänzung des Schriften-
materials, aber sie wird doch ihre Liebhaber finden, die
sie vor allem bei Reklamedrucksachen gerne verwenden
werden.
Die Firma Heinrich Hoffmeister in Leipzig hat ein gut
ausgestattetes Heft mit der Bezeichnung: Ein sicherer Weg
übersandt, in dem die in Heft 9 Jahrgang 1908 des Archiv
für Buchgewerbe bereits besprochenen Neuheiten der Firma
in zahlreichen gut ausgeführten Anwendungsbeispielen
gezeigt werden.
Von der Firma Gehr. Klingspor in Offenbach a.M. liegen
zwei Hefte vor, von denen das eine: Heraldisches für Buch¬
drucker, das andere: Neue Anzeigen-Schriften enthält. Es
bedarf wohl keiner besonderen Erörterung, daß die meisten
Erzeugnisse der typographischen Heraldik nur auf dem
Niveau des Dilettantismus stehen. Die verschiedenen
Greife, Adler usw. entbehren jeder heraldisch-künstle¬
rischen Grundlage, ganz abgesehen davon, daß mitunter
auch die einfachsten Grundsätze der Heraldik geradezu
mißhandelt werden. Mit den von den Gebr. Klingspor her¬
ausgegebenen typographisch-heraldischen Darstellungen
sind endlich Zierstücke geschaffen worden, die sowohl
künstlerischen wie heraldischen Forderungen vollkommen
gerecht werden. Das ist leicht erklärlich, wenn man weiß,
daß Professor Otto Hupp, der feinsinnige Wappenkünstler,
die in flotter Schwarz-Weiß-Zeichnung gehaltenen Zier¬
stücke entworfen hat. Neben dem Buchdrucker-Adler wirkt
auch das Greifmotiv sehr ansprechend, die heraldisch rich¬
tigen Reichsadler aber werden eine willkommene Ablösung
sein für die vielen unbestimmten und unbestimmbaren
Adlerformen, die als Reichsadler heute noch in den Proben
so vieler Schriftgießereien herumflattern. Den Schluß des
wertvollen heraldischen Zierrates bildet dasWappenSeiner
Heiligkeit des Papstes Pius X., das auch für mehrfarbigen
Druck geliefert wird. Weniger befriedigen kann mich das
Heft derselben Firma, das neue Anzeigen-Schriften enthält.
Dies ist um so mehr der Fall, wenn ich sehe, daß ein so
tüchtiger Schriftkünstler wie Professor Otto Hupp, der Ur-
heber dieser Schriften ist,die die Namen führen: LichteTam
Tarn, Volle Tarn Tarn und Kegelschrift. Das Vorwort des
Zeichners lautet: „Laute, auffallende ja schreiende An-
zeigenscbriften sind nun einmal nötig geworden; das be¬
stätigt ein Blick in die erstbeste Zeitung. Ob sich dies un¬
feine Bedürfnis nicht in einer weniger abstoßenden Form
befriedigen ließe, als es zumeist geschieht? Diese Frage
war die Mutter der nachfolgenden Versuche.“ Nun, ich bin
der Ansicht,daßdieVersuche gescheitert sind.Gewiß,esgibt
auffallende, schreiende, ja sogar sehr häßliche Anzeigen¬
schriften, die weit, weit hinter den Versuchen von Professor
Otto Hupp zurückstehen müssen, aber weder die lichte
noch die volle Tarn Tarn zeigen neue originelle Formen, die
sie über die anderen Anzeigenschriften hervorheben. Die
Kegelschrift ist ja originell, aber ob die kegelförmige Ge¬
staltung der Grund- und Haarstriche der einzelnen Buch¬
staben gerade von künstlerischem Reiz ist, das erscheint
mir etwas sehr fraglich. Und doch sind die Versuche von
Professor Otto Hupp sehr lehrreich, denn sie zeigen klar
und deutlich, daß es keine leichte Aufgabe ist, Reklame¬
schriften künstlerisch zu gestalten. Dies Ergebnis wird
manchem zeigen, daß der Entwurf künstlerischer Anzeigen¬
schriften ungemein schwierig ist, wenn sogar ein so aus¬
gezeichneter Schriftzeichner und feinsinniger Künstler wie
Otto Hupp keine befriedigende Lösung Anden konnte.
Die Firma Benjamin Krebs Nachfolger in Frankfurt a. M.
hat ein umfangreiches Heft übermittelt, das den Titel Archiv-
Antiqua trägt. Die Archiv-Antiqua ist eine Schrift ln der
Art der Grasset, Sorbonne, Lessing, Roosevelt, Toskana
und wie sonst noch die Schriften mit halbkräftigem Bilde
und niedrigen Gemeinen heißen. Sie ist aber eigenartiger
als die vorgenannten internationalen Erzeugnisse. Die
Archiv-Antiqua liest sich gut und wirkt dekorativ sowohl
auf Akzidenzen wie im glatten Satz, wie sich an den zahl¬
reichen Beispielen des Heftes ersehen läßt. Die zur Schrift
geschnittene Kursiv gefällt mir weniger, denn derzu schräge
Neigungswinkel wirkt nicht nur ungewohnt, sondern sogar
störend. Ferner erscheint das Bild einzelner Buchstaben
dergrößeren Grade fleckig, weiter fehlt der Kursiv die Ruhe,
die sich in der gewöhnlichen Archiv-Antiqua so wohltuend
äußert. Eine halbfette Archiv-Antiqua ergänzt die Garnitur
aufs beste.
Die Schriftgießerei Julius Klinkhardt in Leipzig führt in
einem umfangreichen Musterhefte ihre Saxonia-Schriften
und Neue Römische Schriften vor, die von dem Künstler
Richard Grimm in Leipzig entworfen und nach dessen An¬
gaben in mehreren Garnituren geschnitten worden sind.
Die Schriften zeigen einen ganz eigenartigen, fast strengen,
oder besser gesagt, energischen Zug, der ihnen das Zeichen
einer besonderen Selbständigkeit gibt. Dabei sind die
Schriften klar und deutlich, sohin leicht lesbar. Selbst
die aus kleinen Graden gesetzten Buchseiten des Probe¬
heftes ermöglichen, trotz aller Geschlossenheit, fließendes
Lesen. Die Zeilen und Sätze aus größeren Graden wirken
vornehm und ergeben eine künstlerische Wirkung, die sich
sonst nur bei gezeichneten Schriften bemerkbar macht.
Infolge der vorhandenen halbfetten Garnituren ist die Ver¬
wendbarkeit der Schriften eine sehr große, die noch erhöht
wird durch den von dem Künstler geschaffenen Schmuck
sowie Initialen, die sowohl für einfarbigen wie auch für
mehrfarbigen Druck geeignet sind.
Das neueste Erzeugnis der Schriftgießerei J. G. Scheiter
& Giesecke in Leipzig ist eine in 10 Graden geschnittene
Meier-Schrift, zu der auch passende Initialen sowie ent¬
sprechender Schmuck geschaffen wurde. Der Name des
Zeichners C. F. Meier in Darmstadt, soviel ich weiß ein
Schüler von Professor Peter Behrens, dient zur Bezeich¬
nung der Schrift, die nicht ohne weiteres in eine bestimmte
Gattung eingereiht werden kann, da sie eine eigenartige
selbständige Schöpfung ist. Die Meier-Schrift ist eine Qua¬
drat-Schrift, bei der Rundungen ganz vermieden sind und
insbesondere der horizontale Charakter der Fuß- und Kopf¬
linien stark betont ist. Die Schrift charakterisiert sich so¬
hin als eine selbständige Schöpfung, die aber doch nicht
befriedigen kann, denn manche Buchstabenformen sind nicht
mehr originell, sondern schon etwas bizarr und daher auch
schwer leserlich, so z. B. U N M m O Ö vor allem aber s
und S, die leicht miteinerö verwechselt werden können, wenn
sie alleinstehen. Als Buchschrift, insbesondere in kleinen
Graden ist die Meier-Schrift schwer lesbar, in den größeren
Graden wirkt sie dagegen monumental, wenn auch auf
Kosten der „brutalen Lesbarkeit“. Die Schrift wird sohin
in erster Linie für Akzidenzen in Betracht kommen, was
auch die Firma selbst zugibt, indem sie im Vorwort sagt,
„daß die Meier-Schrift zunächst eine Zier- und Titelschrift
68 *
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PR1NCETON UNIVERSITY
= ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
ist“. Wenn aber in dem Vorwort gesagt wird: „Von diesen
Empfindungen beseelt, erscheint nun auch die vorliegende
Schöpfung des Darmstädter Künstlers, der sich die Aufgabe
gestellt hat, die Lateinschrift in gleich konstruktivem Sinne
zu behandeln, wie es Peter Behrens mit der gotischen
Schriftform getan hat“, so dürfte dies darauf zurückzu¬
führen sein, daß die Behrens-Antiqua erst nach der
Meier-Schrift erschien, der Firma also die Umgestaltung
der Lateinschrift in streng klassische Formen durch Peter
Behrens noch nicht bekannt gewesen sein konnte.
Als Vorproben weiterer Neuheiten derselben Firma dürfte
das Heft Neue Schriften gelten, das Proben der Leipziger
Lateinschrift, der Liane, der schmalen und fetten Schelter-
Antiqua, der Engen halbfetten Schulfraktur, der Salzmann¬
schrift, Othello und schraffierten Fafner enthält. Ich werde
auf diese Schriften nach Eingang der Hauptproben näher
eingehen.
Über die Lessing-Schriften der Firma Wilhelm Wöllmers
Schriftgießerei in Berlin wurde bereits in früheren Heften
berichtet. Von der jetzt vorliegenden Lessing-Kursiv kann
wohl mit Recht gesagt werden, daß sie etwas verspätet
kommt. Sie ist, wie die Antiqua, englischen Ursprungs, paßt
aberfür die deutschen Verhältnisse ebensogut, zumal deren
Schnitt eine so gute Durchführung erfuhr, wie man es selten
findet. Die Schrift ist mit zweierlei Versalien ausgestattet,
wodurch sie sowohl als Zirkularschrift, als auch für Akzi¬
denzzwecke gute Verwendung finden kann. Durch die gleich¬
zeitig herausgegebene Wöllmer-KursivmachtsichdieFirma,
wenn ich so sagen darf, gewissermaßen selbst Wettbewerb.
Es dürfte daher die eine oder die andre der beiden erwähn¬
ten Kursivschriften ihre Entstehung wohl mehr dem Zufall
als dem Bedürfnis zu verdanken haben. Wenn ich einen Ver¬
gleich zwischen beiden Kursivschriften anstelle, dann muß
ich offen gestehen, daß mir die Lessing-Kursiv besser ge-
gefällt als die Wöllmer-Kursiv, der die vornehme gefällige
Ruhe der Kursivschriften mangelt. Der Zeichner der Schrift,
Heinrich Wieynk, hat besonders in die Versalien etwas ge¬
suchte Elemente hineingebracht, die die ganze Schrift un¬
ruhig machen. Die Gemeinen erscheinen mir reichlich
groß, denn sie wirken etwas zu auffällig. Der Schrift fehlt
sohin diejenige Einheitlichkeit des Stiles und Ausgeglichen¬
heit, die wir an der von demselben Künstler geschaffenen
Trianonschrift so sehr schätzen.
Für den Bedarf der Zeitungsdruckereien bringt die
Firma Wilhelm Wöllmers Schriftgießerei noch eine Aus¬
wahl von Messinglinien für Reklameränder, die bei ein¬
fachster Zusammensetzbarkeit doch recht gute Wirkungen
ergeben. Chronos.
Aus den graphischen Vereinigungen.
Altenburg. In der am 28. Oktober 1908 stattgehabten
Sitzung der Graphischen Vereinigung berichtete der Vor¬
sitzende über die Aufgaben und Ziele der Graphischen
Vereinigung und wies darauf hin, daß ein jedes Mitglied
nach Kräften dazu beitragen möge, das Interesse an den
beruflichen Bestrebungen zu fördern. Zur Ausstellung
gelangte eine reichhaltige Sammlung von Akzidenzarbeiten,
wie sie die tägliche Praxis bietet und welche der Chem¬
nitzer Typographische Klub zu einer Rundsendung (Nr.61)
zusammengestellt hatte. Es ist erfreulich, daß in jüngster
Zeit auch die fachtechnischen Vereinigungen in der Pro¬
vinz dem Verband der Deutschen Typographischen Ge¬
sellschaften Material zu Rundsendungen zur Verfügung
stellen.Um so befremdender mußdaherderdenChemnitzer
Arbeiten vom Arbeitsausschuß des Kreises Leipzig beige¬
fügte Bericht auf die kleinen Vereinigungen wirken. Es
wurde allgemein zum Ausdruck gebracht, daß gerade
Arbeiten aus der Praxis, wenn sie auch nicht immer erst¬
klassig sind, stets ein bleibendes und förderndes An¬
schauungsmaterial bieten. — Das bekannte Plakat: Katzen-
zungen(RundsendungNr.45) bildete mit seinen zahlreichen
Farbenskalen einen lehrreichen Gegenstand zum Vergleich
der künstlerischen Wirkung einer löfarbigen Chromolitho¬
graphie mit einem typographischen Dreifarbendruck. —
Der erste technische Abend derjenigen Übungen, die sich
vorwiegend mit dem Werksatz befassen sollen, fand unter
reger Beteiligung am 11. November statt. Herr C. Kunze
führte in einem gut durchgearbeiteten Bericht in die
Elementarbegriffe der Satztechnik ein. -o-,
Berlin. In der ersten Sitzung, die die Typographische
Gesellschaft im Monat Oktober abhielt, sprach Herr
Dr. Af. Klein über: Natur- und Kunstgenuß. Er erläuterte
den Begriff des Schönen, das immer nur in Beziehung zum
Menschen in die Erscheinung trete, indem die Auffassung,
die der einzelne Mensch von den Natureindrücken gewinne,
diejenigen Empfindungen auslöse, die wir schön nennen.
Hieraus erkläre sich die verschiedenartige Auffassung,
welche über den Begriff des Schönen herrsche. Durch
naheliegende Beispiele wußte der Vortragende auch seine
rein ästhetischen Ausführungen vollständigzu machen.—
In der folgenden Sitzung waren die der Gesellschaft in
letzter Zeit zugegangenen Schriftgießerei-Neuheiten aus¬
gestellt. Herr Georg Wagner hielt einen Vortrag über diese
Erzeugnisse. Hinsichtlich der umfangreichen Gesamt¬
proben sei es fraglich, ob diese in der Regel eine lange
Herstellungszeit erforderndenVeröffentlichungen noch zeit¬
gemäß und zweckentsprechend seien. Bei der sich über¬
stürzenden Produktion erscheine es praktischer, die Neu¬
heiten in gleichartig ausgestatteten Heften erscheinen zu
lassen. Die Versuche, Fraktur und Antiqua in sogenannten
Bastardschriften zu vereinigen, scheine aufgegeben zu sein,
denn es werde auf beiden Gebieten Neues geschaffen. Bei
den Ornamenten könne beobachtet werden, daß das rein
Künstlerische nicht die weiteste Möglichkeit der Anwen¬
dung biete. Wenn man die persönlich gehaltenen Vignetten
der letzten Zeit einmal angewendet gesehen habe, erkenne
man sie sofort wieder und werde sie leicht als veraltet
ansehen. Der Redner ging dann auf die einzelnen P r ^ en
näher ein und würdigte sie sowohl ihrer künstlerischen ir
kung als auch der praktischen Verwendbarkeit nach. Den
Schluß der Sitzung bildeten Verhandlungen über den Vor
bereitungskursus für das Landschaftszeichnen. Nachdem
sich bereits 20 Teilnehmer gemeldet, wurde beschlossen,
am 6. November unterderLeitungdes Herrn Georg Wagner
damit zu beginnen. — Am 3. November 1908 führte err
AlbertStolzenwald ein ihm gesetzlich geschütztes Verfahren
zur Beschleunigung des Handsatzes vor. Es besteht in
der Benutzung von aus haltbarem Material hergeste ten
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Einlagen in die Fächer der Schriftkästen, die der Erfinder
Eilgriffböden nennt. Dieselben sind mit kreisrunden Ver¬
tiefungen versehen, deren Durchmesser geringer ist, als
die Länge der Buchstaben. Dadurch wird bewirkt, daß die
in der Vertiefung liegenden Typen den Rand der Höhlung
stets auf einer Seite überragen und sich darum vom Setzer
leicht ergreifen lassen. Auch die Staubansammlung wird
bei Anwendung der Eilgriffböden vermieden; mit einem
angefeuchteten Pinsel läßt sich der Staub aus dem ziem¬
lich leer gesetzten Kasten leicht entfernen. Durch das
Verfahren, das z. B. in der Buchdruckerei Rudolf Mosse
von zahlreichen Setzern benutzt wird, soll eine Mehrleistung
von 20% erzielt worden sein. Im weitern Verlauf der
Sitzung hielt Herr Georg Wagner einen Vortrag über die
neueren Schriftgießerei-Erzeugnisse. Nach seinen Be¬
obachtungen ist die Periode der strengen Schrifteinheit in
der Drucksachen-Ausstattung bereits ins Wanken gekom¬
men, indem vielfach verschiedenartige Schriftcharaktere
zusammen verwendet werden. — Am 17.November sprach
Herr Kemmel über: Chromolithographie, zu welchem
Zwecke er die Farbenskalenabzüge, fertige Drucke und das
in Ölmalerei ausgeführte Original eines zwölffarbigen
Reklamebildes ausgestellt hatte. An der Hand der Aus¬
stellung erläuterte er die Herstellung dieser im wesent¬
lichen in Kreidemanier ausgeführten Bilder. Die Feder¬
manier wurde praktisch veranschaulicht, indem Herr Georg
Wagner auf einen an Ort und Stelle präparierten Stein eine
flüchtige Skizze fertigte und sodann einige Abzüge davon
machte. Herr Wilhelm Boldt schilderte sodann die Cito¬
plate und ihre Arbeit. Er wies darauf hin, daß im modernen
Zeitungsbetriebe mit jeder Minute gegeizt werden müsse,
daher auch alle Mittel angewendet werden müßten, die da¬
zu dienen könnten, den Redaktionsschluß hinauszuschieben.
Diesem Zwecke diene auch die Citoplate zur Herstellung
der Rundstereotypieplatten. Ein etwa 2 m hoher Kessel,
welcher etwa 4500 Kilo Metall faßt, mit einem Rührwerk
und einem Reinigungsrost versehen ist, trägt an drei Seiten
einen Gießapparat. Durch leichten Hebeldruck öffnet sich
der Gießmund, das Metall fließt durch den eigenen Druck
in die mit der Matrize versehene Gußschale und wird
durchdas den Hohlraum desGießinstrumentes umfließende
Wasser sofort abgekühlt. Dann wird die Matrize von der
Platte losgelöst, das Instrument wieder geschlossen und
zum Guß einer zweiten Platte geschritten, während die
erste automatisch weiter bearbeitet wird, bis sie für die
Rotationsmaschine fertig ist. Die Citoplate liefert in der
Minute sechs Platten. Da das Metall nur eine Temperatur
von 300 Grad zum Guß erfordert, lassen sich zehn bis
zwölf Platten aus einer Mater gießen. Die Citoplate er¬
fordert zur Bedienung sechs Arbeiter, leistet aber das
Doppelte von dem, was mit dem gewöhnlichen Verfahren
erreicht werden kann. Zum Schluß wurden einige druck¬
technische Fragen von Herrn Obermaschinenmeister
Werra beantwortet und hervorgehoben, daß man gegen das
Rupfen des Papiers beim Druck bunter Farben nicht mit
dünnem Firnis, sondern mit Schweineschmalz geschmei¬
diger machen und die Farben stets erst mit starkem Firnis
gehörig verreiben möge; Tonfarben könne man mit Misch¬
firnis bester Qualität verdünnen, ohne daß die Nuance der
Farbe dadurch beeinflußt werde. Vorsicht sei natürlich bei
allen diesen Hantierungen geboten, damit man des Guten
nicht zu viel tue. B.
Braunschweig. Am 11. Oktober 1908 veranstaltete die
Typographische Vereinigung eine Ausstellung von Skizzen,
Zeichnungen, Entwürfen, Drucksachen,Tonplattenschnitten
verschiedenen Materials, Zinkätzungen usw., alles Arbeiten,
welche von Mitgliedernder Gesellschaft seit Bestehen der
Vereinigung angefertigt worden sind. Durch die Ausstel¬
lung, die von dem Vorsitzenden mit einer Ansprache eröff¬
net wurde, sollte Berufsangehörigen und Freunden ein
Überblick über die geleistete Arbeit und das technische
Können der Mitglieder gegeben werden. Eine Vervoll¬
ständigung erfuhr die Schaustellung durch eine Sammlung
moderner Akzidenzarbeiten, die von dem Deutschen Buch¬
gewerbeverein überlassen worden war. — Am 11.Oktober
fand ein gemütliches Beisammensein statt, bei dem auch
die Namen derjenigen Herren bekannt gegeben wurden,
die aus der Beteiligung an dem letzten Preisausschreiben
siegreich hervorgegangen waren. Es waren dies: I. Preis
W. Thies, II. Preis Fr. Ratz, III. Preis H. Piepenschneider,
IV. Preis E. Piepenschneider, V. Preis A. Witte, VI. Preis
H. Albrecht. — Am 18. Oktober erfolgte ein Ausflug nach
Schöningen, wo Herr Rätz auf Wunsch der dortigen Berufs¬
angehörigen einen Vortrag hielt über: Johannisfestdruck¬
sachen. — Am 20. Oktober wurde das von seiten des
Arbeitsausschusses der Leipziger Typographischen Ver¬
einigung über das letzte Preisausschreiben der Typogra¬
phischen Vereinigung Braunschweig (Umschlagtitel) ein¬
gegangene Gutachten verlesen, das allseitige Anerkennung
fand. — In den am 13., 20. und 27. November stattgehabten
Sitzungen lagen Schriftgießereineuheiten aus, die zum Teil
von Herrn HTtte, zum Teil von dem Vorsitzenden besprochen
wurden. Letzterer benutzte diese Gelegenheit, um am
27. November an der Hand vieler Beispiele zu schildern,
wie eine gute stilgerechte Arbeit entsteht und wie es mög¬
lich ist, große Bilddrucke auf der Tiegeldruckpresse her¬
zustellen. Auch die Anfertigung von Faltschachteln, bei
welchen Prägen, Drucken, Stanzen und Ritzen in einem
Arbeitsgang vor sich geht, wurde erläutert. Allseitige An¬
erkennung fanden die Ferrotypen, die unverwüstlich sind
und deren Anschaffung für Druckereien trotz deren hohen
Preises nur vorteilhaft sein kann. Der Bezirksverein des
Verbandes der Deutschen Buchdrucker hat die Typogra¬
phische Vereinigung mit der Ausarbeitung eines Preisaus¬
schreibens zur Erlangung von Entwürfen zu einem Brief¬
kopf beauftragt. Das Ergebnis dieses Wettbewerbes soll
von der Typographischen Gesellschaft in München be¬
wertet werden. — Von der Anfertigung einer Neujahrskarte
für die Vereinigung wurde für dieses Jahr abgesehen, da
die Mitglieder anderweitig stark beschäftigt und die Kosten
für die Herstellung der Karten zu erheblich sind. Hd.
Bremen. Der Typographische Klub besichtigte am 16.0k-
tober 1008 die Werkstätten für Kunst im Handwerk, wobei
mancher Hinweis auf geschickte räumliche Ausnutzung
und sinnreiche Dekoration gegeben wurde. — Am ^.Ok¬
tober wurden die Johannisfestdrucksachen einer wieder¬
holten Besprechung unterzogen. — Am 31. Oktober waren
die Mitglieder zu einem Vortrage eingeladen, den Herr
Professor von Weißenbach aus Leipzig im Fachphoto¬
graphenverein hielt und der das Thema: Die Photographie
in natürlichen Farben, unterstützt durch eine größere An¬
zahl von Lichtbildern, oft humorvoll behandelte. — Am
folgenden Tage sprach Herr Professor von Weißenbach im
Typographischen Klub über die Herstellung des Buches
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
bei den Japanern, wobei eine wirkungsvolle Ausstellung
den Vortrag wesentlich ergänzte. — Am 18. November hielt
Herr Kleye aus Leipzig einen Vortrag über: Die Papier¬
fabrikation und ihre Entwicklung. Anfangend bei den sich
auf Stein befindlichen Überlieferungen aus der Vorzeit
schilderte er die Herstellung des Papiers aus der Papyrus¬
staude, behandelte alsdann die nach und nach dazu ge¬
kommenen Ersatzstoffe, deren bedeutendste heute Hadern,
Holzschliff, Zellulose und Stroh sind. Die Fabrikation, die
sich heute die vollkommensten Maschinen zunutze macht,
wurde durch eine große Anzahl von Lichtbildern zur An¬
schauung gebracht. R.
Breslau. In der am 7. Oktober 1908 stattgefundenen
Sitzung der Typographischen Gesellschaft hielt Herr Franz
Spickenheuer einen Vortrag über: Die Berechnung von
Drucksachen nach dem Minimal-Druckpreistarif. Eine
Wiederholung der ausführlichen Darlegungen würde hier
zu weit führen, es sei nur festgestellt, daß der Vortragende
es mit Geschick verstand, eine gute Belehrung über das
so schwierige Gebiet der Drucksachenberechnung zu geben.
Nach diesem Vortrag berichtete Herr Schultes über eine
SammlungGelegenheitsdrucksachen, die dem Johannisfest-
drucksachen-Austausch beigegeben waren. — In derSitzung
am 21. Oktober sprach Herr C. Schmidt über: Die Arbeiten
der k. k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien.
Er bedauerte zunächst, der allgemein günstigen Beurteilung
dieser Arbeiten nicht zustimmen zu können, hauptsächlich
wegen deren oft sehr unwahrscheinlich wirkenden Her¬
stellung. Bei fast keiner Arbeit sei auf die praktische Ver¬
wendbarkeit Rücksichtgenommen, selbst die elementarsten
Regeln, die jeder Lehrling beherrschen solle, seien vielfach
außer acht gelassen worden. Die Zeit zur Anfertigung
tadelloser Arbeiten sei aber reichlich vorhanden gewesen,
das bewiesen die mehrfarbigen Druckarbeiten, unter denen
sich auch sehr gute befänden. An den Vortrag knüpfte sich
ein kurzer Meinungsaustausch, in dem bemerkt wurde, daß
die Arbeiten doch Schülerarbeiten seien, daher nicht zu
streng beurteilt werden dürften. Nach Bekanntgabe ver¬
schiedener Eingänge wurden die gedruckten Bedingungen
für den Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen zu einer
Neujahrskarte für die Gesellschaft verteilt. Die Bewertung
der eingehenden Arbeiten hat die Typographische Gesell¬
schaft in München übernommen. — Am 4. November be¬
sprach Herr C. Schmidt eine von ihm zusammengestellte
Rundsendung, die die Bezeichnung führt: Arbeiten des
Kreises Breslau des Verbandes der Deutschen Typogra¬
phischen Gesellschaften. Ein Teil dieser Arbeiten war be¬
reits seiner Zeit während des Verbandstages in Berlin aus¬
gestellt gewesen. An der Rundsendung sind außer Breslau,
das sowohl qualitativ wie quantitativ an erster Stelle steht,
noch beteiligt: Görlitz, Liegnitz, Zittau, Bautzen, Glogau,
Grünberg, Brieg, Kattowitz und Neiße. Herr Winkler be¬
richtete sodann eingehend über die in letzter Zeit von den
Schriftgießereien herausgebrachten Neuheiten, wobei er
dem regen Schaffen der Schriftgießer lebhafte Anerkennung
zollte. — Am 18. November hielt Herr Oberlithograph Bock
einen sehr lehrreichen Vortrag über das Thema: Wie ent¬
steht eine farbige Lithographie? Er gab einleitend eine
sehr anschauliche Schilderung von der Arbeitsweise des
Lithographen, erklärte hierauf die Übertragung der Zeich¬
nung auf Stein mittels Durchpausens, die Vornahme der
Korrektur und erläuterte, in welchen Fällen die Feder¬
manier praktischer ist als die Kreidemanier. An der Hand
vorhandener Farbenabzüge wurde alsdann die Entwicklung
eines zwölffarbigen Plakates und einer neunfarbigen Speise¬
karte gezeigt. Herr Bock erklärte sodann an ausgestellten
Plakaten noch die verschiedenen bei der Herstellung an¬
gewendeten Verfahren. G-e.
Frankfurt a. M. Am 3. Oktober fand die fünfte General¬
versammlung der Typographischen Gesellschaft statt. Aus
dem vom Vorsitzenden, Herrn Hoffmeister, gegebenen
Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß im verflossenen
Vereinsjahr ein außerordentlich reichhaltiges Programm
erledigt wurde. Es fanden außer einer Generalversamm¬
lung 40 Vereinsabende statt. Die Geschäfte des Vorstandes
wurden in 19 Sitzungen erledigt. Außer zahlreichen Be¬
richten über Rundsendungen, Arbeiten aus der Praxis usw.
wurden 16 Vorträge gehalten. Ferner fand ein vom Vor¬
sitzenden geleiteter Skizzierkursus statt. Mehrere Preisaus¬
schreiben wurden erlassen und Ausflüge veranstaltet. Der
Kassenbericht verzeichnete eine Einnahme von M 1705.37,
eine Ausgabe von M 1306.62, mithin ein Kassenbestand
von M 398.75. Die Vorstandswahl hatte folgendes Ergeb¬
nis: H. Hoffmeister I. Vorsitzender; C. Fritz, II. Vorsitzen¬
der; H. Kühn, Kassierer; A. Ahrndt, korrespondierender
Schriftführer; M. Holz, protokollierender Schriftführer;
C. Claußen, Bibliothekar; A. Petersen, Archivar; G. Mori
und A.Viertel, Beisitzer. Außerdem wurde die Preisrichter¬
kommission und der Kreisausschuß gewählt. Von den ein¬
gegangenen Anträgen wurden folgende durch einstimmigen
Beschluß angenommen: 1. Der Abonnementsbetrag für
das Archiv für Buchgewerbe ist für jedes Vierteljahr im
voraus zu entrichten; 2. für die jeweiligen Vorstands¬
sitzungen wird den Vorstandsmitgliedern eine Entschädi¬
gung gezahlt, die von der Generalversammlung festgesetzt
wird. — Am 9. Oktober behandelte Herr AL Wöller das
Thema: Mehr setzen, weniger bauen. Ausgestellte muster¬
gültige und einige mittelst Linienkonstruktion hergestellte,
nach der Meinung des Vortragenden nicht gut gesetzte
Arbeiten trugen zum Verständnis des Gesagten wesentlich
bei. Seine vortrefflichen Ausführungen gipfelten vor allem
in der nicht häufig genug zu wiederholenden Forderung: die
Schrift bei jeder Drucksache als die Hauptsache gelten zu
lassen und alle Mätzchen, wie Zeilenfüller, überflüssige
Linien usw. zu vermeiden.— Papier, dessen Ursprung, Her¬
stellung und Verwendung, lautete der am 13. November
gehaltene Vortrag des Herrn H. Gläßner. Dieses Thema
ist für zwei Abende bestimmt, in der Zwischenzeit, und
zwar am 18. November, wurde die Papierfabrik in Bensheim
besucht.— Das diesjährige fünfte Stiftungsfest feierte die
Gesellschaft am 7. November in Gestalt eines gemütlichen
Tanzkränzchens nebst Gesangs- und deklamatorischen Vor¬
trägen. — Am 27. November wurde der in den Verbands¬
mitteilungen erschienene, von Herrn Schmiedchen ver¬
faßte Artikel: Zeitfragen, sowie die von Herrn Westheim
im Werkblatt veröffentlichte Erwiderung besprochen, wo¬
bei die Anwesenden durchaus den Standpunkt des Herrn
Schmiedchen vertraten. Der diesjährige Wettbewerb zur
Erlangung von Entwürfen zu einer Neujahrskarte brachte
leider kein gutes Ergebnis. Es waren nur 14 Entwürfe ein¬
gegangen, deren Bewertung die Vereinigung Concordia in
Köln übernommen hat. Bemerkt sei hier, daß sich bei
der Beteiligung an Preisausschreiben eine gewisse Flau¬
heit zeigt, an der wohl die vielen, eigentlich in etwas
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
übertriebenem Maße veranstalteten Ausschreiben ein¬
zelner Fachzeitschriften schuld sein mögen. — Die
Typographischen Gesellschaften in Erfurt, Flensburg,
Karlsruhe, Kassel und München haben die Typogra¬
phische Gesellschaft in Frankfurt a.M. um Bewertung der
eingegangenen Entwürfe für ihre Neujahrskarten gebeten.
Diesem Wunsch wurde durch Erstattung eingehender Be¬
richte entsprochen. -ss-,
Glogau. Die Typographische Vereinigung hielt am 21. Ok¬
tober 1908 eine ordentliche Monatsversammlung ab, nach¬
dem in den beiden vorhergehenden Monaten keine Ver¬
sammlung stattgefunden hatte. Kassierer Otto erstattete
den Kassenbericht für das III. Vierteljahr, der an Ein¬
nahmen M 103.43, an Ausgaben M 37.40 auswies, so daß
ein Bestand von M 66.03 vorhanden war. Der Vorsitzende
Seile berichtete hierauf über das Ergebnis des Wett¬
bewerbes zur Erlangung von Entwürfen zu einem Briefkopf.
Die eingegangenen 22 Arbeiten waren von der Typogra¬
phischen Vereinigung Leipzig bewertet und eingehend be¬
urteilt. Die Preise kamen wie folgt zur Verteilung: Panse
I. Preis, Kaiser II. Preis, Böhm III. Preis; Trostpreise:
Stark, Lindner und Gatz. Die Versammlung beschloß den
mit dem ersten Preise ausgezeichneten Entwurf ausführen
zu lassen. Hierauf wurde der Inseratenwettbewerb der
Buchdruckerwoche besprochen, wobei die entfaltete große
Arbeit unumwunden anerkannt, jedoch auch der Wunsch
ausgesprochen wurde, daß derartig umfangreiche Rund¬
sendungen in kleineren Abteilungen in Umlauf gesetzt
werden möchten, weil dann die Übersichtlichkeit eine
bessere wäre. K.
Hamburg. Am 2. September 1908 brachte nach Be¬
endigung der Ferien die Typographische Gesellschaft die¬
jenigen Entwürfe zur Ausstellung, welche infolge des er¬
lassenen Wettbewerbs zur Erlangung eines Exlibris für die
Gesellschaft eingegangen waren. Die Bewertung der Ar¬
beiten hatte die Typographische Gesellschaft München
übernommen; die drei Preise fielen an Herrn Albert Groth,
lobende Erwähnungen erhielten die Herren A. de Lemos,
Paul Kempin und Karl Trenkner. — Am 9. September 1903
sprach Herr Friedrich Bauer über: Die normale Bildstärke
der Messinglinien. Die Ausstellung des Küttnerschen
Johannisfestdrucksachen-Austausches wurde von den Mit¬
gliedern mit Interesse besichtigt. Die Besprechung der
einzelnen Arbeiten erfolgte durch Herrn F. Preilipper . —
Die Mitgliederversamlung am 7. Oktober brachte die Neu¬
wahl der zwei Ämter des Vorstandes; wieder gewählt wur¬
den die Herren G. Horstmann, A. de Lemos und W. Prehm.
Gleichzeitig waren ausgestellt Münchener Schülerarbeiten
und eine Rundsendung desVerbandes derDeutschenTypo-
graphischen Gesellschaften. Der Vortrag des Herrn Otto
Oertel, Bremen, über: Die verschiedenen Reproduktions¬
verfahren hatte eine große Anzahl Mitglieder nach dem
Vortragssaale des Museums gelockt; leider wurden die
gehegten Erwartungen nicht erfüllt, denn der Vortrag war
alles andre als interessant. Eine Menge trocknen Fach¬
wissens, aber kein Erklären, wie nun tatsächlich die ver¬
schiedenen Reproduktionsverfahren ausgeführtwerdenund
auf welcher Grundidee sie beruhen. Es wäre doch sehr
zu empfehlen, daß die typographischen Gesellschaften
etwas weniger rosig über Vorträge berichten, die nicht
weiter zu empfehlen sind. — Ein neuer Kursus im typo¬
graphischen Skizzieren wurde am 21. Oktober unter der
Leitung des Herr Karl Trenkner begonnen. Die Übungen
in der Kalkulation von Drucksachen wurden fortgesetzt.
— Die neuen Unterrichtskurse für Typographen an der
Kunstgewerbeschule begannen am 13. Oktober, der Unter¬
richt wird in der bisherigen Weise fortgeführt, im Laufe
der nächsten Monate wird jedoch schon die neu eingerich¬
tete Schuldruckerei in Betrieb genommen, um auch prakti¬
sches Arbeiten zu ermöglichen. — Anfangs November
wurde die Einrichtung der Raster-Phönix-Companie besich¬
tigt, wobei den Mitgliedern gezeigt wurde, wie jeder Buch¬
drucker mit dem Raster-Phönix-Apparat sich eine Auto¬
typie selbst in kurzer Zeit hersteilen könne. Gewiß wird es
bei einiger Übung gelingen, brauchbare Ätzungen herzu¬
stellen, jedoch glaube ich nicht, daß die Qualität dieser
Autos denen der Ätzanstalten an Güte gleichkommt. — Am
2. November hielt Herr Professor Freiherr H.von Weißen*
bach aus Leipzig einen Vortrag über: Die Photographie der
natürlichen Farben, der durch eine große Anzahl farben¬
prächtiger Lichtbilder erläutert wurde. — Die große, all¬
jährlich am Bußtag von der Typographischen Gesellschaft
veranstaltete Ausstellung brachte die Inserat-Entwürfe der
Kolberger Anstalten für Exterrikultur und etwa 100Entwürfe
einer Si-Si-Annonce, welche aus einem Wettbewerb der
Gesellschaft hervorgegangen waren. Preise erhielten: Für
Hochformat: I. Preis Alb. Groth, Il.Preis H.Klutke, III. Preis
P. Kempin, IV. Preis H. Garstens; für Querformat: I. Preis
H. Klutke, Il.Preis A. de Lemos, III.Preis H. Carstens und
4. Preis G. Horstmann. Das Preisrichteramt bestand aus
den Herren: Schuback und Hindorff, Direktoren der Si-Si-
Werke, Kunstmaler H. Salzmann, Friedr. Bauer und
E. Brandt. Fp.
Hannover. In der am 6. Oktober 1908 abgehaltenen
Sitzung der Typographischen Vereinigung hielt Herr Alberti
einen Vortrag über: Setzersünden, der sehr interessant
und lehrreich war. — Am 9. Oktober 1908 wurde das
Stiftungsfest in Form eines Herrenkommerses gefeiert
und am Tage darauf die I. Niedersächsische Photographi¬
sche Ausstellung im Künstlerhause besucht.— Am 20. Ok¬
tober folgten die Mitglieder einer Einladung des Drucker¬
und Maschinenmeister-Vereins zu einem Vortrage über:
Lichtdruck. — In der Sitzung am 27. Oktober besprach
Herr Alberti die Johannisfestdrucksachen, wobei er zum
Schluß hervorhob, daß neben einer Reihe guter Arbeiten
ein großer Teil wenig lobenswerter Arbeiten vorhanden sei.
In der Absicht, etwas ganz besonders Schönes zu machen,
geschehe in der Regel des Guten zu viel, was jeder Druck¬
sache zum Nachteil gereiche. Einfache, schöne Leistungen
seien sehr wenig in der Sammlung zu finden. Hierauf
sprach Herr Wandelt noch über Plakatsatz und seine
Schwierigkeiten.—Am 5.Novemberwurde mitdemZeichen-
unterricht angefangen, der mit dem Quellstift beginnt. An
demselben Abend wurde ein Wettbewerb zur Erlangung
von Entwürfen für eine Neujahrskarte ausgeschrieben, die
mit gegebenem Material in drei Farben ausgeführt werden
soll. — In der Sitzung am 12. November lagen drei Rund¬
sendungen desVerbandes der Deutschen Typographischen
Gesellschaften vor, und zwar: Arbeiten der Fortbildungs¬
schule München, Diplome der Typographischen Gesell¬
schaft Hamburg und Inserate der Berliner Typographischen
Gesellschaft, die eingehend besprochen wurden. Bei den
Hamburger Diplomen konnte festgestellt werden, daß
neben einer Anzahl guter Leistungen ein großer Teil den
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Anforderungen nicht entsprach, die an ein Diplom gestellt
werden müssen. -t-.
Leipzig. In der Typographischen Gesellschaft sprach am
7. Oktober Herr Winter über: Die Entstehung, Zweck und
Herstellung von Zeitungen. Geschriebene Flugblätter,
meist religiösen Inhaltes, seien als die Vorläufer der Zei¬
tungen anzusehen. Die älteste bekannte gedruckte Zeitung
stamme aus dem Jahr 1630. Allmählich sei die Politik zur
Geltung gekommen, auch der Handel habe sehr bald die
Macht der Presse erkannt und benutzt. Durch die Fort¬
schritte der Maschinen- und Papierindustrie sei es mög¬
lich geworden, die heutigen umfangreichen Tageszeitungen
herzustellen. Eine großartig organisierte Redaktion in Ver¬
bindung mitTelegraphundTelephonsorge fürdie schnellste
Berichterstattung. Hieran schloß sich eine interessante
Schilderung einer modernen Zeitungssetzerei, der Her¬
stellung der Rundplatten und des Rotationsdruckes. —
Herr Schwarz gibt noch eine geschichtliche Erklärung
über: DerTheuerdank (Theuerdanktype). Das Werk ist um
das Jahr 1510 das bedeutsamste typographische Druck¬
erzeugnis. An Stelle der gotischen Type ist zum erstenmal
die Kanzleischrift, die Vorläuferin der Fraktur, angewendet.
— Am 11. Oktober 1908 fand ein gemeinschaftlicher Be¬
such des städtischen Museums statt, wobei Herr Hofrat
Dr. Th. Schreiber in bereitwilligster Weise die Führung
übernommen hatte. — Am 21. Oktober hielt Herr Süße¬
speck einen Vortrag über: Wie üben wir Hand und Auge
unsrer Lehrlinge, um brauchbare Illustrationsdrucker zu
erziehen, der ein Bild gab, in welcher Weise an der Buch¬
druckerlehranstalt der Fachunterricht erteilt wird. Der
Zeichenunterricht und die Kenntnis der Farben werde als
unerläßlich notwendig für den Drucker angesehen. In der
Behandlung der Klischees werde Anleitung gegeben, auch
die verschiedenen Zurichteverfahren in entsprechender
Weise gelehrt, da die zeitraubenden alten Zurichteverfahren
allmählich verschwänden. Der ganze Lehrgang werde
durch praktische Übungen unterstützt. — Über die Stärke
der Linienbilder gab Herr Schwarz noch eine technische
Erklärung und streifte dabei die Beschlüsse der Versamm¬
lung der Schriftgießereibesitzer. — Am 26. Oktober begann
unter Leitung des Herrn Delitzsch der Unterrichtskursus
im Schriftschreiben, der in der Kgl. Akademie für graphi¬
sche Künste und Buchgewerbe stattfindet. — Am 31. Ok¬
tober fand eine Studienfahrt nach Altenbach bei Wurzen
zur Besichtigung der dortigen Chamottewerke statt, der
sich eine prächtige Waldwanderung anschloß. — Am 4. No¬
vember sprach Herr Lange über: Der Buchtitel einst und
jetzt. Er ging in seinen Ausführungen bis zu der Erfindung
der Buchdruckerkunst zurück, so daß die Mitglieder mit
der Entwicklung des deutschen Buchtitels von den Anfängen
bis zum heutigen modernen Buchtitel bekannt wurden.
Die ersten Bücher waren ohne jeden besonderen Titel,
bis der Drucker Erhärt Ratdolt (1475—85) seinen Werken
einen Titel voransetzte, der die Form eines venetianischen
Spitzglases hatte, da nach der Meinung Ratdolts und dem
Mangel an Auszeichnungsschriften überhaupt dem Titel
eine abhebende, für das 16. Jahrhundert dann typisch ge¬
wordene Form gegeben werden mußte. Später begann man
den Titel in Gruppen zu zerreißen und ihn in zwei, drei
und mehr Gliederungen zu zeigen. Feste Regeln waren
unbekannt. Der Titel war den Wandlungen verschiedener
Geschmacksrichtungen unterworfen, bis in den 70erjahren
tüchtige Fachmänner für den Titelsatz bestimmte Grund¬
sätze aufstellten. Nach einer kurzen Erklärung der Titel¬
regeln ging der Vortragende zum Titel der Modernen über
und zeigte an Beispielen, wie Schriftenwahl, Einteilung und
Gruppierung, vorsichtige Verwendung von Zier- und Füll¬
stücken, Sperrung usw. die gestellten Anforderungen an den
modernen Titelsatz unterstützen. Eine Ausstellung alter
und neuer Buchtitel ergänzten den Vortrag. — Am 18. No¬
vember fand ein gemeinsamer Besuch des Deutschen Buch¬
gewerbehauses zur Besichtigung der Akzidenz-Ausstellung
und der Ausstellung von Notentiteln statt. Herr Dr. Will¬
rich hatte zu beiden Ausstellungen mit einem erklärenden
Vortrage die Führung übernommen. -r-.
Leipzig. In der am 7. Oktober 1908 stattgehabten Sitzung
der Typographischen Vereinigung war der Küttnersche
Drucksachenaustausch des Jahres 1908, meist Johannis¬
festdrucksachen enthaltend, ausgestellt, um von Herrn
F. Ziemke besprochen zu werden. Die Arbeiten waren in
vier Gruppen geteilt, die eine bessere Übersicht ermög¬
lichten. So enthielt die erste Gruppe die schönsten Ar¬
beiten, unter denen die Drucksachen mehrerer großer Orts¬
vereine fehlten, darunter auch Leipzig, das als tonangebende
Druckstadt bekannt ist. Von kleineren Vereinen konnte
das Gegenteil behauptet werden. Im großen und ganzen
war aber der Besprecher mit der beigefügten Kritik der
Herren Wetzig und Fiedler einverstanden. Weiter war
noch ausgestellt die Rundsendung 81 des Verbandes der
Deutschen Typographischen Gesellschaften, enthaltend
Glogauer Drucksachen, die von Herrn Dreßler besprochen
wurden, der betonte, daß diese Sendung eigentlich zu Un¬
recht den Namen Glogauer Drucksachen führe, denn die
Arbeiten seien zum großen Teil aus einer Druckerei, im
übrigen aber als Beilagen zu den Monatsheften für das
graphische Kunstgewerbe schon längst bekannt. Der bei¬
gefügten Beurteilung der Typographischen Gesellschaft
Leipzig schließe er sich völlig an. Ferner waren noch die
Entwürfe zu einem Umschlag der Typographischen Ver¬
einigung Braunschweig ausgestellt, die von der technischen
Kommission bewertet worden waren.—Ein Wilhelm Busch-
Abend war am 21. Oktober den Mitgliedern zur Abwechs¬
lung geboten worden. Herr Mylau interpretierte, nach
voraufgegangener kurzer Schilderung der Person Wilhelm
Busch, eines von dessen besten Werken, Maler Klecksel,
wobei die Zeichnungen durch Lichtbilder wiedergegeben
wurden. — Am 4. November sprach Fräulein Hildegard
Heyne , wissenschaftliche Hilfsarbeiterin am Museum für
bildende Künste in Leipzig, über: Zeitgeist und Stil; eine
Entwicklung der Kunst von den Anfängen bis zur Jetztzeit
in Parallele gesetzt zur Kultur. In außerordentlich gemein¬
verständlicher Weise verstand Fräulein Heyne das lehr¬
reiche Thema zu behandeln, das durch eine große Zahl
trefflicher Bilder noch verständlicher gemacht wurde. Am
12. November hielt Herr Fritz Raetz aus Braunschweig
einen Vortrag über: Skizzieren und Kolorieren. Mit dem
Gauvorstand Leipzig wurde eine Verständigung dahin ge¬
troffen, daß bei Vergebung von besseren Drucksachen
die Typographische Vereinigung zu Rate gezogen wird,
damit von Leipzig aus nur gute Drucksachen in die Welt
gehen. gkr.
Magdeburg. In der Oktobersitzung der Graphischen
Gesellschaft kam eine hochinteressante Sammlung von
Drei- und Vierfarbendrucken zur Auslage, welche durch
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ihre farbenprächtige und naturgetreue Wiedergabe allge¬
mein gefielen. Der über diese Ausstellung erstattete Be¬
richt erging sich in Betrachtungen über die Schwierig¬
keiten des Drei- und Vierfarbendruckes insbesondere in
drucktechnischer Richtung, woraus sich ergibt, daß es
eigentlich nur den Spezialanstalten Vorbehalten bleibt, den
Anforderungen an wirklich ansprechende Ergebnisse auf
diesem Gebiete genügen zu können. Der sich anschließende
Meinungsaustausch förderte noch manche beherzigens¬
werte Winke aus der Praxis zutage, womit dieser wichtige
Gegenstand verlassen wurde. Der Vorstand regte an, in
den Sitzungen ab und zu eine Besprechung von Arbeiten
des täglichen Gebrauchs zu pflegen, um einen den Vereins¬
bestrebungen nützlichen Meinungs- und Gedankenaus¬
tausch herbeizuführen. — In der Sitzung am 6. November
wurde seitens des Vorstandes zunächst auf das Preis¬
ausschreiben zur Gewinnung einer Neujahrskarte hin¬
gewiesen und zur regen Teilnahme aufgefordert. Die Be¬
dingungen sind folgende: Höchstens zweifarbig, Format
zweckentsprechend, Briefform zulässig; Text wie üblich.
Hierauf verbreitete sich der Bibliothekar in einem Berichte
über eingegangene Gießereineuheiten, eine Rundsendung
und neueste Fachliteratur, dabei mancherlei für die Fach¬
genossen Nützliches aufgreifend. Mit vielem Interesse
folgten die Anwesenden alsdann einer Aussprache über
einheitliches Linienbild. — Am 28. November behandelte
Herr Schierbaum den Werdegang von Kupferniederschlägen
in anregender und belehrender Weise und beleuchtete hier¬
bei die Fortschritte, wie solche im Bereich der Galvano¬
plastik durch die Schaffung der Bleimater und die damit ver¬
bundene schnellere Herstellung der Platten so deutlich
zum Ausdruck kommen. — Der Kassenbericht für das
III. Vierteljahr bewies aufs neue die eingetretene Stabilität
der Vereinigung. E. K.
Mannheim. In der Typographischen Gesellschaft Mann¬
heim- Ludwigshafen hielt am 3. November 1908 Herr
Fr. Steffen einen Vortrag über: Stereotypie und Akzidenz, in
dem er an der Hand eigener Probleme und vieler prakti¬
scher Erfahrungen alle Anwesende mit dem wichtigen Ge¬
biet vertraut machte und ausführlich den Nutzen und
Wert der Stereotypie für die Akzidenz schilderte. Der
wieder eingeführte Fragekasten erfreut sich reger Be¬
nutzung und bringt damit lehrreichen Stoff zur weiteren
Verarbeitung. — Die Neuheitenproben verschiedener
Schriftgießereien wurden ausgestellt und besprochen. Bei
den Kursen für Skizzieren, Kolorieren und Tonplatten¬
schneiden ist eine rege Beteiligung der Mitglieder zu ver¬
zeichnen. — Am 14. November sprach Herr A. Gläßner aus
Frankfurt a. M. über: Papier, dessen Fabrikation und Ver¬
wendung. Der Vortrag gliedert sich in zwei Teile. In
dessem ersten Teil ging der Vortragende zurück bis auf die
Verarbeitung der Papyrusstaude durch die Ägypter, kam auf
die Papierbereitung der Chinesen zu sprechen und zeigte
die Verbreitung der Papierfabrikation, bis solche im Jahre
1190 auch in Deutschland Fuß faßte. -di.
München. Der Werbebrief, den die Typographische Ge¬
sellschaft anfangs Oktober an sämtliche Berufsgenossen
Münchens ergehen ließ, hat sehr gute Erfolge gezeitigt,
denn 58 Neuaufnahmen konnten vollzogen werden. In der
am 14. Oktober 1908 gehaltenen Versammlung berichtete
namens der technischen Kommission Herr Sommer über
die Frage einheitlicher Stärken der Linienbilder. Redner
erläuterte zunächst die Vorschläge der technischen Kom¬
mission der Berliner Schwestergesellschaft, über die im
Archiv für Buchgewerbe, Heft 6, Seite 238, berichtet worden
ist. DiesenBerlinerVorschlägenkonntesich dieMünchener
Kommisson nicht ganz anschließen. Vor allem wurde die
Festsetzung der feinen Linie mit l /io Punkt aus verschiede¬
nen, hauptsächlich drucktechnischen Gründen nicht gut¬
geheißen, sondern für sie eine Stärke von 2 / i0 Punkt vor¬
geschlagen. Demzufolge müßte sich auch Bild und Spur¬
weite der doppelfeinen Linie ändern: für diese käme bei
einer Bildstärke von 2 /i 0 Punkten und einem Konus von
2 /,o Punkten auf jeder Seite eine Spurweite von l2 /i 0 Punkten
in Betracht. Die Bildmarke der stumpffeinen mit 5 /io, der
halbfetten Viertel- und fetten Achtelpetitlinie mit 10 / 10 , einer
dreiviertelfetten mit 15 /io und der fetten Viertelpetitlinie mit
20/10 Punkten wurden in Übereinstimmung mit den Berliner
Vorschlägen für zweckentsprechend und völlig ausreichend
erklärt. Für Ornamentlinien wurde in Fällen, wo ein Be¬
dürfnis für abweichende Bildstärke vorliegt, eine solche
von 8 /io und Ui/ 10 Punkten für zulässig erachtet. Das Bild
der punktierten Linie wurde nach den Berliner Vorschlägen
mit 24 Punkten auf die Konkordanz gutgeheißen. Die Ver¬
sammlung erklärte sich mit den Vorschlägen der Kommis¬
sion einverstanden; das Ergebnis der Beratung wurde an
den Vorstand des Verbandes der Typographischen Gesell¬
schaften weitergeleitet. — Über den seinerzeit vielgenann¬
ten Kolberger Inseratenwettbewerb, dessen hervorragendste
Ergebnisse ausgestellt waren, berichtete hierauf Herr Gerle.
Im weiteren Verlaufe des Abends wurde, veranlaßt durch
das letzte Preisausschreiben des Journals für Buchdrucker¬
kunst, der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Beteiligung
an Preisausschreiben für Schriftgießereien, Fachzeitschrif¬
ten und andre private Unternehmen meistens nur eine För¬
derung unbezahlter Heimarbeit sei, die einzig im Selbstinter¬
esse der Veranstalter, aber nicht im Interesse derTeilnehmer
läge, weshalb es wünschenswert erscheine, eine diesbezüg¬
liche Aussprache in den beteiligten Kreisen herbeizuführen.
Es wurde deshalb beschlossen, dem Vorstand des Verbandes
der Typographischen Gesellschaften folgenden Antrag zur
Veröffentlichung zu übermitteln: Nur Ausschreiben,denen
jedes geschäftliche Interesse fernliegt, können als Förde¬
rungsmittel unsrer beruflichen Bestrebungen anerkannt
werden, und nur die Beteiligung an solchen kann von der
Typographischen Gesellschaft München gutgeheißen wer¬
den. — Am Sonntag den 25. Oktober fand ein Besuch der
Papierfabrik Gauting statt, welche sich aus diesem Anlasse
in vollem Betriebe befand. In entgegenkommendsterWeise
wurde den Teilnehmern der Werdegang der Papiere vor¬
geführt und auch noch der im Mühltale gelegenen Rohstoff¬
fabrik ein Besuch abgestattet. — Der Vortragsabend am
28. Oktober brachte einen Bericht des Vorsitzenden Herrn
Gunkel über die ausgestellten Johannisfestdrucksachen.
Die umfangreiche Sammlung zeigt, wie auch in der Provinz
die Grundsätze neuzeitlicher Druckausstattung immer mehr
Fuß fassen, ließ aber auch erkennen, daß vielfach von der
Tonplatte nicht der rechte Gebrauch gemacht wird. Ton¬
schnitt zur Wiedergabe dilettantischer Zeichnungen zu be¬
nutzen ist durchaus zweckwidrig, und es wäre eine ein¬
gehende Belehrung über den geeigneten Gebrauch der Ton¬
platte durch die Fachpresse oder in fachtechnischen Ver¬
einigungen sehr am Platze. Am gleichen Abend wurde von
Herrn Bammes als Sprecher der technischen Kommission
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ein etwas heikles Thema angeschnitten, nämlich die
Berichterstattung der Münchener Tagespresse über die
Graphische Abteilung der Ausstellung München 1908. Red¬
ner stellte zunächst fest, was billigerweise von einem für
das Publikum bestimmtenZeitungsberichte verlangtwerden
könne und brachte anschließend solche Berichte zur Ver¬
lesung, die diesen Anforderungen in keiner Weise genügen,
weil sie unter einem Brillantfeuerwerk von Worten und
Phrasen über Kunst und ähnliche beliebte Dinge den
Mangel an jeder Fachkenntnis zu verdecken bemüht sind
und auch sachlich oft grobe Unrichtigkeiten enthalten. Es
sei auch an die Berichte der Tagespresse die Forderung zu
stellen,daß sie dem Leser in sachgemäßerWeise Aufschluß
geben und im Interesse der Aussteller Unrichtigkeiten nach
Möglichkeit vermeiden. — Einen recht interessanten Vor¬
trag über Sprachdummheiten hielt am 11. November Herr
Bauer . Seine Ausführungen richteten sich in der Haupt¬
sache gegen die alte, liebe Gewohnheit des Deutschen,
seine Muttersprache mit möglichst vielen und oft sehr un¬
angebrachten Fremdwörtern zu schmücken. Auch in dem
Wortschätze des Buchdruckers finden sich — ganz abge¬
sehen von Fachausdrücken —* viele solche gedankenlos ge¬
brauchte Worte. In der anschließenden Aussprache wurde
das auch in den Aufsätzen unsrer Fachpresse gar nicht
selten anzutreffende Wortgeklingel und Spielen mit Mode¬
wörtern, wie „in die Erscheinung treten“ und „charakte¬
ristische (auch besondere, spezielle, reizvolle usw.) Note“
gebührend gekennzeichnet. — Am 25. November waren die
Ergebnisse des jüngsten Mitgliedskarten-Wettbewerbs, der
die Mitglieder in den Sommermonaten beschäftigt hatte,
ausgestellt. Eingegangen waren 59 Entwürfe, deren Be¬
wertung die Schwestergesellschaft in Frankfurt a. M. über¬
nommen hatte. Bevor das Urteil des Preisgerichtes zur
Verlesung kam, wurde durch die Anwesenden eine Zettel¬
abstimmung über die Arbeiten vorgenommen, die aber bei
der kurzen Zeit, die zur Verfügung stand, und bei dergroßen
Zahl der Anwesenden naturgemäß zu einer Zersplitterung
der Meinungen führte. Die Frankfurter Schwestergesell¬
schaft, deren Urteilsabgabe nunmehr verlesen wurde, hatte
sich der Sache mit großer Liebe und Sorgfalt angenommen;
ihre Vorschläge für die Preiszuerkennung konnten aber
nicht durchgehend Billigung der Versammlung finden,
besonders deswegen nicht, weil zwei Arbeiten wegen
vermeintlicher Nichtbeachtung der Wettbewerbsbestim¬
mungen, bzw. wegen Verwendung selbstgezeichneten
Schmuckes außer Wettbewerb gestellt worden waren. Die
Arbeiten wurden infolge Einspruchs des Verfertigers einer
genauen Prüfung unterzogen, wobei sich ihre völlige Wett¬
bewerbsfähigkeit herausstellte. Unter diesen Umständen
wurde beschlossen, die Frankfurter Gesellschaft um noch¬
malige Prüfung und Bewertung der Arbeiten zu bitten. —
Anfang November haben auch die Unterrichtskurse der
Gesellschaft wieder begonnen. Zunächst wurde ein kurzer
informatorischer Unterricht im Tonplattenschnitt an drei
Abenden im Vereinslokal abgehalten, an den sich eine
Wiederholung des vorjährigen Kurses im Schriftzeichnen,
Skizzieren und Kolorieren schließt. Letzterer begann am
27. November in einem städtischen Schullokale. Als Lehrer
für den gesamten Unterricht wurde wieder Herr Sommer
aufgestellt. -m-.
Stuttgart. Am 4. Oktober 1908 gelangten im Graphischen
Klub die Arbeiten vom Schuljahr 1907/1908 der k. k. Gra¬
phischen Lehr- und Versuchs-Anstalt in Wien und der
Buchdrucker-Fachschule in München zur Ausstellung. Bei
dem Meinungsaustausch wurde den Wiener Arbeiten neben
Anerkennung teilweise auch Mißbilligung zuteil wegen
der wenig gründlichen Durcharbeitung oder der Über¬
ladung. Der Leitung der Münchener Fachschule wurde be¬
sonderes Lob gespendet, weil sie es verstanden habe, nur
solche Sachen zu lehren, welche der Schüler in der täg¬
lichen Arbeit verwenden könne.— Am 11. Oktober wurde
die von der Firma Plakat-Kunst in Stuttgart veranstaltete
Sonderausstellung im Landesgewerbemuseum gemeinsam
besichtigt. — Am 8. November waren zahlreiche Arbeiten
der Stuttgarter Buchdruckerfachschule ausgestellt. Im An¬
schluß hieran erläuterten die Fachlehrer Herren Link und
Niethammer den Lehrplan und die Ziele der Schule. Die
ausgestellten Arbeiten bewiesen deutlich, daß die Lehrer
streng nach ihrem Prinzip handeln, keine Künstler heran¬
zubilden, sondern den Schülern Gelegenheit zu bieten,
daß sie die Lücken der Lehre ausfüllen können, um ihnen
eine Grundlage für ihr ferneres berufliches Fortkommen
zu verschaffen. -sch.
Wien. Die Graphische Gesellschaft hat ein umfang¬
reiches Winterprogramm aufgestellt und dasselbe zum Teil
auch schon erfolgreich abgewickelt. Zwei Ausstellungen,
Troppauer Arbeiten und eine Prager Konkurrenz für Bei¬
lagen zum Gesellschaftsorgan, vereinigt mit der Vorführung
der Schülerarbeiten der k. k. Graphischen Lehr- und Ver¬
suchs-Anstalt, ein Vortrag überTonplattenätzen,vora Lehrer
Fr. Bauer der genannten Anstalt, und Ausflüge, von denen
einer in die k. k. Staatsdruckerei, der andere aber in die
Kunstanstalt Graphische Union führte, fanden bereits statt.
Die Veranstaltungen wurden sämtlich in Gemeinschaft mit
dem fachtechnischen Komitee des Vereins der Maschinen¬
meister Niederösterreichs ausgeführt. Die Teilnahme an
den bisher stattgehabten Vorträgen, Ausflügen und Aus¬
stellungen hätte von Seiten der Mitglieder eine viel regere
sein können. -t.
Zittau. Einen Rückblick auf ihre fünfjährige Tätigkeit
gab die Graphische Vereinigung am 31. Oktober und am
1. November mit einer Ausstellung typographischer und
zeichnerischer Entwürfe, sowie aus der täglichen Praxis
hervorgegangener moderner Drucksachen aus Zittauer
Offizinen. Die Ausstellung war anfänglich nur darauf be¬
rechnet, neue Mitglieder für die Graphische Vereinigung
aus Berufskreisen zu werben, sie wurde aber schließlich
doch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, um auch in
den Kreisen der Drucksachenverbraucher den Sinn für
neuzeitliche Drucksachenausstattung zu wecken. — Am
22. November wurde die im Städtischen Bürgersaale unter¬
gebrachte Gemäldeausstellung des Professors Rudolf
Schramm-München besichtigt. — In der Sitzung am
30. November hatten die Mitglieder Gelegenheit, Schüler¬
arbeiten der Königlichen Akademie für graphische Künste
und Buchgewerbe in Leipzig besichtigen zu können. Die
Mitwirkung des Künstlers bei der Herstellung des Satzes
war unverkennbar, und wenn auch dessen Behandlung viel¬
fach mit den typographischen Regeln nicht in Einklang
gebracht werden konnte, so wurde doch einstimmig aner¬
kannt, daß diesen Arbeiten eine künstlerische Note nicht
abzusprechen sei. Stuttgarter einfarbige Drucke, Rund¬
sendung 52 des Verbandes der DeutschenTypographischen
Gesellschaften, gab auch den Druckern Gelegenheit, ihr
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_ PRINCETON.UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
berufliches Wissen zu bereichern. Reges Interesse erweck¬
ten auch die in großer Anzahl aufliegenden Neuheiten¬
hefte der Schriftgießereien. -dl-.
Zürich. In der gutbesuchten Monatsversammlung des
Typographischen Klubsv om 17.0ktober 1908erstattete Präsi¬
dent Bleuler Bericht über den wohlgelungenen Verlauf des
Ausfluges nach dem Bergwerk Buchs. Ferner machte der
Vorsitzende Mitteilungen über das Winterprogramm. Der
Erfolg des Preisausschreibens zur Erlangung von Entwürfen
für einen Briefkopf und ein Kuvert zum Bedarf des Klubs
kann als gut bezeichnet werden, denn von 16 Beteiligten
waren 20 Entwürfe eingegangen. Die Versammlung be¬
stimmte nachstehende Rangfolge: I. Preis Fr. Maurer,
II. Preis Hans Rudolph, III. Preis E. Linden, IV. Preis
H.Schweizer, V.Preis R.Wetzig. Zur Ausführung wurde der
mit dem I. Preis bedachte Entwurf gewählt. Zum Schluß
gab Herr Kohlmann einen trefflichen Bericht über Krügers
Technik der bunten Akzidenz. M.
Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge
V Orthographisches Wörterverzeichnis der deutschen
Sprache von Konrad Duden. 2. Auflage. Leipzig und Wien,
1908. Verlag des Bibliographischen Institutes. Nicht einmal
zehn Zentimeter breit, vierzehn Zentimeter hoch und nur
einen Zentimeter stark — das ist das Äußere dieses Duden,
den wir den „Kleinen Duden“ nennen möchten. Dazu
kommt seine durchaus solide Ausstattung-fürwahr
ein Taschenbüchlein par excellence, das jedermann auch
wirklich bequem in der Tasche mit sich führen kann. Für
die innere Güte bürgt der Name des Autors, da erübrigt
sich jedes Wort. Schülern, Lehrern, Redakteuren, Journa¬
listen, Setzern, Faktoren, Schreibern, Bureaubeamten usw.
sei das Büchlein dringend empfohlen. Es ist ein Ratgeber
in orthographischen Nöten, die ja bei den vielen Um¬
wandlungen des letztenjahrzehnts allgemein verbreitet sind
und deren sich niemand zu schämen braucht. Der Kleine
Duden ist da der schnellste und beste Helfer. S. M.
K Das deutsche Zeitungswesen. VonDr. Robert Brunhuber.
Leipzig.\90&.Ver\agdevG J.GöschenschenVerlagsbuchhand-
lung. Preis 80 Pfg. In diesem 400. Bändchen der bekannten
Sammlung Göschen ist eine ganze Menge geistigen Gehalts
aufgestapelt. Ein interessantes Büchlein, das ganz andre
Wege geht und weist, als die bisherigen Schilderungen des
Zeitungswesens. Kein leerer schematischer Aufbau, son¬
dern kritische Betrachtungen über Wesen und vor allem
Wirken der deutschen Presse. Originell in seinem Ge¬
dankenreichtum, überaus anregend zu weiterem Studium,
dabei orientierend. Ganz besonders interessant ist der
zweite Teil der Brunhuberschen Arbeit, der Staat und
Presse und Kultur und Presse behandelt. Man lese
z.B. was der Verfasser über die deutsche Sprache und die
Presse, über die verschiedenen Zweige der Kritik in der
Presse usw. sagt, und man wird seine Freude an diesen
Darlegungen haben, die ein reifes, selbständiges, kräftiges,
dabei weitab von parteilicher Stellungnahme liegendes
Urteil verraten. Man kann 80 Pfennig kaum besser anlegen
als im 400. Göschen. S. M.
¥ Illustrierte Geschichte des Kunstgewerbes. Heraus¬
gegeben von Georg Lehnert. Verlag von Martin Olden -
bourg y Berlin. Die vorliegende sechste Abteilung enthält
den Schluß des Barock- und Rokokokapitels aus der Feder
des feinsinnigen Kustos am k. k. Österreichischen Museum
für Kunst und Industrie in Wien, und zwar verbreitet sich
Dreger zunächst noch über die allgemeinen Grundlagen
für die Entfaltung des barocken Kunstgewerbes in Frank¬
reich und die führenden Künstler im allgemeinen, um dann
die Führung durch die einzelnen Gebiete zu beginnen:
Drechslerarbeiten, Goldarbeiten, Bronze, Eisen, Metall
überhaupt, dann die wundervollen Fayencen, die Gobelins
und sonstigen textilen Erzeugnisse werden dem Leser in
Wort und Bild vor Augen geführt. Der größere Teil der
sechsten Abteilung befaßt sich mit dem Spätbarock und
mit dem Rokoko. Zunächst wieder die Entwicklung in
Frankreich in großen Zügen — ein Stück französischer
Kulturgeschichte, fein herausgearbeitet und ziseliert. Auch
hier lernen wir zunächst die führenden Meister und ihre
„Contemporains“, sowie ihre Schüler und Nachfolger
kennen. Auch hier der schöne Vorzug, der das ganze
LehnertscheUnternehmen den weitesten gebildeten Kreisen
nutzbar macht: Verständlich für jedermann! Keine Weit¬
läufigkeiten, knappe, aber — unter Berücksichtigung des
Zweckes des Werkes — erschöpfende Darstellung, die dem,
der sich ein Bild von der Entwicklung dieses Abschnittes
europäischen Kunstgewerbes machen will, ohne zeit¬
raubende Studien vorzunehmen, genügend Aufklärung
bietet, andern Anregung zum Weiterstudieren gibt und für
Kenner eine Auffrischung des bereits Erlernten gewährt.
In dieser Aufzählung seiner Vorzüge liegt des Werkes
wärmste Empfehlung. S. M.
W Buchkunst von Felix Poppenberg. Berlin. 1908. Ver¬
lag von Marquardt & Co. Preis M 3.—; in Leder M 5.—
In diesem Doppelband (57/58) der Richard Mutherschen
Sammlung Illustrierter Monographien will der Verfasser
Poppenberg „nicht eine historische Abhandlung geben
sondern, um anzuschauen, um den Blick zu üben, vor der
Inspizierung der dekorativen Gegenwartsbestrebungen
etwas in den Büchereien der Vergangenheit sich umtun,
damit der Schmuck derselben zu uns rede“. Bleiben wir
bei dem Schmuck und lassen wir die zahlreichen, fein¬
sinnig und kennerhaft ausgesuchten Illustrationen des
Poppenbergschen Schriftchens nicht nur auf unseren
Schönheitssinn, sondern auch, sagen wir: auf unser lite¬
rarisches Empfinden wirken, so haben wir hier einen kleinen
bildlichen Abriß der Buchkunstgeschichte, einen Bilder¬
atlas en miniature, zu dem der Text — der Verfasser mag
wollen oder nicht — ein historisches Kompendium dar¬
stellt. Poppenberg muß dieses Urteil als eine der besten
Empfehlungen für seine schöne, erfreuende und überaus
anregende Arbeit hinnehmen. Gerade darin, daß in seinen
kunst-ästhetischen Dar- und Klarlegungen ein gut Stück
Kunstgeschichte, Buchkunstgeschichte, liegt, gerade darin
müssen wir einen besonderen Vorzug des Werkchens, ins¬
besondere für unsre namentlich jüngeren Buchgewerbler,
erblicken, denen wir dieses Bändchen, das in seiner ge¬
schmackvollen Ausrüstung selbst ein kleines Ehrenzeugnis
unsrer deutschen Buchkunst ausstellt, recht warm emp¬
fehlen möchten. Poppenbergs Buchkunst ist belehrend
und anregend weit über den Rahmen hinaus, innerhalb
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dessen es belehren und anregen will. Man muß es nur zu
lesen und zu genießen verstehen. S. M.
W L. Brades Illustriertes Buchbinderbuch. 5. Auflage.
Halle a.S. 1908. Verlag von Wilhelm Knapp. — Von dem
an dieser Stelle bereits angezeigten umfangreichen Werke
liegen jetzt die Lieferungen 3 bis 10 vor. Es ist für
den, der aus den Einleitungsbogen eines Werkes sich
schlüssig machen soll, ob er das Ganze empfehlen oder
vor ihm warnen soll, immer eine Freude, wenn er im vor¬
geschrittenen Werke sein erstes Urteil bestätigt findet, eine
um so größere Freude, wenn sein Urteil zugunsten des
Buches ausfiel. Das ist hier der Fall. Hans Bauer, der In¬
haber der in Fachkreisen bekannten Fachschule für Buch¬
binder in Gera und Herausgeber, besser: Neubearbeiter
des vorliegenden Buches hat mit großer Umsicht und Ge¬
wissenhaftigkeit in der fünften Auflage des Brade ein in
jeder Beziehung brauchbares Werk geschaffen. Der hier
anzuzeigende Teil umfaßt die Beschreibung der Technik
des Buchschnittes, der verschiedenen Einbandarten und
ihrer Herstellung, angliedernd die Buchverzierungen des
Deckels mit ihren verschiedenen Techniken und schließt
mit einem Teile des Kapitels über die Preßvergoldung.
Klares Instruieren, Deutlichkeit im Ausdruck, d. h. Schlicht¬
heit in der Schreibweise zeichnen die Ausführungen Bauers
aus. Zahlreiche Illustrationen von Maschinen, Buchdeckel¬
verzierungen, Werkzeugen der Buchbinderei usw. erläutern
den Text und verhelfen zu einem umfassenden Verständnis
des Werkes auch seitens des Laien. Wir weisen gern emp¬
fehlend auf das Illustrierte Buchbinderbuch hin. S. M.
V Technischer Führer durch die Reproduktionsverfahren
und Bezeichnungen. Von August Albert. Halle a.S. 1908.
Verlag von Wilhelm Knapp. Preis geheftet M 8.—. Der
Wirrwarr in den Bezeichnungen der verschiedenen photo¬
mechanischen Vervielfältigungsverfahren ist so groß, daß
es absolut unmöglich ist, auch nur einen Teil der Namen
im Kopfe zu behalten. Jeder, der nicht zu faul ist und über
ein paar griechische Worte verfügt, macht sich einen neuen
klangvollen Namen zurecht und benennt mit diesem stolz
seine gewöhnlichen Autotypien mit Tonplatte oder Farben¬
ätzungen. Besonders unangenehm wird dieser Wirrwarr
von denjenigen empfunden, die ältere und neuere Drucke
in eine Sammlung einzureihen haben. Da wohl die meisten
Buchgewerbler im Besitze solcher Sammlungen sind, so
werden sie alle das Erscheinen des obengenannten Buches
freudig begrüßen. Der Verfasser hat nicht weniger als
16 Jahre gebraucht, um die ganze vorhandene Lite¬
ratur zu sichten. Bei jedem Verfahren (die Namen sind
alphabetisch geordnet) sind Literaturquellen angegeben, in
denen Einzelheiten über dasselbe zu finden sind. Außer¬
dem ist das Wesen des betreffenden Verfahrens in kurzen
Worten zusammengefaßt. Das Buch sollte in keiner Fach¬
bibliothek fehlen. Gg.
V Fette, Lacke, Firnisse , Ruß , schwarze Druckfarben usw.
Von Eduard Valenta. Halle a.S. 1908. Verlag von Wilhelm
Knapp. Preis geheftet M 11.40. Ein außerordentlich ver¬
dienstvolles Werk hat Prof. Ed. Valenta in Wien unter¬
nommen. Er beabsichtigt in einer Reihe von Handbüchern
die gesamten „Rohstoffe der graphischen Druckgewerbe“
zu behandeln. Im ersten Bande der Sammlung wurden die
Methoden derPapierfabrikationund Papierprüfungausführ¬
lich beschrieben. Obwohl auch dieser erste Band sich sehr
viele Freunde erworben hat, wird es sicher bei dem oben¬
genannten zweiten Bande noch viel mehr der Fall sein,
Über Papierfabrikation haben wir in der deutschen Lite¬
ratur bereits viele ausgezeichnete Werke; über Firnisse,
Druckfarben, Ruß usw. ist fast nichts Brauchbares vor¬
handen und das genannte Werk füllt eine empfindliche
Lücke aus. Bei jedem einzelnen Stoffe sind seine chemi¬
schen Eigenschaften, Fabrikationsverfahren, Untersu¬
chungsmethoden eingehend geschildert. Diegesamte Lite¬
ratur ist fast ohne Ausnahme berücksichtigt. Wir können
das Werk jedem, der bei der Fabrikation oder Verwertung
der im Titel genannten Stoffe beteiligt ist, also mit andern
Worten allen Buchgewerblern, die über ein kleines Maß
chemischer Kenntnisse verfügen, ohne Einschränkung
empfehlen. Alle Leser der beiden ersten Bände werden
den kommenden dritten mit Ungeduld erwarten. Gg.
V Photochemie. Von Prof. Dr. G. Kümmel , Leipzig 1908.
Verlag von B. G. Teubner. Preis geheftet M 1.—, gebunden
M 1.25. Über zweihundert Bände sind bereits in der be¬
kannten Teubnerschen Sammlung: Aus Natur und Geistes¬
welt erschienen. Die meisten dieser Bändchen stammen
aus der Feder angesehener Fachleute. Vor kurzem erschien
in dieser billigen Sammlung das obengenannte Buch über
Photochemie. In diesem Werkchen wird nicht nur die
photographische Chemie, sondern allgemein die Lehre
über die chemischen Wirkungen des Lichtes behandelt.
Die Chemie der photographischen Platte und die Repro¬
duktionstechnik spielen dagegen nur eine Nebenrolle.
Leider sind diese für den Buchgewerbler besonders wich¬
tigen Teile der Photochemie nicht ganz fehlerfrei behandelt.
Deshalb ist dieses Werk nur denjenigen zu empfehlen, die
über gewisse Vorkenntnisse in der Photochemie verfügen
und sich nicht allzuleicht verwirren lassen. Gg.
Inhaltsverzeichnis.
Einladung zum Jahresbezug. S.457. — Bekanntmachung.
S. 458. — Die Technischen Kurse in der Königlichen Aka¬
demie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig.
VI. S.458.—Die Papierfabrikation im Jahre 1908. S. 461.
— Die Druckfarbenfabrikation im Jahre 1908. S. 463. —
Die Schriftgießerei im Jahre 1908. S.465. — Der Buch¬
druck im Jahre 1908. S.468. — Lithographie und Steindruck
im Jahre 1908. S.473. — Die photomechanischen Verviel¬
fältigungsverfahren im Jahre 1908. S. 474. — Die Buch¬
binderei im Jahre 1908. S. 478. — Die typographischen
Gesellschaften im Jahre 1908. S. 482. — Das Diplom, seine
Geschichte und sein Stil. S.484. — Die Fachschulen der
Graphisch-Kunstgewerblichen Abteilung auf der Mün¬
chener Ausstellung 1908. S. 490. — Künstler-Modellier¬
bogen. S.497. — Mehr setzen—weniger bauen! S.501.—
Das Selbstgießen und die Behandlung der Walzen. S.502.
— Buchgewerbliche Rundschau. S. 504. — Aus den gra¬
phischen Vereinigungen. S.508. — Bücher- und Zeit¬
schriftenschau; verschiedene Eingänge. S.515.
80 Beilagen einschließlich der Empfehlungsblätter.
516
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Bayerischen unb Einfachen
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Inhaber golbener unb silberner ITlebaülen sowie Ehrenpreise
Gedruckt mit Material von ]. G. Scheiter & Giesecke In Leipzig auf Ihrer Phönixpresse
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Gedruckt mit Material von J. G. Scheiter & Giesecke in Leipzig auf ihrer Phönixpresse
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BEILAGE ZUA „ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE".
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Gedruckt mit Material von }.G. Scheiter & Giesecke in Leipzig
auf ihrer Phönixpresse
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Beilage zum Archiv
für Buchgewerbe
PROBESEITE auS : DIE BÜCHER DER BIBEL.
Herausgegeben von F. RAHLWES mit Zeichnungen von E. M. LILIEN.
VERLAG VON GEORGE WESTERMANN, BRAUNSCHWEIG.
ABRAHAMS BERUFUNG UND ZUG NACH KANAAN
AHWE sprach zu Abram: Verlaß dein Land und
deine Verwandten und deines Vaters Haus, und ziehe
in das Land, das ich dir weisen werde! Ich will dich
zu einem großen Volke machen und dich segnen und
deinen Namen so groß machen, daß er zum Segens¬
spruch werden soll. Ich will die segnen, die dich
segnen, und die dir fluchen, die will ich auch ver¬
fluchen, und alle Geschlechter der Erde sollen sich
deinen Segen wünschen. Und Abram zog fort, wie ihn Jahwe geheißen
hatte,- und Lot zog mit ihm.
Abram war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran wegzog. Und
Abram nahm sein Weib Sarai und Lot, den Sohn seines Bruders, und
alle Habe, welche sie besaßen, und alle Sklaven, die sie in Haran er¬
worben, und sie zogen aus, um sich nach Kanaan zu begeben, und
kamen in diesem Lande an.
A bram durchzog das Land bis in die Gegend von Sichern, bis zum Orakel-
Lbaum; die Kanaaniter waren damals im Lande. Da erschien Jahwe
dem Abram und sagte: Deinen Nachkommen werde ich dieses Land geben.
Und er erbaute daselbst Jahwe, der ihm erschienen war, einen Altar. Von
PROBESEITE auS : DIE BÜCHER DER BIBEL.
Herausgegeben von F. RAHLWES mit Zeichnungen von E. M. LILIEN.
VERLAG VON GEORGE WESTERMANN, BRAUNSCHWEIG.
Sat* und Drude von George
Westermann, Braunsdiweig.
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Archiv für Buchgewerbe.
Dreifarbendruck
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Dr. 330 XII. OS
Gleitsmann Dresden
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PROF. MAX BAUMBACH
AUF DER HIRSCHJAGD
Illustrationsfarbe B 00
Gebr. Hartmann, Chemische Fabrik, Halle-Ammendorf
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'Beilagi'züm Archiv für Buchgewerbe
PR1NCET0N UNIVERSITY
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PRINCETON UNIVERSUM
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PRINCETON UNIVERSITY
BEILAGE ZUM ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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Wilhelm Woellmers Schriftgiesserei : Berlin
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PRINCETON UNIVERS1TY
J.J.WAGNER & C- = ZÜRICH
Telegramme: Couvertsfabrik Zürich ■ TELEPHON ■ KREIS I, LÖWENSTRASSE 27 29
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BRIEFUMSCHLAG-FABRIK
: AKZIDENZDRUCKEREI:
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KARTEN - FAB RI KATION
BILLETPOST-KONFEKTION
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Friedr. ftp., Zürich
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PRINCETON UNIVERS1TY
TjeiCage jum Jircfjw für TjucQgewerbe
Gntwurf und Jlusfüfyrung:
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Sanct Johann, Gemälde von P. P. Rubens (Louvremuseum in Paris)
Farbenfabriken Cb. Lorilleax & C° - Leipzig
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PRINCETON UNIVERS1TY
Illustrationsfarbe I,
Seidengrün 420.
Ultramarin-Ersatz hell.
Chromgelb 620.
Prachtrot gelblich.
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PRiNCETON UN1VERSITY
Nachdruck untevfagt.
Dreifarbenätzung und Druck der Firma
Körner & Dietrich, Kunstanstalt, Leipzig.
Dreifarbendruck nach einem Aquarell.
Gedruckt auf Chromo-Papier der Firma
Chronio - Papier - und Carton - Fabrik
vorm. Gustav Najork, Leipzig - Plagwitz.
Normalgelb Nr. 627
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GedrucC? mit Normalfarben der Firma
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Beilage zum Archiv fik.^uchgeweri>e _ ...
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Dreifarbendruck: L.Schwann • DüfTeldorf
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PRINCETON UN1VERSITY
MAX MÜHSAM
DRUCKFARBENFABRIK
BERLIN SO. 36
KOTTBUSSER UFER 30
Gegründet 1885
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
Neue Photogr. Gesellschaft
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Goldene Medaille: PARIS 1900
Verlag von F. bruckmann A.G. in München.
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FARBENFABRIKEN
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Archiv für Buchgewerbe*
Mallbraun 582
auf mattem Kunstdruckpapicr
FRANKFURT A. M. — BOCKENHEIM
HEINERSDORF — BERLIN
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GERMflNIflROT Buchdruck 6.00 M.
TÜRKISCHBLflU „ 6.00 M.
SEIDENGRÜN dunkel „ 5.50 M.
TONFflRBE Nr. 11686
Steindruck 7.00 M. Trocken 7.50 M.
„ 7.00 M. „ 7.50 M.
„ 6.00 M. „ 4.50 M.
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Käst & Chinger <3, m . b. h„ Stuttgart
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Gedruckt mit unseren Dreifarbendruckfarben.
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Archiv für Buchgewerbe.
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PRINCETON UNIVERSITY
Vierfarbenätzung (3 Raster- und 1 Kornplatte) von BREND’AMOUR, SIMHART & Co., Graphische Kunstanstalten, MÜNCHEN-DÜSSELDORF.
GEDRUCKT MIT FARBEN VON MICHAEL HUBER, FARBENFABRIK, MÜNCHEN.
Aus dem Bilderbuche „ALTE LIEBE LIEDER“
Beilage zum Archiv tiir Buchgewerbe. Verlag der Jugendblätter (C. Schnell), München.
Zeichnung von Jos. Mauder.
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PRINCETON UNIVERSITY
3EILAGE ZUM ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
F. Matsch-Wien
Franziskus
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U N STD RU CK PA PI E R VON DER DRESDENER
CHROMO- UND KU N STDR U(^P*PI E R FAB RIK
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PRINCETON UNIVERSITY
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe.
Vierfarbenätzung und Druck von E. Nister,
Kunstanstalt für graphische Reproduktionen
jeder Art, Nürnberg. **-*--*•-***-*-**
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PRINCEION UNIVERSITY
BEILAGE ZUM
„ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE“
Vierfarbenätzung nach einem Aquarell
von Johann Endei a. d. J. 1831.
DREI ENKEL DES KAISERS FRANZ:
Herzog Napoleon Franz Joseph Carl von Reichstadt,
Erzherzog Franz (Franz Joseph I.) und Prinzessin
Karoline von Salerno.
DRUCK DER GESELLSCHAFT
FÜR GRAPHISCHE INDUSTRIE
WIEN VI.
GUMPENDORFERSTRASSE 87
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PRINCETON UNIVERS1TY
PAUL GERHART VOWE: DAMENPORTRÄT
in VIERFARBENÄTZUNG UND DRUCK VON ozd
MEISENBACH RIFFARTH & C2^
MÜNCHEN in BERLIN o LEIPZIG
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
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PAUL GERHART VOWE: DAMENPORTRÄT
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MEISENBACH RIFFARTH &
MÜNCHEN io BERLIN to LEIPZIG
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
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Beilage zum ,, Archiv für Buchgewerbe“ Vierfarbenätzung und -Druck von Dr. Trenkler & Co., Leipzig'St.
aus „Reclams Universum, Moderne illustrierte Wochenschrift“
auf Karton der Dresdner Chromo- und Kunstdruck-Papierfabrik
Krause & Baumann, Dresden-A.
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Aufu. v. F. Wenning, LichtenfeU.
W. BIEDE, LICHTDRUCKANST. NÜRNBERG,
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Beilage zum Arohiv für Buchgewerbe.
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]"Beilage zum Archiv für 'Buchgewerbe
Lichtdruck von Junghanß er T^oritzer (Inhaber Franz Lenders) Graphische 'gunstanstalt, Meiningen.
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Ord. Accipitres. Fam: Falconidae.
Nisaetus fasciatus, Vieillot. — Habichtsadler.
Bonelli’s Eagle.
Tafel aus Krause. Oologia universalis palaearctica.
Verlag Fritz Lehmann, Stuttgart.
Chromolichtdruck von Sinsel & Co.i'Q. m. b. H., Leipzig Oetzsch
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PRINCETON UNIVERS1TY
NEUBERG
PIANINOS
PIANOS'FLÜGELS
HARMONIUMS
ERSTER FIRMEN R
NEUESTE
MODELLE
GENERALVERTRETUNG
DER FIRMEN GUTZEIT
ESTEY UND RONISCH
REICHE&ARENS
SCHONEBERG - HAUPTSTR.10
BLOCK und Ornamente von
H.Berthold A.-G., Berlin SW
Bauer & Co., Stuttgart
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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
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Beilage aum $ln$to für 93u$gen>erbe Gafj unb 0rucf oon 0$car Sranbftetter, £eipaig
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PRINCETON UNIVERSITY
& gSoldntar £. 6taadmann
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ef>rlif en QSerlagöbuf Ijanbel ba$ 9*unb-
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93erfriebgmitfel, ba$ fif gut eingefüijrt Ijaf, auf in
biefem 3<fre nofle 6t)mbat()ie enfgegenjubringen.^
•u, 3öir embfei)len nnferen „Qöefnaftöfatalog für
bie Sugenb" jutn 3«fcrieren nif t nur non 3ugenb-
ff riften, fonbem auf non aßen Qßerfen, tnetf e ber
reiferen 3ugenb nnbebenflif in bie S)änbe gegeben
inerben fbnnen, alfo non gebiegenen Romanen, ©e-
biften, Fronten, ^inbaftöff riften, 9teifebeffreW
bnngen, ©eff if töioerfen ufio. QStttfomtnen finb un$
befonberö mehrfarbige Beilagen, bie jnr QSerff bne-
mng beö $ataloge$ beifragen. Sie greife non St^
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PRINCETON UNIVERSITY
feraten unb Beilagen belieben 0ie au$ nebenfte^en-
bem 0d)ema ju erfeben.
** ferner bitten mir um 3ufenbung non SleaenftonS*
ejemblorembenen 0ie,menn irgenb möglidE), Vefbre*
ebungen borüber beilegen mollen. 2luf QBunfcb fenben
mir berarfige Vefbrecbungen nach erfolgtem ©ebraud)
3b n ^n mieber ju. märe uns* aud> febr ermünfdjt,
menn 0ie un$ rechtzeitig nid)t nur 3b*e 3öünfd>e be=
fannt geben, fonbem un$ auch ber Slluftra*
tionen Vorfdjläge machen unb Beiträge fiir bie,4ln=
ferbaltungSede" liefern mürben. 0iel5nnen nerficbert
fein, bafj mir aUe$ gemiffenbaft prüfen merben.^^^
’s* firmen, benen unfer „3öeibnad)t$fatalog für bie
Sugenb" nod> nid)t befannt ift, ftellen mir gern ein
em^lar ber noriäbrigen $lu$gabe foftenloö zur Ver¬
fügung.
$We 3b rc 3«fTriften in biefer^lngelegenbeit mol-
len 0ie bitte rid)fen an
&• Volcfmar, Abteilung QBeibnad>töfatalog für bie
3ugenb,£eibzig,$bnigftrafje 35/37. ®ie Einnahme
non 9leaenfion$-©£emblaren, Verträgen, <£licbe$,
Snferaten mirb ©nbe (September 1908 gefcbloffen.
^ 3nbem mir jum 0d)luffe hoffen, baff mir in unferem
Unternehmen non bem Verlaggbucbbonbel aUfeitig
unterftütrt merben, zeichnen mir
u^uuuwu’U'ia'i* mit aller Hochachtung *&*&*&**
- £*0faa<fntann
Vllbext ^od) & <Zo.
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BEILAGE zum ARCHIV für BUCHGEWERBE
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1HAJDUK-ANTIQUAI
1 MIT ORNAMENTEN UND VIGNETTEN i
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1 s BAUER5CHEN GIESSEREI s !
IN FRANKFURT AM MAIN
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
Material: Hajduk-Antiqua und -Schmuck
der Bauerschen Gießerei, Frankfurt a. M.
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PRINCETON UNiVERSITY
INTERNATIONALE
WOCHENSCHRIFT
FÜR WISSENSCHAFT u. TECHNIK
HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR DR. PAUL HINNEBERG
D eutschem Boden entsprossen, wird diese neue Wochenschrift
über alles, was deutsches Geistesleben im In- und Auslande
berührt, sorgfältig wachen. Die alte Kulturaufgabe Deutsch¬
lands, zwischen den Nationen der Welt zu vermitteln, wird so im
neuen Jahrhundert auf neuen Wegen in Angriff genommen. Wo
immer in einem Lande Ideen hervortreten, die es verdienen, über
die Grenzen der engeren Heimat hinaus bekannt zu werden, wo
diesseits und jenseits des Ozeans schöpferische Geister in Wissen¬
schaft, Kunst und Technik zum Fortschritt der Zivilisation beitragen —
sie werden auf den Dienst und die Beachtung der „Internationalen
Wochenschrift" rechnen dürfen. — Im Umfange von zwei Bogen
wöchentlich erscheinend, wird jede Nummer aus der Feder hervor¬
ragender Fachmänner vier oder, mehr größere Aufsätze über Pro¬
bleme der Natur- und Kultur-Wissenschaften von internationalem
Gewicht enthalten. Daran anschließen sollen sich regelmäßige Korre¬
spondenzen aus den Hauptländem der Alten und Neuen Welt, in
denen bewährte Kenner des behandelten Landes über bedeutsame
Literatur-Erscheinungen, Entdeckungen, Erfindungen, Ausgrabungen,
Kongresse, Ausstellungen daselbst knapp, aber zuverlässig berichten
BERLIN SW. 68 « ZlttrtERSTRASSE No. 37-41
AUGUST SCHERL * BERLIN SW.
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PRINCETON UNiVERSITY
SEDENSTOFTE
FOULARD
CHINA-SEIDE
PANAMA
BLUSEN-STOFFE
MUSSELINE
CREPE DE CHINE
ECHARPES
UNSERE AUSSTELLUNG
IST TÄGLICH OHNE
KAUFZWANG KOSTEN¬
FREI GEÖFFNET
GRÖSSTES SPEZIAL-GESCHÄFT DER BRANCHE
HEINRICH GORDON
BERLIN SW. 68, ttARKGRAFEN-STRASSE 45-47
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main inthe United States, Googie-digitized / http://www J hathitrüstorg/aecess_use#pd-üs-googie
Der österreichische
Bochschul-ßampf
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t-yGcO I
Im Sommer 1908.
fierausgegeben uom
Uertrauensmänner-
Romitee der Wiener
freih.3tudenten[chaft.
A k. iW
R.Edllngers Uerlog, Innsbruck.
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v. .•/. .v. .v. .v. .v. .•!*. .v. .*X.V4 X*. «•>.,
SONDER
KATALOG
DER BUCHGEWERBLICHEN
ABTEILUNG AUF DER DRITTEN
DEUTSCHEN KUNSTGEWERBE
AUSSTELLUNG IN DRESDEN
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BEILAGE ZUM ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
GESETZT AUS DER EHMCKE-ANTIQUA DER '‘$M
SCHRIFTGIEßEREI FLINSCH FRANKFURT A-M MN
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PRINCETON UNIVERS1TY
HREN KOENIGLICHEN HOHEITEN DEM
GROßHERZOG FRIEDRICH VON BADEN
SEINER ERLAUCHTEN GEMAHLIN DER
||G ROß HERZOG IN HILDA VON BADEN
""ZUM JahreswechselDARGEBRACHT
VON BEIDEN HÄUSERN DES LANDTAGS.
Wie alljährlich, fo bringen wir auch heute un|ere ergebenden
Glück-und Segenswünfche für das Jahr 1909 dar. Möge es
unferm hohen gropherzoglichen Paar ein freudenreiches, ein
vom Glück gefegnetes fein! Das Blatt des vorigen Jahres ift:
verweht, ein neues fällt nieder und ruft in uns die bange Frage
wach, was es uns Allen, unferem engeren badifchen Heimat-
lande.dem weiteren deutfchen Vaterland und derMenfchheit
bedeuten wird? Die feierlichen Klänge, die heute von den
türmen über Stadt und Land fchallen, mahnen alle guten
Bürger zur ernten Einkehr. Solche Stunden der Sammlung
führen uns auf den richtigen Weg, machen unfer Ppichtgefühl
lebendiger, lehren uns,dap wir dazu da find, um felber rüpig
zuzugreifen und am Gemeinwohl, in dem unfer eigenes Wohl
am beßen geborgen ip, tatkräftig mitzuarbeiten. Nur werpdi
felbp aufgibt, ip verloren; der Tapfere bahnt fich feinen Weg.
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THOMAS MORUS
UTOpiÄ
DE ARTIFICIIS. Ars una est omnibus viris
mulieribusque promiscua: agricultura, cuius
nemo est expers. Hac a pueritia erudiuntur
omnes partim in schola traditis preeceptis,
partim in agros viciniores urbi quasi per ludum
edudi, non intuentes modo, sed per excerci-
tandi corporis occasionem tradantes etiam.
Praeter agriculturam,quae est omnibus,ut dixi,
communis,quilibetunamquampiamtanquam
suam docetur; ea est fere aut lanipcium aut
operandi lini Studium autcaementariorum aut
fabri seu ferrarii seu materiarii artißcium. Ne-
que enim aliud est opißcium ullum, quod nu-
merum aliquem didu dignum occupet illic.
Nam vestes, quarum, nisi quod habitu sexus
discernitur et caelibatus a coniugio,una per
totam insulam forma est eademque per omne
aevum perpetua necad oculum indecoraetad
corporis motum habilis,tum ad frigoris aestus-
que rationem apposita,eas, inquam, quaeque
sibi familia conpcit. Sed ex aliis illis artibus
unusquisquealiquamdiscit,necvirimodo,sed
mulieresetiam; ceterum haevelut imbeciliores
leviora tradant: lanam fere linumque operan-
tur; viris artes reliquae magis laboriosae man-
dantur. Maxima ex parte quisque in patris arti¬
bus educatur: nam eo plerique natura feruntur.
Quodsi quem animus alio trahat,in eius opi-
pcii,cuius capitur Studio,familiam quampiam
adoptione traducitur cura non a patre modo
eius,sed magistratibusetiam preestita,ut gravi
atque honesto patrifamilias mancipetur.Quin,
si quis unam perdodus artem aliam preeterea
cupiverit,eodem modo permittitur. Utramque
nadus utram velit exercet, nisi alterutra civitas
magis egeat. Cf Syphograntorum praecipuum
ac prope unicum negotium est curare ac pros-
picere, ne quisquam desideat otiosus, sed uti
suae quisque arti sedulo incumbat nec ab sum-
mo mane tarnen ad multam usque nodem per-
petuo labore velut iumenta fatigatus. Nam ea
plus quam servilis aerumna est; quae tarnen
ubiquefereopipcum vita est exceptis Utopiensi-
bus,qui,cum in horasviginti quattuoraequales
diem connumerata node dividant,sex dumta-
xatoperideputant:tresantemeridiem,aquibus
prandium ineunt; atque a prandio duas post-
meridianas horas cum interquierint, tres dein-
de rursus labori datas cena claudunt. Cum
primam horam a meridie numerent,sub oda-
vamcubitumeunt; horas odo somnusvindicat.
Quidquid inter operis horas ac somni cibique
medium esset, id suo cuiusque arbitrio permitti¬
tur, non quo per luxum aut segnitiem abutatur,
sed quod ab opißcio suo liberum ex animi sen-
tentia in aliud quippiam studii bene conlocet.
Hasintercapedinespleriqueimpenduntlitteris.
Solemne est enim publicas cottidie lediones
haberi antelucanis horis,quibus ut intersint, ii
dumtaxat adiguntur,qui ad litteras nominatim
seledi sunt; ceterum ex omni ordine, mares
simul acfeminee,multitudo maximaadaudien-
das lediones alii alias, prout cuiusque fert na-
tura,confluit. Hoc ipsum tempus tarnen si quis
arti suee malit insumere,quod multis usu venit,
quorum animus in nullius contemplatione dis-
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PRINCETON UNIVERS1TY
Buchdruckerei Hch.Löbe 11
Ausführung aller Druck-Arbeiten für Gefdiäftshäu|er, Behörden, Vereine und Private.
Spezialität: lllu(?rations-und Farbendruck, Wertpapiere • Druck und Verlag der Monats-
fchrift für das Baugewerbe • Gegründet im fahre 1846 • Giro-Konto bei der Reichsbank.
Frankfurt am Main
Tel. z6 Kronberger(fra|ie 4 1908
VEREINIGUNG ZUR VERBESSERUNG DER
FRAUENKLEIDUNG FRANKFURT AM MAIN
VORTRAG
von Frau Anna Breitenbach aus Dresden über Frauen¬
tracht und Körperkultur am 28. Februar 1908 abends
6 Uhr im Saale der Städtischen Kunjfgewerbe-Schule
EINTRITTSKARTE ZWEI MARK
FÜR MITGLIEDER EINE MARK
Mit dem Vortrag i|t eine Ausheilung von kün|flcri|dien Frauen trachten verbunden
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PRtNCETON UNIVERSITY
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AI manach
Heraus^eäeben
von Prof. Albert
Alüller-Dresden
läge zum Archiv für Buchgewerbe
Material und Satz der
Schriftgießerei Heinr. Hoffmeister
un
Im Kunstverlag
Adolf Wünsche
Berlin-Dresden
in Leipzig
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Original fro-m
PRINCETON UNIVERSITY
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PRiNCETON UNIVERSITY
Hochaktuell für Künstler
Um einem mehrfach geäußerten Wunsche aus Künstler¬
kreisen Rechnung zu tragen, hat sich der Unterzeichnete
Verlag, ungeachtet der damit verbundenen erheblichen Opfer, entschlossen,
durch Hinzuziehung namhafter Künstler das vornehm ausgestattete Werk
dekorativer Kunst
|-1 von Prof. Albert Müller i-1
I I Rektor der Dresdner Kunstakademie I
herauszugeben. Neben der vorzüglichen Ausstattung sind es besonders
die von hervorragenden Professoren entworfenen Beilagen, welche dem
Ganzen ein eigenartiges Gepräge geben. Nicht minder zu schätzen ist
der redaktionelle Teil, der viel Belehrendes aus der antiken und neueren
Zeit von berufener Feder bringt Das Werk kann auf dem Gebiete der
dekorativen Kunst zur Zeit als das vollendetste gelten und ist als Nach-
schlagebuch allen strebsamen Künstlern, sowie als Lehrbuch für Akademien
zu empfehlen. In der angenehmen Hoffnung, daß auch Sie sich für dieses
Prachtwerk interessieren werden, sehe ich Ihrer gefl. Bestellung mit Ver¬
gnügen entgegen und empfehle mich Ihnen mit vorzüglicher Hochachtung
Kunstverlag Ad. Wünsche
Prächtigster
:: Einhand ::
Vom Kunstverlag Ad. Wünsche erbitte ich
bar
Almanach
dekorativer Kunst ::
zum Preise von M. 6.— pro Band
Ort, Tag und Namen:
Vornehmste
Ausführung!
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PRINCETON UNIVERSITY
NORDISCHE
SCHRIFTEN
ORIGINALSCHNITT AUS
DER SCHRIFTGIESSEREI
VON GENZSCH &. HEYSE
IN HAMBURG
Nordische Schriften und Ornamente
von Genzsch & Heyse in Hamburg
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
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Du bist König und Ritter und kannst befehlen und streiten;
Aber zu jedem Vertrag rufe den Kanzler herbeil
Diesmal streust du, o Herbst, nur leichte welkende Blätter;
Gib mir ein andermal schwellende Früchte dafür!
WINTER
W asser ist Körper und Boden der Fluss. Das neuste Theater
Tut in der Sonne Glanz zwischen den Ufern sich auf.
Wahrlich, es scheint nur ein Traum 1 Bedeutende Bilder des Lebens
Schweben lieblich und ernst über die Fläche dahin.
Eingefroren sahen wir so Jahrhunderte starren;
Menschengefühl und Vernunft schlich nur verborgen am Grund.
Nur die Fläche bestimmt die kreisenden Bahnen des Lebens;
Ist sie glatt, so vergisst jeder die nahe Gefahr.
Alle streben und eilen und suchen und fliehen einander;
Aber alle beschränkt freundlich die glättere Bahn.
Fallen ist der Sterblichen Los. So fällt hier der Schüler
Wie der Meister, doch stürzt dieser gefährlicher hin.
Stürzt der rüstigste Läufer der Bahn, so lacht man am Ufer,
Wie man bei Bier und Tabak über Besiegte sich hebt.
Siehe, schon nahet der Frühling; das strömende Wasser verzehret
Unten, der sanftere Blick oben der Sonne das Eis.
Dieses Geschlecht ist hinweg, zerstreut die bunte Gesellschaft;
Schiffern und Fischern gehört wieder die wallende Flut.
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VIER JAHRESZEITEN
VON JOHANN WOLFGANG GOETHE
FRÜHLING
A uf, ihr Distichen, frisch! ihr muntern, lebendigen Knaben,
Reich ist Garten und Feld; Blumen zum Kranze herbei!
Reich ist an Blumen die Flur; doch einige sind nur dem Auge,
Andre dem Herzen nur schön; wähle dir, Leser, nun selbst!
Rosenknospe, du bist dem blühenden Mädchen gewidmet,
Die als die Herrlichste sich, als die Bescheidenste zeigt.
Viele der Veilchen zusammengeknüpft, das Sträusschen erscheint
Erst als Blume; du bist, häusliches Mädchen, gemeint.
Eine kannt’ ich: sie war wie die Lilie schlank, und ihr Stolz war
Unschuld; herrlicher hat Salomo keine gesehn.
Schön erhebt sich der Aglei und senkt das Köpfchen herunter.
Ist es Gefühl? oder ist’s Mutwill? ihr ratet es nicht.
Sagt, was füllet das Zimmer mit Wohlgerüchen? Reseda
Farblos, ohne Gestalt, stilles, bescheidenes Kraut.
Zierde wärst du der Gärten; doch wo du erscheinest, da sagst du:
Ceres streute mich selbst aus mit der goldenen Saat.
Deine liebliche Kleinheit, dein holdes Auge, sie sagen
Immer: Vergiss mein nicht! immer: Vergiss nur nicht mein!
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PRINCETON UNIVERSITY
Einrichtung von Gärten und
Park «Anlagen nach eigenen
Plänen und Zeichnungen <4
Mit Kostenanschlägen stehe
ich j ederzeit gern zu Diensten
Verkauf von Sämereien aller
Art unter Garantie für ihre
Keimfähigkeit • Blumen und
Blattpflanzen in der grössten
Auswahl zu billigen Preisen
Frankfurt am Main
| Sechstes Abonnements=Konzert der |
® Kapelle des 31. Regiments Graf Bose ©
1 am Sonntag den 29. November 1908 I
Eintrittskarte
zum Konzert
29.Nov.1908
PROGRAMM
1. Ouvertüre zu den Hugenotten. . Meyerbeer & @
2. Walzer aus der Dollarprinzessin . Fall
3. Piratenmarsch . Müller
4. Nocturno . Chopin
5. Akademische Ouvertüre
6. Torero=Marsch .
7. Fidelitas, Potpourri .
8 . Hoch Zeppelin, Marsch. .
Brahms
Bizet
Schulze
Schröder
J Eau L
de Fleurs
9. Vorspiel zu Lohengrin. .
10. UndinesFantasie ....
11 . Lied aus der Oper Mignon
12. Galopp .
Wagner
Lortzing
Thomas
Hermann
Nächstes Abonnements-Konzert
am Mittwoch den 16. Dezember
Flacon M. 1.50
GENZSCH & HEYSE, HAMBURG
Original«
Schnitt
NORDISCHE SCHRIFTEN
Original fram
PRINCETON UNIVERSITY
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Umfchlagfeite des »Deutfchen Buchdrucker-Kalenders 1909«
Beilage zum »Archiv für Buchgewerbe«
Druck von Günther, Kirftein & Wendler, Leipzig
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PRINCETON UNIVERS1TY
HISTORISCHER VEREIN
©83 ALT-WERTHEIM 8383
EINLADUNG ZU EINER AUS¬
STELLUNG VON WERKEN
83 83© DES MALERS ©©©
FRITZ LANGE-DEDEKAM
IN DER KILIANSKAPELLE
© © © ZU WERTHEIM 838383
Ä*®/
«IF
GEÖFFNET VOM 20. SEPT. BIS J8. OKT.
SONNTAGS • MITTWOCHS UND
FREITAGS VON VORMITTAGS U
00 BIS NACHMITTAGS 3 UHR 830
BEILAGE ZUM ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
BRÜHL'SCHE UNIVERSITÄTS-BUCH- UND
STEINDRUCKEREI • R. LANGE • GIESSEN
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MAN BITTET DIESE EINLADUNG ALS
0 0 KATALOG ZU BENUTZEN SB 0
OELGEMÄLDE
1. LOTTE • BILDNIS DES FRÄULEIN L. K. • BERLIN « ::
2. BILDNIS DER FRAU E. M. • DARMSTADTs: :: :: :: ::
3. BILDNIS DES FRÄULEIN B. D. • NORWEGEN « :: :: «
4. SELBSTBILDNIS « « « « :: :: :: :: :: :: :: :: :: :: « :: s: :s :: ::
5. BILDNIS DES HERRN H. N. • BERLIN » » « » « « « «
6. STUDIE ZUM BILDNIS SR. HOHEIT DES HERZOGS
JOHANN ALBRECHT VON MECKLENBURG « « « ::
7. ENTWURF FÜR EIN DAMENBILDNIS » « « :: « :: t: «
8. SOMMERABEND AN DER TAUBER :: « « :: n » » « «
9. BRÜCKE BEI REICHOLZHEIM • VORFRÜHLING « #
10. HAUS IM HERRENGARTEN BEI WERTHEIM « « « «
11. TAUBERLANDSCHAFT BEI REICHOLZHEIM « « « «
TEMPERAGEMÄLDE :: « » « « :: :: :: :: :: :: :: :: :: :: ::
12. ALTES BAUERNHAUS IN BOXTHAL » « « :: « « s: ::
13. MAINSTRASSE BEI BOXTHAL:: « « « « « i: u « :: ::::
14. BLÜHENDE KIRSCHBÄUME BEI SACHSENHAUSEN
15. HERBSTTAG • MOTIV BEI SACHSENHAUSEN « «
16. AM MAINUFER BEI TRIEFENSTEIN • TEMPERA «
17. SOMMERABEND NACH EINEM GEWITTER « :: « «
18. ABENDWOLKEN ” :: :: st :: :: :: sj :s :: « :: :s :s :: :: :: :: :: ::
19. RUINE IM VORFRÜHLING » « ö « « « « « « « « « » «
20. SOMMERABEND AN EINEM MARE IN DER EIFEL
21. SOMMERABEND « « « « « « « « « « « « « « » » « » :: ::
22. FRÜHLINGS ABEND « « - :: :: :: s: :: :: :: :: :: :: ss:: :: :: ::
23—26. TUSCHZEICHNUNGEN :: « :: :::: :: s: :: « :: «
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PASTELLE
27. BLICK AUF DEN MAIN VOM WEGE NACH URPHAR
28. MOTIV BEI URPHAR a « a a a a « a a a a a :: :: :: :: ::
29. AUF DEM WEGE NACH HASSLOCH • FRÜHLING a
30. BLICK VOM BIRKENWEG AUF KREUZ-WERTHEIM
31. ALTE HAMMERSCHMIEDE IM HASSLOCHTHAL BEI
SCHNEE a a a a • • t» ** •• *• .. •* •* • * * * * « > • *j j* • * «• ?* st st ••
32. DORFSTRASSE IN BOXTHAL a a a a :: :: :: :: :: :: :: «
33. BAUM IM VORFRÜHLING « a a a a :::::: :: a a « » ::
34. AM BRUNNEN « « a a a a a s: a a a a a a a a a a :::: «
KOPIEN
35. MADONNA VON FRA FILIPPO LIPPI • ORIGINAL
IN DEN UFFIZIEN ZU FLORENZ a a a a a :: ss:: :: :: ::
36. MADONNA VON NEROCCIO • ACADEMIE IN SIENA
37. MADONNA VON BENVENUTO DI GIOVANNI
ACADEMIE IN SIENA a a :: :: :: :: :: :: :: :: :: :: :: :: :: :: «
38. SEITENBILD EINES HAUSALTARS VON GIOVANNI
DI PAOLO • ACADEMIE IN SIENA a a :: :: :: :s :s a a ::
39. AUS DEM RAHMEN EINES BILDES VON SANO DI
PIETRO • ACADEMIE IN SIENA a a a a :: :: :: :: :: :: ::
40—45. DRUCKE NACH ENTWÜRFEN DES KÜNSTLERS
DIE PREISE DER VERKÄUFLICHEN BILDER SIND
« AN DER KASSE ZU ERFAHREN
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PRINCETON UNIVERSUM
EINTRITTSGELD WIRD
ERHOBEN ZU GUNSTEN
DES HISTORISCHEN
VEREINS UND BETRÄGT
30 PFENNIGE • FAMILIEN¬
KARTE I MARK* DAUER¬
KARTE NICHT ÜBER¬
TRAGBAR \ MARK ®
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PRINCETON UNIVERSITY
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Original frörri
PRINCETON UNIVERSITY
Vielfarbenbuchdruck der Reichsdruckerei, Berlin 1908.
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe. Beschreibender Text umstehend.
G EGEN das Ende des dritten Jahrhunderts unserer
Zeitrechnung standen sich in Westasien vier Re¬
ligionssysteme feindlich gegenüber, nämlich der
persische Ormuzddienst, das Christentum, der Neu¬
platonismus und der Manichäismus. In den Kämpfen um
die Vormacht erlag der Neuplatonismus am frühesten, an
seiner Statt aber erwuchs den übrigen Religionen ein bei
weitem gefährlicherer Feind im Islam, der zunächst den Zo-
roasterglauben verdrängte. Inzwischen hatte der Manichäis¬
mus sich im glücklichen Kampf mit dem Christentum über
weite Gebiete in Europa, Westasien und Nordafrika auszu¬
breiten vermocht, während er in Persien von den Zoroastriem
bedrängt wurde und nur eine beschränkte Ausdehnung ge¬
wann. Nach der Eroberung Persiens durch die islamischen
Araber aber wurde diese Ausdehnung durch heftige Ver¬
folgungen noch weiter eingeschränkt. Die Folge war, daß
viele Manichäer in die buddhistischen Länder jenseits des
Yaxartes flüchteten, wo sie in den schon seit der Zeit des
Religionsstifters Mani dort bestehenden, zerstreuten Ge¬
meinden ihrer Glaubensgenossen Schutz fanden. Allmählich
wurden die manichäischen Gemeinden in ganz Westasien ver¬
nichtet. In Europa und in Nordafrika konnten sie den un¬
gleichen Kampf gegen das zur Staatsreligion gewordene
Christentum auf die Dauer nicht bestehen, und so ver¬
schwanden sie allmählich auch hier; der Glaubenseifer der
Feinde, Christen, Zoroastrier, Mohammedaner, verfolgte aber
nicht nur die Personen der Bekenner, sondern auch alles,
was mit deren Glauben zusammenhing, mit fanatischer Er¬
bitterung.
Ganz besonders hatten die Andersgläubigen es auf die
von Mani während seines Aufenthaltes in Turkistan verfaßten
heiligen Schriften der Manichäer abgesehen; diese Bücher,
die Quellen der verhaßten Lehren, spurlos verschwinden zu
machen, galt ihnen als heilige Pflicht. Zum Bedauern aller,
denen das Studium der Kunstgeschichte und des religiösen
Denkens am Herzen liegt, ist es jenen Eiferern gelungen,
die Religion des Mani nebst ihrer gesamten Literatur der¬
artig zu vernichten, daß in Westasien, in Europa und in Nord¬
afrika nicht das kleinste literarische (oder andere) Denkmal
des manichäischen Kults den späteren Geschlechtern erhalten
geblieben ist.
Nur in den Schriften der christlichen und islamischen
Widersacher des Manichäismus erhalten wir Aufschlüsse über
seine Anschauungen und über seine religiöse Literatur; wir
erfahren unter anderem, daß die Bekenner dieser Lehre
überall auf prächtige Ausstattung der heiligen Schriften den
größten Wert legten, daß ihre zahlreichen und kostbaren
Codices auf das reichste mit Titeln und Miniaturen in bunten
Farben und Gold verziert waren, daß man stets nur Papier
oder feines Leder von vorzüglicher Güte zu benutzen pflegte,
daß die Schrift in glänzender Tinte von kundigen Schreibern
kalligraphisch ausgeführt sein mußte.
Die in der Diaspora in Turkistan und China lebenden
Manichäer entgingen dem frühen Untergang, der ihre west¬
licheren Glaubensgenossen traf; es gelang ihnen, das
Herrscherhaus eines der ihnen Gastfreundschaft gewährenden
Staaten zum Bekenntnis ihres Glaubens zu bewegen, und
unter dem Schutze dieser Fürsten hat sich der Manichäismus
jedenfalls bis etwa zum 12. Jahrhundert in Turkistan erhalten.
Der erwähnte Staat war das vom 7. bis zum 10. Jahrhundert
seine größte Blüte zeitigende Reich des türkischen Volkes der
Uiguren; es lag im Nordosten des heutigen Landes Ost- oder
Chinesisch-Turkistan und umfaßte die Gegenden von Kurla,
Karaschahr, Turfan, Urumtschi und Hami-Komul, nebst Teilen
der Westprovinz Kan-su des eigentlichen China.
Die Hauptstadt des Reiches war die unfern Turfan beim
heutigen Flecken Kara Chodscha gelegene, heute noch in
ihren Ruinen erhaltene Stadt Idikut-Schahri oder Kao-cang; das
Geschlecht der Schutzherren war das uigurische Königshaus.
Als im frühen Mittelalter der Verkehr zwischen dem Westen
und dem in Frage kommenden Gebiet zu stocken begann
und allmählich ganz aufhörte, gerieten auch die dortigen ma¬
nichäischen Gemeinden in gänzliche Vergessenheit.
Den Forschungsexpeditionen, die zu verschiedenen Malen
von Berlin nach Turkistan entsandt worden sind, war es Vor¬
behalten, die merkwürdigen Reste jener mit allem Raffinement
einer hohen Kultur ausgestatteten Literatur dem Schutte und
dem Flugsand der zerstörten Tempel von Idikut-Schahri zu
entreißen. Die Expedition der Herren Grünwedel und Huth,
die von dem Techniker Bartus auf das vortrefflichste unter¬
stützt wurde (1902/03), brachte die ersten und die schönsten
derartigen Fragmente nach Berlin, wo die Texte alsbald von
F. W. K. Müller entziffert und als manichäisch erkannt wur¬
den: ein Ereignis, das von der wissenschaftlichen Welt aller-
wärts mit freudigem Staunen aufgenommen wurde.
Weniger reich an Resultaten dieser Art waren die beiden
folgenden, auf Betrieb des Geheimrat Pischel zustande ge¬
kommenen Expeditionen von 1904—1907, von denen die
erste unter meiner, die zweite wieder unter Professor Grün¬
wedels Leitung stand. Herr Bartus war von neuem Mit¬
glied beider Expeditionen.
Unter der Ausbeute meiner Arbeiten in Idikut-Schahri be¬
findet sich auch das hier publizierte Fragment eines mani¬
chäischen illuminierten Buches. Es fand sich in der großen
Ruine im Mittelpunkt der alten Stadt, und zwar lag es, mit
anderen manichäischen Manuskriptfragmenten zusammenge¬
ballt, unter etwa P/2 m Sand in einem gewölbten Raum im
Nordwesten des Gebäudekomplexes. Demselben Gebäude¬
komplex entnahmen wir das große Wandgemälde eines ma¬
nichäischen Oberpriesters, welches möglicherweise ein Porträt
des Religionsstifters selbst ist, sowie eine Anzahl von ma¬
nichäischen Tempelfahnen, Schriften und Gemälden auf Seide.
Alles Funde, die zu der Annahme berechtigen, daß wir einen
manichäischen Tempel aufgefunden hatten.
Unser Fragment besteht aus dem nicht vollständigen Blatte
eines in europäischer Weise gehefteten Buches. Es war wahr¬
scheinlich das Titel- oder das Schlußblatt und wurde als
solches augenscheinlich einzeln hergestellt und dem fertigen,
gehefteten Buche durch Einkleben beigefügt, ein Verfahren,
dessen Vorkommen durch andere Fundstücke belegt ist. —
Die Klebefläche befindet sich auf dem Innenrand; das Format
des Buches war vielleicht Groß-Oktav.
Das Papier ist gut, glatt und von gelbbräunlicher Färbung.
Die Vorderseite des Blattes ist bis auf einen schmalen Streifen
in der Mitte, welcher drei Zeilen Text in uigurischer Schrift
enthält, ganz mit Miniaturmalereien bedeckt; diese zeigen uns
die eigentümliche Malweise der Manichäer.
Die Schrift läuft auf dieser Seite von unten nach oben, eine
Anordnung, die auch bei anderen heiligen Schriften der
Manichäer häufig ist und nach F. W. K. Müller vielleicht
symbolische Bedeutung hat. Rechts von diesem Schrift¬
streifen sehen wir auf dem besser erhaltenen rechten Teil der
Seite zwei übereinandergeordnete Reihen von je drei wei߬
gekleideten Priestern; ihr langes schwarzes Haupthaar fällt
auf die Schultern herab. Einer der Priester trägt nur einen
kleinen Schnurrbart, während die übrigen den Schnurrbart
und einen am Kinn in zwei Spitzen ausgezogenen Vollbart
besitzen; ein anderer endlich trägt Schnurr- und ganzen
Vollbart. Auf dem Haupte tragen sie die hohe weiße Mütze
einer bestimmten Klasse der manichäischen Geistlichen.
Sie sitzen oder knien vor niederen Pulten, die mit Decken
von blauer, grüner, scharlachroter und karminroter Farbe
verhängt sind; auf jedem der Pulte liegt eine vergoldete,
violette oder rote (und in den beiden letzten Fällen eckig
umrandete) Schreibmappe, auf welcher ein Bogen weißen
Papieres ruht. Einige der Priester halten je eine rot dar¬
gestellte Feder in jeder Hand, andere führen eine solche in
der linken; wieder andere halten keine Federn und legen die
geschlossenen Hände auf das Papier oder auf den Rand der
Mappe. Dies ist vielleicht nur eine Nachlässigkeit des Malers
und würde dann, wie auch der Gebrauch der uigurischen
Schrift statt der manichäischen, auf eine relativ späte Ent¬
stehungszeit hinweisen. Rechts und links von der mittleren
Gestalt der oberen Reihe erheben sich die dünnen, im
Original mit Blattgold belegten, einmal gegabelten Stämme
zweier Bäumchen, deren rote Blumen tragende Kronen den
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Original fro-rn
PRINCETON UNIVERS1TY
Abschluß des Bildes nach oben bilden. Eine große rote
Weintraube, deren Ranken im Laube der Bäume verschwinden,
hängt auf den Rand des Schriftstreifens herab.
Die Seite links von der Schrift ist leider stark beschädigt,
und man kann nicht mit Sicherheit angeben, ob etwa noch
mehrere solche Schriftstreifen mit umgebender Malerei hier
abgerissen sind.
Jedenfalls ist hervorzuheben, daß die Anordnung der auch
hier den Abschluß bildenden Bäumchen etwas anders ist als
auf dem oben beschriebenen Teile des Blattes; auch hängt
die hier dargestellte Traube asymmetrisch. Der Umriß der
Gestalt eines schopftragenden Vogels findet sich auf der
Krone des ersten Bäumchens dieser Gruppe (nach rechts).
Man sieht noch Reste des Blattgolds, auf dem die Gliederung
der Flügel usw. aufgemalt war. Die wieder in zwei ver¬
schiedenen Nuancen von Rot dargestellten Blumen der Bäume
zeigen einen weißen Rand. Endlich entspricht zwar die
linke obere Bilderreihe der oberen Reihe des rechten Teiles,
die untere Reihe links aber muß ganz andre Figuren ent¬
halten haben als die entsprechende Reihe rechts, denn der
einzige Rest der ersten Gestalt dieser Reihe zeigt uns einen
Teil der Haupthaare und den großen, merkwürdig geformten
Hut mit umgehängter roter Schärpe, deren Enden über den
Nacken der dazugehörigen Person herabzufallen scheinen.
Ein Teil der noch sonderbareren Kopfbedeckung der nächst¬
folgenden Figur ist ebenfalls erhalten.
Ob aus diesen Abweichungen Schlüsse auf die frühere
Größe des Blattes zu ziehen sind, lasse ich dahingestellt.
Der Hintergrund der Miniatur ist mit einer stumpfen,
blauen Farbe ausgefüllt, welche die dargestellten Figuren
wirkungsvoll hervorhebt.
Die Rückseite zeigt eine wesentlich andere Anordnung von
Malerei und Schrift. Die Schrift läuft hier von oben nach
unten, nicht wie auf der Vorderseite von unten nach oben:
man scheint also zur Zeit der Herstellung dieses Buches die
Schrift von rechts nach links geschrieben, sie aber in ver¬
tikaler Richtung, gleichviel ob von oben nach unten oder von
unten nach oben, gelesen zu haben.
Diese Annahme wird bestätigt durch die Stellung der
Bilder zur Schrift; daß die Schrift von rechts nach links
geschrieben ist, geht aus dem Duktus hervor.
Die Schrift ist in zwei übereinandergeordnete Kolonnen
geteilt, von denen die obere noch fünf in scharlachroter
Tinte geschriebene Zeilen enthält, während von der unteren
Kolonne nur wenig mehr als zwei Zeilen in schwarzer Tinte
geschriebener Text erhalten sind. Ein schmaler, von zwei
roten Strichen eingefaßter Zwischenraum trennt die beiden
Textkolonnen. Die in roter Schrift ausgeführten Zeilen ent¬
halten Angaben über den Inhalt, wie sie sich häufig am
Ende eines Kapitels finden; die schwarz geschriebenen Zeilen
dagegen enthielten den Namen eines Königs, mutmaßlich
als Teil des leider verlorenen Datums.
Auf der linken Seite befindet sich ein Teil des, in den
manichäischen Büchern gemeinhin sich über mehrere auf¬
einanderfolgende Seiten erstreckenden Titels. Dieser ist in
olivengrüner Tinte geschrieben und wird eingefaßt von den
Ranken eines gefälligen Blumenornaments, welche, in Gold
und Farben ausgeführt, auf die Malereien des oberen Randes
hinübergreifen. Besondere Aufmerksamkeit verdient an diesem
Ornament die öfter wiederkehrende fünfblättrige Blume, die
sich auch auf andern manichäischen Darstellungen vorfindet.
Der obere Rand wird durch eine Gruppe musizierender
Männer auf blauem Hintergrund eingenommen. Sie sitzen
auf Teppichen, deren unterer Rand einen geradlinigen Ab¬
schluß gegen das Rankenornament und die Schrift bildet.
Oberhalb des Rankenornaments sitzt eine männliche Figur
mit untergeschlagenen Beinen auf einem roten, rechteckigen
Teppich. Die Arme scheinen ein Musikinstrument gehalten
zu haben; da jedoch von dieser Figur nur die Untermalung
erhalten ist, ist es nicht möglich, genauere Angaben zu
machen. Das Kleid war augenscheinlich als aus Goldbrokat
hergestellt gedacht; Teile des Blattgolds sind erhalten, doch ist
die früher aufgemalte Gliederung verschwunden. Der Kopf ist
abgerissen, und diese Zerstörung macht auch die Bestimmung
eines in Grün und Gold gemalten Gegenstandes zwischen dem
Arm der Figur und der Ornamentranke unmöglich.
Diese Ornamentranke trennt die eben beschriebene, allein
sitzende Figur von einer Gruppe männlicher Gestalten, die,
auf den Fersen sitzend, auf einem schmalen grünen Teppiche
Platz genommen haben.
Die erste dieser Figuren trägt ein rotes Gewand mit großen,
viereckigen, eingewebten Blumen aus Goldbrokat. Es scheint
seitlich geschlossen zu sein; durch den beim Sitzen nach
vorn verschobenen Seitenschlitz sieht man die blauweißen
Unterkleider.
Die Arme sind über der Brust verschränkt und die Hände
in den weiten Ärmeln versteckt; das Haupt ist mit der sonder¬
baren Tiara bedeckt, welche wir aus den Wandgemälden
der Ruinen von Ost-Turkistan als eine Kopfbedeckung der
Vornehmen kennen.
Die nächstfolgende Figur trägt dieselbe Tiara und ein Kleid
desselben Schnittes, aber von blauer Farbe, mit kleeblatt¬
artigem rotweißem Muster. Sie spielt auf einem Saiten¬
instrumente, welches mehr der indischen vinä, weniger der
arabo-persischen Laute gleicht. Das Instrument hat vier Saiten
und wird vielleicht mit einem Plektrum gespielt.
Endlich zeigt der Arm einer dritten sitzenden Figur am
abgerissenen Rande, daß die Reihe der Darstellungen noch
nicht abgeschlossen ist.
Über die Malweise kann man nur sagen, daß sie nicht
fremdartig, sondern vertraut anmutet. Man wird sie einerseits
auf eine spätantike Malschule zurückführen und sie anderseits
als Quelle der späteren berühmten persischen Miniaturmalerei
betrachten müssen. Die Farben stammen nach einer münd¬
lichen Mitteilung des Herrn J. R. Martin in Stockholm wahr¬
scheinlich aus Centralasien, vielleicht aber aus China.
Der erhaltene Text ist zu unvollständig, um hier einge¬
hendere Behandlung zu verdienen; den Inhalt haben wir
bereits angedeutet. Wenden wir uns vielmehr zu dem, was
man über die Schrift als solche heute weiß.
Es ist nicht viel, und erst ein gründliches Studium der
zahlreichen verschiedenen, unter unseren Funden vertretenen
Schriftproben dieser Art wird uns genauere Aufschlüsse
geben. Prof. F. W. K. Müller bereitet eine derartige Pu¬
blikation vor. Die weder ausführlichen noch auf genügendes
Material gestützten Angaben früherer Autoren sind etwa wie
folgt zusammenzufassen.
Die Schrift der Uiguren ist aus einer semitischen Buch¬
stabenschrift entstanden. Es ist augenblicklich noch nicht
möglich, ihren Ursprung auf eine der bekannten semitischen
Schriftarten mit Sicherheit zurückzuführen, doch bieten sich
gewisse Anhaltspunkte für die Annahme, daß die uigurischen
Buchstaben aus einem syrischen, den Türken durch ihre
Nachbarn oder durch die syrischen Christen übermittelten
Alphabet entstanden sind. Nicht weniger unsicher ist ihr
Alter, doch ist es nach Untersuchung der Manuskriptfunde
der preußischen Expeditionen nach Ost-Turkistan sehr wahr¬
scheinlich, daß sie bereits im 8. Jahrhundert n. Chr. eben¬
dort in vollendet kalligraphischer Weise geschrieben wurde.
Sie beherrschte jahrhundertelang die buddhistische Kulturwelt
Centralasiens; die heutige Schrift der Mongolen wurde im
13. Jahrhundert aus ihr abgeleitet.
Das Alphabet umfaßt 20 Buchstaben; die Schrift wurde
von rechts nach links oder auch von oben nach unten ge¬
schrieben. Das letztere Verfahren fand besonders bei der
Herstellung von Briefen, Kaufverträgen und anderen, dem
bürgerlichen Verkehr dienenden Dokumenten Verwendung, in
denen die Schrift zur Kursive wird. Die mit besonderer Sorg¬
falt hergestellten religiösen Texte, gleichviel ob christlichen,
manichäischen oder buddhistischen Inhalts, sind dagegen
augenscheinlich meistens von rechts nach links geschrieben.
Diese religiösen Texte wurden mit einer Rohrfeder aus¬
geführt, welche, wenn man nach unsern Fundstücken
Schlüsse ziehen darf, der noch heute in Marokko verwen¬
deten Feder sehr ähnlich war. Zum Schreiben der Kursiv¬
schrift diente dagegen der chinesische Pinsel.
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Man schrieb gewöhnlich mit schwarzer Tinte oder Tusche,
häufig aber auch mit farbigen Tuschen, unter denen die
scharlachrote am häufigsten auftritt. Seltener wurden karmin¬
rote, blaue, grüne, gelbe und bräunliche Tuschen benutzt.
Besonders in manichäischen Büchern waren die Überschriften
der Seiten gemeinhin in bunten Tinten geschrieben.
Die Bücher wurden in sehr verschiedener Weise hergestellt.
Es finden sich Rollen, geheftete Bücher, indische »pothi« und
Faltbücher. [Das indische Buch oder pothi besteht aus einer
Lage von länglichen, einzeln aufeinandergelegten, numerierten
Blättern, die zwischen zwei Brettchen derselben Form gelegt
werden. Eine Schnur wird durch die genau an derselben
Stelle in den Deckeln wie in den Blättern angebrachten Löcher
gezogen und um das Buch gewickelt.]
Da wir im Begriff sind, unsere buddhistischen uigurischen
Texte herauszugeben und es bei der ungeheueren Menge
dieses Materials der zu hohen Kosten halber unmöglich ist,
sich zur Wiedergabe ausschließlich der Autotypie zu bedienen,
wurde die Reichsdruckerei auf Prof. Müllers Antrag von der
Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften beauf¬
tragt, nach von mir gelieferten Vorbildern einen uigurischen
Schriftsatz herstellen zu lassen.
Die Reichsdruckerei begann sofort die Arbeit, und es gelang
der außerordentlichen Geschicklichkeit ihrer Angestellten,
einen Satz uigurischer Typen zu schaffen, welcher die aus¬
drucksvolle Schrift des alten türkischen Kulturvolks in einer
geradezu glänzenden Weise wiedergibt Dies Resultat ist um so
erfreulicher, als der von der Russischen Akademie der Wissen¬
schaften in St. Petersburg hergestellte uigurische Schriftsatz
nach einer ungeschickt gewählten, unschönen, späten und
darum nicht typischen Handschrift hergestellt ist, so daß die
Typen steif und häßlich sind, die Unvollständigkeit des Satzes
aber außerdem seine Verwendung zur Wiedergabe guter alter
Handschriften unmöglich macht.
Die Herstellung der Typen war mit bedeutenden Schwierig¬
keiten verknüpft, über welche hier der fachmännische Bericht
folgen möge.
»Überaus schwierig und umständlich gestaltete sich die
Herstellung der uigurischen Typen. Nachdem im Museum
die Schriftbilder für die einzelnen Buchstaben und Liga¬
turen aus den verschiedenen uigurischen Bruchstücken müh¬
selig herausgesucht und aufgezeichnet worden waren, unter¬
nahm die Reichsdruckerei, sie von einem geschickten Graveur
nachzeichnen und die Stempel vom Schriftschneider herstellen
zu lassen. Die zahlreichen Überhänge, Schwänze usw., die
durch die notwendige getreue Wiedergabe des schrägen
Duktus des geschriebenen Uigurisch bedingt waren, ließen
eine Aneinanderreihung der uigurischen Typen nach Art
anderer orientalischer Typen (z. B. arabischer oder syrischer)
nicht zu. Vielmehr mußte bei allen Typen, bei denen rechts
oder links oder auf beiden Seiten ein Anschluß notwendig war,
diesem eine schräge Form gegeben werden, z.B.:
Nach Art unserer heutigen Schreibschrifttypen, Hz* •
d. h. mit weiten Überhängen, ließ sich der Guß ebenfalls nicht
bewerkstelligen. In diesem Falle war es nicht zu vermeiden,
daß beim Druck der 115 verschiedenen Typen leicht Be¬
schädigungen vorkamen, die sowohl vom Setzer als auch
vom Korrektor, denen die Schrift doch fremd war, sehr
leicht übersehen werden konnten. Es mußte also eine Form
gefunden werden, bei der die in der Schnellpresse leicht ab¬
brechenden Überhänge vermieden und der schräge Anschluß
möglich war. Die Umbildung der rechteckigen Typenkörper
in rautenförmige wie bei den ganz alten Schreibschriften ist
versucht worden, scheiterte aber daran, daß derartige Typen
nicht regelrecht behandelt werden konnten und besonders
daran, daß ein korrektes Ausschließen unmöglich war. End¬
lich wurde die Schwierigkeit dadurch gelöst, daß der Typen¬
körper die in Aufsicht wiedergegebene Form erhielt: IBHLjfj]
Auch der Ausschluß hat diese Form, und am Anfang
und Ende jeder Zeile sind Füllstücke vorgesehen, deren Gestalt
aus der vorstehenden Zeichnung gleichfalls ersichtlich ist.«
Als Beweis für unsere Behauptung, daß die Herstellung
der Typen glänzend gelungen sei, möge hier folgende Wieder¬
gabe, im Druck, eines uigurischen Manuskripts folgen.
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Beilage ]um Rrrfiio fOr Ourf) gern erbe.
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Rnjeigenfrfiriften narf) Zeichnung oon Profeffor Otto (jupp
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PRINCETON UN1VERS1TY
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GEFftSSE
halten kochendheiß
eingefüllte Speisen
und Getränke, ohne
Feuer, bei strenger
und harter Winter*
kälte langeZeitheiß
THERMOS-
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bewahren kalte Ge«
tränke, Speisen, Li*
monade,Wein,Bier,
Fruchte usw., ohne
Hs, bei allergrößter
Hiße tagelang kühl
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THERMOS*
GEFftSSE
sind unentbehrlich
für Reise, [Jagd und
Sport jeder Hrt, für
LehrerundBeamte,
Baby*, Wochen* und
Krankenpflege usw.
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sind in vielen aber*
tausenden Stücken
im Gebrauche und
sind, weil innen mit
Glaswänden, leicht
und gut zu reinigen
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OFFENBACHMAIN
DIE MOSEL
Dem Fanges- und weinfrohen Trarbach ver¬
dankt die Mofel ihr Preislied. Es war im Som¬
mer des Jahres 1845, dis die Liedertafeln von
Koblenz und Trier (ich in Trarbach von den
Strapazen eines GeFangfedes erholten. Da
machte ein dortiger Arzt den Vorfchlag, man
möchte zur Erlangung eines guten Mofel-
liedes ein Fuder vom beden Gewächs als
Preis ausFet^en. GeFagt getan, und zu Anfang
1847 waren über 200 Lieder vorhanden! Der
glückliche Gekrönte war ein Student, Fodaß
das feine Fuder Enkircher Feinen Beruf wohl
nicht verfehlt hatte. Dagegen war dies der
Fall bei Feinem Lied, das heute kein Menfch
mehr fingt. Es beginnt alFo:
Wohl id im deutlichen Vaterland
Manch' (chöner Strom zu (chaun,
Wohl zieht manch blaues Wogenband
Durch Deutfchlands freie Gaun,
Wohl blüht im lichten Sonnen drahl
Manch edlen Weines Glut
Auf Bergeshöhn im tiefen Tal
Auf deutfcher Ströme Flut.
Doch einem Strom Toll jefet allein
Erklingen unFer Lied,
Doch preiFen laßt uns einen Wein
Begeidert, heiß erglüht!
Kennt ihr den Strom? Kennt ihr den
GeprieFen Fein fie laut: Wein?
Die MoFel id's, der deutFche Strom,
Des deutFchen Rheines Braut!
Und nun folgt noch ein langes Lob der Braut
des deutFchen Rheins. Unter jenen 200 Liedern
befand (ich aber auch eins, das den Pfarrer
Theodor Reck zu Feldkirchen bei Neuwied
zum VerfalTer hatte. Von den Preisrichtern
Lachner, Reißiger und Marfchner wurde es
zwar nicht anerkannt, wohl aber mit Feiner,
allerdings erd Fpäter gefchaffenen Melodie
von Georg Schmitt vom Mofelvolke, und
noch heute id es „das" MoFellied, delTen erde
und letzte Strophe hier folgt:
Im weiten deutFchen Lande
Zieht mancher Strom dahin.
Von allen, die ich kannte.
Liegt einer mir im Sinn.
O MoFeldrand,
O Felig Land,
Ihr grünen Berge, o Fluß und Tal,
Ich grüß' euch von Herzen viel
tauFendmal!
So Fegn' euch Gott, ihr Höhen,
Er Fegne Leut und Land,
Die Reben, die da dehen
Auf grüner Bergeswand.
O MoFeldrand,
O Felig Land,
Ihr grünen Berge, o Fluß und Tal,
Ich grüß' euch von Herzen viel
tauFendmal!
Noch ein zweites poetiFches Preisauslchreiben
id im Jahre 1898 von dem Trarbacher Kafino
ausgegangen für das bede Lob des Mofel-
weines. Diefes Preisauslchreiben war noch
bei weitem fruchtbarer als das erde, denn
nicht weniger als 2140 Gedichte waren der
Erfolg! Die ausgefetjten taufend FlaFchen des
edeln RebenFades wurden unter vier Dich¬
ter: Georg Bötticher, Franz Siegfried Kaifer,
Julius Wolff und t Emmi Rüden von Spillner
verteilt und deren Lieder der Kompofition
preisgegeben. Sie wurden 1575 mal vertont.
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Original fro-m
PRINCETON UNiVERSlTY
Erinnerungen
aus goldenen Kindertagen
Derfd)iedene Erzählungen und
Gedichte ernften und heiteren
Inhalts aus feliger Kinderzeit.
Derfaljt und berausgegeben Don
Hermann rDeitbammer
unter mitroirkung Don unteren
betten Erzählern, flusgeftattet
mit Dielen llluftrationsbeilagen
Hllgemeine Derlagsanftalt für Unterhaltung
und Dolksroiffenfchaft in Stuttgart=münd)en
Beilage zum flrebio für Bucbgemerbe
material und Satz der
Schriftgießerei &einr. ftoffmeitter
in Celpzig
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Original frnm
PRINCETON UNIVERSITY
1
lnl>altö=Dcrzcid)niö
Seile
Die Rutenfrau aus meiner Daterftadt. 3
Das rDeibnacbtsfeft der mutter. 17
€in roobloerdientes mittagsfcbläfcben. 23
Ein febiauer Gratulant und fein Blumenftraufj.... 29
Die beiden buckligen mufikanten. 31
Tapfere Taten meines freundes. 37
mein Zroeirad. 45
€in ßerbfttag im IDalde. 51
Der kleine öandroerksburfebe. 55
maiblürncben. 63
Gieb uns unter täglich Brot. §7
Zu fub dureb den febönen Tbüringer JDald. 72
Unter eiebbörnebens Tod. 76
früblingsabnung. 83
meine febönften ferientage. 86
im letzten Sommer meiner Schulzeit. 94
Der Gaffenjunge. 97
erinnerungen aus unferer Seebadreife. 98
flm heiligen Abend. .
meines Scbroeftercbens neues Sonntagskleid.123
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PRINCETON UNIVERSITY
Antrieb; und roenn eine Ungezogenheit bekannt rourde, ftel'
fid) fidjer bald die Rutenfrau im baufe der Sünder ein. Sic ro
geradezu geachtet bei Grob und Klein. Später hörte icb, da6 I
in ihrem Teftamente ihr ganzes erfpartes kleines Dermögen dc
einigen hundert Talern als eine Art Stiftung ausgefetzt bab
deffen Zinfen jährlich zufDeihnachtenausgegeben werden folltei
um fd)öne, mit Bändern nerzierte Ruten denjenigen eitern urr
fonft zu bieten,roelche fie ihren Kindern an den JDeibnacbtsbaui
hängen roollten. Sollten fid) Ciebhaber nicht finden, dann follte
die Zinfen jährlich dem Ibaifenhaufe zufallen. €s n>ar flcberlic
echte Ciebe zu den Kindern, roelche die alte Frau fo denken lief
Original fram
PRINCETON UNIVE
lic Domain inthe United States, Google-digitized / httpi//www.hathitrust.org/access_use#pd-us-google
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Satz und Druck
Beilage zum Archiv fiir Buchgewerbe. der Hof und Universiiäts Druckerei O Kindt, Giessen.
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ALEXANDER VON LICHTENBURG
1
DIE SCHULE DER
BRANDMALEREI
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EINFACHERE VORLAGEN
24 CHARAKTERISTISCHE DARSTELLUNGEN
IN JE VIER DIE FORTSCHREITENDE AUSFÜHRUNG
ZEIGENDEN BLATTERN MIT BEGLEITENDEM TEXT
■ ■ ■ ■
FARBENDRUCK VON GEBRÜDER UNTERBERG • DRESDEN
■ ■ ■ ■
ERSTE LIEFERUNG
ACHT BLATT
DIE AUSGÄBE ERFOLGT IN 12 LIEFERUNGEN JE 8 BLATT
PREIS JEDER LIEFERUNG 5 MARK. BLATT 1 JEDER
VORLAGE - DIE UMRIßZEICHNUNG - WIRD
EINZELN ABGEGEBEN ZUM PREISE
wi VON 25 PFENNIGEN sw
VERLAG VON EDMUND BÜCHNER . MEININGEN
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe Anwendungsproben aus Neue römische Antiqua-Schriften
Schriftgießerei Julius Klinkhardt , Leipzig
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PRINCETON UNIVERS1TY
Schriften und Ornamente nach Entwürfen von Richard Grimm
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PRINCETON UNIVERSITY
Schriftgießerei und Messinglinienfabrik Julius Klinkhardt, Leipzig
DIE BAUKUNST
ZEITSCHRIFT FÜR STÄDTEBAU
HERAUSGEGEBEN VON KONRAD STEINHAUSEN, ARCHITEKT
NUMMER 24
MANNHEIM, 15. DEZEMBER
5. JAHRGANG
^ □ □□□□□□□ n nnnna a nnanannnaaDac
BÄUKUNST :: VON FRIEDRICH RATZEL
B ie Baukunst wird mit Vorliebe als die
rückständigste unter den Künsten be¬
zeichnet. Daß dieTatsache stimmt, muß
ohne weiteres zugegeben werden; ein
Vorwurf wird sich aber daraus nicht
ableiten lassen, denn die Mittel, deren sich die
Baukunst bedient, sind komplizierter als der
Pinsel des Malers und der Griffel des Radierers.
Braucht schon der Bildhauer, um seine Modelle
in Marmor oder Bronze ausführen zu lassen,
eine große Anzahl von Hilfskräften, so benötigt
der Architekt, um einen Bau im Äußeren und
Innern vom Plane zur Wirklichkeit zu über¬
setzen, ein ganzes Heer, dessen Mannschaft,
seien es Maurer, Zimmerleute, Kunstschlosser,
Steinmetzen, Tischler, Maler oder Handwerker
anderer Berufe, außer der nötigen Handfertig¬
keit über ein großes Maß von Erfahrung ver¬
fügen muß, die, zum Teil in jahrtausendelanger
Tradition, sich gesammelthat. In dieserTradition
liegt die Schwerfälligkeit, aber auch die Stärke
der Baukunst; sie ist wie ein gewaltiges Kapital,
das in kleinen und kleinstenTeilen an eine große
Zahl von Leuten verteilt ist. Deshalb vermochten
auch Jahrzehnte in der Mitte des vergangenen
Jahrhunderts nicht, mit diesem Kapital aufzu¬
räumen, obwohl, in zumTeil noch unerklärlicher
Weise, alte Techniken, die in der Barock- und
Empirezeit noch geblüht, eine nach der andern
verloren gingen. Der Mißerfolg der Architektur
auf der Darmstädter Ausstellung zeigt andrer¬
seits, daß sprunghafte Vorwärtsbewegungen,
selbst mit Aufgebot von viel Arbeit und noch
mehr Reklame, nicht möglich sind. y
Trotzdem die Entwicklung der Baukunst durch
eine außerordentliche Stetigkeit gekennzeichnet
ist, bietet ein Blick nach rückwärts ein mannig¬
faltiges Bild. Es hielten doch einmal herrschende
Ideen lange vor, bis man sie als erschöpft, als
nicht mehr umbildungsfähig aufgab. Wenn man
eine der architektonisch interessanten älteren
deutschen Städte, die sich als vielgestaltiges
architektonisches Bild der Erinnerung einge¬
prägt haben, näher untersucht, so findet sich,
daß alle Gebäude, die in einer Spanne von un¬
gefähr dreißig Jahren entstanden sind, in den
großen Zügen fast nach einem Schema gebaut
sind, und trotzdem erscheint uns jedes derselben
als ein Individuum für sich, weil die Einzelheiten,
allerdings im Rahmen eines sicheren Stilgefühls,
in unendlicherMannigfaltigkeit variieren. Kaum
wird alles das, was wir heute als meistermäßige
Werke betrachten, von bedeutenden Künstlern
entstanden sein. Das handwerkliche Element
spielte eine Rolle, von der wir uns bei den
heutigen Verhältnissen wohl kaum einen Begriff
machen können. Das Niveau derZeit, oder viel¬
mehr der die Zeit beherrschende formale Typus
stand so hoch, daß absolut Schlechtes nicht ent¬
stehen konnte; die handwerkliche Tüchtigkeit
war so groß, daß sie selbst den einfachsten
Dingen, wenn ihnen der Schmuck fehlte, durch
werk- und materialgerechte Ausführung den
Stempel der Gediegenheit aufdrückte. y
Für die Baukunst unserer Tage dürfen wir
dieses Lob nicht ohne weiteres in Anspruch
nehmen. Um das Durchschnittsniveau der bau¬
lichen Leistungen zu finden, sind nicht die Werke
in Betracht zu ziehen, die von hervorragenden
Baukünstlern erstellt sind, sondern die große
Zahl von Alltagsleistungen, die in den Außen¬
bezirken größerer Städte, in kleineren Orten
und auf dem Lande wie Pilze gleichsam von
selbst entstehen. Auf sie trifft keiner von den
Vorzügen zu, die den einfachen Werken älterer
Kunst nachzurühmen sind. Hat man nach einem
Gang durch eine alte Stadt, die tatsächlich nur
wenig Typen, aber diese in mannigfaltigster
Variation aufweist, eine Fülle von eigenartigen
Einzelheiten in sich aufgenommen, so haben wir
Schriften und Ornamente nach Entwürfen von Richard Grimm
Schriftgießerei Julius Klinkhardt, Leipzig
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Beilage zum „Archiv für Buchgewerbe“.
Archiv-Antiqua.
Original-Erzeugnis.
E in Schneider und ein Goldschmied wanderten
zusammen und vernahmen eines Abends,
als die Sonne hinter die Berge gesunken war,
den Klang einer fernen Musik, die immer deut¬
licher ward; sie tönte ungewöhnlich, aber so
anmutig, daß sie aller Müdigkeit vergaßen und
rasch weiter schritten. Der Mond war schon
aufgestiegen, als sie zu einem Hügel gelangten,
auf dem sie eine Menge kleiner Männer und
Frauen erblickten, die sich bei den Händen ge¬
faßt hatten und mit größter Lust und Freudigkeit
im Tanze herumwirbelten. Sie sangen dazu
auf das lieblichste, und das war die Musik, die
die Wanderer gehört hatten. In der Mitte saß
ein Alter, der etwas größer war als die übrigen,
der einen buntfarbigen Rock trug, und dem ein
eisgrauer Bart über die Brust herabhing. Die
beiden blieben voller Verwunderung stehen,
und sahen dem Tanz zu. Der Alte winkte, sie
sollten eintreten, und das kleine Volk öffnete
bereitwilligst seinen Kreis. Der Goldschmied,
der einen Höcker hatte und wie alle Buckeligen
keck genug war, trat herzu; der Schneider em¬
pfand zuerst einige Scheu und hielt sich zurück,
doch als er sah, wie es so lustig herging, faßte
er sich ein Herz und kam nach. Alsbald schloß
sich der Kreis wieder, und die kleinen sangen
und tanzten in den wildesten Sprüngen weiter;
der Alte aber nahm ein breites Messer, das an
seinem Gürtel hing, wetzte es, und als es hin¬
länglich geschärft war, blickte er sich nach den
Fremdlingen um. Es ward ihnen Angst, aber
sie hatten nicht lange Zeit, sich zu besinnen,
der Alte packte den Goldschmied und schor in
der größten Geschwindigkeit ihm Haupthaar und
Bart hinweg; ein gleiches geschah hierauf dem
Schneider. Doch ihre Angst verschwand, als
der Alte nach vollbrachter Arbeit beiden freund¬
lich auf die Schulter klopfte, als wollte er sagen,
sie hätten es gut gemacht, daß sie ohne Sträuben
alles willig hätten geschehen lassen. Er zeigte
mit dem Finger auf einen Haufen Kohlen, der
zur Seite lag, und deutete ihnen durch Geberden
an, daß sie ihre Taschen damit füllen sollten.
Beide gehorchten, obgleich sie nicht wußten,
wozu ihnen die Kohlen dienen sollten, und
gingen dann weiter, um ein Nachtlager zu suchen.
Als sie ins Tal gekommen waren, schlug die
Glocke des benachbarten Klosters zwölf Uhr;
augenblicklich verstummte der Gesang, alles war
verschwunden, und der Hügel lag in einsamem
Mondschein.
Die beiden Wanderer fanden eine Her¬
berge und deckten sich auf dem Strohlager mit
ihren Röcken zu, vergaßen aber wegen ihrer
Müdigkeit, die Kohlen zuvor herauszunehmen.
Ein schwerer Druck auf ihren Gliedern weckte
sie früher als gewöhnlich. Sie griffen in die
Taschen und wollten ihren Augen nicht trauen,
als sie sahen, daß sie nicht mit Kohlen, sondern
mit reinem Gold angefüllt waren; auch Haupt¬
haar und Bart war glücklich wieder in aller
Fülle vorhanden. Sie waren nun reiche Leute
geworden, doch besaß der Goldschmied, der
seiner habgierigen Natur gemäß die Taschen
besser gefüllt hatte, noch einmal soviel als
der Schneider. Ein Habgieriger, wenn er viel
hat, verlangt noch mehr; der Goldschmied
machte dem Schneider den Vorschlag, noch
einen Tag zu verweilen, am Abend wieder
hinaus zu gehen, um sich bei dem Alten auf dem
Berge noch größere Schätze zu holen. Der
Schneider wollte nicht und sagte: „Ich habe
genug und bin zufrieden; jetzt werde ich Meister,
heirate meine Braut und bin ein glücklicher
Mann“. Doch wollte er ihm zu Gefallen den
Tag noch bleiben. Abends hing der Gold¬
schmied noch einige Taschen über die Schulter,
um recht einsacken zu können, und machte sich
auf den Weg zu dem Hügel. Er fand wie in der
vorigen Nacht das kleine Volk bei Gesang und
Tanz, der Alte schor ihn abermals glatt und
deutete ihm an, Kohlen mitzunehmen. Er zögerte
nicht, einzustecken, was nur in seine Taschen
gehen wollte, kehrte ganz glückselig heim und
deckte sich mit dem Rock zu. „Wenn das Gold
auch drückt“, sprach er, „ich will das schon
ertragen“, und schlief endlich mit dem süßen
Vorgefühl ein, morgen als steinreicher Mann
zu erwachen. Als er die Augen öffnete, erhob
er sich schnell, um die Taschen zu untersuchen;
aber wie erstaunte er, als er nichts herauszog
als schwarze Kohlen, er mochte so oft hinein¬
greifen als er wollte. „Noch bleibt mir das Gold,
das ich die Nacht vorher gewonnen habe“, dachte
er und holte es herbei; aber wie erschrak er,
als er sah, daß es ebenfalls wieder zu Kohle
geworden war. Er schlug sich mit der schwarz¬
bestäubten Hand an die Stirne, da fühlte er,
daß der ganze Kopf kahl und glatt war wie
der Bart. Aber sein Mißgeschick war noch
nicht zu Ende; er merkte erst jetzt, daß ihm zu
dem Höcker auf dem Rücken noch ein zweiter,
ebenso großer, auf der Brust gewachsen war.
Da erkannte er die Strafe seiner Habgier und
begann laut zu weinen. Der gute Schneider,
der davon aufgeweckt ward, tröstete den Un¬
glücklichen, so gut es gehen wollte und sprach:
„Du bist mein Geselle auf der Wanderschaft
gewesen, du sollst bei mir bleiben und mit von
meinem Schatz zehren“. Er hielt Wort, aber
der arme Goldschmied mußte sein Lebtag die
beiden Höcker tragen und seinen kahlen Kopf
mit einer Mütze bedecken. —
Grimm’s Märchen
Schriftgießerei Benjamin Krebs Nachfolger, Frankfurt a. M.
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Beilage zum „Archiv für Buchgewerbe“.
Archiv-Antiqua.
Original Erzeugnis.
Der Buchfink
von Otto Doephemcyer.
Vor meinem Fenster steht ein Baum;
In seinem Wipfel, hoch und schwank.
Singt immerfort, und noch im Traum,
Dem Lenz ein Vöglein seinen Dank.
Vor meinem Haus ein Birnbaum ragt:
Vom höchsten Zweige, kühn und risch.
Wenn kaum im Ost es golden tagt.
Ertönt ein Sang, so morgenfrisch.
Der erste Morgengruß mir klingt
Aus taubenetztem Blätterdach.
„Wach auf!" Der kleine Buchfink singt;
„Hier ist schon alles Leben wach!"
Wer möchte lange widersteh’n ?
Ich schlüpfe flugs in Schuh und Kleid,
O junger Tag, wie bist du schön
In deiner lichten Herrlichkeit!
Das Vöglein aber jubiliert
Den ganzen Tag ohn Rast und Ruh,
Im Singen, wenn es Abend wird,
Fall'n ihm die müden Lider zu.
■
r " .... -j
E
Vienne , 12 octobre 1908
Monsieur!
C’est ä mon grand regret que j’ai conslate que, depuis quelque temps, je suis
privi de vos nouvelles. Permettez moi de me rappeier ä votre bon Souvenir et de vous
confirmer ma circulaire du I er courant. La grande habitude de la fabrication et les
connaissances speciales, acquises pendant le dix neufans que j’ai dirigi la Maison Faure
Renard, dont j’itais l’associe, me permettent de solliciter vos odres avec confiance.
Gräce aux nombreux perfectionnements que j’ai apportes dans ioutillage de l’exploi-
tation, je suis ä mime de vous fournir les diffirentes qualites de bougies tant en
disponible qu en livrable ä des prix defiant toute concurrence.
Si vous vous decidez ä me passer un ordre d’approvisionnement pour la saison
cThiver, je me ferai un plaisir de vous faire des conditions exeptionnelles. Je ne saurais
donc assez vous recomander de profiter de cette offre et de cette occasion riellement
avantageuses, pour faire un essai qui, j’en suis convaincu, me procurera le plaisir de
vous compter de nouveau dans le nombre de mes meilleurs clients.
En attendant de vous lire, je vous prie d’agreer, Messieurs, Tassurance de ma
considiration distinguee.
Louis Faure Succ r .
1
1 1
E
Schriftgießerei Benjamin Krebs Nachfolger, Frankfurt a. M.
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Beilage zum „Archiv für Buchgewerbe“.
Archiv-Antiqua und Archiv-Kursiv.
Original-Erzeugnis.
□ I GOETHES GEDICHTE I □ |
Lebensgenuß
„Wie man nur so leben mag?
Du machst dir gar keinen guten Tag“!
Ein guter Abend kommt heran,
Wenn ich den ganzen Tag getan.
Wenn man mich da- und dorthin zerrt
Und wo ich nichts vermag,
Bin von mir selbst nur abgesperrt,
Da hab’ ich keinen Tag.
Tut sich nun auf, was man bedarf
Und was ich wohl vermag,
Da greif’ ich ein, es geht so scharf,
Da hab’ ich meinen Tag.
Ich scheine mir an keinem Ort,
Auch Zeit ist keine Zeit,
Ein geistreich-aufgeschloss’nes Wort
Wirkt auf die Ewigkeit.
Antike
Homer ist lange mit Ehren genannt,
Jetzt ward euch Phidias bekannt;
Nun hält nichts gegen beide Stich,
Darob ereifre niemand sich.
Seid willkommen, edle Gäste,
Jedem echten deutschen Sinn;
Denn das Herrlichste, das Beste,
Bringt allein dem Geist Gewinn.
|B| —164— |B
j| CD | GO ETHES GEDICHTE 1 □ !
Der Musensohn
Durch Feld und Wald zu schweifen,
Mein Liedchen wegzupfeifen,
So geht’s von Ort zu Ort!
Und nach dem Takte reget.
Und nach dem Maß beweget
Sich alles an mir fort.
Ich kann sie kaum erwarten.
Die erste Blum im Garten,
Die erste Bliit ' am Baum.
Sie grüßen meine Lieder,
Und kommt der Winter wieder,
Sing* ich noch jenen Traum.
Ich sing ' ihn in die Weite,
Auf Eises Läng'' und Breite,
Da blüht der Winter schön I
Auch diese Blüte schwindet.
Und neue Freude findet
Sich auf bebauten Höh’n.
Denn wie ich bei der Linde
Das junge Völkchen finde,
Sogleich erreg* ich sie.
Der stumpfe Bursche bläht sich,
Das steife Mädchen dreht sich
Nach meiner Melodie.
Ihr gebt den Sohlen Flügel
Und treibt durch Tal und Hügel
Den Liebling weit von Haus.
Ihr lieben, holden Musen,
Wann ruh ' ich ihr am Busen
Auch endlich wieder aus ?
□_ — 165 — _[Oj
HEINRICH KRONBERG
VERTRETER DER SÜDDEUTSCHEN EISENGIESSEREI UND MASCHINENFABRIK
HAUEISEN & STEINBACH IN MANNHEIM
KAISERSTRASSE 25 TELEPHON 234 MERSEBURG
Schriftgießerei Benjamin Krebs Nachfolger, Frankfurt a. M.
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Beilage zum Rrchitf für Buchgewerbe Richard Labisch & Co., Graphische Kunstanstalt
Berlin 0. 27, Schicklerstraße 6
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Beilage zum „Archiv für Buchgewerbe“ Vierfarbenätzung und Druck von Rudolf Loes, Leipzig
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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe
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Kunstbeilage der Graphischen Anstalt von Förster & Borries , Zwickau Sa.
Dreifarben - Reproduktion von Erzeugnissen der Porzellanfabrik von Friedrich Kaestner, Oberhohndorf - Zwickau Sa.
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Dreifarbendruck.
Mit Genehmigung d. Mich. Tricotwaren-Fabrik Aufnahme u. Dreifarbendruck von J. G. Holtzwarts Naefif.
Jacques Schiesser. Radolfzell am Bodensee. (S. Minjon) Abteil. B Kunstdruckerei. Frankfurt am Main.
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe.
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\
Photographie von Dr. H. Heids Nacht. R. Jobst & Comp.. Wien.
AUTOTYPIE
von C. ANGERER & GÖSCHL, k. u. k. hofphotochemigraphen. WIEN.
Beilage zum „Ärchi
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ftunft urtb Mnftler
in Frankfurt am ÜJiain
im neuttäe^nien 3al)rl)unbert
Sctlaac-jum 2Ird)io für 33ud)geu)erbe
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STuguft OftcrrietI) in ftranfefurt a. W.
Origiralfrom v
PRIINCETON UNfVERSITY
ftunft unb Zünftler
in Frankfurt am 3Katn
im neunzehnten 3af)rl)unbert
fjerausgegeben auf Beranlaffung bes
frankfurter ßunftuereins
Bearbeitet non
Öeinrid) 2Bet3[äcfter unb Gilbert Deffoff
5CRit 9ibbilbungen
frankfurt am Blain
3ofcpI) ©ocr & Co. Carl Jügel’s Verlag JjZeirtrid) ÄcUcr f. 31. C. ‘Preftel
3Jlori% SIbenbrotl)
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kunft unb künftler
in Frankfurt am ÜJlain
im neunzehnten 3al)rl)unbert
£erausgegeben auf Ceranlaffung bes
frankfurter ßunftoereins
(Erfter Banb
Das frankfurter ßunftleben
im neunzehnten 3af)rf)unbert
in feinen grunblegenben 3ügen gefd)ilbert non
Öeinrid) SBetäfädter
5CRit 52 lafeln in ßidjtbruck
f rankfurt am IRain
3ofepl) 33aer & Co. Carl 3ügePs Verlag J^einrid) Äellcr f. 31. C. ipreftel
ÜJtortfc Slbenbrotl)
X N
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«Drudt oon Sluguft Ofterrietf) in ftranftfurt am 9Hain.
Schriften unb 53ucf)[d)mu(& (oon J^einrid) Vogeler in
©Borpstoebe) aus ber ©iefeerei oon ©ebr. älingspor in
Offenbad) am Uttain. ©inbanbbedte unb QJorfatjpapier
oon 3of)annes Ciff ar 3 in Stuttgart, ßidjtbrudt ber iaf ein
oon ber 53erlagsanftalt ft.33rudtmann 51.=©.in©Ründjen
m 3BSBgEE BEBE
Gck 'gle
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Borroort
ine 3ufammenfaffenbe BarfteDung bcr künftlerifd)en Tätigkeit, bereit
Sdjauplat) im Caufe bes neu^eljnten f ahrhunberts tJrranftfiirt ge*
triefen ift, hat feit geraumer feit in ben 2 Bünfcf)en ber einljeimifdjen
fiunftfreunbe gelegen, unb an einem Orte, ber mit ber Vorliebe für
feine heimatliche fiunft aud) bie gefd)i<ä)tIicE)e Betrachtung ihrer JBerke
noch immer fo eng 3U nerbinben gemuht hat» mie hier gesehen ift, mochte gerabe ein
folches Anliegen befonbers lebhaft empfunben roerben. (Ermunternb trat hi«3U bie
roachfenbe Anteilnahme, bie fiel) überall in unfrer 3 eit ben (Entroicklungsoorgängen
ber beutfehen Äunft bes oorigen faljrhunberts 3ugeroanbt unb bie nun auch bie oer*
fchiebenen Pflegeftätten biefer fiunft als foldje in ben ©orbergrunb ber allgemein oor*
hanbenen Ontereffen geftellt hat. Bief eier ber (Erinnerung an bie oor fünf unb fieb3ig
fahren erfolgte ©rünbung bes frankfurter fiunftoereins gab im fahre 1905 ben
unmittelbaren Aniah, ber ©ermirklidjung jenes ffiebankens näher3utreten, mit beren
oorbereitenben Schritten ber ©ermaltungsrat bes ©ereins bereits 3roei fahre oorl)er
begonnen hatte, febod) {teilte ftcE) aus oerf^iebenen ©rünben imroeiteren ©erlaufe ber
Arbeit bie Unmöglichkeit heraus, bie als f eftfd)rift bes 'Bereins geplante Publikation
redjt3eitig 3U bem ermähnten lermin erfcheinen 3U laffen. ©or allen Bingen roud)S
bas gerichtliche ©taterial, mit beffen Sammlung alsbalb ber Anfang gemacht roorben
mar, 3U einem folgen Umfang an, bah für feine Bearbeitung notroenbig eine längere
f rift in Ausficht genommen merben muhte, mit Ausnahme ber fpe3ieHen ffiefchidjte
bes frankfurter fiunftoereins, beren ©eröffentlidjung 3U einem früheren 3eitpunkt
möglich unb für gut befunben mürbe.
So erfd)ien benn als ein erftes (Ergebnis ber eingeleiteten Bemühungen unb 3ugleidj
als ©rinnerungsgabe für bie freunbe bes ©ereins 3um fahre 1905 ber „©ückbück
auf bie Tätigkeit bes frankfurter ßunftoereins anlählicf) feines 75 jährigen Befteljens"
aus ber f eher bes Seniors ber einheimifd)en Sc^riftfteHerroelt, Jrjerrn f ran3 ©ittroeger.
3 ur Bemältigung bes noch bleibenben umfänglichen ©Materials empfahl fiel) als bas
geeignetfte ©Uttel, es in 3roei ^auptabfdjnitte 3U 3erlegen: einen ft)ftematifd)en 2 eil,
bem bie Aufgabe 3ufiel, bas ffiefamtbilb bes frankfurter fiunftlebens im neun3eljnten
f ahrhunbert in feinen grunblegenben 3ügen 3U geben, unb einen 3meiten, ausfchlief}*
lieh als ©a<hfcf)lagebuch gebachten Seil, ber ba3u beftimmt mürbe, bie Summe aller
auherbem nod) miffensmerten (Ein3ell)eiten in ber form eines biographif^en ßejikons
in fich auf3unel)men. Biefer plan fanb bie Billigung einer oom ©ermaltungsrate
eingelabenen Äommiffion, ber be^utreten fich bie fjerren Profeffor Otto Bonner*
o. ©id)ter, f erbinanb ffiünther*Preftel, f ohann f riebrid) §off, Dr. ©ubolf f ung unb
f ran3 ©ittmeger, fämtlich in f rankfurt a. ©U, freunblichft bereitfinben liehen. 3 n
ihrer gütigen ©Utmirkung hat unfer Unternehmen, mie mir bankbar heroorljeben, aud)
in feiner meiteren Burchfüf)rung bie mertoollfte f örberung gefunben.
Bie ©ebaktion bes ffiefamtroerkes mürbe jjerrn Profeffor Dr. Heinrich 2Bei3fä<ker,
bem bamaligen Birektor bes Stäbelfdjen Äunftinftituts, übertragen, ber in3roifcf)en
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VI
^Borroort
einem Rufe an biele<hnifd)e §ocf)fd)uIe in Stuttgart gefolgt ift; berfelbe übernahm aud)
bie Ausführung bes barftellenben leils, ©ähren b mit ber Bearbeitung bes Äünftler»
lejikons fjerr Ulbert Beffoff, (Erfter Sekretär ber f reiherrl. (Earl o. Bot^fd)Ub|c^en
öffentlichen Bibliothek in frankfurt a.Bt., betraut tourbe. für bie Tätigkeit beiber
Autoren tourbe ein gemeinfamer Arbeitsplan oereinbart, unbefd)abet ber Selbftänbig«
keit, bie beiben im ein3elnen blieb, toie benn aud) jeber oon beiben für fid) allein bie
Beranttoortung für ben oon if)m herrühren ben Arbeitsanteil trägt.
Die allgemeinen Richtlinien anlangenb, nach benen bei ber Bearbeitung bes
biographifchen Cejikons oerfahren toorben ift, haben toir, einjelner im befonberen
lokalen 3 ntereffe gelegenen Borbehalte unerachtet, barauf ffie©id)t gelegt, uns in
allen toefentlichen Bingen in Übereinftimmung mit ben muftergiltigen (Brunbfätjen
3U halten, bie oon ber Rebaktion bes in 2eip3ig im (Erflehten begriffenen AH«
gemeinen ßepkons ber bilbenben ßünftler für biefes aufgefteHt ©orben finb unb toir
oerfehlen nicht, ben Herausgebern bes genannten SBerkes, ben H erren Dr. Ulrich
Ihicaxe unb Dr. 3 rclij Becker in 2eip3ig, an biefer Stelle für ihre toieberholt auch
mit Rat unb lat geleiftete liebenstoürbige Beihilfe unferen oerbinblichften Bank
3U fagen. Über bie für ben erften, barftellenben ieil unferer frankfurter ßunft«
geeichte mafjgebenben (Befichtspunkte hat fich ber Berfaffer felbft in beren einleiten»
bem fiapitel ausgefprod)en. ^tnjitfügcnb fei bemerkt, bah auf bie Beigabe eines
befonberen Regifters für biefen erften Ieil oer3id)tet toorben ift, ba ein fold)es burd)
entfprecf)enbe Bertoeifungen im ßünftlerlejikon überflüffig gemacht toirb. Auch oon
ausführlichen 2iteraturna<hroeifen, bie, um keine 3erfplitterung f)eroor3urufen, im
allgemeinen bem ßejikon oorbehalten bleiben müffen, ift hier abgefehen toorben, unb
nur folche Rotten haben in ben Anmerkungen bes lejtes Aufnahme gefunben, bie
3u beffen näherer Ausführung unbebingt erforberlid) fchienen. Ber erfte Banb ift
begleitet oon 3toeiunbfünf3ig Abbilbungen in 2 id)tbrucktafeln, bie nicht nur bas
befonbere ©epräge ber frankfurter ßokalkunft in einer Austoal)I charakteriftifd>er
Beifpiele oor Augen [teilen, fonbern auch tunlid)ft fold)e 2Berke oorführen follen, bie
enhoeber in toeiteren Greifen überhaupt nid)t bekannt getoorben, ober hoch noch nicht
publ^iert toorben finb.
für gütige ffietoährung oon Auskünften ober fonftiges (Entgegenkommen ift bie
Rebaktion unferes UBerkes, toie [d)on bie Quellenangaben bes nadjfolgenben lejtes
erkennen Iaffen, 3U Bank nach 3ahlreichen Seiten hin oerbunben, bie alle 3U nennen
es hier an Raum gebricht, für mehrfache gefällige Rtühetoaltung gebührt oor allem
unfer Bank ben Ieitenben Stellen ber oerfd)iebenen öffentlichen 3 nftitute, bie in frank»
furt ben künftlerifdjen ober toi[[enf<haftIi<hen 3 nterej|en bienen, bes Stabtarchios, ber
Stabtbibliothek, ber freiherrl. (Earl 0. Rothfd)iIbfd)en öffentlichen Bibliothek, ber
Äünftlergefeüfchaft, bes Stäbelfdjen äunftinftituts u. a. m., insbefonbere hat uns bie
Abminiftration ber 3ulet}t genannten Stiftung burd) bie freunblidje 3 noorkommenheit
oerpfüd)tet, toomit fie bie Benu^ung ber reichen Quellen 3ur ©efchichte ber neueren
frankfurter Äunft geftattet hat, bie in ihrer Regiftratur Dorljanben finb. 3 ngleicf)en gilt
unfer toärmfter Bank bem Birektor bes frankfurter Stabtarchios Dr.Rubolf Jung, ber
nicht nur 3U toieberholten Rialen fdjähensmerte ar<hioaIifd)e Rachrichten beigefteuert,
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®ortoort
VII
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j bes kimftta
Aotbfdjilbidjer
ätigheit beiier
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leiegt, uns in
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finb uni) mir
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jefteuert,
jsh
fonbern aud) an ber Orbnung unb ©rmägung fo mancher ^fragen, toelcE)e bie fort*
(d)reitenbe Arbeit im einjelnen ftellte, unermüblidjen Anteil genommen hat.
Dafj ertblid) in fjinfid)t ber äußeren Ausftattung bes oorliegenben D 3 erkes roeber
Dlül)e nod) fioften gefreut mürben, fd)ien uns eine mit bem (Begenftanbe felbft ge*
gebene «Jorberung 3U fein, unb mir haben um f 0 bereitroilliger barauf Debacfjt ge*
nommen, als uns in bet Perfon bes Jr>errn J^einricf) D 3 aüau in 3Jlain3 eine im (Bebiete
ber Dud)kunft roeitt)in anerkannte unb erprobte Autorität beratenb -jur Seite ftanb.
DUt bem lebhaft empfunbenen Danke, ben mir ihm für feine nie oerfagenbe f)ilfs*
bereitfdjaft fd)ulben, oerbinbet fid) ber Ausbruck ber ebenfo aufrichtigen Anerkennung,
bie fid) biejirma AuguftOfterrietl) in Frankfurt a. DI. mit ber ooDenbeten tectjnifdjen
Ausführung bes QBerkes oerbient hat, für bie bes meiteren in ben Schriften ber
©iefterei oon ©ebr. ÄHngspor in Offenbad) a. Al., bem 23 ud)f<hmu<k oon Heinrich
Dogeler in 2Borpsmebe, bem ©ntrnurf ber ©inbanbbecke nebft Dorfatjpapier oon
3 of)annes ©iffar3 in Stuttgart unb ber fjerftellung ber £id)tbrucktafeln burch bie Der*
lagsanftalt Druckmann A.*©. in Dlünchen eine auserlefene Unterftütjung gemähr*
leiftet mar. (EnblicE) ift es uns eine angenehme Pflicht, in Dankbarkeit bes (Entgegen*
kommens 3U gebenken, bas uns jrjerr ©eh- Degierungsrat Dr. D 3 ilf)elm ©minner in
Frankfurt a.Dt., ber Sohn bes oerbienten ßokall)iftorikers, Senator Dr. pi). 3 rriebri^
©minner, ergeigt hat. ©r hat als millkommene künftlerifd)e Deigabe für unfer IBerk
bas Dilbnis feines Daters geftiftet, bas in einer meiftert)aften Deprobuktion oon
ber Jfjanb bes Dlalerrabierers profeffor Peter §alm in Dlünchen ben 3toeiten Danb
fdjmückt, unb er hat aujjerbem für bie Dearbeitung bes Äünftlerlejikons unoer*
öffentlichte fioOektaneen aus bem Dachlaffe feines Daters 3ur Derfügung geftellt, an
beffen bekanntes Ducf) über „ßunft unb Äünftler in Frankfurt a. Dl. 00m brei*
3el)nten 3 al)rhunbert bis 3ur ©röffnung bes Stäbelfd>en fiunftinftituts" fich unfer
2 Berk ja gemiffermajjen als Jortfetjung anfchliejjt.
Frankfurt a. Dl. im September 1907
©er ^frankfurter ßunftoerein
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Beilage zum Weihnachtshefte des „flrchiu für Buchgewerbe 41
BRflFIKfll SZEfTlLE
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Entwurf von Josef Aigner.
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Druck der Pester Buchdruckerei A.-G.
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Original fro-m
PRINCETON UNfVERSITY
afera man einmal bas Gebiet neuzeitlich ausgeftatteter Gelegenßeits»
Druckfad)en einer kritifd)en Würbigung unterzieht, wirb man feßr
halb finben, baß man es hi«* mit zwei uoneinanber volljtänbig un=
abhängigen Rrbettsfelbern zu tun hat. Wir kennen nämlid) einmal
foldje Druckfadjen, welche ihre Entfteßung einzig unb allein äftße»
tifcßen Rückfichten uerbanken, beren 3weck es alfo ift, bei pajfenber Gelegenheit
nur bas Rüge bes Befdjauers zu erfreuen, feinen Gefdjmadk burdj Darbietungen
eines kleinen Kunftwerkes angewanbter Graphik zu bilben unb bamit anzuregen,
hierher zählen alle für Privatzwecke entftanbenen Htenus, Ehtlabungs» unb Ttfd)=
karten, Pamitienanzeigen, Glückwunfd)», Peft» unb Htttgliebskarten, Cieber unb
Bierzeitungen unb ähnliches. Sie haben ihrer Bebeutung nadj nidjts ober wenig
gemein mit allen jenen Druckfachen, bei benen bie Kunjt ausschließlich im Dienjte
ber Reklame fteht, alfo ben Gefcßäftsanzeigen, Kalenbem, Rechnungen, Premben»
füßrern, Eintabungen unb Katalogen für Rusftellungen, Wein- unb Cikoretiketten,
Speifekarten ber Reftaurants unb fcßtießtich ben Theater-unb TRuftkprogrammen,
in benen bie Reklame allerbings fchon etwas in ben fjintergrunb tritt unb nur
Kunft burd) Kunjt uerebelt werben foll. Die Vorläufer ber Bewegung, welche be=
fonbers bas Gebiet ber kleineren Reklame ber Kunjt zu erobern bejtrebt war,
finb natürlich in ber Entwicklung ber Plakatkunjt zu fudjen, unb wie in biefer,
fo ijt uns aud ) xn öer künftlerifcßen Gejtaltung kleinerer Druckfadjen Prankreicß
um uieles uorausgeeilt. Sdjon im 3aßre1898 erfdjtenen bort zwei größere Werke,
bie ßd) mit ben Klenus, programmes illustres, petites estampes etc.befdjäftigen
unb zeigen, baß ber Erfolg biefes Teiles angewanbter Graphik zum größten Teile
auf ber Klitarbeit ber großen unb größten franzöjtfdjen Kteifter beruhte. Unter
bem namen Rfjtcßes ä la main faßt IRaillarb in ber Vorrebe eines biefer Bücher
bas ganze Gebiet zufammen, bas in Deutfcßlanb erjt in ben lebten Jahren be=
beutenbere Portfcßrttte zu uerzeidjnen hot. Rn berSpiße biefer Beßrebungen fteht
bei uns feit nunmehr zehn Jahren bie Kunjtbrudterei bes Karlsruher Künjtler»
bunbes, ber einige Jahre fpäter bie Vereinigung ber Steglißer Werkftatt, in äßn»
Uchem Sinne fdjajfenb, folgte. Troßbem Jtecken wir nocß immer in ben Rnfängen
biefer Beftrebungen, benken wir nur an bie meift jammervollen Programme ber
Theater, Varietes ober Konzertfäle, unb finb in ber Kenntnis ber Entwickelung
ber grapßifchen Kleinkunft auf ausgezeichnete größere Ruffäße angewiefen. Es
kann natürlich nicht meine Rufgabe fein, im Rahmen eines fo kleinen Ruffaßes
bas immerhin fdjon ganz anfeßnlidje Gebiet guter künftlertfcßer Ceijtungen er»
fdjöpfenb zu behanbeln. Rur einige prägnante Beifpiele ber Cuxus- fowohl wie
ber Reklamekleinkunjt aus ber leßten 3eit zeigen, welcher anregenben unb viel»
fettigen Rnwenbungen biefe Gebiete fähig finb, unb wie ftcß im fcßeinbar Unbe»
beutenben bie Kultur bes einzelnen, fein künftlertfcßer Gefcßmack unb äftßetifcßes
Beilage zum
Rrdjiu für Budjgewerbe
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Salj unb Druck ber Sdjrift«
giefterei C.”F-Rül)linCeipzig
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Die Leiben
bes jungen Wertljers
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0csef3t aus ber Sal 3 mannschrift
:: ber Schriftgießerei ::
3. 0. Scheiter $ öiesecke, Ceip 3 ig
0ebruckt auf einer Schnellpresse
Winbsbraut ber Maschinenfabrik
ber gleichen Firma
Original frnm
PRINCETON UfJIVERSITY
2
öoeftjes Werke
mit einer Einleitung: Goethes Geben
unb Werke von Prof. Dr. S. Hl. Prem
ZEHtlTER BAHD
Inhalt: Werftjers Leihen :: Aus meinem Geben
Dichtung unb Watjrbeit:: 0öf3 von Berlidjingen
rFlit bem Bilbnis öoeftjes unb einem Faksimile
Deutsche Verlagsbruckerei von
Ferbinanb Sdjreiber-Karlsruhe
ERSITZ
as \d) von ber ©escijidjfe bes armen
Werbers nur habe auffmben können,
habe idj mit Fleiß gesammelt unb lege
R mm 25 cuc & ^ ßrmit vor unb weiß, baß itjr
ÖCÜcDS mir's banken werbet, l^r könnt seinem
0eist unb seinem Charakter eure ßewunberung unb
Ciebe, seinem Schicksale eure Tränen nicht versagen.
Unb bu, gute Seele, bie bu eben ben Drang fühlst,
wie er, sdjöpfetrost aus seinem Ceiben unb laß bas
Büchlein beinen Freunb sein, wenn bu aus eigner
Schulb ober 0es<hick keinen nähern finben kannst.
:: ERSTES BUCH ::
Äm 4 . fflai 177 t. Wie froh bin idj, baß idj weg bin! Bester Freunb,
was ist bas Herz bes Ulensdjen! Didj 3U verlassen, ben ich so
liebe, von bem idj unjertrennlidj war, unb frolj 3U sein! Idj weiß,
bu ver3eiljsf mir’s. Waren nidjt meine übrigen Verbinbungen recht
ausgesucht vom Schicksal, um ein Her3 wie bas meine 3U ängstigen?
Die arme Ceonore! Unb bodj war idj unsdjulbig. Könnt' idj bafür,
baß, wäljrenb bie eigensinnigen Rei3e ihrer Schwester mir eine an¬
genehme Unterhaltung verschafften, baß eine Ceibensdjaft in bem
armen Her3en sich bilbete! Unb bodj — bin ich flan3 unschulbig?
Hab' ich nidjt ihre Empfinbungen genährt? hab’ idj mich nicht an
ben gan3 wahren flusbrücken ber tlatur, bie uns so oft 3U ladjen
machten, so wenig lädjerlidtj sie waren, selbst ergöt3f? hab’ idj
nicht — Ö, was ist ber Klensdj, baß er über sich klagen barf! — Idj
will, lieber Freunb, idj verspreche bir’s, ich will mi«h bessern, will
nicht mehr bas bißchen Übel, bas uns bas Schicksal vorlegf, wieber-
käuen, wie i<h's immer getan habe; idj will bas Gegenwärtige ge¬
nießen, unb bas Vergangene soll mir vergangen sein. Gewiß, bu hast
recht, Bester, ber Sdjmer3en wären minber unter ben rflensdjen,
wenn sie nicht—Gott weiß, warum sie so gemacht sinb—mit so viel
Emsigkeit ber Einbilbungskraft sich beschäftigten, bie Erinnerungen
bes vergangenen Übels 3urück3urufen, eher als eine gleichgültige
Gegenwart 3U ertragen. Du bist so gut, meiner FFluffer 3u sagen,
baß ich ihr Geschäft bestens betreiben unb ihr etjsfens Uadjridjt
o sie
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bavon geben werbe, ldj Ijabe meine Tante gesprochen unb habe
bei weitem bas böse Weib nicht gefunben, bas man bei uns aus ihr
macht. Sie ist eine muntere, heftige Frau von bem besten Heiden.
ldj erklärte ihr meiner Kluffer Beschwerben über ben 3urückgehal-
tenen Erbschaftsanteil; sie sagte mir ihre Grünbe, Ursachen unb bie
Bebingungen, unter welchen sie bereit wäre, alles heraus3ugeben
unb mehr, als wir verlangten — Kur3, idj mag jet3t nichts bavon
schreiben; sage meiner Hlufter, es werbe alles gut gehen. Unb ich
habe, mein Lieber, wieber bei biesem kleinen Geschäft gefunben:
baß Klißverstänbnisse unb Trägheit vielleicht mehr Irrungen in ber
Welt machen, als List unb Bosheit. Wenigstens sinb bie beiben
let3teren gewiß seltener.
Übrigens befinbe ich mich hier gar wohl. Die Einsamkeit ist meinem
Her3en köstlicher Balsam in bieser parabiesisdjenGegenb, unb biese
Dahres3eit ber Jugenb wärmt mit aller Fülle mein oft sdjaubembes
Her3. Heber Baum, jebe Hecke ist ein Strauß von Blüten, man möchte
3um Klaikäfer werben, um in bem Kleer von Wohlgerüchen herum¬
schweben unb alle seine Tlahrung barin finben 3U können.
Die Stabt selbst ist unangenehm, bagegen ringsumher eine un¬
aussprechliche Schönheit ber Tlafur. Das bewog ben verstorbenen
Grafen von RI**, einen Garten auf einem ber Hügel an3utegen, bie
mit ber schönsten Klannigfaltigkeif sich kremen unb bie lieblichsten
Täler bilben. Der Garten ist einfach, unb man fühlt gleich bei bem
Eintritte, baß nicht ein wissenschaftlicher Gärtner, sonbem ein füh-
lenbes Her3 ben Plan ge3eidjnef, bas seiner selbst hier genießen
wollte. Schon manche Träne hab' ich bem Abgeschiebenen in bem
verfallenen Kabinetfchen geweint, bas sein Lieblingsplät3<hen war
unb auch meines ist. Balb werbe ich Herr vom Garten sein; ber
Gärtner ist mir 3ugetan, nur seit ben paar Tagen, unb er wirb sich
nicht übel babei befinben.
Am tO.Rlai. Eine wunberbare Heiterkeit hat meine gan3e Seele ein¬
genommen, gleich ben süßen Frühlingsmorgen, bie ich mit gan3em
Her3en genieße, ldj bin allein unb freue mich meines Lebens in
bieser Gegenb, bie für solche Seelen geschaffen ist, wie bie meine.
ldj bin so glücklich, mein Bester, so gan3 in bem Gefühle von ruh¬
igem Dasein versunken, baß meine Kunst barunter leibet. Ich könnte
jet3t nicht 3ei<hnen, nicht einen Strich, unb bin nie ein größerer Klaler
gewesen, als in biesen Augenblicken. Wenn bas liebe Tal um mich
bampftunb bie hohe Sonne an ber Oberfläche ber unburdj bringlichen
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Er fühlet neu, was borf für fjeil entsprungen.
Den Glauben fühlt er einer falben Welt;
Doch von gan3 neuem Sinn wirb er burdjbrungen,
Wie sich bas Dilb ihm Ijier vor Äugen stellt:
Es steljt bas Kreu3 mit Rosen bidjt umschlungen.
Wer hat bem Kreu3e Rosen 3ugesellt?
Es schwillt ber Kran3, um recht von allen Seiten
Das scljroffe fjolz mit Weichheit 3U begleiten.
Unb leichte Silber-fjimmelswolken schweben
mit Kreu3 unb Rosen sich empor3Usd)wingen,
Unb aus ber mitte quillt ein heilig Geben
Dreifacher Strahlen, bie aus einem Punkte bringen;
Von keinen Worten ist bas Dilb umgeben,
Die bem Geheimnis Sinn unb Klarheit bringen.
Im Dämmerschein, ber immer tiefer grauet,
Steht er unb sinnt unb fühlet sich erbauet.
Er klopft 3ulet3f, als schon bie hohen Sterne
Ihr helles Äuge 3U ihm nieber wenben.
Das Tor geht auf, unb man empfängt ihn gerne
mit offnen Ärmen, mit bereiten Hänben.
Er sagt, woher er sei, von welcher Ferne
Ihn bie Befehle höhrer Wesen senben.
man horcht unb staunt. Wie man ben Unbekannten
Äls Gast geehrt, ehrt man nun ben Gesanbten.
Ein jeber brängt sich 3U, um auch 3U hören,
Unb ist bewegt von heimlicher Gewalt;
Kein Obern wagt ben seltnen Gast 3U stören,
Da jebes Wort im fjer3en wieberljallt.
Was er er3ählef, wirkt wie tiefe Gehren
Der Weisheit, bie von Kinberlippen schallt:
Än Offenheit, an Unsdjulb ber Geberbe
Scheint er ein mensch von einer anbem Erbe.
Willkommen, ruft 3ulef3t ein Greis, willkommen,
Wenn Deine Senbung Trost unb fjoffnung trägt!
Du siehst uns an; wir alle stehn beklommen,
Obgleich Dein Änblidt unsre Seele regt:
Das schönste Glück, adj! wirb uns weggenommen,
Von Sorgen sinb wir unb von Furcht bewegt.
Zur widjf’gen Stunbe nehmen unsre mauern
Did) Fremben auf, um auch mit uns 3U trauern.
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Denn, ad)! ber mann, ber alle liier verbünbet,
Den wir als Vater, Freunb unb Führer kennen,
Der Cidjt unb ITlut bem Geben ange^änbet,
ln wenig Zeit wirb er sidj von uns trennen,
Er Ijat es erst vor ku^em selbst verkünbet;
Dod) will er Weber Art noch Stunbe nennen.
Unb so ist uns sein gan3 gewisses Scheiben
Geheimnisvoll unb voller bittrer Ceiben.
Du siegest alle hier mit grauen paaren,
Wie bie Flatur uns selbst 3ur Kulje wies;
Wir nahmen keinen auf, ben jung an Ualjren
Sein fjer3 3 u früh ber Welt entsagen tjieß.
nad)bem wir Gebens Gust unb Gast erfahren,
Der Winb nicht mehr in unsre Segel blies,
War uns erlaubt, mit Ehren hier 3 U lanben,
Getrost, baß wir ben sichern fjafen fanben.
Dem eblen manne, ber uns hergeleitet,
Wohnt Friebe Gottes in ber Drusf;
Ich h a b’ ihn auf bes Gebens Pfab begleitet
Unb bin mir alter Zeiten wohl bewußt;
Die Stunben, ba er einsam sidj bereitet,
Verkünben uns ben nahenben Verlust.
Was ist ber mensch, warum kann er sein Geben
Umsonst unb nicht für einen Bessern geben?
Dies wäre nun mein einiges Verlangen.
Warum muß idj bes Wunsches mich entschlagen?
Wie viele sinb schon vor mir hingegangen!
Ilur ihn muß ich am bittersten beklagen.
Wie hält’ er sonst so freunblid) Dich empfangen!
Allein er hat bas Baus uns übertragen.
Zwar keinen nod) 3um Folger sich ernennet,
Doch lebt er schon im Geist von uns getrennef.
Unb kommt nur täglich eine kleine Stunbe,
Erzählet unb ist mehr als sonst gerührt;
Wir hören bann aus seinem eignen ITlunbe,
Wie wunberbar bie Vorsicht ihn geführt;
Wir merken auf, bamit bie sichre Kunbe
lm kleinsten auch bie llachwelt nicht verliert;
Auch sorgen wir, baß einer fleißig schreibe
Unb sein Gebädjtnis rein unb wahrhaft bleibe.
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0 ötz. Ällmädjfiger Gott! Wie wotjl ist’s einem unter beinern
Himmel! Wie frei! Die Bäume treiben Knospen, unb alle Welf
tjofft. Gebt wotjl, meine Lieben; meine Wuseln sinb abgetjauen,
meine Kraft sinkt nadj bem Grabe.
Elisabett). Darf idj Lersen nadj beinern Soljn ins Kloster
sdjidten, baß bu itjn nodj einmal sietjsf unb segnest?
0 Öt 3 . Laß itjn, er ist tjeiliger als idj, er brauet meinen Segen
nidjf. An unserm Hodj3eiftag Elisabeftj, atjnfe mir’s nidjf, baß idj
so sterben würbe. Klein alter Vater segnete uns, unb eine Hadj-
kommensdjaft von ebeln, fapfern Söljnen quoll aus seinem Gebet.
Du tjasf itjn nidjf erljört, unb idj bin ber lef3fe. Lerse, bein Än-
gesidjf freut mich in ber Sfunbe bes Tobes metjr als im mutigsten
Gefedjf. Damals fütjrfe mein Geist ben eurigen; j'ef3f tjälfst bu
midj aufredjf. Adj, baß idj Georgen nodj einmal sätje, midj an
seinem Blick wärmte! Ujr setjf 3ur Erben unb weint - Er ist tot -
Georg ist tot!-Stirb 0 öf 3 -Du tjasf bidj selbst überlebt, bie Ebeln
überlebt. Wie starb er? Adj, fingen sie itjn unter ben FFlorbbrennern,
unb er ist Ijingeridjfet?
Elisabett). Tlein, er würbe bei Miltenberg ersfodjen. Er wetjrfe
sidj wie ein Löw um seine Freiheit.
0 Öt 3 . Gott sei Dank! Er war ber beste Junge unter ber Sonne
unb tapfer. Löse meine Seele nun. Arme Frau! Idj lasse bidj in
einer verberbten Welf. Lerse, verlaß sie nidjf. Sdjließt eure Heiden
sorgfältiger als eure Tore. Es kommen bie Zeiten bes Betrugs, es
ist itjm Freiheit gegeben. Die Hidjfswürbigen werben regieren mit
List, ber Eble wirb in itjre nef3e fallen. Maria, gebe bir Goff beinen
Wann wieber. Iflöge er nidjf so tief fallen als er tjodj gestiegen ist.
Selbit3 starb, unb ber gute Kaiser, unb mein Georg. Gebt mir einen
Trunk Wasser. - Himmlisdje Luft - Freiheit! Freiheit! (Er stirbt.)
Elisabeftj. nur broben, broben bei bir. Die Welt ist ein Gefängnis.
Maria. Ebler Iflann! Ebler Mann! Welje bem Jatjrtjunberf,
bas bidj von sidj stieß!
Cerse. Welje ber nadjkommensdjaff, bie bidj verkennt!
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Unsere Reproduktions-Kamera System „REFORM*
(Gesetzlich geschützt!)
erregt in Fachkreisen größtes Aufsehen und
findet allseitig ohne Vorbehalt größten Bei¬
fall. Dieselbe Ist durchgängig neu kon¬
struiert und allen andern Systemen gegen¬
über wesentlich verbessert. Neu daran ist:
„Reform"-Rastereinstellung B “p.
kein Differieren des Rasters, auch bei langjähriger
Benutzung, mehr; neuer Rasterhalter(D.R.G.M.)
„Reform"-Kassette £•„«• G ri.“ ’-volÜ
richtung für die Platten und neuem Verschluß an
Stelle des bisher gebräuchlichen Deckels.
„Reform"-Schwingestativ
jede Erschütterung des Bodens aus und ermög¬
licht unter Garantie tadellos scharfe Aufnahmen
j| bei größten Formaten, bei welchen jedes andere
Schwingestativ versagt.
Garantie für tadelloses Funktionieren,
sorgfältige Arbeit und bestes Material.
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Leipzig 1904
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Medaille!
Vollständige Einrichtungen für Autotypie, Dreifarbendruck, Lichtdruck usw.
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PRtNCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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ganz automatischen und halb automatischen
Bogen-Falzmaschinen
von
Preusse & C° 6 Leipzig
Gegründet 1883
Älteste, erfahrenste Falzmaschinenfabrik Deutschlands.
Ganz automatische
Falzmaschine
„Ideal“
mit bänderloser Einführung.
Unsere Falzmaschinen arbeiten unausgesetzt von
Papierstößen bis 15000 Bogen Höhe. — Kein fort¬
währendes Neuauflegen kleiner Papiermengen.—
Kein vorheriges Ausstreichen der aufzulegenden
Bogen; daher kein Zeitverlust.
Leistung: bis 5000 Bogen in 1 Stunde.
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sowie den von J.V.Cissarz für unser Hl
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PRINCETON UN1VERS1TY
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Buch-, Stein-, Licht-
und BlechdrucK
Maschinenfabrik
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Klein, Forst & Bohn
Nachfolger
GEISENHEIM a. Rh.
Europäische
Vertreter:
Gustav A. Jahn, Berlin,
Lindenstraße 101.
Rudolph Becker, Leipzig:,
Stephanstraße 8.
Rieh. Scholber, Stuttgart.
Linotype and Maehlnery Ltd,
London.
David Ferner y Cla.,
Barcelona.
Emillo Antonelli & Co., Turin,
R. Pusztafl & Co., Budapest.
Charles F.Kaul, Paris.
Alle Versuche seitens amerikanischer, deutscher, englischer und
französischer Farbenfabrikanten unsere Doubletone-Farben brauchbar
zu imitieren, sind gänzlich mißlungen.
Unsere Doubletone-Farben und Schwärzen für Rotationsmaschinen
sind anerkannt in jeder Beziehung eminent erhaben, von größerer Deck¬
kraft, größerer Ergiebigkeit und ermöglichen Resultate, die früher nur
auf Zylinder-Maschinen erzielt werden konnten.
„Ein Wink genügt dem Weisen“
SIGMUND ULLMAN CS, NEW YORK
Bogenzuführungs-Apparat
Kein Verschmieren des Druckes,
auch des schwersten lllustra-
tionsdruckes nicht.
Arbeitet pneumatisch, kein falzbein¬
artiges Ausstreichen, gestattet
deshalb schnellstes Umschlagen
der Auflagen.
Sicheres Funktionieren auch bei den
größten Formaten, sowie
beim Einlegen
von zwei Bogen.
Folgt jeder Geschwindigkeit der
Presse.
Praktisch für kleinste Auflagen, da
keine Verstellung nötig.
Erschwert nicht das Zurichten.
Wenig Kraftverbrauch.
j an erste
Kleim & Ungerei*, Leipzig -Leutzsch
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PRINCETON UNIVERSiTY
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Bogenanleger
□ 10jährige Erfahrung! □
Feinste Referenzen! Inder
Praxis vielfach erprobt!
Neues
vereinfachtes Moden.
Infolge rationellster Fabrikation können wir unser
vereinfachtes Modell zu Preisen verkaufen, die die
Anschaffung auch bei kleineren Auflagen lohnend ge-
□ □ □ □ stalten, denn wir haben den □ □ n □
m Preis um M 500 o
gegenüber unserem früheren Modell herabsetzen können.
□ □ □ □ □
Die Bogentrennung selbst funktioniert wie bisher, ohne kon-
= struktive Aenderung des ■■=■■■■
durch 10 Jahre
bewährten Mechanismus.
n n n n
□1 _[□
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Original frorn
PRINCETON UNiVERSITY
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Koenigs Bogenanleger
neuestes Modell □□□□□
Koenigs Bogenanleger
wird in folgenden Typen gebaut:
Typ
Maximale
Bogenhöhe
Maximale
Bogenlänge
ungefähr
A;
70 cm
100 cm
A 8
80 cm
120 cm
Ho
90 cm
135 cm
B io
100 cm
150 cm
B ii
1 10 cm
165 cm
B 12
1 20 cm
180 cm
Auch für ganz kleine Formate verwendbar. I loher Papierstoss: ohne jede Einstellung
auf Papierstärke oder Format wirkende selbsttätige Tischhebung. Verarbeitet alle Papier¬
sorten. Kürzeste Montagezeit. —=- -
□ u KOENIGS BOGENANLEGER □□
— im obigen Bilde veranschaulicht — arbeitet nach dem Ausstreich-Prinzip, welches sich
bei allen Papiersorten vorzüglich bewährt hat; er ist in allen Teilen so konstruiert, dass
auch beim Umschlagen kleiner Auflagen und bei mehrfarbigen Arbeiten kein Verschmieren
des frischen Druckes eintritt. Das Register ist infolge von - -=.--^ =-:
□ Präzisions ■ Seiten ■ Ziehmarken □
welche im Preise einbegriffen sind, selbst für Dreifarbendrucke einwandfrei genau. Eine
automatische Abstell-Vorrichtung sorgt für Vermeidung von Makulatur bei fehlerhaftem Papier;
Koenigs Bogenanleger ist zwecks - - - ^-- — --— - ■
jederzeitigen Handanlegens leicht abstellbar.
Keinerlei Behinderung in dei Ausnutzungsmöglichkeit der
====== Schnellpresse! =====——
Koenigs Bogenanleger
Vertreter gesucht! G - m - b - H -> Maschinenfabrik,
-nGUBEN.ia
□ _
10 .
II. (Ib.
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PR1NCETON UNIVERSITY j
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
Erstklassige Fabrikate! Modernste Konstruktion!
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für alle photomechanischen Verfahren
Illustr.Prachtkatalog Nr.47 kostenfrei!
Heinrich Ernemann A.-G. vorm.
RERRODUCTIONEN
JEDER ARXF0R BUCH:
GEWERBE,! NDUSTRIE,
KUNST
Don einet Hehlamefdirifl
wird nidit nur verlangt, daß fie auffällig fei
1 fle /oll auch auf die nerven einmirhen, ihr Bild /oll den Le/er
Intere/Jteren. Beim Hnbltdi eines Inf erat es oder einer Behlame-
2 Drudtarhetl muß das äuge durch das Stichwort
angezogen und audi feftgehallen werden; der
3 Le/er /oll demnach gezwungen fein, ftdt
näher mit der /Inzeige zu befihäftigen.
Diefe Eigen fthaft hat die non dem fiun/lmaler O.L.naegele in
miindien entworfene und non uns in 12 Graden gefdmittene
flero-rtur/io
in vollem maße; fie feff eit den Blidi felbft auf gedrängte/len
fnferatenfeiten und läßt durch ihre kräftige, eigenartige und
effektvolle Wirkung die fladibarfdiriften völlig zurü dt treten.
% Sdiriffgießerei E.J.ßenzfdi, miindien ••
Vorführung von i nonpar etile, 2 Petit, 3 Garmond, 4 Cicero: magere flero-tturflo
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Original fro-m
PR1NCET0N UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
IELER& VOGEL
Hamburg
Berlin SW
■ ->»»»»»»>»$ Eigene Papierfabrik Golzern in Sachsen
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B für Landkarten, Plane usw.
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K Sortiment farbiger U mschlag- und Prospektpapiere,
■ gepreßte Papiere in 10 Dessins, Streifbandpapiere,
0 Trauerpapiere, Japan. Serviettenpapiere usw.
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griff zu tun, ftebt Ihnen offen. IDenden Sie ficb an untere
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scbneider, Cinienbieger, Zeilenmaße,
Perforierlinien, Üüinkelbahen, 8etz-
scbiffe, diverse Scbließzeuge,
Hblbefte, Pinzetten, Gu߬
eiserne plattenschuhe,
farbmesscr und
farbspachtein, Slalzengestelle und
Gießhülsen, Hnlegcmarhen usw. usw,
patentierte fundamente für
Stereotyp- und Htzplatten.
Flur ertyältiicf) durcl):
I ÜtensilieroJjaintdlimgm
farbefatmken.
Utensil^-
fBasctj irien '
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Original frnm
PRINCETON UNIVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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Kartenscheere
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mit Tellermessern,
Untermesser
federnd.
August Fomm
Leipzig-
Reudnitz
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Scheiter-Antiqua :: Geschnitten in Öen
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und auf Deutsche Normallinie gegossen
J GSCHELTER & GIESECKE
SCHRIFTGIEßEREI-LEIPZIG
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71 *
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Original frörri
PRINCETON UNIVERSITY
B SSJS Deutfcher ssjs
udigewerbenereln
Die in dem Deutidien Buch*
gewerbehaus zu Leipzig ein¬
gerichtete
Ständige
Budigeroerblidie
Ausheilung
worin Illafdiinen, Bedarfsartikel
aller Art für budigewerbiidie
C5elchöffe,fowle budigewerbliche
Grzeugnifie ausgeiteilt find, io«
wie das
Deutiche
Buchgewerbe-
ntuieum
mit feiner Husitellung pon Al¬
teren und neueren Druckwerken
ift an Wochentagen pon 9 Uhr
bis 6 Uhr, an Sonntagen pon
u bis 2 Uhr unentgeltlich
geöffnet.
Das hefezimmer
des Deutfchen Buchgewerbeper¬
eins ift an Wochentagen, mit
Ausnahme des montags, pon
9 bis 2 Uhr und abends pon
7 bis 10 Uhr, an Sonntagen pon
11 Uhr bis 2 Uhr koItenlOS
der Benufcung zugängig.
BERGER äWiRTH
LEIPZIG,
Cii iai ru*
Farben¬
fabriken
GEGRÜNDET 1823.
Filialen:
BERLIN BARMEN BUDAPEST FLORENZ 7 , ,
LONDON NEWYORR PARIS bT PETERSBURG^ In
TTTTTTTTT
Wo ellm er'Kursiv
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Wilhelm Woellmer’s Schriftgießerei
und Messinglinienfabrik ■ Berlin SW
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des
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§ Geschäftsstelle des Deutschen §
§ Buchgewerbevereins in Leipzig §
2 Buchgewerbehaus §
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OIOIOIOIOIOIOIOII
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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B
B
a
a
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t)on35ü^ecn^atatogen^cofpeffenunb
alten anbecen 0cucfat6ei£en empfiehlt
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©djriffgie&etei unb 3Cftefjingtinienfa6rtf
2tnlt>enbungspco6en ftcfjcn auf Tßunfcl) s“ Sienften
©nf^pcobe aus Unger-Sratfur
3
a
a
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Dreifarbendruck
Lichtdruck
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530
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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Derlangen Sie
das reid) aus
gefiatteteHeff:
neue ßud)-und
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ln imölf ßraden
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IMARCHIV
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GEWERBE
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für Vergofbepreffe u. Tjanövsrgofbuiig
für 'Bucfjöinbereien
Tflufier auf Verfangen ßereitmifTigft
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Original ftorri
PRINCETON UNiVERSITY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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0 /erfigeo /ür J3uc6gen<er/H' u. <J/>dus/rie
jJu/o/ypnf? y'/mho/iur?Qer? Gravuren
a Thxjip/affcrzjb'evza mcvrfarfuycr; Tburt.
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di( nmi unD innm aussiattuhg von bum m kaiaiogui
le/pg/G-ß- ‘ßeßurSW.
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Jerrtrü/356. tTemrufJlmf IV. HZ76.
m POSTtHIlDlSeHe
aseHinen-FHBRiK
(uormals 3.C. B.H. DIETRICH) Aktiengesellschaft
Plauen i.V.
V Bau von Rofafionsmasdiinen J
aller flri /
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PR1NCETON UNiVERSUV
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PRINCETON UNIVERS1TY
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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LLüSLfa^i] LrtiQtä]^ 0
Google
Original fram
PRINCETON UNIVERSIITY
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[j *Wer für Zeitungs- und flkdtöentdruck eine (Reklame- []
fdjrift von energifdjem und wirkfamen künftleriföen
Charakter verlangt, beachte unfere neue Wurfivfdjrift
,,‘Delvedere“
Qefctjnitten in neun Graden nacfj
Gnfwürfen von Qeinricfj Wieynk
| ‘Dauerfcfje Gießerei, Frankfurt * |
ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE
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BERLIN S W I4 ZIMMERSTR-^
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ICH BITTE PROBEN ZU VERLANGEN •
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Leipzig,
Kr*ax»rr 13 .
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Wilhelm Mallien,Leipzig-Li.50.
i ii 11 rr 111 M
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PlakahschriHgiesserei und Graviranstalt-
I I I I I I I I I I I IT T
Groß-
Buchbinderei
von Th. Knaur, Leipzig
Gegründet 1846
übernimmtsämtlicheBachbinderarbeiten
zu mäßigem Preise.
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PRiNCETON UNIVERS1TY
Sie sparen viel Geld
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Karl Krause’s
patentierten doppelten
= Dreischneider =
benutzen.
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Folgende Leipziger Firmen benutzen Krause’s doppelten Dreischneider
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j vo< m Gustav Frltsche
Bibliographisches Institut (2 Stück)
Böttcher A Bongartz
F.A.Brockhaus
Dampf buchblnderel vorm. F.A.Barthel
E. A.Enders
H. Flkentscher
Fischer AWIttlg (2 Stück)
Abt. Baumbach & Co.
C. G. Naumann
Otto Spamer
H. Sperling (2 Stück)
B.G.Teubner
Papis Karl Krause, Leipzig London I
44ruedes vinaigriers Friedrichstr.16 ■ Berlin ■ Seydelstr.8 13 2 Sandlandstreet
M -»-J»-„-*. «Mf-*-^
Auriol-Neuheiten y
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^ Unsere Auriol-Ornamente \ \ [ Unsere Reklame-Schriften ^
| sind graziös, sehr einfach Sirius und Saturn ergänzen |
f und vielseitig verwendbar *g sich in wirksamster Weise ?
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§öVo * * * ° 0 «o 9 * cT=
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-3 , .HAMBURG PROBEN ZU DIENSTEN &
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Herausgeber: Deutscher Buchgewerbeverein — Verantwortlicher Schriftleiter: Arthur Woernlein
r ~ — • . = ~t - - Druck: Br eit köpf & Härtel — Sämtlich in Leipzig ~
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